Aberglaube

Aberglaube

In früheren Zeiten, vor dem Siegeszug der modernen Medizin, erklärte man sich viele Prozesse rund um Schwangerschaft und Geburt auf mystische Weise. Heute, wo alles mehr oder weniger erforscht ist, dürfte daher der Aberglaube eigentlich keine Rolle mehr spielen. Um so erstaunlicher ist es, dass sich einige Mythen immer noch hartnäckig halten. Das sind meine persönlichen Highlights:

„Wenn die werdende Mutter Sodbrennen hat, bekommt das Kind viele Haare.“
In der Schwangerschaft drückt die wachsende Gebärmutter zunehmend auf den Magen. Außerdem schließt, durch den verringerten Muskeltonus, der Magenpförtner nicht mehr so optimal. Dadurch dringt Magensäure in die Speiseröhre ein.
„Sieht die Frau blendend aus, hat einen spitzen Bauch und oft Lust auf Süßes, wird das Kind ein Junge. Ist der Bauch aber rund, die Gelüste gehen eher in die saure Richtung und die Mutter sieht eher müde und schlecht aus, wird es ein Mädchen.“
Da es jeweils eine 50/50 Chance für das jeweilige Geschlecht gibt, fühlt sich eben jede 2. Frau in ihrem Glauben bestätigt.
„Die meisten Kinder kommen bei Vollmond.“
Keine Studie konnte diese Behauptung je untermauern.
„Erschreckt sich die Mutter in der Schwangerschaft, bekommt das Kind ein Muttermal.“
Muttermal ist ein übergeordneter Begriff für alle Arten von gutartigen Hautwucherungen der pigmentierenden Zellen, die bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden waren. Wenn sie später entstehen nennt man sie Leberflecken.
„Wenn die Mutter die Arme über den Kopf nimmt, verknotet sich die Nabelschnur.“
Nabelschnurknoten entstehen, durch die Turnübungen der Kinder. Sie lassen sich von außen weder verstärken, noch verhindern.

Allerdings enthalten einige „Weisheiten“ durchaus ein Fünkchen Wahrheit :
„Jede Schwangerschaft kostet einen Zahn.“
Durch die veränderte Hormonlage wird das Zahnfleisch weicher und wird außerdem besser durchblutet. Die Voraussetzung für Zahnfleischentzündungen steigt. Daher sind eine gute Zahnpflege und 1-2 Zahnarztbesuche während der Schwangerschaft anzuraten.
„Frauen bekommen eine Stilldemenz.“
Abgesehen davon, dass in der Stillzeit der Fokus der Mütter einfach auf dem Kind liegt und daher andere Informationen einfach eine geringere Priorität haben, begünstigt das Stillhormon Prolaktin den Gedächtnisverlust. Die gute Nachricht ist: Diese „Demenz“ ist reversibel. :-)

Welche heute noch gebräuchlichen „Weisheiten“ kennt Ihr?
Wurdet Ihr schon gewarnt, z.B. die Haare nicht zu Flechten, da sich dann die Nabelschnur verknotet? Es gibt sicher auch regionale Unterschiede. Ich bin gespannt…

 

 



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4 Kommentare
  1. kunterbunt
    kunterbunt sagte:

    Super, eine Seite nach meinem Geschmack! Hier meine Ergänzungen:

    Fehlgeburtsmythen:
    Wenn eine Schwangere stürzt (egal ob sie die Treppe runterpurzelt oder über eine Türschwelle stolpert) erleidet sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine Fehlgeburt.

    Wenn eine Schwangere zu ruckartige Bewegungen macht, erleidet sie evtl. eine Fehlgeburt.

    Wenn eine Schwangere mal zu schwere Einkaufstüten nach Hause trägt, erleidet sie ggf. eine Fehlgeburt.

    Wenn sich eine Schwangere streckt und dehnt oder überhaupt irgendwie körperlich betätigt, schadet das dem Kind – Gefahr: Fehlgeburt!

    (Bei der langen Liste an angeblichen Faktoren für Fehlgeburten, die ich während meiner Schwangerschaft von allen Seiten genannt bekommen habe, ist es nicht verwunderlich, dass sich Frauen nach einer tatsächlichen Fehlgeburt oft schuldig fühlen!)

    Außerdem sehr beliebt bei Kollegen und Arbeitgebern:
    Schwangerschaft ist keine Krankheit – eine Schwangere ist in jeder Hinsicht genauso leistungsfähig im Job wie vor der Schwangerschaft, ungeachtet der gewaltigen psychischen und phyischen Veränderungen, die in ihr vorgehen.

    Geschlechtsmythos:
    Wenn das Baby über den errechneten Termin hinaus nicht geboren ist, wird es ein Mädchen – „es macht sich noch hübsch“.

    Und dann gibt es noch Mythen zu Baby-Tier-Beziehungen nach der Geburt, z. B.:
    Babys, die in Tierhaushalten aufwachsen, erkranken leichter an Allergien.

    Katzen wollen Babys wärmen und legen sich deshalb prinzipiell auf sie und ersticken sie! Also besser die Katze abschaffen, wenn ein Baby kommt…

    Antworten
  2. Tina
    Tina sagte:

    Ist es eigtl ein Mythos, dass man das Geschlecht mit Eisprung bestimmen kann?
    ICH halte es für eine 50/50 Chance ;-)

    Mir wurde ab dem 8./9. Monat nahegelegt, dass ich NIE allein Auto fahren sollte. Denn dann ist die Gefahr wenn die Wehen beginnen (klar, die gehen auch von 0 auf 100 in 2 Sekunden ;-)), dass ich sooo erschrocken und schmerzgeplagt bin und einen Unfall baue.

    „Du musst nun für 2 Essen“ (gemeint war immer für quasi 2 erwachsene Menschen :-x)… die Kilos danach muss ich aber allein runterkriegen…

    Beim Sex kann man das Kind treffen. Fand ich sehr lustig… kommt bestimmt aus dem Mittelalter, wo Frauen Gründe brauchten um den Mann fern zu halten ;-)

    Alle anderen wurden schon genannt, die ich so gehört hatte ;-)

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  3. Ira
    Ira sagte:

    Ich freue mich, dass ich diesen Artikel gelesen habe. Ich kann auch dazu beitragen. Als meine Tochter geboren wurde, wurde ich von meiner Mama und ihren Freundinnen vorsichtig darauf angewiesen, zu überprüfen, ob meine Kleine unter ihrer Haut dunkle harte schwarze Haare auf dem Rücken und Hüften hat. Dafür sollte ich ein Paar Tropfen Muttermilch in ihre Haut einreiben. Angeblich wären diese Haare sofort um 2-3 mm sichtbar geworden. Angeblich haben eben diese Haare dem Baby gestört. Daher war es so unruhig und hat in den ersten drei Monaten geschrien. Also, um die Haare wegzumachen und somit böse Geister aus dem Körper zu verjagen, sollte man das Baby in die heiße Sauna bringen und es mit Teig und Honig wie beim Peeling massieren. Angeblich haben alle Frauen aus dem Bekanntenkreis meiner Mutter das mit ihren Babys gemacht. Alle Babys sind dank dieser „Haarentfernung“ ruhig und ausgeglichen geworden.
    Ich muss sagen, dass ich ziemlich verunsichert war, da diese Aberglaube mir echt Angst gemacht hat. Ich hatte im Ernst Angst, Muttermilch in die Haut meiner Tochter einzureiben. Ich habe entschieden, mit meiner Hebamme das Ding zu besprechen. Zum Glück. Die Hebamme hat von sowas nie gehört und solche Haare nie gesehen. Meine Mama habe ich gebeten, mir keine solche Tipps mehr zu geben.

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