Manchmal möcht ich einfach lügen

Manchmal möcht’ ich einfach lügen

„Hey und was machst du beruflich?“ Die Frage musste ja unausweichlich kommen. Gehört halt dazu, auf jeder Party, bei jedem Kennenlernen, immer. Ist ja auch klar. Ich frag das auch immer. Aber wenn ich selbst gefragt werde, dann bin ich davon zunehmend genervt. „Ich bin Hebamme“, sage ich natürlich wahrheitsgemäß. Fieberhaft überlege ich schon, wie ich mein Gegenüber schnell auf andere Gedanken bringen kann: „Sieh nur, ein Eichhörnchen! Woher kennst du eigentlich den Gastgeber? Hey, dein Bier ist ja fast alle“. Aber keine Chance. Denn erst einmal kommt eine von zwei möglichen Reaktionen: Weiterlesen

Kreissaal Tür-Schild

Es brennt! – Zur Situation angestellter Hebammen in Deutschland

Viel wurde in den letzten Jahren zur „Hebammenproblematik“ berichtet. In der öffentlichen Wahrnehmung ist inzwischen angekommen: Es gibt ein Versicherungsproblem bei den freiberuflichen Hebammen. Die Versicherungsbeiträge steigen. Das können die armen Hebammen mit ihren schmalen Vergütungen durch die Krankenkassen nicht mehr stemmen.

„Tja, egal. Schließlich gehen ja 98% aller Frauen zur Geburt in eine Klinik, und auf die Klinikhebammen trifft das Ganze ja wohl nicht zu, oder? Hausgeburten sind irgendwie eh ein unsicherer Luxus. Wenn es also irgendwann keine Haus- und Geburtshausgeburten mehr gibt, ist das kein großer Verlust.“ – Ich glaube, das wird immer noch von vielen so gesehen.

Mittlerweile kommt jedoch ein Folgeproblem an die Oberfläche:
Freiberufliche Hebammen betreuen ja nicht „nur“ Hausgeburten, sondern versorgen auch die frischgebackenen Familien im Wochenbett. Diese Leistung ist langsam aber sicher faktisch nicht mehr abrufbar, denn dafür mangelt es (inzwischen) deutlich an Hebammen. Stichwort „Hebammensterben“. Wer sich nicht direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest eine Hebamme sucht, hat wenig Chancen überhaupt noch eine zu finden – wir sind schlicht ausgebucht: Monate im Voraus!1 Weiterlesen

Elternprotest goes Europe

Elternprotest goes Europe – oder: warum ich Besuch von einer schwedischen Puppe bekam

Status Quo der Geburtshilflichen Versorgung in Deutschland im Februar 2017:
2016 schlossen deutschlandweit 18 Kreißsäle. Weitere Schließungen sind für 2017 angekündigt. Mehrheitlich waren das kleine Kliniken mit relativ wenig Geburten. Die Klinikleitungen sprechen dann immer von Unwirtschaftlichkeit. Denn auch wenn in einem Krankenhaus nur wenig Geburten stattfinden, muss ja immer ein bestimmtes Kontingent an Personal vorgehalten werden. Geburtshilfe – mit allem, was eben in einer Klinik dazu gehört – ist teuer. Es kommt also immer mehr zur Zentralisierung der Geburtshilfe in große Geburtskliniken mit einer hochtechnisierten Ausstattung und oft einer angebundenen Kinderklinik, die für alle Notfälle und Eventualitäten ausgestattet ist. Weiterlesen

Wundergriff "The Hold" für weinende Babys

Der Wundergriff für schreiende Babys – Was ist dran an „The Hold“?

Ein Youtube-Filmchen sorgt gerade für ziemlich große Aufregung im Netz. Ein amerikanischer Kinderarzt scheint einen Wundergriff zur Beruhigung von weinenden Babys gefunden zu haben!
Kann das sein? Das wäre doch wirklich zu schön! Ich werde bereits viel dazu gefragt: Wie ich das sehe, was ich denn glaube…
Ich bin skeptisch.
Aber wir können sicher ganz schnell gemeinsam herausfinden, was an der Sache wirklich dran ist! Und das geht so: Anschauen. Ausprobieren und anschließend die Ergebnisse in meiner kleinen Mini-Umfrage sammeln. Seid ihr dabei?

Anschauen

Im Film sehen wir Dr. Hamilton, der uns erklärt, wie er in seiner Arztpraxis Babys beruhigt, damit er sie besser untersuchen und auch entspannter mit den Eltern sprechen kann. Er nimmt uns im Film mit in seinen Behandlungsraum. Dort liegt ein weinendes Baby auf einer Behandlungsliege. Die Mutter sitzt ein kleines Stück entfernt auf einem Stuhl und schaut zu. Weiterlesen

Roses Revolution Day 2015

Gewalt in der Geburtshilfe – Roses Revolution Day

Zum dritten Mal jährt sich am 25. November 2015 der Roses Revolution Day in Deutschland. An diesem Tag sollen Frauen, die unter der Geburt verbale oder körperliche Gewalt erfahren haben, vor den entsprechenden Institutionen, rosafarbene Rosen ablegen. Wer möchte, legt einen erklärenden Brief dazu. Fotos der Aktionen sollen über die sozialen Netzwerke dann verbreitet werden, um sie auf diese Weise öffentlichkeitswirksam zu dokumentieren.

Welche Gewalt?

Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich dabei um:

„Körperliche Misshandlung, tiefe Demütigung und verbale Beleidigung, aufgezwungene oder ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe, Missachtung der Schweigepflicht, Nichteinhaltung der Einholung einer vollumfänglich informierten Einverständniserklärung, Verweigerung der Schmerzbehandlung, grobe Verletzung der Intimsphäre…“

Je mehr zu dem Thema geforscht wird, um so erschreckender sind die Erkenntnisse.
Dr. Katharina Hartmann, die Initiatorin des Roses Revolution Day Deutschland, geht sogar von einer Betroffenenrate von 10-25% aus! (Die Zahlen stammen aus einem Interview mit Frau Dr. Hartmann im „Hebammen info“ – Magazin 4/15.)
Auch ich habe schon von vielen Frauen im Wochenbett Dinge erzählt bekommen, die mich teils ganz ungläubig zurück ließen. Weiterlesen