Brief an mein altes stillendes Ich

Brief an mein (altes) stillendes Ich

Langzeitstillen ist in weiten Teilen der Gesellschaft immer noch sehr verpönt. Wir sprechen sogar schon vom Langzeitstillen, wenn eine Frau ihr Baby über das erste Lebensjahr hinaus stillt. Es herrscht eine enorme Angst, ein Kind womöglich bis zur Grundschule stillen zu müssen, wenn man nicht rechtzeitig die Abstill-Kurve kriegt. In der bedürfnisorientierten Erziehung ist es hingegen ganz selbstverständlich, dem Kind solange die Brust zu geben, bis es sich von selbst abstillt. Manche Frauen tun dies sehr selbstbewusst und gern.
Bei vielen Frauen wächst aber die Angst vor dem vermeintlichen Drama des Abstillens. Und nicht wenige beugen sich dem Druck der Umwelt.

BonBon-Mama – Langzeitstillen aus Kindersicht

Letzte Woche las ich im Blog Stillkinder meiner Hebammen-Kollegin Regine Gresens einen wirklich niedlichen Text eines dreieinhalb Jahre alten Kindes, das beschreibt, wie es ist, neben Mama (bzw. neben ihrer Brust) zu schlafen:

„Mama, du bist wie ein Bonbon, der vor mir liegt, aber ich darf ihn nicht lutschen. Wenn ich nachts neben dir liege, dann möchte ich immer den Bonbon essen, aber ich soll ja nicht, und dann kann ich nicht schlafen. Wenn du nicht da bist, kann ich schlafen, da ist der Bonbon ja nicht da, und ich kann einfach weiterschlafen.“

Ich fand das ganz toll und teilte den Post auf meiner Facebook-Seite. Darauf hin bekam ich einen wunderbaren Leserinnenbrief von Ava, die mir von ihrer Abstillerfahrung berichtete, und die ich hier mit euch teilen darf.

Ava’s Brief

Liebe Jana,
ich habe gerade bei Dir auf Facebook vom gestillten Kleinkind und dem Bonbonvergleich gelesen.
Mein gestilltes Kleinkind ist jetzt genau zwei Jahre und fünf Monate alt und in den vergangenen Monaten hab ich mich schon oft stillend bei seiner Abi-Feier gesehen – oder dabei, wie ich ihn und seine erste Freundin tandemstille. Aber dann ist am vergangenen Sonntag eher zufällig das Einschlafstillen ausgefallen, weil er wahnsinnig müde war und eingeschlafen ist, als wir uns kuschelnd im Bett unterhalten haben.

Und seitdem hat er nicht mehr an meiner Brust getrunken. Ohne Diskussion, ohne Tränen, ohne Tricks.
Ich dachte immer ich müsste abstillen, indem ich die Wohnung verlasse. Ich sah mich mit tropfender Brust, weinend im Treppenhaus stehen, weil ich meinem armen, brüllenden Kind seine Mutter, die Brust und das geliebte Ritual gleichzeitig nehme. Ich hatte Sorge ihn zu traumatisieren und dass er nächtelang weinen oder schreiend um meine Brust kämpfen würde. Jetzt ist es einfach so passiert! Meine Brust tut so, als sei nichts gewesen. Sie war nicht hart, nicht heiß, hat nicht gespannt. Es ist zwar noch Milch da, aber ich spüre nichts davon.
Ich wünsche mir jetzt, dass ich durch die Zeit reisen könnte, um mit meinem stillenden Ich zu reden. Dann würde ich ihm sagen: Vertrau Dir selbst! Vertrau Deinem Kind! Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, dann geht das Abstillen wie von selbst und keiner muss leiden! Und vor allen Dingen: Genieß die wundervolle Stillzeit.

Ich bin jetzt ein wenig traurig, dass sie vorbei ist, aber unsagbar und unbeschreiblich erleichtert, dass mein Kind nicht leiden musste und unsere wunderschöne und lange Stillbeziehung im gemeinsamen Einvernehmen kuschelnd und innig zu ende gegangen ist ohne dass wir schreien und weinen mussten. Wir kuscheln noch genauso viel wie vorher – vielleicht sogar noch mehr und ich kann es noch mehr genießen, weil mir niemand an der Brust herum spielt und ich keine kleinen Zähnchen spüre.

Ihr tollen bloggenden Hebammen macht so fantastische Arbeit. Ohne die Ermutigung, die so viele Frauen durch Euch erfahren, hätte ich mich sicher auch von außen beeinflussen lassen und hätte ohne Anton’s stilles Einverständnis und ohne ein gutes Gefühl abgestillt. Weiter so!

Liebe Ava, danke für Deinen Brief. Das kleine Lob am Schluss freut mich natürlich sehr! Ich denke, dass gerade solche Erfahrungsberichte anderen Frauen sehr helfen können, ihren eigenen Weg zu gehen, ohne sich dabei von Anderen beirren zu lassen. Jede Still-Beziehung ist einzigartig! Jedes Mutter-Kind Team muss selbst herausfinden, was das Beste für Beide ist und sollte dass dann auch tun (können/dürfen). Denn Eins ist sicher: Bisher hat sich noch jedes Kind irgendwann abgestillt.

Still!

Stillen ist immer wieder in der Diskussion und leider auch immer wieder in der Kritik. Die Ressentiments in unserer Gesellschaft sind enorm. Das reicht von mobbingartigen Kommentaren, bis hin zu politisierter Panikmache.

 

Leseempfehlungen

Ob eine Frau stillen möchte, und wie lange, das ist eine individuelle Entscheidung, die jeweils nur die betroffene Familie etwas angeht. Ich hoffe, dass irgendwann keine Frau mehr angefeindet wird, weil sie ihr Kind übers erste Jahr hinaus stillt. Genauso wie ich mir wünsche, dass eine Frau die nicht stillen kann oder will, beim Fläschchen-geben keine blöden Sprüche zu hören bekommt. Als Außenstehende hat man doch keine Ahnung davon, welche Gründe hinter bestimmten Entscheidungen stehen. Es passiert daher häufig, dass schon die (vermeintlich harmlose) Frage: “Du stillst noch?”, ein ordentlicher Tritt ins Fettnäpfchen ist.

Hier sind einige Blogartikel, die ich euch zum Weiterlesen empfehle:

Briefe von Mutter zu Mutter

Was würdet ihr eurem alten Ich schreiben? Ich bin mir sicher, dass viele Frauen, die das hier lesen werden, euch für die Kommentare dankbar sind!

Meine Buchempfehlung für Dich

“Das Stillbuch” von Hannah Lothrop vermittelt Müttern die nötige Sicherheit und Gelassenheit, die sie zum Stillen brauchen. Bei aller Stillfreundlichkeit dieses Buches gibt es erfreulicher Weise aber keinerlei Stillzwang. Auch Gründe für’s „Besser-nicht-Stillen“ werden genannt und beleuchtet. In meinem Shop zum Blog kannst du es jetzt kaufen – dort erhältst du übrigens bei vielen Produkten weitere persönliche Anwendungstips in Form eines kleinen Beipackzettels von mir.



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18 Kommentare
  1. Rosalie
    Rosalie sagt:

    Was ich immer super schade finde ist, dass immer so getan würde, als ginge es beim Stillen nur ums Kind. Das ist ja völliger Blödsinn, denn zu 50% ist auch die Mutter beteiligt. Bedürfnisorientierte Eltern stillen eben nicht grundsätzlich, bis das Kind nicht mehr will. Oft wird auch abgestillt, weil die Mutter nicht mehr mag und das ist kein bisschen schlechter. Es wird aber nie erwähnt, dass die Bedürfnisse der Mutter genauso viel zählen, wie die des Kindes. Vielleicht stillen ja so viele Mütter nicht Langezeit, weil sie merken, wie verdammt anstrengend das Stillen werden kann, wie es auf die Gesundheit gehen kann, wie es einen Stressen kann. Weil die Mütter eben in gewissen Situationen ohne Stillen besser dran sind. Ich kann ein Lied davon singen. So lange ich stille, handle ich mir jede Woche einen neuen Infekt ein. Und das über Jahre. Das ist einfach scheiße! Eine befreundete Mutter stillt nun schon seit 1,5 Jahren – obwohl sie das nie wollte – aber die Kleine macht eben Theater und nimmt keine Flasche. Und nun arbeitet sie, ist mit 2 Kinder alleine und schläft seit Wochen kaum, weil die Kleine zahnt und die ganze Nacht stillen will… Und das ist kein Einzelfall!

    Ich würde also einer stillenden Mutter immer raten: Still, so lange es euch beiden gut tut. Wenn sich einer auch nur unwohl dabei fühlt und nicht mehr mag, dann versuch was anderes. Stille niemals, weil es das Beste für’s Kind ist. Stille nur, wenn es gut für EUCH beide ist!
    Wie gut es den Kindern und den Eltern geht ist unabhängig von der Stilldauer. Kein Kind nimmt Schaden, egal wie lang du stillst – ob 1 Monat oder 5 Jahre – so lange ihr euch gerne um einander kümmert.

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Rosalie, das es für beide passen muss, unterschreibe ich dir sofort. In diesem Beispiel ging es ja aber um eine glückliche Mama-Kind-Stillsituation, die so oft von außen torpediert wurde. Wenn man dann in der Situation steckt, glaubt man irgendwann die blöden Sprüche und macht sich wirklich Sorgen, das Kind endlos stillen zu müssen. Das ist genauso wie: “Du bekommst dein im Familienbett schlafendes Kind niemals mehr im eigenen Bett zur Ruhe.” Das ist Quatsch.
      Einer Frau, für die Stillen eine schreckliche Qual ist, würde ich raten abzustillen. Das Kind wird trotzdem groß und eine leidende Mutter tut auch nicht auf Dauer gut.

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  2. anne
    anne sagt:

    Die blöden Kommentare, vor allem aus der erweiterten Familie, haben für mich dazu geführt, dass ich “heimlich” stille und es einfach nicht mehr thematisiere, weil ich mir teilweise so hanebüchene Unverschämtheiten anhören musste, und das schon, seit mein Kind etwas über 6 Monate alt ist. Auch beim Kinderarzt etc. spreche ich es nicht an, weil ich mich nicht für die Ernährung meines Kindes rechtfertigen möchte. Bei der U6 wurde ich nicht mal gefragt, ob ich noch stille – man ist einfach davon ausgegangen, dass das Kind abgestillt ist.
    Vielleicht ist das feige und trägt nicht dazu bei, Langzeitstillen als normaler wahrnehmen zu lassen, aber ich habe einfach keine Energie mehr für Kommentare wie “lang gestillte Kinder werden schwul”. Kurioserweise wird dann eine Verwandte aber dafür kritisiert, dass sie nicht stillt. Also stillen bitte, aber auf keinen Fall länger als 6 Monate! Das ist doch verrückt.

    Leider bekomme ich das auch im Freundeskreis mit, dass gerade die Großelterngeneration noch extrem irritiert reagiert, wenn man ein Kind über 6 Monate hinaus stillt und man sich da ganz schön verteidigen muss. Finde ich schade – genauso wie ich es schade finde, wenn man sich rechtfertigen muss, wenn man sein Kind nicht stillt.

    Ich bin gespannt, wie es mit uns weitergeht. Am schönsten fände ich es, wenn mein Kind selbst abstillt, kann mir aber auch vorstellen, selbst aktiv das Abstillen zu initiieren, wenn ich wieder schwanger werden sollte – wobei ich da auch erstmal abwarten würde, ob mein Kind sich abstillt, wenn sich die Milchproduktion auf Kolostrum umstellt. Tandemstillen sehe ich eher nicht für mich – allerdings dachte ich auch vor der ersten Schwangerschaft, ich würde spätestens mit 6 Monaten abstillen, damit ich wieder arbeiten kann und fand Langzeitstillen irgendwie abstoßend (zumindest, wenn es Kindergartenkinder und aufwärts betraf). Das hat sich komplett geändert, also wer weiß – vielleicht ändert sich auch meine Einstellung zum Tandemstillen noch! So lange sich das Gefühl so hält, wie es momentan ist, machen wir einfach so weiter! :)

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  3. kiddo the kid
    kiddo the kid sagt:

    Meine Tochter ist anderthalb und ich stille noch. Meist nachts, aber manchmal auch tagsüber, wenn ich das Gefühl habe, dass sie das jetzt braucht.

    Ehrlich gesagt, dachte ich immer, ich würde nur die “empfohlenen” 6 Monate stillen. Lust auf Stillen hatte ich gar nicht so sehr, es war eher so ein Automatismus, dass man “das ja so macht”.

    Als meine Tochter 12 Monate alt war, wollte ich einige Wochen lang unbedingt abstillen. Alles hat genervt. Das dauernde Aufwachen, die Zähne, einfach alles. Komischerweise hab ich es dann doch nicht getan, und jetzt stillen wir ziemlich harmonisch einfach weiter. Ja, einige Menschen in meiner Familie und auch im Bekanntenkreis finden das freakig. Manche kommentieren es, manche denken sich ihren Teil. Wirklich mitbekommen tun die das allerdings nicht, denn wir stillen in den allermeisten Fällen daheim und ohne Gesellschaft.

    Ich wünschte, jede Frau könnte das nach ihren Bedürfnissen (und denen ihres Kindes) so handhaben, wie es ihr passt. Ohne Wertung, ohne Kommentare, ohne Schuldgefühle.

    Ich schreibe immer mal wieder auf dem Blog darüber, weil mich diese Vereinnahmung des Mutterkörpers durch die “Gesellschaft” so annervt.

    Wann wir abstillen, kann ich jetzt noch nicht sagen. Entweder meine Tochter oder ich werden irgendwann nicht mehr wollen. Ob das nächsten Monat oder nächstes Jahr ist, who cares.

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  4. mom
    mom sagt:

    Ich war ehrlich gesagt ein bisschen schockiert, dass in den ganzen neuen Babyratgebern steht “das Kind stillt sich nach dem 6. Monat langsam selber ab”. Ich glaube zu meinen, dass in meinen alten (österreichischen) Ratgebern (von vor 20 Jahren) noch sehr viel längere Stillempfehlungen standen.
    Mittlerweile habe ich durch meinen Mann ein bisschen Einblick in ausländische Geburtsstile, und seitdem traue ich keinem mehr, der mir erzählen will, irgendwas sei Standard. Die brasilianische Kollegin meines Mannes war schockiert, als er ihr erzählte, dass wir das Kind ganz à la nature bekommen wollen – das gilt wohl in der brasilianischen Mittelschicht als sowas von bäh und out, die lassen alle einen Kaiserschnitt machen, alles andere geht GAR nicht…
    Beim Stillen ist es auch so. Fahr 1000 km weiter weg, und “Standard” ist ganz was anderes.

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  5. Elli
    Elli sagt:

    Ich würde meinem alten, nur teilweise stillendem Ich sagen, dass ich meinem Baby auch im Café ruhig ein Fläschchen geben kann. Ich habe mich damals so geschämt, mich so minderwertig gefühlt und dachte, dass jede Frau (komisch, oder?) im Raum doch denken muss, dass ich eine schlechte Mutter bin. So eine, die raucht und trinkt und keinen Bock hat, ihr Kind optimal zu ernähren.
    Kein Wunder eigentlich, dass dann immer zu wenig Milch da war.
    Ich wünsche mir so viel mehr Sicherheit in beide Richtungen.

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    • Stefanie
      Stefanie sagt:

      und ich habe meine Freundin immer etwas beneidet, wenn sie im Cafe einfach die Flasche geben konnte und nicht, wie ich, mit Tüchern und T-Shirt und Tragetuch und guckt jemand? sieht man was? rummachen musste. Und dass bei einem Fläschchenkind ich ihre Kleine auch mal füttern konnte, war auch wunderschön (trinkendes Baby im Arm, was will man mehr?).
      Es ist also in beiden Richtungen nicht optimal, aber wie sagt besagte Freundin immer zu mir? Es ist alles nur in unseren Köpfen (sie meint damit das ganze schlechte-Mutter-unbedeckte-Brüste-Hure-von-Babylon-etc… das allen Müttern irgendwie im Kopf spukt). Die anderen Menschen denken das (meist) nicht.

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  6. Neeva
    Neeva sagt:

    Der Brief an mein stillendes Ich:
    Nimm Schmerzen ernst! Lass dich nicht abwimmeln, wenn die Hebamme keine Lust hat, sich um deine wunden Brüste zu kümmern. Und sag der Stillberaterin, dass du nicht Allgemeinplätze brauchst, sondern eine tatsächliche Beratung. Wenn du keine Hilfe bekommst, fordere sie ein, aggressiv, wenn es sein muss.
    Und verdammt noch mal, nimm die Stillhütchen, bis dein Kind genug gewachsen ist, um vernünftig Halt an deinen Brüsten zu finden. Brust doppelt so groß wie Babykopf ist ein offensichtliches Missverhältnis. Ach übrigens, auch vor der Pumpe brauchst du keine Angst haben. Hilfsmittel heißen so, weil sie helfen, nicht weil sie für immer eine “natürliches” Stillen unterbinden.

    Ansonsten hast du das gut gemacht. Und um mal völlig oberflächlich zu werden, deine Brüste haben davon eine schönere Form bekommen und die auch nach dem Abstillen behalten.

    Antworten
  7. Ava
    Ava sagt:

    Vielen Dank für die Veröffentlichung Jana! Ich muss auch noch mal in aller Deutlichkeit sagen: Ich finde es darf auf keinen Fall darum gehen, möglichst lange zu stillen, oder darauf zu warten, dass das Kind sich endlich allein abstillt, wenn für einen selbst das Stillen nicht (mehr) ein positives Erlebnis ist. Ich habe Freundinnen, die gar nicht gestillt haben, weil sie es nicht wollten oder konnten – und Bekannte die ihre vierjährigen Kinder stillen. Beides respektiere und unterstütze ich voll und ganz.

    Frauen sollten selbst entscheiden dürfen wo und wie sie gebären möchten und ob, wie oft und wie lange sie stillen. In einer perfekten Welt sollte das Nicht-Stillen, das frühe Abstillen und das Langzeitstillen gesellschaftlich selbstverständlich akzeptiert und unterstützt sein und jeder sollte die Freiheit haben, sich voll und ganz auf sein Bauchgefühl verlassen zu dürfen.

    Ich bin mir sicher, dass ich nicht so toll und lange hätte stillen können, wenn ich nicht von Anfang an die Unterstützung meiner Hausgeburtshebamme gehabt hätte, die mich in meinen Entscheidungen immer frei gelassen hat, mir viele tolle Tricks gezeigt hat und mir immer das Gefühl vermittelt hat, dass mein Kind und ich (selbstbestimmt!) alles ganz natürlich schaffen.

    Antworten
  8. Heli
    Heli sagt:

    Liebe Jana,

    toller Artikel!
    Meine drei Töchter stillte ich zwischen einem und drei Jahren. Alle stillten sich selber ab, ohne irgendeine Strategie. Es wurde einfach weniger und beschränkte sich irgendwann auf Einschlafstillen, welches nach und nach “vergessen” wurde. Schön ist dass ich mich mit meiner jüngstenTochter noch über unser Stillen unterhalten kann, sie hat Erinnerungen und kann erzählen wie es für sie war. Und wie wichtig es für sie war, das erzählt sie nun immer ihrem Bruder, den ich leider nicht stillen konnte (SGA, 7 Wochen Intensivstation). Er bekam abgepumpte Muttermilch mit der Flasche (Puh! Fläschen, pumpen, sterilisieren, hinbringen, …) und nach drei Monaten versiegte meine Milch und wir stiegen um auf Milchpulver. Das Leben an sich ist einfach nicht planbar, auch wenn man es noch so gerne hätte…
    Grüße,
    Heli

    Antworten
  9. Anadka
    Anadka sagt:

    Erst mal auch von mir ein großes Danke für diese tolle Website. Besonders schön finde ich hier die angenehme Kommentar- und Diskussionskultur, selbst bei so schwierigen Themen wie “Alleingeburt” – was auch Dir Jana als Moderatorin zu verdanken ist!

    Insgesamt erschüttert es mich aber immer wieder, für wie viel sich Mütter heute rechtfertigen müssen und über was alles überhaupt diskutiert wird. Besonders das Thema stillen treibt mich dabei um. Als frische Mama stille ich erst seit zwei Monaten und am anstrengendsten finde ich eigentlich die Nachfragen und Kommentare dazu. Nicht lange alle sind böse gemeint, aber eben auch oft gedankenlos und unsensibel. Bestes Beispiel: Wir kommen gerade mit dem Auto aus der Klinik nach Hause an, leider steht eine Nachbarin draußen und erst mal großes Hallo. Erste Frage: “Und stillen klappt?” Ich war leider zu sehr auf mein Neugeborenes konzentriert und habe nur müde genickt, erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, was für eine taktlose Frage das gleich zu Beginn war! Und so geht es über die eigene Mutter – die mir immer einreden will, dass er Hunger hat, wenn er mal schreit, was selten vorkommt – bis hin zu Still-BH-Verkäuferinnen weiter (“also zu lange soll man ja auch nicht stillen, ist ja schlecht für die Entwicklung”). Am allerschlimmsten muss ich aber leider sagen, finde ich die Mit-Mamas und Schon-Mamas, also alle Frauen, die es eigentlich besser wissen sollten, untereinander … Das macht mich immer wieder so traurig.
    Eine Kommentatorin schrieb weiter oben, dass es sie nervt, wie sehr die Gesellschaft sich den Mutterkörper aneignet. Ganz richtig, leider stelle ich fest, dass daran anscheinend die Mütter selbst beteiligt sind. Sie treiben das durch Kommentare, Spitzen und eine immer wieder zur Schau gestellte Allwissenheit voran. Und wehren sich nicht untereinander.
    Ich habe aber auch schon Tipps für schlagfertige Antworten bekommen: “Dann wird er halt schwul – ist doch keine Krankheit”, “Ich frag sie doch auch nicht nach ihren Trinkgewohnheiten” usw.

    Ich persönlich habe – oh mein Gott ;) – zu vielen Themen noch gar keine Meinung – wie sollte ich auch. Noch habe ich keine Ahnung wie lange ich stillen werde und möchte, behalte mir aber definitiv das Recht auf diese Privatentscheidung vor. Und habe auch großen Respekt für Müttern, die vermeintlich unangepasste Modelle für sich leben und durchsetzen. Hoffentlich kann ich das auch – egal in welcher Hinsicht.

    Antworten
  10. Kristin
    Kristin sagt:

    Liebe Jana,
    Danke für’s Posten dieses tollen Artikels. Meinem stillendem Ich (und dem der anderen stillenden Frauen) würde ich nur eines sagen: Bauch rein, Brust raus!
    Lasst uns selbstbewusst unsere Kinder stillen!
    Dort, wo wir uns damit wohlfühlen, so lange, wie wir uns damit wohlfühlen. Und wir zeigen den Mädels auf dem Spielplatz und den Teenies im Café, dass das genau so richtig und in Ordnung ist. Wir sind ein Vorbild für die nächste Generation an Müttern.
    Mädels, regt euch nicht auf, wer schon wieder was dagegen hatte. Und wer schon wieder was Blödes gefragt hat. Mädels, da stehen wir drüber!
    Wir haben wunderbare Kinder. Wir stillen sie. Der Rest kann uns doch Hupe sein.

    Antworten
  11. Mammut
    Mammut sagt:

    Liebe Jana, liebe Ava,

    Danke für Eure unterstützenden Worte.

    Mein Sohn und ich hatten einen schwierigen Stillstart (zu wenig Milch, zu viel Gewichtsverlust, Kaiserschnittschmerzen, zufügten, und viel mehr) und ich würde rückblickend auch viel anders machen. Vorallem würde ich die ganzen “Besserwisser” und “Kommentatoren” abschalten, mit Ratschlägen was man alles essen und trinken soll und das Ich mich nicht so haben soll und warum mir das so wichtig wäre, es gäbe ja schließlich Fläschchen usw…

    Heute rund neun Monate später bin ich noch am Stillen und verdammt glücklich und stolz, dass ich meinen Dickkopf durchgesetzt habe. Die Milch läuft, der Kleine lernt in Ruhe essen und wenn er mal keinen Bock hat auf Gemüse und so Kram weil das Zahnen wieder weh tut, dann gibt es bei Mama auch mal nen Schluck mehr.

    Das “Stillbuch” war für mich einerseits Segen, da es mir geholfen hat, andererseits konnte ich es nur in mental/emotional eingermaßen gefestigten Momenten lesen, da ich mich andernfalls doch häufig als Versager gefühlt habe.

    Antworten
  12. Frollein M
    Frollein M sagt:

    Wow! Der Brief in diesem Post könnte von mir sein. Bei uns war es genauso. Nach ziemlich genau 12 Monaten wollte meine Kleine abends einfach nicht mehr stillen, nachdem sie einmal ohne eingeschlafen war. Und ich hatte mich ebenso davor gefürchtet, vor dem Drama, Milchstau etc. und es war: Nichts. Ausser ein klein bisschen Wehmut. Aber auch ein bisschen Freude, dass nun mein Körper wirklich wieder ganz mir gehört.
    Ich habe mir ehrlich gesagt nie wirklich ernsthaft Gedanken gemacht, wie lange ich mein Kind stillen will, meine Devise war, so lange wir beide wollen und es läuft, und dann schauen wir mal (nagut, bis zur Grundchule wollte ich dann doch nicht stillen:-)).
    Nach einem ziemlich holperigen Start war ich einfach nur froh, dass es klappte. Die ersten drei Monate waren wirklich schlimm (Probleme beim Anlegen, schlimme Schmerzen, zuviel Milch, Milchstau) , dank einer guten Stillberatung (als meine Hebamme nicht mehr weiter wusste, habe ich mich an die LaLecheLiga gewandt) und meinem Allerbesten Ehemann habe ich durchgehalten und es hat dann, zeitweise mit Hilfe von Stillhütchen und Pumpe, funktioniert.
    Es ist im Rückblick leicht gesagt, aber man sollte sich wirklich nichts einreden lassen und sich auf sein Bauchgefühl verlassen. Ich war anfangs so frustriert, dass etwas so natürliches wie Stillen einfach nicht klappen wollte, obwohl alle Vorraussetzungen gut waren. Und ich bin froh und ein bisschen stolz auf mich, dass ich nicht so schnell aufgegeben habe und mir die richtige Hilfe gesucht habe. Aber ich kann auch sehr gut nachvollziehen, wenn eine Mutter nicht (mehr) stillen möchte. Es ist immer noch unser Körper und niemand sollte darüber urteilen, ob, warum und wie lange wir stillen oder nicht.

    Antworten
  13. Maria
    Maria sagt:

    Ich finde es wirklich sehr wichtig, dass es beim Stillen nicht nur um das Wohl des Kindes, sondern auch um das Wohl und die Grenzen der Mutter geht. Ich habe auch schon komische Blicke für meinen Abstillzeitpunkt (von mir initiiert! Wie böse!) geerntet, aber ich hatte keine Freude mehr daran und die Abhängigkeit von mir und der Schlafmangel hat mich zermürbt. Aber auch ich musste mich rechtfertigen.
    Zum Thema Langzeitstillen: Ich sehe es wirklich mit einem guten Gefühl, wenn ich merke, dass die Frau es gut findet. leider begegne ich mehr Langzeitstillenden, die völlig genervt davon sind, dass ihr Kind gerade stillen will, versuchen eine Grenze zu setzen (erst heute Abend) und dann doch wieder genervt nachgeben. Und dann verstehe ich schon, wie man diese Stillbeziehung eher kritisch sieht, zumindest wenn man eine gleichwertige Beziehung zwischen Kind und Mutter befürwortet, weil es dann eben so wirkt als würde die Mutter nur deswegen Langzeitstillen, weil sie es nicht schafft ihre Grenze zu setzen, die sie aber eigentlich für ihr Wohlbefinden braucht.

    Antworten
  14. Jana M
    Jana M sagt:

    Mein Kind ist 6 Wochen alt und ich verstehe nicht, warum ich dafür von vielen kritisiert werde, dass ich lieber abpumpe und die Flasche gebe, während die Brust eher als “Nachschlag” und “Beruhigung” dient.

    Antworten

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