Geburtsdauer

Wie lange dauert die Geburt?

Eine der häufigsten Fragen von Frauen unter der Geburt ist: „Wie lange dauert es noch, bis das Kind da ist?“
Das ist immer eine schwierige Frage, die ich nie beantworte. Natürlich gibt es Regeln dafür wie lange eine Geburt dauern sollte. Aber welches Baby hält sich schon an Regeln? Natürlich habe ich meistens ein Gefühl dazu. Doch auch das kann täuschen.
Die Wahrheit ist: man weiß es einfach nie so genau. Jede Geburt ist anders und in der Geburtshilfe gibt es einfach nichts, was es nicht gibt. Manchmal beginnt eine Geburt sehr langsam und nimmt dann plötzlich enorm an Fahrt auf. Manchmal geht es rasant, um dann plötzlich zu stagnieren. Und dann gibt es natürlich die Geburten die „nach Lehrbuch“ funktionieren. Dieses besagt: Eine Geburt sollte ab dem Beginn von regelmäßigen Wehen pro Zentimeter Muttermundsöffnung eine Stunde dauern; plus bis zu zwei Stunden für den restlichen Geburtsverlauf. Nach dieser Rechnung würde also jede Geburt ungefähr zwölf Stunden dauern. Aber es gibt eben noch zahlreiche Zusatzkriterien, die auf die Geburtsdauer einen Einfluss haben.
Der beste Rat, den ich euch hierzu geben kann ist: “Seht nicht auf die Uhr.“
Habt ihr als Kind auch „Momo“ von Michael Ende gelesen? Es gibt eine wunderschöne Stelle, in der Beppo der Straßenfeger Momo seine Arbeitsweise erklärt:

[…] Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam aber stetig; Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Schritt – Atemzug – Besenstrich. Schritt – Atemzug – Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen […] Und dann ging er weiter – Schritt – Atemzug – Besenstrich — […] “Siehst du Momo“, sagte er dann zum Beispiel, „es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man […] Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten […]. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie […]“*

Genau so ist es auch unter der Geburt: Wehe für Wehe, Atemzug für Atemzug. Schaut nicht auf die Uhr, konzentriert euch nur auf das Hier und Jetzt. So wie auch jede Straße unterschiedlich steil, breit und gepflastert sein kann, sind auch die Phasen der Geburt unterschiedlich schwierig. Aber wenn man sie Schritt für Schritt angeht, sind sie alle zu schaffen, mal schneller und mal langsamer.
Wie lange dauert die Geburt? Ganz egal. Habt Vertrauen in euch und euer Kind und ihr werdet „das Kind schon schaukeln“!

 

*Quelle: Ende, M. Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Thienemanns Verlag, 1973. Zitate aus den Seiten 36-37

 



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