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Geburtsbericht: Eine Geburt im Klinik-Alltag

Tina schrieb mir, von ihrer „ganz normalen“ Klinikgeburt, die sie als sehr schön empfunden hat. Ich las ihren Geburtsbericht und fand auch: „Ja, eine schöne Geburt.“ Ich habe aber auch noch etwas zwischen den Zeilen entdeckt: Es war ein ziemlich geburtenreicher Tag in der Klinik und das Personal war ganz schön am rotieren. Ehrlich gestanden hatte Tina großes Glück, dass ihre Geburt so unproblematisch verlaufen ist. Denn für eine kontinuierliche Betreuung, so wie man sich das in der Regel ja wünscht, war gar keine Zeit.
Mir geht es als Hebamme immer häufiger so, dass ich denke: Nur gut, dass so viele Geburten ihren regelrechten Lauf nehmen. Denn der große Spardruck in den Krankenhäusern zeigt leider immer mehr seine Wirkung. Aber irgendwann wird eine dieser Geburten mal nicht so gut verlaufen. Und dann wird nicht mal mehr genügend Personal da sein, um das überhaupt zu bemerken. Genau vor diesem Tag habe ich Angst. Unzufriedene und sogar traumatisierte Frauen gibt es schon jetzt viel zu oft, wie der Roses Revolution Day dieses Jahr wieder deutlich gezeigt hat.
Natürlich bemühen sich in einem vollen Kreißsaal immer alle sehr, dass die Familien den Stress nicht so bemerken. Und ich bin froh, dass das auch oft noch klappt. Aber wir wünschen uns schon alle sehr, insgesamt wieder deutlich mehr Zeit für die Gebärenden zu haben, anstatt ständig zu vertrösten und mit Räumen und Materialien jonglieren zu müssen. Eine 1 zu 1 Betreuung, wie sie z.B. Organisationen wie Motherhood fordern, wäre ein Traum und wird es vermutlich auch noch lange bleiben.

Liebe Tina, ich hoffe Du verzeihst mir, dass ich anhand Deines Geburtsberichtes versuche, das aktuelle Problem der Einsparungen in der Geburtshilfe, ein bisschen zu verdeutlichen. Ich finde übrigens, dass Du die Umstände sehr sportlich und ziemlich gelassen genommen hast. Gerade Deine Flexibilität und offensichtliche Entspanntheit hat sicher Einiges zum positiven Gelingen beigetragen. Respekt!

Hier kommt Tinas Geburtsbericht über eine Geburt aus dem Klinik-Alltag, Weiterlesen

Bankräuberbaby

Es gibt im Kreißsaal Tage, da scheinen sich alle Kinder zum gemeinsamen Geburtstag verabredet zu haben. Man hat dann das Gefühl, dass ein Bus vorgefahren sei, aus dem lauter Schwangere aussteigen. Sie strömen in den Kreißsaal und wir kommen kaum hinterher mit Betreuen, Entbinden, Wiegen, Messen, Untersuchen, Verlegen und Aufräumen der Entbindungssäle. So ein Tag war das auch an dem es in einer Tour an der Kreißsaaltür klingelte. Meine Kollegin und ich wechselten uns mit der Klingel ab, so gut es ging und  tauschten nur kurz im Vorbeigehen Organisatorisches a la “der rote Kreißsaal ist wieder frei” oder “die Wanne muss noch geputzt werden” aus oder warfen uns aufmunternde Blicke zu. Ich hatte gerade kurz Zeit zum Durchatmen und die Hoffnung mal schnell Frühstücken zu können, da klingelte es wieder. Ich fragte erst über die Sprechanlage nach und bekam nur ein panisches “ich hab Pressdrang!” zu hören. Weiterlesen