Geburtsbericht: Eine Geburt im Klinik-Alltag

Geburtsbericht: Eine Geburt im Klinik-Alltag

Tina schrieb mir, von ihrer „ganz normalen“ Klinikgeburt, die sie als sehr schön empfunden hat. Ich las ihren Geburtsbericht und fand auch: „Ja, eine schöne Geburt.“ Ich habe aber auch noch etwas zwischen den Zeilen entdeckt: Es war ein ziemlich geburtenreicher Tag in der Klinik und das Personal war ganz schön am rotieren. Ehrlich gestanden hatte Tina großes Glück, dass ihre Geburt so unproblematisch verlaufen ist. Denn für eine kontinuierliche Betreuung, so wie man sich das in der Regel ja wünscht, war gar keine Zeit.
Mir geht es als Hebamme immer häufiger so, dass ich denke: Nur gut, dass so viele Geburten ihren regelrechten Lauf nehmen. Denn der große Spardruck in den Krankenhäusern zeigt leider immer mehr seine Wirkung. Aber irgendwann wird eine dieser Geburten mal nicht so gut verlaufen. Und dann wird nicht mal mehr genügend Personal da sein, um das überhaupt zu bemerken. Genau vor diesem Tag habe ich Angst. Unzufriedene und sogar traumatisierte Frauen gibt es schon jetzt viel zu oft, wie der Roses Revolution Day dieses Jahr wieder deutlich gezeigt hat.
Natürlich bemühen sich in einem vollen Kreißsaal immer alle sehr, dass die Familien den Stress nicht so bemerken. Und ich bin froh, dass das auch oft noch klappt. Aber wir wünschen uns schon alle sehr, insgesamt wieder deutlich mehr Zeit für die Gebärenden zu haben, anstatt ständig zu vertrösten und mit Räumen und Materialien jonglieren zu müssen. Eine 1 zu 1 Betreuung, wie sie z.B. Organisationen wie Motherhood fordern, wäre ein Traum und wird es vermutlich auch noch lange bleiben.

Liebe Tina, ich hoffe Du verzeihst mir, dass ich anhand Deines Geburtsberichtes versuche, das aktuelle Problem der Einsparungen in der Geburtshilfe, ein bisschen zu verdeutlichen. Ich finde übrigens, dass Du die Umstände sehr sportlich und ziemlich gelassen genommen hast. Gerade Deine Flexibilität und offensichtliche Entspanntheit hat sicher Einiges zum positiven Gelingen beigetragen. Respekt!

Hier kommt Tinas Geburtsbericht über eine Geburt aus dem Klinik-Alltag, die deutlich schlechter, aber gern auch noch ein bisschen besser hätte laufen können. Und wie immer ist das Ganze mit kleinen Anmerkungen von mir in lila versehen:

Samstag: 39+4 SSW – Vorgeplänkel

Samstagsmorgens sitze ich auf der Couch und habe immer mal wieder ein Ziehen im Rücken. Ich achte etwas auf die Zeit. Das Ziehen kommt alle 6 – 7 Minuten. Aber irgendwie kann ich mir auch gar nicht vorstellen, dass es Wehen sein könnten. So schnell schon aufeinander? Ne, das sind keine Wehen, oder allenfalls irgendwelche wilden, die eh nix bewirken.
Ich beschließe mich erst mal in die Wanne zu begeben. Da werden die Rückenschmerzen auch weniger, also sind es wohl „wilde Wehen“. Innerlich verfluche ich wieder einmal meine Frauenärztin, musste sie mir beim letzten Termin solche Hoffnung machen, dass die kleine eher kommt? „Schöner Befund, Muttermund 2 cm offen, Portio wulstig…, spätesten Mitte nächster Woche ist die Kleine da!“ Pustekuchen….Mitte nächster Woche ist schon 4 Tage her…und ich bin doch so ungeduldig. Naja, abwarten und weiter Himbeerblätter-Tee trinken.

Durch Himbeerblättertee wird vor allem die Darmperistaltik angeregt. Da Darm und Gebärmutter nah aneinander liegen, wird die Gebärmutterwand ständig zur Bewegung angeregt. Zusätzlich wird den Himbeerblättern eine lockernde Wirkung auf die Muskulatur im kleinen Becken nachgesagt. Daher empfehlen wir Himbeerblättertee gerne als kleine, geburtsvorbereitende Maßnahme. Ab der vollendeten 34. SSW können pro Tag cica drei Tassen getrunken werden.

Nachmittags wollten wir uns ausgehfein machen. Wir sind bei den Schwiegereltern zum Kaffeeklatsch eingeladen. Beim Treppe runter gehen passiert es dann: „Huch? Was war das denn jetzt? Entweder bin ich jetzt undicht und verlier Urin, oder ich verlier Fruchtwasser.“ Ich gehe erstmal zur Toilette und schaue mir den Befund in der Slipeinlage an. Ein etwa 5 cm großer Fleck, der leicht rosé schimmert. Urin sieht doch eher anders aus.

Das kann natürlich etwas Fruchtwasser sein. Bei einem Blasensprung muss nicht immer eine große Menge kommen. Manchmal gibt es nur einen kleinen Riss in der Eihaut und dann tröpfelt es erst einmal nur.
Es kann aber auch einfach Zervixschleim sein, der manchmal sehr dünn und reichlich fließt. Oder es kann ein bisschen übrig gebliebenes Badewasser sein.
In allen drei Fällen erklärt sich die Rosafärbung durch eine minimale Blutbeimischung, die auf ein beginnendes Öffnen des Muttermundes hindeutet. Wir nennen das auch „Zeichnungsblutung“.

Ich bin verunsichert und sage erst mal meinem Mann Bescheid. Sollen wir trotzdem Kaffeetrinken gehen? Ich überlege hin und her, schließlich rufe ich im Kreißsaal der Klinik an. Die Hebamme am Telefon möchte, dass ich vorbei komme. Also keinen Kaffeeklatsch mehr. Am Telefon müssen wir erst einmal meine sehr ängstliche Schwiegermutter beruhigen, die übrigens genau so eine Situation vermeiden wollte. Sie hatte nicht wissen wollen, wann es los geht, um sich nicht die ganze Zeit Sorgen machen zu müssen.

Auf zum Kreißsaal

Gemeinsam laufen wir zur Klinik, die keine 5 Minuten entfernt ist. Den Klinikkoffer lassen wir noch Zuhause, ich will nicht wahrhaben, dass es losgehen könnte.
Im Kreißsaal angekommen, werde ich von der Hebamme begrüßt. Sie fragt, was denn passiert sei. Mir wird der weitere Ablauf erklärt. Erstmal ein CTG, dann gynäkologische Untersuchung mit einem Test auf Fruchtwasser und dann werde weiter geschaut.
Also ab ans CTG. Ich bin stolz wie Oskar: Zum ersten Mal produziert der Wehenschreiber keine gerade Linie wie bei der Vorsorge. Ich habe schöne regelmäßige Wehen, die aber noch nicht weh tun. Nur der Bauch wird ganz fest dabei.

CTG-Aufzeichnung

Nach 30 Minuten werde ich vom CTG befreit. Wir verlassen den Kreißsaal-Trakt und setzten uns in die Wartezone für die Untersuchung.
Nach einiger Zeit, es ist nun 16 Uhr, merke ich ein sanftes Plopp im Bauch. Mir wird klar, jetzt ist die Fruchtblase gesprungen. Ich sage es meinem Mann, stehe auf und will zurück in den Kreißsaal. Beim Aufstehen läuft es nur so drauf los. Ein merkwürdiges Gefühl: Wie „sich in die Hose machen“, aber ohne es stoppen zu können. Es läuft bis in die Schuhe.
„Den Test auf Fruchtwasser können wir uns wohl sparen!“ sage ich zu der Hebamme. „Wieso“ fragt sie und steht hinter ihrem Tresen auf und schaut darüber. Daraufhin fängt sie an zu lachen und meinte nur, dass sie meiner Krankenkasse schreiben würde, dass ich ein löblicher Patient bin, denn der Test auf Fruchtwasser sei recht teuer.

19,- € pro Test!

Mit Toga durch die Klinikgänge

Erst jetzt wird mir bewusst: Ich gehe heute wohl nicht mehr nach Hause. Ich schicken meinen Mann meine Kliniktasche holen. Ich selbst werde in einen Kreißsaal gebracht, bekomme so ein sexy Netzhöschen, ein paar Vorlagen und einen Müllbeutel für meine durchnässten Anziehsachen.
Kaum das ich „umgezogen“ bin, kommt die Ärztin reingefegt und will mich mitnehmen zur Untersuchung. Fröstelnd stehe ich da, in der Netzhose, barfuß und einem T-Shirt. Die Ärztin dreht sich um und will los marschieren, ich mache auf mich aufmerksam und sage ihr, dass ich so nicht vor die Tür gehe. Schließlich muss man dafür aus dem Kreißsaal-Trakt raus und am Wartebereich vorbei.
Die Ärztin sucht in einem Schrank herum und gibt mir ein OP-Hemdchen. Ich muss lachen, was soll ich denn in das Hemdchen packen? Schwangerschaftsbauch oder Popo? Nun sieht auch die Ärztin das Problem. Sie spricht mit einer Hebamme und ich bekomme ein Bettlaken, in das ich mich hülle. Schön ist anders, aber ich trag es mit Humor und winke im Wartebereich divenhaft den Wartenden.

Die Ärztin hat das ganz nett gemacht. Aber man merkt hier schon ein bisschen das „schnell, schnell“.

Untersuchungen

Zuerst wird ein Ultraschall gemacht. Die kleine Dame liegt schon sehr tief im Becken, so dass der Kopfumfang nicht mehr so genau bestimmt werden kann. Die Ärztin schätzt sie auf 3500 Gramm. Ich werde zur Wehentätigkeit befragt. Ich erkläre ihr, dass ich schon den ganzen Morgen so ein bisschen was merke, aber nicht wirklich schmerzhaft, ich aber den Eindruck habe, dass es seit dem Blasensprung zu nimmt.
Wir gehen rüber zum Untersuchungsstuhl, es klopft, Gott sei Dank, mein Koffer…., na ja, und mein Mann! ;-) Die Ärztin untersucht mich. Der Muttermund ist 4 cm offen. Trotzdem erklärt sie mir, dass es noch dauern kann. Aber sie würden morgen, wenn sich nichts tut, einleiten und spätesten nach 48 h die Kleine holen – wegen der Infektionsgefahr.

Nun ja, bei 4 cm Muttermund würde ich mir da nicht mehr so viele Sorgen drum machen. Da kommt doch sehr wahrscheinlich das Baby in den nächsten Stunden. Aber immerhin hat sie Dir den theoretischen Ablauf erklärt. Das ist doch gut zu wissen.

Wehen-Wandern

Ich bekomme ein Zimmer auf der Station und mein Mann bleibt bei mir. Wir richten uns im Zimmer ein und mir fällt immer mehr auf, dass für mich sitzen oder liegen aktuell nicht in Frage kommt. Ich will gehen oder stehen. Also schnappe ich mir meinen Mann und wir wandern eineinhalb Stunden durch das Krankenhaus. Von Wehe zu Wehe wird es schmerzhafter. Auf unserer letzten Runde muss ich immer öfters stehen bleiben und an meinen Mann gelehnt die Wehe veratmen.

Gut so! Aufrechte Positionen und Bewegung sind perfekt für die Eröffnungswehen.

Zurück auf der Station erklärt mir die Schwester, dass ich mich wieder im Kreißsaal melden soll, wenn ich das Gefühl habe, es hätte sich was verändert. Und das Gefühl habe ich ja. Aua, die Wehen sind schmerzhaft und zwar ganz schön….
Also gehen wir zum Kreißsaal. Das CTG wird im Sitzen angelegt. Schon mit der ersten Wehe wird mir klar, nein, Sitzen geht gar nicht. Also wandere ich mit dem CTG durch den Kreißsaal während mein Mann erschöpft auf der Gebärinsel die Augen schließt. Die Herzaktivität meines Babys ist gut, die Wehen sind regelmäßig bei ca. 3 Minuten. Nach dem CTG untersucht mich die Hebamme. Der Muttermund ist 5-6 cm offen. Wir sollen trotzdem erst einmal zurück ins Zimmer.

Huch? Bei dem Befund muss man doch auch im Kreißsaal bleiben dürfen!? Oder vielleicht mal in die Wanne. Auf jeden Fall mal näher dran, um auch zu schauen, wie Du mit den Wehen klar kommst, oder ob Du Unterstützung brauchst. Da war wohl schon viel los, im Kreißsaal. Und wahrscheinlich waren alle Räume belegt.

Dort wandere ich weiter durch das Zimmer, auf und ab. Die Wehen werden immer, immer fieser. Ich mag nicht im Bett liegen, aber stehen kann ich bei den Wehen auch nicht mehr so richtig. Bei den Wehen kralle ich mich in der Fensterbank fest und gehe in eine halbe Hocke, so geht’s. Mittlerweile ist es 20:15 Uhr und mein Mann freut sich, weil „The Dark Knight Rises“ auf Pro7 kommt. Aber nach ein paar Minuten Film halte ich es nicht mehr aus. Ich möchte in den Kreißsaal und nach der PDA fragen, also ob es noch zu früh sei oder ich zu memmig.

Das ist es genau, was ich meine: Bei diesem Befund braucht man in der Regel etwas mehr Aufmerksamkeit durch die Hebamme. Dann benötigt man in der Regel auch kein Schmerzmittel. Meine Kollegin Anja hat das kürzlich in ihrem Text: „PDA statt Hebamme“ sehr passend erläutert.

Wir gehen rüber und ich frage die Hebamme, diese sagt mir aber, dass es bei meinem Befund okay sei jetzt eine PDA zu setzen. Aber leider sind gerade alle Kreißsäle mit CTGs belegt. Wir sollen in einer halben Stunde wieder kommen.
Also wandern wir noch ein bisschen durch die Gegend, wobei wandern, für die Gangart die ich an den Tage lege, nicht der Wahrheit entspricht. Es ist eher: Schritt, Schritt, Wehe veratmen.

Endlich ein eigener Kreißsaal

Schon ist eine halbe Stunde vorbei. Ich werde in den Kreißsaal 2 gebracht. Das CTG wird wieder angelegt. Diesmal in Seitenlage. Das geht. Der Anästhesist wird angerufen, er will in 10 Minuten da sein. Von Wehe zu Wehe wird es unangenehmer. Mittlerweile sind 30 Minuten vergangen. Der Anästhesist ist immer noch nicht da. Ich beginne das Tönen. Das „aaaaaaaaaaa“ wird mein Freund. Mein Mann sitzt die ganze Zeit an meiner Seite. Ich sehe an seinem Gesicht, dass er ordentlich mitleidet. Er streichelt mir über die Wange oder Hand. Er sieht ein bisschen verloren aus. Aber darum kann ich mich gerade nicht kümmern. Mittlerweile ist aus 10 Minuten eine Stunde geworden.

Ich kenne jetzt die Klinik nicht, aber auch das ist vermutlich eine Auswirkung der Personaleinsparung. Denn früher waren in der Regel immer zwei Anästhesisten im Dienst. Jetzt muss meist einer alles alleine abarbeiten und der Zweite ist lediglich in Rufbereitschaft zu Hause. Ich frage mich, was wohl bei einem Not-Kaiserschnitt passiert wäre.

Die Hebammen haben Dienstwechsel. Aber darüber freue ich mich ein bisschen, denn Hebamme Steffi hat Nachtdienst. Die kennen wir über mehrere Ecken und ich fand sie schon bei meinem letzten Aufenthalt super sympathisch. Steffi hängt sich auch gleich ans Telefon und telefoniert dem Anästhesisten hinterher. Es gab leider einen Unfall und das Unfallopfer musste schnell für die Not-OP vorbereitet werden. Dadurch die Verspätung. Rein rational kann ich das ja verstehen, aber in meiner Situation verfluche ich den Kerl und schimpfe ab und zu vor mich hin. Mit jeder Wehe werde ich etwas verzweifelter und weine nun auch ein bisschen. In den Wehenpausen nickere ich ein. Kriegt aber eh keiner mit, weil ich meist die Augen zu habe, um mich zu konzentrieren.

Durch den Sekundenschlaf in der Wehenpause holt sich der Körper die nötige Kraft.

Die PDA wird gelegt

Nach weiteren 30 Minuten ist es soweit: Der Ritter im weißen Kittel betritt den Kreißsaal. Er beginnt die Aufklärung und ich denke mir nur: „Quassel‘ nicht! Arbeite lieber, ich unterschreib dir jetzt eh alles….!“, aber so geht das ja nicht. Gewissenhaft werde ich aufgeklärt und unterschreibe dann den Bogen.
Ich muss mich aufsetzen am Bettrand und einen Buckel machen. Der Arzt versucht Smalltalk, ich antworte ihm aber nicht. Ich kann einfach nicht. Mich überrollt eine Wehe, ich töne. Der Anästhesist kommentiert mein Verhalten: „Hat sie gerade etwa eine Wehe?“ Steffi ist not amused: „Neee, wie kommen Sie denn auf die Idee???“. Der Katzenbuckel, den ich mache, ist nicht schön genug. Steffi hilft mir, in dem sie mir die Schultern hält und mich auffordert gegenzudrücken. Der Anästhesist beginnt mit seiner Arbeit. Aber irgendwie klappt das alles nicht so toll. Ich merke die lokale Betäubung und den Druck als er versucht zwischen die Wirbel zu kommen. Nach einigen Minuten, glaubt er, die Nadel liegt. Aber sei auch der Meinung, dass sie unter Umständen nicht richtig läge. Ich werde in Rückenlage gebettet und das Schmerzmittel injiziert.
Die nächsten Wehen kommen und ich merke sie immer noch, zwar etwas schwächer, aber sie sind noch da.

Es dauert circa 20 Minuten, bis eine PDA vollständig wirkt. Aber der Schmerz wird schon von Wehe zu Wehe weniger.

Der Arzt ist nicht zufrieden und beschließt, die Nadel nochmal neu zu legen. Also geht die ganze Katzenbuckel-Prozedur von vorne los. Dieses Mal prökelt er noch länger rum. Ich finde die Haltung sehr unangenehm. Der Anästhesist fragt, ob ich irgendwas von Verwachsungen im Rücken wüsste, weil er so Probleme hätte. Aber von sowas weiß ich nichts. Er gibt sein Bestes, erklärt aber auch, dass er glaubt, dass die auch wieder nicht richtig liegt, es dann aber halt nicht ginge. Na toll.

Manchmal ist der Spalt zwischen den Wirbeln so eng, dass die Spritze einfach nicht dazwischen kommt. Das ist eben Maßarbeit. Ein Fakt, über den man beim PDA-Gespräch aufgeklärt wird ist: Es kann sein, dass sie nicht machbar ist. Das ist blöd, kommt aber vor.

Wieder werde ich in Rückenlage verfrachtet und bekomme erneut Betäubungsmittel gespritzt. Ich spüre auch nach 10 Minuten noch Wehen, aber die sind jetzt so wie gegen 17 Uhr, spürbar, aber gut zu veratmen, damit komme ich gut klar.

Also hat es doch geklappt? Oder auch nicht. Denn für die PDA benutzt man eine Mischung aus einem Opiat und einem lokalen Schmerzmittel. Selbst wenn man das Opiat „irgendwo“ in den Körper injiziert, wirkt das auch irgendwie. Das ist dann natürlich nicht ganz der Sinn der Sache, funktioniert aber erst mal.

Der Arzt packt sein Zeugs und verschwindet. Auch Steffi muss jetzt erstmal weg, nebenan steht auch eine Geburt an.

Endspurt

So vergeht einige Zeit. Irgendwann kommt Steffi wieder und fragt wie es uns geht. Alles klar soweit. Sie untersucht mich, Muttermund 8 cm offen. Sie erklärt mir, dass sie kein Fan davon sei, mich in Rückenlage zu belassen. Sie schlägt vor, das Kopfteil des Bettes ganz hoch zufahren, dass ich mich darüber legen kann und so quasi im Vierfüßlerstand bin. Ich begebe mich in diese Position, empfinde es aber sofort als ganz unangenehm. Durch die PDA habe ich meine Beine nicht richtig unter Kontrolle, sie zittern. Ich fühle mich unsicher und schwitze sehr. Steffi bietet mir ein feuchtes Tuch an mit dem mein Mann mein Gesicht abtupft. Ich halte es noch ein bisschen aus. Aber nein, das geht nicht, so schaff ich das nicht.

Durch die PDA wird der Geburtsverlauf etwas gebremst. Und eine aufrechte Position fördert den Geburtsfortschritt wieder. Aber klar, auf betäubten Beinen zu knien, ist sehr unangenehm.

Ich verhandle mit Steffi und wir einigen uns auf eine Seitenlage. Ich sage ihr auch, dass ich jetzt das Gefühl habe, mitpressen zu müssen.

Das ist gut, denn oft fehlt, mit dem Wirken der PDA, plötzlich jegliches Körpergefühl.

Steffi fragt mich nach dem Namen des Kindes, und sie ist es auch, die ihn als erste erfährt. Bisher haben wir daraus nämlich ein Geheimnis gemacht. Laura soll sie heißen.
Steffi untersucht mich erneut. Während sie das tut, bittet sie mich, mal leicht zu pressen. Steffi sieht zufrieden aus und bietet mir an, bei der nächsten Wehe mal mitzupressen. Ich liege in der Seitenlage und bei der nächsten Wehe nehme ich das rechte, obere Bein hoch und halte es an der Kniekehle und presse was das Zeugs hält (Mein Mann sagte im Nachhinein, dass ihm das Angst gemacht hätte… nach stundenlangem veratmen, atmete ich plötzlich mehr als 30 Sekunden nicht und mein Gesicht lief rot an).

Eine Nebenwirkung der PDA ist häufig, dass der natürliche Pressdrang fehlt. Daher ist das Pressen ohne diesen Drang einfach schwierig und führt oft dazu, dass die ganze Kraft oben im Kopf bleibt und gar nicht so gut bis unten in den Damm gelangt. Daher muss bei PDA-Geburten ja so oft mit einer Saugglocke oder mit Kristellern (also drücken, von oben auf den Bauch) nachgeholfen werden. Bei Dir war das aber wohl nur ein bisschen der Fall. Vielleicht doch ein Glück, dass die PDA nicht so ganz optimal saß?!

Unter den Anweisungen von Steffi arbeite ich mit jeder Wehe mit. Sie sagt mir wohin ich pressen soll und feuert mich an. Das hilft mir gut. In einer Wehe schaffe ich es zwei, dreimal zu pressen. In der Zwischenzeit ist auch die Ärztin dazu gekommen. Sie hält sich aber im Hintergrund und macht eher den Handlanger für Steffi und reicht Kaffee und Kompressen für den Dammschutz an.

Warme Kaffeekompressen bewirken eine bessere Durchblutung und Dehnung des Dammgewebes. Zusätzlich finde ich, dass der Kaffeeduft auf den letzten Metern der Geburt, einfach noch mal aktivierend wirkt.

Der „Baby-eject-Effekt“

Zwischen den Wehen erklärt mir Steffi wie es weiter geht. Das sie mich irgendwann während der Wehen zurück pfeifen wird und ich dann nicht pressen darf, sondern atmen soll, als würde ich ganz viele Kerzen einzeln ausblasen wollen. Es würde sich auch gleich anders anfühlen, weil das Köpfchen nach der Wehe nicht mehr so zurückrutscht und daher, nach der Wehe, ein größerer Druck da bliebe. Sie erkundigt sich auch, ob ich die kleine gleich auf dem Bauch haben möchte. Gleich? Das hört man gerne. Außerdem erklärt sie mir, dass man jetzt schon das Köpfchen sehen könne und ob ich das auch sehen möchte. Dann würde sie einen Spiegel holen. Ich muss erst in mich gehen, ich weiß nicht ob ich das will. Da kommt schon die nächste Wehe. Und Steffi hat Recht, es fühlt sich wirklich anders an.
So, fertig überlegt: Ja, ich möchte mir das Köpfchen anschauen. Also holt Steffi den Spiegel und positioniert ihn. Der Anblick fasziniert mich. Das Köpfchen, mit den Haaren, und soviel sehe ich ja auch nicht. Aber die Spannung wächst, wie wird die Kleine wohl aussehen?

Das Anschauen oder Anfassen des Babys bei der Geburt bewirkt immer einen regelrechten „Energieboost“ bei den Frauen. Plötzlich wird die unmittelbar bevorstehende Geburt absolut real und alle Sinne werden noch mal geschärft und alle Kräfte freigesetzt.
Früher hat man die Frauen zu diesem Zeitpunkt manchmal erschreckt, um diesen „Baby-eject-Effekt“ herbei zu führen. Heute weiß man, dass das Anschauen oder Fühlen des Babys noch 100 Mal besser wirkt. (Erschrecken! – wer wohl auf so ne bekloppte Idee gekommen ist?)

Weiter geht’s, die nächste Wehe kommt. Ich arbeite weiter nach Steffis Anweisungen, während mein Mann mir über die Hand streichelt, sie fest hält oder mich auf die Stirn küsst. Obwohl er nichts machen kann, bin ich froh, dass er da ist und wir das alles gemeinsam erleben.

Ja, die reine Anwesenheit des Partners gibt einem einfach Kraft und Halt!

Ein paar Wehen später verkündet Steffi, dass ich das Köpfchen jetzt auch anfassen könne, ob ich möchte. Ja, doch das möchte ich. Es fühlt sich komisch an, glitschig und warm, aber ich ekel mich nicht, sondern freue mich darüber, dass es schon so weit ist.
Weiter geht’s. Ich presse, höre auf Steffi und tue wie geheißen. Zwischendurch blase ich Kerzen aus. Und so vergehen ein paar Minuten.

Das schubweise Atmen bremst das Köpfchen etwas und schont den Damm. Dabei ist die „Kerzen auspusten“-Atmung viel besser als klassisches Hecheln, da man dabei nicht so leicht hyperventiliert.

Und plötzlich ist all der Druck weg. Es ist 2:30 Uhr. Zwischen meinen Beinen liegt ein kleines Wunder. Ich bin wahnsinnig verdutzt, ich habe irgendwie nicht gedacht, dass ich schon soweit bin. Wir hören den ersten sanften Schrei unserer Tochter.
Keine zwei Wimpernschläge später liegt dieser kleine Haufen Glück auf meiner nackten Brust. Ich weine vor Glück. Ich schaue mir meine Tochter an und blicke zu meinem Mann auf. Auch er ist zu Tränen gerührt. Es ist so ein toller Augenblick. Und so genießen wir die ersten Minuten. Steffi zeigt mir die Nabelschnur und lässt mich das Pulsieren spüren.
Nach ein paar Minuten, die Kleine liegt noch immer auf meiner Brust, gebäre ich mit einem Pressen die Plazenta. Da ich danach frage, zeigt und erklärt Steffi mir die Plazenta, die auch komplett ist. Danach kommt auch schon die Kinderschwester und holt meine Tochter zum Wiegen und Baden ab, da Laura noch voll Käseschmiere ist. Mein Mann geht mit.

Bis zu diesem Moment finde ich die Geburt sehr schön. Jetzt bin ich etwas traurig, dass das kleine Mädchen so schnell „geklaut“ wird. Ein längeres Bonden wäre perfekt gewesen. Auch darf die Käseschmiere doch ruhig einziehen. Sie ist der beste Hautschutz für’s Kind. Und Gewicht und Größe verändern sich in der ersten Stunde auch nicht maßgeblich. Die Messungen hätten also noch Zeit gehabt. Oder vielleicht doch nicht, weil der Raum (ich spekuliere) wieder dringend gebraucht wurde?

Währenddessen werde ich vernäht. Der Damm ist zwar intakt, aber leider habe ich einen Scheiden- und einen Labienriss.
Nach 15 Minuten bin ich genäht und Laura gebadet und angezogen. Sie wird mir zurück auf die Brust gelegt und so verleben wir die ersten Stunden unseres gemeinsamen Lebens mit kuscheln und bonden.

Na so ein Glück, dass sie zumindest schnell zurück gebracht wurde. Nackt statt angezogen wäre aber noch schöner gewesen…

Ich habe diese Geburt als schön empfunden. Ich möchte auch an dieser Stelle noch einmal Steffi danken: Sie war so, wie ich eine Hebamme brauchte. Ich fand ihre Anleitung toll und fand es prima, dass sie mir auch zwischenzeitlich erklärte, was ich zu erwarten hatte.

Insgesamt hatte ich 10 Stunden Wehen.
Viele der Hebammen, die ich in den folgenden Tagen auf der Station traf, gratulierten mir und beglückwünschten mir zu der recht kurzen Geburt. Und meiner Schweigermutter viel ein Stein vom Herzen.

Herzlichen Glückwunsch auch von mir, liebe Tina! Und vielen Dank für Deinen Geburtsbericht.

Full House

10 Stunden sind eine recht normale Zeit für eine Geburt. Ich denke, sie wurde als kurz empfunden, da die wirklich knackige Zeit der Geburt verhältnismäßig knapp ausfiel. Denn ungefähr die Hälfte der Eröffnungsperiode hast Du ja sehr gut ausgehalten. Bei circa 6 cm wurde es dann schwieriger. Ich glaube, mit einer kontinuierlicheren Anfangsbetreuung wäre auch die PDA nicht nötig geworden. Aber anscheinend war in dieser Nacht sehr viel los. Aber daran sieht man wieder, was eine 1 zu 1 Betreuung womöglich bewirken könnte, wenn es sie denn in der Klinik gäbe.
Dennoch finde ich, dass die Geburt im Grunde sehr schön verlaufen ist. Es gab nur einmal (während Du auf die PDA gewartet hast) einen Punkt, an dem Du etwas aus Deinem Rhythmus gekommen bist. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass es Dir gut ging und dass Du selbst entscheiden konntest, was Du für Dich wolltest – und das letztlich dann auch gut umgesetzt hast. Und trotz der stressigen Nacht, waren alle Beteiligten ja auch sehr nett zu Dir. Das ist natürlich total wichtig für das eigene Empfinden und Erleben und war in diesem Fall ein besonders großes Glück!

Abschlussfrage

Was haltet ihr von dem Geburtsbericht und den Umständen? Habt ihr Ähnliches erlebt oder gehört? Oder findet ihr das völlig normal so und ich sehe das vielleicht einfach viel zu kritisch?!

 



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27 Kommentare
  1. Anna
    Anna sagte:

    Ich finde auch, dass Tina das alles sehr locker und sportlich genommen hat und so selbst dafür gesorgt hat, dass es eine schöne Geburt wurde. Ich bin ein ähnlicher Typ, aber in meinem Fall ist leider so wie von Jana befürchtet aufgrund einer Verkettung von blöden Umständen, Rahmenbedingungen und einer gestressten Assistenzärztin alles furchtbar schief gelaufen. Es kam zu einer schweren Asphyxie mit anschliessendem dreiwöchigen Aufenthalt auf der Intensivstation.

    Vieles war ganz ähnlich wie bei Tina, ein voller Kreißsaal im Hochsommer, keine Zeit und kein Platz für uns.“Sie waren heute unser Lieblingspaar, um sie mussten wir uns ja gar nicht kümmern“. Nur dass man zusätzlich (trotz seit Tagen geplanter Einleitung!) vergessen hatte, ein Zimmer für mich vorzumerken und ich deshalb in einem ca. 40° warmen Wehenzimmer schlafen solle. Den ganzen Tag hat kein Arzt mit uns gesprochen, ich wurde nicht einmal untersucht (trotz BEL). Als die Fruchtblase mitten in der Nacht platzte, sagte die Hebamme. “ Wenn sie eine PDA wollen, ist jetzt die einzige Chance, der Anästhesist ist gerade da, später kommt der nicht mehr“).

    Ich bin mir ganz sicher, dass es bei einer entspannteren Atmosphäre nicht zu dieser Katastrophe gekommen wäre.

    Antworten
  2. Julia
    Julia sagte:

    Eigentlich finde ich das auch eine sehr schöne Geburt. Besser als meine! Und wenn ich das lese, dann weiß ich auch was ich vermisst habe. Nämlich, dass jemand da ist, mir hilft und Ratschläge gibt. Vielleicht wäre ich dann nicht so verkrampft gewesen, dann hätte die Geburt vielleicht nicht 13h gedauert, die Schmerzen wären nicht so unerträglich gewesen (ich konnte mich vor Schmerz nicht mal bewegen) und eine Saugglocke wäre nicht nötig gewesen. Hebammen und Ärzte habe ich selten gesehen. Eigentlich waren wir die meiste Zeit allein.

    Ja es war ein geburtenreicher Tag in einem kleinen überaus beliebten Krankenhaus. Und wenn ich das hier lese, fühle ich mich bestärkt darin, dass ich mir für meine zweite Geburt (die übrigens jeden Moment losgehen könnte) ein anderes Krankenhaus ausgesucht habe. Mit mehr Kreißsälen (hoffentlich auch mehr Personal) und weniger Geburten/Jahr.

    Ein bisschen hoffe ich auch, dass ich souveräner sein werde, da es nicht die erste Geburt ist. Ich weiß quasi was auf mich zu kommt, aber das macht mir wiederum auch sehr viel Angst. Ich versuche gelassen zu bleiben: Raus kommen sie immer! Und auch ein Kaiserschnitt ist nicht das Ende vom Lied, auch wenn es in meinen Augen der mieseste Start ist, den Mutter und Kind haben können. Aber dank des engagierten Chefarztes ist mir das ja bei Kind Nr. 1 erspart geblieben, auch wenn Saugglocke und Kristellern jetzt auch nicht so das Wahre waren, wenigstens war der Ausgang der richtige und sie hat schön alles mitgenommen, was man auf diesem Weg mitnehmen kann und ist jetzt ein gesunder, selbstbewußter Wirbelwind.

    Aber ich will nicht verleugnen, dass die Geburt sehr traumatisch für mich war und ich sie auch 2,5 Jahre später noch verarbeite (wobei ich hoffe, dass mir die zweite Geburt darüber hinweg hilft), denn es war unerträglicher Zustand von Verletzbarkeit, Schutzlosigkeit und dem riesigen Gefühl versagt zu haben.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Julia, ich wünsche dir von Herzen eine schöne, zweite Geburt.
      Die Chancen stehen sehr gut. Die Zweiten sind in der Regel einfacher, du bist gut vorbereitet und hast dir den Ort genau angesehen. Es wird bestimmt schön!
      Alles Liebe
      Jana

      Antworten
  3. Kathi
    Kathi sagte:

    Meine zweite Geburt verlief ähnlich (Muttermund bei Ankunft auf 3-4 cm, dann erstmal kurz auf Station), aber dann hatte ich besagte 1zu1 Betreuung, es gab nur einen Kaiserschnitt in der Zeit, in der ich auf dem Stationszimmer weiter geweht habe. Ich hätte da auch schon in den Kreissaal gedurft (waren ja eh 2 frei, der 3. wurde für die Mutter vom Kaiserschnitt freigehalten), ich wollte aber erst noch für mich sein und im Stehen die Wehen verarbeiten. Aber sowohl Hebamme als auch Ärztin haben jeder alle 15 Minuten reingeschaut.. Irgendwann wollte ich dann selber in den Kreissaal. Eine PDA brauchte ich nicht und die Hebamme hat auch gut erfasst, was ich wollte, nämlich im Stehen die Wehen veratmen, bzw. als mir die Kraft in den Beinen flöten ging lieber in Seitenlage.
    Die ganze Atmosphäre zwischen Hebamme, Ärztin und mir war sehr locker und gelöst. (nur mein Mann war etwas erschrocken, wie sehr laut so eine Frau unter der Geburt werden kann, bei der ersten Geburt hatte ich nämlich die PDA mit allen Nebenwirkungen).

    Auch beim Bonding hatten wir massig Zeit, erst ca. 45 Minuten ganz nackt und dann nach dem Wiegen nur in Windel. Dann wurden wir noch in den kleineren, intimeren Kreissaal verlegt, damit der große Kreissaal geputzt werden kann. (obwohl an dem Tag keine weitere Geburt ansteht, wird lieber der große Kreissaal mit Gebärwanne zum Gebären freigehalten und der kleine Saal danach zum Bonding genutz). So haben wir fast nackt 2 h zusammengekuschelt.
    Das war natürlich alles Glück (etwas in Verbindung mit der Auswahl der kleineren Klinik, die viele Kreissäle und einen guten Personalschlüssel hat und sehr viel wert auf Bonding legt). Und das ist ja schon schade, dass es Glück ist, wie voll die Kreissäle sind.

    Aber ich finde, Tina hat das wirklich toll gemacht und sie kann zurecht stolz sein. Aber ja, man merkt schon, dass da in der Klinik viel los war, insofern sind deine Anmerkungen, Jana, durchaus berechtigt!

    Antworten
  4. Stefanie
    Stefanie sagte:

    Bei meiner Großen waren die Umstände in der Klinik ähnlich. Wir kamen in der Nacht als erste im Kreißsaal an (der MuMu war 3cm schon offen) und bis 7cm war alles super. Danach ging 1 1/2 Stunden gar nichts voran, außer dass die Wehen stärker wurden. Ich kann mich aber daran erinnern, dass die Hebamme irgendwann nicht mehr die ganze Zeit da war, sondern immer mal wieder nach uns geschaut hatte. Ich bekam nach den 1 1/2 Stunden einen Wehenhemmer, allerdings war der Muttermund offen bevor der wirken konnte. Die Geburt war insgesamt total gut, wir waren echt zufrieden, auch die Hebamme habe ich in sehr guter Erinnerung. Sie hatte einige Zeit nach der Geburt erzählt, dass sie dachte, als wir kamen: „Ach wie nett, doch noch eine Geburt heute Nacht“ und dann kamen irgendwann immer mehr Frauen und es war wohl die Hölle los. Eine Frau hatte auf der Wochenstation erzählt, dass sie zwei Stunden auf dem Flur betreut wurde.

    Beim zweiten Kind wollten wir nicht noch einmal es dem Zufall überlassen, wer gerade Dienst hat und wie viele Frauen gleichzeitig ihr Kind bekommen und deshalb kam unsere Kleine zu Hause auf die Welt. Die Geburt zu Hause war soooo entspannt, dass ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen kann.

    Und ich finde, dass es ein Unding ist, dass in Kliniken der Betreuungsschlüssel oft so schlecht ist. Wir Frauen wissen nicht, was uns erwartet und beim ersten Kind hat es so gut getan, dass die Hebamme da war und gesagt hat, dass alles normal ist. So beruhigende Worte brauchen wir Frauen bei Geburten.
    Ich finde nicht, dass du es zu kritisch siehst!

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Ja, dass habe ich auch schon an schlimmen Tagen erlebt. Da kann es auch mal vorkommen, dass gar kein Raum frei ist und eine Frau im Klinikflur, im Hebammenzimmer, im Bad oder sonstwo ihr Kind bekommt. Die Babys warten ja nicht.
      Wenn sich aber die Verantwortlichen die Geburtenzahlen auf dem Papier anschauen und es sind zB im Schnitt 6 pro Tag, dann sagen sie: Super, zwei in der Frühschicht, zwei im Spätdienst und zwei Nachts. Dann reichen doch zwei Hebammen pro Schicht.
      Aber so läufts ja nicht. Und es klappt ja auch nicht immer innerhalb von 8 Stunden…
      Also gibt es immer wieder diese Engpässe. Auch für uns Betreuende ist das ganz schrecklich.

      Schön, dass du zu Hause eine so schöne Geburt erlebt hast!
      LG
      Jana

      Antworten
  5. Rebecca
    Rebecca sagte:

    Wie unterschiedlich die Menschen sein können. Was hier von Tina als positiver Geburtsbericht angesehen wird, ist an vielen Stellen für mich eine Horrorvorstellung. Nun habe ich noch keine Geburt hinter mir – mein ET ist der 15.01.2016, aber ich weiß wieder genau warum ich eine Hausgeburt möchte. Wenn dies jetzt also das positivste ist was man in der Klinik erwarten kann.

    Respekt an Tina, dass sie das alles so „sportlich“ genommen hat. Ich wäre wohl an vielen Stellen ausgerastet oder verzweifelt/entmutigt. So häufig wie ich mich nun schon verteidigen musste, weil ich mir eine Hausgeburt wünsche – das ist aber mutig – das ist doch zu risikoreich – lass dich doch lieber in der Klinik verwöhnen etc. umso sicherer bin ich mir bei solchen Berichten, dass ich überhaupt nicht mutig bin, sondern eher im Gegenteil, es mutig wäre wenn ich in eine Klinik ginge. Von wegen verwöhnen lassen, dass ich nicht lache.

    Liebe Tina, ich hoffe du verstehst das nicht falsch. Ich freue mich sehr für dich, dass du die Geburt als so positiv erlebt hast und du für dich damit die komplett richtige Entscheidung getroffen hast. Meinen Respekt an dich für deine Stärke und Gelassenheit.

    Antworten
    • Cerstin
      Cerstin sagte:

      Liebe Rebecca,

      ich finde es wunderbar, dass Du eine Hausgeburt planst und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oftmals von Vorteil gewesen war(für mich) kaum jemanden etwas davon zu sagen, sondern diese „Vision“ im Herzen zu tragen- dafür aber ausgiebig zu nähren; sei es mit Affirmationen, geführten Meditationsreisen usw. . Dann geht nicht so viel Energie in Diskussionen über vermeintliche Sicherheit/Wahl des Geburtsortes und die Kraft hast Du für Dich und dein Baby. Unsere Eltern haben wahrscheinlich auch viel positivere Erfahrungen in der Klinik gemacht als es heutzutage immer wahrscheinlicher wird. Und dieses gute Klinik-Bild haben sie so verinnerlicht, dass es zu ihrer (!) Wahrheit geworden ist. Das es heute soo anders ist (Angst verklagt zu werden, Zeitdruck, Personalmangel, viele Gebärende zur gleichen Zeit…) ist für sie schwer nachvollziehbar.
      Nun ich habe sogar nach zwei sekundären Kaiserschnittgeburten eine wunderbare hausgeburt erlebt! Und nach dieser Geburt sehe ich die Welt, mich, meinen Körper mit ganz anderen Augen. Ich bin definitiv eine andere Cerstin als zuvor.
      Ich wünsche Dir alles Liebe und eine schöne Hausgeburt

      Antworten
    • Tina
      Tina sagte:

      Liebe Rebecca,

      Ha, das mich jemand mal gelassen bezeichnet….
      Ich bin im Nachhinein erstaunt über mich, wo ich doch bei einem Schnupfen einen ähnlich dramatischen Tod sterbe ein Mann!
      Aber ich habe mir tatsächlich was die Geburt betrifft nicht viel Gedanken gemacht, weil ich eh nicht wusste was an schmerzen auf mich zukommt. Ich hab mir noch nie was gebrochen (toi toi toi) und daher war mir eine 10 von 10 auf der Schmerzensskala unbekannt.
      Und auch heute weiß ich nicht mehr wie Wehen sich anfühlten….

      Ich werde auch bei dem nächsten Zwerg wieder ins Krankenhaus gehen. Für mich käme niemals eine hausgeburt in frage, und auch ein Geburtshaus wäre mir schon zu unsicher. Ich bin ein totaler Sicherheits-Freak und viel zu verkopft um mich richtig auf meinen Körper zu verlassen. Hinzu kommt, dass mein Mann schulmediziner ist…., macht die Sache auch nicht einfacher…

      So ist jede Frau halt anders, ich habe großen Respekt vor Frauen, die das Zuhause machen möchten und auch schaffen. Ich finde auch, dass sich da niemand verteidigen muss. Jede Frau muss ihre Entscheidung treffen.
      Aber wenn ich mich entscheiden muss, brauche für mich eher das Sicherheitsnetz in Form von Kreißsaal, OP und Ärzten als das 1:1 Hände halten durch eine Hebamme…..
      Beides zusammen wäre ein Traum!
      Vielleicht beim nächsten mal.

      Ich wünsche dir für deine Geburt im Januar alles gute! Mach dir vorher nicht so viele Gedanken! Ich verspreche dir, das Kind entschädigt für alles!

      Antworten
  6. Susanne Wagner
    Susanne Wagner sagte:

    Hallo.

    Ich finde, dass ist wirklich ein toller Bericht. Meine Krankenhausgeburt war leider nicht so schön und ging 26 Stunden mit Einleitung und Dammschnitt der in der Wehenpause gemacht wurde… Wahrscheinlich das es schneller geht. Mein Sohn war 51cm groß und 3640g schwer. Deswegen habe ich mich beim zweiten Kind für die Hausgeburt entschieden und es war genau dir richtige Entscheidung für uns. Es war eine sehr schwere Geburt und wenn die 1zu1 Betreuung nicht gewesen wäre und meine tolle Haupthebamme,sie hat während der Geburt nach dem Befund von grünen Fruchtwasser,schnell noch eine zweite gerufen,wäre es definitiv ein Kaiserschnitt geworden. Ich bin ihr so dankbar,dass sie mir und meinen Körper vertraut hat und auf ihr Gefühl gehört hat,dass wir es schaffen können,natürlich wurden auch die Herztöne überwacht,dir super waren. Deswegen ist mein Fazit natürlich,es war eine schwere und schwierige Geburt aber trotzdem wunderschön. Meine Tochter war übrigens 4400g schwer und 54cm und ich bin nicht gerissen,geschnitten wurden,nicht mal Schürfungen waren vorhanden.

    Es geht mir auch gar nicht um die Hausgeburt an sich. Mir geht es um die Betreuung der Gebärenden. In der Klinik fehlt halt doch die Zeit. Bei der ersten Geburt habe ich drei verschiedene Hebammen gehabt,immer wieder musste ich mich neu einstellen,jede war anders und ging auch anders mit mir um. Bei der zweiten Geburt kannte ich meine Hebamme schon und habe ihr vertraut,sie wusste was ich gern für eine Geburt möchte,was meine Vorstellungen nach der Geburt sind.

    Ich denke jeder sollte für sich entscheiden,wo er entbinden möchte.. Das wichtigste aber bei allen Orten ist einfach die Betreuung der Hebamme ohne Stress und ohne Zeitdruck.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Ganz genau! Ich finde Hausgeburten auch ganz toll. Aber 98% aller Frauen entscheiden sich nunmal für eine Klinik. Da muss man doch auch was dafür tun, Klinikgeburten besser und vor allem auch sicherer zu machen. Denn die Sicherheit, die doch gerade Frauen, die in die Klinik gehen so wichtig ist, wird immer weniger.

      Antworten
  7. Domi
    Domi sagte:

    Bevor ich meinen Kommentar zum Geburtsbericht abgebe, möchte ich zur Kommentatorin Rebecca noch etwas sagen: Liebe Rebecca, ich hatte bei meinem ersten Kind eine Geburtshausgeburt und sobald ich das jemandem erzähle, bekomme ich zu hören, wie mutig die Leute das doch fänden. Mittlerweile antworte ich, dass ich es wesentlich mutiger finde, in die Klinik zu gehen und alleine gelassen zu werden.

    Ich finde den Geburtsbericht von Tina sehr interessant. Sie hat wirklich alles sehr gelassen genommen und dadurch wahrscheinlich auch so eine recht schöne Geburt gehabt. Wobei ich auch an einigen Stellen innerlich zusammengekranpft bin und dachte, mit mehr Hebammen hätte das nicht sein müssen z.B. die PDA. Wie schon gesagt, hatte ich eine Geburtshausgeburt. Nachdem um 22 Uhr meine Blase gesprungen war, kam meine Hebamme mich zu Hause besuchen, Mumu war noch zu, ich sollte noch schlafen. Nachts um 3 Uhr gingen dann die Wehen recht unregelmäßig los, um 8 war meine Hebamme wieder da, Mumu war nun ein paar cm offen, Wehen wurden stärker, regelmäßiger und auch etwas schmerzhafter. Sie hat mir Zäpfchen gegeben, um den Schmerz etwas zu dämpfen und ich bin kontinuierlich in der Wohnung umhergelaufen und habe die Wehen veratmet. Mein Mann hat noch schnell Essen geholt, ich konnte aber nichts drin behalten. Gegen 11 Uhr sind wir dann zum Geburtshaus gefahren, der Mumu war da, glaub ich, bei 7cm oder so (4 Etagen runter, 15 min Autofahrt). Im GH ging’s dann erstmal in die Wanne, die zweite Hebamme hatte schon alles vorbereitet. Ich wurde mit gesüßtem Tee versorgt. Irgendwann war der Mumu komplett geöffnet, aber die Kleine kam nicht so recht, ich kam auch mit der Wanne nicht klar. Meine Hebamme hat mir geraten, im Storchengang durch’s Geburtszimmer zu gehen. Dabei musste mein Mann als Stütze während der Wehen herhalten. Der Kopf kam dann auch spürbar in den Geburtskanal, aber es ging nicht so richtig voran. Ich wurde auf’s Bett gelegt in Seitenlage, auch zum Ausruhen und nochmal kontrollieren. Hat nix gebracht, ich durfte wieder aufstehen, war auch schon recht müde. Dann ging es auf den Gebärhocker und nach zwei Wehen (eine Wehe passierte gar nichts) war dann das komplette Kind da. (14 Uhr) Sie kam regelrecht rausgeflutscht, meine Hebamme hat sie aufgefangen, die andere Hebamme hat sie mir direkt auf den Bauch gelegt. Durch den großen Druck und den „Rutsch“ hatte ich nun einen heiklen Dammriss, den meine Hebamme lieber nicht im GH nähen wollte. Sie konnte nicht recht erkennen, ob der Darm auch gerissen war. Also die Kleine eingepuckt auf’s Bett, Notarzt angerufen, Oxytocin für mich, wegen der Plazenta. Notarzt kam, ich über Rumpelwege ins KH (5 min Fahrt). Dort in den Kreißsaal. Die Hebammen dort waren eher weniger begeistert, irgendwann kam die Plazenta. (Vorher noch die Fragen, was denn jetzt noch so weh tue und warum ich denn so stöhne… Na ja, Plazenta war halt noch nicht da). Die Hebamme, die gerade bei mir war, hat das eher weniger interessiert, sie hat nebenbei irgendwas anderes gemacht. Plazenta war trotzdem vollständig, alles gut. Da wir dummerweise den Mutterpass im GH vergessen hatten, konnte ich noch nicht genäht werden (ich hatte mich für OP mit Vollnarkose entschieden, Dammriss 3. Grades). Ich weiß bis heute nicht, ob das vielleicht nicht auch Absicht meiner Hebamme war. Nach 1 h kamen dann beide Geburtshebammen, mein Mann und meine Tochter. Ich konnte immer noch nicht in den OP, musste ja erst noch alles vorbereitet werden, konnte aber wenigstens meine Kleine noch Kuscheln und Anlegen. Irgendwann ging es dann in den OP, irgendwann bin ich wieder aufgewacht und auf Station gekommen. (20 Uhr) Mein Mann war noch kurz da und ist dann nach Hause. Meine Kleine habe ich auch bei mir auf dem Zimmer behalten, ich hätte sie um nichts in der Welt abgegeben. Da ich nun Antibiotika (über Tropf) nehmen musste, wegen der Dammnaht, blieb ich 3 weitere Tage im KH. Ich ging auch davon aus, jemand würde sich die Naht nochmal anschauen. Am dritten Tag, kurz vor der Entlassung, funktionierte die Flexüle für den Tropf nicht mehr und ich bekam eine Tablette. Da war ich sauer. Hätte mir jemand gleich gesagt, dass ich das Antibiotikum auch als Tablette bekommen kann und niemand in der ganzen Zeit auf den Damm schaut, wäre ich direkt am nächsten Tag nach Hause gefahren. Die Zeit auf der Entbindungsstation war nicht schön, es gab keine Privatssphäre, meine Zimmernachbarin war nervenaufreibend und mein Mann hat mir gefehlt. Die Schwestern waren größtenteils nett und sehr hilfreich, ich brauchte sie aber kaum. All das hätte mir auch meine Hebamme in der Wochenbettbetreuung zeigen können.

    Für manche mag auch diese Genurt der pure Horror sein, aber ich fand sie sehr schön. Bis auf den Dammriss, für den ich niemandem die Schuld zuweise, war es wunderschön und ich habe mich sehr gut betreut gefühlt. Ich kam ohne Schmerzmittel aus (bis auf die Zäpfchen am Anfang) und hatte auch nicht wirklich das Bedürfnis danach. Wenn ich davon erzähle, betone ich immer die umfangreiche Betreuung, ich war an dem Morgen nicht mehr alleine mit den Wehen, vor allem micht im KH auf irgendeinem Zimmer, weil man ja immer viel zu früh hinfährt, und dass ich kein Bedürfnis nach PDA oder sonstwas hatte. Ich werde trotzdem nur groß angeschaut. Obwohl fast alle Mütter mit denen ich rede, eine natürliche Geburt im KH hatte und immer wieder sagen, wie wenig sie betreut wurden und sich alleine gefühlt haben. Teilweise auch im Wehenzimmer mit anderen Frauen gelegen haben und dann vor sich „hingeweht“ haben. Ich finde diese Vorstellung schrecklich.

    Auch unser nächstes Kind (bisher nur in Planung) wird, wenn möglich und nicht schon geschlossen, in diesem oder dem anderen GH unserer Stadt zur Welt kommen. Hoffentlich ohne anschließenden Krankenhausaufenthalt.

    Antworten
    • Franziska
      Franziska sagte:

      Hallo Do Mi,

      wie sehr erkenne ich mich in deinem Bericht wieder. Auch ich habe unsere beiden Kinder im Geburtshaus bekommen und bin bis heute, vorallem wenn ich solche Berichte lese, heilfroh diese Entscheidung getroffen zu haben. Beim ersten Kind dauerte es bei mir sehr lange, also Muttermund ging relativ schnell auf, aber die Austreibungsphase war dann sehr langwierig, aber mit einer 1:1 Betreuung halt gut schaffbar. Auch ich hatte einen Dammriss 3. Grades und musste dann ins Krankenhaus zum nähen.
      Dort sagte mir dann, dass ich einen Nacht bleiben sollte, wegen dem Antibiotika über dem Tropf, den Rest könnte ich dann als Tabletten nehmen. Als mein Mann am nächsten Tag dann da war um mich abzuholen, war erst zwei Stunden lang kein Arzt aufzutreiben, der die Papiere unterschreibt, dann musste ich lange mit ihenn rumdiskutieren, dass ich das Antibiotika als Tablette zu Hause nehmen will, so wie es mir am Tag zuvor gesagt wurde. Ich habe mich dann gegen ärtzlichen Rat hin selber entlassen.
      Beim zweiten Kind lief dann zum Glück alles glatt, denn Dammschutz war die oberste Priorität der Hebammen im Geburtshaus und es hat auch geklappt, nur ein ganz kleiner Schnitt (ja ich bin die eine Frau pro Jahr, die im Geburtshaus einen Dammschnitt erhält) und dann sind wir 6 Stunden nach der Geburt wieder zu Hause gewesen.
      Ich drück dir die Daumen, dass es bei deinem zweiten Kind noch offene Geburtshäuser gibt.

      Antworten
    • Tina
      Tina sagte:

      …das mit dem Antibiotikum kenne ich auch….ich hab es wegen „vorzeitigem“
      Blasensprung bekommen (versteh ich bis heute nicht, hatte ja den blasensprung und dann gingen die Wehen los, 10std später Kind da)
      Und ich hasse diese Zugänge, beim nächsten Kind gibt es auch pauschal keinen mehr, da können sich die Ärzte auf den Kopf stellen…….

      Und die kamen mit der Infusion immer nachts um 2:30 Uhr….in einer Nacht lief das nicht mehr….da wollte die Krankenschwester doch allen Ernstes den Arzt rufen für nen neuen Zugang. Mein Mann hat ihr dann gesagt, dass sie das mal schön vergessen könnte und mal lieber nach einem oralen Antibiotikum fragen sollte: „ach ja, das könnte ich auch machen…..“

      Antworten
  8. Anna
    Anna sagte:

    Jetzt muss ich mal die Klinikgeburt verteidigen :-)
    Ich habe mit Beleghebamme im KH entbunden und wenn auch nicht alles so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe, so hatte ich dank Beleghebi genau die 1:1 Betreuung die sich viele wünschen.
    Während meiner 12h im KH ist sie einmal auf die Toilette gegangen und hat sich dafür noch entschuldigt! Ansonsten war sie die ganze Zeit da und das hat mir sehr geholfen, unbezahlbar!!

    Antworten
    • Cerstin
      Cerstin sagte:

      Liebe Anna,

      genau diese 1:1 Betreuung wünsche ich jeder gebärenden Frau, die sich für eine Klinikgeburt entscheidet- denn das kann viel abwenden.

      Antworten
  9. Cerstin
    Cerstin sagte:

    Herzlichen Glückwunsch, liebe Tina zur Geburt deiner Laura :-)

    Ich habe den eindruck, dass grade weil so manches „Sportlich“ genommen hast, es eine schöne Klnikgeburt geworden ist. An manchen Stellen in deinem Bericht habe ich „Schade…“ gedacht, da bin ich ehrlich.
    Ich weiß von einem Krankenhaus in NRW, dort machen die Gyns die PDA (sie haben natürlich die Anästhesiekenntnisse) das hat den Vorteil von keinen Wartezeiten. Und dann ist es eine Walking-PDA, für eine aufrechte Gebärposition super und sogar etwas umhergehn im Kreissaal soll damit möglich sein.
    Schade fand ich auch, dass Laura so schnell dir „gemopst“ , gebadet und Dir angezogen wiederbegracht wurde…. das ist es wohl der bedauerliche Klinikalltag.
    Doch das wichtigste ist wie DU Deine Geburt fandest und im Frieden bist. Alles Gute für Euch <3

    Antworten
  10. Britta
    Britta sagte:

    Liebe Tina,

    Wie schön dass du eine Geburt erleben durftest, mit deren Verlauf du zufrieden bist. Vielen Dank dass du dieses sehr individuelle und private Erlebnis preisgibst und andere an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.
    Das ist nicht selbstverständlich und wie man an den vorherigen Kommentaren ablesen kann sind die Vorstellungen von einer schönen Geburt so vielfältig wie die Frauen selbst. Um so mehr stelle ich fest, dass es mich ärgert, wie hier Stimmung gemacht wird. Gerade die Profis in der Medizin sollten sich im klaren sein, dass Menschen sehr unterschiedlich sind und es nicht das einzig richtige für alle gibt. Inbesondere sollte so viel professionelle Distanz vorhanden sein, um nicht aus der eigenen Einstellung heraus ein Dogma zu kreieren. Wie anmaßend ist es, aus der Ferne, aufgrund eines subjektiven Berichts, die Abläufe in diesem Krankenhaus zu be- und verurteilen? Das wird weder den komplexen mulifaktoriellen Hintergründen für bestimmte Entscheidungen gerecht, noch wirft es ein besonders gute Licht auf den Kritiker. Bisher habe ich hier ab und an gerne geschmökert. Als Ärztin ärgert mich aber zunehmend, was für eine enge kleine geburtshilfliche Weltanschauung hier gestrickt wird.
    Und by the way, ein Wunsch nach PDA ist kein geburtshilflicher Notfall, der das umgehende Erscheinen eines Anästhesisten erfordert. Daraus abzuleiten, dass im Falle einer Komplikation keine Notsectio möglich gewesen wäre, ist schlicht Angstmacherei und sollte

    Antworten
    • Lisa
      Lisa sagte:

      Liebe Britta,

      Vielleicht magst du mit Jana zusammen ueber einen Gastartikel nachdenken? Damit hier sicher keine „enge kleine geburtshilfliche Weltanschauung“ gestrickt wird?
      Aus der Einleitung zu ihren Kommentaren ist eigentlich klar, dass sie diesmal etwas kritischer interpretiert und (vielleicht auch exemplarisch) auf die Missstaende hinweist.

      Bisher hatte ich nicht den Eindruck, dass hier kein Blick ueber den Tellerrand mehr moeglich ist, oder dass es sehr dogmatisch zu geht. Dass hier mehr Frauen lesen/kommentieren, die fuer eine natuerliche Geburt ohne unnoetige Internventionen sind, oder die evtl. eine fuer sie traumatischen Geburtserlebnis versuchen aufzuarbeiten, sollte eigentlich nicht erstaunen.
      Janas Einblicke auf die Hebammenseite der Geburtshilfe fand ich immer sehr spannend.
      Vielleicht waere aber ein Artikel/ausfuehrlicherer Kommentar aus aerztlicher Sicht eine gute Erweiterung?

      Viele Gruesse,
      Lisa

      Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Britta,
      seltsam, dass du mich für die Bemerkung so angreifst. Gerade als Ärztin müsstest du doch wissen (und vielleicht ja auch selbst darunter leiden), dass die Personalkürzungen unsere Arbeit zunehmend erschweren und teilweise sogar sehr unsicher machen. Das hat nichts mit einer bestimmten Weltanschauung zu tun, sondern ist schlichtweg die Wahrheit.
      Natürlich weiß ich, dass eine PDA kein Notfall in dem Sinne ist. Und natürlich bin ich mir sicher, dass die Klinik alles Menschenmögliche gemacht hätte, wenn ein echter Notfall eingetreten wäre. Allerdings kann man sich ja auch keinen Anästhesisten aus den Rippen schneiden…
      Und ich finde es in diesem Beispiel und auch in vielen weiteren, die ich selbst erlebt habe schrecklich, einer Frau erst zu versprechen, dass eine PDA jederzeit möglich ist und sie dann ewig darauf warten zu lassen. Es mag kein medizinischer Notfall sein – aber ein menschlicher. So entstehen Traumatisierungen. Denn die Frauen fühlen sich total ausgeliefert und im Stich gelassen.
      Und dann bekommen sie auch noch gesagt, sie sollen doch glücklich sein, ihr Kind wäre doch gesund und alles sei normal. Das ist einfach nicht fair.
      Ich habe einfach keine Lust, diese Missstände zu decken und ich denke, dass es Veränderungen geben muss.
      In meiner „kleinen, engen Weltanschauung“ finde ich nämlich, dass man Frauen unter der Geburt bestmöglich unterstützen sollte und zwar genau in ihrer eigenen, individuellen Vorstellung von einer schönen Geburt.

      Antworten
    • dragonet
      dragonet sagte:

      Liebe Britta,

      Danke, dass du auch mal die Sicht einer Ärztin schreibst, ich finde das hochinteressant.
      Grundsätzlich kann man wohl Geburten in zwei Kategorien einteilen: Notfall und Nicht-Notfall. Bei den Notfällen ist alles klar, das ist die Kernkompetenz der Kliniken und da steht immer binnen Minuten ein Anästhesist und ein OP-Saal für den Notkaiserschnitt zur Verfügung. Das ist ungemein wichtig.
      Aber was ist mit all den Geburten, die kein Notfall sind? Welche Pläne und Konzepte gibt es für diese Geburten? Durchgängige Betreuung durch eine Hebamme schon länger nicht mehr mangels Personal. Außerdem schreibt fast jede Klinik auf ihrer Homepage Möglichkeiten der Schmerzlinderung, u.a. eben auch pda (ich wollte jetzt nicht schreiben, dass manche Kliniken schon fast Werbung damit machen). In gewisser Weise kann man schon verstehen, dass die Frauen dann auch erwarten, dass sie auch ohne medizinische Indikation eine pda kriegen. Vorallem, wenn die Alternativen, die die Kliniken bieten, nicht sehr zahlreich sind.
      Ich finde, es gibt kein gutes Konzept, wie mit Nicht-Notfall Geburten im KH umgegangen werden soll. Im Notfall läuft eine hoch komplexe Maschinerie an, die perfekt läuft und Leben rettet. Aber ohne Notfall weiß das KH oft nicht so recht, was es mit der Gebärenden tun soll und lässt sie deshalb (und weil zu wenig Personal) allein.
      Jana, Britta und andere ÄrztInnen/Hebammen: Seht ihr das auch so?

      Antworten
  11. Julia
    Julia sagte:

    Hallo zusammen,

    ich habe all Eure Erfahrungen gelesen wundere mich, dass ich doch nicht so ein Einzelfall bin.

    Meine (erste) Geburt im Krankenhaus war nur gut, weil alles gut lief.

    Ich kam morgens um 7 mit Wehen in 3 min Abständen an und dachte, bis zum Mittagessen ist der Kleine sicher da. Ich war zuerst im Kreißsaal, wurde dann aber in ein Zimmer geschickt, als sich um 11 Uhr noch nichts weiter getan hatte. Alle Kreißsäle waren dann belegt.
    Um 15 Uhr bot man mir die Badewanne an, in der man mich bis 17 Uhr ließ und auch nur wieder rausholte, weil ich geklingelt habe (ich war schon viel zu schrumpelig und die Wehen ließen immer mehr nach).
    Um es abzukürzen: Ich kam dann direkt in einen, gerade frei gewordenen Kreißsaal, um 19 Uhr wurde die Fruchtblase angepikst und um 22.15 war mein Sohn dann da.

    Außer Traubenzucker habe ich nichts bekommen, wollte ich nicht und brauchte ich gottseidank auch nicht.
    Aber was ich wirklich ganz schlimm fand war, dass ich die Hebammen wirklich nur ein Mal pro Stunde gesehen habe, ab dem Moment, als ich in den Kreißsaal kam – und davor nur alle 1,5 bis 2 Stunden.
    Ich habe 2 Schichtwechsel mitgemacht, es gab außer mir noch 2 Geburten zeitgleich… vielleicht waren diese anderen Geburten so schwer, aber 5 Hebammen waren theoretisch da, nur bei mir war niemand.

    Schön, dass sie immer gesagt haben „Sie machen das ganz toll, weiter so!“ – kurz CTG gecheckt – und weg. Ich habe mich übergeben, ich hatte gar nichts gegessen und war müde und mir hätte es einfach gut getan, wenn jemand etwas mütterlich zu mir gewesen wäre, mir jemand Mut gemacht hätte, dass es nicht mehr lange dauert oder mich motiviert hätte, denn ich bin zwischen den Wehen immer eingenickt. Da mein Mann nicht da sein konnte, war ich also mutterseelenallein meinen Wehen überlassen.

    Die letzte Stunde habe ich eine Hebamme genötigt, bei mir zu bleiben, weil ich Zuspruch wollte. Aber leider hat diese Hebamme nur ihren Papierkram neben mir erledigt und lediglich bei jeder Wehe kurz zu mir geguckt und gesagt „Schön atmen, es dauert nicht mehr lange..“ aber sie war nicht bei der Sache. Irgendwann habe ich mich aufs Bett gekniet und gesagt: „Jetzt kommt er, was muss ich tun?“ Da hat sie dann schnell alles fallen gelassen, mir 15 Minuten gesagt, wie ich pressen soll, dann war es geschafft.

    Das war alles sehr schade. Das Bonden war schön lange, ich hatte 3 Stunden, meinen Schatz kennen zu lernen (weil dann wieder alle weg waren, nachdem ich genäht worden bin… ).

    In den nächsten 3 Tagen haben mir alle Hebammen, die dann Schicht hatten, gratuliert mit den Worten „Wahnsinn, ich habe gehört sie haben ALLES alleine gemacht und SO toll hinbekommen!! Ganz toll, wirklich!“ Jede wollte die Geschichte von mir erzählt bekommen, wie ich bis ganz zum Schluss gestanden habe und den Kleinen in der Vierfüßler Stellung bekommen habe.
    Was hätte ich darum gegeben, solche Worte während der Geburt zu hören!

    Die nächste Geburt wird definitiv im Geburtshaus stattfinden, mit einer Hebamme, die ich vorher gut kennenlernen möchte :)

    Antworten
  12. mary
    mary sagte:

    Meine Geburt lief ähnlich ab. Nur ohne pda.

    Trotz allem gabs momente, die ich nicht direkt ändern konnte, die mich hinterher aber auch fuchsig gemacht haben.

    Bei mir ging es 1 uhr nachts los. Ich wachte mit Schmerzen auf. Lief 30 min unher und dachte mir… eh 6-7 wehen? Rufst lieber im khs an.1.35Uhr.
    Die Hebamme dort hörte sich den Verlauf an und meinte ich solle ruhig zu hause bleiben und bis Morgens warten. Und mich gegen 7 nochmal melden. Meine Antwort war ich schaue ab jetz auf die Zeit und dass wir uns noch persönlich sehen werden.
    Hab auf die Uhr geschaut, Wehen veratmet und bin umhergelaufen denn sitzen oder liegen ging nicht wollte ich nicht.

    Gegen 3 konnt ich nicht mehr, bekam Angst, zuhause entbinden zu müssen.. Mein Freund sollte Rtw rufen (kein führerschein und ich dachte blase geplatzt)
    und drückte mir den hörer noch in die Hand.

    Rtw Kräfte waren etwas ratlos, weil ich in den pausen noch scherzte.
    Im kreißsaal empfing mich die Hebamme vom Telefon: na da sind Sie ja doch gekommen! ich brummte nur hab ich doch gesagt.

    Untersuchung, und dann: Wehen, ja, aber nicht muttermundswirksam! Ich könne nochmal nach hause.
    Unverständnis, dass ich mich weigerte.
    Nungut dann auf station. Mir war das erste mal schlecht.
    Auf station am tresen wurde beratschlagt welches zimmer ich bekommen soll und ob man mich den Patienntinnen zumuten könnte.
    Mir wurde wieder arg schlecht und ich bedauerte, nicht gespuckt zu haben… auf den Tresen. schade.
    Ich war nämlich etwas wütend.und stöhnte wegen den schmerzen.

    also doch vorwehenzimmer. ich war erleichtert… dann bekam ich 3 tabletten. 1 gegen schmerz und 2 gegen die ängste und die machen einen arg müde. Dumm dass ich Geburtspanik im Vorgespräch Wochen zuvor vermerken ließ. (kontrollverlust triffts wohl eher)
    Nahm sie trotzdem und habe nicht bedacht dass ich nun liegen müsste… wurde sozusagen mit ctg ans bett gefesselt weil es ein stationäres war.

    Ich weiß nicht was sonst so los war in der nacht, hab aber das gefühl gehabt ich sollte eher nicht da sein bzw mich bloß ruhig verhalten. 4.00.

    Sie wollten zusätzlich noch meinen Freund nachhause Schicken!!! Geht ja garnicht! Ich bekam Panik. Ich wusste dass ich dann ganz allein wäre. Nix hätte geholfen und ich hätte komplett blockiert.

    Selbst meine verzweifelten Worte und Angstbekundungen wollte besagte Hebamme nicht hören und drängte meinen Freund zum Aufbruch.

    Also tat ich das Einzig richtige: Ich hielt ihn am Arm fest.EISERN FEST. Und ließ ihn nicht mehr los. Selbst als er mal zum wc wollte nicht, aus angst, die schwestern fangen ihn ab und schicken ihn weg.

    Er selbst machte es mir auch nicht einfach, weil er dauernd sagte er müsse los. Sei müde etc. ha ich auch…

    5.00? Dann platzte die Fruchtblase irgendwann und ich musste dringend mal. daher rief ich nach der hebamme. Dass da ein knopf ist, hab ich vergessen meinem freund zu sagen. Ich selbst wäre alleine sowieso nicht herangekommen.

    Irgendwann kam sie und begleitete mich missmutig.
    Danach musste ich eine wehe veratmen und sie dafür umarmen. ging wirklich nicht anders. Sie sah nicht froh aus. PECH.

    dann hatte ich glück mit dem schichtwechsel. Meine hebamme war dann zwar auch hin und wieder mal weg, hat mich aber angefeuert und rumbugsiert wenn ich wieder gejammert hab ich könne mich nicht bewegen.
    Freundin kam dann auch und sie und mein freund durften bei mir bleiben.

    Mehrmals wollte ich pda. hab aber nie gefragt. denn hebamme war da. Es ging ohne. ein glück. Anfassen traute ich mich nicht. und schien so weit weg. spiegel gabs wohl nicht. dann war er da. auf meinem bauch und papa konnte die nabelschnur durchschneiden 7.43.

    Wehentropf brauchte ich. Genäht werden musste ich. Geburtswanne da wurde nichts draus. Pda brauchte ich nicht.

    Plus und minus für meine geburt…

    wenn ich dran denke, ich hätte auf die damen gehört….und wäre wieder nach hause oder oder oder.
    denn ich hatte diabetes und der kleine sollte dahingehend kontrolliert werden….

    sorry für die länge.

    aber ja. eine umfassendere betreuung wäre für ängstliche frauen und allgemein besser.

    Antworten

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