Roses Revolution Day 2015

Gewalt in der Geburtshilfe – Roses Revolution Day

Zum dritten Mal jährt sich am 25. November 2015 der Roses Revolution Day in Deutschland. An diesem Tag sollen Frauen, die unter der Geburt verbale oder körperliche Gewalt erfahren haben, vor den entsprechenden Institutionen, rosafarbene Rosen ablegen. Wer möchte, legt einen erklärenden Brief dazu. Fotos der Aktionen sollen über die sozialen Netzwerke dann verbreitet werden, um sie auf diese Weise öffentlichkeitswirksam zu dokumentieren.

Welche Gewalt?

Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich dabei um:

„Körperliche Misshandlung, tiefe Demütigung und verbale Beleidigung, aufgezwungene oder ohne ausdrückliche Einwilligung vorgenommene medizinische Eingriffe, Missachtung der Schweigepflicht, Nichteinhaltung der Einholung einer vollumfänglich informierten Einverständniserklärung, Verweigerung der Schmerzbehandlung, grobe Verletzung der Intimsphäre…“

Je mehr zu dem Thema geforscht wird, um so erschreckender sind die Erkenntnisse.
Dr. Katharina Hartmann, die Initiatorin des Roses Revolution Day Deutschland, geht sogar von einer Betroffenenrate von 10-25% aus! (Die Zahlen stammen aus einem Interview mit Frau Dr. Hartmann im „Hebammen info“ – Magazin 4/15.)
Auch ich habe schon von vielen Frauen im Wochenbett Dinge erzählt bekommen, die mich teils ganz ungläubig zurück ließen. Ich hoffe inständig, dass ich selbst nie eine Frau so verletzt habe, wie es mir berichtet wurde! Aber es scheint „da draussen“ tatsächlich zu passieren. Hier sind einige Seiten mit traurigen Beispielen und weiterführenden Infos zur Aktion:

„Worte können Waffen sein“

Natürlich gibt es in der Geburtshilfe, wie in jedem anderen Bereich unserer Gesellschaft, Menschen, die wenig empathisch, ja unsensibel sind. Nur so kann ich mir Sprüche wie: „Tja, so schön wie’s rein gekommen ist, kommt’s nicht wieder raus“ oder: „Jetzt stellen Sie sich nicht so an, das ist doch noch gar nichts“ oder: „Jetzt reißen Sie sich mal zusammen“ erklären.
Frauen sind unter der Geburt besonders verletzlich und so können selbst diejenigen, die im normalen Leben sehr schlagfertig sind, sich in dieser Situation schlecht wehren. Leider brennen sich aber Dinge, die unter der Geburt gesagt werden, oft und besonders tief ein.

Im Übrigen habe ich all diese Sprüche auch schon von Angehörigen der Gebärenden gehört. Das soll jetzt nichts relativieren, sondern darauf hinweisen, dass Unsensibilität nicht nur den Geburtshelfern zuzuordnen ist, sondern psychische Gewalt oft auch ein Problem aus dem familiären Umfeld ist.

Nicht gewahrte Intimität

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass für die Gebärende ein intimer Raum geschaffen wird, in dem sie sich sicher und geborgen fühlen kann. Es gibt diesbezüglich vielerorts noch große Defizite: Türen bleiben, selbst bei vaginalen Untersuchungen, häufig offen stehen. Eine Frau berichtete mir, dass, während sie auf dem gynäkologischen Stuhl saß, den Ultraschallstab gerade in der Vagina, die Tür einfach aufging und ein anderer Arzt ungefragt herein kam, nur um mit dem schallenden Kollegen einen anderen Fall zu besprechen.
So etwas ist mir völlig unverständlich. Woher kommt bloß so eine Abstumpfung?

Mangelnde Sensibilität bei „notwendigen“ Untersuchungen

Untersuchungen – besonders vaginale – sollten sehr vorsichtig, langsam und natürlich nur nach vorheriger Erklärung, bzw. Absprache erfolgen. Fakt ist aber, dass viele Frauen immer wieder davon berichten, wie sie, ohne vorherige Absprache, wieder und wieder – oft von mehreren Geburtshelfern – vaginal untersucht wurden.

Wie kommt es dazu?

Wie kann es zu diesen Übergriffen kommen? Sind Hebammen und Geburtshelfer allesamt sadistische Menschen? Natürlich nicht! Man sagt dieser Berufsgruppe im Allgemeinen ja doch eher ein ausgeprägtes Helfersyndrom nach. Lügen alle diese Frauen? Natürlich nicht! Denn solche Misshandlungen passieren. Und das jeden Tag!
Aber warum? Wie kann es dazu kommen?
Hier sind ein paar meiner Erklärungsversuche:

„Das wurde schon immer so gemacht“

Bei meinen ersten Kreißsaaleinsätzen als junge Hebammenschülerin (Mitte/Ende der neunziger Jahre) sah ich manchmal Dinge, von denen ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein! So habe ich mir die Geburtshilfe aber nicht vorgestellt. So darf man Frauen nicht behandeln!
Damals war es sogar noch viel schlimmer als heute: Die Betten standen mit den Fußende zur Tür gerichtet. In manchen Kreißsälen gab es noch nicht mal Türen, sondern nur Vorhänge. Es waren grundsätzlich viele Personen im Kreißsaal anwesend – teilweise auch nur zum zuschauen. Frauen lagen damals fast immer auf dem Rücken. Und in dieser Zeit habe ich selten Geburten ohne Dammschnitt erlebt. Selbst die Hebammen hatten damals häufig einen ziemlichen Befehlston am Leib.
In den Schulwochen der Ausbildung diskutierten wir innerhalb unseres Jahrgangs viel über diese, für uns inakzeptablen, Zustände, die sich so sehr von dem unterschieden, was wir in der Hebammenschule eigentlich lernten. Das hatte nur sehr wenig damit zu tun, wie wir gerne arbeiten wollten.
Daher versuchten auch viele von uns, darüber mit den diensthabenden Hebammen und Ärzten zu sprechen. Aber es war meist chancenlos. „Das wurde schon immer so gemacht! Kann ja nicht verkehrt sein“, war eine häufige Antwort. Und so schworen wir uns, die Dinge zu ändern, sobald wir endlich fertig ausgebildet sind und dann auch etwas zu sagen hätten. Viele von uns taten das. Ich denke, es ist meine Hebammengeneration, die begonnen hat, die Kreißsäle wohnlicher und intimer zu gestallten, aufrechte Gebärpositionen zu fördern, Dammschnittraten effektiv zu senken, allgemein für mehr Selbstbestimmung einzutreten und so die Geburtshilfe in den Kliniken deutlich zu verbessern.

Meiner Meinung nach gab es dann auch eine Zeit der richtig guten Geburtshilfe. So habe ich das zumindest hier in Berlin erlebt. Aber das gilt bestimmt nicht für jede Klinik oder Region.

Der Stellenabbau

Dann begannen die Kürzungen.
Ich berichte hier übrigens nur über das, was ich durch den Austausch mit vielen angestellten Kolleginnen in Erfahrung gebracht habe. Sicher passen die folgenden Beschreibungen daher nicht auf jede, sicher aber auf viele Kliniken in Deutschland. Zumindest wage ich das mal zu behaupten…

Kreißsaalarzt

Vorher gab es einen Kreißsaalarzt, der immer da war und ausschließlich für den Kreißsaal zuständig war.
Aber dann wurde er immer häufiger auch auf die Station gerufen, musste zusätzlich gynäkologische Fälle betreuen. (Von der jungen Frau, die die Pille vergessen hatte, bis hin zur Dame aus dem Altersheim, die nach Jahren plötzlich wieder Blutungen bekam.) Dabei mussten wir Hebammen immer wieder assistieren, auch wenn wir parallel dazu Geburten betreuten. Das waren schon mal zwei wichtige Menschen, die in der Zeit dann im Kreißsaal fehlten.

Reinigungskraft

Vorher gab es eine Reinigungskraft, die nicht nur für die natürlich notwendige Hygiene sorgte, sondern uns auch mit kleinen Handlangeraufgaben – wie mal einen Kaffee für den werdenden Vater oder ein Essen für die frisch gebackene Mutter besorgen – half. War eine Geburt vorbei und die Familie auf die Station verlegt, zog sie die Betten ab, machte sauber und bezog alles wieder frisch.
Aber dann mussten wir Hebammen, bis auf das Putzen, diese Aufgaben zusätzlich übernehmen und hatten somit noch weniger Zeit für die zu betreuenden Frauen.

Anästhesie

Vorher gab es immer zwei Anästhesisten im Haus. So konnte selbst, wenn der Eine an einem OP-Tisch stand, der Andere immer auf Abruf kommen, um eine PDA zu legen, sobald das eine Frau wünschte.
Aber dann gab es nur noch einen Anästhesisten und einen weiteren, der lediglich in Rufbereitschaft zu Hause war. Manchmal musste eine ganze Stunde überbrückt werden, bis der Anästhesist endlich eintraf. War er dann endlich da, hieß es: „Gibt es hier noch eine Frau, die eine PDA braucht, denn noch mal komme ich nicht.“
Ich möchte nicht wissen, wie viele Frauen dann adhoc noch schnell zur PDA überredet wurden, oder denen die PDA später ausgeredet wurde, um nicht noch mal die Rufbereitschaft anrufen zu müssen.

Dokumentationsaufgaben

Zu diesen folgenschweren Kürzungen kamen dann nach und nach immer mehr Dokumentationsaufgaben hinzu. Das Ganze gepaart mit immer engeren geburtshilflichen Richtlinien.
Eine Frau, die im Kreißsaal aufgenommen wurde, muss so schnell wie möglich in den Computer eingetragen werden. Sonst ist sie im Krankenhausbetrieb quasi nicht existent. Ohne dies, kann man für sie weder Blut ins Labor schicken, noch ein Zimmer auf der Station bekommen. Also: Erst die Verwaltungsaufgaben, dann die Betreuung. Und wehe es kommt ein Kind, von einer Mutter, die noch nicht eingetragen ist. Das kann nicht sein! Passiert aber.
Irgendwann reichte es auch nicht mehr aus, ein CTG nur sporadisch zu schreiben. Plötzlich musste, ab Beginn regelmäßiger Wehen, eine weitestgehend lückenlose Dokumentation erfolgen. Und überhaupt musste jede Geburt so schnell wie möglich in den Computer eingetragen werden. Aber dafür braucht man die Maße des Kindes. Wenn man also Mutter und Kind in der ersten Stunde bonden lässt, muss die Dokumentation halt so lange warten… „Hast du jetzt endlich die Maße aus Kreißsaal Nummer 2?“ Denn allerspätestens mit der Verlegung auf die Station muss der komplette Geburtsbericht, und dann aber wirklich lückenlos, vorliegen. Plus die Übergabeprotokolle von Mutter und Kind.

Hebammenstellen

Auch bei den Hebammen wurde natürlich kräftig gekürzt. Irgendwann durfte quasi niemand mehr krank werden. Wenn doch, dann kam es vor, dass die Nachtdiensthebamme noch den Frühdienst über bleiben musste. Man stelle sich vor: Eine Hebamme, die die Verantwortung für zwei Leben trägt, ist total übernächtigt und im Prinzip nicht mehr zurechnungsfähig. Ob sie die Kreißsaaltür dann noch mit einem freundlichen Lächeln öffnen wird, wenn eine wehende Frau klingelt?
Da bleibt dem Personal dann nur noch die Möglichkeit, eine sogenannte „Überlastungsanzeige“ zu schreiben. Doch wehe das kommt zu oft vor. Dann gibt es ein Mitarbeitergespräch, in dem es darum geht, ob man seinen Arbeitsanforderungen denn überhaupt noch gewachsen ist.

Ich kenne nur noch wenige Kolleginnen, die unter diesen Umständen wirklich gerne im Kreißsaal arbeiten. Früher war das einmal ganz anders.

Erklären, nicht entschuldigen

Ich möchte hier, bezüglich der verletzenden Übergriffe, nichts schön reden oder gar rechtfertigen. Denn seelische oder körperliche Gewalt ist durch nichts zu entschuldigen. Das muss aufhören! (Und genau dafür setzt der Roses Revolution Day ein Zeichen.)
Ich glaube aber, dass die Überlastung der geburtshilflichen Teams ein sicher nicht ganz unerheblicher Einflussfaktor ist. Denn unzufriedene, gestresste, überarbeitete Menschen verlieren eben auch leichter mal einen Teil ihrer (ursprünglich meist vorhandenen) Empathie.

Auch die WHO sagt dazu in ihrem, bereits oben angesprochenen, Bericht zur „Vermeidung und Beseitigung von Geringschätzung und Misshandlung bei Geburten in geburtshilflichen Einrichtungen:“

Um bei Geburten einen hohen Standard an würdevoller Versorgung zu erreichen, müssen Gesundheitssysteme so organisiert und verwaltet werden, dass die Wahrung der (…) reproduktiven Gesundheit der Frau (…) sichergestellt ist. Obwohl viele Regierungen, Berufsverbände, Bürgerbewegungen und Gemeinschaften weltweit bereits auf die Notwendigkeit hingewiesen haben, sich dieses Problems anzunehmen, (…) sind in vielen Fällen politische Maßnahmen zur Unterstützung einer wertschätzenden Versorgung (…) noch nicht in sinnvolle Handlungen umgesetzt worden.

Für mich wäre die Umorganisation von Klinikabläufen und eine Umkehr des Stellenabbaus ein unabdingbarer Teil davon.

Es bleiben Fragen

Die Politiker unseres Landes möchte ich fragen:

  • Warum hat der Beginn des Lebens bei uns eigentlich so einen geringen Stellenwert?
  • Warum traut sich keine Partei, kein Politiker sich dieses Themas mal wirklich anzunehmen?
  • Wann werden wir endlich aufhören immer nur Banken und Flughäfen zu retten, um uns statt dessen den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuwenden?
  • Nehmt ihr euch die Rosen eigentlich auch zu Herzen? Schließlich habt ihr den massiven Stellenabbau in den Kliniken ja geduldet.

Entschuldigung & Hilfe

Als Hebamme möchte ich mich bei all den Frauen entschuldigen, die durch meinen Berufsstand schreckliche Erfahrungen machen mussten. Ich wünsche euch, dass ihr zumindest die Chance zur Aufarbeitung der Traumata bekommt und ergreift.
Ich bin ja immer dafür, die Geburt noch mal mit denen nachzubesprechen, die auch dabei waren. Manchmal reicht das aber nicht aus, oder ist nicht möglich. Oder Frau möchte sich nicht noch einmal ihren Peinigern stellen. Dann muss professionelle Hilfe her: „Schatten & Licht“ hilft bei Krisen rund um die Geburt. Und natürlich ist es auch möglich, einen Psychologen aufzusuchen.

Vielleicht kann es darüber hinaus ein Trost und sogar ein erster heilender Schritt für euch sein, eine rosa Rose mit persönlichem Brief an das Geburtshelfer-Team am Ort der Demütigung zu hinterlassen. Das wünsche ich euch sehr!

#Verarbeitung

Wie findet ihr den Roses Revolution Day? Kennt ihr solche Geschichten auch? Habt ihr selbst negative Erfahrungen gemacht?
Oft tut es gut, darüber zu erzählen – und sei es auch nur anonym, zum Beispiel hier in den Kommentaren.



Hebammenblog.de gefällt Dir? Für's Liken & Teilen sag ich Danke! ;-)

INSTAGRAM
EMAIL
FACEBOOK
TWITTER
Whatsapp

Hier geht's zum Newsletter, der Dich alle 2-3 Wochen über neue Artikel informiert...


45 Kommentare
  1. Sabine
    Sabine sagte:

    Danke, liebe Jana, dass du diesem Thema hier Raum gibst.
    Auch ich habe letztes Jahr eine Rose vor die Kreißsaaltür gelegt (und war heilfroh, dass ich dabei keinen Menschen getroffen habe, der Weg dorthin war so schon schwer genug). Mit Brief. Ob den jemand gelesen hat? Wer hätte denn im Kreißsaal überhaupt die Zeit dafür? Das ist ja das Schlimme, dass man den Menschen, die werdenden Müttern – und auch Vätern – Gewalt zufügen, nicht den Vorwurf machen kann. Schließlich stehen sie oft genug selbst mit dem Rücken an der Wand.
    Trotzdem hat es mir wirklich gut getan, dieses Zeichen zu setzen. Deshalb kann ich alle, die Schlimmes um die Geburt herum erlebt haben, nur ermuntern, mitzumachen. In der Hoffnung, dass eines Tages der Wert eines respektvollen Umgangs wieder erkannt und umgesetzt wird.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Sabine, gut dass du den Mut hattest.
      Ich glaube schon, dass die Briefe gelesen werden. Was die Jenigen dann damit machen, weiß ich natürlich nicht. Nehmen sie es sich zu Herzen? Weisen sie alles von sich?
      In jedem Fall ist es gut, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Es wird sicher auch in den Kreißsälen viel darüber geredet werden. Und hoffentlich bewirkt das ein bewusst werden von Handlungen, die vielleicht schon zu sehr zur Routine geworden sind, ein Überdenken von Worten…
      Ich hoffe es.
      LG

      Antworten
  2. Laura
    Laura sagte:

    Hallo zusammen,
    Ich habe diese Seite gerade zufällig gesehen und habe eigentlich überhaupt keine Zeit (Vollzeitjob/Juristin und 2 kleine Kinder) mich mit diesen „unwichtigen“ auseinanderzusetzen aber ich habe Ähnliches erfahren als ich m. zweites Kind zur Welt brachte. Nachdem das erste eine indizierte Sectio war (aufgrund BEL) hatte ich fest vor, das zweite Kind auf natürlichem Wege zu bekommen, wenn medizinisch nichts dagegen sprach.
    Am Tag der Geburt (mit Blasensprung wie beim ersten Kind) hat sich keine Hebamme wirklich um mich gekümmert und ich wurde nur an die Geräte zur Dokumentation der Wehentätigkeit abgeschlossen und hin und wieder kam die Hebamme rein, um sich das Papier anzusehen.
    Von Unterstützung oder Begleitung keine Spur. Dann wurde ich irgendwann (3-4 Std später!) in einen Raum verlegt, wo sich eine herzlose und unfreundliche Hebamme um mich „kümmerte“. Ich bat um Schmerzmittel und hatte innerlich schon fast beschlossen, die Geburt nicht von dieser Hebamme begleiten zu lassen sondern eine zweite sectio zu machen (mein Kind war etwas über 4kg schwer) .. Mir wurde nicht einmal vorher die PDA angeboten, ich wusste natürlich, dass es diese gibt aber ich wollte dahingehend begleitet werden, ob und wann dies bei mir Sinn macht. Ohne wirkliche Erfahrung mit Wehentätigkeit und Schmerzen konnte ich nicht wirklich beurteilen, wann der richtige Zeitpunkt sei. Darüber hinaus hatte sich der Muttermund nicht richtig geöffnet bei extremer Wehentätigkeit und ich hätte mir gewünscht, dahingehend beraten und einfühlsam betreut zu werden (ja, ich hatte eine Zusatzversicherung und wurde als Privatpatientin abgerechnet). Stattdessen musste ich mir von der unfreundlichen Hebamme anhören, einen Schmerz müsse ich ja aushalten wenn ich schon gen sectio tendierte und sie verabreichte mir widerwillig die zweite Infusion Schmerzmittel. Von Geburtsbetreuung keine Spur. Mehr ein unhöfliches Abfertigen mit ironischen, bösen Kommentaren. Ich war aufgrund der Wehen nicht mehr ansprechbar, habe mich fast übergeben und war am Ende froh, in den OP-Saal gefahren worden zu sein. Gerne hätte ich erfahren, ob ich mein zweites Kind auf natürlichem Wege hätte bekommen können und vielleicht hätte es am Ende geklappt oder auch nicht und ich wäre beim Kaiserschnitt gelandet, aber diese Art der „Un-Betreuung“ werde ich nicht vergessen. Ganz zu schweigen von der teilweise ruppigen Art im Wochenbett ein paar Tage nach der Geburt im Krankenhaus. Schade, dass ich so etwas erleben musste und zudem war ich auch noch ohne meinen Mann dort im Kreißsaal da er auf unser erstes Kind aufgepasst hat und kein Familienmitglied aufgrund des Blasensprungs so schnell anreisen konnte. Ich bin wütend wenn ich daran zurückdenke und werde höchst wahrscheinlich keine weiteren Kinder bekommen.
    Danke, dass Ihr einen Gedanken an diese, ja, Gewalt in der Geburtshilfe „verschwendet“. Interessiert die Ärzte und Krankenhäuser und dort Angestellten (auch Hebammen) offensichtlich nicht.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Laura, ich finde immer am schlimmsten ist der Gedanke: vielleicht hätte es mit einer guten Betreuung ganz anders ausgehen können…
      Zu deinen Bedenken die Rosen können niemanden interessieren: Das glaube ich nicht! Meiner Erfahrung nach werden Beschwerdebriefe jeder Art immer sehr ernst genommen. Wenn Namen genannt werden gibt es auch ein Gespräch mit den Beteiligten und es wird überlegt, wie es zu der Situation kommen konnte und was man zukünftig ändern könnte.
      Ich denke schon, dass die Rosen etwas bewirken. Besonders wenn bestimmte Kliniken massiv bedacht werden.
      Sowohl als Verarbeitungshilfe für die Geschädigte, als auch als Anregung zum Nachdenken bei den Gewalttätigen.
      Alles Gute dir!
      Jana

      Antworten
  3. An
    An sagte:

    Danke, liebe Jana. Wie kann es sein, dass die Krankenkassen – ich weiß es von der Techniker Krankenkasse, es gilt aber sicherlich auch für andere – mit stolzgeschwelltem Tonfall Überschüsse von ein paar Euro an ihre Versicherten auszahlt, während sie es mit zulässt, dass solche erschütternden Zustände in der Geburtshilfe auftreten? Diese Unterfinanzierung der Geburtshilfe ist menschenverachtend.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Finde ich eigentlich eine richtig gute Idee!!!
      Vielleicht mal als gesonderte Aktion. Heute sind erst Mal die dran, die konkret verantwortlich sind. Aber ich finde du hast Recht und es sollten auch die, für die Unterversorgung Verantwortlichen, mit Beschwerden zugeschüttet werden.
      Wenn ich im KRS arbeite, leide ich selbst auch massiv darunter, wenn ich den Frauen nicht gerecht werden kann, weil das Arbeitsaufkommen so groß ist!
      Aber Briefe von Hebammen lesen die bestimmt eh nicht mehr. :-(

      Antworten
  4. Teresa
    Teresa sagte:

    Hallo zusammen,
    Ich bin auch zufällig auf diese Seite und den Artikel gestoßen. Ehrlicherweise muss ich sagen, ich kannte die Aktion mit den Rosen überhaupt nicht, und auch mit der Thematik hatte ich mich nie auseinandergesetzt. Ich habe ein Kind, ihn habe ich auf natürliche Weis auf die Welt gebracht und das war wunderschön und ich bin auch irgendwie stolz darauf.
    Was mir allerdings in Erinnerung blieb, war die Hebamme mit ihrer schroffen Art. Es war jetzt nichts weltbewegendes, aber als ich in den Kreißsaal kam und aufgeregt stammelte, „bei mir geht’s glaube ich los“, kann da nur ein kaltes „wollen wir uns nicht erst mal vorstellen?!“. Okeeeee.
    Später dann musste ich so eine Netzhose mit irre viel Einlagen anziehen, und ich hab mich halt etwas schwer getan (mit Kugelbauch und Wehen und der Tatsache dass ich sowas zum ersten mal mache). „Das werden wir ja jetzt wohl hinkriegen“ kam dann.
    Später habe ich dieser Hebamme noch auf den Tisch gekotzt. Ich konnte es leider nicht mehr halten. Ups!
    Mein Glück war der Schichtwechsel. Die Geburt selbst konnte ich mit einer engelsgleichen Hebamme verbringen….

    Antworten
  5. Antje
    Antje sagte:

    Hallo und Danke für diesen Artikel!

    Ich kann leider nicht von einer Geburt berichten, aber von Fehlgeburten. Hier kommen ja meist die gleichen Ärzte zum Einsatz, wie bei einer Geburt, daher dachte ich, könnte ich auch von mir erzählen. Nachdem das Herzchen meines Babys nicht mehr schlug, wurde ich von meiner Gynäkologin ins Krankenhaus geschickt, zur Ausscharbung. Im KH müssen dann zwei Ärzte den Tod des Babys bestätigen, bevor der Eingriff vorgenommen werden kann. Ich sitze also auf dem Gynäkologen Stuhl mit dem Ultraschall zwischen den Beinen. Zwei Ärzte und eine Schwester unterhalten sich über irgendwas privates und sagen zwischendurch “ ja das ist Tod, das müssen wir weg machen.“ Die Drei reden weiter ihr privat Zeug und ich gehe mit nackigem Po und voll tiefster Trauer durch den ganzen Raum zur Umkleidekabine. Die haben nicht einmal mit bekommen, das ich raus gegangen bin. Nicht einen hat es interessiert, wie ich mich fühle. Ausscharbung ist Tagesgeschäft! Schlimm war dann auch die Nacht im KH. Baby Geschrei die ganze Nacht. Bei der zweiten Fehlgeburt habe ich mir direkt den Chefarzt kommen lassen. Der war nett und hat uns zur Adoption geraten.
    In dieses KH gehe ich nie wieder!
    Danke fürs Lesen

    Antworten
  6. Barbara Trübner
    Barbara Trübner sagte:

    Hallo Jana,
    diese traurige Realität begegnet mir als Hebamme und Körpertherapeutin schon ein paar Jahre. zuerst dachte ich ur es betrifft vor allem frauen die einen Kaiserschnitt hatten und nun keinen mehr wollen…und somit bei mir als Hausgeburtshebamme landeten. Aber so nach und nach waren alle arten von Geburten und betreuungen dabei – auch Hausgeburten die deutliche Spuren bei den fRauen hinterlassen haben. Wenn man bedenkt, dass sich dies nicht einfach mit einem weiteren Kind „aus der welt schaffen lässt“ ist es doch traurig und erschütternd wie wenig Hilfe es nach einer Traumastisch erlebten gEburt gibt – und noch viel schlimmer ist, das dies die frauen selbst finanzieren müssen. Ich bitte seit vielen Jahren Körper -Psychotherapie dafür an, weil ich die ERfahrung gemacht habe, dass auch diese Verletzungenheilen können. Es gilt die frau ernst zunehmenund dort abzuholen wos ie während ihrer Geburt auf die ein oder andere Art und weise im Stich gelassenwurde, so daß sie sich nicht mehr eigenmächtig für sich einsetzen konnte – für was auch immer. Inzwischen finden mich die Frauen wenn sie sich auf die Suche nach Hilfe machen, aber es ist ein langer Weg zu einer bis sie sooweit sind sich zu fragen – wer kann mir helfen – und dann los gehen um nach der Antwort zu suchen. Die Antwort kann und muß nicht heißen…es ist normal das Dammverletzungen z.B. ein Jahr heilen…oder länger; oder Schmerzen beim Verkehr nach einem Dammschnitt normal sind… oder dass Kaiserschnittnarben eben lange taub sind und Schmerzen bei bestimmten Bewegungen verursachen…und und und.
    Es gibt sie die Heilung dieses Traumas.
    ganz liebe grüße verbunden mit dem Wunsch, das diese Frauen nicht nur Rosen vor die Kreissaaltür legen um zu zeigen dass sie hier verletzt wurden, sondern auch ihre Heilungsmöglichkeiten finden und mit dem wissen über ihre Kompetenz es erneut wagen und sich hoffentlich den guten Platz zum gebären genauer aussuchen.
    Barbara Trübner Psychotherapeutin -Geburtsverarbeitung/Hebamme

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Ja, die Rosen sind „nur“ ein erster Schritt zur Bewältigung.
      – Und ein deutliches Zeichen an die Verursacher.

      Ich hoffe auch, dass es immer viele gute Plätze zum Gebären geben wird. Aktuell werden sie nur weiter abgebaut…Leider! :-(

      Antworten
  7. Cindy
    Cindy sagte:

    Liebe Jana,
    im letzten Jahr habe ich mitgemacht bei der Roses Revolution. Es war für mich sehr, sehr heilsam. Meine Erfahrungen sind auf der facebook-Seite der Roses Revolution veröffentlicht:https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=964598393612390&id=570332356372331
    Außerdem haben mir bei der Trauma-Heilung eine osteopathische Entstörung der Kaiserschnittnarbe und kinesiologische Behandlungen geholfe. Meine Psychotherapie und darüber zu reden fand ich nicht so wirkungsvoll als eben körperbetonte Methoden.
    Heute denke ich an alle Frauen, die den Mut haben, sich in ihrem Schmerz zu zeigen. Ich bin dankbar, dass das Thema immer mehr Gehör findet.

    Antworten
  8. Mila
    Mila sagte:

    Wow, das hat mich grad unvorbereitet getroffen. Ja, ich finde, ich habe bei Dr Geburt meines ersten Sohnes Gewalt erfahren. Und ich bräuchte sehr lange um mich zu trauen, das auch so zu benennen, vor mir selbst. Bei der Vorbereitung zur Geburt meines zweiten Sohnes war das ein großes Thema für mich, weil ich das alles so nicht noch mal wollte.

    Erste Geburt: es ging viel schief, ich hatte alles, was ich nicht wollte. Ging schon damit los, dass mir ein Zugang im Handrücken gelegt wurde, „für den Fall, dass was schief geht und es schnell gehen muss“. Was ist das denn für ne negative Botschaft an eine Erstgebärende?! Lag dann da mit PDA, und die Hebamme sagte, meine Blase sei voll, ob ich das nicht spüren würde. Wie denn, mit all den Mitteln? Sie zückte etwas, was aussah wie ne lange dicke Nadel, und schon sah ich einen Urinstrahl zwischen meinen Beinen. Sie leerte meine Blase ohne mir zu sagen, was sie vorhatte, einfach so. Habe ich als Gebärende keine Würde? Keine Intimsphäre? Dann am Drücken, mit mehreren Personen „zwischen den Beinen“, da sah ich eine Hebamme mit was silbernem Fuchteln und spürte auch schon ein Schnipp da unten. Danach teilte sie mir mit, dass sie mir nen Dammschnitt gemacht hatte. Bitte was?! Das sagt sie mir DANACH? Teilt man nicht eigentlich mit, dass es sinnvoll wäre und macht es dann?
    Die Hebammen waren total lieb und wollten mir nichts Böses. Aber sie haben meine Intimsphäre mit den Füßen getreten, im Eifer des Gefechts. Dabei gab es nie Grund zur Eile, es lag kein Notfall vor. Sie hätten immer erst mit mir sprechen können.
    Meinen zweiten Sohn bekam ich dann in einem Geburtshaus, natürlich, ohne jegliche Eingriffe. Während de Schwangerschaft nicht eine einzige vaginale Untersuchung, während der Geburt auf meinen Wunsch hin nur ein einziges Mal, um zu wissen bei wie viel cm ich war als ich im Geburtshaus ankam. Und danach fühlte ich mich wie Superwoman. Eigenverantwortlich und würdevoll habe ich meinen Sohn zur Welt gebracht.

    Jana, ich danke Dir für dieses Thema.

    Antworten
  9. Linda
    Linda sagte:

    puh, furchtbar was viele Frauen zu berichten haben :(
    Ich habe zwei Kinder bekommen, beide in der gleichen Klinik. So kann ich zumindest von mir behaupten, das Geburtserlebnis fällt und steigt mit der Hebamme (und dem Arzt)!
    Bei meiner Tochter (10 Tage über ET) ging es mir zum Schluss überhaupt nicht mehr gut. Ich war wie vorgeschrieben jeden zweiten Tag zur Kontrolle dort und habe jedes Mal gebeten, einen kleinen „anstupser“ zu geben. Jedes Mal wurde es abgelehnt (dein Kind kommt wann es will, nicht wann du es willst“) Selbstbestimmung gleich Null! Hab ja nicht verlangt dass sie zwei Wochen vor Termin raus soll, sie war ja „reif“.
    Lediglich eine Hebamme hat am Tag vor der Geburt eine Eipol Ablösung gemacht, ein paar Stunden später ging es los. Zu dieser Hebamme komme ich gleich nochmal.
    Als ich am nächsten Tag ankam, war der Kreißsaal bis oben hin voll. Die Hebamme öffnete mir mit den Worten „puh! Du auch heute?“ So verbrachte ich die ersten 5 Stunden im kleinen wehenschreibe Zimmer. Weitere Patienten wurden auf dem Flur oder im ab und zu mal freien Bad abgefertigt.
    Als ich endlich in einen der freien Kreißsäle konnte und auch die letzte Patientin wurde die Stimmung merklich besser!

    Bei meinem Sohn (5 Tage über ET) kam ich morgens um 10 zur üblichen Kontrolle in den Kreißsaal. Die Hebamme, die damals die Eipol Ablösung gemacht hat (wie ich im Nachhinein von vielen Frauen gehört habe, „hilft“ sie gern mal nach, dass die Kinder schneller kommen“) hatte Dienst. Als sich der kleine während des CTG bewegte (bewegungsmuster auf dem Blatt sowie gleichzeitige Aufzeichnungspause der Herztöne) wurde sie total panisch, da stimmt etwas nicht, sie holt die Ärztin. Mir war mit einem Mal schlecht. Mein Bauchgefühl sagte mir aber, dass es dem kleinen gut geht und es nur an der Bewegung lag. Das war beim Frauenarzt ständig passiert.
    5 Minuten später kam die Ärztin rein. Ohne sich vorzustellen polterte sie gleich „wir holen jetzt ihr Kind“ wie bitte?!
    Erstmal muss ich die Große aus der Kita holen und die Oma Alarmieren.
    Unter Protest hab ich den Kreißsaal verlassen (ich musste Versprechen in einer Stunde wieder da zu sein) und habe nur noch geheult. So wollte ich das doch alles gar nicht.

    Als ich wieder kam, wurde ein wehenbelastungstest gemacht. Dem kleinen ging es super, auch unter Wehen. Hatte mein Bauchgefühl recht. Nach 4 Stunden sollte ich nochmal in den Kreißsaal kommen zum ctg und Muttermund Tasten. Wenn dort nichts auffällig ist kann ich erstmal wieder heim.
    Beim Tasten merkte ich wie sie „stocherte“ und platsch. „Oh. Jetzt ist die fruchtblase geplatzt.“
    Lange Rede kurzer Sinn. Nach 2 Stunden war er dann da. Die Hebamme habe ich in der Zeit recht selten gesehen. Die Geburt war trotz der Schnelligkeit (oder gerade deswegen?) nicht so schön wie die erste.
    Von der Nachbetreuung auf Station ganz zu schweigen. „Ist dein zweites Kind. Du weißt wie es geht oder?“ Mit dem stillen hat gar nicht geklappt und ich habe nach drei Tagen aufgegeben. Mit blutenden Brustwarzen und Schmerzen.
    Sorry für den langen Text, aber man, tut das gut sich das mal von der Seele zu schreiben!

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Es tut mir leid, dass dir die zweite Geburt (die ja eigentlich meist die leichtere ist), so vermiest wurde. Wie schade!
      Und das mit der Wochenbettstation, hör ich leider ständig…
      Da muss sich insgesamt noch viel ändern, in den Kliniken. Aber leider geht es ja mit dem Stellenabbau weiter in die falsche Richtung.

      Antworten
  10. kiddelfee
    kiddelfee sagte:

    Ich habe meine Geburt und meine Hebammen eigentlich in sehr guter Erinnerung, bei mir waren es eher einige Kinderkrankenschwestern, die mir vermittelt haben, die erste Mutter ever zu sein – und noch dazu alles falsch zu machen. „Sie streicheln Ihr Kind nicht, wenn es trinkt! Das soll wissen, dass es nur trinken soll!“ -äh?
    Allerdings, wenn ich eure Erfahrungen so lese, hab ich dezenten Bammel, es nochmal zu versuchen….

    Antworten
    • Beatrice
      Beatrice sagte:

      Nicht abhalten lassen von solchen Geschichten!!! kümmere dich rechtzeitig um eine Hebamme und es wird gut! Ich kenne auch solche Geschichten, aber ich kenne genauso viele gute Geschichten! Ich habe 3 Kinder zu Hause bekommen mit einer super tollen Hebamme. ich fühlte mich sehr gut aufgehoben und es lief alles gut! Lg Beatrice

      Antworten
    • mary
      mary sagte:

      Huhu fee! ja das hab ich auch zu hören bekommen! von der nachtschwester.

      ich dachte das klappt nie mit dem stillen! Sie ist auch mega ruppig mit uns umgegangen…. :(

      in der 2ten nacht brachte sie mir stillhütchen. damit ging es dann besser! trotzdem tut mir so ein umgang weh!

      jetz ist er 8 monate und wir stillen immer noch zur beikost. :)

      Antworten
      • Mary
        Mary sagte:

        Wollte mal nachtragen das die stillbeziehung, bis zu 1,5 jahre gedauert hat. Bin ich stolz drauf!

        Trotzdem lässt es mich immer nicht los, wie herzlos mit uns Frauen umgegangen wird. Und da musste ich wieder an meine angst vorher denken und frage mich, ob es mit ein grund ist was man vorher so hört, bzw hab ich vorher erlebt, wie es auf einer wochenbettstation abläuft durch meine ausbildung. Und dann gesagt zu bekommen von der familie man brauche keine angst zu haben: unsinnigster und unnützer satz ever. Es macht einen so fassungslos und niemand (außer rose day) tut was dagegen aber auch weil kaum einer davon ahnt!

        Antworten
  11. Silvia
    Silvia sagte:

    Liebe Jana,

    schönen Dank für Deinen Bericht zur Roses-Revolution. Die Erklärungen klingen gut und sind sicherlich zutreffend – ich möchte sie in keinster Weise in Abrede stellen. ABER: Eine Begründung fehlt und die trifft auf alle Pflegekräfte zu (ich bin selbst Pflegekraft, wenn auch nicht aus der Entbindungspflege): Die allermeisten von uns gehen ihrem Beruf aus Liebe zum Menschen nach, aber ein kleiner Prozentsatz hat den Beruf – bewusst oder in den meisten Fällen eher unbewusst – ergriffen, um Gewalt über Menschen auszuüben. Das ist eine Tatsache, die wir ungern akzeptieren möchten, häufig nicht wahr haben wollen und die zudem gekonnt verschwiegen wird (deshalb ahnen werdende Mütter gar nicht, was für Grausamkeiten ihnen von den Menschen zugefügt werden (können), deren Leumund doch so überirdisch gut ist und die ja nicht müde werden, die „Schuld“ für die „Zustände“ bei den „bösen Ärzten“, der Personalknappheit u.ä. zu suchen – auch mir ging es so.
    Bei der Geburt meiner Tochter war ich einem Monster ausgesetzt und es gibt niemanden, der Dich rettet, denn alle denken, das müsse halt so sein. Menschenrechte gelten in Kreißsälen nicht. Die Begründung für Eingriffe mag noch so sehr an den Haaren herbeigezogen sein, bis hin zu einer unnötigen Sectio, aber sie lassen Dich nicht gehen und kein Staatsanwalt auf der Welt lässt sich darauf ein, Dich zu verlegen, denn Du bist ja am Gebären, also nicht zurechnungsfähig.
    Mit dem Wissen von heute wäre ich zur Geburt meiner Tochter allein zu Hause geblieben – sie wäre weder durch die Pflege- noch durch die medizinische Fachkraft gefährdet worden (wie sie es so wurde). Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich mein Kind dadurch, dass ich es solchen Menschen ausgesetzt habe, gefährdet habe. Von meinen eigenen täglichen Schmerzen ganz zu schweigen…

    Antworten
  12. Krath
    Krath sagte:

    Liebe Jana,

    danke für den Artikel. Von meiner Mutter hörte ich Dinge von ihren Geburten, über die ich mich nur wundern konnte und von denen ich hoffte, dass sie der grauen DDR-Vergangenheit angehörten. Tun sie leider nicht, wie ich selbst bei meiner Geburt erfahren musste, die sich so völlig entgegen meiner Wunschgeburt entwickelte trotz vorheriger Vorbereitung, Information und positiver Einstellung.
    Im Moment versuche ich, sie zu verarbeiten, was sehr schwierig ist. Vielleicht schicke ich dir den Bericht, wenn ich mich so weit überwunden habe, ihn zu schreiben.
    Die Aktion zum Roses Revolution Day finde ich sehr gut, denn ich glaube oft wissen die „Täter“ gar nicht, was sie ihren Patienten gerade antun. Andererseits glaube ich, wenn ich beim nächsten Mal (also in einem Dreivierteljahr) einen Brief und eine Rose ablegen würde, könnte nach gut 2 Jahren trotzdem niemand mehr meinen Namen einer Geburt zuordnen und den Ereignissen zuordnen. Und dann gibt es nur eine traurige Geschichte, von der sich niemand angesprochen fühlt.

    Antworten
  13. Lisa
    Lisa sagte:

    Liebe Jana,

    ich habe im Dezember mein erstes Kind geboren und es fällt mir schwer, einige Erlebnisse loszulassen. Durch Zufall fand ich deinen Bericht und war erstaunt wie vielen Frauen es ähnlich geht – nach der Geburt hatte vielmehr ich mir die Schuld gegeben nicht „stark“ genug gewesen zu sein…
    Ich hatte 1,5 Tage sehr schmerzhafte Wehen, mit denen ich fast komplett allein gelassen wurde. Als ich nach einem Tag nicht mehr konnte durch die Schmerzen kam von der Hebamme nur das Kommentar „Was haben Sie denn erwartet? Dass die Wehen nicht schmerzhaft sind?“ Da kam ich mir zum ersten Mal nicht „stark“ genug und zimperlich vor. Als die Schmerzen immer schlimmer wurden musste ich die Hebamme unter Tränen anflehen mir zumindest ein bisschen was gegen die Schmerzen zu geben (Eine Paracetamol bekam ich).
    Später schloss man mich dann an den Wehentropf zu legen um die Geburt zu beschleunigen (Hatte einen vorzeitigen Blasensprung weshalb die Geburt eigentlich nicht so lange dauern sollte). Da meine Schmerzen den Geburtsverlauf verzögerten beschloss man urplötzlich mir eine PDA zu legen. Ich war durch die lange Zeit und die Schmerzen schon nicht mehr wirklich bei mir und unterschrieb blind die Zustimmung, Im Nachhinein kann ich mich kaum noch daran erinnern, über irgendetwas aufgeklärt worden zu sein und unterschrieben zu haben, mein Freund erzählte es mir später.
    Ich habe die erste Zeit immer gedacht ich hätte etwas falsch gemacht, deshalb finde ich die Aktion hier sehr schön um zu sehen dass man nicht alleine ist und das negative Erlebnis nicht die eigene Schuld ist…

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Ach Lisa, ich finde es immer so traurig, solche Geschichten zu lesen. Es tut mir sehr leid, dass du so blöd behandelt wurdest und dadurch sogar Selbstzweifel bekommen hast.Ich hoffe du verwindest das gut.
      Ganz liebe Grüße
      Jana

      Antworten
  14. Magdalena
    Magdalena sagte:

    Liebe Jana,
    ich dachte damals, dass ich mich mit einer Hausgeburt und einer sorgsam ausgesuchten Hebamme und meinem Mann an meiner Seite vor unnötigen Eingriffen und schlechter Behandlung schützen könnte. Leider war es nicht so. Ich hatte alle Fragen gestellt, wir hatten alles besprochen, es gab viele Vorgespräche. Was bleibt, ist das Gefühl, dass man sich nicht schützen kann.
    Die Konsequenzen werde ich den Rest meines Lebens tragen müssen. Mein Mann und ich wollten viele Kinder, er war immer sehr positiv. Heute sagt er „Geburt ist eine Vergewaltigung der Frau“ und er würde sich eher sterilisieren lassen, als mir das noch einmal anzutun. Obwohl er sich fast ausschließlich mit unserer Tochter beschäftigt und gar nicht genug von ihr bekommen kann, entlocken ihm Aussagen zu unschönen Geburten wie „Ein Kind muss sowas doch wert sein“ nur ein blankes „Nein“
    Ich wache immer noch schreiend auf und es vergeht keine Minute, in der ich nicht an diesen Tag denken muss. Es war als hätte man das Tor zur Hölle aufgestoßen und ich bekomme es einfach nicht mehr zu.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Magdalena, das ist ja schrecklich! Wirklich? Bei einer Hausgeburt? Gab es keine Nachgespräche, keine Erklärungen, keine Aufarbeitung.
      Das tut mir so leid!
      Du wurdest so traumatisiert, dass du schreiend aufwachst – du musst dir dringend noch mal Aufarbeitungshilfe holen. Bitte, mach das. Es macht nichts ungeschehen, aber es hilft dir zukünftig.
      Alles Liebe
      Jana

      Antworten
      • Magdalena
        Magdalena sagte:

        Liebe Jana,
        ja, leider. Es war eine Hausgeburt mit einer privaten Hebamme, für die es auch Empfehlungen gab. Es gab ein Nachgespräch, aber dadurch hat sich für uns nichts geklärt. Im Gegenteil, es war wie eine einzige Ausrede, die nichts mehr mit der Geburt zu tun hatte, die wir erlebt hatten.
        Was danach alles passiert ist, möchte ich hier nicht öffentlich schildern. Wir haben versucht uns Hilfe zu suchen und uns damit erneut in Teufels Küche gebracht. Seither halten wir uns aus Angst um unser Kind bedeckt. Ich kann es nur einfach nicht mehr ertragen.

        Antworten
          • Magdalena
            Magdalena sagte:

            Ich dachte, ich schreibe wieder, da Roses Revolution Day war und eine Freundin für mich die Rosen ablegen musste, da ich seit der Geburt nicht mehr richtig gehen kann.
            In der Zwischenzeit habe ich mich mit vielen Frauen vernetzt und auch mit einer Psychologin gesprochen, die auf das Thema spezialisiert ist und kann nur sagen: Gewalt kommt bei Hausgeburten ähnlich oft vor wie auch bei anderen Geburten, nur erfährt man davon nicht so viel, da sie insgesamt weniger häufig statt finden und sich viele Frauen auch „schämen“, da sie sich ja selbst in diese Situation gebracht haben.
            Ich glaube auch nicht mehr daran, dass man solche Erlebnisse einfach verarbeiten kann. Was man vorher nicht bedenkt: Man muss bei einer Hausgeburt auch weiter an dem Ort leben, wo das alles passiert ist.

    • Mary
      Mary sagte:

      Das problem mit dem :ein kind muss es doch wert sein, ist das es 1 wunderschön klingt aber die frau und mutter nicht einschließt, und 2 es für die hebammen im khs irgendwann kein wunder mehr ist und dann dieser schöne satz mega bröckelt.
      :-/

      Antworten
  15. Lena
    Lena sagte:

    Hallo Jana,

    ja dieser Bericht mag gerechtfertigt sein und er ist wichtig, aber leider ist er meiner Meinung nach absolut einseitig. Es gibt gerechtfertigte Gewalt in der Geburtshilfe welche jedoch von niemandem erwähnt wird. Ich habe 5 Kinder zur Welt gebracht und kann absoluter Überzeugung sagen, dass ich lieber, wie ihr es ausdrückt missbraucht werde, als ein Totes Kind im Arm zu halten.

    Geburt 1 (2006): Not Kaiserschnitt
    Dieses Kind sollte in einem Geburtshaus zur Welt kommen. Denn ich war damals der Meinung ein Kind muss nicht im Krankenhaus zur Welt kommen. Ein Glück ist mein Mann Arzt, das erkläre ich später noch. Die Geburt zog sich über Stunden und die Hebamme war immer der Meinung alles sei in Ordnung (25 Jahre Erfahrung). Irgendwann sagte ich meinem Mann das irgendetwas nicht stimmte aber die Hebamme widersprach uns.
    Mein Mann entschied kurz und knapp wir fahren ins Krankenhaus. Wir fuhren ins Krankenhaus und dort wurde ich untersucht und sofort in den OP geschoben. Die „angeblich so erfahrene Hebamme welcher der Meinung war ein Kind sollte nicht im Krankenhaus geboren werden“ hatte fast mein Kind auf dem Gewissen. Ich brauchte einen Not Kaiserschnitt um unsere Tochter zur Welt zu holen und sie musste, obwohl bei 39+6 geboren, 5 Wochen auf der ITS liegen. Mir war sofort klar das ich nie wieder in einem Geburtshaus gebären würde und auch nicht zu Hause, was mal mein Traum war.

    Geburt 2 (2008) Geburtsbett auf dem Rücken
    Nach den Erfahrungen bei der 1. Geburt war mir sofort klar das ich im Kreißsaal gebären wollte mit Ärzten an meiner Seite. Ja „Gewalt“ wurde verübt, obwohl ich es NIE so nennen würde. Für mich ist es die nötige Intervention zur Erleichterung der Geburt. Es mir nicht wirklich gestattet in der Wanne zu gebären, aber es war zum besten von mir und meiner Tochter. Die Hebamme hat auf meinen Bauch gedrückt um unser Kind zur Welt zu bringen. Sie wollte mir helfen, auch wenn sie mir dabei weh getan hat. Es ging darum das Kind zur Welt zu bringen.

    Geburt 3 (2010) Geburtsbett auf der Seite
    Bei dieser Geburt wurde ohne mein Wissen ein Dammschnitt durchgeführt. Eins ist mal absolut klar. Ich wusste zwar nicht davon aber ob ich es wusste oder nicht ist SCHEIß egal denn es hat meinem Sohn geholfen auf die Welt zu kommen. Das sollte für alle Eltern das wichtigste sein.

    Geburt 4 (2013) Geburtswanne
    Diese Geburt hat uns in Angst und Schrecken versetzt, weil wir solange zu Hause waren wegen des vielen Schnees. Gott hab Dank waren wir 6 Stunden vor der Entbindung im Krankenhaus. Dieses Mal wurde das Kind in der Geburtswanne geboren und auch dieses Mal haben die Hebammen wieder ALLES getan was sie für nötig hielten, auch wenn ich teilweise nichts davon wusste. Die Blase musste geprengt werden. So what, mein Kind sollte auf die Welt. Alles andere ist erst einmal 2. Rangig. So hatte ich einen Gesunden Sohn, auch wenn ich gelitten habe.

    Geburt 5 (2016) Geburtswanne
    Auch diese Geburt fand wieder in der Geburtswanne statt und auch bei dieser Geburt musste von Hebammenseite und von Ärzteseite nachgeholfen werden. Sie hat mir quasi sofort einen Troof gelegt, auch wenn ich ihn nicht wirklich gebraucht hätte, aber sie wollte mir helfen. Später war ich dankbar für den Tropf. Wollte ich es anfangs, nein. War ich am ende dankbar JA. Sie hat alles getan um mir zu helfen, auch wenn ich es nicht wollte. Genau das ist ihre Aufgabe. Der Frau zu helfen und ihr manchmal auch zu einer leichteren Geburt zu verhelfen auch wenn es gegen ihren Willen ist. So wurde unsere 3. Tochter und unser 5. Kind in der Wanne geboren.

    Ich würde nie im Traum auf die Idee kommen Rosen vor den Kreißsaal zu legen. Wieso sollte ich auch. Diese Hebammen haben mir, auch wenn ich es anfangs nicht wollte, geholfen und haben somit ihren Job gemacht genauso wie die Ärzte. Hatte ich teilweise damit zu kämpfen das ich von einigen Ihrer Handlungen nichts wusste JA. Aber das ist MEIN Problem. Denn sie haben alle ihren Job gemacht und wenn es mir nicht passen würde, dann hätte ich auch adoptieren könnten.

    Ich habe auch meinen Schwestern genau das beigebracht. Beide haben zuerst eine Geburt im Geburtshaus hinter sich und haben ihr 2. bzw. 3. Kind im Krankenhaus bekommen. Alle haben das gleiche erlebt haben aber immer berichtet das es ihnen lieber war als alleingelassen und verwahrlost im Geburtshaus zu liegen.

    Ich würde auch NIE auf die Idee kommen jemanden dazu zuermuntern ein Kind zu Hause, im Geburtshaus oder in einem Hebammenkreißsaal zu bekommen. Ja Hebammen sind wichtig, aber sie sollten nur mit Ärzten zusammenarbeiten und NIE alleine. Schon gar nicht bei einer Hausgeburt oder Geburtshausgeburt. Gott hab Dank können sie in der Klinik nicht frei agieren weil es dort ausgemildete Mediziner gibt.

    Wäre mein Mann nicht da gewesen wäre unsere Tochter tot. Das muss eine Hebamme schon mal hinkriegen das ein Kind welches bei 39+6 geboren wird noch 5 Wochen auf der ITS liegen muss und auch noch 6 Monate später teilstationär behandelt werden muss. Ein Kind welches absolut Gesund war und von der ärztin und einer anderen Hebamme aus dem Geburtshaus als Traumkinder bezeichnet wurden, musste monatelang um ihre Gesundheit kämpfen.

    Lena und Niklas mit ihren 5 Kindern
    M (*2006), F (*2008), A (*2010), K (*2013) und P (*2016)

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Lena, es tut mir echt leid, dass du so schlechte Erfahrungen im Geburtshaus machen musstest. Es gib manchmal Situationen, in denen Menschen sich überschätzen und den richtigen Moment verpassen – und zwar sowohl in der außerklinischen Geburtshilfe, als auch in der Klinik.
      Die Statistiken der außerklinischen Geburtshilfe sind eigentlich sehr gut. Aber eine Statistik ist eben immer nur eine Statistik und sagt nichts über ein individuelles Erlebnis aus. Deins war leider nicht gut. Das tut mir sehr leid. Ebenso ist es schlimm, wenn Frauen in der Klinik (oder sonst irgendwo) Opfer von Gewalt werden. Und damit meine ich nicht einen rettenden Kaiserschnitt, sondern Übergriffe verbaler oder körperlicher Art. Echte Notfälle, die ein schnelles, manchmal vielleicht sogar traumatisierendes Vorgehen vielleicht rechtfertigen würden, gibt es nur extrem selten. Selbst im Notfall kann man schnell einige erklärende Worte finden. Aber gewalttätige Handlungen gibt es leider oft.
      Wie vulnerabel Menschen sind und wie Menschen solche Gewalterfahrungen verarbeiten, hängt mit der individuellen Resilienz zusammen. Nicht jeder Frau reicht es zu wissen, dass ihr Baby gesund zur Welt kam, wenn sie selbst vollkommen verletzt ist.
      Eine Rose und einen Brief mit der eigenen Geschichte, vor der KRS-Tür abzulegen, ist ein gutes und wichtiges Instrument der Verarbeitung, wie ich finde.
      Was ist falsch daran?
      Du schreibst, du hattest auch zu kämpfen, weil du vor bestimmten Handlungen nicht informiert wurdest? Das ist schade, denn deine Geburten hören sich nicht so dramatisch an, dass einige erklärende Worte nicht möglich gewesen wären. Du schreibst du hast gelitten, unter einem Dammschnitt und weiteren evt. unnötigen Interventionen. Ich finde, das sollte man nicht in Schutz nehmen.
      Du findest meinen Text einseitig? Ich möchte Frauen eine Stimme geben, die sich (noch) nicht trauen, laut zu sprechen. Und vielleicht hast du überlesen, dass ich dabei durchaus nicht allein die Ärzte kritisiere, sondern durchaus auch meinen eigenen Berufsstand. Ich denke schon, dass die Klinikabläufe Gewalt stärker begünstigen, als es im Außerklinischen Umfeld der Fall ist. Aber auch da passiert es. Und das darf nicht sein. Nirgendwo. Ein gesundes Kind reicht nicht. Ich möchte gesunde Familien.
      Liebe Grüße,
      Jana

      Antworten
      • Lena
        Lena sagte:

        Liebe Jana,

        nicht so dramatisch ist aber nett ausgedrückt.

        Kind 1: APGAR von 6, Geburtsstillstand, Blau angelaufenes Kind welches bis heute zu Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und zur Reittherapie geht um ein einigermaßen normales Leben zu haben. Gesund wird sie nie werden und das ist der Verdienst der Hebamme, mit angeblich 25 Jahren Erfahrung.
        22 Stunden Wehen. Umzug ins Krankenhaus hat ihr das Leben gerettet.

        Kind 2: Geburtsstillstand und Probleme mit der Nabelschnur, 19 Stunden Wehen. Der Druck welche die Hebamme auf meinen Bauch ausgeübt hat, hat unserer Tochter das Leben gerettet.

        Kind 3: Riesiger Kopf, Beängstigende Herztöne, 13 Stunden Wehen. Dammschnitt hat meinem Sohn ein absolut friedliches eintreten in die Welt ermöglicht und mir qualen erspart.

        Kind 4: Sternengucker und Angst um das Leben unseres Sohnes, 16 Stunden Wehen. Die Sprengung der Blase hat unserem Sohn das Leben gerettet.

        Kind 5: Beckenendlage, unerträgliche Schmerzen, 25 Stunden Wehen. Einen Schmerzmitteltropf zu legen um mir die Schmerzen zu lindern. In der Wanne hatt ich jedoch keinen mehr. Das hat mir die Kraft gegeben unserer Tochter zu einem natürlichen und normalen Start ins Leben zu verhelfen.

        Antworten
        • Lena
          Lena sagte:

          Mein Mann und ich haben beschlossen an diesem Roses Revolution Day eine Rose vor dem Geburtshaus niederzulegen indem unsere Tochter, wie weiter oben schon erwähnt wurde, fast während der Geburt gestorben ist, bevor wir ins Krankenhaus umgezogen sind.
          .

          Leider hat der Fehler der Hebamme im Geburtshaus bei meiner ersten Geburt zu traumatischen Folgen geführt. Unsere Tochter wurde mit Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Reittherapie behandelt doch leider ist sie im Sommer 2017 den schweren Folgen der Geburt erlegen.

          Lena und Niklas mit ihren 5 Kindern
          M (*2006-2017 für immer im Herzen), F (*2008), A (*2010), K (*2013) und P (*2016)

          Antworten
  16. Jacqueline
    Jacqueline sagte:

    Ich spiele schon lange mit dem Gedanken eine Rose vor die Tür des Krankenhauses zu legen in dem ich meinen großen Sohn bekommen habe aber ich konnte mich bis jetzt noch nicht dazu durch ringen. Er ist jetzt 6 Jahre geworden und ich weiß seit zwei Jahren von dem Roses Revolution Day. Mittlerweile hat die Geburtshilfe in diesem Krankenhaus aus zu gemacht. Aber im Grunde hat meine damalige Frauenärztin auch eine dieser Rosen verdient… Sie hat mich in der Schwangerschaft schon schlecht behandelt.
    Ich hoffe das ich mich dieses Jahr dazu bringen kann eine Rose nieder zu legen denn die Geburt meines zweiten Sohnes hat in mir einiges wieder repariert und ich komme jetzt besser damit klar. Vergessen werde ichs es allerdings nie, selbst wenn ich wollte würde mich immer eine Narbe dran erinnern.

    Antworten
  17. Sandra
    Sandra sagte:

    Hallo. Ich danke dir erstmal für diesen artikel.. Ich trau mich jetzt mal was zu schreiben.. Ich bin der Meinung das mir eine natürliche geburt verwehrt wurde.. Auf grund von nicht zuhören und nicht handeln.. Ich hatte ab der 21 ssw mit nierenstau zu kämpfen.. In der 27 ssw da so derbe das mir gesagt wurde meine niere würde nicht bis zum ende der ss durchhalten und es müsste eine schiene gelegt werden.. Die schiene wurde ohne Betäubung oder ähnliches gelegt.. Diese Schmerzen.. Ich lag also auf dem stuhl.. Beine festgeschnallt und war am weinen vor Schmerz.. Ich sag euch.. Es hat niemanden interessiert.. Keiner kam und sagte es ist gleich vorbei oder irgendwelche beruhigenden worte eben.. Naja da fingen die schmerzen an.. Ich durfte und konnte nicht laufen die schmerzen hat auch hier niemanden interessiert.. Irgendwann bekam ich dann erbrechen vor schmerz.. 10 wochen lang.. Mitlerweile in der 41 ssw angekommen immer noch so derbe Erbrechen das kein Leitungswasser drin blieb.. Und ich mich nicht mehr auf den beinen halten konnte durfte ich mir von der hebamme anhören ich wäre ja nur müde.. Ich solle mich nicht so anstellen… Eine andere.. Geniessen sie die zeit noch.. So schlimm kann es ja nicht sein.. Gehen sie mit ihrem mann noch einmal gemütlich essen..

    Ich verbrachte die zeit im kh.. Eined abends beim ctg bekam ich wieder eine wehe .. Danach waren ihre herztöne über 2 stunde. Zwischen 206 und 210.. Die ärztin wurde 4 mal kontaktiert.. Keine reaktion.. Nach dieser zeit wurde das ctg abgemacht und ich aufs Zimmer geschickt.. Ich solle nachts nochmal wieder kommen.. Auch da das gleiche wieder abgemacht ab aufs zimmer.. Ich hatte so eine Angst um mein baby.. Durch 2 fg im vorraus hatte ich so eine angst um mein baby..

    Morgens kam eine hebamme zu mir und sagte ich solle über einen ks nachdenken weil ich oder mein baby es kräftemässig nicht schafft.. Ok dachte ich.. Ich hatte eine stunde zum überlegen.. Ich dachte mir dann hat der Horror endlich ein ende.. Die hebamme bestellte das essen um etc etc.. Dann kam die ärztin und sagte sie macht kein kaiserschnitt ich wäre zu emotional.. Als mein mann ihr dann sagte das er langsam die welt nicht mehr versteht.. Das es dem kind anscheinend nicht gut geht.. Mir es nicht gut geht.. Sie da immer noch nicht handelt.. Wollte sie ihm des kh verweisen.. Wir wieder aufs zimmer.. Plötzlich bekam ich wehen.. Ab in den kreissaal.. Blut im schlüpper.. Da machte die hebamme mich an Wir wären hier kein kindergarten und ich solle mich mal zusammenreissen.. Ich war nur am weinen weil ich die welt nicht mehr verstanden habe.. Ctg a geschlossen.. Herztöne wieder schlecht.. Und plötzlich ging es ganz schnell.. Da wurde meine kleine per sectio auf die welt geholt.. Das fruchtwasser war bereits grün.. Heute geht es ihr super.. Dafür bin ich auch dankbar.. Trotzdem lässt mich all das nicht los.. Sie ist mitlerweile 16 mon und das wertvollste in meinem leben.. Dennoch denke ich viel darüber nach und frage mich hätte es auch anders laufen können ? Danke fürs lesen.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Sandra, das hört sich wirklich furchtbar an.
      Eine Ferndiagnose kann ich nicht stellen. Ich kenne ja deine Anamnese und sämtliche Befunde nicht. Daher kann ich nicht sagen, ob eine normale Geburt möglich oder gut gewesen wäre. Was ich aber sagen kann ist: Du wurdest offensichtlich echt schlecht behandelt. Und zwar medizinisch, wie menschlich.
      Meinst du, du hast den Mut um der Klinik noch mal einen Beschwerdebrief zu schreiben?
      Vielleicht hilft es dir, das zu tun. Und vielleicht hilft es auch den Menschen dort, ihre Handlungen zu überdenken.
      Ich wünsche dir alles Gute und hoffe dass du das Trauma überwinden wirst.
      Alles Liebe
      Jana

      Antworten
  18. Jenny
    Jenny sagte:

    Liebe Jana,

    da ich nun schon öfter rein zufällig auf diesen Artikel gestoßen bin, habe ich mich entschlossen nun auch etwas zu dem Thema zu sagen. Und bitte nicht falsch verstehen.

    Ich finde diese Aktion sehr gut um auf das Problem aufmerksam zu machen, in der Hoffnung, dass sich in Zukunft etwas ändern wird. Trotzdem muss ich aber sagen, dass es damit nicht getan ist. Denn meiner Meinung nach muss sich nicht nur die Geburtshilfe ändern, sondern die Einstellung von uns Frauen selbst.

    Wenn ich über so manches vermeintlich „traumatische“ Erlebnis lese, glaube ich, die ein oder andre Frau ist der Meinung sie ist die einzige Gebärende auf der Welt und wird zur Geburt in einem Wellness-Tempel empfangen. Bekommt schmerzlindernde Massagen, Akupunktur und den kompletten Aufenthalt über das Köpfchen gestreichelt inkl. 3 Gänge Menü!! Und anstatt sich selbst zu erden und sich auf die Geburt vorzubereiten wird im Vorfeld gejammert, wöchentlich Babybauchfotos auf Instagram gepostet und extremes Babyshopping betrieben. Sorry, in was für einer Welt lebt ihr?? Ab dem Tag eures positiven Schwangerschaftstest entmündigt ihr euch selbst und beschwert euch im Nachhinein, dass es nicht so gelaufen ist wie ihr es wolltet. Und so etwas verstehe ich persönlich als Beleidigung den Frauen gegenüber, die wirklich schlimmes erlebt haben! Die aufgrund eines großzügigen Dammschnitts wochenlang nicht sitzen können, die keine ausreichende Betäubung bei einem Kaiserschnitt hatten oder die durch die Hölle gehen und nach der Geburt ihr Baby zu Grabe tragen müssen!! Unsere Geburtsstationen sind alle unterbesetzt genauso wie unsere Rentenkassen „leer“ sind. Alle schließen zur Vorbeugung private Rentenverträge ab, aber keiner nutzt die Möglichkeiten um einer „schlechten“ Geburt vorzubeugen. Natürlich kann man nicht alles kontrollieren und beeinflussen und sicherlich läuft vieles falsch, insbesondere bei einer Geburt. Aber es gibt zahlreiche Faktoren die man sehr wohl beeinflussen kann.

    Unterschätzt niemals die „Macht“ eures Partners!! Er ist euer Sprachrohr, wenn ihr nicht mehr in der Lage dazu seid, er ist eure 1:1 Betreuung, euer best buddy!! Und somit die wichtigste Person überhaupt! Trotzdem wird er kaum erwähnt oder wertgeschätzt!
    Und das Allerwichtigste: Unterschätzt niemals euch selbst!! Macht euch nicht schwächer als ihr seid, denn ihr könnt mehr als ihr denkt! Lasst euch von negativen Berichten keine Angst machen! Bereitet euch gut vor und übernehmt Verantwortung!! Ihr allein seid nämlich verantwortlich für euch selbst, euer Baby, eure Schwangerschaft und die Geburt!! Habt mehr Selbstvertrauen und hört auf euer Bauchgefühl, egal was andre sagen! Und verzagt nicht, wenn es am Ende eben doch nicht so läuft wie ihr es euch vorgestellt habt!

    Um also für die Zukunft wirklich etwas zu verbessern hilft meiner Meinung nach nur Aufklärung und zwar aller Seiten. Denn die Politik wird sich so schnell nicht ändern. Leider.

    Danke dafür, liebe Jana!
    Und sorry für den langen Text.

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen und Roses Revolution Day […]

  2. […] ich bin wieder dran mit „20 Tatsachen über“ und freue mich riesig über die Vielfalt der Themen, die Jess und ich hier zusammentragen. Heute habe ich Jil zu Gast. Jil ist der Kopf hinter „von Herzen und bunt“. Welch schöner Blogname oder? Jil ist 30 und Mama von Zweien. Sie ist verheiratet und ihr Mann bloggt ebenfalls. Ihr Blog ist ihr Ausgleich und ihr Sprachrohr. Heute spricht Sie über ein Herzensthema und ich freue mich ganz besonders denn auch ich habe einen Kaiserschnitt gehabt und die vielen Vorurteile gehen mir auch manchmal ziemlich auf den Keks. Jedoch gibt es auch viele viele traumatische Kaiserschnitte. Es ist gut darüber zu sprechen und aufzuklären, damit zum einen diese „Form“ der Geburt nicht verteufelt wird aber auch zum Anderen, um Frauen die Schreckliches erlebt haben, ein Gesicht zu geben, damit dies nicht mehr passiert. Der „Roses Revolution Day“ ist eine globale Aktion gegen Gewalt in der Geburtshilfe und hat sich unglaublich etabliert. Meine Kollegin Jana vom Hebammenblog klärt dazu auf. […]

  3. […] Ein schöner Artikel, der sich mit dem Thema aus Sicht einer Hebamme auseinandersetzt, findet sich hier: http://www.hebammenblog.de/gewalt-in-der-geburt… […]

Dein Kommentar

Mach mit!
Du hast Anregungen oder Kommentare? Schreib was!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.