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Schwierige Hebammensuche

„Für 700,- € bar auf die Hand, betreue ich dich gerne…“

Mir fällt fast der Telefonhörer aus der Hand. Ich spreche gerade mit einer Kollegin – eigentlich über Kursplanung. Aber da die Situation in Berlin gerade so angespannt ist, tauschen wir Hebammen uns natürlich bei jeder Gelegenheit auch über unsere freien Kapazitäten aus: „Ich bin bis Mai ausgebucht“, sagte ich gerade. „Ich auch“, erwiderte meine Kollegin. „Aber ab und zu quetsche ich doch noch eine dazwischen, weil mir das so leid tut, dass sie sonst gar keine Hebammenbetreuung bekommen. So auch grad wieder: Da hat eine Frau ausgerechnet an Weihnachten Termin. Sie war nach 30 Anrufen schon sehr verzweifelt. Aber dann ist sie an eine Kollegin geraten, die ihr sagte, sie würde sie für 700,-€ extra betreuen.“
Ich frage nochmal nach, weil ich es nicht fassen kann. Weiterlesen

Meine Geburt gehört mir - selbstbestimmt gebären

Meine Geburt gehört mir – selbstbestimmt gebären

„Lassen Sie sich bei der Geburt unbedingt frühzeitig eine PDA geben. Wozu unnötig leiden?“
„Mach auf jeden Fall eine Wassergeburt! Nur so bleibt dein Damm heil!“
„Du willst doch dein Baby nicht wirklich zu Hause bekommen?! Also, wenn ich eine Hausgeburt gemacht hätte, dann wäre ich bei der Geburt ganz sicher gestorben!“
„…“
Wenn es um Geburten geht, gibt fast jeder ungefragt und oftmals voller Inbrunst, seinen eigenen Senf dazu. Fragt man 10 Menschen nach ihrer Meinung, bekommt man locker 20 verschiedene Antworten. Das ist auch kein Kunststück, denn Geburten sind ein sehr emotional besetztes Thema, mit dem jeder andere Erfahrungen gemacht hat. Diese fließen dann natürlich in die Beratung der Freundin, Bekannten oder Nachbarin mit ein.
Dabei geht es oft viel mehr um die Verarbeitung der eigenen Geburt, anstatt darum, jemand Anderem einen guten Tipp zu geben. Aber genau darum sollte es doch eigentlich gehen – wenn überhaupt.
Folglich ist es, wie ich finde, nicht unbedingt klug, sich die Ratschläge und Geschichten von allen möglichen Personen anzuhören. Denn, so sehr einem positive Erzählungen Mut machen, genau so verunsichern die negativen. Beginnt die Selbstbestimmung unter Umständen also schon an dem Punkt, wo man entscheidet, woher man seine Informationen bezieht?
Beim Abenteuer Schwangerschaft und Geburt ist die Meinungs- und Entscheidungsfindung eine der großen Herausforderungen, bei der es einerseits gilt, gut informiert zu sein, und es andererseits darauf ankommt, Informationen bewusst von sich fern zu halten. Klingt kompliziert oder gar unmöglich? Nein, das ist es nicht. Denn die gute Nachricht lautet: Deine Geburt gehört Dir! Und wenn du gerne selbstbestimmt gebären möchtest, Weiterlesen

Offener Brief an die GKV und den Bundesgesundheitsminister

Sorry, leider ausgebucht – ein offener Brief

Sehr geehrte Frau Dr. Doris Pfeiffer (Vorstandsvorsitzende des GKV-SV),
sehr geehrter Herr Gröhe (Bundesgesundheitsminister),

was mach ich bloß mit all diesen Frauen, die mir täglich schreiben oder mich anrufen, weil sie keine Hebammen mehr finden? Ihnen steht Hebammenbetreuung zu, sie machen alles richtig, indem sie sich früh darum kümmern. Und doch bekommen sie eine Absage nach der Anderen. Alle meine Kolleginnen (also die, die unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch arbeiten) berichten dasselbe.

Tägliche Anfragen

Jeden Tag bekomme ich diese Mails. Inzwischen habe ich eine Standard-Absage-Antwort, die ich nur noch einkopiere. Alles Andere wäre ein absurder Arbeitsaufwand. Ich bin, wie alle Hebammen, auf Monate ausgebucht. Mehr geht nicht! Ich lese trotzdem alle Anfragen, aber sie machen mich traurig. Damit Sie sich ein Bild machen können, zeige ich Ihnen mal (nur) die von heute:

Liebe Jana,
ich wende mich gerade aus Verzweiflung an dich. Ich bin in der 12.SSw und auf der Suche nach einer Hebamme. Ich bekomme eine Absage nach der anderen. Mein ET ist Weiterlesen

Hebammensuche - die richtige Hebamme finden

Hebammensuche – die richtige Hebamme finden

Die häufigsten Fragen zur Hebammensuche lauten in etwa so: „Ab wann sollte man sich eine Hebamme suchen – welche Schwangerschaftswoche (SSW) ist die richtige? Wonach suche ich eine Hebamme aus? Und vor allem: Wie finde ich die für mich passende Hebamme für die Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts?“
In diesem Artikel erwarten dich praktische Tips zur Hebammensuche, die dir dabei helfen werden, die für dich wirklich passende Hebamme zu finden – und für Newsletterabonnenten ist eine kleine Arbeitshilfe mit Checkliste inklusive. Weiterlesen

Bauch

Über mich

In drei Sätzen:

Ich bin Jana aus Berlin, Hebamme seit 1998 und Mutter von zwei Kindern.
In diesem Hebammenblog teile ich mit dir mein Wissen und meine Erfahrung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.
Du bekommst bei mir Informationen, Beratung und „Zutaten“ zur Meinungsbildung für eines der spannendsten Abenteuer des Lebens.

– Jana Friedrich, im Mai 2012 –

 

Für Alle die mehr wissen wollen:

Täglich verwandle ich mich innerhalb von 8 Stunden in: Freundin, Retterin, Mutter, Autorität, Schwester, Psychologin, Beichtstuhl, Motivationstrainerin und Cheerleader. Im Angesicht der „Lebenskrise Geburt“ bekomme ich lang gehütete Familiengeheimnisse anvertraut. Es entblättern sich vor mir eingefahrene Paarstrukturen, ich werde Zeuge von Begeisterung, Hysterie, Grenzgang, Panik und Glück.

Mein Beruf – eine Berufung

Wie bei jedem anderen Job gibt es auch in meinem Routinen, Langeweile und Streß. Aber es gibt eben auch immer wieder diese Momente der Teilnahme an unglaublicher Freude, die mich jedes mal erneut begeistern. Wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde, sehe ich meistens in strahlende Augen: „Oh, schön! Toll! – Hebamme – was für ein Traumberuf!“ Der älteste Frauenberuf der Welt (oder war das nicht die Prostitution?) ist gut angesehen. Immer gibt es positive Reaktionen. Schlimmstenfalls mal ein: „Das könnte ich nicht“, oder „wie schaffst Du das?“ Das frag ich mich auch manchmal, morgens um 5, wenn der Wecker zum Frühdienst klingelt…
Und dennoch liebe ich meinen Beruf. Ich beobachte das Wunder der Mensch-Werdung noch immer mit dem gleichen Staunen, wie zu Beginn meiner Ausbildung. Es rührt mich die Freude der Familien und ich freue mich meinen Anteil daran zu haben. Die besonderen Momente dieses besonderen Berufes tragen mich lange und weit durch den Alltag.

Werdegang

Seit 1998 arbeite ich als Hebamme. Ich habe in einem großen Perinatalzentrum (Klinik für Risikoschwangere mit angeschlossener Kinderklinik) gearbeitet und war dann 15 Jahre lang in einem kleinen, familienorientierten Kreißsaal. Dann folgten 4 Jahre mit hauptsächlich freiberuflicher Arbeit. Ich betreute Frauen zu Hause, oder in der Praxis in der Vor- und Nachsorge. Einmal die Woche leitete ich einen Geburtsvorbereitungskurs. Zusätzlich habe ich eine einjährige Ausbildung in traditioneller Chinesischer Medizin mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe abgeschlossen. Außerdem schrieb ich ein Buch: „Das Geheimnis einer schönen Geburt“.
Zur Zeit studiere ich. Wenn alles gut geht, werde ich 2020 einen B. Sc. in Hebammenkunde haben. Zusätzlich arbeite ich im Kreißsaal und gebe wöchentlich Geburtsvorbereitungskurse – auch solche speziell für Zwillingseltern.
Schon zwei Mal habe ich das Abenteuer Geburt selbst gewagt. Meine Tochter kam aus Beckenendlage (mit dem Po zuerst) in einer großen Klinik zur Welt. Mein Sohn erblickte im heimischen Bett das Licht der Welt.

Wie ich zum Bloggen kam

Meinen Frauen riet ich vorher immer: “Lest bloß nicht im Internet!“ Da dort so viel ungefiltertes Halbwissen im Umlauf ist. Nun mache ich selber den Versuch diesen Zustand zu ändern.
Ich wünsche mir, dass mein Hebammenblog ein Ort wird, in dem Frauen und Familien Informationen finden, aber auch Unterhaltung, Diskussionsgrundlagen und handfeste Tipps.
Ich werde auch kleine anschauliche Geschichten aus meinem Arbeitsleben einarbeiten, die aus Datenschutz und Gründen der Schweigepflicht mit frei erfundenen Namen und zeitlich versetzt erscheinen.

Dieser Blog ersetzt natürlich keinesfalls die eigene betreuende Hebamme. Die findet ihr über: Deutscher HebammenVerband e.V.: Hebammensuche
Wenn ihr Fragen, Anmerkungen oder Themenwünsche habt, freue ich mich über rege Interaktion.

– Jana Friedrich, im Mai 2012 –