Meine Geburt gehört mir - selbstbestimmt gebären

Meine Geburt gehört mir – selbstbestimmt gebären

„Lassen Sie sich bei der Geburt unbedingt frühzeitig eine PDA geben. Wozu unnötig leiden?“
„Mach auf jeden Fall eine Wassergeburt! Nur so bleibt dein Damm heil!“
„Du willst doch dein Baby nicht wirklich zu Hause bekommen?! Also, wenn ich eine Hausgeburt gemacht hätte, dann wäre ich bei der Geburt ganz sicher gestorben!“
„…“
Wenn es um Geburten geht, gibt fast jeder ungefragt und oftmals voller Inbrunst, seinen eigenen Senf dazu. Fragt man 10 Menschen nach ihrer Meinung, bekommt man locker 20 verschiedene Antworten. Das ist auch kein Kunststück, denn Geburten sind ein sehr emotional besetztes Thema, mit dem jeder andere Erfahrungen gemacht hat. Diese fließen dann natürlich in die Beratung der Freundin, Bekannten oder Nachbarin mit ein.
Dabei geht es oft viel mehr um die Verarbeitung der eigenen Geburt, anstatt darum, jemand Anderem einen guten Tipp zu geben. Aber genau darum sollte es doch eigentlich gehen – wenn überhaupt.
Folglich ist es, wie ich finde, nicht unbedingt klug, sich die Ratschläge und Geschichten von allen möglichen Personen anzuhören. Denn, so sehr einem positive Erzählungen Mut machen, genau so verunsichern die negativen. Beginnt die Selbstbestimmung unter Umständen also schon an dem Punkt, wo man entscheidet, woher man seine Informationen bezieht?
Beim Abenteuer Schwangerschaft und Geburt ist die Meinungs- und Entscheidungsfindung eine der großen Herausforderungen, bei der es einerseits gilt, gut informiert zu sein, und es andererseits darauf ankommt, Informationen bewusst von sich fern zu halten. Klingt kompliziert oder gar unmöglich? Nein, das ist es nicht. Denn die gute Nachricht lautet: Deine Geburt gehört Dir! Und wenn du gerne selbstbestimmt gebären möchtest, dann geht das auch. Allerdings gibt es ein bisschen was zu tun, bzw. zu berücksichtigen.

Auf Durchzug schalten

Hör also am besten gar nicht hin, wenn Geschichten bereits mit: „Bei mir war die Geburt total schrecklich, weil…“, anfangen. Oder noch besser: Bremse den Gesprächspartner von vornherein aus. Das ist vielleicht unhöflich, aber als Selbstschutz dringend anzuraten. Denn leider hinterlassen negative Geburtsgeschichten ihre Spuren. Und wenn man erst mal genügend „Gruselgeschichten“ gehört hat, dann bekommt man selbst auch immer mehr unnötige Angst vor der Geburt.

via GIPHY

Think positiv!

Glücklicherweise funktioniert das mit den Spuren auch bei positiven Geschichten. Es gibt so tolle Geburtsberichte zum Nachlesen und manche Frauen erzählen dabei mit so einer Freude von ihren Geburten, dass man glatt selbst Lust auf’s Gebären bekommt. Und wenn man das hört oder liest, dann weicht die Angst einer gesunden Neugierde und man kann die Geburt plötzlich viel eher als eine tolle Herausforderung, anstatt als etwas Angsteinflößendes sehen. So eine positive Grundeinstellung ist natürlich eine optimale Voraussetzung für jede Geburt. Denn tatsächlich beeinflusst die eigene Herangehensweise den Geburtsverlauf, bei dem eben nicht Alles nur vom Schicksal vorherbestimmt ist.

Letztlich muss – oder besser darf – Jede den eigenen Weg für sich selbst herausfinden.

Wer bisher noch gar keine Vorstellung davon hat, wie es laufen soll, oder einfach gerne wissen möchte, wie Andere die Geburt erlebt und gestaltet haben, dem empfehle ich die von mir kommentierten Geburtsberichte im Blog. Sie zeigen die Vielfältigkeit von Geburten, erläutern diverse Zusammenhänge und können so bei der eigenen Wegfindung durchaus helfen. Einen spannenden Einblick in die Geburten anderer Frauen gewähren sie allemal und oftmals ergeben sich in den Kommentaren spannende Diskussionen und Fragestellungen.

Traumgeburt gesucht?

Aber reicht es schon aus, sich einfach nur positiv auf die Geburt einzustimmen?
Es ist zumindest schon mal ein guter Teil der Vorbereitung. Aber um wirklich selbstbestimmt und eben so gut wie möglich zu gebären brauchst du zusätzlich:

  • Eine ordentliche Portion (gutes) Hintergrundwissen
  • Eine kompetente, dich in deinen Wünschen stärkende Schwangerschaftsbetreuung
  • Den für dich passenden Geburtsort
  • Dein Geburts-Dream-Team
  • … & vielleicht auch ein kleines bisschen Glück

Ja, tatsächlich ist im Vorfeld ein bisschen Recherchearbeit sinnvoll, die sich aber in jedem Fall lohnt. Denn wenn du gar nichts tust und dann, wenn es soweit ist, einfach in den nächstbesten Kreißsaal, über den du nichts weiter weißt, gehst und dich dort quasi an der Eingangstür abgibst, dann bist du letztlich darauf angewiesen, dass die dort anzutreffenden Vorstellungen, Haltungen und Gepflogenheiten auch deinen eigenen Wünschen entsprechen. Damit kannst du natürlich richtig Glück haben, oder eben ganz großes Pech.
Mit etwas Vorbereitung kannst du diesen Unsicherheitsfaktor ganz einfach aus dem Weg räumen. Und das solltest du. Denn es gibt einen Unterschied zwischen „sich entbinden lassen“ und „gebären“.

Geburtsvorbereitung

Eine Hebamme, die du bereits möglichst früh in der Schwangerschaft kennen lernst, kann dich gut darin unterstützen, deinen eigenen Weg zu finden. Sie vermittelt dir das nötige Wissen, nimmt deine Ängste und berät dich bezüglich der Geburtsplanung. Auch die Auswahl der Hebamme ist natürlich wichtig. Selbst wenn es heute leider gar nicht mehr so einfach ist, überhaupt eine zu finden, hilft dir bei der Überlegung, was für eine Hebamme zu dir passt, vielleicht mein Artikel „Hilfe für die Hebammensuche“ mit kostenloser Checkliste zum Download.
Um deutlich mehr über Geburten und Geburtsverläufe zu erfahren und somit einschätzen zu können, was da eigentlich genau auf dich zukommt, ist – später in der Schwangerschaft – ein Geburtsvorbereitungskurs optimal. Dort lernst du die verschiedenen Geburtsphasen kennen, probierst Positionen aus, erlernst Strategien für den Umgang mit Schmerzen, machst Entspannungs- und Atemübungen, schulst die Körperwahrnehmung und gewinnst so Vertrauen in die eigene Kraft.
Anschließend hast du vermutlich eine ziemlich klare Vorstellung davon, was dir wichtig ist und weißt auch, was du gar nicht für dich möchtest. Auf dieser Basis könntest du dir dann z.B. eine kleine Wunschgeburts-Liste erstellen.
Apropos Wunschgeburt: Ich veröffentliche im März 2016 ein umfassendes eBook zu dem Thema. Wenn du rechtzeitig darüber informiert werden möchtest, dann trag dich einfach in meinen Hebammenblog-Newsletter ein.

Geburtsteam & Geburtsort

Um all die Wünsche und Vorstellungen dann auch möglichst selbstbestimmt umsetzen zu können, ist es sehr wertvoll, ein Geburtshelferteam zur Seite zu haben, dem man absolut vertraut und von dem man weiß, dass es alles dafür tun wird, einen in den eigenen Wünschen zu unterstützen. Aber wo und wie findet man dieses Team?
Rund 98% aller Frauen entscheiden sich für eine Klinikgeburt. Es gibt in jeder Geburtsklinik Infoabende, an denen es meist auch möglich ist, Fragen zu stellen und den Kreißsaal zu besichtigen. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit der außerklinischen Geburtshilfe – z.B. im Geburtshaus oder als Hausgeburt. Auch dort lernt man die Hebammen vorher persönlich kennen und merkt dabei recht schnell, ob das generell für die eigene Geburt passen könnte. Durch die Erzählungen und die Besichtigung bekommt man einen tieferen, atmosphärischen Eindruck vom möglichen Geburtsort seiner Wahl und dem dortigen Geburtshelfer-Team. Die endgültige Entscheidung wird dann meistens vom Bauchgefühl getroffen – und manchmal auch vom Kopf.
Aber das oben erwähnte Geburts-Dream-Team besteht meist aus mehr, als „nur“ den Geburtshelfern: Wer bei der Geburt zusätzlich dabei sein darf, bzw. soll, entscheidet man am Besten danach, wer einem gut tut und wem man zutraut, die eigenen Wünsche in dieser Ausnahmesituation unterstützend zu ermöglichen. Klassischerweise ist das der Partner, eine Freundin, die Mutter oder, wenn das alles so gar nicht passt, auch eine Doula. Idealerweise sollte derjenige auch zum Geburtsvorbereitungskurs mitkommen, um so auf einem Stand mit dir zu sein und zu erfahren, wie du dir die Geburt wünschst und was dir dabei wichtig ist.
Vor allem spielt dabei die zusätzlich gewonnene mentale Stütze eine große Rolle, denn:

„Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegen bringt.“ (Adolf von Harnack – deutscher Theologe um 1900)

Es ist deine Geburt!

Wenn du all diese Vorbereitungen getroffen hast, bist du für deine selbstbestimmte Geburt bestens gewappnet.
Gerade im Krankenhaus bekommt man oft das Gefühl, dass die Entscheidungen für einen getroffen werden. Denn Ärzte und Hebammen wissen ja viel besser, was für einen gut ist. Die Wahrheit aber ist: Du bestimmst, was passieren soll! Du sagst, ob du sitzen, stehen oder liegen willst. Du entscheidest, ob du baden willst, oder lieber nicht.
Du bist auch nicht dazu verpflichtet, auf einen Vorschlag einzugehen! Meist gibt es mehrere Optionen aus denen man wählen kann – spätestens dann, wenn man danach fragt.
Als Geburtshelfer sind wir „nur“ dazu da, dich zu beraten und dir deine Möglichkeiten aufzuzeigen. In Notfällen wissen wir selbstverständlich besser, was zu tun ist. Aber die sind ganz selten. Und selbst dann musst du noch schnell darüber aufgeklärt werden, was passiert.
Du und dein Baby, ihr seid die Hauptpersonen in diesem Spiel! Wir sind nur die „Statisten“, die über euer beider Wohlbefinden wachen.

Und wenn es doch ganz anders kommt?

Eine Geburt ist natürlich nicht bis ins Letzte planbar oder gar vorhersehbar, aber man kann Einiges dafür tun, dass es so läuft, wie man das gern hätte. Unter Berücksichtigung aller Eventualitäten eben. Wenn du dich also gut vorbereitest und flexibel bleibst, also den Verlauf so nimmst, wie er kommt und das Beste daraus machst, dann… wirst du das Kind schon schaukeln!
Und klar kann es passieren, dass trotz alledem der Tag deiner Geburt der geburtenreichste des Jahres wird und die Hebammen und Ärzte so gar keine Zeit für dich haben. Es kann auch sein, dass ausgerechnet du eine der 10-15% aller Frauen bist, die einen Kaiserschnitt brauchen, obwohl du doch alles für die schöne Spontangeburt im Geburtspool vorbereitet hast. Und natürlich kann einfach alles ganz anders kommen, als erhofft.
Auch in so einem Fall bin ich davon überzeugt, dass die Vorbereitungen nicht umsonst waren. Du weißt dann zumindest, dass du für deine Traumgeburt alles in deiner Macht stehende getan hast und brauchst im Nachhinein nichts zu bereuen. Das ist viel Wert!
Es ist aber deutlich wahrscheinlicher, dass du deiner Vorstellung von einer selbstbestimmten und vor allem schönen Geburt sehr nahe kommst, oder sogar – mit etwas Glück und in guter Hoffnung – deine Traumgeburt erlebst.

Ja genau, wir sind hier bei „Wünsch Dir was“!

Wo und wie möchtest du dein Kind bekommen? Bist du schon gut vorbereitet? Wie gehst du die Sache an?
Hast du noch Anregungen und Tipps für eine gute Vorbereitung, die du gerne weitergeben möchtest? Dann ab in die Kommentare damit!

(Dieser Beitrag ist übrigens als Gastartikel zuerst auf eltern.de erschienen.)



Hebammenblog.de gefällt Dir? Für's Liken & Teilen sag ich Danke! ;-)

Hier geht's zum Newsletter, der Dich alle 2-3 Wochen über neue Artikel informiert...


19 Antworten
  1. Rebecca
    Rebecca sagt:

    Schöner Artikel. Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Frauen erkennen würden, dass sie die Hauptperson während der Schwangerschaft und Geburt sind. Ich habe während meiner Schwangerschaft immer wieder festgestellt, dass es viele Frauen gibt, die sich gar nicht mit den verschiedenen Möglichkeiten während Schwangerschaft und Geburt beschäftigen, sondern froh sind, dass sie die Verantwortung abgeben und sich entbinden lassen können. Sie haben absolut kein Selbstbewusstsein, die Geburt als natürlichen Vorgang anzusehen und aktive Entscheidungen zu treffen. Da jede Frau sich selbst entscheiden kann, wie sie gebären will, ist natürlich auch das in Ordnung. Aber ich glaube, wenn man ein bisschen informierter an die Sache rangehen würde, dann hätten viel mehr Frauen schöne Geburtserfahrungen statt beängstigende.

    Ich bin das erste Mal schwanger. Mein ET ist heute in einer Woche. Hätte ich einfach mit mir machen lassen, würde ich seit Monaten Insulin spritzen, weil ich angeblich Gestationsdiabetes habe. Mein Zucker ist völlig in Ordnung. Nur mein Nüchternwert lag leicht über dem in der Schwangerschaft angegebenen Maximum. Das reicht für die Ärzte für eine Diagnose. Dem Baby geht es gut, mir geht es gut, es ist alles in Ordnung und trotzdem soll ich mir Insulin spritzen. Das habe ich abgelehnt. Ich habe einfach nein gesagt! So einfach ist das. Ich habe mich darauf eingelassen, dass ich weiterhin die Nüchternwerte messe und dass das Wohlergehen des Babys engmaschiger überwacht wird. Ich will natürlich mein Baby nicht gefährden. Seit ein paar Wochen schon, ist der Nüchternwert nun optimal – ganz ohne Insulin und das obwohl dieser doch eher schlechter werden sollte. Ich sehe mich also bestätigt darin, dass ich alles richtig gemacht habe.

    Ich habe mich trotz aller Miesmacher für eine Hausgeburt entschieden und sehe mich immer wieder darin bestätigt, dass es die richtige Entscheidung ist. Ich hoffe, dass ich selbst dann in Kürze einen positiven Geburtsbericht schreiben kann.

    Ich für mich kann jedenfalls sagen, dass ich mich auf die Geburt freue, dass ich keine Angst davor habe und zu keinem Zeitpunkt hatte. Meine einzige Angst besteht darin, dass ich vielleicht doch ins Krankenhaus muss. Ich habe mich eingehend informiert und weiß was ich will und was ich nicht will. Ich vertraue in Notfallsituationen trotzdem natürlich den Fachleuten, aber eine Aufklärung durch diese finde ich das Mindeste. Ich glaube, wenn man aufgeklärt ist und wenn man weiß was man will, dann hat man viel weniger Angst und kann viel ruhiger auf die Geburt zugehen.

    Antworten
  2. Jette
    Jette sagt:

    Liebe Jana,
    immer noch überlege ich, Dir meinen Geburtsbericht zur zweiten Tochter zuzuschicken. Nur um Deine Kommentare dazu zu lesen. Denn die erste war ein Traum – wenn auch etwas zu schnell und vieles habe ich erst hinterher richtig begriffen. Aber ich hatte eine wunderbare Beleghebamme, die mir dabei geholfen hat.
    Um das zu wiederholen, habe ich (fast) alle Deiner Tipps in der zweiten Schwangerschaft abgearbeitet. Ich habe sogar einen “Wunschzettel” geschrieben, der kurz die erste Geburt beschrieb und klar machte, was ich mir für die zweite wünschte. Allerdings nach einem Umzug. Und obwohl ich in einem großen Ballungsgebiet lebe: Keine Hebamme für Hausgeburt, keine Beleghebammen im Umkreis, keine Hebamme für die VORSORGE. Dann auch noch Entbindungstermin in den Sommermonaten. Ich war froh überhaupt eine Hebamme zu kriegen, die sah ich in der Schwangerschaft aber nur zum Kennenlernen.

    Im Krankenhaus selber, dass ich durch Tag der offenen Tür, Anmeldung und Akkupunktur gut zu kennen glaubte, geriet ich an eine Kollegin von Dir, die a) genervt war, dass ich ihre ruhige Nachschicht störte, b) überhaupt nicht gerafft hat, wie schnell meine Geburt voran schritt, c) nicht, aber auch wirklich GAR NICHTS von selbstbestimmt gebärenden Frauen hielt. Das war mehr so: Meine 1000 Geburt, deine zweite. Es hat lange gedauert, bis ich diesen blöden Start “verwunden” hatte und führe die anfänglichen Stillprobleme mit der kleinen Maus genau darauf zurück.

    Ich hätte gern mehr “gekämpft”, aber kurz vor Presswehen fehlte mir dazu irgendwie die Energie.
    Mein Mann war übrigens bei alledem supertoll und hat sich sehr bemüht, meine Wünsche zu realisieren, z.B. indem er die Ärztin bat, die zweite Hebamme aus der Bereitschaft zu holen. Daher ist der Tipp zum privaten Dream-Team in meinen Augen der wichtigste (außer frau hat das Glück einer Beleghebamme/(Geburts-)Hausgeburt….

    Liebe Grüße
    Jette

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Jette, wie schade!
      Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Das tut mir echt leid! :-(
      Liebe Grüße & Deinen Bericht kannst du mir gerne schicken. Allerdings stapeln sie sich hier schon virtuell. Ich kann also nichts versprechen, bezüglich des Zeitpunktes der Veröffentlichung.
      Jana

      Antworten
  3. Rosalie
    Rosalie sagt:

    Find ich genau richtig, aber eben, es verlangt ne gute Portion Flexibilität in den eigenen Vorstellungen. Das ist vielleicht der schwierigste Teil bei der Geburtsplanung. Denn das widerspricht natürlich den konkreten Wunschgeburtsplänen ein wenig. Man darf sich nicht zu viel konkret ausmalen.
    Ich bin im Sport auch nach Tipps gefragt worden und hab als einziges nur gesagt: Wenn ihr in ne Klinik wollt, schaut euch die an und redet mit dem Personal. Wenn es euch gefällt, gut. Wenn ihr spontan denkt ‘au nein’, dann vergesst diese Klinik. Gleiches hab ich zum Thema Hebammen gesagt: Sucht und wenn ihr eine findet, die euch spontan passt, gut. Wenn euch was stört, habt keine Bedenken euch dagegen zu entscheiden.
    Ich würde auch jeder sagen, die mich nach Schmerzen fragt: Wenn du es so probieren willst, dann tu das. Hab aber kein schlechtes Gewissen, wenn du wirklich sagst, es geht nicht ohne Schmerzmittel. Man weiß ja nicht, was auf einen zukommt, da sollte man seine Entscheidungsfreiheit nicht schon vorher und ohne medizinische Beratung einschränken.

    Ich finde die Hauptsache ist tatsächlich, dass hinterher alle gesund sind und die Mutter nicht das Gefühl hat, etwas ‘falsch’ gemacht zu haben, oder etwas ‘durchstehen’ zu müssen, was sie dann massiv überfordert.
    Ich würde mir sehr wünschen, dass die Betonung der Offenheit und wirklich sinnvolle medizinische Beratung im Vordergrund stehen würde, und nicht Einzelmeinungen (die ja auch ihre Berechtigung haben, nur eben keine Allgemeingültigkeit).

    Geburten gehören ja in unserem Alltag zu den wenigen Situation, die wir nicht komplett kontrollieren können. Das macht sicher vielen auch Angst, denn wir sind zumindest den Anschein absoluter Kontrollmöglichkeiten gewöhnt. Sich in Situationen einfach mal hineinzubegeben und zu schauen, wie es läuft ist heute eher ungewöhnlich.

    Antworten
  4. Sylvie
    Sylvie sagt:

    Liebe Jana,

    zu deinen Tipps kann ich gar nicht so viel sagen, weil bei meinen beiden Geburten die Umstände und Abläufe wenig bis keine Selbstbestimmung zuließen. Aber dennoch: ich kann doppelt und dreifach unterstreichen, dass es sich so viel besser anfühlt, wenn man wenigstens das Gefühl hat, dass man selbst mitbestimmen darf… Aber besser kurz von vorn:
    Meine erste Geburt war ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose in der 38. Woche aufgrund eines rasch fortschreitenden HELLP-Syndroms (Sonntags abends mit Bauchschmerzen ins Krankenhaus, Montagsmorgens um halb 11 war mein Sohn da). Danach 24h Intensivstation. Ich fühlte mich wehrlos und wie von einem Zug überfahren. Ich habe meinen Sohn trotz allem danach 13 Monate gestillt – vielleicht gerade weil ich eine Sache so haben wollte, wie ich sie mir vorgestellt habe… Insgesamt ging es mir allerdings lange Zeit psychisch nicht gut und es tut mir jetzt noch leid, wie wenig ich die erste Zeit mit meinem ersten Sohn geniessen konnte.
    Bei meiner zweiten Schwangerschaft war relativ früh klar, dass ich eine sehr tief liegende Plazenta praevia hatte und die Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Geburt gegen Null ging… Mit Hilfe einer tollen Psychologin habe ich es geschafft, Angst, Traurigkeit und Wut in Schach zu halten und mich doch auf Zwerg Nummer 2 zu freuen. Am Ende ging alles glatt (keine Blutungen, ich musste nicht liegen, alles quasi normal, bis auf die “beeindruckend tief liegende Plazenta praevia totalis” (O-Ton meiner Ärztin) und der Kaiserschnitt fand tatsächlich am geplanten Termin und mit PDA statt. Ja, es war auch ein Kaiserschnitt und glücklich hat mich das nicht gemacht, aber ich war wenigstens bei der Geburt “dabei” und hatte wenigstens das Gefühl, die Dinge seien nach meinem eigenen Plan verlaufen. Und auch die Zeit danach war soviel entspannter…
    Wie schon eingangs geschrieben, mein Kommentar hat eigentlich gar nicht so richtig etwas mit den von dir angesprochenen Tipps zur Vorbereitung zu tun, aber der Titel und das Thema der Selbstbestimmung haben bei mir irgendwie einen Knopf gedrückt und diesen Kommentar ausgelöst :-)

    Antworten
  5. Anna
    Anna sagt:

    Das gute Hintergrundwissen muss man aber auch erstmal haben.

    Vor meiner ersten Geburt dachte ich noch: Eine Hebamme ganz für mich? Und auch noch zur Beratung vor der Geburt? Was für ein unnötiger Luxus. Brauche ich nicht.

    Mein Plan war: Ins Krankenhaus rüberlaufen, klingeln, Kind kriegen, nach Hause gehen.

    Wo und wie das Kind rauskommt? Mir egal, Hauptsache gesund. Wer das macht? Mir auch egal, ich bin einfach davon ausgegangen, dass die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, das können. Welche Position und Schmerzmittel will ich oder nicht? Keine Ahnung, das werden wir dann ja sehen. Und so war es auch.

    Ich hatte einfach das kleine bisschen Glück und keine großen Erwartungen. Daran hatte auch der Vorbereitungskurs nichts geändert. Auch wenn über alles gesprochen wurde, konnte ich erst nach der Geburt sagen, was ich bei der nächsten gern hätte und was nicht.

    Beim nächsten Kind soll es trotzdem anders werden, aber ich kann das für mich erst nach der ersten Geburt wirklich einschätzen.

    Antworten
    • dragonet
      dragonet sagt:

      Liebe Anna, in deinem Kommentar habe ich mich sofort wiedergefunden. Ich bin auch der Meinung, dass ich erst nach meiner ersten Geburt wissen kann, was ich mir jetzt für die zweite wünsche.
      Jana schreibt, man solle sich keine Horror-Geburten erzählen lassen, womit sie natürlich Recht hat, aber bei uns im Geburtsvorbereitungskurs haben sie uns total in Watte gepackt. Die wollten ja nicht mal laut zugeben, dass Wehen weh tun können und gebären meistens schmerzhaft ist.
      Als Folge hatte ich eine sehr verschwommene Vorstellung von Geburt, nur “technisches“ Wissen (Baby dreht sich so durchs Becken, es gibt nur einen Kreissaal mit Wanne, PDA ist möglich…). Jede konkrete Frage wurde mit dem echt hilfreichen Hinweis “du schaffst das schon“ abgewimmelt.
      Ich habe nach der Geburt sehr viel gelesen (vorher hab ich mich nicht getraut, siehe Warnung vor Horror-Geschichten), auch auf Blogs von Frauenärzten, und habe ein echt tolles Buch von Dr. Stoppard gefunden, das einfach alles um Schwangerschaft und Geburt beschreibt, ohne zu beschönigen.
      Jetzt erst habe ich das Gefühl, ich weiß genug, um mich selbst sinnvoll für oder gegen etwas zu entscheiden. Bei meiner ersten Geburt bestand das Rezept, das mir von Ärzten und Hebammen an die Hand gegeben wurde aus “hab Vertrauen, es wird schon alles gut“. Das ist ein Anfang, aber keine Entscheidungsgrundlage. Da muss man nämlich wirklich drauf hoffen, dass man Glück hat und “die im KH“ auch alles so machen, wie man selbst sich dass ausgesucht hätte, wie Jana geschrieben hat.

      Antworten
  6. Anna
    Anna sagt:

    Das stimmt schon, aber ich hatte neben dem grundsätzlichen Vertrauen in die Fachleute auch viel Vertrauen in mich selber, dass ich dieses ganz normale Ereignis wie viele Frauen vor mir schon schaffen werde.

    Und mir hat die Klinikumgebung einfach auch 100% Sicherheit gegeben. Viele können das sicher nicht nachvollziehen, aber für mich war klar: wenn es losgeht, gehen wir da hin, und dann bin ich in guten Händen, die mein Baby und mich im Notfall bestens versorgen. Und dann konnte ich ganz entspannt mein Baby bekommen :)

    Antworten
  7. Sonny
    Sonny sagt:

    Ein ganz toller Artikel! Ich bin darauf gestoßen, als ich Infos zur selbstbestimmten Geburt gesucht habe. Ich bin derzeit in der 35. Woche mit meinem 4. Kind, und hatte eine sehr unschöne erste Geburt (mit Anfang 20, sehr unerfahren und wenig informiert) und zwei sehr schöne ambulante Geburten! Die Steigerung des Schönen wäre für mich jetzt eine Hausgeburt gewesen, was aber leider durch unser “tolles” System verhindert wird.
    Es gibt 30 km von uns entfernt eine einzige Hebamme die das noch leisten kann, aber hoffnungslos ausgebucht ist…die zweite die da war, musste nach den letzten Änderungen und Auflagen leider kapitulieren und kann keine Hausgeburten mehr anbieten.
    Naja, dann eben wieder ambulant, in der Hoffnung der Geburtsplan wird akzeptiert. Unsere Kliniken hier haben nur ihre angestellten Hebammen, Beleghebammen gibt es nicht und eigene mitzubringen ist nicht erwünscht. Möglich schon, aber- Originalton auf die Frage danach beim Infoabend- “die dürfte zwar dabei sein wie zB der Partner, hat aber überhaupt nichts zu sagen und soll sich zurückhalten”.
    Leider wird es sowieso nicht immer mit Begeisterung aufgenommen wenn man weiß was man will.
    Besonders für die Bondingphase wenigstens eine ganze Stunde ungestört zu haben bevor gewogen und gemessen wird, wird zwar gern empfohlen, passt aber nicht so gut in den Klinik- Alltag.
    Ich habe vor, in zwei verschiedenen Kliniken Gespräche zu führen und dann zu entscheiden. Was dennoch schwer wird, weil ich mich durch die Gesetzeslage irgendwie um meine so gewünschte Hausgeburt betrogen fühle.

    Antworten
  8. mom
    mom sagt:

    Schöner ARtikel – ein Fundstück aus dem Blog “A cup of jo”: das Mütter-Mantra. Immer, wenn einer eine/r von diesem oder jenem alternativlosen Verhalten/Trick/… einer anderen Mutter erzählt, sich sagen: Good for her – not for me.
    Es gibt so viele unterschiedliche Wege!
    Und besonders verstärken möchte ich den letzten Punkt! Ich hab ja mittlerweile mein Baby und fand die Geburt, wiewohl sie spontan, natürlich und ohne jeden Kratzer verlaufen ist, restlos bescheiden. Sehr schmerzhaft und chaotisch. Im Prinzip ist es egal – das Kind ist gesund da, JETZT fängt erst der spannende Teil an, und ich lasse mich nicht von wohlmeinenden (oder weniger wohlmeinenden) Frauen dazu drängen, ihr mehr Bedeutung beizumessen als ich ihr beimessen will. Und das ist eine individuelle Entscheidung, nur ich bin dafür verantwortlich, welche Inhalte ich in meinen Kopf reinlasse – egal, was mir andere Mamas, Ratgeber…sagen!

    Antworten
  9. Jui
    Jui sagt:

    Ich selber bin Mama von 4 Kindern, alle per HAUSGEBURT auf die Welt gekommen – selbstbestimmt und nach meiner Vorstellung geboren ohne Komplikationen. Einer Geburt im Krankenhaus hätte ich NIE zugestimmt bzw. nicht über mich ergehen lassen wobei ich ein KH / Kreißsaal noch nie gesehen habe. Auf Grund meiner so positiven Erfahrungen überlege ich selber mich nochmals umzuschulen und würde gerne selber Hebamme werden. Leider habe ich während meiner 4. Schwangerschaft meine liebe Hebamme und gute Freundin verloren und habe trotzdem dafür gekämpft, dass auch mein 4. Kind gesund und munter das Licht der Welt erblicken durfte zu Hause in unserem Wohnzimmer. Habt den Mut und lasst euch nicht entmündigen so zu gebären wie ihr es wollt.

    Antworten
    • Rosalie
      Rosalie sagt:

      Das klingt irgendwie, als wären Klinikgeburten nicht so selbstbestimmt. Das stimmt nicht und mit so einer Behauptung würde man auch das eine gegen das andere ausspielen, was ich total daneben fände. Wie entstand denn bei dir der Eindruck, einen Kreißsaal müsse man über sich ergehen lassen? Meine Erfahrung ist da total anders, nämlich, dass man mich immer selbstbestimmt im KH gebären ließ. Und zudem hat man noch freundlicherweise meinem Kind das Leben gerettet. Aber ich käme deswegen nicht auf die Idee, Hausgeburten als etwas zu bezeichnen, was von Grund auf abzulehnen sei.

      Antworten
    • mom
      mom sagt:

      Das mit der Selbstbestimmung ist eh son Ding – ich wäre nicht in der Lage gewesen, da großartig reflektiert wichtige Entscheidungen zu treffen, weder bei einer Hausgeburt noch bei einer Klinikgeburt, mein Körper war einigermaßen weggespacet. Für mich wäre eher wichtig, vernünftige Profis an der Seite zu haben, die a) nicht nach Schema f geboren haben wollen und b) genügend Zeit haben.

      Antworten
      • Lisa
        Lisa sagt:

        Ja, das ist so ne Sache… die einen Klinikgeburten sind selbstbestimmt, die anderen nicht und ich wette du findest auch eine Hausgeburtsgeschichte, bei der nicht alles selbstbestimmt war, weil Hebammen eben auch nur Menschen sind.
        ABER: wenn die Geburtsbegleiter nicht viel Zeit haben, wie im KKH oft, ist es halt schwieriger darauf einzugehen, was die Frau will und braucht. Dafür sind bei einer Hausgeburt einfach die Grundvoraussetzungen besser. Wo die selbstbestimmte Geburt letztlich stattgefunden und was genau für die einzelne dazu gehört ist doch auch egal ;)
        VLG!

        Antworten
  10. Sonny
    Sonny sagt:

    Jui, das würde ich gerne! Aber wenn weit und breit keine Hebamme zu finden ist die das noch macht, bleibt mir nichts anderes übrig :-(
    Oder übersehe ich Möglichkeiten??

    Antworten
  11. kiddelfee
    kiddelfee sagt:

    Ich erinnere mich, dass ich – frisch schwanger – meine Freundin gefragt habe, was nun wichtig ist. Sie fing gleich an : “Mach einen Geburtsplan und einen Kurs. Nur so kannst du wissen, was du willst und voll das schön Geburtserlebnis haben. Aber das musst du planen!” Ich dachte mir nur : “Alter Schwede, mein Plan ist, das Kind auf die Welt zu bringen – irgendwie…”
    Letztenendes hatte ich zwar einen Plan, aber es kam eh alles anders…

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreib was!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *