Alleingeburt in Indien

Geburtsbericht: Alleingeburt in Indien

Eine Alleingeburt ist eine heikle Sache und erhitzt die Gemüter. Daher ist dieser Geburtsbericht auch mehr als nur ein Bericht. Ich kann ihn einfach nicht so stehen lassen, ohne dazu Stellung zu beziehen. Diesmal also ein Geburtsbericht mit etwas mehr als nur ein paar kleinen Anmerkungen.

Alles geht gut – fast immer

Ich glaube an die Stärke und die Intuition von gebärenden Frauen. Ich bin überzeugt davon, dass man mit einer positiven Einstellung den Geburtsverlauf günstig beeinflussen kann. Ich weiß, dass viele Frauen, wenn sie den Mut hätten, eine Geburt auch alleine schaffen würden. Und in vielen, vielleicht in den meisten Fällen, würde auch alles gut gehen.
Bin ich durch diese Haltung eine Befürworterin der „Alleingeburt“?
Auf gar keinen Fall!

Allein im Wald

Es gibt immer wieder Frauen, die eine Alleingeburt planen. Eine von ihnen ist Marianne, eine Leserin des Hebammenblogs, die mir den Geburtsbericht ihrer Alleingeburt in Indien schickte. Sie schrieb mir:

„Als ich wusste, dass ich ein Kind erwartete, begann ich über die Geburt zu meditieren und sah mich sehr bald im Wald – allein. (…) So machte ich mich im Netz auf die Suche, ob ich völlig bekloppt mit meinem Gefühl und meinem Bedürfnis sei, oder ob es noch andere Frauen gibt, die so entbunden haben. (…) Ich fraß mich buchstäblich durch die Literatur und machte letztlich so eine Art autodidaktische, theoretische Ausbildung. Ich machte mich kundig über Risiken, deren Anzeichen und wie man in verschiedenen Kulturen damit umgeht.
Ich habe meine Schwangerschaft ab dem 7. Monat in Indien verbracht, da ich aus Angst vor der Angst den Drang verspürte, aus Europa “zu fliehen”. Ich habe in meinem Leben noch keinen Gynäkologen gesehen, auch keine Hebamme. Nicht, weil ich sie nicht leiden könnte, sondern, weil ich das starke Bedürfnis verspürte, mich selbst zu spüren und das wunderbare Geschenk von Schwangerschaft und Geburt intuitiv zu leben. Als ich vor knapp drei Jahren mein Kind auf die Welt brachte, eröffnete sich mir eine Kraft, von der ich zwar geahnt, aber doch keine Ahnung hatte. Ich denke, dieses Wissen, dieses Vertrauen, ist ein großer Schatz.“

Nicht ohne meine Hebamme

Ich selbst habe ein großes Vertrauen in die Gebärkraft von Frauen, bin ein großer Fan von Hausgeburten – habe aber eben auch schon alle geburtshilflichen Notfälle miterlebt. Wenn diese auftreten, dann bin ich immer sehr froh um meine gute Ausbildung und vor allem darum, dass ich mir sehr schnell Hilfe heran holen kann. Deshalb habe ich Mariannes Bericht mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Klar, als Hebamme bin ich vielleicht befangen, aber auch „als Mensch“ las ich die folgenden Zeilen nicht ganz ohne Sorge. Hier kommt Mariannes Geburtsbericht, wie immer mit Anmerkungen von mir in lila:

Wo soll es passieren?

Anfänglich wollte ich zur Geburt ganz allein im Wald sein. Mein Freund hielt mich für verrückt. Doch seine Angst schwand bald, da ich mir so sicher war. Das bewirkte, dass ich mir nun vorstellen konnte ihn bei mir zu haben. So wuchs Adrien während der Schwangerschaft in seine Rolle als Hebamme in spe. Adrien ist auf einem Bauernhof groß geworden und war Geburtshelfer unzähliger Kälber und Katzenjungen.

Etwa vier Wochen vor Termin flammte eine neue Woge von Angst und Unsicherheit in ihm auf. Diesmal wollte er, dass wir nah an ein Krankenhaus gehen, falls was schief ginge. Ich war sehr wütend, da mir schon die Einbeziehung des Risikos als erhöhtes Risiko erschien und lehnte das entschieden ab. Er meinte, dass dies besser wäre, sollte ich zu viel Blut verlieren. Dabei kam heraus, dass ich meine Blutgruppe gar nicht kannte. Der Haussegen hing beträchtlich schief, da ich mich in meinem Urempfinden des Mutterwerdens angegriffen fühlte.
Der Blutgruppentest wurde dann, um des lieben Friedens Willen, gemacht. Eine Pleite, mit einer in Asien so seltenen Blutgruppe. Das Wissen darum war keine echte Beruhigung für den Geist.
Man gab uns die Nummer eines Taxifahrers, der uns im Notfall in die Klinik hätte fahren können. Im Inneren lehnte ich all die Risiko-Miteinbeziehung ab und kümmerte mich nicht darum. Ich wusste, dass ich all meine Energie für mich und mein Kind brauchte.

Ich kann den werdenden Vater verstehen und finde, dass er mit dem Blutgruppentest sehr verantwortungsvoll gehandelt hat. Wenn man in die Situation gerät, Blut zu brauchen, kann es gar nicht schnell genug gehen. Gerade wenn eine außerklinische Geburt geplant wird, ist es doch wichtig, einen gewissenhaft geführten Mutterpass oder ein anderes Dokument zu haben, in dem sich ein Notfall-Helfer einen schnellen Überblick über Fakten wie die Blutgruppe oder das Schwangerschaftsalter verschaffen kann.
Ein klitzekleines Bisschen bewundere ich aber auch Dein absolutes „In Dir ruhen“.

Wir lebten während der Zeit auf der zweiten Etage eines Hauses in Indien. Unten lebte eine indische Familie. Sie war sehr herzlich. Um uns herum gab es keine anderen “Fremden”. Und wir entschieden uns letztendlich dazu, das Baby genau dort, in unserer Wohnung, zu bekommen.

Vorgeplänkel

Am Morgen des 25. hatte ich eine hübsche Wehe, nach der sich dann aber nichts mehr tat. Also ging ich abends mit an den Strand, an dem mein Freund Adrien spontan ein Konzert hatte.
Eine Wohltat, die völlig erstaunten Blicke der Leute zu sehen. Sie fragten, wie lange es denn wohl noch hin sei. Und ich antwortete: „Der Termin ist morgen.“ grinste und fühlte mich weiterhin leicht wie eine Feder (Kloßfedern! Gibt’s wirklich…).

Den 26. habe ich dann fast ganz verschlafen und hatte unendlich schlechte Laune, aber keine Wehen, was wohl zusammen hing. Ersteres besserte sich abends schlagartig. Das ging mit Heißhunger auf Süßes einher. Adrien spurtete also los und kam mit Kuchen und Bananen, sowie Saft zurück. Wir schauten noch einen Film. Dabei hatte ich einige Wehen, vielleicht vier, aber kurz und gut erträglich, allerdings deutlich anders, als bis dahin. Gegen zehn oder elf Uhr beschlossen wir dann zu schlafen.

Denkste!

Die Wehen wurden stärker und ich wachte stündlich auf, um auf Klo zu gehen, weil Lukas’ Kopf entsetzlich auf meine Blase drückte. Außerdem wuchtete ich noch einen schweren Sessel durch die Gegend, weil ich dachte, ich könnte mich auf ihm entspannen. Er stand aber, vom letzten Wischen noch, völlig unbrauchbar auf einem Podest. Da ich Adrien nicht wecken wollte, astete ich ihn also selbst herunter. Als ich dann endlich auf dem Sessel Platz nahm, trat der gewünschte Effekt natürlich nicht ein und ich versuchte irgendwelche anderen Positionen zu finden.

Unter Wehen verschiedene Positionen einzunehmen ist sehr sinnvoll für den Geburtsverlauf. Die Wehen sind deutlich besser auszuhalten, wenn man die für sich selbst, sowie die aktuelle Geburtsphase, passende Position findet. Welche Möglichkeiten es gibt und warum vor allem aufrechte Positionen sinnvoll sind, habe ich mal im Artikel Geburtspositionen für euch zusammengefasst.

Das Beste war und blieb das Sitzen. Ich saß so meditationsähnlich wie möglich. Nur doof, dass ich so müde war.

Zeitmessung

Ab halb drei ging ich halbstündlich auf die Toilette. Da man auf dem Weg zur Toilette an der einzigen Uhr im Haus vorbeikommt, habe ich Toilettengangs-Abstände und nicht die Wehen-Frequenz gemessen. Das Liegen wurde immer unbequemer. Als ich dann um fünf, völlig übermüdet, keine entspannte Haltung mehr finden konnte, weckte ich Adrien. Der saß dann mal vor, mal hinter mir, während ich ein bisschen vor mich hin litt. Zwischendurch tigerte ich durch die Wohnung. Oder ich erleichterte meine Blase um drei Tropfen. Jedenfalls fanden wir schließlich eine geniale Position: Ich hatte eine relativ heftige Wehe auf dem Klo. Dort blieb ich dann einfach sitzen. Während ich also saß, stütze Adrien sein Hände, vor mir stehend, auf meine Schultern. So konnte ich meine Arme über meinem Kopf und seinen Armen verschränken.

Das Sitzen auf dem Klo ist ja fast genau so, wie das Sitzen auf dem Gebärhocker. Es wird von vielen Frauen als sehr angenehm empfunden. Einziges Problem: Wenn man zu lange so sitzt, entsteht – durch den Druck des Toilettenrings – in Vulva und Damm ein Ödem. Die Dehnfähigkeit wird beeinträchtigt und die Wahrscheinlichkeit einer Rissverletzung steigt. Man sollte diese Haltung also auch immer mal wieder verlassen.

Spontaner Blasensprung

Da machte es pf und platsch und die Fruchtblase war geplatzt. Irgendwie schaffte ich es ins Bett, da musste dann die Plastefolie ausgebreitet werden. Darüber kamen einige Tücher. Die Toilettenposition behielten wir bei. Die war einfach am Besten. Adrien machte sich ein wenig über meine Tigerlaute lustig. „Du klingst wie ein erkältetes Tigerchen.“ Er hatte wohl die Absicht, mich abzulenken. Es war auch einfach zu lächerlich, wie leise ich war. Ich wollte aber die Familie unten nicht schockieren. Gott sei Dank hat er mich dann mehr oder weniger dazu gezwungen, laut zu werden. Er redete immer wieder auf mich ein. So überzeugte er mich, dass alles Andere doch Quark sei. Und siehe da, es wurde schlagartig „besser“. Ich brüllte mich in eine Art Trance.

Das wird sehr unterschiedlich empfunden. Manche Frauen konzentrieren sich auf ihre Atmung, die Einen tönen und Andere brüllen. Man muss einfach ausprobieren, was einem gut tut.

Irgendwann spürte ich ganz deutlich, dass sich etwas wirklich Großes in mir bewegte. Schlagartig wurde ich panisch, weil ich dachte, dass ich ja unmöglich auf dem Ausgang sitzen bleiben konnte. Adrien half mir mich zu drehen, so dass ich, mit dem Rücken zu ihm, in den Vierfüßlerstand gelangte. Dann brüllte ich weiter. Wütend darüber, dass es nicht schneller zu Ende war.

Die meisten Frauen, die ihr Kind alleine bekommen, weil z.B. bei einer geplanten Hausgeburt die Hebamme zu spät kommt, landen intuitiv in dieser Position. Zumindest fast alle, die ich bisher kennen gelernt habe.

Wie spät es war, als ich anfing zu brüllen, wissen wir nicht so genau. Aber Rima, unsere Nachbarin, konnte uns hinterher sagen, dass es eine dreiviertel Stunde andauerte.

Endspurt

Jedenfalls hat diese Wut wohl geholfen, da die nächste Wehe, zu meinem Erstaunen, den Kopf halb rausgucken ließ. Das hat mich so verdutzt, dass ich aufhörte zu brüllen und hin fühlen musste. Das hat mich völlig irritiert, weil der Kopf so zusammengedrückt war, dass er oben spitz zulief. Ich dachte immer, dass sich die Platten übereinander schieben – offensichtlich ein Missverständnis aus dem Bio-Unterricht.

Auch hier gibt es kein „Das ist immer so“. Es gibt Babys, die kommen mit einem wahren Turmschädel zur Welt, bei einigen sieht man die Schädelplatten deutlich und manche haben einen Ball-runden Kopf. Aber wirklich übereinander schieben sich die Platten nicht. Sie nutzen vielmehr den Raum aus, der durch die Fontanellen (Lücken zwischen den Platten) und Nähte vorhanden ist.

Noch halb irritiert, aber voller Hoffnung nahm ich alle Kraft, die ich hatte und drückte Lukas quasi im Ganzen nach draussen.
Dann reichte mir Adrien unser glipschiges Etwas und ich war ganz beglückt. Adrien auch. Er sagte: Es ist ein Junge! Und das war lustig, denn wir hatten es ja irgendwie schon gewusst. Auch auf der Straße hatten ständig alle behauptet, man könne doch sehen, dass es ein Junge werde.

Die Chancen stehen immer wieder 50/50. So dass die Vermutungen jedes zweite Mal wahr werden. ;-)

Die Nachgeburt kam einfach und ganz schnell, hing dann noch eine Weile an Lukas (sie lag im Eimer auf dem Bett). Dann verbrachte sie ein paar Tage im Kühlschrank. Ich hatte gelesen, dass man sie essen solle, so keine Milch käme. Doch alles funktionierte von allein. Adrien hat sie eines Tages, bei Sonnenaufgang, auf einen Felsen in den Bergen gelegt.

Geburtstagsparty

Wir waren beide sehr glücklich, Lukas sicherlich auch, auch wenn das Wort nicht beschreibt, was wir fühlten – eine Art dreifacher Einheit. Und trotzdem waren wir auch immer noch ganz aufgeregt, weil uns gerade etwas so Wundervolles widerfahren war. Adrien trat dann auf den Balkon und erblickte die ganze Nachbarschaft, die sich unten versammelt hatte und verkündete: “It’s a boy!” – eine in Indien mehr als freudige Botschaft – und fühlte sich ein bisschen wie ein König…
Bald darauf kam die indische Familie neugierig die Treppe hinauf, um den Neuankömmling zu begrüßen. Lukas und ich schliefen wenig später dicht aneinander gekuschelt erschöpft ein. Adrien fuhr los und sagte allen Freunden bescheid und am Nachmittag war das Haus voll mit Leuten, Lachen, Musikinstrumenten, Kuchen, Obst und Blumenketten.

Ich kann mich erinnern, dass ich ein oder zwei Wochen nach der Geburt noch so glücklich war, dass ich am liebsten gleich noch mal entbunden hätte, nur um diese Kraft zu spüren. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese so tief in der Menschheit verankerte Erfahrung der Mutterschaft so erfüllend erleben durfte und es immer noch tue.

Liebe Marianne, ich danke Dir für Deinen besonderen Geburtsbericht!

Was wäre wenn?

Ein wirklich schöner Bericht, oder? In Mariannes Fall ist alles optimal gelaufen. Aber ich frage mich: Wäre es weniger schön gewesen, wenn eine Hebamme mit im Raum gewesen wäre? Eine vertraute, kompetente Person, die nichts tut, außer, das Geschehen zu beobachten und nur im Notfall eingreift?
Wenn ich eine Geburt beobachte, dann sehe ich, ob ein Verlauf normal ist, oder ob es Abweichungen gibt, die noch im Rahmen sind, oder ob sich etwas anbahnt, das zu größeren Problemen führen könnte. Denn in der Geburtshilfe passiert nur selten etwas sehr plötzlich. Die meisten Probleme sieht man einfach kommen. Deshalb sind die Statistiken der außerklinischen Geburtshilfe ja auch so gut. Hebammen beobachten den Verlauf dort sehr genau und greifen, bei sich ankündigenden Problemen, entweder regulierend ein oder organisieren eine Verlegung in die Klinik.

Hilflos ausgeliefert

Wenn man unter der Geburt alleine ist, erkennt man womöglich noch eindeutige Gefahren, wie z.B. eine starke Blutung. Ob man dann aber noch in der Lage ist sich selbst zu helfen ist fraglich. Subtilere Probleme, wie etwa schlechte Herztöne des Babys, bleiben einem gänzlich verborgen.

Alleingeburt – Wozu?

Warum gibt es den Wunsch nach der Alleingeburt? Traumatisierung ist bestimmt nur einer von vielen möglichen Gründen. Angst vor dem Gefühl, in einer so sensiblen und verletzlichen Situation, anderen Menschen ausgeliefert zu sein, ein anderer. Diese Beweggründe kann ich verstehen, denke aber, dass es dann sinnvoller wäre, sich eine Vertrauensperson zu suchen, die von diesen Ängsten erfährt und die Geburt dann entsprechend sensibel begleitet. Hier wäre z.B. eine Hausgeburts- oder Beleghebamme eine gute Wahl.

Selbstbestimmte Geburt

Es ist möglich Vieles im Vorfeld zu besprechen: Wer bei der Geburt anwesend sein darf, dass nicht, oder nur im Notfall, vaginal untersucht wird… Die Gebärende kann hier viele Regeln selbst aufstellen. Auch in einer Klinik geht viel (mehr als man denkt), wenn man es vorher klärt. Die Chance auf eine andere Art, eine ebenfalls selbstbestimmte, dann aber deutlich sicherere Geburt zu erleben, ist sehr groß.

Diskussion eröffnet

Alleingeburten sind ja eher eine Ausnahme-Erscheinung. Jede Einzelne ruft jedoch immer sehr starke Reaktionen hervor. Marianne sagte mir allerdings, dass das Feedback auf ihre Geschichte durchweg positiv war. Was meint ihr dazu? Ist eine Alleingeburt für euch eine Option oder ein No-Go?



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87 Antworten
  1. Nadine
    Nadine sagt:

    Hmmm … also ich denke eine Hebamme dabei zuhaben, mit der z.B. auch abgesprochen sein kann, dass sie sich so weit wie möglich im Hintergrund halten soll (wenn es denn eben so gewünscht ist) finde ich persönlich besser. Aber schön, dass alles so toll bei ihr geklappt hat!
    Ich selber werde (wenn alles so klappt, wie ich mir das vorstelle) irgendwann (schwanger werden ist erst nächstes Jahr geplant) mit einer Beleghebamme in ein babyfreundliches Krankenhaus gehen. Zu Hause möchte ich es nicht und das Geburtshaus ist zu weit weg (schade das es nur eines in ganz Hamburg gibt, natürlich auf der anderen Seite der Stadt). Wichtig ist, das man mit sich und seiner Entscheidung leben kann und zufrieden ist :)

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  2. Jasmin
    Jasmin sagt:

    Maximale Selbstbestimmung bei der Geburt – da kann ich absolut mitgehen. Doch mein Bedürfnis nach Sicherheit, Schutz fürs Ungeborene und Harmonie mit meinem Partner haben mir den Weg beim ersten Kind in den Hebammenkreissaal und beim Zweiten nach Hause gezeigt.

    Wie weit darf man gehen mit der Selbstbestimmung? Wenn eine Frau kein Sicherheitsbedürfnis verspürt, kann ich ihr gern die Verantwortung für ihren Körper überlassen. Doch was ist mit dem Kind? Wann darf oder muss die Gesellschaft eingreifen und Sorge bzw. Vorsorge fürs Ungeborene übernehmen? Wie kann man solche Ausnahmefälle, die noch nie zum Gynäkologen gegangen sind, erreichen mit Aufklärung etc.? Schwierige Fragen, auf die ich keine Lösung weiß.

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  3. Polly
    Polly sagt:

    Ich finde den Bericht schön und ich würde mir auch eine Alleingeburt wünschen, aber da ich mir nie 100% sicher sein kann, dass alles gut geht, würde ich immer zumindest eine Hebamme dabeihaben wollen. Da überwiegt das Risiko eindeutig die Vorteile. Eine Hebamme der ich vertrauen kann ist doch eine super Rückversicherung und beseitigt auch die letzten Zweifel, zumindest bei mir.

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  4. Jana
    Jana sagt:

    Wir waren in einem wunderbaren Geburtshaus angemeldet. Doch die Hebammen haben erkannt, dass es Probleme geben würde und wir wurden kurz vorher abgelehnt. Unser kleiner Sohn kam dann tatsächlich per Notkaiserschnitt zur Welt – die Wehen kamen viel zu schnell, wurden so heftig, dass ich fast wegtrat und dann fielen seine Herztöne aus. Da musste es schnell gehen.
    Das war ein sehr heftiges Erlebnis, schön ist anders. Es hat mehr als nur die Narbe am Bauch hinterlassen und ich musste meinen Soh erst lieben lernen. Auch ich hatte mir gewünscht meine innere weibliche Stärke bei der Geburt zu spüren, hatte mich unedlich auf den Moment gefreut, den Kleinen endlich im Arm zu halten und dann war alles anders. Doch wer weiß, ob wir zwei ohne diese Hilfe überlebt hätten.

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Oh jeh! Das ist ja heftig. Aber das bestärkt mich auch wieder bei meiner Annahme, dass auch Frauen, die ein gutes Körpergefühl und Mut und Willen haben, nicht alles vorhersehen können. Es gibt eben auch immer dieses Quentchen Schicksal, was mit im Spiel ist.
      Ich hoffe Du hast das Erlebnis gut verdaut!?
      LG & alles Gute!

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  5. Anna
    Anna sagt:

    Zwei extreme Sichtweisen, beide ohne Anspruch auf die absolute Wahrheit. “Es ist möglich Vieles im Vorfeld zu besprechen: Wer bei der Geburt anwesend sein darf, dass nicht, oder nur im Notfall, vaginal untersucht wird… Die Gebärende kann hier viele Regeln selbst aufstellen. Auch in einer Klinik geht viel (mehr als man denkt), wenn man es vorher klärt.”
    Das ist oft nicht mehr als Wunschdenken. Geburtspläne, Vorgespräche, bemühtes Personal sind nicht genug Sicherheit, wenn Personalmangel herrscht und/oder Komplikationen auftreten. Vielleicht eine Gelegenheit sich mit der Roses Revolution zu befassen?
    https://www.facebook.com/pages/Roses-Revolution-Deutschland/570332356372331?fref=ts

    Natürlich kann auch bei einer Alleingeburt etwas schief gehen. Natürlich gibt es gute und schlechte Begleitung zu Hause, im Geburtshaus, im Hebammenkreißsaal, oder in einer kleinen Klinik, oder dem großen Perinatalzentrum. Manchmal gibt es auch hier in Deutschlanf kaum oder keine geeigneten Geburtshelfer in der Nähe. (Haftpflichtprobematik, Schließung von Geburtstationen etc.)
    Nicht jede Hausgeburtshebamme traut sich noch, sich im Hintergrund zu halten und nur bei Bedaf einzugreifen. Manche Routinen in Kliniken werden ungefragt durchgezogen. Manche Alleingeburt braucht dann doch das Eingreifen einer Fachkraft.
    Alles hat seine Schattenseiten. Und jede Frau, jede Familie, muss für sich abwägen, was der richtige Weg ist, wie groß die Risiken der einen oder anderen Wahl.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Ich kenne die Aktion und finde sie sehr gut. Genau so wie einen Brief an das Geburtsteam zu schreiben, wenn etwas nicht gut gelaufen ist. Denn diese Schreiben werden immer sehr ernst genommen. Meistens gibt es ein Gesprächsangebot; In jedem Fall wird das sehr zu Herzen genommen.
      Personalmangel ist ein Problem. Deshalb kämpfen wir ja auch schon so lange.Ich hoffe wir haben am Ende Erfolg. Sonst weiß ich auch nicht…
      Den letzten Satz unterschreibe ich sofort.

      Antworten
    • Sabine
      Sabine sagt:

      Danke, liebe Anna, für den Hinweis auf die Roses Revolution. Eine ganz tolle Idee, die sich hoffentlich noch weiter verbreitet. Ich werde am Dienstag eine Rose mit Brief ablegen; den Brief habe ich gerade eben geschrieben. Es tut gut, wenigstens ein Stückchen von dem Kummer da zu lassen, wo er herkommt.

      Antworten
  6. Sophia
    Sophia sagt:

    Ich wünschte ich hätte auch mehr Mut gehabt, bzw. mich gegen alle verunsicherten Ansagen durchgesetzt und den Weg ins Geburtshaus/Hausgeburt gewählt.
    Nun muss ich die traumatische Klinikgeburt verarbeiten, bei der ich mir sicher bin, dass sie schöner ausgegangen wäre wenn man mich in Ruhe gelassen hätte.
    Ganz ohne Hebamme kann ich mir aber auch nicht vorstellen.

    Antworten
  7. Stefanie
    Stefanie sagt:

    Hmm… irgendwie hat mich der Bericht nachdenklich gemacht. Im Grunde meines Herzens schreibt Marianne genau das, was ich mir wünsche: Eine Entbindung aus eigener Kraft, ohne dass man unter der Geburt mit nervenden Einflüssen von außen fertig werden muss (“nein, ich will kein CTG, nein ich will keine Vaginaluntersuchung, nein ich will kein…” usw. muss man in der Klinik öfter sagen, das nervt). Allerdings sagt mein Verstand, dass Komplikationen eine reale Gefahr sind und dass ich eine Fachfrau (sprich: Hebamme) dabei haben will, die handelt, wenn handeln nötig wird. Das, was ich grade schreibe, entspricht wohl einem Hebammengeleiteten Kreissaal, einem Geburtshaus oder möglicherweise auch noch einer Klinikgeburt mit Beleghebamme. Blöd nur, dass von den drei Möglichkeiten in den meisten Regionen maximal eine zur Verfügung steht. Diese “Kombis” aus ungestörtem Geburtsverlauf und medizinischer Versorgung nur für den Notfall sollten zum Geburtshilflichen Normalfall werden.

    Antworten
  8. Esther
    Esther sagt:

    Was sag ich jetzt dazu?
    Neulich das Verhalten des Klinikpersonals nicht be- und verurteilen wollen. Nun lese ich beim Thema Alleingeburt doch einiges an Verurteilen heraus…
    Ja und irgendwie empfinde ich Wut. Denn aus den Zeilen spricht auch sehr viel Unkenntnis, die Alleingeburtsmütter die ich kenne, mich selbst eingeschlossen, haben Bücher gewälzt um sich auf diesen besonderen Tag vorzubereiten. Was an diesem besonderen Tag dann passiert ist eine Geburt die sich unter der wachen und achtsamen Seele einer werdenden Mutter abspielt. Die Verantwortung trägt man nur selbst und das lässt einen zur intuitiv weisen Höchstform auffahren, nicht zu vergleichen mit einer begleiteten Geburt. Nicht jede Frau braucht die Anwesenheit einer “Vertrauensperson”, ich habe meinen Vertrauenspersonen zum Geburtsbeginn Bescheid gegeben und die Kraft tragender Gedanken war genau das Richtige für mich.
    Die Katze bekommt ihr Kind allein und keiner hinterfragt es, ich bekomme meine Kinder in Zukunft auch nur noch allein. Ich glaube an die Mama Gaia in mir ;) Wobei dein Artikel doch den starken Wunsch in mir wachsen lässt dich zu meiner Alleingeburt mal einzuladen :D
    Ich glaube an die Mama Gaia in mir, und den starken Willen der Natur mich und mein Kind überleben zu lassen, verantwortungsvolles Handeln kann dann auch ein Anruf bei der Hebamme sein. Komplikationen hingegen entstehen doch meißt erst WEIL Personal dabei ist, da sind wir uns doch einig ;)

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Wow, noch eine!
      Also ich kann nur sagen: Ich beschäftige mich jetzt seid 18 Jahren Tag-täglich mit Geburten. Ich glaube, wie oben beschrieben an das, was Du vielleicht Mama Gaia nennst. Aber ich weiß auch, das es eine Schicksalskomponente gibt, die bei jeder Geburt eine Rolle spielt. Mal mehr, mal weniger, mal drastisch. Ich habe leider schon Frauen erlebt, die auch total in sich ruhten und kraftvoll und gar nicht ängstlich waren und die den Moment, wo plötzlich was pathologisch wurde nicht erkannt haben (ohne vorheriges rein-Fuschen).
      Ich finde nicht, dass ich Mariannes Verhalten verurteilt habe. Ich habe es hinterfragt und auch kritisiert. Und ja, ich denke sie hatte Glück. Wie die Meisten, die das machen Glück haben werden. Nur eben nicht alle. Und deshalb plädiere ich dafür das eben anders zu machen. That’s all!
      Ach so, wenn Du mich zu Deiner Alleingeburt einlädst, ist es keine mehr. ;-)
      Liebe Grüße
      J

      Antworten
  9. Astrid
    Astrid sagt:

    Alter Schwede, das ist echt mal ne (toll)kühne Aktion. Glückwunsch zum schönen Geburtserlebnis! Auch wenn alles gut gegangen ist, lädt das für mich aber nicht zur Nachahmung ein. Ich habe in einem hebammengeleiteten Kreißsaal entbunden: zwar war es eine sehr schwere Geburt, so dass fast das ganze Repertoire an ärztlicher Geburtshilfe zum Einsatz kam, aber dominiert haben das Geschehen ganz klar die großartigen Hebammen (am Schluss waren es 2 gleichzeitig und noch eine Schülerin), die Ärztin hat sich brav im Hintergrund gehalten und nur im Notfall eingegriffen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass irgendetwas über meinen Kopf hinweg entschieden worden wäre und kann diese Option nur jedem (der sie denn auch hat, gibt diese Kreißsäle ja leider nicht überall) empfehlen.

    Antworten
  10. Marianne
    Marianne sagt:

    ach, ich freu mich! Es geht ein bißchen heiß her und ich muss grinsen, wenn ich all diese Emotionen, die da schon stehen auf mich einwirken lasse.
    Ich bin dankbar dafür, daß die Diskussion so ehrlich und einfühlsam ist, so auf Respekt bedacht.
    Ich finde es gut, daß darüber geredet wird. Ich finde es gut, daß es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt.
    Vielleicht sollte ich noch dazusagen, daß ich 23 war, als ich mein Kind bekam, in körperlich bester Verfassung. Soweit ich weiß, enstehen viele Risiken auch durch Stress (nicht nur, ich weiß). Schon während und vor der Schwangerschaft. Davon hatte ich null (wenn man mal die Diplomprüfung außer acht lässt, die ich irgendwie trotz unendlicher Müdigkeit mit Bravour abgelegt habe, um dann die restlichen 6 Monate einfach auf meinen Bauch zu hören).
    Ich bin mir dessen bewusst, daß ich eine Traumschwangerschaft hatte, keine Übelkeit, keine Ödeme, keine Hitzewallungen,keine rasante Gewichtszunahme, nix. Ich hatte erst Frühling, dann Monsun, dann Sommer – und in Europa dann wieder Frühling. Keine lästigen Kleider, immer ein natürliches Gewässer parat zum entspannen. Meiner Arbeit (ich schrieb an einer Oper) ging ich nach, wann es mir passte, sonst machte ich Musik, aß, schlaf, liebte, schwamm, genoss es.
    Ich weiß, daß das eine grundsätzlich andere Grundsituation ist, als es die meisten Frauen haben, die ein Kind unterm Herzen tragen. Und ich habe sie bewusst gewählt.
    Ich weiß nicht, wie ich mich beim nächsten Mal verhalten werde. Denn es handelte sich hier um mich in diesem Moment und um dieses Kind. Jede dieser Beziehungen ist Einzigartig und verlangt eine einzigartige Atmosphäre. Vielleicht möchte das nächste Kind ja im Krankenhaus zur Welt kommen. Es wird es mir dann schon sagen, so wie dieses Kind mich hat wissen lassen, daß es nicht in Europa und ohne Hilfe kommen möchte.
    Ich kann mich erinnern, daß das Gebären mich so erfüllt hat, daß ich lange noch mit dem Gedanken spielte eine Hebammenausbildung zu machen (nicht, um den Frauen einzureden, sie sollen alles immer allein machen, nein, natürlich nicht – ich bin vielleicht ein wenig verrückt, aber nicht wahnsinnig)

    Mit liebem Gruß
    Marianne

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Marianne, schön das Du Dich bei Deinem Bericht auch noch mal zu Wort meldest. Ich find’s auch sehr toll, dass die Kommentare so respektvoll sind und eher nachdenklich als urteilend. Spannende Ansichten sind auf jeden Fall dabei. Noch mal Danke für den Grundstein für diese Diskussion.
      Alles Liebe!

      Antworten
  11. Marianne
    Marianne sagt:

    und ganz kurz noch zu 50/50 Junge Mädchen: bereits nach ein paar Woche “wusste” ich, daß es ein Junge wird. Adrien auch, wir haben es unabhängig voneinander “herausgefunden”. Die einzigen, die dachten, es werde ein Mädchen waren die 4 werdenden Großeltern, der gesamte Rest, das heißt ALLE anderen waren sich einig, das wird ein Junge. Und was für einer :)

    Antworten
  12. Laura
    Laura sagt:

    Ich kann den Wunsch nach einer Alleingeburt schon verstehen und bewundere es, wenn Frauen so eine innere Sicherheit mit sich tragen. Mir wäre jedoch das Risiko viel zu groß, dass etwas schief gehen könnte. Meine Tochter ist in einer Klinik geboren, es war eine Katastrophe. Eine total genervte Hebamme, die die Rufbereitschaft nicht hinzugerufen hat, weil deren Sohn krank war. Drei Geburten parallel! Dass man so etwas überhaupt darf.
    Irgendwann habe ich zu meinem Mann gesagt: “Die Hebamme kommt eh nur alle Jubeljahre mal, wir machen das jetzt alleine”. Die PDA wurde mir gelegt, damit ich ruhig bin, dabei habe ich gespürt, dass es einfach ernst wird. Wie kann es sein, dass eine Hebamme nur alle Stunde mal reinguckt, weil sie eben gerade andere Babys entbindet und vor dem setzen einer PDA nicht noch einmal den Muttermund untersucht!? Die PDA kam so zustande: “Nebenan legen wir ne PDA, sie kriegen jetzt auch eine, dann sind sie ruhiger”. Ich ärgere mich noch immer in Grund und Boden, dass ich die Einwilligung dafür im Voraus unterschrieben hatte. Und dass ich da schon so desillusioniert war, dass mir jemand mal hilft, mich anschaut, mit mir spricht, dass ich einfach nur noch habe machen lassen. Aus Verzweiflung. Wir mussten mehrfach laut rufen, damit überhaupt jemand kam, als es dann wirklich los ging und wir doch nochmal Unterstützung brauchten. Kommentar der Hebamme: “Oh Mist.” Das war sehr kurz nach der PDA, ich habe einfach den enormen Druck von dem Köpfchen zwischen den Beinen gespürt. “Oh Mist” – kein so aufmunternder Kommentar.
    Meine Tochter ist mit einem schweren Herzfehler auf die Welt gekommen, das wussten wir im Vorfeld nicht. Die Hebamme hat uns mit dem wimmernden Baby alleine gelassen, dass die Augen nicht richtig öffnete. Wir mussten wieder mehrfach laut rufen, um zu sagen, dass wir das GEfühl haben irgendwas stimmt nicht. Zurückgebrüll aus dem Nebenkreissaal: “Legen sie sie halt mal richtig an”. Ich wusste gar nicht wie das geht, ich habe mir sorgen gemacht, gezittert, geweint. Eine Krankenschwester, die uns dann zurück auf STation verlegen wollte, hat sofortr gemerkt das etwas nicht stimmt. Und meine Tochter in die Kinderklinik verlegen lassen.
    Meine Tochter ist jetzt fünf, und ich bin noch immer sehr sauer, wenn ich an die Hebamme denke. Ich denke, ich habe einfach Pech gehabt. Und ich bin im nachhinein sehr stolz auf mich, denn die wenigen halbherzigen Bemühungen der Hebamme hätten wir im Endeffekt nicht gebraucht. Schon gar nicht die PDA. Was mein Mann und ich geleistet haben, war groß. Trotzdem würde ich bei der nächsten Geburt dem Krankenhauspersonal die Hölle heiß machen, würde man so mit mir umgehen. Und ich würde wieder in die Klinik gehen, denn es kann immer etwas sein: das weiß man einfach nicht. Dennoch darf man nicht vergessen, wie ausgeliefert Frauen in dieser sensiblen Situation dem Personal sind. Mein zweites Kind wird nur mit Beleghebamme geboren werden, jemand, dem ich richtig vertrauen kann. Aber in der Klinik, das steht fest.

    Antworten
    • Katharina
      Katharina sagt:

      Dieser Bericht macht mich echt sprachlos. Mag sein, dass viel los war etc., aber so ein Umgang mit euch ist m.E. ein absolutes No-Go!!!!! Ich hoffe, eure Tochter ist gesund?!

      Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Oh man Laura, das ist echt furchtbar gelaufen. Und auch wenn das echt unentschuldbar ist, muss da wohl die Hölle los gewesen sein. Viele Frauen + wenig Personal = keine gute Betreuung. Aber bei allem Stress, das darf nicht sein! Ich wünschte die Geburtshilfe würde besser ausgebaut werden (Hebammengeleitete Kreißsäale und Möglichkeiten für Hebammen freiberuflich in der Haus- und Geburtshausgeburtshilfe zu arbeiten) statt eingestampft, wie das momentan aller Orten passiert.Ich hoffe bei Deinem nächsten Kind gibt es noch Beleghebammen und Du erlebst eine gute Geburt.
      Alles Liebe!

      Antworten
  13. Katharina
    Katharina sagt:

    Hi, ich habe im Krankenhaus entbunden – für mich kam nur das in Frage und ich würde nie einen anderen Ort wählen. Dort wird der Zustand des Babys überwacht, dort kann im Notfall ein Kaiserschnitt erfolgen. Ich bin für das kleine Wesen verantwortlich, da hätte ich es mir nie verziehen, wenn ihm etwas zugestoßen wäre, nur weil ich mit der Apperatemedizin nicht einverstanden bin. Die Geburt ist natürlich ein wichtiges einschneidendes Ereignis, vergleichen mit den hoffentlich über 90 gesunden Jahren meines Kleinen aber in keinem Verhältnis.

    Antworten
  14. Anna
    Anna sagt:

    Hallo Jana

    Mir schwirren folgende Gedanken zu dem Thema durch den Kopf. Habe sie jetzt mal ganz unsortiert aufgeschrieben.

    1. Ist eine Alleingeburt verantwortungslos oder zeugt es nicht viel mehr von einer grossen Selbstverantwortung sein Kind allein( ohne Hebamme) zu gebären?

    2. Wo beginnt die Verantwortung der Gesellschaft für ein Kind und wann endet die Verantwortung der Frau für ihr Kind? Schliesslich darf die Frau auch bis zur 12.Woche abtreiben(Paragraph 218)..

    3. Klar kann man sein Kind selbstbestimmt in der Klinik zur Welt bringen, aber es bedarf doch einer erheblichen Kenntnis der Vorgänge um beurteilen zu können ob eine Intervention nun wirklich notwendig ist oder nicht eher die Zeit und die Finanzen der Klinik eine Rolle bei der Geburtsleitung spielen..

    4. In der nahen Zukunft wird es noch sehr häufig zu (unfreiwilligen) Alleingeburten kommen, da die Frauen nicht mehr die Möglichkeit der freien Wahl des Geburtsortes haben werden. Warum das Thema nicht einfach mal andersrum angehen und Frauen darüber informieren was im Falle einer Alleingeburt zu tun ist, wen sie benachrichtigen müssen, wie sie Vorkehrungen treffen können, was sie zu Hause haben sollten, anstatt ihnen die Kompetenz abzusprechen, ein Kind auch alleine zu bekommen…?

    5. Sind Hebammen bei Geburten denn wirklich unabdingar wichtig? Ich bin selbst Hebamme und habe sowohl in der klinischen als auch außerklinischen Geburtshilfe gearbeitet. Ich habe auch drei Kinder bekommen und ja, es war bei dem ersten Kind noch beruhigend, daß sie dabei waren, aber schon beim zweiten fühlte ich mich irgendwie gestört von der Hebamme. Sie war mir gleichgültig. Erst bei der dritten Geburt hatte ich eine Hebamme,die wirklich genau richtig war. Sie war schon älter, hatte selber Kinder geboren und nahm sich so zurück wie es Michel Odent immer beschreibt: Eine Hebamme sollte während der Geburt in der Ecke sitzen und stricken und die Frau weitestgehend in Ruhe machen lassen. Und auch Hebammen sind nur Menschen und können Fehler machen, oder? Das Bauchgefühl einer psychisch gesunden Frau kann ggf. ein noch genauerer Indikator für drohende Gefahren sein, als eine evtl. übernächtigte Beleghebamme, die kurz vorm Burn-Out steht… just thinkin’;-)

    5. Sollten Hebammen nicht eher die Aufgabe übernehmen die Frau in ihrem Urvertrauen und Selbstbewusstsein zu stärken, ihr quasi das Handwerkszeug an die Hand geben, daß sie wirklich aus eigener Kraft gebären kann?

    6. Ich finde es irgendwie sehr natürlich ein Kind alleine bekommen zu wollen. Wir sind nun mal Säugetiere und die haben es auch nicht so gerne wenn man ihnen dabei zuschaut..

    Wie gesagt, nur ein Haufen Gedanken zu einem höchst interessanten Thema. Schön, daß Du ihm eine Plattform bietest.

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Anna, Deine Gedanken sind total interessant und mir gar nicht fremd.
      zu1: nein, finde ich nicht. Ich glaube einfach, dass man sich nicht selbst helfen kann, bei Blutungen zB.
      zu2: Ja, das ist paradox. Zumal das mit der 12.Woche ja nur relativ ist. Mit einer Indikation jeglicher Art geht das ja sogar noch bis in ein Schwangerschaftsalter, in dem das Baby lebensfähig wäre. Hier steht ja ganz eindeutig das Wohlbefinden der Mutter an erster Stelle.
      Ich denke übrigens auch nicht “nur” ans Kind, wenn ich gegen die Alleingeburt argumentiere.
      zu3: Es gibt ja andere Möglichkeiten neben der Klinik.
      zu4: Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wenn es soweit ist, denke ich darüber nach.
      zu5: Ja! Dafür bin ich zu 100%.
      zu6: Es gibt viele Säugetiere wo die Verwandten dabei sind und sogar helfen. Schon mal eine Elefantengeburt gesehen? ;-)

      Ich finde den Gedankenaustausch auch ganz toll und kann mich nur Marianne anschließen, die sagte: Toll das hier so wertschätzend darüber gesprochen wird. Danke dafür!

      Antworten
  15. Freya
    Freya sagt:

    Ich finde es einfach sehr schön und sehr menschlich, dass du diesen Bericht mit uns geteilt hast. Und auch dass du ganz offen auf deine Befangenheiten eingehst. Wie leicht wäre es, dem Thema einfach generell ablehnend gegenüber zu stehen.
    Was dich befangen macht, ist dein großes Verantwortungsbewusstsein für gebärende Frauen. Und das im Allgemeinen, nicht nur für die jenigen, deren Geburten zu tatsächlich begleitest. Und das vermute ich aus dem Text, ich möchte mir nicht herausnehmen dich zu kennen :).

    Ich kann nur ernahnen wie viele Geburten zu mit erlebt hast. Wie oft du eingegriffen hast, wie oft alles wunderbar lief, wie einzigartig jede einzelne davon war.
    Letztendlich geht es wohl immer darum, was einem Menschen die größte Entspannung gibt. Für viele ist das mittlerweile die Hausgeburt, oder Geburt im Geburtshaus mit einer warmherzigen, kompenten Hebamme und allen Möglichkeiten zum Eingriff in Kriesenfällen. Es gibt da kein richtig und kein falsch, schon gar nicht aus ideologischen Gründen, oder wegen der Theorie, die so logisch ist.
    Es gibt aber auch Menschen, für die Medizin keine Sicherheit darstellt, sondern Gefahr. Oder so tief und sicher über sich Bescheid wissen und so ehrlich mit sich sind, dass sie sich auf ihre Gefühle verlassen können. Das kann wohl kein anderer nachvollziehen. Schon gar nicht, da es so viele gibt, die sich eben nicht auf diese Art können (woran nichts falsch ist) und dieselben Phrasen verwenden. Und man neigt schnell die eigenen tief verankerten Gefühle und Ängste auf andere zu übertragen. Auch daran ist nichts schlimm. Im Leben werden immer die richtigen, passenden Menschen aufeinander treffen. Um sich gegenseitig zu stützen, oder zu testen und daran zu wachsen. Dabei darfs auch mal ordentlich knallen.

    Ich sehe das für mich auf eine recht pragmatische Art. Geburt ist lange nicht so komplikationsreich, wie es im Gemeinschaftsbewusstsein verankert ist. Natürlich kann immer etwas passieren. So läuft das mit Resonanz. Genauso wie immer ein Autounfall passieren kann. Und es ist jeden selbst überallen wie er damit umgeht. Ob man ankämpft und gewinnt, oder verliert. Oder ob man es aktzeptiert, ehrlich, oder nicht.
    Ich kann das tiefe Gefühl von Frauen bei der Geburt niemanden dabei haben zu wollen, sehr gut nachvollziehen. Das heißt nicht dass es für jeden was ist. Und da in diesen Zustand ganz besondere Hirnwellen laufen, kommen während der Geburt auch die wahren Gefühle zu Tage. Deswegen ist es wichtig denen gefolgt zu sein. Sonst gibts nämlich Stress…und Angst. Und das ist nie gut.
    Ich bräuchte schon eine ganz besondere Hebamme. Ich sage nicht dass es sie nicht gibt. Die Zukunft wird zeigen, ob ich mich auf die Suche nach ihr machen werde und ob ich sie finde. Mal davon abgesehen, dass das Thema Hausgeburt in Zukunft wohl ein problematisches sein wird.

    Ich finde es schön, wie ehrlich und menschlich du hier warst. Dass du eine so respektvolle Waage findest, zwischen Bedenken und Akzeptanz.
    Für viele Frauen ist deine tief empfundene Achtsamkeit bestimmt genau das was sie brauchen. Es ist schön, dass so viele wie du Frauen in den Stand der Hebamme gefunden haben.

    Ich muss allerdings ehrlich sagen, dass ich mich von dir wahrscheinlich nie ganz akzeptiert und angenommen fühlen würde. Mir fehlt da ein bisschen das Gefühl von Vertrauen. Und ich hätte das Gefühl immer ein wenig von mir verteidigen müssten.
    Das meine ich nicht kritisierend, sondern eher als Erklärung, wieso ich mich in Zukunft, sollte ich je ein Kind zu Welt bringen, nicht mit einer Hebamme sehe. Denn nach dieser fundierten Ausbildung und nach unausweichlich viel gesehenen Komplikationen, muss man das ja fast so fühlen, wenn einem die werdenden Mütter und die Babys am Herzen liegen. Deswegen will ich gar nicht kritiesieren!!!! Im Gegenteil. In jedem deiner Worte merkt man immer dein Herz und deinen Verstand. Und das ist wunderbar, find ich.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Freya, vielen Dank für Deine lieben Worte! Ich bin wirklich ganz gerührt und fühle mich ein bisschen “erkannt”. :-)
      Ich hatte auch eine Hausgeburt. Meine Hebamme saß in der Ecke und las ein Buch. Sie hat mir ein, zwei Mal einen Vorschlag gemacht a la: Möchtest Du jetzt vielleicht in die Badewanne? Möchtest Du einen Fruchteiswürfel zum lutschen. Sonst nicht viel. Und es war eine wundervolle Geburt. Ich habe keine große Angst vor Komplikationen. Geburten sind meist gar nicht so spektakulär, wie man denkt (emotional gesehen natürlich schon!). Ich denke halt, man sollte den Sicherheitsgurt benutzen, auch wenn man der beste Autofahrer ist, manchmal ist die Fahrbahn plötzlich doch rutschiger als man denkt. Ich glaube man fährt damit nicht schlechter.
      Aber ich freue mich wirklich sehr über den tollen Gedankenaustausch! Ich kann vieles davon sehr gut nachvollziehen.
      Vielen Dank dafür.

      Antworten
  16. Anne
    Anne sagt:

    Ich kann den Wunsch nach Autonomie durchaus verstehen und habe selbst vor meinen beiden Geburten mit meinem Mann gerungen. Er wollte lieber ins Krankenhaus, ich ins Geburtshaus, bei zweiten Mal habe ich sogar über Hausgeburt nachgedacht. Seine Ängste waren so unüberwindlich, dass ich schließlich nachgab. Die zweite Geburt haben wir, trotz Krankenhaus, ohne Medikamente oder medizinisches Eingreifen geschafft. Wir waren beide überglücklich und ein wenig stolz.
    Dann, vier Stunden nach der Geburt hatte ich eine Uterusatonie und verlor innerhalb von Minuten ca. 1 Liter Blut . Das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist, dass mir ein wenig schwindlich war und ich geklingelt habe … Als ich wieder zu mir kam, hatte ich in jedem Arm eine Infusion und eine Menge Ärzte im Zimmer. Zu Hause, ohne Oxytocinspritze und Blutkonserve, hätte ich das möglicherweise nicht überlebt. Ich möchte damit niemanden schocken. Das ist relativ selten, zumal ich keinen der Risikofaktoren mitbrachte. Dennoch denke ich, jedes Paar sollte auch solche Risiken beim Geburtsplan mitbedenken.

    Antworten
    • Geli Mango
      Geli Mango sagt:

      Hallo!

      Es ist leider so, dass die Wahrscheinlichkeit für eine solche Blutung im Krankenhaus höher ist. Natürlich kann das auch bei einer Hausgeburt passieren, weswegen es gut ist, auf solche Fälle vorbereitet zu sein.
      Aber die Wahrscheinlichkeit ist im Krankenhaus signifikant höher, was wahrscheinlich mit den ganzen Eingriffen zusammenhängt, inklusive der Methoden, mit denen die Plazenta möglichst schnell rausbefördert werden soll.
      Das sind Informationen, die leider die wenigsten haben. :/

      http://www.biomedcentral.com/1471-2393/12/130

      Antworten
      • Polly
        Polly sagt:

        Bedauerlicherweise kann ich den englischen Text nicht lesen, daher meine Gedanken dazu hier ohne sie selbst überprüft zu haben.
        Wird dabei berücksichtigt, dass die gebärenden auf Grund von Risikofaktoren im KH entbunden haben? Ich lese immer wieder, dass die Statistiken in Geburtshäusern so gut sind, weil Hebammen kritische Fälle in KHs überweisen, daher ist es absolut vorhersehbar, dass im KH mehr Komplikationen auftreten.

        Antworten
        • Geli Mango
          Geli Mango sagt:

          Kein Ding. Also im Link steht, dass geplante Kaiserschnitte sowie Einleitungen nicht gezählt wurden, somit fallen viele Risikogruppen weg, ebenso wurden sämtlich Risikoschwangerschaften nicht gezählt.
          Es wurde in “geplante Hausgeburt” und “geplante Krankenhausgeburt” unterteilt, sodass all diejenigen, die eigentlich Zuhause gebähren wollten, aber dann doch verlegt wurden, dennoch in der Hausgeburtsgruppe blieben. Also ja, es wurde anscheinend soweit möglich berücksichtigt.

          Viele Grüße,
          Geli

          Antworten
        • Geli Mango
          Geli Mango sagt:

          Hier habe ich etwas deutsches gefunden:

          “Postpartale Blutungen (minus 38 Prozent), Infektionen (minus 61 Prozent) und eine Pyrexie (minus 55 Prozent) traten bei den Müttern, die zuhause entbunden wurden, sogar seltener auf als bei einer durch eine Hebamme geleitete Klinikgeburt. Wenn die Geburt von einem Arzt geleitet wurde, war der Unterschied sogar noch größer (minus 43 Prozent, minus 74 Prozent und minus 73 Prozent). ”
          (…)
          “Auch für die Kinder könnte die Hausgeburt weniger traumatisch gewesen sein: Sie mussten zu 77 Prozent seltener wiederbelebt werden und erhielten zu 63 Prozent seltener Sauerstoff in den ersten 24 Stunden. Offen ist, ob dies Folge einer schwereren Geburt in der Klinik war oder eine durch die leichte Verfügbarkeit induzierte Übertherapie.” http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37926/Geplante-Hausgeburt-so-sicher-wie-Entbindung-in-der-Klinik

          Antworten
      • Stefanie
        Stefanie sagt:

        Da ich einige Übung im lesen wissenschaftlicher Texte habe (aber nicht im medizinischen Bereich), kann ich eine kurze Zusammenfassung des Artikels geben, ohne Gewähr natürlich.
        Das Journal ist BMC – Pregnancy and Childbirth und hat einen impact factor von 2,15. Ich habe leider nirgendwo gefunden, ob es ein Journal mit Peer-Review ist, ob also ein Artikel vor Publikation von anderen Forschern aus dem selben Gebiet evaluiert wird. Der Artikel selbst wirkt auf mich sorgfältig und wissenschaftlich professionell.
        Die Autorinnen haben medizinische Daten von mehr als einer halben Million Geburten (im KKH und zuhause) ausgewertet und die jeweiligen Wahrscheinlichkeiten dafür, nach der Geburt plötzlich mehr als einen Liter Blut zu verlieren, ermittelt. Dabei wurden Risikoschwangerschaften, ungeplante Hausgeburten, Frühgeburten, geplante Kaiserschnitte und eingeleitete Geburten ausgeschlossen. Die Daten stammen aus England, von 15 verschiedenen KKHs. Wenn ich das richtig verstehe, wird die Vorsorge oder ein Teil davon in England grundsätzlich im KKH durchgeführt, unabhängig davon, wo man entbindet, und auch der Geburtsbericht einer Hausgeburt landet dann da.
        Dabei hat sich ergeben, dass für geplante Entbindungen im KKH die Wahrscheinlichkeit einer solchen Blutung um 2,5 Mal höher war als bei Frauen, die geplant hatten, zuhause zu entbinden. Dabei ist bereits berüchsichtigt, dass Erstgebärende ein höheres Risiko für Blutungen haben und häufiger ins KKH gehen (berücksichtig man diesen Punkt nicht, war die Wahrscheinlichkeit 2,7 Mal höher).
        Die Autorinnen diskutieren die Gründe für diese hohe Wahrscheinlichkeit, im KKH Blutungen zu bekommen nicht, erwähnen aber, dass es möglicherweise am Ablauf von Geburten im KKh liegen könnte und dass man da weiter forschen sollte.
        Für die Statistiker unter uns: Wahrscheinlichkeitsverhältnis 2,5; 95% Konfidenzintervall 1,7 bis 3,8. Das heißt auf deutsch, dass in 95% aller untersuchten Fälle der wahre Wert (sprich umwievielmal höher das Risiko für Blutungen jetzt ist) zwischen 1,7 und 3,8 lag.

        Antworten
      • Stefanie
        Stefanie sagt:

        kurzer Nachtrag: Das generelle Risiko, so eine Blutung zu kriegen, liegt bei 1%, ist also sehr, sehr klein. Sprich, bei einer von hunder Geburten tritt das auf. Und von etwa 7 Geburten mit Blutung hatten bei 5 davon die Frauen geplant im KKH entbunden und bei 2 zuhause.

        Antworten
        • Stefanie
          Stefanie sagt:

          Der letzte Satz stimmt allerdings nur, wenn man davon ausgeht, dass genausoviele Frauen im KKH entbunden haben wie zuhause (sometimes, statistics is a bitch.)

          Antworten
  17. Geli Mango
    Geli Mango sagt:

    Hallo!

    Auch ich habe eine unassistierte Geburt gemacht. Mein Sohn wurde auf dem Klo geboren. ;)
    (Der Geburtsbericht ist hier: http://familyliberation.blogspot.de/2013/11/geburtsbericht-uber-die-unassistierte.html )

    Anna und Freya sprechen mir schon sehr aus dem Herzen. Ich finde den Beruf der Hebamme sehr toll, habe ein kleines Praktikum dafür gemacht, und ich überlege mir, später einmal die Ausbildung zu machen und als Hebamme zu arbeiten.

    Aber leider musste ich sehr häufig feststellen, dass viele Frauen den Beruf nicht so leben, wie ich mir das wünschen würde. Wie Freya schrieb, hängt das wohl mit all dem, was Hebammen beginnend bei der Ausbildung und dann später im Berufsleben erleben müssen, zusammen. Nicht nur direkt die Geburten, sondern vor Allem Druck, Risiken, Stress, finanzielle Sorgen usw. Ich habe sehr viele Geburtsberichte gelesen, bewusst auch viele, bei denen etwas nicht gut lief, da ich das als einen wichtigen Teil meiner Selbst-Ausbildung sehe, und ich musste leider sehr oft feststellen, dass nicht nur Ärzt*innen, sondern auch Hebammen Geburten nicht nur unschön machten, sondern auch gefährlicher. Schließlich birgt jeder Eingriff sein eigenes Risiko. Geburtspläne und vorher gemachte Absprachen wurden ignoriert, und die Grenzen der Gebährenden regelmäßig überschritten. Meine Hebamme überschritt manche meiner Grenzen schon bei den Untersuchungen zuvor, und ich hatte somit Vertrauen verloren.

    Ich habe meine eigenen Risiken gewissenhaft abgewägt und bin dann zu der Entscheidung gekommen, dass für mich *persönlich* bei dieser Geburt eine unassistierte Geburt die sicherste Variante ist.
    (Ich hatte dabei ein gutes Sicherheitsnetz, worüber ich auf meinem Blog noch nicht geschrieben habe, aber ich denke, ich sollte das einmal tun. ;) )

    Ich denke, letztlich kommt es genau darauf an: Eine informierte, selbstbewusste und selbstbestimmte Entscheidung. Ich würde mir auch wünschen, dass es mehr positive Aufklärung zum Thema Alleingeburt gäbe. Und ich wünschte mir, dass jede Schwangere sich damit auseinandersetzen würde, nicht um unbedingt alleine zu gebähren, sondern weil diese intensive Vorbereitung auch bei einer assistierten Geburt sehr hilfreich ist für eine selbstbestimmte Geburt. Abgesehen davon, dass es immer, selbst im Krankenhaus, zu einer unfreiwilligen Alleingeburt kommen kann und somit die Beschäftigung damit Risiken senken kann. :)

    Viele Grüße,
    Geli

    Antworten
  18. Maria Potthoff
    Maria Potthoff sagt:

    Ich bin selber angehende Mutter und da berührt mich dein Blogpost schon sehr! Total interessant zu lesen. Bin selber noch unentschlossen wo und unter welchen Umständen meine Geburt stattfinden soll.
    Grüße aus Vals!

    Antworten
  19. Jana Friedrich
    Jana Friedrich sagt:

    Huhu, ich finde die Blutungsdiskussion hier total spannend und kenne auch die Studie. Das alles spricht ja für die von mir total geschätzte Hausgeburt! Aber wo ist der Clou hier für die Alleingeburt?
    Die jeweiligen Risiken für Schrecklichkeiten wie Blutungen, Eklampsieen, vorzeitige Plazentaablösungen, Gebärmutterrupturen sind gering und wahrscheinlich zu Hause noch geringer aber eben nicht ausgeschlossen. Will man in Kauf nehmen ihnen gegebenenfalls alleine entgegen zu treten, oder mit Fachfrau? Oder negiert man, das es dazu kommen kann? Das sind die Fragen, die mich hier beschäftigen.

    Und ich muss hier auch mal eine Lanze für die Kliniken brechen. Nicht automatisch ist eine Klinik der Feind für die selbstbestimmte/unberührte Geburt! Ich habe in der Klinik unglaublich viele wunderschöne (zum mitheulen schöne) Geburten erlebt. Wie oft habe ich nur Tee gekocht, Massageöle angereicht und nüscht gemacht. Wie oft bin ich raus gegangen und habe gesagt: Ihr macht das so toll, ich störe doch nur; ich lass euch mal allein. Klingelt einfach, wenn ich wieder kommen soll. Wie oft habe ich mich auch mit den Ärzten darüber verständigt, da einfach nichts zu tun, zu warten. Wie oft mich zusammen mit ihnen gefreut, dass alles so toll läuft… Frauen entbinden auch in Kliniken in allen möglichen Geburtspositionen, zu Wasser und zu Land und nehmen auch in Kliniken bei gedämpftem Licht ihre Babys mit ihren eigenen Händen entgegen, ohne unser Zutun.
    Das wird oft so dargestellt, als wenn in der Klinik nur alle Zugänge legen, Tröpfe hoch drehen und Messer wetzen möchten. Diesen Grundverdacht finde ich schon seltsam und kontraproduktiv.
    Das muss ich hier auch einfach mal sagen. Auch wenn es im Netz in den letzten Tagen natürlich durch den “Roses Revolution Day” viel um Gewalterfahrungen in der Geburtshilfe ging und ich diese auch gar nicht negieren will.
    Und auch das Argument Hebammen würden durch all die schlimmen Dinge, die sie in ihrer beruflichen Laufbahn sehen, Angst bekommen und daher gegen Alleingeburten argumentieren kann ich nicht so stehen lassen. Keine andere Berufsgruppe ist unter Hausgeburts-Müttern prozentual so oft vertreten, wie die Hebammen selbst. Sagt das nicht schon alles?

    Im Übrigen möchte ich mich bei euch allen noch mal für die großartig respektvollen Diskussionen hier bedanken. Auch wenn wir hier nicht alle die gleichen Ansichten haben, waren – zumindest für mich – hier unglaublich viele tolle Gedanken und Anregungen dabei.

    Antworten
  20. Jana
    Jana sagt:

    Wäre ich bei meiner ersten Geburt alleine gewesen, wäre ich jetzt eventuell tot. Obwohl man sich hinterher tatsächlich die Frage stellt, ob es ohne die ganzen Interventionen unter der Geburt auch zu den Komplikationen gekommen wäre? Denn sie scheinen durchaus zusammenzuhängen…
    Aber ganz ehrlich: ich werde es nie herausfinden, habe zwei tolle Kinder und “bebrüte “zur Zeit unsere Nummer drei. Die wären alle nicht zur Welt gekommen wäre ich damals gestorben. Dummerweise lehnt mich aber auch jedes Geburtshaus ab und mir bleibt nur die Klinik. Jetzt darf ich mir nicht mal mehr diese aussuchen.. Das geht deutlich in den Bereich Panikmache seitens der Ärzte. Fazit: eine Alleingeburt kommt für mich absolut nicht in Frage, aber ein wenig mehr Vertrauen in mich und meinen Körper fände ich sehr nett seitens der Ärzte und meiner Hebamme, die ich wirklich schätze.
    Sorry, ist ziemlich verworren der Text, aber das ganze Thema wühlt mich doch ziemlich auf.

    Antworten
      • Jana
        Jana sagt:

        Hallo Geli,
        entschuldige, ich habe Deine Antwort leider überlesen. Meine Geschichte ist nicht spektakulär und passiert tausendmal am Tag, denke ich. Ich hatte in der 41. Woche einen Blasensprung,wir sind ins Krankenhaus und natürlich haben keine Wehen eingesetzt. Nach den üblichen Maßnahmen (laufen, Treppe, Einlauf) wurde nach zwölf Stunden eingeleitet, indem eine “Kette ” mit Prostaglandinen vor den Muttermund gelegt wurde. Das führte zu einem Wehensturm, der nicht muttermundwirksam war, so dass man mich nach einigen sehr unschönen Stunden davon befreit hat. Irgendwann viel später setzten echte Wehen ein, und weil ich zu dem Zeitpunkt nach mehr als 24 Stunden kaputt war bekam ich eine PDA. Die leider nicht wirkte, wie außer dem Anästhesisten auch jeder bestätigte. Außerdem setzte bei mir Fieber ein und laut meinem Mann war ich auch eine ganze Weile nur noch körperlich anwesend. Mir selbst fehlen ca zwei Stunden in der Erinnerung. Geschlafen habe ich aber nicht, ich habe meinem Mann wohl immer geantwortet. Nach der zweiten Nacht hat man uns dann geholfen, weil die Herztöne schlecht wurden. Ende vom Lied: Mama presst, Papa drückt von hinten gegen, Hebamme liegt quer auf dem Bauch und die Saugglocke zieht von unten. Kind da. Zeit um auf die Plazenta zu warten hatte man wohl nicht, es wurde dran gezogen. Um dann in wilde Hektik auszubrechen, Mann und Baby rauszuschicken, mich flachzulegen und anzubrüllen ich würde bluten wie ein Schwein, was das denn bitte solle?!
        Letztendlich ist alles gutgegangen, wir waren zehn Tage im Krankenhaus und konnten dann gehen. Mein zweites Kind habe ich zwei Jahre später in einem kleinen Krankenhaus bekommen, die haben mich in Ruhe gelassen und ich habe selbst entschieden, in welcher Stellung ich grad sein mag und überhaupt. Dadurch war ich viel entspannter, brauchte keine Schmerzmittel und hatte eine schöne Geburt. Aber leider kam es auch dann zu einer Blutung. Keine Atonie wie vorher, aber doch zu stark um gehen zu können. Jetzt haben alle Angst, und rate mal, wo ich dieses Kind entbinden soll?? Richtig, in Krankenhaus Nr eins!

        Antworten
  21. Lena
    Lena sagt:

    Ich verstehe den Sinn einer Alleingeburt nicht. Den Wunsch nach Geborgenheit und sehr wohl dosiertem Eingreifen von anderen kann ich gut verstehen, trotzdem braucht man eben manchmal medizinische Hilfe.
    Mittlerweile kann man häufig Krebs und viele sonst tödlich endende Infektionen heilen. Die Lebenserwartung steigt nicht zuletzt wegen des medizinischen Fortschritts jährlich um ein Viertel Jahr an. Wir lassen uns gegen Tetanus impfen und sterben nicht mehr an Blinddarmentzündungen. Warum muss man gerade in einem nicht ganz ungefährlichen Moment auf sämtliche medizinische Hilfe verzichten?
    Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten, die zwischen medizinischer Maximalversorgung und Alleingeburt liegen, muss man da gleich das extremste wählen?
    Meine Tochter ist ambulant in einem Krankenhaus geboren. Die Geburt an sich war ok, weder besonders toll noch besonders schlimm. Das allerschönste und unvergesslichste ist aber dieses kleine gesunde Kind. Das hätte ich auf garkeinen Fall aufs Spiel setzen wollen nur um mir ein einzigartiges Alleingeburtserlebnis zu verschaffen. Vielleicht sollte man das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren: nach der Geburt eine unversehrte kleine Familie zu haben.
    Hebammen und Ärzte greifen doch nicht ins Geburtsgeschehen ein um einen zu ärgern, sondern um gefährliche Verläufe zu verhindern. Dass sie manchmal übervorsichtig sind und eingreifen obwohl es vielleicht noch nicht nötig wäre, muss man um die wirklich gefährlichen Verläufe abzuwenden in Kauf nehmen. Das ist mir das Leben meines kleinen Mädchens allemal Wert.

    Antworten
    • Geli Mango
      Geli Mango sagt:

      Ich kenne keine Frau, die sich für eine Alleingeburt entschieden hat, um ein “einzigartiges Alleingeburtserlebnis” zu haben. Das wäre ein wirklich sehr egoistisches Motiv. Nein, allen Frauen, die ich kenne, ging es um die Sicherheit. Eben diese unnötigen Eingriffe bergen sehr viele Risiken, die Mutter und Kind in Gefahr bringen können. Die U. S. A. ist da ein Beispiel: Dort wird sich noch einmal deutlich mehr in den Geburtsvorgang eingemischt als in Deutschland, und dort *steigt* trotz aller Modernität die Müttersterblichkeitsrate.

      Jede Frau kann Risiken abwägen und die für sie *persönlich* sicherste Entscheidung treffen. Manche Frauen hätten bei einer Geburtshaus- oder Hausgeburt viel zu viel Angst um sich ansatzweise zu entspannen. Und manch andere Frauen fühlen sich Zuhause und nur mit sehr zurückhaltender Assistenz am Sichersten. Ich gehöre zu letzteren und weiß aus Erfahrung, dass ich große Schwierigkeiten habe, mich zu entspannen. Ich weiß, dass meine Verspannung während der Geburt ein Risikofaktor wäre. Und somit habe ich die für mich persönlich sicherste Entscheidung getroffen: Eine Alleingeburt mit entsprechender Vorbereitung und mit Sicherheitsnetz.

      Antworten
      • Lena
        Lena sagt:

        Ich glaube ja auch, dass man bei einem unkomplizierten Geburtsverlauf nicht eingreifen sollte. Es läuft nur nicht alles immer wie es soll. Da sollte man wo auch immer eine Hebamme dabei haben. Gegen eine Hausgeburt oder eine Geburt im Geburtshaus spricht ja bei unkomplizierter Schwangerschaft nichts. Was macht man denn alleine bei einer Schulterdystokie? Einer Blutung? Einem Nabelschnurvorfall? Plazentaablösung? Das sind alles Sachen, die auch vollkommen unvorhergesehen passieren können und auch mit Hebamme einen echten Notfall darstellen. Ohne Hebamme hat man wohl kaum eine Chance da gut raus zu kommen.
        Was noch dazu kommt ist, dass im vorliegenden Geburtbericht wohl nichtmal irgendwelche Vorsorgeuntersuchungen stattgefunden haben. Was ist denn wenn man nach der Geburt feststellt, dass das Kind eine Fehlbildung wie einen Herzfehler oder Spina bifida hat? Wenn es in BEL liegt?
        Wenn man tatsächlich nicht in der Lage ist mit Hebamme zu entbinden ist ein geplanter Kaiserschnitt sicher die bessere Variante zumindest für die Gesundheit des Kindes.

        Antworten
        • Geli Mango
          Geli Mango sagt:

          Ich möchte darauf gerne Antworten, und ich habe mich entschieden, in Form eines ausführlicheren Blogposts zu antworten. Werde diesen dann hier verlinken, sobald er fertig ist.

          Antworten
  22. Rebecca
    Rebecca sagt:

    Eine Alleingeburt finde ich – im Wortsinn – todesmutig. Schon eine Geburt im Geburtshaus oder eine Hausgeburt würde ich persönlich einer schwangeren Freundin nicht empfehlen (trotzdem verurteile ich diesen Weg nicht). Und sicher nicht, weil ich Hebammen für unfähig halte oder glaube, dass viele Frauen nicht vielleicht sogar tatsächlich allein entbinden könnten. Weil wir unglaublich stark sind und für unsere Kinder zu fast allem fähig. Ich bin dafür, dass Hebammen bei der Geburt der Mutter zur Seite stehen und dass Ärzte nur im absoluten Notfall hinzugezogen werden.

    Wie immer, liegt es ganz an der eigenen, anekdotischen Evidenz, in welche Richtung man tendiert. Ich sage, aus der persönlichen Erfahrung: Wer ohne das schulmedizinische/chirurgische Sicherheitsnetz auskommen will, darf sich das Risiko nicht schönreden. Das Kind könnte (ohne Not) behindert zur Welt kommen, Mutter und Kind könnten sterben. Man muss bereit sein, im Zweifel solche Folgen auszuhalten, um eventuell ein wundervolles Geburtserlebnis zu bekommen. Risiko für Leib und Leben ist natürlich auch im Krankenhaus immer präsent, aber eben beträchtlich geringer. Und Vorsorge mag nerven und man mag sich oft wie ein Rind auf dem Viehmarkt fühlen, beim ständigen Vermessen, Wiegen und Pieksen. Aber ich hätte mir im Nachhinein gewünscht, noch ein bisschen genauer angeschaut zu werden:

    Ich war 21, fit und fühlte mich super, hatte laut Frauenärztin eine “Traumschwangerschaft”. Ich plante eine entspannte Wassergeburt (im Krankenhaus), wollte es ohne Schmerzmittel schaffen, hatte keine Angst sondern eher die sprichwörtliche “freudige Erwartung”. Bis zum Schluss waren alle Werte und Herztöne immer perfekt.
    Nur dass meine Plazenta wohl zuletzt kaum noch Nährstoffe lieferte, das Fruchtwasser trüb und mein Kind zwar fast normal groß aber viel zu dünn und schwach war, das hat keiner bemerkt. Es ist schwierig, das zu erkennen, wenn alles doch so perfekt scheint.
    Das Ende vom Lied war jedenfalls ein Notkaiserschnitt und selbst da hatte ich noch Glück. Der Quasi-Herzstillstand meines Kindes hätte ja auch beim nächtlichen “Wehenspaziergang” im Flur schon eintreten können und nicht erst Minuten später, als die Hebamme die miesen Werte vom CTG ablas. Dass sie sofort alle Ärzte aus dem Bett klingelte und keine Sekunde gefackelt hat – dafür danke ich dieser Frau für immer. Ohne diese schnelle Hilfe wäre zumindest mein Kind wohl gestorben; ob ich es irgendwo in der Pampa überlebt hätte? Keine Ahnung.

    Ich habe schon – nicht auf meinen Fall bezogen – das Argument gehört: Wenn das Kind zu schwach für die Geburt ist, dann hat es eben nicht sollen sein. Man müsse der Natur ihren Lauf lassen. Das lasse ich nicht gelten, wenn ich mir meinen aufgeweckten, gesunden und völlig normal entwickelten Vierjährigen heute anschaue, der leider nur für die Strapazen der Geburt nicht stark genug gewesen wäre.

    Vor einer Woche habe ich Baby Nummer Drei entbunden, wieder per Kaiserschnitt. Nein, Traumgeburten hatte ich nie. Prägend ja, aber mein Vertrauen in meine Mutterkraft rührt aus anderen Momenten.

    Antworten
    • Geli Mango
      Geli Mango sagt:

      Hallo!

      Woher stammen die Informationen, dass Haus- und Geburtshausgeburten höhere Risiken hätten? Das Gegenteil ist nämlich der Fall. Todesfälle kommen in etwa gleich selten/häufig vor, andere Risiken sind sogar geringer:

      “Postpartale Blutungen (minus 38 Prozent), Infektionen (minus 61 Prozent) und eine Pyrexie (minus 55 Prozent) traten bei den Müttern, die zuhause entbunden wurden, sogar seltener auf als bei einer durch eine Hebamme geleitete Klinikgeburt. Wenn die Geburt von einem Arzt geleitet wurde, war der Unterschied sogar noch größer (minus 43 Prozent, minus 74 Prozent und minus 73 Prozent). ”
      (…)
      “Auch für die Kinder könnte die Hausgeburt weniger traumatisch gewesen sein: Sie mussten zu 77 Prozent seltener wiederbelebt werden und erhielten zu 63 Prozent seltener Sauerstoff in den ersten 24 Stunden. Offen ist, ob dies Folge einer schwereren Geburt in der Klinik war oder eine durch die leichte Verfügbarkeit induzierte Übertherapie.” http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37926/Geplante-Hausgeburt-so-sicher-wie-Entbindung-in-der-Klinik

      Bzgl. (geplanter, nicht-religiös-motivierter, Schulmedizin nicht komplett verweigernder) Alleingeburt gibt es soweit ich weiß leider tatsächlich keine Studien. Aber die Verbreitung von Falschinformationen über Hausgeburt und Geburtshausgeburten an sich beeinflusst Frauen in ihren Entscheidungen, macht ihnen Angst und ist somit doch eine Verurteilung. Verurteilung zu einer unselbstbestimmten Geburt.

      Es tut mir Leid, dass du das erlebt hast und dass Leute solche unsensiblen Kommentare äußern wie in deinem vorletzten Absatz.

      Mich interessiert der Ablauf, da Geburt und alles drumherum ein mir wichtiges Thema ist. Ich weiß nicht, ob du im Detail darüber sprechen möchtest, aber falls doch, würde mich interessieren, wie das mit dem Fruchtwasser war. Also das Fruchtwasser war nach Blasensprung trüb? Oder war es auf dem Ultraschall trüb? Und was meinst du mit Quasi-Herzstillstand? Sind die Herztöne stark abgesunken? Und du warst wo bei der Geburt? Das konnte ich jetzt nicht herauslesen.. Danke!

      Antworten
  23. Juliana
    Juliana sagt:

    Hallo Jana,

    einen wirklich tollen Blog hast du da und viele Dinge, die du schreibst würde ich auch sofort unterschreiben. Was die Alleingeburt betrifft sind wir allerdings unterschiedlicher Meinung und ich würde dir gerne meine Sicht der Dinge darlegen:

    Meine Vorgeschichte: Ich habe 3 Kinder spontan per hebammenbetreuter Hausgeburt geboren. Der der Geburt des dritten Kindes hat meine Hebamme gar nichts mehr machen müssen und war einfach nur “anwesend”. Dann hörte sie auf HGs zu betreuen und ich wurde mit meinem vierten Kind schwanger. Nun… auf eine langwierige Hebammensucherei hatte ich keine Lust, da ich doch eh bereits drei Geburten alleine gemeistert hatte. So nahm ich einfach ganz normal Vorsorge bei der Hebamme in Anspruch, bekam 2013 per wunderschöner Alleingeburt eine kerngesunde Tochter und war sehr zufrieden mit dieser Entscheidung. Übrigens hab ich auch keinen einzigen FA Termin in der kompletten SS wahrgenommen. Dies war nicht nötig, da die Hebamme kompetent alle Untersuchungen gemacht hat und ich kein Bedürfnis nach einem US hatte. Kurz darauf wurde ich wieder schwanger und da stand die Entscheidung fest: Alleingeburt ohne wenn und aber. Ich war perfekt vorbereitet, wälze ich doch schon seit Jahren Bücher über Geburten und fühle mich sehr gut informiert. Erst sehr spät entdeckte meine Hebamme, dass ich Zwillinge erwartete. So führte mich der Weg zwei Mal zu einer Frauenärztin, die die Babys schallte und auch aus ihrer Seite ein OK für eine Hausgeburt gab. Warum auch nicht? Die Kinder beide kerngesund, die Schwangere ebenso. Ich suchte mir aufgrund des Risikofaktors “Mehrlingsschwangerschaft” zwei Hebammen, die dies gemeinschaftlich betreuen wollten. Bei diesen Hebammen nahm ich nun die Vorsorge in Anspruch. Ende November 2014 erblickten dann meine beiden Zwillingstöchter im heimischen Wohnzimmer das Licht der Welt – die Hebammen kamen erst nach der Geburt – gerade noch rechtzeitig zur Geburt der Plazenten. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass mein Mann Kinderarzt ist und ich so immer einen kundigen Fachmann im Hintergrund hatte aber das war überhaupt nicht nötig. Souverän habe ich die Geburtsarbeit gemeistert und ich bin keinerlei Risiken wie ich finde eingegangen. Wir wohnen allerhöchstens 5 Minuten von der nächsten Klinik entfernt (mit Kreißsaal, OP und allem drum und dran) und ich kenne mich unter der Geburt da dies mein füntes und sechstes Kind war.
    Die Hebammen untersuchten nach der Geburt die Plazenten, führten die U1 an den Babys durch und untersuchten kurz mich. Fazit: Nicht einmal minimal gerissen, Babys beide fit, alles top!
    Ich persönlich kenne mehrere Frauen die per Alleingeburt geboren haben, so selten ist das gar nicht. Ich hatte einfach den Wunsch selbstbestimmt und alleine zu gebären und da war kein unbewältigtes Trauma im Hintergrund oder Angst. Nein, da war einfach das Wissen “Ich schaffe das alleine, ich bin stark” und der Wunsch alleine zu gebären. Und ich finde es hat sich gelohnt. Zu Jasmins Kommentar muss ich sagen, dass ich nicht der Meinung bin, dass der Staat oder die Gesellschaft eingreifen sollte wenn eine Frau nie zum Gynäkologen in der SS geht. Meiner Meinung nach ist dies ein Freiheitseingriff. Jede Frau sollte selbst entscheiden dürfen welche Untersuchungen sie von wem wann und wieso durchführen lässt. Ein Großteil dieser Untersuchungen ist für eine gesunde und normale Gebärende völlig irrelevant.

    Mein Geburtsbericht ist übrigens unter http://www.hausgeburtsforum.de zu finden. Ebenso wie viele wunderbare Geburtsberichte, Mutmachgeschichten und sehr kompetente, erfahrene Frauen, die immer einen Tipp auf Lager haben.

    Also nochmal großen Lob an den tollen Blog und schöne Grüße aus Oberbayern
    Juliana

    Antworten
  24. Juli
    Juli sagt:

    …und noch eine. Auch ich habe mein zweites Kind “allein”(mit Mann, Freundin und zeitweise 1. Kind) geboren.
    Mein Backup waren eine Hausgeburtshebamme, die ich jederzeit hätte dazu rufen können und ein Level1-Perinatalzentrum in 15 Min Entfernung.

    Mir war es, besonders nach einer unangenehmen ersten Geburt, total wichtig ungestört zu sein. Selbst jemand, der nur dabei sitzt hätte mich massiv gestört. Schöner Vergleich: Stellt euch mal vor, medizinisches Fachpersonal möchte euch beim Sex “zur zuschauen”. Sie würden auch nur eingreifen, wenn “es nötig wird”(aus ihrer Sicht natürlich).
    Auch wenn sich manches absprechen lässt, wäre hier rein praktisch keine Hebamme bereit gewesen mich in Ruhe zu lassen. Hin und wieder Gefummel am Bauch (aka Herztonkontrolle) und Bauch drücken (aka abtasten) hätte ich mindestens hin nehmen müssen für die Geburtsbegleitung.

    Selbst für die Möglichkeit eine Hebamme dazu zu rufen, musste ich mich (und mein Kind) abtasten und abhören lassen. Die Hebamme wollte sich Absichern, nicht zu einer Beckenendlagengeburt gerufen zu werden.

    Ich kann es aus Hebammensicht gut verstehen, dass manche Untersuchungen gemacht werden “müssen” um sich rechtlich abzusichern. Das verhindert leider individuelle Absprachen in vielen Fällen. Genauso wie betreute Hausgeburten immer schwieriger werden. Wenn nur noch die Wahl zwischen Klinik und Alleingeburt bleibt, werden Alleingeburten bestimmt häufiger werden.
    Schöner wäre natürlich eine echte Freiheit mit vielen Optionen dazwischen, aber politisch ist das leider nicht gewollt.

    Antworten
  25. Zara
    Zara sagt:

    Ich finde den Bericht und die Diskussion dazu sehr interessant.

    Ich selber habe eien Hausgeburt und danach drei Alleingeburten erleben dürfen. Eine Alleingeburt ist etwas ganz anderes, es setzt ganz andere Kräfte frei, und man erlebt die Geburt und sich selbst sehr intensiv.

    bei der heutigen Überindustralisierung und Übermodernisierung sehnen sich viele Frauen zurück zum Ursprung, sowie Naturvölker.
    Ob dieser bewusste Verzicht auf medizinische Absicherung wirklich vernüftigt ist, will ich nicht beurteilen.
    Wenn man sein Kind alleine bekommt in Europa kann man ja immernoch die Ambulanz anrufen, aber in Indien? Oder wo ich wohne, in Afrika.
    Meine Entscheidung meine Kinder zu Hause zu bekommen, ganz alleine war weniger ein Wunsch von einer Reise zu mir selbst, sondern eine sorgfältige Abwägung von Vor-und Nachteilen.
    Ich hatte die Wahl in ein KH zu gehen, wo Mehrere Gebärende in einem Raum zusammen die Kinder bekommen, wo blutige Laken, wo aggressive Hebammen, die Kinder schlagen und auch mal auf den Bauch der Gebärenden springen, um das Kind “raus zu drücken”, wo dass Kind sofort nach der Geburt geimpft und wo man brav im Bett liegen muss, sonst kriegt man auch schon mal eine Backpfeife.
    Die andere Wahl wäre eine teure privat Klinik, mit etwas netterem Personal und 99% Kaiserschnittrate.

    Hausgeburtshebammen gibt es nicht.
    Was sollte ich also tun? Ich entschied mich für eine alleingeburt mit dem Wissen, wenn etwas schief geht, dann muss ein Wunder passieren, denn hier kann ich nicht eben die Ambulanz anrufen. Gott sei Dank ist alles gut gelaufen. Und ich bin auch froh zu lesen, dass bei Marianne alles gut lief, denn ich kann man durchaus vorstellen, dass auch in Indien die medizinische Vorsorgung in manchen Teilen des Landes mangelhaft ist.

    persönlich finde ich eine Hebamme im Nebenzimmer optimal. So hat Frau die Möglichkeit völlig über sich selbst zu bestimmen und ihren Instinken zu folgen und sich voll zu entfalten, aber Nebenan ist jemand, just in case…
    Selbstbestimmt und eigenverantwortlich

    Antworten
  26. Anke
    Anke sagt:

    Ich beschäftige mich gerade auch mit dem Thema, lese das Buch “Alleingeburt” von Sarah Schmid
    die selbst Medizin studiert hat und drei von 4 Kindern allein mit ihrem Mann zur Welt brachte.

    Ich fand dort den Gedanken und auch Erfahrung, dass es vermehrt zu komplikationen kommt, wenn die Frau “verunsichert” ist. Beispiel: Man sitzt auf Toilette für das große Geschäft und jemand wartet vor der Tür. Dann wird eher Adrenalin ausgeschüttet, sodass der “Fluchtreflex” die Wehen hemmen kann.

    Bei meinem ersten Sohn, ließ mich die Hebamme einmal 3 Stunden allein mit dem Vater. In dieser Zeit ging die Geburt richtig gut voran (Eröffnungsphase) – darüber bin ich sehr froh, dass sie ging, denn die Chemie stimmte zwischen uns nicht… (und ich dachte, das sei doch egal – das wird schon) – auch das Untersuchen zwischendurch brachte mich irgendwie aus meinem “Takt” oder Trance oder so… ich wurde am Ende in Rücklage mit Kristellern entbunden, ohne ankündigung, eine Hebamme sagte, ich würde nicht mehr können (was ich überhaupt nicht so empfand) – aber Rückenlage ist doch echt nicht das, was ich nochmal möchte.

    Das Buch (sO) gefällt mir, selbst wenn ich mit dem Wissen ins Krankenhaus gehe, weil es sich so ergibt, finde ich das sehr wertvoll. Es gibt mir wirklich Sicherheit, wenn ich weiß, was durch mich passiert. Ich finde es nicht dogamatisch sondern von vielen Seiten beleuchtet, auch werden Geburten beschrieben, die im Krankenhaus oder mit Hilfe beendet wurden.

    Ich finde auch, dass Ängste wichtige Signalgeber sind. Sie sagen mir, dass ich etwas noch nicht weiß… und dass ich mich darum kümmern sollte. Eine Alleingeburt in Indien, würde meinen Angstpegel erheblich steigern. Aber bei mir zuhause oder in Wohlfühlatmosphäre (mit Krankenhauserreichbarkeit) kann ich es mir auch gut vorstellen. Allerdings jetzt bei meinem 2. Kind. Beim ersten wäre ich NIE auf die Idee gekommen. Da WOLLTE ich unbedingt Begleitung.
    Wo ich aber wärend des Gebärens merkte, wie sehr mein Körper selbst von Intuition geleitet ist.
    “Löwin” haben sie zu mir gesagt im Krankenhaus, … die alles alleine machen will.
    Ich finde es eher als Lob, obwohl es wohl eher heißen sollte, dass ich mir nichts sagen lasse.

    Antworten
    • Nicole
      Nicole sagt:

      Liebe Löwin :D
      mir ging es wie dir, Kristellern in Rückenlage, und solange Personen zugegen waren, war bei mir alles dicht, gings nicht voran, besser gings mir in den Momenten allein.
      Fast 8 Jahre danach, vor 2 Monaten, kam mein Sohn bei mir zu Hause mit mir allein zur Welt. Ich wusste, dass ich mich so am besten sammeln konnte, dass Menschen um mich zu ‘Verklemmungen’ führen.
      Für die Erfahrung Kristellern in Rückenlage brauchte ich Jahre der Aufarbeitung – in Osteopathie, Kunsttherapie und Begleitung durch eine Emotionelle Erste Hilfe Therapeutin fand ich über die Jahre Schritt für Schritt wieder zu meiner Stimme, bekam Zugang zu den Worten.
      Ich schätze das Buch von Sarah Schmid, ebenso von Jobina Schenk, der ‘Meisterin der Geburt’. Es bringt einen einfach mal auf eine andere Idee, erweitert das innere Entscheidungsspektrum.
      Alles Liebe
      Nicole

      Antworten
  27. Suse
    Suse sagt:

    Gerade wenn man einen Partner hat, der unter der Geburt dabei ist, finde ich, daß eine Alleingeburt ihm eine zu große Last aufbürdet. Er hat keine Erfahrung mit schwierigen Situationen unter der Geburt und ist emotional viel eingebundener als es eine Hebamme wäre.
    “Im Einklang mit der Natur” klingt toll. Aber auch sehr egoistisch gedacht.

    Antworten
  28. Hirundo rustica
    Hirundo rustica sagt:

    Wenn es inzwischen nicht zu spät dafür ist (der Artikel wurde nun ja schon vor einer ganzen Weile verfasst) habe ich auch noch einen kleinen Erfahrungsbericht:

    Mein erstes Kind war eine Hausgeburt. Sie begann recht rasch mit einem Blasensprung, war anstrengend, aber wunderschön. Ich fühlte mich stark und auch ein wenig stolz.
    Auch ich hätte das gleich noch einmal machen wollen und spielte mit dem Gedanken, Hebamme zu werden. (Der schönste Beruf der Welt, so kam es mir vor).

    Mein zweites Kind sollte auch zu Hause auf die Welt kommen. Hier fingen die Wehen nicht mit dem Blasensprung an, sondern steigerten sich ganz allmählich. Der Geburtsverlauf war anders und mir fiel es schwer, unter Berücksichtigung meines Bedürfnisses nach Ruhe und Alleinsein, den richtigen Zeitpunkt zu finden, die Hebamme zu rufen.
    Meine Hebamme brauchte für den Weg zu uns etwas länger als gewöhnlich, da es überraschend geschneit hatte und so kam es das meine Tochter gerade geboren und von meinem Mann aufgefangen worden war, als die Hebamme zur Türe herein kam.
    Unter der Geburt hatte mich der Gedanke, dass meine Hebamme nun tatsächlich nicht mehr rechtzeitig da sein würde etwas entsetzt, doch im Nachhinein war da ein unglaublich intensives Glücksgefühl es GANZ ALLEINE geschafft zu haben. Das hat mein Selbstvertrauen sehr gestärkt. Ich habe die Geburt sehr genau wahrgenommen.

    Genauer als bei meinem dritten Kind, welches wieder eine “gewöhnliche” Hebammenbegleitete (und gute) Hausgeburt war. Ich hatte mich diesmal bemüht, rechtzeitig Bescheid zu geben.

    Mir geht es so, dass mein Bedürfnis nach Alleinsein zwar groß ist, ich aber nicht wissen kann, wie das Kind tatsächlich kommt, ob die Plazenta vollstänig sein wird und dergleichen Dinge mehr. Deshalb mache ich den Kompromiss ;-)

    Nun kommt bald unser Viertes- ich bin gespannt wie es wird.
    Ich möchte noch Aufmerksamer sein.

    Antworten
    • Hirundo rustica
      Hirundo rustica sagt:

      Der Vollständigkeit halber muss ich nun etwas ergänzen, obwohl es vielleicht nicht hier hin gehört.
      Aufgrund immer wieder auftretender leichter Blutungen bin ich wegen Verdacht auf Plazenta praevia in der 27. SSW zum Frauenarzt gegangen. Die Vermutung bestätigte sich, allerdings könnte die Plazenta noch nach oben wandern.
      Nach einem Ultraschall schickte er mich zur Feindiagnostik in die Klinik. Dort wurde festgestellt, dass das Kind wegen Anencephalie nach der Geburt nicht lebensfähig sein wird.
      Ich werde ein Sternenkind bekommen.

      Antworten
  29. Lisa
    Lisa sagt:

    Natürlich respektiere ich die Entscheidung zu Alleingeburt, es ist nicht meine Stelle, da im Sinne von “das ist doch verrückt” zu beurteilen. Mir kommt dabei jedoch der Gedanke, dass ich es ganz schön arrogant finde. Nämlich gegenüber jenen Frauen weltweit, die auch heute noch tote Kinder zur Welt bringen oder selbst bei der Geburt sterben – aus dem einfachen Grund, keine (genügende) medizinische Hilfe zu haben. Es ist wunderschön, dass hier alles gut gegangen ist. Wieviel wunderschöner wäre es jedoch, die Energie, eine Alleingeburt zu planen, zu investieren, um mehr Frauen mit einer Hebamme auszustatten. Zwischen 1990 und 2013 ging die Müttersterblichkeit bei der Geburt um 50 Prozent zurück http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs348/en/ Es sind täglich jedoch immer noch 800 Frauen, die unter der Geburt sterben. Jeden Tag. Auch heute. Haben die jetzt ihre innerliche Mama Gaia nicht gefunden?

    Antworten
  30. Kristin
    Kristin sagt:

    “In der Übergangsphase, während der wir auf eine neue Generation von Hebammen warten, die sich zurückhalten wissen, werden einige werdende Mütter einen Weg finden, wie sie sich in den Wehen nach außen hin völlig abschirmen können. Sie rufen keine Spezialistin und keinen Spezialisten herbei, sondern bringen ihr Kind ganz allein zu Hause zur Welt. Sie lassen sich nicht beeindrucken von dem heute gängigen entmündigenden Vokabular, mit dem man ihnen weismachen will, sie könnten ihr Kind auf keinen Fall ohne “Helferin”, “Guide”, “Coach” oder “unterstützende Person” und nur zur Welt bringen, wenn irgendjemand mit medizinischer Ausbildung oder ihr Partner zugegen ist. Diese Frauen wissen intuitiv, dass Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und absolute Abgeschiedenheit die besten Voraussetzungen für eine leichte Geburt sind. Man stellt ihr Verhalten zwar meistens als unbegreiflich und unverantwortlich hin, aber wir können von ihnen lernen. Selbst nach Jahrtausenden des kulturell reglementierten Gebärens gibt es noch immer Frauen, die von ihren archaischsten Säugetierbedürfnissen nicht entfremdet sind. Im Mittelpunkt einer biodynamischen Sichtweise des Gebärens stehen die elementaren Bedürfnisse der Frau in den Wehen und nicht Aufgaben, die andere bei der Entbindung zu erfüllen haben. Wer vor dem Jahr 2034 als Geburtshelfer oder Hebamme arbeitet, sollte genau beobachten, was diese Frauen tun.” S.135 aus dem Buch “Im Einklang mit der Natur – Neue Ansätze der sanften Geburt” v. Michel Odent, Mabuse-Verlag 2010

    Antworten
  31. Nicole
    Nicole sagt:

    Liebe Jana,
    es ist nicht nur entscheidend, dass wir geboren werden, sondern auch wie wir geboren werden. Ich glaube sogar, dass es darüber entscheiden wird, wie viel Krieg und wie viel Frieden auf dieser Welt ist und sein wird. Dass Hebammen grundsätzlich die Alleingeburt nicht als beste Wahl sehen, begründet sich sicherlich schon allein darin, dass der Schritt, allein zu gebären, eure Berufsgruppe gefährdert. Ich würde und werde bei jeder Schwangerschaft neu entscheiden, wo und wie ich gebäre. Dieses Mal war es die Alleingeburt. Sie hat mein Leben verändert und wird es weiter verändern und ich bin dankbar.
    Manchmal ist eine Alleingeburt alternativlos. Hausgeburtshebammen -als Ansatz der maximal möglichen Gestaltungsmöglichkeit unter Einfluss eines Geburtshelfers- haben bspw. ihre constraints in Bezug auf die Tage nach dem MET. Manche 10, manche 12 Tage, manche weniger. Danach schicken sie dich in die Klinik. Für mich keine Wahl. Das Kind ist fertig, wenn es fertig ist. Wir sind Säugetiere. Und auch diese müssen nicht in den Kalender sehen. Eine Einleitung hätte meinen eigenen feinstofflich aufeinander abgestimmten Hormoncocktail, der die Geburt zu einem wunderbaren statt schmerzvollen Erlebnis hat werden lassen, gestört. Eine Kaskade der ‘erforderlichen’ geburtshelferischen Praktiken wäre in Gang gesetzt worden. Mein Sohn kam 14 Tage nach MET bei mir zu Hause in meine Hände zur Welt. Keine Hebamme hätte mich da noch begleiten wollen. Wir sind gesund, wir sind zufrieden. Die Kliniktasche stand gepackt an der Tür für den Fall der Fälle. Ich habe sie dieses Mal nicht gebraucht. Es ist aber erfreulich und beruhigend, dass es Menschen gibt, die im Falle schneiden können und wollen.
    Grüße und danke für deine Anregung zur Diskussion
    Nicole aus Hannover, geb. in einer Klinik in Stralsund

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Nein, es geht dabei nicht um die Hebammen, sondern um die Frauen. Wenn eine Geburt toll läuft – und das sind die allermeisten – ist ja alles gut. Wenn doch mal was passiert, sollte einfach eine kompetente Person da sein, die weiß, was zu tun ist. Selbst kann man sich dann nicht in allen Fällen helfen und ein Angehöriger könnte auch überfordert sein. Schön, dass es bei dir so schön war.
      LG
      Jana

      Antworten
  32. Magdalena
    Magdalena sagt:

    Liebe Jana,

    unabhängig von allen anderen Themen, die mit so einer Alleingeburt gerne ausdiskutiert werden und all den Waswärewenns, stellst du auch eine interessante Frage:

    “Wäre es weniger schön gewesen, wenn eine Hebamme mit im Raum gewesen wäre? Eine vertraute, kompetente Person, die nichts tut, außer, das Geschehen zu beobachten und nur im Notfall eingreift?”

    Denn meine Antwort wäre spontan: Ja. Vermutlich wäre es weniger schön gewesen. Vor allem bei einer Frau, die dermaßen spürt, dass sie das eigentlich nicht möchte, sogar aus Europa flieht.
    Im Grunde kann ja schon “das Geschehen zu beobachten” als extreme Störung empfunden werden. Auch wenn das nicht viele Frauen so empfinden (vielleicht aber doch?), ist der Gedanke nicht so exotisch, wenn man bedenkt, dass bei der Zeugung auch niemand das Geschehen beobachtet und es vielleicht gar nicht so gut funktionieren würde. Eine Geburt ist sicher nicht weniger intim. Natürlich birgt sie auch mehr Gefahren und im Grunde rechtfertigt sich ja auch meistens nur dadurch die Anwesenheit von Hebammen und/oder Ärztinnen, aber ob die Gefahr nun mehr von der Geburt selbst oder eben den anderen Personen ausgeht, ist ein eigenes Thema.

    Aber wenns nur um die Schönheit ginge, würde ich persönlich in jedem Fall alleine gebären. Ohne Frage.

    Antworten
    • daniela
      daniela sagt:

      Bei allem Geschwurbel für oder gegen irgendeine Gebärart sollte frau sich mal eingestehen, dass Hebammen auch Teil der Gebärindustrie sind, sich auch gerne mal nicht zurückhalten können/wollen und leider meist selbst mit einem Bein im “Kriminal” stehen, wenn sie nicht dem wahnwitzigen Gebärmainstrem entsprechen.
      Bei der derzeiteitigen Hexenjagd gegen Hausgeburtshebammen kommt es durchaus vor, dass es keine Hebamme gibt, die die Geburt betreuen könnte.

      Antworten
  33. Susanna
    Susanna sagt:

    Ich habe das erste Mal überhaupt von Alleingeburt von einer Hebamme, ein paar Monate nach der Geburt meines ersten Kindes gehört.
    Vielleicht dachte sie, dass das ein Weg für mich sein könnte, dass sie mich drauf ansprach?

    Auf die Idee einfach mal so ein Kind zu bekommen bin ich von allein nie gekommen und der Gedanke war lange befremdlich für mich.

    Die erste Geburt war nicht sonderlich schön, ich hatte keine “eigene” Hebamme sondern ein Team, bekam die Hebamme, die Dienst hatte und das war die falsche. Dazu hatte sie nen miesen Tag und es war schrecklich.

    Wenn es das wirklich überall gäbe, dass man die freie Wahl zwischen Hebammen hätte und die finden könnte, die genau zu einem passt, dann würden vielleicht manche Frauen, die ihre Kinder alleine bekommen haben, diese HIlfe auch in Anspruch nehmen.
    In der Realität gibt es das aber normal nicht, dass die Hebamme sich komplett nach den Wünschen der Frau richtet (besonders nicht, wenn die Vorstellungen sehr konkret und alternativ werden) und dafür hab ich auch Verständnis, hängt doch u.U. der Hebamme eigene Existenz davon ab.

    Bei der zweiten Geburt war mir klar: Ich würde kein Kind mehr mit der falschen Hebamme bekommen. Rufe ich an und die falsche hat Dienst, dann bekomme ich das Kind alleine.
    Es sollte nun aber so sein, dass MEINE Hebamme Dienst hatte. Und ich fand sie wunderbar und wir haben so toll zusammengepasst.
    Tja, nur bei der Geburt dann doch nicht.
    Ich hatte schon im Vorfeld gemerkt, dass sie sich mit einigen meiner Vorstellungen nicht sonderlich wohl gefühlt hat.
    Dann war sie da, ja und sie war eine Hebamme und sie strahlte Verantwortung aus, nahm mir damit meine, überging meine direkten Wünsche, tat was sie für richtig hielt und forderte mich zu Dingen auf, die ich schlicht nicht wollte (und das ohne dass es irgendein Problem gab, und vermutlich hat sie auch nichts davon böse gemeint).

    Ja und nun erwarte ich in wenigen Wochen das dritte Kind.
    Und: Ja. Die Hebamme hat mir gesagt ich soll alle Wünsche mitteilen, wenn ich wollte würden sie nur in einer Ecke sitzen (wie gesagt gibts hier nur das Team, da ists schon schwer wirklich mit jedem seine Wünsche zu besprechen, zumal sie ja auch viele Schwangere betreuen) evtl. sogar in einem anderen Zimmer (denn ich schnitt den Gedanken Alleingeburt an) ABER sie würden dann halt natürlich trotzdem immer mal wieder nach den Herztönen gucken.
    Und das will ich nicht. Ich will es nicht.
    Ich hätte mit dieser Nebenzimmersache vielleicht kein Problem, aber ich will nicht gestört werden, weil jemand jetzt die Herztöne hören will.

    Ansonsten fänd ich den Gedanken toll, einfach zu gebären und wenn ich merk es geht nicht vorwärts, oder etwas fühlt sich nicht richtig an oder ich möchte jetzt doch Hilfe, einfach die Hebamme in der Ecke ansprechen zu können.
    Aber das zwingt mir einen Kompromiss auf. Den ich nicht haben will. Weil es die wirklich passende Hebamme für mich hier nicht gibt.

    Ich weiß nicht, wie die Geburt laufen wird. Aber ich liebe den Gedanken an eine Alleingeburt. Es wäre toll es würde alles so einfach laufen wie bei der zweiten Geburt und wenn ich fertig bin mit Gebären dann würde ich die Hebamme rufen.

    Ich verstehe Alleingebärende. Weil ich mich selbst in zwei Geburten von der Hebamme (bzw den Hebammen) missbehandelt gefühlt habe. Und weil ich das in so einem sensiblen Moment nicht nochmal haben will.

    Allerdings fühle ich mich wohl in meiner Wohnung und dem Telefon in der Nähe. Alleine im Wald würde nicht zu mir passen. Weckt auch so gar keine Sehnsucht in mir.

    Ich bin gespannt, wie dieses kleine Babylein den Weg ins Leben beschreiten wird.

    Antworten
    • Nicole
      Nicole sagt:

      Liebe Susanne,
      dein Post hat mich so berührt! ich kann dieses hin und her und dieses Abwägen so gut verstehen, ich habe es genauso durchlebt wie du. Und gleichzeitig spüre ich so viel Klarheit und Kraft in deinen Worten. Du weißt eigentlich ganz genau was du brauchst und was richtig für dich ist!
      Alles alles Gute für dich und dein Babylein, das du so sehr liebst, wie wunderbar :)
      Nicole

      Antworten
      • susanna
        susanna sagt:

        Vor ein paar Tagen durfte ich nun mein drittes Kind zur Welt bringen.
        Die Geburt war intensiv, und als mich mein Mann an der Schwelle der Übergangsphase fragte, ob er die Hebamme anrufen sollte, war meine Antwort darauf ein eindeutiges: “Nein.”
        Und so kam unser Sohn, in Beisein meiner Familie, ohne Hebamme zur Welt.

        Es war der richtige Weg für uns und ich bin dankbar, dass alles gut gelaufen ist und ich mein gesundes Baby in den Armen halten darf. :-)

        Antworten
  34. Kathrin
    Kathrin sagt:

    Hallo Jana!

    Super Blog! Ich habe noch eine rechtliche Frage: bei uns in Österreich ist eine geplante Alleingeburt grundsätzlich nicht erlaubt. Wenn es aber dennoch dazu kommt, muss nach der Geburt eine Hebamme gerufen werden, damit sie das Kind untersucht. Dabei geht es natürlich auch um das Wohl der Mutter, aber vor allem um das Kindeswohl. Schließlich könnte es ja passieren, dass eine Mutter in dieser Situation völlig überfordert ist und dann Sachen passieren, die nicht passieren sollten.

    Diese Informationen haben wir von unserer Hebamme beim Geburtsvorbereitungskurs bekommen.

    Wie sieht die Gesetzeslage diesbezüglich in Deutschland aus?

    LG Kathrin

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