Geburtspositionen

Geburtspositionen

„So, und jetzt mal auf den Rücken legen, mit den Händen von außen in die Beine greifen und sie anziehen. Jetzt noch den Rücken rund machen, Kopf auf die Brust – am besten stützt der Partner den Kopf der Frau etwas ab. Und jetzt Luft holen, wie zum Tauchen und Pressen, Pressen! PRESSEN!“ – Klingt toll, oder?

Steinschnittlage

– so nennen wir diese Geburtsposition.
In dieser Lage wurden früher Blasensteine entfernt – daher der Name. Dann fand sie Einzug in die Geburtshilfe. Die Steinschnittlage ist natürlich die Beste – für uns Geburtshelfer. Wir haben einen guten Überblick über unseren Arbeitsbereich, können bequem stehen, kommen an alles gut ran: Volle Kontrolle, eben…
Und wie ist das für die Gebärende?
Viele Frauen möchten uns ihr Intimstes nicht so entgegenrecken, ihnen mangelt es an Bodenhaftung und das Pressen gegen die Schwerkraft ist schwierig.
Und für die Kinder?
Durch die Rückenlage der Mutter kann es zum Vena-Cava-Syndrom kommen. Dabei liegt das Baby auf der großen Hohlvene, die an der Wirbelsäule der Mutter entlang läuft und behindert den Rückstrom des mütterlichen Blutes. Durch diese schlechte Blutversorgung wird in zweiter Instanz auch das Baby schlecht versorgt.
Also, alles in allem ist für mich die Steinschnittlage damit die ungünstigste Position aus dem ganzen Repertoire überhaupt! Alternativen werde ich im Folgenden näher beschreiben.

Welche Geburtspositionen gibt es?

Zu Beginn der Geburt eignen sich alle aufrechten Positionen, um die Wehen zu bewältigen:

  • Stehen: Du stehst breitbeinig, die Fersen haben Bodenkontakt; lehn dich gegen eine Wand, oder umarme deinen Partner und lass dich von ihm stützen. Bewährt hat sich auch, wenn vorhanden, eine Stange oder Sprossenwand zu benutzen.
  • „In den Seilen hängen“: Ein doppeltes, von der Decke hängendes Tuch, welches verknotet ist, also eine Schlaufe bildet, kann dich halten und bietet dir optimale Bewegungsfreiheit.
  • Vorne übergebeugt: Lehn dich auf ein Board, das Fensterbrett oder auf den Wickeltisch. Probiere einfach aus welches Möbelstück eine für dich optimale Höhe hat. Auch diese Position bietet dir einen guten Halt und gewährt eine sehr gute Beweglichkeit des Beckens. Wenn du, wie viele Frauen unter der Geburt, Schmerzen im Lendenwirbelbereich hast, kann dein Partner dir in dieser Stellung perfekt den Rücken massieren.
  • Laufen: Alle Positionen in denen das Becken bewegt wird verbessern den Geburtsverlauf. Wenn Du also kannst, dann laufe zwischendurch ein bisschen umher.

Je weiter die Geburt voranschreitet, um so mehr wird dein Bedürfnis steigen eine bodennähere Position einzunehmen. Du willst sozusagen „nieder kommen“:

  • Vierfüßlerstand (meine persönliche Lieblingsposition): Du kniest auf einer Matte, oder einem Bett und lehnst dich mit dem Oberkörper auf einen Pezziball, die Bettlehne oder einen Stapel Kissen. So kannst du dich optimal ausruhen und trotzdem noch das Becken bewegen. Auch hier bietet sich wieder eine Rückenmassage durch deinen Partner an. Viele Frauen „entdecken“ diese Position von ganz alleine und wollen sie nicht mehr verlassen. Auch wenn sich dabei die Knie schon röten. Aber das geht vorbei…
  • Tiefe Hocke: Du kannst einfach auf deinen Fersen hocken, oder dich auf einen Gebärhocker setzen. Durch das Hocken wird der Beckendurchmesser größer und das Baby kann im Becken besser „tiefer treten“.
  • Sitzend: Wenn du breitbeinig und verkehrt herum auf einem Stuhl sitzt, kann die Lehne deinem Oberkörper halt geben. Suchst du dir einen Pezziball aus, halte dich an einer Sprossenwand fest, oder lass deinen Partner auf einem Stuhl hinter dir sitzen, um dich zu stützen. So kannst du die Bewegungsfreiheit, die der Ball bietet, voll ausnutzen ohne, dass du vom Ball rollst.
  • In Seitenlage: Manchmal möchte man das Baby animieren sich in eine bestimmte Position zu drehen. Dafür kann die gezielte Seitenlage gut sein. Außerdem ist es natürlich eine schöne Ruheposition.

Warum sind aufrechte Geburtspositionen empfehlenswert?

Die Kontraktionen sind in aufrechten Gebärpositionen meist regelmäßiger und häufiger. Dadurch wird die Eröffnung des Muttermunds erleichtert und gefördert. Somit wird auch die Geburtsdauer verkürzt. Wenn du sowieso schon stehst, wirst du dich auch eher in der Wehe bewegen oder in der Wehenpause umher laufen. Und das ist gut! Denn durch die Bewegung sind die Wehen viel besser auszuhalten. Darüber hinaus wird Deine Atmung verbessert und somit auch die Sauerstoffversorgung deines Kindes.
Das am Anfang beschriebene Szenario wirst du aus einer aufrechten Position eher nicht erleben müssen, da das Tiefertreten des kindlichen Kopfes verbessert wird und sich der gewünschte Pressdrang ganz automatisch ergibt. Dadurch wirst du effektiv drücken, was in der Folge die sogenannte Austreibungsphase verkürzt. Insgesamt behältst Du damit die Kontrolle über deinen Körper und es gibt keinen Grund mehr, dass noch irgend jemand „Pressen, Pressen“ brüllt.
Übrigens: Dammschnitte kommen aus aufrechten Positionen fast nie vor!

Immer schön flexibel bleiben

Das Ausprobieren von verschiedenen Positionen und was sonst noch so hilft, sowie alles Andere was du für die Geburt wissen musst, lernst du am besten in einem Geburtsvorbereitungskurs einer Hebamme. (Frühzeitige Anmeldung empfohlen!)

Was waren eure Lieblingspositionen bei der Geburt? Was könnt ihr empfehlen? Konntet ihr frei wählen? Ich bin gespannt!

 



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18 Kommentare
  1. Bianca
    Bianca sagt:

    Ich habe vorgestern eine Doku im tv gesehen über eine Geburtsklinik. Natürlich wurden auch Geburten gezeigt. Ich bekam ein komisches Gefühl zu sehen, dass alle immer nur liegend – hauptsächlich auf dem Rücken – gezeigt wurden. Es ist unnatürlich, vielleicht auch extra für’s Fernsehen..? Wer weiß… Liegen war die Position, die ich gar nicht ertragen konnte, mir wurde übel als anfangs das CTG geschrieben wurde. Vierfüßlerstand ist wirklich am besten :-)

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Oh, diese Dokus von den einschlägigen Sendern…:-(
      Ich muss allerdings gestehen, dass viele Kliniken die Rückenlage noch viel zu häufig bevorzugen. Da ist es dann gut, selber Alternativen zu kennen und diese auszuprobieren.
      Auf der anderen Seite gibt es unter der Geburt oft Zeitpunkte, wo Frauen das Bedürfnis haben zu liegen. Für eine Weile ist das in Ordnung. Aber oft stagniert dann aber auch die Geburt. Dann bedarf es der Motivation durch die Hebamme, oder den Partner. Die aufrechte Haltung kann der Geburt oft neuen Schwung verleihen und einen vor Interventionen bewahren.
      Und: Es gibt ja nichts, was es nicht gibt, in der Geburtshilfe – es gibt auch schöne liegende Geburten.

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  2. Lyla
    Lyla sagt:

    Vorneweg: dein Blog ist echt lesenswert und sehr interessant! Mach weiter so!

    Ich habe meine Tochter auf dem Rücken liegend entbunden und damit lief es eben nicht so, wie vorher erhofft… wir wollten eigentlich eine Hausgeburt machen und haben hier alle Positionen durchprobiert… nach 16 kraftraubenden Stunden kam ich dann doch ins Krankenhaus, dort an den Wehentropf und mit Hilfe der Saugglocke wurde mein Kind geholt. Die Alternative wäre der Kaiserschnitt gewesen und das wollte ich auf keinen Fall. Meine Hebamme war toll und hat mich während der ganzen Zeit großartig unterstützt, (die Hebamme im Kreißsaal war etwas rustikaler, aber nach der Geburt gleich sehr viel freundlicher :)) vor allem im Wochenbett waren die Gespräche wichtig um das Ganze zu verarbeiten.

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  3. Caro
    Caro sagt:

    Erstaunlicherweise hat sogar mein Mann schon bemerkt, wie eine Geburt keinesfall ablaufen sollte. “Ist ja kein Wunder, dass die alle leiden und keine schöne Geburt haben, wenn die da stundenlang im Bett rumliegen”… Wir hatten das Glück eine wundervolle Geburt erleben zu dürfen – mit vielen Positionen. Mir ging es am besten im Stehen, beim Laufen (anfangs). Später fand ich den Gebährhocker total entspannend. Ich durfte mich auch mal meinem Mann um den Hals werfen und im Vierfüßlerstand stehen. Alles war toll – BLOß nicht LIEGEN!! Das sollte ich dann die letzten 5 Minuten, bevor mein kleiner Knopf aus mir heraus schlüpfte. <3

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  4. Mietz
    Mietz sagt:

    Schön dass es diesen Blog gibt!!
    Vielen Dank :)
    P.S. ohne mich je vorher mit Geburtspositionen auseinander gesetzt zu haben, habe ich instinktiv für mich mit einer hockenden Stellung geliebäugelt und hab mich gefragt, ob man das darf. Nun weiß ich, dass es wohl eine Art Urinstinkt war, der mich auf diese Idee gebracht hat.

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  5. Stefanie
    Stefanie sagt:

    Hallo,
    ich hatte mir vor einem Jahr vorgenommen, bei der Geburt alles auszuprobieren, was geht – wie oben beschrieben. Im Vorbereitungskurs hat meine Hebamme das gehen sehr unterstützt und das hat sich bei eingeprägt, so dass ich immer wieder mit meinem Mann spazieren war. Mit dem Ergebnis, dass ich dann eine halbe Stunde im Wehenzimmer verbracht hab, aus dem Nichts heraus die erste Presswehe kam und nach 7 min im Kreißsaal unsere liebe Tochter das Licht der Welt erblickt hat! In Seitenlage, da ich ganz alleine automatisch in diese Position bin (und mich niemand drangehindert hat :-) )

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  6. helen
    helen sagt:

    Meine große Tochter kam im Stehen… allerdings habe ich vorher viel gelegen und denke noch heute, dass es viel schneller gegangen wäre wenn ich früher aufgestanden wäre. Als mich nämlich die neue Hebamme “zwang” aufzustehen, setzten prompt die presswehen ein. Mein Sohn kam in seitenlage um den Damm am besten zu schonen…

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  7. aylola
    aylola sagt:

    unsere Geburt fing eigentlich super an, verzögerte sich aber durch die gezwungene Liegeposition um viele Stunden, was mich viel Kraft raubte, mich zu einer pda zwang und ich total erschöpft am ende war…
    die Wehen begannen am vorabend schon regelmäßig zu werden und wir gingen ins KH. aber muttermund noch zu und wehen erträglich also wieder nach hause. zuhause wollte ich schlafen, aber durch die stärkeren wehen ward mir das nicht gegönnt. ich rief meine hebamme an, schilderte ihr kurz meinen aktuellen stand und sie sagte, viel viel laufen. ich tigerte also stundenlan in der wohnung herum und als ich mich gezwungen sah vor schmerzen in die knie zu gehen(ich war alleine zuhause!)und hie und da ein paar tränchen verdrückte, rief ich meinen mann an, er solle mich abholen und ab ins kh… da kamen wir an, und siehe da, muttermund 5 cm offen. also kreisaalfertig gemacht und bisschen aufgeregt im bett gelungert, wehen ja, und der todestoß meiner perfekten geburt war das scheiss ctg gerät! Daran musste ich permanent dran bleiben! keine wanne! kein umherlaufen(weil nicht portabel das gerät) und und und…ich durfte immer wieder mal meine positionen von links, mitte, rechts wechseln. meine pda ging beinahe schief(leichte taubheit im bein ) und die PResswehen habe ich am ende garnicht gespürt….ich soll pressen??? okay, ich kann nicht mehr…. eine hebammenschülerin die eine stunde still neben mir stand und weiß gott warum KEIN WORT rausbrachte…weder was ich machen könnte, wie ich atmen könnte, wie ich ruhiger werden könnte, ob ich den was trinken möchte….nein….sie hielt mein bein hoch(lag wieder auf der seite) und stand so da….und ich stöhnte..und tat auch nix… weil ging nix…

    ich kam an dem tag als erste in den kreisaal und kam als letzte wieder raus…von 4 damen. am ende kamen sie dann und die letzte hebamme die hat dann mich angefeuert und gesagt, so jetzt muss auch der letzte kommen….(es hieß stundenlang, bald haben sie es geschafft- ich brüllte zurück: das sagen sie schon seit 5stunden!!! – was stimmte)

    aber nungut, mein kleiner racker kam gesund und munter auf die welt, ich wollte gerne duschen, aber wegen der verpatzten pda und dem halbtauben bein wurde mir das nicht erlaubt….trotz dieser einschrnkung in der position und bewegung bin ich unten heil geblieben.

    das nächste mal muss ich meinen mund einfach aufmachen oder eine alternative suchen.
    auch wenn unsere geburt auch schön war, die bewegungseinschränkung waren echt echt scheisse…dabei lief am anfang alles so gut!

    vlg xxxxx

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  8. kiddelfee
    kiddelfee sagt:

    Ich musste ziemlich lang auf dem Rücken liegen. Dann gings nicht weiter, ich sollte bei jeder Wehe auf die Seite und in der Wehenpause wieder zurückdrehen. Ging gar nicht, war furchtbar!!
    Geboren hab ich die Maus dann in Seitenlage, mit angewinkeltem Bein. Sehr anstrengend, ich hatte einfach keine Kraft mehr.

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  9. Kristin
    Kristin sagt:

    Mein 1.Kind hab ich im KKH auf dem Rücken liegend mit Dammschnitt und Press-Coaching geboren und weil ich die Umgebung KKH erschreckend und nervig empfand, habe ich mein 2.Kind zuhause in meiner Lieblingsposition “tiefe Hocke” mit einer Presswehe im Bad geboren…ganz alleine, ohne Kommandos, Ratschläge etc., sondern nur meinem Instinkt folgend. Die Hebamme saß im Nebenzimmer und häkelte. Während der Eröffnungsphase bin ich den Flur auf und ab gelaufen und hab mich bei den Wehen meistens an die für die Geburt und natürlich auch die Kinder angebrachte Sprossenwand in die tiefe Hocke gehängt. Leider kommen viele Frauen heutzutage gar nicht mehr in die tiefe Hocke. Das dann erst bei der Geburt auszuprobieren, ist eher zu spät. Daher kann ich jeder Schwangeren nur wärmstens empfehlen, so oft wie möglich am Tage in die tiefe Hocke zu gehen. Ich hatte das Gefühl, ich kann mich erst in der Hocke richtig fallenlassen und unten öffnen. Zudem ließen sich die Wehen so richtig gut und fast schmerzfrei nach unten hinausatmen.
    Ich wünschte mir, jede Frau könnte ihre Geburt so einfach und selbstbestimmt erfahren, wie ich es tat. Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich das Kind gebäre mit allen Entscheidungen, die da dran hängen oder mich von einer anderen Person “entbinden” lasse und keine Verantwortung für das übernehme, was mit mir passiert. Die Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung, das Stillen, das Gemüt des Kindes, den Erziehungsstil sind riesig. Ich merke diesen Unterschied bis heute an meinen beiden Kindern.

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  10. Jule
    Jule sagt:

    Ich wurde leider bei beiden Geburten ans Bett “gefesselt”. (Zwei unterschiedliche Krankenhäuser) Argument war jedes mal, dass das ctg nicht richtig schreibt wenn ich nicht liege. Ich wollte das nicht, hatte den Wunsch mich hinzuhocken. Der wurde mir verweigert. Jetzt kommt bald die dritte und ich bete, dass ich dieses Mal mehr zu sagen hab und auf mein Gefühl hören darf. Ich habe das bei der Anmeldung im kh sehr direkt angesprochen, sie haben es vermerkt, können es aber nicht garantieren… Beim ersten durfte ich noch nicht mal auf Toilette, da wurde mir ein Katheter gelegt, das empfand ich

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  11. Napoleon
    Napoleon sagt:

    Ich habe meine Tochter in der halbsitzenden Seitenlage geboren. In dieser Position hatte ich das Gefühl, ruhiger zu sein und doch noch bodenbehaftet.

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  1. […] mit deinem Geburtsteam, welche Geburstposition in ihrer Betreuung am häufigsten gewählt wird. Welche Positionen du dir vorstellen […]

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