Geburtsbericht: Kaiserschnitt nach Einleitung statt Wannengeburt im Geburtshaus

Nicht jede Wunschgeburt wird auch eine. Dieser Geburtsbericht zeigt die Realität, wie sie sein kann: Ganz anders als erwartet. Sanna lies mir ihren dramatischen Bericht über die Geburt ihres Sohnes schon vor gut einem Jahr zukommen. Damals war ihr Erlebnis noch sehr frisch und sie wirkte sehr aufgewühlt auf mich.
Ich ließ den Bericht erst mal liegen, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, er war noch nicht reif. Und tatsächlich schickte mir Sanna noch mehrere Ergänzungen und Überarbeitungen hinterher. Ich glaube, dass ihr das viele sich damit Beschäftigen und Schreiben gut getan hat. Vielleicht hat es ihr auch dabei geholfen, das Geschehene zu verarbeiten.
In ihrer letzten Mail an mich schrieb sie: “Ich bin wahrscheinlich die einzige Frau, die ihren Bericht so oft geändert hat, aber das zeigt vielleicht auch, wie sehr ich an dem Erlebnis zu knabbern hatte, manchmal noch habe. Die Version anbei ist nun meine finale Version. Ich mache das Kapitel zu. Zumindest einen großen Teil davon, denn so ganz geht das ja eh nicht. Und vergessen will ich die anstrengende Geburt ja trotzdem nicht. Wie auch?“

Hier kommt Sannas Geburtsbericht, der nicht so bilderbuchhaft verlaufen ist, wie er eigentlich sollte. Sie teilt das Schicksal vieler Frauen, die eine Geburt erlebt haben, die so gar nicht der eigenen Wunschvorstellung entsprach. Meine Anmerkungen wie immer in Lila.



Unser Sohn ist ein absolutes Wunschkind, ein Jahr haben wir versucht schwanger zu werden und als es trotz Schilddrüsenerkrankung endlich klappte, waren wir unendlich glücklich.

Keine Wahl

Ich wollte mir in unserem Ort gerne das Geburtshaus ansehen. Auch zwei Kliniken standen zur Wahl. Leider musste das Geburtshaus am Anfang meiner Schwangerschaft schließen. So blieb für mich nur eine der beiden Kliniken übrig, denn das nächste Geburtshaus war uns einfach zu weit weg. Auch eine Beleghebamme, die uns in die Klinik begleiten würde, oder gar eine Hausgeburtshebamme gab es nicht (mehr). Aber immerhin fanden wir eine ganz tolle Nachsorgehebamme!
Wegen meiner Schilddrüsenerkrankung musste ich während der Schwangerschaft häufig in einer der beiden Kliniken untersucht werden. Wir haben dann die gleiche Klinik auch zur Entbindung gewählt. Ich kannte das Haus bereits und habe mich dort gut aufgehoben gefühlt.

Errechneter Termin war Anfang August 2013. Jedoch waren sich meine Nachsorgehebamme, sowie ein paar Ärzte recht sicher, er käme schon Ende Juli.

Ich bin ja der Meinung, dass man solche Überlegungen immer für sich behalten sollte. Wenn das Kind dann doch später kommt, sind die Frauen häufig enttäuscht.

Ironie des Schicksals: Der Errechnete Geburtstermin verstrich. Alle zwei Tage musste ich zur Kontrolle. Das Wetter machte mir sehr zu schaffen, denn es war sehr heiß in dieser Woche, so dass ich nicht mehr schlafen konnte und ganz schöne Kreislaufprobleme bekam. Ich lagerte Wasser ein und hatte mit schlimmer Übelkeit zu kämpfen.

Ödeme (Wassereinlagerungen) haben die meisten Frauen am Termin. Sie entstehen dadurch, dass die Gebärmutter auf die großen Beckenvenen drückt, sowie durch die hormonell bedingte Weitstellung der Gefäße. Heißes Wetter begünstigt das natürlich noch. Abhilfe schaffen Wechselduschen, die mit kaltem Wasser enden, häufiges Beine-hoch-legen und ein aktivieren der „Venenpumpe“: Hierzu wechselt man im Stehen häufig zwischen „auf Zehenspitzen“ und „auf den Hacken“ stehen.

ET+3

Bei der Kontrolle in der Klinik wurde festgestellt, dass meine Plazenta schon sehr stark verkalkt war. Zitat der Ärztin: „Sie ist eben schon ein alter Opa.“ Nicht dramatisch, laut der Ärztin. Sie würde aber ungern länger als sechs Tage warten, um mit einer Einleitung zu beginnen, sofern es nicht von selbst losgehen würde.
Am nächsten Tag, beim Kontrolltermin, bemerkte meine Gynäkologin ebenfalls meinen nicht mehr so guten Zustand und hatte etwas Sorge, dass ich auf den letzten Metern noch eine Schwangerschaftsvergiftung bekommen könnte. Zumal ich leichte Eiweißspuren im Urin hatte.

Um den Geburtstermin herum hat fast jede Schwangere leichte Eiweißspuren. Die Kombination aus Eiweißausscheidung, Ödemen, erhöhtem Blutdruck und noch weiteren Kriterien sprechen für das Auftreten einer Preäklampsie, im Volksmund: Schwangerschaftsvergiftung. Das lässt sich durch eine Blutentnahme entsprechend bestimmen.

Die Ärztin besprach mit mir die Möglichkeit einer vorzeitigen Einleitung. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Denn eigentlich wollte ich keine Einleitung, ich hatte vielmehr der Klinik-Hebamme gesagt, dass ich so gerne eine Wassergeburt versuchen wollte. Zeitgleich war ich aber irgendwie froh, „erlöst“ zu werden. Die Wehen der letzten Tage waren so minimal und hörten immer wieder auf. Jetzt wusste ich endlich, dass es wirklich losgeht.

Ich bin auch kein Fan von unnötigen Einleitungen. In diesem Fall kamen aber schon einige Kriterien zusammen, die für eine baldige Beendigung der Schwangerschaft sprachen. Eine Einleitung steht einer Wassergeburt übrigens nicht zwangsläufig im Weg.

ET+4

Am nächsten Tag kamen mein Mann und ich morgens gegen 9 Uhr in der Klinik an. Es war ein Mittwoch. Der Arzt erklärte mir die Risiken einer Einleitung und ich war geschockt: „Es kann bis zu drei Tage dauern, sehr schmerzhaft sein, und die Wehen dauern länger…“.

Eine Einleitung kann tatsächlich sehr lange dauern. Es kommt unter anderem darauf an, ob ein Körper überhaupt geburtsbereit ist. Und wenn nicht, dann ist er auch nur schwer zu überreden. Ob Wehen nach einer Einleitung wirklich schmerzhafter sind, weiß ich aber nicht. Das könnte auch nur so empfunden werden, weil sie „gemacht“ sind.

Plötzlich wurde ich unruhig. Aber eine ganz liebe, junge Hebamme, die ich in den nächsten Stunden sehr ins Herz schloss, beruhigte mich gleich wieder. Sie redete noch mal mit mir über alles und legte mir dann die erste Dosis Gel auf den Muttermund. Das empfand ich als sehr unangenehm und durfte eine Stunde lang nicht aufstehen.

Die Einleitung erfolgte mit einem Prostaglandin-Gel. Prostaglandine sind Hormone, die Kontraktionen auslösen können. Diese sind übrigens auch im Sperma vorhanden, weshalb wir, zum Auslösen der Wehen, auch gerne mal Geschlechtsverkehr als natürlichen Einleitungsversuch empfehlen.

Die „künstlichen“ Wehen haben sofort angeschlagen: Alle drei bis fünf Minuten hatte ich starke Wehen, mein Mann hielt mir die Hand.
Nach ein paar Stunden war der Muttermund immer noch geschlossen. Ich sollte spazieren gehen. Alle zwei Stunden hieß es zur Kontrolle ans CTG. Eine zweite Dosis des Wehengels bekam ich an dem Tag nicht mehr, da ich ja bereits leichte Wehen hatte. Am Abend war der Muttermund 1 cm geöffnet. Ich freute mich, dass es voran ging, auch wenn es langsam war.
Spät abends wurden die Wehen dann stärker. Und ich bekam Buscopan zum entkrampfen. Plötzlich wurde mir sehr schlecht. Ich musste mich übergeben. Tief in der Nacht ging es mir wieder besser und ich konnte sogar ein bisschen schlafen.

ET+5

Donnerstag früh hatte ich keine Wehen mehr. Im Kreißsaal bekam ich, von der gleichen lieben Hebamme wie am Vortag, die doppelte Dosis Wehen-Gel. Wieder gingen die Wehen sofort los, allerdings viel heftiger als am Tag zuvor. Mir war übel, ich konnte nichts essen. Ich musste spazieren und nochmals spazieren. Mittags war der Muttermund auf 1,5 cm. Nicht viel weiter also, es zog sich wie Kaugummi. Mir wurde immer schlechter. Ich konnte nichts essen und musste mich permanent übergeben. Ich konnte nicht mal mehr Wasser bei mir behalten.

Am Nachmittag schlug mir meine Hebamme eine PDA vor, fragte mich aber auch nach der von mir im Vorgespräch gewünschten Wassergeburt. Nein, auf einmal wollte ich nicht mehr ins Wasser. Und eigentlich wollte ich auch keine PDA. Ich war allerdings sehr verkrampft. Sie sagte mir, dass ich entspannen müsse und manchmal würde eine PDA auch helfen, den Muttermund schneller zu öffnen. Nach einer Stunde Grübeln und Beratung durch eine weitere Hebamme entschied ich mich dann doch für eine PDA und gegen das Wasser und war froh, dass eine befreundete Anästhesistin mir die PDA legte.

Oh, schade! Die Chance, dass das warme Wasser der Wanne lindernd wirkt ist extrem hoch. Das würde ich immer probieren. Ich verspreche meinen Frauen immer, dass sie sofort wieder raus kommen dürfen, wenn sie es nicht mögen. Und was soll ich sagen? 99% lieben es! Die PDA läuft ja nicht weg und man kann in der Wanne „in Ruhe“ drüber nachdenken.

Nach vielen weiteren Stunden kam der Oberarzt der Anästhesie und teilte mir mit, dass die PDA bei mir nicht richtig wirken würde. Ich konnte es kaum glauben. Ich war irgendwie sauer: Da hatte ich mich zu einer PDA durchgerungen und dann wirkte sie nicht!? Aber immerhin war spät abends der Muttermund komplett offen. Leider ging es mir immer noch sehr schlecht und ich musste mich, während der Wehen, oft übergeben. Ich bekam viel Flüssigkeit, Buscopan und Paracetamol über den Tropf.

Das ist natürlich frustrierend. Aber es kommt gar nicht mal so selten vor, dass eine PDA nicht oder nur unzureichend wirkt. Häufig kommt es daher, dass der PDA-Katheter nicht richtig sitzt und es hilft nur das erneute Legen. Manchmal hilft aber auch das nicht und einem gehen, PDA-technisch, die Optionen aus.

Unser Sohn tat sich schwer damit ins Becken zu rutschen. Ständig musste ich mich in den Vierfüßler-Stand und auf die Seite drehen. Meine Fruchtblase wurde von Hand geöffnet und ich musste mich, unter großem Protest, sogar hinstellen. Es war eine Qual. Nichts passierte…

Wenn die Geburt nicht mehr weitergeht, versucht man erst mal heraus zu finden, was die Ursache ist und ob man noch irgend etwas tun kann. Reichen die Wehen einfach nicht aus? Hilft etwas Bewegung dem Kind dabei, den Weg durch das Becken zu finden? Oder passt das Baby einfach nicht durch das Becken hindurch?
Wenn sonst alles in Ordnung ist, sich aber ungefähr zwei Stunden lang nichts tut, spricht man von einem Geburtsstillstand. Da eine PDA eine Geburt sehr verzögern kann, wartet man hier sogar teilweise noch länger, bevor man diese Diagnose stellt. Und natürlich betrachtet man immer die jeweilige Frau mit allem, was sie im geburtshilflich relevantem Sinne mitbringt.

Mittlerweile ET+6

Dann endlich sollte ich doch mitschieben. Die Hebamme tastete immer wieder und ihr Blick wanderte ständig zur Ärztin. Irgendetwas war los. Ich wusste es, aber ich konnte es nicht einordnen. Unser Sohn wollte partout nicht weiter nach unten rutschen. Die Ärztin sagte auf einmal, dass sie jetzt einordnen müsste, ob es ein Kraftproblem sei, oder ob unser Sohn eventuell nicht durch das Becken passt. Es würde für mich jetzt sehr unangenehm werden. Sie drückte mit ihrem Ellenbogen von außen mit und versuchte so unseren Sohn nach unten zu schieben.

Sie hat hier den Kristeller-Handgriff angewendet. Dabei wird mit Hand oder Unterarm (möglichst nicht mit dem Ellenbogen!) von Oben auf den Bauch, also die obere Gebärmutterkante, und synchron zum Wehenverlauf, mitgedrückt.
Ich war ja nicht dabei und es ist immer schwierig eine Situation im Nachhinein zu beurteilen, aber dieser Griff sollte wirklich nur in der späten Austreibungsphase zum Einsatz kommen. Ebenso sollte er immer gut erklärt werden, da er für die Frau sehr unangenehm und für Angehörige gruselig anzusehen ist.

Mein Mann stand hinter dem Bett, hielt mich an den Schultern fest und musste selbst wegsehen. Den Anblick fand er sehr erschreckend. Leider hatte das Mitschieben nicht den gewünschten Erfolg.
Wir warteten weiter. Ich sollte immer mal wieder pressen bzw. schieben und hoffte, dass mein Kind sich endlich in mein Becken schraubt. Es war jetzt mitten in der Nacht und ich war nach fast 40 Stunden so erschöpft wie noch nie. Ich schwitzte so stark, dass mein Mann mich zwischendurch umzog.

Hier wollten die Geburtshelfer offensichtlich noch die letzte Chance nutzen, damit sich das Kind eventuell doch noch durch das Becken bewegt. Und anscheinend ging es dem Kind, bei all den Manövern, trotzdem noch gut.

Ein bisschen „Gift“

Die Schmerzen waren unerträglich und mir war immer noch sehr übel. Ich bekam ein Schmerzmittel aus dem Giftschrank. Das klang irgendwie ganz schlimm. Mein Mann und ich vergewisserten uns mehrfach, dass dieses starke Schmerzmittel wirklich unbedenklich für unseren Sohn und mich sei.

Das ist meistens Meptazinol oder ein anderes „dem Opium ähnliches“ Schmerzmittel. Diese wirken sehr gut gegen Geburtsschmerzen, können aber beim Baby nach der Geburt die Atmung erschweren. Gegen Schmerzen eingenommen, wirken diese Stoffe übrigens nicht suchterzeugend. Vorausgesetzt man war in der Vergangenheit nie abhängig.
Giftschrank“ hört sich gruselig an, oder? Das bezeichnet den abgeschlossenen Schrank, in dem die Opiate gelagert werden. Bei Entnahme müssen stets zwei Personen gegenzeichnen. In jeder Schicht wird gezählt, ob die Anzahl noch stimmt.
Vielleicht sollten wir aber lieber Schmerzmittelschrank sagen?

Zum Glück hatte unser Sohn die ganze Zeit sehr gute Herztöne. Das beruhigte mich sehr.
Das Schmerzmittel wirkte. Ich fühlte mich wie in Trance und wurde nur zu den Wehen richtig wach. Die Ärztin gab uns noch eine Stunde. Sie besprach mit uns schon einige Zeit vorher einen möglichen Kaiserschnitt. Es war jetzt zwei Uhr nachts und ich veratmete die Wehen und hoffte, dass unser Sohn jetzt tief im Becken lag und gleich zur Welt kommen würde.

Kaiserschnitt

Um drei Uhr brachen Hebamme und Ärztin ab. Sie entschieden, dass ein Kaiserschnitt gemacht werden müsse. Ich brach in Tränen aus, fragte meine Hebamme ob ich versagt hätte. Alle sprachen mir Mut zu und verneinten. Ich hätte gekämpft und manchmal sei es eben so, dass es nicht weiter ginge. Ich war so traurig, aber auch gleichzeitig froh, dass es bald vorbei sein würde. Ich hatte keine Kraft mehr.

Während wir in den OP fuhren und die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, hielten mir die Ärztin und meine Hebamme die ganze Zeit die Hand. Sie streichelten mir über den Kopf und fragten ganz viele Dinge: Wie würde mein Kind heißen? Ob es schon ein Kinderzimmer gäbe… Es war ein liebes Ablenkungsmanöver.

Um 03:45 Uhr wurde unser Sohn per Kaiserschnitt geboren. Er konnte uns nur kurz gezeigt werden. Die Schädelplatten waren stark verschoben, er hatte eine Art „Treppenstufe“ im Kopf und musste sofort untersucht werden.

Entwarnung

Aber alles war in Ordnung. Er war gesund und sehr munter. Ziemlich groß und kräftig war er sogar. Da ich selbst sehr zierlich bin, haben alle schon etwas gestaunt über das kräftige Kind.

Der Grund für den Geburtsstillstand könnte also ein Mißverhältnis gewesen sein. Das würde auch die starke Kopfdeformation erklären. Hier wäre natürlich interessant zu wissen, wie schwer Du zu Deiner Geburt warst und ob Dein Mann ein sehr großer ist. Auch würde mich interessieren, ob Dein Sohn sich denn richtig ins Becken eingestellt hat. Wurde Dein Becken vermessen? Diese Fragen gilt es meiner Meinung nach noch in Hinsicht auf eine mögliche weitere Geburt zu klären.

Der Kleine wurde meinem Mann im Kreißsaal auf den nackten Oberkörper gelegt und durfte dort bonden. Ich kam ca. 30 Minuten später aus dem OP und übernahm ihn dann. Wir waren total erschöpft, aber erst mal sehr glücklich, voller Liebe und dankbar: Nach 42 Stunden war unser Sohn endlich bei uns!

Heute – 1 ½ Jahre danach

„Protrahiert verlaufende Eröffnungsperiode. Sekundäre Sectio nach Geburtsstillstand in der Austreibungsperiode. Geburtshindernis, durch Beckendeformität“. So steht es jetzt, schwarz auf weiß, in meinem Mutterpass. Geburtshindernis?! Klingt merkwürdig und mit sowas hatte ich auch nicht gerechnet. Aber man kann vorher mit nichts rechnen, das habe ich jetzt gelernt.
Lange, lange habe ich mit meiner Geschichte gehadert. Mittlerweile kann ich mich mit dem Kaiserschnitt abfinden. Aber manchmal kreisen doch noch die Fragen in meinem Kopf: „Ob wir es nicht doch ohne Einleitung und Kaiserschnitt geschafft hätten?!“ Mein Mann und meine Nachsorgehebamme waren eine große Stütze. Ich habe lange mit beiden über die Geburt gesprochen. Das hat mir sehr geholfen.
Heute sind wir alle gesund und munter und unser Sohn ist unser größtes Glück. Wir sind eine sehr stolze und glückliche kleine Familie. Und wer weiß, vielleicht kann ich in ein paar Jahren das Geschwisterchen normal entbinden. Ich wünsche es mir zumindest sehr!

Das „Was wäre wenn?“

…beschäftigt viele Frauen nach einer nicht wunschgemäß verlaufenen Geburt. Natürlich lässt sich so eine Frage niemals wirklich abschließend klären. Einiges hätte man anders machen können. Aber man weiß am Ende nie wohin der andere Weg einen geführt hätte. Und nach vielem Besprechen und Grübeln muss man irgendwann versuchen seinen Frieden mit der eigenen Geschichte zu machen.
In sofern hat Sanna das genau richtig gemacht: Sie hat sich mit den richtigen Menschen ausgetauscht. Mit ihrem Mann, der dabei war und mit dem sie ihr Erleben abgleichen konnte, und mit ihrer Hebamme, die ein Fachverständnis für den Verlauf hat.

Liebe Sanna, ich danke Dir sehr für Deine Geschichte!



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15 Kommentare
  1. kiddo the kid
    kiddo the kid sagte:

    Oh Mann, das hätte echt meine Geschichte sein können. Beziehungsweise, sie ist es, mit einigen wenigen Abweichungen. Ich ging auf Anraten meiner Hebamme vor der PDA noch in die Wanne. Leider ging es mir im Wasser sehr viel schlechter, und ich kam alleine gar nicht mehr raus. Danach wurde mir gesagt, dass der Muttermund von 8cm wieder auf 4cm zugegangen sei. DAS war vielleicht frustrierend. Wusste vorher gar nicht, dass das überhaupt möglich ist.

    Danke fürs Teilen, liebe Sanna.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Ach ja, der „auf und zu gehende Muttermund“: ein Phänomen.
      Im Nachhinein fragt man sich: „haben wir falsch untersucht, oder ist das wirklich passiert?“
      Wie auch immer, ist das für die Frau natürlich total frustrierend. Das danach erst mal nichts mehr geht kann ich verstehen.
      LG
      Jana

      Antworten
  2. Sarah Mom
    Sarah Mom sagte:

    Ja, das kommt mir auch sehr bekannt vor. Bei meiner Tochter habe ich auch gekämpft und nix hat sich getan. Es war so frustrierend und dann die Entscheidung Kaiserschnitt. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich zu dem Zeitpunkt schon so erschöpft war (es waren über zwei Stunden kräftige Presswehen ohne jegliches Schmerzmittel), dass ich gleich zugestimmt habe. Unsere Tochter hatte auch einen deformierten Kopf, es war aber zum Glück alles in Ordnung mit ihr. Nachdem ich das einigermaßen verdaut hatte, bin ich auf Ursachensuche gegangen. In meiner zweiten Schwangerschaft wurde ich osteopathisch von meiner Hebamme betreut und die hat eine Fehlstellung meines Beckens diagnostiziert. Ich war mal vor Jahren ganz blöde auf den Hintern gefallen. Durch die Fehlstellung waren die Beckenknochen nicht mehr beweglich genug, damit meine Tochter durchgepasst hätte. Meine Hebamme hat es tatsächlich geschafft, mit einem kräftigen Ruck diese Blockade zu lösen. Abenteuerlich, aber ich habe meinen Sohn dann wenige Monate später ganz natürlich innerhalb von 4h auf die Welt gebracht (im Geburtshaus! So viel Vertrauen hatte ich zu meiner Hebamme und ihren Künsten!) Jetzt habe ich meinen Frieden mit mir und meinem Körper geschlossen. Und am Ende zählt so wie so nur, dass die Kinder gesund auf die Welt kommen !!!!!

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Wow, das ist ja letztlich ne Mut-mach-Geschichte! Danke!
      Allerdings ist für viele traumatisierte Frauen der Spruch: „Hauptsache gesund“ein Hohn.
      Denn sie haben zwar ein gesundes Kind, fühlen sich aber selbst nicht mehr heil.
      Aber schön, dass Du so gut damit umgehen konntest.
      LG
      Jana

      Antworten
  3. Esther
    Esther sagte:

    Da hat ein Kind und ein Frauenkörper also nicht das gemacht was sie machen sollten! Und das obwohl nach allen Regeln der Geburtsmedizin gehandelt wurde. Einleitung bei offensichtlich unreifem Befund, weitermachen obwohl es der Gebärenden immer schlechter ging, PDA gelegt, um das fremdauferlegte Leiden zu lindern, Lagerungsversuche und letztlich der gewaltsame Versuch ein Kind durch den Geburtskanal zu prügeln. Da hat das Krankenhaus aber schon ordentlich Kasse gemachtt, musste aber wegen zielloser Versuche unnötig Zeit verschenken. Was liegt da näher als ein Missverhältnis zu diagnostizieren $ka-ching$, da wird die Frau in Zukunft direkt für den Kaiserschnitt gebucht. Mich wundert, aber in der Tat, dass so eine Praxis hier von der Hebamme noch einmal bestätigt wird.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Es ist nicht mein Ziel, die Berichte zu be(oder ver)urteilen. Sondern den Frauen zu helfen, das Geschehene zu verarbeiten und vielleicht etwas besser ihren Frieden mit ihren Geschichten zu machen. Ich versuche in meinen Geburtsberichten einfach Handlungen zu erklären.
      Im übrigen ging es hier sicher nicht um Geld. Wenn es eine zusätzliche Motivation gab, dann war das Angst. Die ist fast immer mit dabei. Auf der einen, der Anderen, oder auf beiden Seiten.

      Antworten
      • Esther
        Esther sagte:

        Inwiefern die Bestätigung einer zweifelhaften, nicht einmal bestätigten, Diagnose einer Mutter helfen soll das Geschehene zu verarbeiten ist mir dann aber schleierhaft.
        Dann möchte ICH mich hier als Mutter und Frau hinstellen und dir Sanne Mut machen! Hinterfrage diese Kaiserschnittindikation, hinterfrage den Stempel der dir nun aufgelegt wurde. In dir liegt die Kraft zu gebären, denn sie liegt in jeder von uns Frauen! Leider hat man dir für dieses Mal die Fähigkeit aberkannt. An dieser Stelle zitiere ich für alle Mitlesenden, für alle Frauen die ähnliches erlebt haben, Ina May Gaskin: „There is a secret in our culture, and it’s not that birth is painful, it’s that women are Strong“

        Antworten
        • Franziska
          Franziska sagte:

          Vielleicht sollte man sich allerdings auch mal klar machen, dass früher Mütter und Kinder aufgrund solcher Komplikationen und Verzögerungen bei der Geburt gestorben sind. Da nützt auch die größte Kraft zum Gebären nichts. Deswegen sollte man eventuell in diesem Fall den medizinischen Fortschritt und die Möglichkeit eines Kaiserschnitt als Glück betrachten und der armen Frau nicht noch mit solchen starren Ansichten ein zusätzlich schlechtes Gewissen machen!!

          Antworten
  4. Katja Grach (@krachbumm_com)
    Katja Grach (@krachbumm_com) sagte:

    Ich hatte ebenfalls einen Kaiserschnitt nach Einleitung. Geplant war eigentlich eine Hausgeburt. Froh bin ich, dass bei mir das Prozedere nicht so ewig gedauert hat, aber ein Schock war es alle mal. Einer der mir lange und tief in den Knochen gesessen hat. Und ich frage mich – weil hier ist ja wirklich nur der Geburtsbericht – wie es dir Sanna in der Zeit danach ging (gerade auch weil du den Bericht so oft umgeschrieben hast).

    Mir ging’s so: http://www.krachbumm.com/2014/10/21/von-der-hausgeburt-zum-kaiserschnitt-wenn-liebe-ohne-herzchen-ist/

    Antworten
  5. Yvonne
    Yvonne sagte:

    Fast meine Geschichte – vor 8 Jahren wollte ich mein zweites Kind auf normalen Weg zur Welt bringen – da ich Schwangerschaftsdiabetes hatte, wollten die Ärzte einleiten – hatte 4 Tage starke Schmerzen, Mumu öffnete sich jedoch nur bis auf 1,5 cm. Am 4 Tag hatte ich Presswehen, die von den Ärzten jedoch nicht ernst genommen wurde und in der Nacht ging die Plazenta vor meinem Sohn ab – NOTKAISERSCHNITT mit anschließender Intensivstation, da mein Sohn eine Sepsis hatte !

    Antworten
  6. Duddelmaus
    Duddelmaus sagte:

    Ich habe einen ähnlichen Weg hinter mir und doch habe ich ihn so anders erlebt.
    Bei mir setzten nach einem Blasensprung spontan Wehen ein und obwohl wir es vorher nicht so geplant hatten ging es mir auch unter den Wehen so gut dass wir spontan zuhause entbinden wollten (dank zweier toller Hebammen wäre das gegangen). Aber nachdem bei voll eröffnetem Muttermund die Wehen schwächer wurden und sich mein Baby auch nach verschiedenen Versuchen ihm dabei zu helfen nicht ins Becken bewegen wollte oder konnte ging es doch in die Klinik, eigentlich um mit einem Wehentropf die Geburt zu unterstützen. Dort angekommen waren die Herztöne im CTG allerdings schon nicht mehr ganz so gut so dass wir uns für einen Kaiserschnitt entschieden haben damit es nicht im Zweifelsfall zu einem Notkaiserschnitt käme.

    Ich kenne das Gefühl des „was wäre wenn“, hätte es vielleicht doch geklappt wenn ich mich gegen den Kaiserschnitt und für den Wehentropf entschieden hätte? Das werde ich wohl nie wissen. Und doch habe ich nicht mit der Geburt zu „kämpfen“ da ich immer das Gefühl hatte dass ICH während der Geburt entschieden habe. Als es darum ging ob wir in die Klinik fahren oder weiter zuhause bleiben hat meine Hebamme MICH gefragt was ich tun möchte und ich habe mich für die Klinik entschieden, als die Herztöne dann nicht mehr so gut waren und sowohl meine Hebamme als auch die Ärzte in der Klinik darüber nachdachten ob ein Kaiserschnitt besser sei (die Hebamme schätzte dass das Baby zu groß für mein Becken war und er war auch kein Leichtgewicht) wurde mir nicht gesagt dass man einen Kaiserschnitt machen müsse sondern ICH wurde gefragt was mir lieber sei. Und im Nachhinein glaube ich dass mir dies heute das Gefühl gibt dass meine Geburt nicht fremdbestimmt war und dass in den Schlüsselmomenten meine Stimme gehört wurde.

    Trotzdem habe ich auch oft die Fragen im Kopf ob es auch irgendwie ohne den Kaiserschnitt gegangen wäre, ob ich richtig entschieden habe, vielleicht hätte er sich ja doch noch eindrehen können obwohl sein Kopf quer zum Becken lag?
    Aber immerhin habe ich das Gefühl dass es meine Entscheidung war und nicht eine Entscheidung die von Ärzten und Hebammen über meinen Kopf hinweg getroffen wurde. Und ich bin meinen Hebammen sehr dankbar dass sie mir diese Entscheidungen überlassen haben.

    Antworten
  7. Freya
    Freya sagte:

    Da ich von den möglichen Folgen von den medizinischesn Eingriffen in den Geburtsverlauf weiß, bin ich immer traurig, dass so viel mit Wehenmitteln getan wird. Aber ich kann es total verstehen. Vor allem mit dem Fall Anna im Rücken.
    Da herrscht so viel Angst und man will doch alles richtig machen. Was kann man denn mehr verlangen? Für viele ist das eben absolut das richtige.
    Was mich meistens an Klnikgeburtsberichten immer schockt, ist wie mit den Frauen umgegangen wird. Hier ist das absolut nicht so! Und das erfüllt mich mit ganz viel Wärme und Freude. Weil mir wieder so klar wird (wahrscheinlich verlier ist das manchmal aus den Augen), dass es so viele tolle Geburtsärzte gibt und so viele tolle Hebammen und so viel Bemühung und Wärme herrschen kann, wenn Menschen lieben was sie tun. Und ihre Umgebung das unterstützt.
    Zerreißen tut es mich vor allem immer bei kalten Geburtshelfern und verzweifelten Frauen, die hinterher beschreiben wie allein sie sich gefühlt haben und im Op niemand mit ihnen sprach. Was ich hier lesen durfte, hat mich wirklich zu Tränen gerührt. Ich fands so schön.
    Ich bin dir wirklich dankbar. Mein Kopf weiß, dass auch eine Kaiserschnittgeburt eine Geburt ist. Und vielleicht hat so ein Kindchen auch was mitzureden an seiner Geburt? Da hört man so schöne Geschichten, wie dies und das geschah, damit der Papa die Geburt miterleben konnte, der aufgehalten worden war. Natürlich kratzt das ein Bisschen an metaphysischen Themen. Aber für mich gibt es in dieser Welt so etwas wie Schicksal und auch eine Seele die ein ganz bestimmtes Leben leben möchte.

    Ich finde dass es generell gesehen keine besseren und schlechteren Geburten gibt. Natürlich sind manche Erlebnisse von Müttern tragisch und traurig und ich bin die erste die Tränen des Mitgefühls vergießt. Ich meine nur, dass es vor allem darauf ankommt, wie die Mutter die Geburt verarbeiten kann. Man wird sie nie vergessen können, aber verarbeitet, kann man irgendwann mit einem positiven Gefühl von Wachstum darauf zurückblicken. Zumindest hoffe ich das für alle Frauen, die negative Gefühle in Bezug auf ihre Geburten fühlen.

    Antworten
  8. Yolanda
    Yolanda sagte:

    Ich möchte auch mal meine Geschichte erzählen. Aufgrund einer Schwangerschaftsdiabetes wurde die Geburt am errechneten Geburtstermin mit der Tablette Cytotec eingeleitet. Ich hätte am liebsten noch auf das natürliche Eintreten der Wehen gewartet. Davon wurde mir aber abgeraten. Ich wollte eigentlich eine sehr natürliche Geburt im Krankenhaus haben. Ich bekam alle vier Stunden wieder die Tablette Cytotec. Nachts wachte ich dann von den Wehen auf. Da war mein Muttermund schon völlig offen, ohne dass ich vorher Wehen hatte. Da war es drei Uhr nachts. Für eine PDA war es schon zu spät. Bis 6 Uhr morgens hatte ich heftige Wehen und musste mich auch ständig übergeben. Um 6 Uhr wechselte die Hebamme und meinte, dass mein Baby in ca. 3 Stunden da sei. Die Ärztin kam auch und untersuchte mich vaginal. Aber das Baby bewegte sich nicht von der Stelle. Um 8 Uhr untersuchte mich die Ärztin wieder vaginal und meinte:“ Drücken Sie mal.“ Irgendwie konnte ich nicht drücken, oder es war zu wenig. Jedenfalls meinte sie dann, es müsse Kaiserschnitt gemacht werden. Das Kind würde da nicht durchkommen. Ich hatte gedacht, sie macht einen Witz. Ich war enttäuscht, weil die Hebamme vorher ja sogar gesagt hatte, es würde nur noch ca. 3 Stunden dauern. Ich hatte das Gefühl, das die ganzen schmerzhaften Wehen umsonst gewesen seien. Auf der anderen Seite war ich froh, dass die Wehen nun vorbei waren. Ich dachte:“Hauptsache raus jetzt.“ Den Kaiserschnitt fand ich nicht so schlimm. Mein Sohn war gleich hellwach, wurde aber erst weggetragen und hat auch nicht gleich geschrien. Nachher wurde mir gesagt, dass Fruchtwasser sei schon grün gewesen, und mein Sohn hätte nicht durch das Becken gepasst. Aber oft denke ich, dass der Kaiserschnitt zu schnell gemacht wurde. Ich hatte ja gar nicht so lange Wehen. Ich war um 8 Uhr morgens im OP. Das Krankenhaus ist bekannt dafür, dass es schnell Kaiserschnitte macht. Ich denke oft, dass die den Kaiserschnitt gemacht haben, weil sie damit mehr verdienen. Und außerdem war ich schon Spätgebärende mit 42 Jahren. Aber im Endeffekt ist es mir wichtiger, dass mein Sohn gesund ist. Ansonsten haben ich die Geburt gut verarbeitet.

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