Mit dem Popo voran – Geburtsbericht einer Beckenendlage

Mit dem Popo voran – Geburtsbericht einer Beckenendlage

Wer hier schon länger liest, der weiß, dass ich ein Faible für Geburten aus Beckenendlage habe. Vielleicht, weil meine Tochter auch so geboren wurde? Lange Zeit wurden Beckenendlagengeburten als extrem risikoreich eingeschätzt – zu Unrecht, wie inzwischen bekannt ist.
Frauen, deren Kinder mit dem Popo voran lagen, wurden kurzerhand – aus Sicherheitsgründen – per Kaiserschnitt entbunden. Im Zuge dessen ist das Wissen für eine gute Beckenendlage-Begleitung mancherorts leider fast vollständig verloren gegangen. Glücklicherweise hat sich das aber schon wieder geändert, so dass inzwischen wieder mehr Kliniken Beckenendlagengeburten im Repertoire haben. Das ist übrigens ein ganz typisches Hin- & Her in der Entwicklungsgeschichte der deutschen Geburtshilfe…

Als Cathleen ihren Sohn bekam, hatte dieses erneute Umdenken gerade erst begonnen. Es ist also schon etwas länger her, da schickte sie mir den Geburtsbericht ihrer Beckenendlage (BEL) mit den Worten:

„Der Chefarzt hatte uns von der spontanen Geburt abgeraten.
Aber ich erlebte eine spontane, wunderschöne und schnelle Geburt ohne Komplikationen. Ich hoffe darauf, dass mein Bericht vielen Frauen Mut schenkt. Das wäre toll. Denn dies ist mein Plädoyer dafür, doch auf sein eigenes Gefühl zu hören. Babys in Beckenendlage sind nämlich nicht falsch, sondern nur andersherum.“

Dem kann ich mich nur anschließen. In den allermeisten Fällen ist eine BEL-Geburt nämlich gar kein Problem, vorausgesetzt die Hebammen oder Geburtshelfer kennen sich damit aus. Es gibt nur wenige Gründe, die gegen eine spontane BEL-Geburt sprechen. Hier kommt Cathleens Geburtsbericht, wie immer mit kleinen Anmerkungen von mir in lila:

Ausgangsposition: Beckenendlage

Zum vierten Mal standen die gefürchteten drei Buchstaben in meinem Mutterpass: BEL. Das war in der 32. Schwangerschaftswoche. Mein erstes Kind, ein Sohn. Ich erinnere mich an unseren Geburtsvorbereitungskurs: Die Hebamme zeigte eine Steißgeburt anhand eines Modells. Selbst dabei war es schwierig, die Babypuppe durch das Becken zu bekommen.

Oh ja, es ist generell schwierig, eine Puppe durch ein Demo-Becken zu stecken. Das kommt einerseits daher, dass ja wirklich wenig Spielraum vorhanden ist, und andererseits eine Puppe auch keinerlei Körperspannung hat, nicht mit hilft und vollkommen trocken ist. Bei einem echten Baby ist das während einer echten Geburt alles etwas anders.

Bis zur 36. SSW, so sagte man mir, sollte ich mir keinen Kopf um die Entbindung und mögliche Schwierigkeiten machen. Vielleicht gibt es Frauen, die das können – zu denen zähle ich sicher nicht! Ich habe mir Gedanken gemacht – mal mehr, mal weniger. Unser Sohn sollte auf natürliche Art und Weise auf die Welt kommen, am besten in einer schönen Atmosphäre. Soweit meine Vorstellung. Tja, jetzt hatte ich ein sitzendes Baby in mir – schon seit der 24. Woche.

Bis zur 32. SSW gehen wir immer noch davon aus, dass das Baby sich drehen wird. Wenn es sich zwischen der 32. & 34. SSW allerdings noch nicht gedreht hat, dann bleibt es meistens auch so. In der 36. SSW kann man noch einen Versuch der Äußeren Wendung machen. Wenn das nicht klappt, dann entscheidet man sich für den gewünschten Geburtsmodus: Spontangeburt oder Kaiserschnitt.

Meine Beleghebamme – zum Glück hatte ich eine – machte mir Mut. Also informierte ich mich zusammen mit meinem Partner. Das war schwierig. Im Internet fanden wir zahlreiche, schreckliche Berichte über vaginale Beckenendlagen-Geburten. Fundierte Informationen aber gab es nur wenige. Nach Gesprächen mit Hebamme und Ärzten stand für uns fest, dass unser Kind, wenn möglich, selbst entscheiden dürfte, wann es kommen möchte. Also kein geplanter Kaiserschnitt. Nein, wir wollten eine spontane Steißgeburt.

Natürliche Wendungsversuche

Die Hoffnung, dass unser Kind sich noch drehen würde, blieb. Doch mein Gefühl sagte mir schon früh, dass da irgendwas nicht passt. Die Wochen vergingen. Von Osteopathie, über Moxen, Akupunktur und sogar Purzelbaumöl – ich probierte alles aus.

Was man alles machen kann, um ein Baby zur Wendung zu bewegen, habe ich im Artikel „Beckenendlage – Klar zur Wendung?!“ für euch zum Nachlesen aufgeschrieben.

Zum Glück hatten wir uns für ein Krankenhaus entschieden, in dem Steißgeburten durchgeführt werden. So saßen wir einige Male bei der Risikoschwangerschaftssprechstunde. Eine spontane Geburt aus Beckenendlage wird nur dann gemacht, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Das Gewicht und das Kopf-Bauch-Verhältnis des Kindes wurden kontrolliert und ebenso seine Lage. Unser Kind lag in einer reinen Steißlage. Seine Beine waren nach oben geschlagen. Alle Kriterien für die vaginale Entbindung waren gegeben.

Die äußere Wendung – ein Versuch

Wir hatten uns dazu entschieden, eine Äußere Wendung zu versuchen. Das war 37+0. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass ich dem zustimmen würde, hätte ich es ihm nicht geglaubt. Die Prozedur war unangenehm und schrecklich. Vorwärtsrolle klappte nicht. Beim Versuch der Rückwärtsrolle stoppte ich. Unserem Kind ging es nicht gut dabei und mir auch nicht. Nur bei dem Gedanken daran, bekomme ich noch heute Gänsehaut.

Eine Wendung klappt entweder relativ unkompliziert, oder es soll eben nicht sein.
Ich denke jedenfalls immer:
„Wenn es nicht einfach geht, dann geht es einfach nicht.“
Es wird schon seinen Grund haben… Einmal habe ich eine Wendung erlebt, bei der dann ein Notkaiserschnitt nötig war. Das war, nachdem die Frau – gegen ihren Wunsch – zu einem Wendungsversuch überredet wurde.

Bangemachen gilt nicht!

Es blieb also eine Beckenendlage.
Die Geburt kam für mich völlig überraschend. Ich hatte schon seit Wochen leichte bis mittelschwere Wehen – nicht erkennbar, ob es Senk- oder Übungswehen waren.
Bis zuletzt konnte ich wunderbar 12 Stunden am Tag schlafen. Doch zwei Tage vor der Geburt wurde ich unruhig. Ich wusste nicht warum. In meinem Kopf schwirrten nur die Geburt und die damit verbundenen Schwierigkeiten umher. Ich tat es damit ab, dass mir aus meinem Umfeld ständig Angst gemacht wurde. Das musste ich verarbeiten.

…und dann geht’s los

Sonntag vorm Zubettgehen hatte ich wieder leichte Wehen. Vielleicht zwei Stück. Das war 38+0.
Irgendwann schlief ich und wachte um 2 Uhr durch eine Wehe auf. Nichts Ungewöhnliches. 5 Uhr kam die nächste Wehe. Kurz auf die Toilette und wieder schnell ins warme Bett. Mein Partner entgegnete mir: „Sind das jetzt Senkwehen?“ Als ich das Licht ausmachte, merkte ich in der nächsten Wehe plötzlich einen Tritt meines Kindes und ein „Plopp“ – das war wohl die Fruchtblase.

Aufregung pur. Ich wusste ja nicht, ob der Steiß bereits tief im Becken saß. Sofort lagerte ich mein Becken hoch. Schnell die Handtücher vom Nachttisch geangelt (ich hatte vorsorglich welche deponiert) und unter den Po geschoben. Das Fruchtwasser schwappte bei jeder Bewegung unseres Babys heraus. Ich zitterte und war völlig aufgelöst. Der Anruf bei unserer Beleghebamme war schnell gemacht, der Krankentransport bestellt. Nach ewigen Diskussionen mit den Männern der Feuerwehr, die mich nicht auf einer Liege die Stufen herunter tragen wollten (ein Unding!), rannte ich die vier Stockwerke schnell herunter und sprang in das Auto auf die Liege. Mir war mulmig zumute und die Wehen kamen immer häufiger durch meine Anspannung. Hoffentlich ging es unserem Baby gut.

In wie fern die Positionierung der Frau die Häufigkeit, beziehungsweise das Auftreten eines Nabelschnurvorfalls überhaupt beeinflusst, dazu wird immer noch geforscht. Die ersten Ergebnisse gibt es hier: „Nabelschnurvorfall bei Blasensprung, hat die Position der Frau einen Einfluss?
Und wie hoch dementsprechend der Nutzen eines Liegend-Transportes nach Blasensprung ist, darüber hat meine liebe Kollegin Anja in „Fragen an die Hebamme #25: Liegendtransport bei Blasensprung?“ sehr ausführlich berichtet.
Alles in allem kann man sagen, dass der Liegendtransport ad absurdum geführt wird, wenn die Frau vorher die Treppe runter läuft.

Organisationsprobleme

Im Krankenhaus legte mich die Hebamme, die mich aufnahm, sofort ans CTG. Da waren sie, die Herztöne. Alles gut gegangen. Ich war erleichtert. Der Muttermund war tatsächlich schon drei bis vier Zentimeter offen. Ich war ein wenig verwundert, aber gut. Anscheinend ging es schnell. Der Steiß war fest, die Wehen waren noch unregelmäßig. Im Liegen waren sie unangenehm. Beim Laufen war alles gut auszuhalten.

Nach kurzer Untersuchung einer Stationsärztin kam nach gut drei Stunden der Chefarzt zu uns. Er hatte hochgezogene Augenbrauen. Das konnte nichts Gutes heißen. Er wollte noch einen Ultraschall machen. Vorher war uns gesagt worden, dass das nicht mehr nötig sei. Man wüsste ja, dass der Kopf oben läge. Ich schaute meinen Partner verwirrt an.

Nach der Untersuchung redete der Chefarzt auf uns ein. Er schallte unser Kind auf nur 2700 g und erzählte etwas von einer Nabelschnurumwicklung des Kopfes. (Bei der letzten Untersuchung war unser Kind bereits auf 3000g gemessen worden. Und vor der Äußeren Wendung hatten zwei unterschiedliche Ärzte nach der Nabelschnur geschaut. Da war nichts gewesen.)

Man sagt, die Messungen des Babys am Termin, variieren um bis zu +/- 500 Gramm. Sind schon Wehen vorhanden, wird es noch schwieriger.
Nabelschnurumwicklungen sind nur zu erkennen, wenn die Nabelschnur sehr locker um das Kind gewickelt ist, oder wenn man ein Ultraschallgerät nimmt, das den Blutstrom messen kann.
Fakt ist: die meisten Umschlingungen werden im Ultraschall nicht entdeckt. Und in den allermeisten Fällen sind sie auch komplett harmlos. Es kommen viele Kinder mit Nabelschnüren um Kopf, Arm oder Bauch zur Welt.

Er sagte uns, dass unser Vorhaben unter Umständen gefährlich sei. Und zu meinem Partner gewandt: „Ich an ihrer Stelle wüsste auch nicht, wie ich mich entscheiden sollte.“ Nebenbei kam dann noch das eigentliche Problem zur Sprache: das Personal. In diesem Krankenhaus wären entweder der Chefarzt, oder seine Stellvertreterin bei jeder Beckenendlagengeburt dabei. Sie wären die Erfahrensten. Der Chefarzt musste allerdings gleich zu einem Vortrag und seine Stellvertreterin war im Urlaub.

Gewissensfrage

Toll. Da lag ich nun mit geplatzter Fruchtblase, merkte wie sich alles in mir öffnete und die Entscheidung für eine vaginale Geburt musste noch einmal überdacht werden. Mir war zum Heulen zumute.
Es gab folgende Optionen:

  • gleich einen Kaiserschnitt zu machen
  • sich noch schnell in ein anderes Krankenhaus verlegen lassen
  • oder das Baby doch hier spontan aus Beckenendlage, aber mit einer nicht so erfahrenen Oberärztin zu bekommen

Zum Glück hatte mein Partner noch einen klaren Kopf und bat darum, die diensthabende Oberärztin kennenzulernen.

Eine halbe Stunde später ging die Tür auf und der Chefarzt kam mit zwei Oberärztinnen herein. Er meinte: „Die Personalfrage wäre geklärt!“ Die Oberärztin aus dem Nachtdienst, die gerade Dienstschluss hatte, wollte zur Geburt unseres Kindes wiederkommen. Es wären also zwei Oberärztinnen da, welche die Geburt begleiten wollten. Kurz wurde uns erklärt, wieviel Erfahrung die Ärztinnen hatten. Nun standen wir vor der schwierigen Frage, wie wir unser Kind bekommen wollten.

In diesem Moment sträubte sich etwas in mir gegen einen Kaiserschnitt. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass das nicht der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Unser Kind war stark, das wusste ich. Warum sollte es nicht so aus mir herauskommen? Ich weinte und fragte die Ärztinnen, wie ihr Gefühl dabei wäre. Im Nachhinein vielleicht eine blöde Frage, aber wie soll man auch so eine Entscheidung treffen?

Die Oberärztin aus dem Nachtdienst meinte, dass die Beckenendlage doch kein Problem sei. Die Wehen waren gut, der Muttermund ging auf und das Baby hatte keinerlei Stress. Sie tastete mich noch einmal ab, ob sich alles gut weiten würde und ging beruhigt nach Hause zum Schlafen. Eine tolle Ärztin. Wir hatten gleich das Gefühl, ihr vertrauen zu können. Mir kamen immer noch die Tränen, weil ich es komisch fand, dass wir uns gerade für den „unsicheren“ Weg entschieden hatten. Ich bin meinem Partner so unendlich dankbar, weil er in dieser Situation auf mein Bauchgefühl vertraut hat.

So soll es sein

Danach hatten wir etwas Ruhe. Mein Partner stärkte sich noch einmal mit Essen und ich lief im Kreis herum und veratmete Wehen. An Hinsetzen oder Hinlegen war gar nicht zu denken, das war zu unangenehm. Der Muttermund öffnete sich weiterhin gut und mit acht Zentimetern wurde es für mich doch noch schmerzhaft. Schon bald wurde die Oberärztin aus dem Schlaf geweckt und kam schnell angeradelt. Ich hatte schon eine für mich angenehme Geburtshaltung eingenommen: den Vierfüßlerstand. Und schon begann die Austreibungsphase. Kurze Absprache, ob wir das jetzt wirklich machen wollen. Alle hatten ein gutes Gefühl, also ging es los.

Der Vierfüßlerstand ist nach derzeitig vorherrschender Meinung die optimale Position für eine Beckenendlagengeburt. Toll, dass du dir diese Position von ganz alleine gewählt hast.

Gefühlt war die Austreibungsphase eine Fließbandarbeit. Ich schob das Kind nach unten, es rutschte ein Stückchen zurück, Pause … das ging etwa zwei Stunden so weiter. Für mich war es sehr gut, dass es so langsam voranging. Das Gefühl, dass da ein Kind durch meinen Körper durchgeht – daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.
Alle Anwesenden atmeten mit mir. Ich konzentrierte mich ganz auf mich, fühlte in mich hinein, aber folgte den klaren Anweisungen von Ärztin und Hebamme. Irgendwann hieß es dann: „Da ist schon der Po.“
Einige Wehen später lachte die Oberärztin und meinte: „Ihr Kind hat mir gerade sein kleines und großes Geschäft in meine Hand gemacht.“

Unser Sohn bewegte sich während dieser Phase immer noch doll und zeigte mir so, dass alles okay war. Selbst, als er schon halb aus mir heraus war, streckte er sich. Ein tolles Gefühl. Dann sprangen die Beinchen wie zwei Sprungfedern heraus. Wahnsinn. Von weitem hörte ich, wie weitere Personen in das Zimmer kamen. Die andere Oberärztin und ein Kinderarzt waren gekommen. Sie standen bereit, falls sie gebraucht würden. Wurden sie aber nicht. Es musste lediglich eine Armlösung durch die Oberärztin durchgeführt werden und der Kopf unseres Kindes wurde „herausgehoben“.

Das sind zwei geburtshilfliche Techniken, die ein Geburtshelfer bei einer BEL-Begleitung beherrschen sollte. Ich selbst hatte auch schon einmal die Ehre eine Beckenendlage zu entbinden, und zwar notgedrungender Weise ohne die eigentlich zwingende Anwesenheit der diensthabenden Ärztin… nachzulesen in: „Geburt aus Beckenendlage – Eine Geschichte aus dem Kreißsaal.“

Und dann plötzlich war es da. Unser Baby. Der Druck, der sich in der Schwangerschaft aufgebaut hatte, war draußen. Mein Sohn lag unter mir und schrie. Er war etwas blau, verknautscht und ganz schön groß. 3300 g schwer und 54 cm lang, wie sich später rausstellen sollte. Wow, ich war sprachlos. Ich hatte es geschafft, wir hatten es geschafft. Die Zeit stand still. Das schönste Gefühl überhaupt. Unbeschreiblich.

Hebamme und Oberärztin lagen sich in den Armen. Die anderen Ärzte hatten bereits den Kreissaal verlassen. Unserem Kind ging es prächtig. Wir waren so sagenhaft glücklich. Es war ein Wunder. Ein Traum. Unbeschreiblich. Die Geburt dauerte ab Blasensprung zehn Stunden.

Ohne die Unterstützung unserer Beleghebamme wäre so eine gute Geburt für mich nicht möglich gewesen. Die Atmosphäre im Kreissaal war entspannt und vertrauensvoll. Einfach toll. Die Ärztin, die Hebamme, wir als Paar und unser Kind – alles hätte nicht besser sein können.

Aus heutiger Sicht

Ich bin eine eher ängstliche Person, gehe immer auf Nummer sicher. Im Vorhinein wurde abgesprochen, dass wir die Möglichkeit der spontanen Entbindung nicht ausreizen werden. Wenn nur bei einem der Beteiligten ein schlechtes Gefühl aufgekommen wäre, hätten wir einen Kaiserschnitt gemacht.

Am zweiten Tag im Krankenhaus kam der Chefarzt zu uns und versuchte sich zu rechtfertigen – wahrscheinlich seine Art sich zu entschuldigen. Ich war zuerst sehr sauer auf ihn, mittlerweile bin ich ihm dankbar. Schließlich hatte sich in seinem Krankenhaus unser Traum erfüllt.

Wenn ich mir jetzt unseren Sohn so anschaue, kann ich mir nicht vorstellen, wie er da andersherum aus mir herauskam. Und genau das ist es: es ist unvorstellbar und deshalb so besonders. Ich werde mich ein Leben lang an diesen großartigen Moment erinnern und bin so unsagbar dankbar dafür.

Liebe Cathleen, vielen Dank für Deinen Bericht.

Die Ausgangsbedingungen für eine Geburt kann man sich natürlich nicht immer aussuchen. Mal hat man sich vorher eine schlaflose Nacht um die Ohren geschlagen und ist sehr müde. Oder es begegnet einem im Kreißsaal grummeliges Personal. Und ab und zu liegt das Baby eben in einer herausfordernden Lage.

Geburtsvorbereitung

Wie man in die Geburt startet, ist also von Frau zu Frau höchst unterschiedlich. Deshalb stellt für mich die Fähigkeit flexibel zu bleiben, eine der bedeutendsten Herausforderungen unter der Geburt dar. Das kann man vorher ganz leicht „mental trainieren“ und ist einer der Gründe, warum jede Frau und ihr Partner einen Geburtsvorbereitungskurs aufsuchen sollten.

Ich finde es mehr als bemerkenswert, dass Cathleen in all dem Chaos noch so gut auf ihr Bauchgefühl hören konnte. Die meisten Frauen hätte das ganze Hin und Her wohl gänzlich verunsichert. Aber ihr Wille war stark. Und sie hatte in ihrem Mann und der Beleghebamme eine richtig gute Begleitung. Das hilft natürlich und ist einer von vielen Faktoren, um eine richtig schöne Geburt zu erleben.

Und bei euch so? Alles Tutti?

Gab es bei euren Geburten auch so einen Moment, der alles in Frage gestellt hat? Wart ihr euch die ganze Zeit hindurch sicher, dass alles gut laufen würde? Oder gab es Zweifel? – Bei euch oder von anderen Begleitern? War euer Bauchgefühl gut? Oder hat es jemanden von euch auch schon mal in die Irre geführt?
Ich würde mich über eine kleine Ereignissammlung hier in den Kommentaren von euch sehr freuen.



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23 Kommentare
  1. Kati
    Kati sagte:

    Vielen Dank für diesen Bericht! Er kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn in diesen Tagen soll auch unser Baby aus Beckenendlage geboren werden. Bei uns kommt noch ein Faktor hinzu: Das erste Kind kam per Kaiserschnitt. Danke fürs Mutmachen!

    Antworten
    • Josi
      Josi sagte:

      Liebe Kati,

      Auch ich hatte eine spontane BEL-Geburt und kann mich nur anschließen: es ging vollkommen problemlos, es waren Hebammen und Ärzte anwesend, die sich damit auskannten und es war nicht schlimmer oder großartig anders als die erste Spontangeburt aus Schädellage.

      Meine Nachbarin hat ihr erstes Baby sogar auf dem Geburtshocker bekommen und das lag auch in BEL. Also lass dich nicht noch kurz vorher verrückt machen und alles Gute!!! Du schaffst das!

      Antworten
    • Mandy
      Mandy sagte:

      Ein wundervoller Geburtsbericht. Ich bin nach Recherche „Geburt aus BEL“ auf den Blog und somit auf diesen Geburtsbericht gestoßen. Er macht mir Mut, denn ich befinde mich in einer ähnlichen Lage. Meine Prinzessin sitzt seit Anfang an in BEL. Vor 7 Jahren hatte ich bereits einen Notkaiserschnitt. Mein Sohn lag aber in SL und als die Geburt nicht voran ging, musste er per Sectio geholt werden. Fazit: die Nabelschnur war 5 mal umwickelt. Da es aus der Geburt heraus passierte, konnte ich es halberwegs „gut“ verdauen. Allerdings hatte ich immer das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Ich wollte unbedingt eine „normale und natürliche“ Geburt erleben.
      Nun, bei unserem zweiten Baby die Sache mit der BEL. Ich war bereits zum Geburtsgespräch in einem KH. Die führen definitiv keine BEL-Geburten durch, machten mir keinen Mut und knallten mir einen Termin zum Kaiserschnitt vor die Füße. Am 12.09.2017 soll es sein. Irgendwie makaber- diese Vorstellung. Mein Mann und ich haben weniger glücklich das KH verlassen und seitdem sind wir sehr verunsichert und redeten uns alles irgendwie schön. Heute hatte ich CTG im Geburtshaus und redete mit meiner Vor- und Nachsorgehebamme. Sie merkte mir an, dass ich mit der Entscheidung „Kaiserschnitt“ unzufrieden bin. Fragte mich: Willst du dich wirklich aufschneiden lassen? Natürlich nicht! Sie bekräftigte mich, ein anderes KH aufzusuchen, die spontan aus BEL entbinden. Obwohl ich davor auch irgendwie Angst habe, da es ja nicht so normal und typisch ist. Zum Glück habe ich erstmal ein KH gefunden (nicht weiter als das andere) Ich habe kommenden Dienstag mit der Oberärztin einen Termin zur Planung. Ich bin so froh und glücklich, dass ich mich dazu entschieden habe. Ich möchte vorher alle Möglichkeiten auskosten endlich eine spontane Geburt erleben zu dürfen. Das war und ist mir so wichtig. Ich bin jetzt in SSW 36+2 und hoffe, dass die Prinzessin mir noch Zeit lässt um alles zu planen und abzuklären. Dann werde ich ruhigen Gewissens den Kaiserschnitttermin absagen!
      Der Geburtsbericht hat mich sehr ermutigt. DANKE!!!!

      Antworten
  2. Eilika
    Eilika sagte:

    Unsere erste Tochter kam auch spontan aus BEL. Ich würde es immer wieder so machen, es war eine ganz wunderbare Geburt. Und das Trotz 3800 g und 53 cm

    Antworten
  3. Eveline Dinius
    Eveline Dinius sagte:

    Ich habe schon 5 mal spontan aus BEL entbunden und es ist immer alles gut gegangen. Sogar immer ohne Verletzungen.

    Antworten
    • Lena
      Lena sagte:

      Dieser Bericht hat auch mich damals dazu ermutigt, meine 2. Tochter in BEL zu gebären. Nach einem Blasenriss war ich 24 Stunden unter Beobachtung min KH und dann wurden die Wehen eingeleitet.
      Von der ersten Wehe bis zur Geburt waren es nur 3 1/2 Stunden. Die Austreibung in den letzten 30 Minuten war sehr kräftezehrend und schmerzhaft, weil man den ganzen Körper zusammengeklappt in sich spürt und nicht nur den Kopf, wie bei einer „normalen“ Geburt, aber es ist machbar.
      Ich war auch die ganze Zeit im Vierfüßlerstand und habe nur auf mich und mein Gefühl geachtet und war ganz erstaunt, als meine Tochter da war und eine Schar an Ärzten um das Bett herum standen. Einige wollten „lernen“, wie eine BELGeburt ging, da sie noch nie die Erfahrung machen konnten.

      Meine Tochter ist kerngesund und mit 10/10/9 (APGAR Wert) zur Welt gekommen und hatte auch hinterher keinerlei Beeinträchtigungen.

      Jeder, der denkt, er könne es schaffen und dem sein inneres Gefühl sagt, dass es das Richtige ist, würde ich dazu ermutigen. Man darf nur nicht so verkopft sein und in Panik geraten und ich glaube, dass eine PDA nicht hilfreich wäre, da man zum Schluss genau spüren muss, wie man wohin presst, zumindest ging es mir so.

      Antworten
  4. Kati
    Kati sagte:

    Nachtrag zum obigen Kommentar: Unser Sohn kam in der Nacht von Freitag auf Samstag als vollkommene Fußlage spontan und ohne Komplikationen, mit der Hilfe eines sehr entspannten Arztes, auf die Welt. Ich bin überglücklich!

    Antworten
  5. Simone
    Simone sagte:

    Schöner Bericht.
    Auch ich habe nach einer spontanen Geburt aus SL 2013 unsere zweite Tochter 2015 aus BEL spontan entbunden. Der erfahrene Arzt kam erst als das Mauschen schon geboren war.
    Ich fand die BEL-Geburt auch viel schöner und entspannter als die erste.

    Antworten
  6. Nadine
    Nadine sagte:

    Hallo,

    vielen lieben Dank für diesen mit mutmachenden Bericht. Auch wir haben eine BEL und alles versucht den kleinen Mann zu motivieren seine Lage zu ändern. Aber er sitzt auch in der SSW 40 noch.
    Ich hab eine tolle Klinik gefunden, die mir ermöglicht eine vaginale Geburt zu versuchen. Ich hab nur einen Punkt, der mir sehr viel Angst macht…
    Ich war vorher in einer anderen Klinik, dort wurde ich gezwungen ein MRT des Beckens machen zu lassen und laut diesem MRT ist mein Becken zu klein. Der Kopf könnte am Schluss stecken bleiben und mir wurde sehr viel Angst gemacht, in dieser Klinik blieb mir nur der Kaiserschnitt.
    Deshalb hab ich mich nochmal wo anders vorgestellt und dort wollen sie überhaupt kein MRT.
    Aber natürlich schwirrt einem das immer im Kopf umher.
    Ich wünsche mir so sehr eine natürliche Geburt und ich hoffe das ich stark und mutig genug bin, wenn unser Kleiner sich die Tage dann mal meldet zu kommen.

    Antworten
    • Auch nadine :-)
      Auch nadine :-) sagte:

      Hallo Nadine, hat es bei dir in der anderen Klinik gut funktioniert oder gab es Komplikationen bezüglich des Kopfes? Habe auch BEL und gehe in eine Spezialklinink dort wurde aber kein MRT gemacht. Habe aber irgendwie bedenken. Mich verunsichern immer die anderen Leute :-/

      Antworten
      • Nadine
        Nadine sagte:

        Hallo Nadine,
        du musst auf dein Herz hören, dass ist das allerwichtigste.
        Bei uns war es am Schluss dann doch ein Kaiserschnitt, aber nur, da die Ärztin, die die BEL Geburt macht zu einem wichtigen Termin wegmusste, als der Muttermund erst bei 6cm war und sich die anderen Ärzte in der Klinik nicht getraut haben und dann waren mir die Hände gebunden.
        Aber ich hab so meinen Frieden gefunden. Die Vorstellung, dass der kleine Mann fast 2 Wochen vor Termin mit einem geplanten KS geholt wird hat mich echt fertig gemacht. Aber so durfte er sich seinen Geburtstag aussuchen (ich war 8 Tage über ET), ich durfte 10h Wehen veratmen (was mir auch sehr wichtig war, dass er die Geburtswehen abbekommt) und am Schluss war es dann ein KS. Aber das war dann vollkommen ok für mich :)
        Ich wünsch dir alles Gute und den Mut auf dein Herz zu hören.

        Antworten
  7. Kristina
    Kristina sagte:

    Eine BEL-Geburt ist was ganz besonderes. Mein Baby hatte sich trotz Akupunktur und anderen Versuchen nicht gedreht. Meine ganz liebe Hebamme sprach mit mir über die Geburt und ich sagte ich will meinem Kind auf die Welt helfen und keinen Kaiserschnitt. Sie freute sich und sagte mir auch dass sie mir das zutraut, weil ich gut entspannen kann (Autogenes Training kann ich sehr empfehlen) und ihr total vertraue. Die Geburt verlief ohne Problem und es war der schönste Moment mein Mädchen endlich im Arm zu halten.

    Antworten
  8. Kathrin
    Kathrin sagte:

    Hallo ihr lieben,
    auch ich habe die Situation BEL. Seit der 32 SSW sitzt meine Maus nun angehockt mit Popo nach unten in einer wunderbar süßen Position. Auch ich will spontan entbinden und alle ermutigen mich dazu. Jedoch das KH weigert sich aufgrund der Haftung und Risiko sodass ich schon fast aufgegeben hab. Mir wurde auch nur ein Sectio Termin in die Hand gedrückt und es gab keine Alternative. Ich bin jetzt 37+1 und meine Frauenärztin hat mir eine zweit Überweisung ausgestellt das ich mir doch noch eine Zweitmeinung einholen kann. Das andere KH soll offener für BEL spontan Geburten sein. Meine Maus soll 2800gr sein und sehr klein. Sie liegt in einer guten Position. Als erstgebärende machen sich viele Sorgen. Doch schon meine Oma hat meine Mama als erstes Kind in BEL bekommen. Dieser Bericht macht mir Hoffnung und es tut gut zu WIssen man ist nicht allein. Vor allem aber auch diese Angst zu verlieren das es so ein hohes Risiko wäre.
    Ich hoffe ich kann meinen Traum im anderen Krankenhaus verwirklichen und ganz spontan falls Sie sich bis Ende 40SSW nicht mehr dreht sie in dieser Lage entbinden. Am meisten freu ich mich wenn ich den Sectio Termin absagen darf und endlich die Zusagen habe vom anderen Krankenhaus :)

    Antworten
  9. Kathrin Neumann
    Kathrin Neumann sagte:

    Hallo zusammen,
    Die Berichte zu lesen hat gut getan und es ist schön zu wissen dass es Frauen wie euch gibt bei denen das so wunderbar funktioniert hat. Auch ich bin gerade am suchen nach einer Klinik die in BEL spontan entbindet. Bisher leider ohne Erfolg. Derzeit bin ich in der ssw 37 +2 und es wird Zeit für einen Plan B. Ich finde es schade das hier im Umkreis Rosenheim keine Klinik bereit dazu ist und Alternativen bereits ausgelastet sind. Man bemerkte das ich bereits in der ssw 9 mich im geburtshaus angemeldet hab und da schon auf die warte Liste kam (unfassbar)
    Der Hebammen Mangel lässt grüßen.
    Ich wünsche mir so sehr eine natürliche Geburt!
    Es ist echt schwierig und schade hierfür eine Klinik zu finden.
    Aber vielleicht dreht er sich ja doch noch… Wer weiß.
    Ich wünsche euch allen eine wundervolle Zeit und letztendlich hat dann doch alles seinen Grund warum es genau so verläuft…
    Liebe Grüße Kathrin

    Antworten
  10. Tanja
    Tanja sagte:

    Hallo, ich bin total verzweifelt. Wir haben noch zwei Wochen bis zum ET, unser kleiner hat sich bis vor zwei Wochen immer zwischen SL und BEL hin und her gedreht. Jetzt liegt er seit zwei Wochen in BEL und lässt sich von keinem Versuch ihn wieder zu drehen beeindrucken. Äußere Wendung, Moxen, Haptonomi, Osteopathie, Akupressur…. alles durch aber keine Chance.

    Seit gestern habe ich Senkwehen und jetzt scheint er auch richtig im Becken zu sitzen. Bis gestern lag er auch mal noch quer. Da hatte ich noch Hoffnung.

    Ich würde so unendlich gerne noch einmal spontan entbinden und mein favorisiertes Krankenhaus kann dies nicht zu jeder Zeit garantieren. Dort fühle ich mich absolut wohl und geborgen, sicher und verstanden. Meine alternative ist eine Uniklinik, die mir eine spontane Beckenendlagen Geburt garantieren kann, solange die Voraussetzungen stimmen. Leider habe ich mich dort nur wie eine Nummer gefühlt und habe richtig bedenken dort zu entbinden. Was meiner Meinung Konsequenz für die Einstellung während der Geburt haben kann.

    Die Uniklinik empfiehlt mir jetzt, am Montag eine Einleitung zu machen. Mein Sohn könnte sonst bald zu groß werden und eine komplikationslose Geburt in Beckenendlage ist gefährdet. Sie sagen er wiegt schon 3750 g, stand Mittwoch. Am Sonntag war meine letzte Gewichtsschätzung im favoritisierten Krankenhaus, da hieß es er ist bei 3100g. Die beiden Werte liegen so weit auseinander.

    Mein größtes Problem ist aber glaube ich echt das fehlende Vertrauen und die fehlende Atmosphäre in der Uniklinik.

    Ich bin nun hin und her gerissen zwischen abwarten was passiert und am Ende einen Kaiserschnitt riskieren oder selbst bestimmen und jetzt versuchen einzuleiten. Ich bin nervlich total am Ende. kann nicht mehr abschalten und das verschärft die ganze Situation.

    Eigentlich weiß ich noch nicht einmal was ich mir durch meine Zeilen hier verspreche.
    Wenn ich warte habe ich auch Angst vor einem Blasensprung und die möglichen Komplikationen dadurch bei BEL. Wenn das passieren würde wäre die Uniklinik wieder raus, da viel weiter weg (35 Minuten) als das favoritisierte Krankenhaus (5 Minuten).

    Jetzt kommt auch noch die Corona Krise und keiner weiß wie die Situation an den Krankenhäusern überhaupt in zwei Wochen aussehen wird.

    Am Montag wird jetzt noch einmal geguckt wie groß der kleine ist und dann muss ich eine Entscheidung treffen.

    Ich wünschte, mein Kind würde selbst bestimmen und mir deutlich sagen was es will.
    Ich bin auch ein Bauchmensch und hoffe so sehr, dass ich im Nachhinein so glücklich über die Geburt sein werde. Die meines ersten Sohnes aus SL war das schönste Erlebnis meines Lebens. Ich würde das so gerne noch einmal erleben.

    Danke fürs „Zuhören“.

    Tanja

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Tanja, puh, das ist echt verzwackt. Ich kann deine Ambivalenz total gut nachvollziehen. Da du ja schon eine spontangeburt hattest, hast du supergute Chancen für eine Spontangeburt aus BEL. Spontan würde ich immer zu der Klinik mit Erfahrung bei BEL gehen. Ich kann aber deine Abneigung auch echt verstehen. Allerdings wenn die kleinere Klinik sowieso schon zur Sectio tendiert…
      Schwierig.
      Ich hoffe du findest eine gute Lösung.
      Ich wünsche dir auf jeden fall ganz viel Glück!
      Alles Gute!
      Jana

      Antworten
  11. Jessica Knopp
    Jessica Knopp sagte:

    Ein sehr schöner Bericht. Ich selber habe meine Tochter auch spontan aus BEL bekommen. Leider gab es ein paar Komplikationen, die allerdings auch bei einer Schädellage hätten passieren können.

    Mir wurden sehr viele Steine in den Weg gelegt. Mein Frauenarzt drängte mich immer wieder ab der 36. Ssw, dass ich mir einen Termin für einen Kaiserschnitt geben lassen sollte. Meine Hebamme hatte mir zum Glück Mut und Kraft zugesprochen. Ich wollte nur einen Kaiserschnitt, wenn dieser wirklich von nöten war. Zum Schluss kam mein FA noch mit Horrorerzählungen, dass ein Großteil der spontanen BEL verstaben oder behindert werden würden. Ich habe dann 4 Wochen vorm ET den Frauenarzt noch gewechselt. Eine Woche später sagte mir die Klinik ab, die mich bei der Geburt begleiten sollte, da deren Kinderklinik geschlossen wurde und sie somit keine Risikogeburten mehr begleiten durften. In mir brach erstmal eine Welt zusammen. Ich wusste nicht so wirklich weiter. Meine Hebamme kannte nur die eine Klinik die BEL spontan beim ersten Kind begleitete. Sie schlug mir vor sämtliche Kliniken abzutelefonieren, die in der Umgebung lagen. Aber bei jeder gab es eine Absage. Entweder nur beim 2. Kind oder gar nicht. Einen Kaiserschnitt konnte ich jeder Zeit haben. Da sträubte sich aber alles in mir.

    Also fragte ich in Kliniken nach, die etwas entfernter waren. In meiner Geburtsklinik in Lübeck wurden Beckenendlagen begleitet, mir wurde aber gleich gesagt, sollte es zu einem Zeitpunkt losgehen, an dem die erfahrenen Ärzte nicht anwesend sind, wird ein Kaiserschnitt gemacht, worauf sie sich bei mir dann auch auf der NoGo-Liste befand. Ich rief im UKE in Hamburg an und bekam einen Termin 3 Tage nach dem ET. Da erhellte sich bei mir schon mal alles, aber so richtig fühlte es sich noch nicht an. Zu mal Hamburg ja zu den Stoßzeiten richtig schrecklich war mit dem Auto. Ich schrieb ins Forum, in dem ich unterwegs war, ob noch jemand eine Klinik kannte, die dies möglich machte. Und tatsächlich gab es dann noch einen Lichtblick. Man schlug mir das Klinikum Itzehoe vor und ich rief dort gleich an. Ich bekam noch am selben Tag einen Termin. 1 Woche vor ET. Ich wurde dort sehr Herzlich empfangen und mir wurde erzählt wie das alles ablief. Der Erfahrene Oberarzt war sich auch nicht zu schade zu egal welcher Zeit im Krankenhaus aufzuschlagen, wenn er gebraucht wurde.

    Ich konnte dann endlich runterfahren. Die ganzen Tage waren nur von Stress und Tränen geprägt und es fiel ein Brocken so groß wie ein Wal von meinem Herzen.

    An dem Tag, an dem es los ging, war ich echt genervt und hibbelig. Ich wollte dass es los geht und hatte überhaupt keine Lust mehr aufs schwanger sein.

    Meine Freundin witzelte, dass es dann gleich losgeht. Tatsächlich ging es dann in der Nacht los. Ich bin schon um 18 Uhr ins Bett. Hatte keinen Hunger und wollte eigentlich nur noch schlafen. Um ca 22 Uhr bin ich von einem Gefühl, wie ein Elektroschock zwischen den Beinen aufgewacht. Ich hatte erst gedacht, ich habe nur nen komischen Traum gehabt und habe es darauf geschoben, dass meine Tochter wieder ordentlich turnte. Doch dann wurde meine Hose nass und ich dachte, jetzt hab ich mich eingepinkelt. Also bin ich auf die Toilette. Kurz vorher hatte sich mein Mann schlafen gelegt.

    Als ich meine Blase leer hatte, lief es aber immer noch schwallartig bei jeder Kindesbewegung und dann wurde mir klar, das ist Fruchtwasser. Beim abwischen stellte ich fest, dass es Grün war. Dachte mir aber noch nicht viel dabei. Ich klemmte mir ein Handtuch zwischen die Beine und sagte meinem Mann bescheid, der dann im Kreißsaal anrief. Ich war so aufgeregt und am zittern, dass ich kein klares Wort rausbekam.

    Da das Fruchtwasser grün war, sagte die Hebamme, wir sollten gleich kommen.

    Also schnappte ich mir noch ein Handtuch und eine Einlage für die Unterhose, wechselte Unterhose und Hose und schnappten uns Sack und Pack. Im Treppenhaus begannen dann schon die ersten Wehen. Sie waren noch leicht aber schon deutlich intensiver als die Übungs- und Senkwehen, die ich sonst die Tage davor hatte.

    Aber es war aushaltbar.

    Im Auto viel mir dann noch ein, dass wir den Katzen vielleicht noch was zu fressen geben sollten, falls die Geburt etwas länger dauert. Also war mein Mann noch mal hoch und gab den Fellnasen noch schnell Futter.

    Dann fuhren wir los. Kurz vor Itzehoe musste ich die Wehen dann doch mal veratmen. Aber es ließ sich immer noch aushalten. Bei der Klinik angekommen waren die Wehen etwa alle 5 Minuten und so intensiv, dass ich beim Veratmen mich irgendwo abstützen musste. In dem Fall war es mein Mann. Ein anderer Mann kam an uns vorbei, und fragte ob wir Hilfe brauchen. Mein Mann verneinte, bedankte sich aber herzlich.

    Dann waren wir nach dem wir ewig auf den Fahrstuhl gewartet haben und ich witzelte, dass ich bei der Geschwindigkeit von dem Ding, das Kind noch vor diesem bekommen würde, endlich beim Kreißsaal angekommen. Dort wurde ich herzlich von einer der Hebammen empfangen und wir gingen erstmal in ein Untersuchungszimmer.

    Man nahm mir Blut ab, legte mir einen Zugang, da das Fruchtwasser grün war und es üblich war nach 12 Stunden eine Antibiose zu geben. Die Wehen kamen immer noch im 5 Minutentakt und ich konnte sie mit Veratmen gut verkraften. Die Hebamme war auch sehr darauf bedacht, nicht wärend einer Wehe zu untersuchen. Das fand ich gut. Da ich schon öfters gelesen hatte, das eine Vaginaluntersuchung bei einer Wehe sehr schmerzhaft war.
    Mein Muttermund war bei 1 cm. Der Po meiner Tochter saß aber noch nicht im Becken.
    Ich kam nach der Untersuchung noch für 30 Minuten ans ctg.

    Nach der Zeit kam die Hebamme zurück. Sie war zufrieden mit dem Herzschlag und führte uns dann in nen Wehenraum. Die Kreißsääle waren noch alle belegt. Ich bekam noch ein Bett und sollte es mir gemütlich machen. Man fragte mich ob ich noch nen Pezziball haben möchte oder Massagebälle. Ich fand den Pezziball sehr ansprechend. Fand ich klasse vom abstützen auch mal ins Beckenkreisen wechseln zu können. Bis 10 Uhr passierte nichts großartiges. Die Wehen und die Abstände blieben gleich. Leider tat sich in der Zeit auch nicht viel am Muttermund. Gerade mal 2 weitere cm hatte ich geschafft.
    Zwischen drinn hatte ich gefrühstückt und in einen der Kreißsääle gewechselt.

    Um 10 fragte man mich, ob ich einen Einlauf haben möchte, um die Wehen anzukurbeln. Den hatte ich dann auch angenommen. Ich fand ihn befreiend, da ich auch schon die ganze Zeit Verstopfungen hatte, aber an den Wehen hatte er leider nicht geändert. Ich fragte ob ich in die Wanne könne, in der Hoffnung, dass sich dann mehr tat.
    Ich konnte leider nur in die kleine normale, da die Gebärwanne im großen Saal war und dieser Belegt war.

    Das war aber weder entspannend noch wehen anregend. Die Wanne war zu klein um die Wehen zu verarbeiten und das Wasser wurde zu schnell kalt. Also wollte ich wieder raus. Ich hatte außerdem den Eindruck, dass die Wehen schwächer geworden waren.

    Um 12 bekam ich die angekündigte Antibiose. Man fragte mich außerdem, ob ich einen Wehentropf haben möchte, um die wehen wieder anzukurbeln. Ich war dem skeptisch gegenüber und fragte ob es nicht noch ne andere Möglichkeit gebe die Wehen anzukurbeln. Man sagte mir, dass das grüne Fruchtwasser einen Infekt verursachen könnte. Es sollte nicht allzulange gewartet werden. Also stimmte ich erstmal einer sanften Dosis zu, die aber schon sehr reinhaute. Die Schmerzen waren von einer 5 auf eine 10 gerutscht. Aber ich konnte sie vorerst noch aushalten. Wenn auch nur noch mit lautem Tonen.

    Um 14Uhr war ich bei etwa 7cm. Die Hebamme fragte mich, ob sie die Dosis etwas erhöhen könne. Dem stimmte ich aber nicht zu. Ich fand die schmerzen so schon sehr krass und wollte es nicht übertreiben. Um etwa 15:30 war ich fast ganz offen. Ich fand die wehen aber nicht mehr aushaltbar, da sie mittlerweile ineinander verschwammen und wollte eine PDA. Die kam auch recht zügig, da dies dort auch die Gynäkologen machen dürfen. Nach 10 Minuten war ich schmerzfrei. Leider konnte ich nicht mehr viel wandern und musste aufs Bett. Und an ein ctg. Meine Beine fühlten sich super schwer an. Ich konnte sie zwar noch bewegen, aber es fiel mir sehr schwer. Es reichte aber noch, um auf Toilette gehen zu können. Ich brauchte zwar hilfe, aber es ging.

    Gegen 16:30 bekam ich dann ein gefühl, als müsse ich ganz dringend groß zur Toilette. Ich sagte bescheid und äußerte den Wunsch auf Toilette gehen zu können. Die Hebamme sagte, das wird kein Stuhlgang sein, sondern das Baby und untersuchte mich. Sie sagte, ja, der Po sei schon zu fühlen. Man sagte dem Kinderarzt, dem Oberarzt, dem Anästesieteam, falls es zum Notkaiserschnitt kommt, und einer Hebammenschülerin bescheid, dass es los ging. Plötzlich war der Raum voll, so erzählte mir das zumindest mein Mann. Ich kann mich nur noch an die Hebammen und den Oberarzt erinnern.

    Ich wollte im Vierfüßler pressen, ich konnte da aber nicht genug Kraft aufbauen also sagte mir der Oberarzt, ich solle es mal in Seitenlage probieren. Mit angezogenen Beinen konnte ich gut kraft auf bauen und unsere Tochter war nach 3 mal Pressen da. Leider kam auch gleich danach die Plazenta mit raus, was alle erstmal sprachlos werden und stutzen ließ. Die eine Hebamme schaltete am schnellsten und schnitt die Nabelschur durch. Die andere sagte noch, der Vater wollte die Schnur durchschneiden, woraufhin die erst sagte, Unsinn, das muss jetzt schnell gehen.

    Die Lütte war blau und fing nicht zu atmen oder zu schreien an. Sie wurde von der Hebamme in den Nachbarraum getragen. Der Kinderarzt folgte ihr unmittelbar. Nach 3 unendlichen Minuten hörte man sie endlich schreien.

    Mein Mann sackte erleichtert zusammen. Erst dann realisierte ich erst richtig, was da los gewesen war und mir rutschte das Herz ganz gewaltig in die Hose.

    Die Maus hatte sich zum Glück sehr schnell berappelt. Was darauf schließen ließ, dass der Sauerstoffmangel nicht lange war. Und sich die Plazenta bei den letzten Wehen gelöst haben musste.

    Während die Lütte noch im Nebenraum untersucht wurde untersuchte mich die Gynäkologin, ob ich sehr dolle bluten würde, und wie schlimm die Geburtsverletzungen waren.

    Da ich nicht sehr stark blutete, machte sich die Ärztin daran, mich zu nähen. Während dessen brachte man mir endlich meine Tochter. Ich konnte sie eine halbe Stunde zum Bonding. Danach sollte sie auf die Säuglingsstation um zu überwachen ob sie neurologische Schäden bekommen hatte. Sie machte sich aber sehr gut und konnte 3 Tage später zu mir ins Zimmer.

    Mittlerweile ist sie ein aufgewecktes und gesundes 3 jähriges Kind.
    Sie kam übrigens am 11.04.17 um 16:56, mit 52 cm und 3770 g auf die Welt.

    Ich würde trotz der Ereignisse immer wieder eine spontane BEL versuchen.

    Ich bin aktuell mit unserem 2. Kind schwanger. Aktuell bin ich in der 26. Ssw. Und das Gummibärchen sitz, wie auch meine Tochter seit der 24. Ssw in BEL.

    Ich hoffe natürlich auf eine Schädellage und dass ich nicht wieder an den Wehentropf muss, aber trotzdem würde ich nur einem Kaiserschnitt zustimmen, wenn er wirklich Not tut.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Jessica, wow! Was für ein Bericht – was für eine Achterbahnfahrt. Respekt vor deiner Hartnäckigkeit eine gute Klinik zu finden und dich nicht verunsichern zu lassen.
      Ich bin immer wieder beeindruckt von unseren schlauen Körpern. Deine Wehen begannen, als du eine gute Lösung gefunden hattest. Ist dsoch genial.
      Die Geburt selbst war ja auch ganz schön aufregend. Hui!
      Gut, dass es deiner Tochter so gut geht und sie die etwas zu frühe Plazentalösung gut überstanden hat.
      Meine erste Tochter war ja auch eine BEL und mein Sohn lag bis zur 36.SSW so. Ich glaube ja manche Frauen haben einfach eine Beckenfprm, in der sich Kinder in BEL wohler fühlen. Ich bin ja gespannt, ob dein zweites Kind nun wieder in BEL bleibt, oder sich kurzfristig noch dreht.
      Aber beim zweiten Kind ist ein Kaiserschnitt ja noch unsinniger. Da hast du Recht.
      Alles, alles Gute wünsche ich euch!

      Antworten

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