„Das Gewese um die Schwangerschaft“ – kann ich so nicht stehenlassen!

Es ist Sonntag und ich genieße den schönen Abend. Eine Kollegin, Solveig Carstens, fragt mich über die sozialen Medien, ob ich schon den Text über Schwangerschaft und Geburt in der FAZ gelesen habe. Nö, hab ich nicht. Aber das hol ich gleich mal nach. Leider ist meine gute Laune danach dahin.

Zur Einstimmung: Das Konsumverhalten von Schwangeren

In der Rubrik „neue Trends“ finde ich den Text. Die Journalistin Jennifer Wiebking, hat dafür die Ärztin Annika Schutt (ist allerdings nicht ihr richtiger Name), zu Wort kommen lassen. Es geht zunächst um den Hype rund um das Geschlecht eines Kindes und die immer mehr an Wichtigkeit gewinnenden „Gender Reveal Partys“. Naja, steh ich jetzt auch nicht so drauf. Ist aber doch kein so großer Aufreger, wie ich finde.

Dann geht es um Konsum rund um Schwangerschaft und Babyleben. Um Influencerinnen, die ihre Schwangerschaften medial ausschlachten und mit Werbung viel Geld verdienen. Um Eltern, die ihre Mutterpässe in Filzhüllen stecken, statt in Plastik. Das steht dann laut Schütt für gesteigertes Konsumverhalten. Nun ja. Wenn sie meint … Ich persönlich finde Filz schöner und by the way natürlich auch nachhaltiger als Plastik und ich finde es auch schön, wenn Eltern sich auf verschiedene Art mit der Schwangerschaft beschäftigen. Dazu kann eben auch gehören, den Mutterpass zu personalisieren. Warum denn nicht?

Das Gewese um die Schwangerschaft – die namensgebende Passage

Dann kommt eine wirklich unempathische Passage über Kinderwunschbehandlungen. Es heißt zwar: „Schutt freut sich für jeden, dessen Kinderwunsch in Erfüllung geht. Aber sie sagt auch: „Da ist ganz schön viel aus den Fugen geraten. Eine Schwangerschaft wird häufig nicht mehr als die Sache an sich gesehen, sondern als das, was noch drum herum passiert.“ Es könnte ihr egal sein, jeder zieht eben aus anderen Quellen sein Glück. In einer individualistischen Gesellschaft kann jeder leben, wie er mag. Aber das Gewese um die Schwangerschaft ist etwas anderes, als eine große Hochzeit zu feiern, ein halbes Jahr auf einem Segelboot zu verbringen oder sich vegan zu ernähren. Schutt sagt: „Hier geht die Demut vor dem ungeborenen Leben verloren.““

Auch hier muss ich widersprechen. Ich finde eine Geburt tatsächlich viel lebensverändernder als eine Hochzeit oder eine Reise. Man kann sich scheiden lassen, aber ein Kind begleitet man doch ein ganzes Leben lang. Es verändert alles. Hier finde ich tatsächlich, täte ihr selbst etwas Demut ganz gut.

Gender-Reveal-Partys

Dann folgt ein Absatz, in dem eine New Yorker Kommunikationswissenschaftlerin über Geschlechterrollen und Gender Reveals schreibt. Den finde ich am besten an dem ganzen Text. Aber andererseits ist es auch eine seltsame Vermischung von Themen. 

Geburt ist …

Aber dann kommt es: Es geht um Geburten. Es ist etwas Gefährliches für Mutter und Kind, aber es wird wahrgenommen wie eine Zeremonie.“ sagt Schutt in dem Artikel.
Ähm, Moment mal. Erst einmal ist eine Geburt ja etwas ziemlich Natürliches, was nur sehr selten gefährlich ist. Das ist ja so, als wenn man sagt: Autofahren ist grundsätzlich etwas Gefährliches für Fahrer und Beifahrer.
Und was spricht dagegen, die Geburt aus dem sehr medikalisierten Kontext herauszuholen und als „Zeremonie“ zu betrachten? Immerhin ist es ein bedeutender Übergang im Leben. Eine Statuspassage. Ein lebensverändernder Prozess. Aus einem Paar werden dadurch Eltern. Ein neuer Mensch kommt auf die Welt. Das kann man schon zelebrieren.

Geburtspläne sind …

Weiter geht es: „In der Zeit, als Schutt in der Klinik tätig war, schlugen Frauen zunehmend mit Geburtsplänen auf; sie hatten aufgeschrieben, was sie alles wollen, was sie nicht wollen. „Vor allem, dass wir alles mit dem Partner absprechen müssen“, sagt Schutt. Außerdem:“Keinen Dammschnitt, keine Saugglocke, nicht von oben mitdrücken, nach eigenem Tempo atmen.“

Hier werden jetzt Geburtspläne gebashed. Warum? Geburtspläne sind doch super. Bei der Erstellung eines Geburtsplans beschäftigen sich werdende Eltern im Vorfeld mit der Geburt und werden sich über ihre Wünsche bewusst. Sie schreiben also auf, was sie wollen und was sie nicht wollen. Das ist selbstbestimmt und Verantwortung übernehmend. Was kann sich ein Geburtsteam Besseres wünschen? Zudem legen Studien nahe, dass Frauen, die Geburtspläne erstellen, grundsätzlich zufriedener mit ihren Geburten sind. Und das ganz unabhängig davon, wie die Geburt am Ende tatsächlich verläuft. (Pennell et al., 2011)

Die genannten Beispiele finde ich übrigens besonders schräg:
Keinen Dammschnitt? Skandalös! Wie kann man keinen Dammschnitt wollen? *Ironie off*
Nicht Mitdrücken? Also keine Kristellerhilfe – die ja in keiner Studie als nutzbringend belegt werden konnte und seit 2018 nicht mehr von der WHO empfohlen wird!? Wer würde das nicht vermeiden wollen?
Und auch noch im eigenen Tempo atmen? Geht ja gar nicht. Vor allem, wo wir ja wissen, dass das angeleitete Powerpressen, oder medizinisch: das „Valsalver-Maneuver“, die Geburt verlängert, mehr Dammschnitte nach sich zieht und die kindliche Versorgung stört. (Lee et al., 2019).

OK, warum findet man diese Wünsche noch gleich doof?

Der hinkende Vergleich

„Schutt hätte in solchen Situationen am liebsten geantwortet: „Und was machen Sie, wenn Sie ins Flugzeug steigen? Gehen Sie auch zum Piloten und sagen, aber ich will mich nicht anschnallen? Und wenn wir abstürzen, möchte ich, dass Sie mich vorher informieren, was das für eine Landung wird und ob ich das überhaupt möchte. Und ich entscheide, ob ich die Schwimmweste anziehe.“ Das mache ja auch niemand. „Weil man demjenigen vertraut, der etwas gelernt hat. Aber so ist es nicht mehr in der Geburtshilfe.““

Halt stopp! Hier hat wohl jemand was ganz falsch verstanden. Wer ist noch grad die Pilotin bei einer Geburt? Genau! Das ist die Gebärende. Geburtshelfende sind ja wohl eher Fluglotsen oder die Leute im Tower.

Das Totschlagargument

Und dann werden noch zum guten Schluss die ganz dicken Geschosse aufgefahren:
„Die Geburtspläne könnten Annika Schutt und ihre Kollegen ignorieren. Jede Frau müsse vorher entscheiden, ob sie unter den gegebenen Bedingungen entbindet. Wenn die Wehen einsetzen, habe der Geburtshelfer die rechtliche Verantwortung für das Kind. „Aber davon abgesehen nervt dieses Zeremonielle tierisch“, sagt Schutt. „Wenn man einmal diesen Schmerz und dieses furchtbare Leid gesehen hat, von Familien, die ein totes Kind bekommen oder bei denen am Termin festgestellt wird, dass kein Herzton mehr da ist, oder von Müttern, die bei der Geburt sterben, was auch immer noch passiert, dann wird man so demütig. Dann dankt man einfach, wenn alles normal läuft. Das ist, denke ich, das Einzige, was man sich wünschen kann.““

Ich finde es geradezu unethisch, hier den Tod von Kindern reinzubringen. Wir leben glücklicherweise in einer Zeit, in einem Land und in einer Gesellschaft, in der Geburten so sicher sind, wie nie zuvor. Und ganz ehrlich, wenn wirklich mal ein Notfall eintritt, so habe ich es noch nie erlebt, dass Eltern dann auf einem Geburtsplan bestanden haben, der eben in diesem Moment nicht mehr sicher und realisierbar war.

Fazit

Was aber dieser Artikel sehr „schön“ zeigt, ist, wo wir teilweise in der Geburtshilfe immer noch zu oft stehen. Wir sind nämlich immer noch sehr weit entfernt davon, die Gebärende in den Mittelpunkt zu stellen. Aber wer bekommt denn das Baby? Um wessen Körper geht es hier? Das Bedürfnis der Frauen nach Wahlfreiheit und Kontrolle wird viel zu wenig anerkannt.

Wir wollen doch glückliche Geburten und einen guten Start ins Leben als Familie. Da ist es einfach indiskutabel, dass „Frau-Zentriertheit“ und „gemeinsame Entscheidungsfindung“ wirklich endlich umgesetzt werden und nicht nur als hohes Ideal in den Unis gelehrt, oder auf Kongressen diskutiert wird.

Die Betreuung sollte sich auf die individuellen Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen der Frau konzentrieren und nicht auf die Bedürfnisse der Institution oder der Fachkräfte um sie herum.

Eine gute Betreuung geht auf soziale, emotionale, körperliche, psychologische, spirituelle und kulturelle Bedürfnisse und Erwartungen ein und erkennt die Kompetenz der Frau bei der Entscheidungsfindung an.

Wenn wir dort nicht hinkommen, werden wir weiter Gewalt in der Geburtshilfe und traumatisierte Frauen haben, die am Roses Revolution Day Rosen vor Krankenhäusern ablegen.

Kleine Gegenrede

Das hier soll eigentlich kein Rant sein. Im Gegenteil, ich denke darüber nach, wie man diese schädliche Sicht auf Geburten endlich verändern kann. Die Medien haben ja eine große Macht und entsprechend eine Verantwortung. Ja, ich habe mich wirklich über den Artikel geärgert. Ich finde es auch echt schade, dass dieser Artikel unter der Rubrik „Neue Trends“ veröffentlicht wurde, was ja impliziert, dass der Text eine gesellschaftliche Strömung beschreibt. Dabei handelt es sich lediglich um die Meinung einer einzelnen Ärztin (auch wenn ich fürchte, dass sie mit ihrer Meinung nicht allein ist). Diese Meinung wurde weder hinterfragt, noch wurde ihr etwas entgegengestellt.

Beim zweiten Lesen hat es mich dann irritiert, dass der Name der Ärztin geändert wurde. Denn, wenn man von etwas überzeugt ist, kann man doch zumindest dahinterstehen. Ihr muss also schon klar gewesen sein, dass sie sich damit auf unsicheres Terrain begibt. Evidenzbasiert sind ihre Ansichten jedenfalls nicht.

Liebe Frau Wiebking von der FAZ, falls Sie hier mitlesen, dann biete ich Ihnen hiermit gerne ein Gespräch an, um Ihnen ein anderes Bild von Geburten und Geburtshilfe zu vermitteln. Ich nenne es birth-esteem, und würde mich freuen, wenn Sie Lust darauf hätten, sich auf die positive Seite des Themas einzulassen.

Update – Dienstag, den 9.11.2021

Heute hat sich Frau Wiebking hat sich bei mir gemeldet. Am Sonntag wird es einen weiteren Artikel geben und ich bin eingeladen etwas dazu beizutragen.
To be continued…

Das Gewese – Teil 2 (Das Update am Montag, den 15.11.2021)

Frau Wiebking hat sich tatsächlich bei mir gemeldet. Dafür möchte ich nicht nur ihr danken, sondern vor allem den vielen Menschen, die sich ebenfalls an die FAZ gewandt haben und somit gezeigt haben, dass mein Protest nicht nur eine unbedeutende Einzelmeinung einer überengagierten Hebamme war. Wir sind viele! Und wir konnten nicht überhört werden.

Aber wie war denn nun die Reaktion?
Erst einmal positiv, denn Frau Wiebking versicherte mir, dass für‘s nächste Wochenende eine ganze Seite zum Thema geplant sei. Es werde eine Meinungsseite, auf der verschiedene Stimmen gesammelt würden. Mir garantierte sie einen Platz (2000 Zeichen). So weit, so gut.

Ich hoffte auf eine Themenseite, die auf Geburtstraumen eingehen würde, auf die Perspektive von Eltern, einer Doula, einer Psychologin … Ich hoffte, es würde bunt und vielseitig werden.
Ich selbst machte eine kleine Umfrage in meiner Social-Media-Bubble und sammelte Begriffe, die unbedingt in meinen Text einfließen sollten. Dann formulierte ich etwas und stellte erstmal fest, wie wenig 2000 Zeichen sind. Ich hätte gerne noch viel mehr gesagt. Aber folgender Text ist es dann schlussendlich geworden:

Ich nenne es „birth-esteem“

Geburt ist eine existenzielle Erfahrung und prägt mindestens zwei Menschen fürs Leben. Umso bedeutungsvoller ist es, dieses Ereignis bestmöglich zu gestalten und zu begleiten. Die Chance, dass eine Geburt gut verläuft, erhöht sich, wenn die Bedingungen stimmen: ein geborgenes, stressfreies, vertrauensvolles und Selbstbestimmung förderndes Setting ist dabei wichtig.

Gute Geburtsvorbereitung beinhaltet, sich mit den eigenen Wünschen, Vorstellungen und Möglichkeiten zu beschäftigen. Das Ergebnis kann in einem Geburtsplan festgehalten und dem Geburtsteam übergeben werden.

Die meisten Geburten verlaufen regelrecht. Aber natürlich ist, wie so oft im Leben, auch bei einer Geburt nicht alles beeinflussbar. Was aber beeinflussbar ist, sind der Umgang und die Kommunikation. So heißt es in der aktuellen S3 Leitlinie für vaginale Geburten am Termin: „Alle Gesundheitsfachpersonen sollen jederzeit dafür sorgen, dass Frauen eine individuelle und respektvolle Betreuung erhalten, dass sie mit Wertschätzung und Achtung behandelt werden und dass sie selbst informiert entscheiden können.“

Geburtshelfende müssen also über die Vor- und Nachteile von Interventionen aufklären, wenn sie diese durchführen möchten. Man spricht dann von gemeinsamer Entscheidungsfindung. Eine unerwünscht durchgeführte Intervention ist Körperverletzung, solange es sich dabei nicht um einen akuten kindlichen Notfall handelt.
Verschiedene Menschen machen verschiedene Erfahrungen. Für eine Frau, die bei einer Geburt traumatisiert wurde, weil ihre Wünsche missachtet wurden, ist der Satz: “Hauptsache das Kind ist gesund“ eine Verhöhnung ihrer Erfahrung. Wohingegen eine Frau nach einer stillen Geburt dem vielleicht zustimmen würde.

Eine Ärztin, die in der Klinik mit vielen Risikoschwangeren zu tun hat, und im Verlauf ihrer Karriere zig Notfälle sah, wird einen anderen Blick auf eine Geburt haben als eine Hausgeburtshebamme, die überwiegend schöne Geburten begleitet hat. Doch jede Geburt verdient einen salutogenesischen Blick und darf nicht von Angst und reiner Absicherungsmedizin geprägt sein.

Es braucht einen sensibleren Umgang miteinander. Und deutlich mehr Respekt und Wertschätzung vor dem Akt der Geburt, damit Frauen selbstbewusst und selbstbestimmt gebären können. Wir brauchen mehr „birth-esteem“!

Neuer Sonntag – neuer Artikel

Am Samstagabend wurde die FAZ-Seite bereits frei geschaltet. Voll neugieriger Erwartung las ich.
Es war ernüchternd.
Eingeleitet wurde das Ganze mit: „Das F.A.S.-Spezial zum Kinderkriegen hat in der vergangenen Woche viel Aufmerksamkeit erregt. Viele Frauen haben uns daraufhin geschrieben. Einige schildern nun ihre Erfahrungen mit der Kinderwunschbehandlung, Schwangerschaft und Geburt.“

Aber Moment. „Aufmerksamkeit erregt“? Kein Wort über die Kontroverse. Nur, dass sie Zuschriften bekommen haben. Das könnte ja auch positiv ausgelegt werden. Das finde ich schwach. Ich hätte zumindest ein kleines Eingeständnis der einseitigen Beleuchtung des Themas erwartet. Das „Gewese“ wird, ganz sachlich, als Spezial zum Kinderkriegen bezeichnet.

5 LeserInnenbriefe

Neben meinem Text, bei dem die Redaktion erfreulicherweise nur die Überschrift in „Es braucht mehr Respekt“ abgeändert hat (was ich auch passend fand), gab es noch vier weitere Texte.
Der erste handelte von einem Paar mit Kinderwunsch, welches kritisierte, dass die Grenzen der Reproduktionsmedizin in dem Artikel nicht diskutiert wurden.
Dann gab es einen Text zum Konsumverhalten. Es war ein Plädoyer für Vielseitigkeit und unterschiedliche Herangehensweisen.
Es folgte ein Beitrag zur außerklinischen Geburtshilfe. Diesen fand ich schön und passend, denn er ging darauf ein, was in Kliniken oft auf der Strecke bleibt: „Das Natürlichste der Welt wird durch so viele Faktoren von außen gestört, der Geburtsfluss wird unterbrochen, so kommt es, meiner unmedizinischen Meinung nach, öfter zu Komplikationen, Kaiserschnitten und Geburtstraumata. Auch sehe ich es kritisch, dass sich lediglich eine Ärztin in Ihrem Artikel geäußert hat.“
Und zum Schluss wurde noch ein schöner Text ausgewählt, der positive Veränderungen in der Geburtshilfe über drei Generationen beschreibt und kritisiert, dass diese Entwicklungen von der, im Originalartikel zitierten Ärztin, nicht wertgeschätzt wurden. Außerdem wird erklärt, wie ein Geburtsplan helfen kann, sich mit den eigenen Wünschen zu beschäftigen.

Tja, und das war’s gewesen. Echt jetzt? Das war alles? Das war … zu wenig. Thema verfehlt. Schön wär’s GEWESEn. Chance verpasst. Mal wieder. Schade.

Was ich gerne gelesen hätte

Ich hätte gerne einen Beitrag von Motherhood.ev gelesen, die in ihrem LeserInnenbrief an die FAZ unter anderem sagen:
„Eine gute Geburt ist ein Menschenrecht. Das Fachpersonal besitzt die Verantwortung, für die körperliche und emotionale Gesundheit der Gebärenden und ihrer Kinder zu sorgen, so wie es in den Leitlinien erklärt wird.

Man könnte diesen Artikel getrost als Kolumne abtun und einfach besser ignorieren. Aber angesichts massiver Missstände in der Geburtshilfe, mit denen wir Eltern es seit Jahren zu tun haben (und über die auch die FAZ regelmäßig berichtet), können wir diese Zeilen nicht unkommentiert lassen. Nicht zuletzt für die vielen Frauen und ihre Familien, die Schlimmes bei der Geburt ihres Kindes erlebt haben, dürfte der Artikel wie ein Schlag ins Gesicht sein. Und das ausgerechnet im Monat der Roses Revolution, die am 25. November in Deutschland zum neunten Mal auf Missachtung und Gewalt in der Geburtshilfe aufmerksam macht!“

 

Ich hätte gerne den Text von „the Weeks“-Gründerin Lea Borgmann dort gesehen, den sie auf ihrem Instagram-Account veröffentlichte.
Lea erklärt, dass der Ursprung des Wortes „Gewese“ „auffälliges Verhalten, Gebaren“ ist.  Und dass es „leider oft abwertend verwendet“ wird. „Leider deswegen, weil doch eigentlich eine Geburt DER Moment ist, in dem auffallendes Verhalten genau richtig ist, oder? Wann sollen wir uns denn auffallend verhalten, wenn nicht während, vor und nach der Geburt?“  Lea ist dafür, gemeinsam mehr Gewese um die Geburt zu machen: „Und zwar das der guten Art“.

Let’s make Gewese!

Dem möchte ich mich gerne anschließen: Lasst uns zusammen Gewese machen, bis der Wind sich dreht. Denn wir sind viele!

Alle, deren LeserInnenbriefe es nicht in die FAZ geschafft haben, biete ich gerne den Platz in den Blog-Kommentaren unten an. Es wäre doch schade, wenn sie einfach nur im Mailfach der FAZ versacken.

Artikel: https://www.faz.net/aktuell/stil/trends-nischen/das-bohei-um-die-schwangerschaft-und-ist-babyglueck-kaeuflich-17619585.html

Lee, N., Gao, Y., Lotz, L., & Kildea, S. (2019). Maternal and neonatal outcomes from acomparison of spontaneous and directed pushing in second stage. Women and Birth, 32(4), e433–e440. https://doi.org/10.1016/j.wombi.2018.10.005

Pennell A, Salo-Coombs V, Herring A, Spielman F, Fecho K. Anesthesia and analgesia-related preferences and outcomes of women who have birth plans. J Midwifery Womens Health. 2011 Jul-Aug;56(4):376-381. doi: 10.1111/j.1542-2011.2011.00032.x. PMID: 21733109.

Jede Frau hat das Recht auf eine positive, selbstbestimmte Geburtserfahrung. Seit ich Hebamme geworden bin verhelfe ich Frauen dazu.
Ich bin Jana Friedrich, Mutter von zwei Kindern, Hebamme seit 1998 (und seit September 2020 mit B. Sc. of Midwifery), Bloggerin seit 2012, Autorin zweier Bücher, Speakerin und Expertin im Themenbereich Familie. Mit meiner Expertise unterstütze ich darüber hinaus auch Kulturschaffende, Firmen und Politiker*innen.
In diesem Blog teile ich mit dir mein Wissen und meine Erfahrung rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und das erste Jahr mit Baby.
Du bekommst bei mir Informationen, Beratung und „Zutaten“ zur Meinungsbildung für eines der spannendsten Abenteuer des Lebens.

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26 Kommentare
  1. Avatar
    Luise sagte:

    Du sprichst mir aus der Seele! Mich hat es auch sehr irritiert, dass der Name geändert wurde. Ich würde mich sehr freuen, wenn Fr Wiebking sich bei dir meldet für ein Gespräch und eine Gegendarstellung. Geburtshilfe kann nicht sicher sein, wenn solche Meinungen weiter vertreten werden und auch noch Gehör finden!
    Viele Grüße aus Münster, Luise

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  2. Avatar
    Mira Mondstein sagte:

    Liebe Jana , danke danke danke für diesen Artikel, die Antwort hatte ich nicht besser schreiben können!

    Immer wieder werden die Geburtshelfer als Piloten hi gesetzt. Und es wird einfach Zeit, dass die Eltern auch Verstehen, dass sie nicht wie beim Besteigen des Flugzeugs die Verantwortung abstreifen. Im Gegenteil. Je besser die Eltern informiert sind desto besser können sie wissen was sie wollen und dafür einstehen. Danke dass du so ausführlich und wundervoll aufklärst!!!

    Liebe Grüße
    WeHe
    Mira Mondstein

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    Christiane Lippert sagte:

    Liebe Jana,
    Danke für diese wertvolle „Gegenrede“
    Es ist eine Schande einen so schlechten Text, der die Meinung einer Ärztin der „alten Schule“ wiedergibt in der FAZ zu lesen.
    Mein Mann sagt gerne zu so etwas: chauvinistische Kackscheisse (sorry)

    Ich habe bei zwei von drei Geburten massive Gewalt erlebt, mit langen Folgen für mich und meine Familie.
    Hätte ich damals das Wissen und das Selbstbewusstsein von heute gehabt, so wäre es anders, besser gelaufen.
    Es sind seelische Narben geblieben, die nicht mehr schmerzen, die mich aber den Weg als systemische Beraterin und Doula gehen lassen.
    Ich begleite Frauen, die traumatisiert aus einer Geburt hervorgehen. Das Selbstvertrauen wieder herzustellen und Schuldgefühle abzubauen, ist ein langwieriger Prozess.
    Ich begleite Frauen (und Väter), dass sie sich wirklich mit ihrem Körper und den Vorgängen bei der Geburt auseinandersetzten.
    Wie Du schreibst, ist die Wunschliste für die Geburt wichtig. Es mag anstrengender für das Personal sein, Fragen beantworten zu müssen, wenn eine Intervention notwendig wird.
    Wenn die Gebärende in die Entscheidung einbezogen wird und die Notwendigkeit des Eingreifens versteht, ist die Gefahr einer traumatischen Erfahrung deutlich geringer, und somit auch die Wahrscheinlichkeit, an einer postpartalen Depression zu erkranken.

    Es gibt noch viel zu tun!
    Danke für Deine wunderbare Arbeit!

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      Jana Friedrich sagte:

      Oh man ey! Es gibt so viele traumatisierte Frauen. Je länger ich in diesem Beruf bin, umso klarer wird mir das. Es muss sich was ändern.
      Es ist zwar toll, dass engagierte Menschen wie du dann hinter der Geburtshilfe aufräumen, aber das sollte überhaupt nicht nötig sein.
      Es ist noch ein weiter Weg.
      Danke dir.

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      Vanessa Zobel sagte:

      Leider weiß man manches erst für die 2. Schwangerschaft, die vielleicht aber wegen der Geburtserfahrung gar nicht erst zu Stande kommt. Hier sollten Ratgeber und Geburtsvorbereitungskurse die Geburt auch noch realistischer darstellen. Keine Angst machen aber das Bild in den Filmen entspricht nicht der Realität. Die Thematik Wochenbett ist noch wenig bekannt.

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  4. Avatar
    Melanie Scheucher sagte:

    Da bemüht man sich Schwangere zu begleiten, damit sie angstfrei und selbstbestimmt in die Geburt gehen, den Frauen zu vermitteln, dass die Geburt etwas natürliches ist, das eine Frau das ganz alleine schafft. Man versucht mit Klientinnen Glaubenssätze zum Thema Geburt aufzulösen, negative Erfahrungen zu verarbeiten und dann liest man so etwas!!! Ich bin entsetzt und enttäuscht, sprachlos und kann es nicht glauben …das letzte Jahrhundert lässt grüßen

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  5. Avatar
    Charlotte sagte:

    Vielen Dank für diese Gegenrede! Ich habe zwei Geburten erlebt, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Die zweite war im Geburtshaus, vollkommen selbstbestimmt und im eigenen Tempo. Ich habe angeführt und bei Bedarf Hilfe bekommen. Ein unheimlich tolles Gefühl. Die Vorbereitung darauf war auch sehr intensiv, jeder Phase der Geburt wurde eine eigene Stunde gewidmet. Und es hat mich bestärkt dort reingehen lassen. Bei Geburt Nr. 1war ich mit einer (anderen) Beleghebamme im Krankenhaus Ich war vollkommen überrumpelt, habe nur Anweisungen ausgeführt und endete mit Saugglocke und Kristellern. Es macht einen himmelweitem Unterschied, wie Geburt betrachtet wird. Und sie als eine Art Ritual zu sehen, hilft auf jeden Fall dabei in einen guten Rhythmus zu kommen. Die Piloting sollte definitiv die Gebärende sein und auch als solche angesehen werden.

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      Jana Friedrich sagte:

      Schön, dass du eine zweite selbstbestimmte Geburt erleben konntest. Aber es ärgert mich, dass immer erst die zweiten Geburten toll sind. Das höre ich so oft. Es sollte normal sein, dass Schwangere so gut vorbereitet werden, dass sie schon beim ersten Mal ein gutes Geburtserlebnis haben. Und dafür muss sich noch einiges an den Strukturen ändern.
      Danke für deinen Input.

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  6. Avatar
    Sarah Seven sagte:

    Oh Jana!! Ich danke Dir für diesen „Aufschrei“!! Ich habe den Artikel am Sonntag gelesen, mein 6 Wochen altes Baby auf dem Schoß, welches ich Dank eines fantastischen Teams durch eine wundervolle, selbstbestimmte Kaisergeburt zur Welt bringen durfte… und ich habe die Zeitung geschockt zusammengeklappt und war ebenfalls wütend!!
    Ich schreibe in solchen Situationen gerne einen Leserbrief (in den sozialen Medien bin ich nicht so aktiv) aber ich habe dafür momentan nicht die Ruhe, die Kraft, die Nerven! Daher DANKE, dass Du Deine Stimme erhebst.

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      Jana Friedrich sagte:

      Oh, herzlichen Glückwunsch zum Kaiserinnenkind. Ich freu mich, dass es ein gutes Erlebnis war. Und vollkommen klar, dass du gerade ganz andere Prioritäten hast. Alles Andere wäre auch verrückt. 😉
      Ganz liebe Grüße ins Wochenbett!

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  7. Avatar
    Nina Bertram sagte:

    Liebe Jana,

    danke für dein Angebot, meinen Leserbrief an die FAZ hier als Kommentar einzufügen.
    Wir haben wohl alle ähnliche Gedanken und Gefühle, verpackt in unterschiedliche Worte. Danke, dass du uns mit deinen im Folgeartikel vertreten wirst!

    Liebes Team der FAZ,

    über @janahebammenblog bin ich auf Ihren Artikel „Das Gewese um die Schwangerschaft“ aufmerksam geworden, sowie auch auf Ihre Bereitschaft, einen Folgeartikel ob der Leser-Reaktionen zu verfassen.
    Der Artikel hat mich so beschäftigt, dass ich nun als frisch gebackene Zwillings-Mama gerne auf einige Zeit meines spärlichen Schlafes verzichten möchte, um Ihrem Aufruf zu folgen, Ihnen mittels meines ersten Leserbriefes mein Feedback mitzuteilen.
    Dieser ist allein von mir und aus meiner Perspektive verfasst.
    Ich entschuldige mich bei den angeführten Personen und Institutionen, sollte ich mich an der ein oder anderen Stelle nicht professionell genug ausgedrückt haben.

    Ich bin mittlerweile 34. Die späte Mutterschaft liegt, wie bei vielen Frauen meiner Generation, begründet in einem aktiven selbstbestimmten Leben, sowie der Priorität auf Arbeit und Karriere, denen Mutterschaft nach wie vor nicht gut bekommt.
    Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Gründe, die ich mir insbesondere in den letzten Monaten eingestehen musste und über die weniger offen gesprochen wird, als über Rollendiffusionen moderner Frauen:
    Ich hatte panische Angst vor der Schwangerschaft und vor allem vor der Geburt!

    Meine einzigen Erfahrungen mit dem Thema bestanden aus Horror-Geschichten von anderen Müttern, vor allem aber aus Medien und Filmen:
    Vor Schmerzen schreiende Frauen wirken auf mich wie Vieh auf der Schlachtbank – der Boden unter ihnen hält diesem Vergleich ebenfalls stand. Überlebenskampf für Mutter und Kind, Geburtsverletzungen, die das Dasein als Frau mit der Geburt beenden – erst recht als sexuell aktive.
    Schwangerschaft war für mich damit der Countdown zum D-Day.

    Kein Wunder also, dass mit dem (gewünschten!) positiven Schwangerschaftstest über mich eine Welle der Panik los gebrochen ist.
    Bei der Nachricht des doppelten Nachwuchses musste ich dann noch im Behandlungszimmer meiner Gynäkologin erstmal 20 Minuten bitterlich weinen – nun sollten sich also nochmal sämtliche Ängste vor Komplikationen in der Schwangerschaft, einer risikoreichen Geburt und der ersten Babyzeit potenzieren…
    Ich entwickelte eine handfeste Schwangerschaftsdepression, aus der ich es erst im 5. Monat heraus schaffte.

    Aus Gesprächen mit Freundinnen weiß ich, dass es vielen Frauen meines Alters so geht.
    Aus Gesprächen mit Freunden, dass auch Männer sehr von diesem skizzierten Horror geprägt sind – da müssten sie also tatenlos zusehen, wie Mutter und Kind in Lebensgefahr schweben und von ihrer vormals attraktiven Partnerin bliebe ihnen allenfalls eine zerquetschte Hand.
    Soll das wirklich die Art und Weise sein, wie wir unser Dasein als Eltern starten? Wie wir die neue Generation von sich ankündigenden kleinen Seelen in unserer Welt, Gesellschaft und Familie Willkommen heißen?!

    Folgt man Ihrem Artikel, dann lautete die Antwort wohl „ja“. Er vermittelt deutlich: Da sei nichts zu zelebrieren, ein Kampf gar auf Leben und Tod zu führen!

    Ich bin unheimlich froh, dass ich diesen Artikel nicht in meiner eigenen unwissenden und unendlich verletzlichen ersten Schwangerschaftszeit gelesen habe.
    Statt dessen hatte ich das Glück, auf Frauen zu stoßen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diesen Kreislauf aus Ängsten und daraus entstehenden selbsterfüllenden Prophezeiungen zu durchbrechen. Frauen, die andere Frauen empowern wollen, ihre eigene Power unter dem oben skizzierten Zerrspiegel wieder zu entdecken.
    Allen voran sei hier Kristin Graf mit ihrem Konzept der „friedlichen Geburt“ genannt, die mich darin bestärkt hat, auf meinen Körper, meine Babys und die Natur zu vertrauen, die im Zusammenspiel dafür sorgen, dass ich als Frau gebären kann! Ganz von allein. Und zwar zur Not auch ohne Geburtshelfer, die sich idealer Weise eher als Geburts-Begleiter für eine selbstbestimmte Geburt verstehen sollten.

    (Und wer hier an ein Klischee von Batik-Rock tragenden Frauen denkt, die barbusig in einem Kreis im Wald sitzen, dem möchte ich als studierte Psychologin, naturwissenschaftlich geprägt, nicht religiös und wenig spirituell nahe legen, sich mit den zunehmend besser erforschten und durch Studien belegten Effekten von Selbsthypnose und Selbstheilungskräften des Körpers zu beschäftigen, um seinen Horizont zu erweitern.)

    Laut der gängigen Meinung und Standard-Einschätzung eines großen Teils des medizinischen Personals, waren meine Zwillinge dazu verdammt, als Frühchen per Kaiserschnitt mit einem Überlebenskampf unter Schmerzen und Drama in dieser Welt ankommen zu müssen. Das hätte wohl auch Ihre als „Expertin“ zitiere Annika Schutt bestätigt.

    Leider bin ich mir mittlerweile sicher, dass es ohne den wertvollen Input von Kristin, dem Zwillings-Geburtsvorbereitungskurs bei Jana und tollen Frauen wie Sissi Rasche und Kareen Dannhauer vom Podcast „Hebammen-Salon“, Julia und Fanny von „MammaLauda“, sowie weiteren, tatsächlich auch so gekommen wäre.
    Ich hätte dies alles vermutlich genau so traumatisch erleben müssen, wie ich es mir vorher ausgemalt hatte, wie es Berichte und Aussagen aus der Kategorie „Das Gewese um die Schwangerschaft“ schüren und wie es vielen Freundinnen ergangen ist, die bis heute nicht über die Ankunft ihrer Kinder sprechen können.
    Die tatsächlich diesen von Ihnen in Ihrem Artikel skizzierten Kampf auf Leben und Tod führen mussten.
    Für all die Frauen, deren Geburt anders abgelaufen ist, als gewünscht, dürften Aussagen über ignorierte Geburtspläne ein Schlag ins Gesicht sein.
    Wie ich heute weiß, könnte ein großer Teil der Komplikationen rund um die Geburt vermeidbar sein, hätten mehr Frauen eine Aufklärung und Vorbereitung erhalten, wie ich sie haben durfte.

    Die Methode der „Friedlichen Geburt“ stärkte meine Körperwahrnehmung, meine Bindung zu den Babys und meine Einstellung zu ihnen – auch jetzt weit über die Geburt hinaus.
    Sie hat es mir mittels Informationen ermöglicht, mich über Standards, Richtlinien und Fremdmeinungen hinweg zu setzen, um in einer buchstäblich schweren Zwillingsschwangerschaft auf meinen eigenen Weg zu vertrauen – der in einer natürlichen, termingerechten, für alle Beteiligten gesunden und verletzungsfreien Geburt gemündet hat!
    Ich habe komplett auf Schmerzmittel verzichtet und die Geburt bis auf die finale Phase allein mit meinen Kindern gemeistert.
    Das hat mich als Frau und als Mutter geprägt und meine Selbstwirksamkeit erhöht.
    Davon profitieren wir als Mutter-Kind-Team noch heute und werden es wohl auch immer…

    Das hätte ich meinen Freundinnen auch gewünscht: Dass sie gewusst hätten, wie sie selbst nicht nur ihre eigene Selffullfilling Prophercy, sondern auch die klinische Interventionskette mittels Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung hätten durchbrechen können.
    All die oben genannten Frauen haben mich aufgeklärt und bestärkt. Haben mir Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft als etwas Natürliches, Kraftvolles und Magisches nahe gebracht, ohne zu idealisieren.
    Durch sie wusste ich jederzeit, was passiert, was passieren könnte und wie ich meinen eigenen Weg gestalten kann, ohne mich medizinischem Personal ausgeliefert fühlen zu müssen.
    Und sollte das nicht auch das Recht jedes Patienten sein…?!

    Frauen genau dazu zu befähigen und die Ankunft künftiger Kinder mit zu gestalten liegt als renommierte Zeitung auch in Ihrer Hand (und Verantwortung). Sie haben die Möglichkeit, entweder Angst zu schüren, oder zu informieren und zu befähigen.

    Und ihr Einfluss geht noch weiter, hinein in die Debatte um unser Gesundheitssystem:

    All die oben aufgeführten Frauen wirken, ohne dabei das medizinische Personal in Verruf zu bringen und Fronten aufzubauen. Sie ermöglichen mit ihren Informationen eher den Perspektivwechsel als Grundlage für den Dialog und die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Frauen, Ärzten und Hebammen.

    Tatsächlich möchte ich betonen, dass die Gynäkologie im Krankenhaus meiner Wahl (Klinikum Wolfsburg, Zertifizierte Geburtsklinik) eine andere Perspektive lebt, als „Frau Schutt“:
    Als Babyfreundliches Krankenhaus fördern sie natürliche Geburten, sowie den unmittelbaren Bindungsaufbau von Mutter und Kind. Interventionen werden bestmöglich vermieden (meine Schwester hat mir bspw. eine Akupunktur-Nadel zur Vermeidung eines Dammrisses gesetzt), es gibt Laktationsberaterinnen und eine Elternschule neben dem Kreissaal und alle Schwestern und Hebammen sind darin ausgebildet -falls gewünscht- den Stillstart zu unterstützen. (Dass ich meine Zwillinge heute mit fast vier Monaten immer noch voll stille, wäre ohne diese Unterstützung nicht möglich gewesen!)
    Und vor allem: Dieses Klinikum respektiert und achtet Geburtspläne!

    Mit diesem Schwenker möchte ich sagen: Die angeführten Aussagen seitens Frau Schutt erscheinen mir sehr einseitig berichtet und glücklicher Weise gibt es Kliniken, die anders handeln und denen gebärende Frauen vertrauen können.
    Ihr Artikel hat sie jedoch in Verruf gebracht und das Vertrauen in sie in Frage gestellt. Das ist so weder korrekt, noch fair, noch ethisch.

    Wenn Sie also ihren Folge-Artikel verfassen, dann nehmen sie doch bitte Bezug zur neuen Leitlinie der Geburtshilfe, welche gemeinsam von Medizinern, Hebammen und Eltern verfasst wurde und den tatsächlichen Zeitgeist widerspiegelt (bewusst nicht das Wort „Trend“ gewählt), der in den Kreissälen Einzug hält: Selbstbestimmt, Interventionsarm und mit der Frau als Pilotin ihrer Geburt – um diesen furchtbaren, von ihnen angeführten Vergleich aufzugreifen.
    Bitte lassen sie verschiedene Perspektiven zu Wort kommen. Wenden Sie sich an diejenigen, die tagtäglich mit diesem Thema arbeiten und für eine Optimierung der Geburtshilfe kämpfen, damit traumatische Erlebnisse reduziert werden können, wie Mother Hood e.V.
    Dazu gehört auch, über den Hebammen-Streik zu berichten, der genau das zum Ziel hat.
    Schreiben Sie von überbelegten Kreissälen und Hebammen, die sich rund um die Uhr zu Lasten ihres eigenen Privatlebens aufopfern, um Frauen das Gegenteil der von Ihnen geschilderten leidvollen Erfahrung zu ermöglichen!
    Das betrifft jede werdende Mutter und jedes Kind, das sich auf den Weg zu uns macht!
    Berichten Sie von Frauen, die Traumatisches erleben mussten, sowie von denen, die ihre schmerzfreie Traumgeburt erleben durften und die jeweiligen Hintergründe.
    Informieren Sie, nutzen Sie Ihre Reichweite für Druck auf die Politik und um ein Bild der Geburt zu verbreiten, wie sie natürlicher Weise sein kann!

    Das sind die wirklich wesentlichen Themen in dieser Debatte – scheiß auf Filzhüllen und Gender Reveal Partys.
    Trotzdem noch etwas zu diesem „tierisch nervigen Zeremoniellen“:
    Zur Auseinandersetzung mit der Ankunft eines neuen Familienmitgliedes und der lebenserschütternden Transformation zur Mutter, sollte jede Frau wertfrei tun können, was sie dabei unterstützt und bestärkt.
    Jede Kultur hat hierbei ihre Riten und feiert (!) die Schwangerschaft. Wenn dies heute in der westlichen Welt für manche Frauen (auch) aus Konsum besteht – so what?!
    So war es z.B. für mich das aller Schönste der gesamten Schwangerschaft, liebevoll ein Kinderzimmer einzurichten – wohlwissend, dass die Babys dies im ersten Jahr noch nicht benötigen werden. Es war mein Willkommens-Ritual. Und ja: Auch ich habe auch eine schöne Hülle für meinen nüchternen und mit Sorgen behafteten Mutterpass, der mich zu jeder Untersuchung begleitet hat und mir dabei jedes Mal liebevoll vor Augen führte, dass da zwei Wunder unterwegs sind, die mir mehr Grund zur Freude, denn zur Sorge bereiten sollten.

    Liebe FAZ, das war sehr viel, sehr subjektiv, weder journalistisch, noch literarisch.
    Aber absolut aus dem Herzen einer Frau und Mutter, die anderen Frauen nur das Beste für ihre Geburt wünscht und sie daher bittet:
    Bitte schreiben Sie Ihren neuen Artikel FÜR alle werden Mütter und ihre Kinder und gegen die Angst.

    Mit besten Grüßen,
    Nina

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    • Avatar
      Pauline sagte:

      ❤️
      Danke fürs Teilen. Und wie wunderbar, dass du es geschafft hast, so zu dir und zu deinen Kindern zu finden und so voller Vertrauen und innerer Stärke deine Kinder zu Welt gebracht hast!

      Antworten
  8. Avatar
    Cerstin Schmidt-Kersten sagte:

    Liebe Jana,

    ich freue mich sehr, daß Du Frau Wiebking die Möglichkeit gibst, ihr die andere, positive Seite der Geburtshilfe aufzuzeigen 🙂 Und sie tatsächlich auf dich zugekommen ist.
    Das was Frau Schutt “ vom Stapel gelassen“ hat, geht finde ich gar nicht! Ja , Ärzte haben studiert und dennoch sind sie keine Götter.. auch sie sind hoffentlich immer noch Menschen mit einem fühlenden Herz.
    Ich denke, daß in jedem Fall die gebärende Frau im Mittelpunkt stehen muss bei der Geburt.
    Alle Menschen im Geburtswesen brauchen mehr Zeit und Raum um der gebärenden Frau mit Achtung, Demut und Einfühlungsvermögen begegnen zu können- das geht an die Politiker, schon so lange sind Veränderungen dringendst notwendig!
    Ich bin meiner Hebamme sooo unendlich dankbar, daß sie mich bei zwei Hausgeburten begleitet hat- das hat mein ganzes Leben verändert! Heute denkt es in mir :“ es gibt nichts auf der Welt, was ich nicht schaffen könnte, denn ich habe 4 Kinder geboren!“ ( 2 davon als sek. Sectios und dann 2 Zuhause).
    Ich bin total gespannt auf dein Interview, liebe Jana. Mach weiter so!

    Antworten
  9. Avatar
    Leonie Joos sagte:

    Auch ich habe eine Reaktion auf den Artikel geschrieben und eine freundliche Antwort von Frau Wiebking erhalten, in der Sie mir mitteilte, dass mein Brief leider zu spät für die Sonntagsausgabe kam…

    Danke also, für die Möglichkeit, ihn hier zu veröffentlichen:

    Sehr geehrte Frau Wiebking,
    Sehr geehrtes Leserdialog-Team der FAZ,

    Ich danke Ihnen, für die Möglichkeit des Austausches und der Rückmeldung zu dem genannten Artikel auf diesem Weg.

    Ich bin Mutter von 3 Kindern und habe mich als selbstständige Physiotherapeutin (MSc.) mit meinem Unternehmen MamasKraft auf die Themen Geburtsvorbereitung, Wochenbett, Rückbildung spezialisiert. Und arbeite mit vielen wissenden Frauen (Hebammen, Doulas…) intensiv daran, das Bild von Geburt in unserer Gesellschaft zu wandeln. Werdenden Eltern durch evidenzbasierten Wissen Ängste zu nehmen & (Selbst-)Sicherheit zu vermitteln.

    Den von Ihnen geschriebenen und veröffentlichten Artikel empfinde ich als unsachlichen Schlag ins Gesicht aller (werdenden) Mütter & in diesem Bereich professionell arbeitenden – damit meine ich mit dem nötigen Respekt dem Wunder des Lebens & einer evidenzbasierten Handlungweise folgenden – Menschen.

    Das Zelebrieren von Schwangerschaft, Geburt & Mutterwerden ist kein Lifestyle Schnickschnack und Geburt ist nicht per se gefährlich. Das wachsen lassen & Gebären eines Kindes ist sehr wohl eine großartige Leistung im Leben einer Frau und ein einzigartiges, großes Ereignis im Leben einer Familie. Das kann man aus meiner Sicht gar nicht genug feiern!

    Ich habe drei Kinder geboren, zwei davon zu Hause, und habe dies zu keinem Zeitpunkt als gefährlich empfunden! Ich habe mich immer sicher gefühlt… Viel sicherer, als zum Beispiel im Straßenverkehr! Autofahren ist gefährlicher. Abgesehen von meinem persönlichen empfinden lässt sich das auch ganz einfach in den entsprechenden Statistiken nachlesen. Die Mütter- und Säuglings-Sterblichkeit ist bei jeder Art von Geburt (Krankenhaus, Geburtshaus, zu Hause) sehr, sehr gering und steht den Unfall Toten im Straßenverkehr bei weitem nach…

    Geburt ist ein natürlicher, physiologischer und gesunder Prozess, der in der Regel von der Natur so orchestriert wird, dass es für Mutter und Kind zum bestmöglichen Ergebnis kommt.

    Durch die vielen unnötigen Intervention in den Krankenhäusern kommt es jedoch erschreckend häufig zu gesundheitlich schlechten Folgen für Mutter und Kind. So können Maßnahmen wie Kaiserschnitt, Dammschnitt oder Saugglocke im Notfall Leben retten. Die aktuell hohen Raten dieser Eingriffe stehen jedoch in keiner Relation zur Notwendigkeit (vgl. Empfehlungen WHO) und können eigentlich nur als Körperverletzung gewertet werden.

    Mit Initiativen, wie Mother Hood e.V. Oder Greenbirth e.V. Und dem jährlichen Roses Revolution Day am 25. November kämpfen zunehmend mehr Frauen (und Männer) seit einigen Jahren gegen Gewalt in der Geburtshilfe und für eine sichere Geburt.

    Praktiken, die ihre Autorin beziehungsweise die zitierte Ärztin in dem Artikel beschreiben, sind gegen das (Patient*innen-) Gesetz und somit Gewalt, wenn sie nicht im sehr seltenen Notfall und mit Einverständnis der Patientin durchgeführt werden.

    Das Verharmlosen als Routinepraktiken, die dem/der Ärztin im Geburtsverlauf als „Machthabende“ Pilot/in zustehen, verletzt& retraumatisiert tausende Frauen, die genau diesem Machtmissbrauch durch unprofessionelle Geburzshelferinnen zum Opfer geworden sind!

    Ich bitte Sie, mit solchen negativen, Angst schürenden Meinungsbildern bezüglich Schwangerschaft und Geburt vorsichtig zu sein und zum Wohle jeder (werdenden) Mutter differenziert & fundiert zu berichten. Die im Artikel dargestellte Meinung bildet in keinster Weise die Realität, geschweige denn ein evidenzbasiertes ärztliches Vorgehen gemäß der vorhandenen Leitlinien ab!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Leonie Joos

    Mamaskraft
    MSc. Physiotherapie

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  10. Avatar
    Christiane Lippert sagte:

    Der Brief, der nicht gedruckt wurde, da er zu spät abgeschickt wurde und auf den keine Reaktion von Seiten der FAZ kam, ist jetzt hier zu lesen:

    Sehr geehrtes FAZ Team,

    Offensichtlich hat sich Ihre Redakteurin mit den Missständen in der Geburtshilfe vor dem Interview nicht umfassend auseinandergesetzt. Jede dritte Frau erlebt Gewalt unter der Geburt. Als Systemische Beraterin und Doula mit traumatherapeutischer Weiterbildung begleite ich Frauen, die durch Gewalterfahrungen unter der Geburt leiden, bis hin zu einer PTBS

    Geboren werden und Sterben sind Ereignisse, die mit größter Demut und Achtsamkeit begleitet werden müssen.
    Die Kommerzialisierung rund ums Kinderkriegen sehe auch ich kritisch, die intensive Beschäftigung mit der eigenen Schwangerschaft und der Geburt betrachte ich jedoch als zwingend notwendig, um in der Ausnahmesituation der Geburt als mündige Person handlungsfähig zu bleiben.

    Durch Studien ist belegt, dass:
    – ein positives Mindset in der Schwangerschaft, und die Möglichkeit der Selbstbestimmtheit und Selbstwirksamkeit unter der Geburt zu signifikant weniger Postpartalen Depressionen führt.
    – eine 1:1 Betreuung (auch durch die Begleitung einer Doula) zu weniger Interventionen und Komplikationen führt.
    – ein positives Geburtserlebnis die Mutter-Kind Bindung stärkt, was sich auf ihre seelische Gesundheit auswirkt.
    – Angst, unnötige Interventionen, Störung von außen, Zeitdruck, allein gelassen sein, den physiologischen Geburtsverlauf stören.

    Geburt ist zuallererst kein medizinischer Notfall, das ist auch in der S3 Leitlinie zur Vaginalen Geburt zu lesen.

    Geben sie den Frauen eine Stimme! Fordern sie die Politik zum Handeln auf, bessere Bedingungen für Hebammen zu schaffen, dass sie ihrer Berufung nachkommen können und nicht nur dem wirtschaftlichen Druck des Klinik- Systems nachkommen müssen. Gebärende brauchen eine kontinuierliche Begleitung! Auch während der Corona Pandemie! Ich wünsche mir als Doula, dass Frauen nicht traumatisiert, sondern gestärkt aus der Geburt ihres Kindes hervorgehen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Christiane Lippert

    Antworten
    • Avatar
      Jana Friedrich sagte:

      Hallo Christiane,
      vielen Dank für deinen LeserInnenbrief.
      Diesen Satz liebe ich besonders: „Geboren werden und Sterben sind Ereignisse, die mit größter Demut und Achtsamkeit begleitet werden müssen.“
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
  11. Avatar
    Franziska Lehrmann sagte:

    Ich habe den Artikel auch gelesen und war entsetzt. Ich bin nun mit unserem ersten Wunder schwanger und musste schon jetzt an meine eigene Geburt denken. Gott sei Dank habe ich selbst schon im Krankenhaus gearbeitet und weiß, dass nicht überall so verfahren wird, wie in Artikel beschrieben. Aber viele Erstgebärende lassen sich mit Sicherheit verunsichern wegen dieser Pauschalisierung.
    Wie schon beschrieben, da wird die Meinung einer einzigen Person genannt und diese hat nun für alles und jeden zu Stimmen?
    Ich hatte gedacht, dass wir in unserem Umdenken schon weiter wären.

    Antworten
  12. Avatar
    Leni sagte:

    Liebe Jana,

    was für ein toller Kommentar zu diesem unsäglichen Artikel!
    Da stand so viel drin, über das ich mich so richtig ärgern konnte. Zum einen finde ich es merkwürdig, dass ausgerechnet in unserer westlichen Welt, in der der Konsum praktisch jeden Lebensbereich voll durchdrungen hat, ausgerechnet Schwangere nicht mit Konsum von Filzhüllen für den MuPa ihre Schwangerschaft feiern dürfen sollen. Zum anderen wird meiner Meinung nach immer noch alles, was mit Schwangerschaft und Geburt zu tun hat, möglichst „im Verborgenen“ abgehandelt. Würden Männer gebären können, sähe die Kultur rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ganz anders aus.
    Und es ist eben nicht egal, wie wir geboren werden. Letztens hatte ich eine Bekannte getroffen, die ihr 80. Lebensjahr bereits überschritten hat. Bei diesem Treffen war mein Sohn (16 Monate) dabei und wir kamen auf Geburten zu sprechen. Obwohl unser Verhältnis bisher nicht so richtig intim war, erzählte sie in allen Details von ihren eigenen beiden traumatischen Geburten – die ausführlichen Details physischer und psychischer Gewalt spare ich mir jetzt mal. Das in meinen Augen krasseste ist: bei einer Geburt wurde ihr das Becken gebrochen, und es hat ihr niemand gesagt. Obwohl sie spürte, dass solche Schmerzen nach der Geburt nicht „normal“ sind, wurde immer nur gesagt „keine Angst, das gibt sich“. Erst Monate später, als die Schmerzen nicht nachlassen wollten, kam das auf Nachfrage heraus. Diese Frau, deren letzte Geburt schon über 50 Jahre her ist, konnte sich immer noch detailliert daran erinnern und hatte immer noch das Bedürfnis, darüber zu reden. Das sagt etwas aus, finde ich. Sie sagte auch selbst, sie hätte immer noch (körperliche) Probleme wegen der Geburten. Außerdem deutete sie an, dass sie nach der zweiten Geburt praktisch kein Sexleben mehr hatte aus Angst vor noch einer Schwangerschaft.
    Da ist ein „Hauptsache gesund“ wirklich einfach nur Hohn.
    Ok, es hat sich viel geändert in den letzten 50 Jahren. Aber dann rede ich mit einer Freundin, die als Erstgebärende mit so starken Wehen in den Kreissaal kam, dass ihr Kreislauf schlapp gemacht hat – und alle verdrehen die Augen „jaja, Erstgebärende, die hat ja keine Ahnung.“ Dabei war ihr Muttermund schon bei 7cm. Da noch zwei andere Geburten parallel liefen, wurde ihr gesagt, sie soll erst mal veratmen, Schmerzmittel gäbe es dann „später, wenn es wirklich nötig wird“. Das Ergebnis: Herztöne weg, Vollnarkose, Notkaiserschnitt.
    Aber „Hauptsache gesund“…

    Antworten
    • Avatar
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Leni,
      oh jeh. Ja das ist mein täglich Brot. Mir erzählen immer alle ihre Geburtsgeschichten, im Beruf und auch im Privatleben. Und was da bei den älteren Frauen los war… das mag man sich gar nicht vorstellen. 🙁
      Einiges hat sich glücklicherweise schon geändert. Aber da geht noch was.
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
    • Avatar
      Vanessa Zobel sagte:

      Den Satz Hauptsache gesund fand ich schon in der Schwangerschaft furchtbar. Es sollten alle drei Mutter, Vater, Kind körperlich und seelisch gesund sein. Nicht nur der Fokus auf ein gesundes Neugeborenes gelegt werden.

      Antworten
  13. Avatar
    Vanessa Zobel sagte:

    Nachfolgend mein Leserbrief an die FAZ:

    Ich bin selbst Mutter (35) eines bald 10 Monate alten Sohnes. Von sogenannten Gender-Reveal-Partys habe ich das erste Mal in ihrem Zeitungsartikel gelesen. Von Genderzeuginnen habe ich auch noch nie vorher gehört oder gelesen, obwohl ich nun schon so einige Ratgeber und Blogs seit meiner Schwangerschaft gelesen habe. Die Babyshower waren mir bis vor wenigen Jahren auch noch unbekannt. Aber so schwappen immer neue Traditionen aus Amerika zu uns herüber. Oder haben Sie schon in Ihrer Kindheit Halloween gefeiert? Der Kult um geschnitzte Kürbisse, Verkleidungen und dem nun allseits bekannten Spruch „Süßes oder Saures“ hat auch erst in den letzten Jahren an Zuspruch gewonnen. Das Fest wurde von den Süßigkeitenherstellern hier zu Lande sehr gut vermarktet. Ist dies nun verwerflich? Oder einfach der Zeitgeist? Eine Veränderung auf Grund der digitalen, globalisierten Welt?

    Wir haben keinen Bluttest machen lassen. Aber ich würde deshalb niemanden kritisieren, der diese Möglichkeit nutzt.
    Der Streptokokkenabstrich zum Ende der Schwangerschaft hin ist ebenfalls keine gesetzliche Regelleistung und eine individuelle Entscheidung der Mutter.
    Man kann heute das Geschlecht per Ultraschall besser bestimmen, weil die heutigen, modernen Ultraschallgeräte einfach viel genauer sind als noch vor 30 Jahren. Der Gesetzgeber hat bereits zum 01.01.2021 das sogenannte „Baby-TV“ verboten. Ärzte dürfen nur noch schallen, wenn es eine medizinische Indikation gibt. Und in diesen Fällen sollte man doch froh sein, dass es in Deutschland für die Gesundheit von Mutter und Kind diese Möglichkeit gibt.

    Was ist an Mutterpässen in Filzhüllen absurd? Ich hätte mich über ein solches Geschenk gefreut. Würde auch gerne das U-Heft meines Sohnes mit einer solchen Hülle individualisieren und vor Wettereinflüssen oder dergleichen schützen. An anderer Stelle erfreuen Sie sich vermutlich über selbst gestrickte Socken, gehäkelte Taschen, selbstgekochte Marmelade und Filzanhänger als Schlüsselanhänger. Was ist dann also bitte an Mutterpasshüllen verwerflich? Genau so wenig kann ich verstehen, dass das liebevolle Einrichten eines Kinderzimmers, das Führen eines Schwangerschaftstagebuches in Schrift und Bild, das Anlegen eines Countdowns als Quatsch bezeichnet wird. Es soll doch bitte jedes Paar seine Vorfreude ausleben können wie es möchte. Die Produktvielfalt hat nun mal in unserer Gesellschaft in sämtlichen Bereichen stark zugenommen. Aber es kann ja zum Glück jeder individuell entscheiden was er möchte. Ob er neu oder gebraucht kaufen möchte. Die neuesten Trends mitgehen möchte oder nicht. Ob er sich in einem Babyclub anmeldet um Produktproben zu erhalten oder lieber seine Daten schützt und fern bleibt.

    Wenn man die Mom economy kritisiert muss man auch das Geschäft mit Hochzeiten kritisieren. Die Blumenpreise an Valentinstag und Muttertag.

    Warum Mütter, die voller Stolz und Vorfreude, individuelle Umstandsmode tragen, keine Demut vor dem noch ungeborenen Leben zeigen entzieht sich meiner Kenntnis. Nach der Geburt unseres Sohnes per Notkaiserschnitt war ich nicht voller Glücksgefühle sondern voller Dankbarkeit, dass es uns gut geht. Ich hatte übrigens ein T-Shirt mit dem Aufdruck Baby loading und auf den Danksagungskarten für die Geburtsgeschenke trägt mein Sohn einen Strampler mit dem Aufdruck 50 % Mama + 50 % Papa = Ich. Ich weiß wirklich nicht was daran jetzt verwerflich ist. Es entspricht doch der Wahrheit. Entspricht dem Geschmack vieler heutiger Eltern. Dies mag ja in 5 Jahren schon wieder ganz anders sein. Wer weiß das schon.

    Über die kritischen Anmerkungen zum Geschlechterbild in unterschiedlichen Kulturkreisen bin ich sehr dankbar. Aber nach diesen nachdenklichen Worten über traditionelle Rollenbilder versus Gendern bin ich entsetzt über den letzten Absatz Ihres Artikels.

    In jedem Schwangerschaftsratgeber, in jedem Geburtsvorbereitungskurs wird Schwangeren heute geraten sich über ihre Geburtsvorstellungen (Gebärpositionen, Schmerzmittel, Begleitung, Ort, Ambiente) klarer zu werden und einen sogenannten Geburtsplan zu erstellen. Nur wenn sich die werdende Mutter im Kreißsaal sicher fühlt, sich entspannen kann, kann es auch gut mit einer natürlichen Geburt klappen. Die Atmosphäre spielt eine entscheidende Rolle. Wenn die Mutter sich unter Druck gesetzt fühlt, gestresst ist, sich schlecht informiert fühlt, wird sie sich nicht entspannen können. Nach dem unverständlichen und völlig deplatzierten Pilotenvergleich wird mangelndes Vertrauen in die Geburtshelfer beklagt. Wer das beklagt, der muss auch beklagen, dass vor jedem medizinischen Eingriff die Einwilligung der Patienten einzuholen ist. Unter dem Deckmantel der Gefahr fürs Kind werden heutzutage in aller Eile Interventionen vorgenommen ohne die werdenden Mütter zu informieren und deren Einverständnis einzuholen. Und wenn dies ein Einzelfall wäre, gebe es denn Begriff Gewalt unter der Geburt nicht. Würde es in der nächsten Woche am 25.11.21 nicht zum 10. Mal die Roses Revolution in Deutschland geben. Hier werden Patientenrechte mit Füßen getreten.

    Schließen möchte ich meinen Leserbrief damit, dass ich demütig bin, dass mein Sohn und ich die Schwangerschaft und Geburt gemeistert haben. Aber solche Artikel wie der Ihre machen mich sprachlos und wütend. Vor allem wenn eine Ärztin noch nicht mal ihren Namen angibt. Eine renommierte, überregionale Zeitung nicht mal genauer recherchiert, Aussagen differenzierter darstellt. Weil es solche Ärzte wie Frau Schutt gibt, die die individuellen Bedürfnisse der Mütter nicht ernst nehmen, können Wochenbettdepressionen auf Grund von Geburtstraumata entstehen. Ich wurde ohne Zustimmung kristellert. Ein Eingriff der in Frankreich inzwischen verboten und von der die WHO abrät. Und ein Eingriff den Frau Schutt lapidar als Bauch drücken abtut.

    An dieser Stelle möchte ich noch auf https://www.westfalen-blatt.de/owl/wenn-die-freude-am-kind-fehlt-2458613?pid=true sowie https://youtu.be/bvp4zvrBoo8 verweisen. Ich habe meinen Namen bewusst nicht ändern lassen. Es muss sich endlich was ändern in der Geburtshilfe. Da gebe ich der Ärztin recht. Aber nicht die Geburtspläne müssen abgeschafft werden, sondern die Geburtsbeteiligten in Kommunikation und Empathie geschult werden. Endlich wieder mehr Hebammen ausgebildet und in deutschen Kreißsälen arbeiten. Es werden immer mehr Geburtsstationen wegen Fachkräftemangel geschlossen. Es passieren Fehler, weil keine 1:1 Betreuung gewährleistet werden konnte. Das sollte nachdenklich stimmen. Und nicht die konsumorientierte, vorfreudige, werdende Mutter. Eine sichere Geburt darf kein Glücksfall sein, sondern muss jeder Schwangeren möglich sein. Daran sollte man in einem hochentwickelten Land wie Deutschland nicht zweifeln dürfen!!! Auch unter der Geburt müssen Menschen- und Patientenrechte gewahrt werden wie es u.a. die Elterninitiative Mother Hood e.V., in der ich Mitglied bin, fordert.

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