Geburtshilfe bleibt auf der Strecke – Eltern eilen zur Nachsorge! Kein Weg zu weit…

Die Hebammenrettung kommt in Fahrt: 400 Kilometer quer durch Deutschland, auf dem Fahrrad, mit dem Kleinkind im Hänger? Wer macht denn sowas?
Laura mit Mio, Jana mit Linn, Christiane mit Michel und Bianca mit Lotta (v.l. auf dem Foto)

Vorgeschichte

Bianca Kasting ist eine ganz normale, junge Mutter, mit einem überdurchschnittlich großem Engagement für Hebammen. 😉
Vor einem Jahr hat sie in einem Geburtshaus ihre Tochter Lotta geboren. Ein Ereignis, das sie nachhaltig prägte. Bis heute empfindet sie eine tiefe Verbundenheit zu ihrer damaligen Hebamme. Deren Arbeitsstelle, das Geburtshaus, musste inzwischen schließen. Es war unrentabel geworden. Viele weitere folgten. Nicht nur die Geburtshäuser schließen, es finden sich auch immer weniger Beleghebammen, die Krankenhausgeburten begleiten.
Der Grund: In Deutschland als freiberufliche Hebamme zu arbeiten, ist inzwischen weitestgehend unwirtschaftlich geworden. Und nun droht obendrein auch noch allen freiberuflichen Hebammen, durch den anstehenden Wegfall des Versicherungsschutzes, quasi ein Berufsverbot.
Bianca will das nicht hinnehmen und startete eine Online-Petition zur Hebammenrettung.
Und das mit großem Erfolg: 381.672 Unterstützer hat die Petition inzwischen (Stand  26.03.14) erreicht.
Doch in der großen Politik passiert bislang leider herzlich wenig, das Anlass zur Hoffnung auf eine akzeptable Lösung für die Hebammen, und somit auch für die vielen Familien, gibt. Sie müssen nun um ihre gesetzlich zugesicherte Wahlfreiheit des Geburtsorts fürchten. Über die Zusammenhänge und Hintergründe des Hebammen + Elternprotests berichtete ich hier im Blog bereits ausführlich.

Mütter on Tour

Vor diesem Hintergrund startet Bianca am Dienstag, den 01.04.2014 eine 400km lange Fahrradtour quer durch Deutschland – von Hameln nach Berlin. Sie reist mit Tochter Lotta und drei weiteren Müttern sowie deren Kindern.
Ihre Mission: Mit Infoflyern und persönlichen Gesprächen möchten die Frauen in den einzelnen Städten darüber aufklären, wie wichtig die Rettung der Hebammen ist.
„Wir Mütter bleiben in Bewegung, uns ist kein Weg zu weit. Wir wollen Hebammen.“, begründet Bianca Kasting ihr Vorhaben. Sie sagt:

Stell dir vor, du bist schwanger – und niemand ist da!
Stell dir vor, du willst gebären und die nächste Klinik ist eine Autostunde entfernt!
Stell dir vor, du willst eine Hebamme nur für dich haben:
im Krankenhaus,
Zuhause,
im Geburtshaus…
aber
da IST KEINE HEBAMME MEHR,
NUR FÜR DICH.
Du teilst sie mit 5 anderen Gebärenden.
Stell dir vor, du hattest eine schlimme Geburt und niemand hört dir zu.
Stell dir vor, du hast Stillprobleme und niemand hilft dir.
Stell dir vor, du willst selbst bestimmen unter der Geburt, aber da ist niemand mehr auf deiner Seite.
Stell dir vor, du verlierst ein Kind und niemand fängt dich auf.
Stell dir vor, du wirst schwanger und niemand ist da.
Wer trägt dann die Verantwortung für diese Situation?
Alle, die jetzt zuschauen. Alle, die sich jetzt nicht bewegen. Alle, die nicht auf die Demos gehen. Alle, die das Thema ignorieren.
Du liest gerade auf dieser Seite. Also bewegst du dich!
Mit uns.
WIR MÖCHTEN NICHT ZUSCHAUEN. WIR MÖCHTEN IN BEWEGUNG BLEIBEN.
Für unsere Kinder, für unsere Freundinnen, für unsere Töchter, für unsere Enkelinnen, für dich, für alle Frauen. Wir haben das Recht auf eine natürliche Geburt und auf Hebammenbetreuung.
Wir zeigen, dass uns KEIN WEG ZU WEIT ist, um für die Geburtshilfe zu kämpfen. WIR BLEIBEN NICHT STEHEN und staunen. Wir holen uns unsere Hebammen zurück. Denn es mussten schon TAUSENDE aufgegeben.
WIR FAMILIEN GEBEN NICHT AUF!
Weil wir mit Rückenwind fahren: 380.000 Unterzeichner bei change.org/hebamme, zahlreiche Unterstützer in finanzieller Hinsicht, außerdem die unfassbar fleißige Hebammenunterstützungs-Truppe!

Kein Weg zu weit

Von Hameln nach Berlin

Am 01. April 2014 startet Kasting ihre Radtour in Hameln und nutzt dafür den bekannten Radweg Hameln-Berlin. Nach Stopps in verschiedenen Städten ist das erklärte Ziel der 12. April 2014 in Berlin. An diesem Tag findet in der Hauptstadt eine Demonstration zur Unterstützung der Hebammen statt, an der Bianca Kasting vor Ort sein wird. Zuvor wird sie in folgenden Städten über die aktuellen Situation der Hebammen informieren: Hameln (01.04.), Elze (02.04.), Hildesheim (03.04.), Wolfenbüttel (04.04.), Schöningen (05.04.), Wanzleben (06.04.), Magdeburg (07.04.), Rottstock (08.04.), Lehnin (09.04.), Potsdam (10.04.), Endspurt: Potsdam-Berlin (12.04.).

Partnerstadtaktionen

Bianca Kasting hofft auf rege Teilnahme der Menschen in Deutschland. Zeitgleich zur Radtour finden deutschlandweit weitere Aktionen statt, die durch freiwillige Helfer organisiert werden: Kiel +Oldenburg +Westerland (01.04.),Karlsruhe (02.04.), Köln (03.04.), Frankfurt, Fulda (04.04.), Leipzig (05.04.), München (06.04.), Nürnberg (07.04.), Hamburg (09.04.), Essen (10.04.). Ankündigungen für die einzelnen Aktionen folgen. Es gibt eine interaktive GoolgeMaps-Karte, die die Tour und die Partnerstädte sehr schön darstellt.

Solidarität ist der Hammer!

Bianca Kasting ist fasziniert:

Ich bin nur das Sprachrohr. Im Hintergrund arbeiten professionelle Grafikerinnen, PR-Beraterinnen, Organisatorinnen – alle ehrenamtlich, alle Mütter. Hier arbeiten hunderte Menschen und Tausende verfolgen unsere Arbeit. Eine solche Solidarität habe ich noch nie im Leben erfahren. Mir fehlen die Worte für diese Bereitschaft aller, etwas zu verändern. Und täglich werden wir mehr. Uns ist kein Weg zu weit.
Bewegen wir uns gemeinsam für eine KEHRTWENDE in der Geburtshilfe!
Wir fahren sonst alle kaum Rad. Wir müssen verrückt sein! Aber uns ist kein Weg zu weit für unseren Protest. Hebammen braucht das Land!


Live-Berichterstattung

Ich freue mich sehr darüber, dass Bianca mich gefragt hat, ob ich die Berichterstattung der Tour übernehmen könnte. Eltern für Hebammen, Hebammen für Eltern 😉 Mach ich doch gerne, Ehrensache!
Ich werde also täglich mit Bianca telefonieren und sie wird mich mit Fotos und vielleicht sogar mit kleinen Videos des Tages versorgen. Ich bin gespannt und wünsche Bianca und den Anderen Frauen erst mal viel Glück, gute Nerven, stramme Waden und vor allem vergnügte Kinder!

– Etappen-Schnell-Links –


31.03. – 22Uhr – Der Abend davor

Kurzes Telefonat mit Bianca, die noch packt. Die Stimmung ist gut. Aber Bianca spürt schon den Druck der Verantwortung auf ihren Schultern bzw. in den Waden. 😉
12 Tage sind eine kurze Zeit, um so eine Aktion gut vorzubereiten. Im Hintergrund arbeiten viele fleißige Helfer, sonst wäre es gar nicht möglich gewesen. Aber am Ende wollen sich natürlich alle noch mal mit Bianca abstimmen: Telefon und Computer sind im Dauereinsatz. Bianca auch. Die Tage sind lang, die Nächte kurz. Auch mit den anderen Mädels gab es am Abend noch eine kurze Telefonkonferenz. Alle sind aber guten Mutes, nur eines der Kinder zahnt.
Lotta schläft schon tief und fest und ahnt wohl noch nichts von dem bevorstehenden Abenteuer…

  • Dropbox – check!
  • Digicam – check!
  • Babysocken – check!

Morgen früh geht’s looooos!!!



01.04. – 22.13 Uhr – Tourauftakt in Hameln

Heute hat mir Bianca geschrieben, da wir auf Grund von asynchronem Rhythmus einfach nicht zum telefonieren gekommen sind:

Ich bin platt. Mein Kind, das normalerweise zwischen 18 und 19.30 Uhr schlafen geht, ist gerade nach einem Tag mit genau 10 Minuten Mittagsschlaf im Hotelbett eingeschlafen. Endlich. Mir fehlen, dank der letzten zwei Wochen, sämtliche Stunden Schlaf und ich frag mich gerade, wie Hebammen ewig währende Geburten betreuen können, ohne die Geduld zu verlieren.

Die Hinfahrt war für alle vier Mütter sehr anstrengend, die Kinder haben sich im Auto (auf dem Weg nach Hameln) gegenseitig hochgeschaukelt, sodass ein Fahrzeug aufgrund mehrerer Beruhigungsstopps mit erheblicher Verspätung in Hameln eintraf. Ziemlich hektisch wurden Hänger und Fahrräder mit „Kein Weg zu weit“-Grafiken beschmückt und mit leichter Verspätung erreichten wir das Hochzeitshaus in der Stadtmitte. Dort warteten ein paar Hebammen und Eltern auf uns. Sie trommelten und verteilten z.T. Flyer mit uns.
Die meisten Passanten hatten bereits von der Haftpflichtproblematik bzw. dem „Hebammenproblem“ gehört. Ein paar Stuttgarter erzählten, dass im Süden Deutschlands viel darüber im Radio komme. Sie wussten sogar, dass auch die Klinikhebammen betroffen sind. Darüber waren die meisten Menschen, denen wir begegneten, erstaunt.

Kein Weg zu weit: Hameln

Währenddessen gab es in den Partnerstädten Kiel, Oldenburg und auf Sylt ebenfalls Proteste. Auch die Presse war anwesend:
Sat1-Regional berichtete in den 17:30 Nachrichten (ab Minute 7/12) von dem Protest in Kiel.
Auch bei NDR.de kann man über die Aktionen lesen.

Morgen früh heißt es für die vier Mädels in die Pedalen treten. Denn morgen geht es nach Elze. “GO GIRLS GO!!!”

Kein Weg zu weit: GoGirlsGo

02.04. – 22.45 Uhr – Etappe 1 ist geschafft: Elze

Als erstes gibt es mal die Impressionen des Tages:

 

 

Und hier kommt der Tagessteckbrief von Bianca und den Mädels.

Ich bin heute ihr Ghostwriter und habe aus Biancas Stichpunkten und dem abendlichen Telefoninterview mal den Tag rekonstruiert:

Der Start in den Tag war chaotisch, aber schön. Gedankenlos  genossen wir ein ausgiebiges Frühstück und kamen erst mit einer Stunde Verspätung los.
Das angeblich wahnsinnig einfach zu bedienende GPS-System schickte uns zwar auf der richtigen Route, aber von Berlin Richtung Hameln, los. Also falsch herum und damit in die Pampa. Zwar hatten wir noch ein Handy mit Navi dabei, doch wir vertrauten dem GPS mehr, so dass  wir eine ganze Stunde in einer Form des Kreisverkehrs durch Hameln fuhren.
Nach zwei Stunden hatten wir gerade mal sechs Kilometer geschafft. Kurzfristig stellten wir Alles in Frage. Ein vorbei spazierender Herr munterte uns auf: „Elze? Das ist aber von hier aus noch sehr weit weg. Sehr, sehr weit weg.“  Oh,jeh! Auf der Karte oben sieht man, wie weit wir zu dem Zeitpunkt erst gekommen waren! Aber so schnell geben wir dann doch nicht auf.
Wir erreichten Elze! Der Hotelier von unserem Übernachtungs-Hotel betrachtete neugierig unsere gebrandeten Fahrräder, worauf wir ihm von unserer Aktion erzählten und ihm sagten, dass wir in Hameln heute schon in der Zeitung gewesen waren. Da verzog er sich kurzerhand zurück ins Hotel, kam aber kurze Zeit später wieder zum Vorschein. Er hätte gerade die lokale Presse informiert und wir hätten später noch ein Interview. So klasse! Oder?!
Zwei unserer Räder sind umgefallen und haben Schaden genommen. Spontan versuchte ein Vater uns bei der Reparatur behilflich zu sein. Das reichte leider nicht. Das eine Fahrrad brauchte dringend eine Werkstatt.
Der Empfang durch die Hebammen in Elze war super freundlich. Wir fühlten uns sehr willkommen, was nach dem Tag richtig gut tat. Reger Austausch fand statt. Die Hebamme Renate (Organisatorin vor Ort) packte Jana kurzerhand in ihr Auto und fuhr sie zur Fahrradwerkstatt. Das war so gegen 18 Uhr.
Zurück im Hotel bestand das Abendessen aus Käse-Baguette, bzw. Erbsen und Möhren plus Kroketten, weil die Hotelküche schon zu war. Baguette war alles, was im Bistro zu kriegen war.
Das nette Erlebnis zum Abend gab es noch in der Bar: Und zwar mit zwei “echten Kerlen”. Sie ließen sich die ganze Hebammenthematik erklären und werden die Aktion ab jetzt aufmerksam verfolgen. So ein unerwartetes Interesse ist genial und motiviert noch mal richtig dafür, die ganzen Mühen auf sich zu nehmen; da freu ich mich doch schon auf Morgen! 🙂

Fazit: 33 km in den Knochen – Bianca kaputt, Jana noch fit, die Kinder schlafen heute alle früh (die frische Luft bringt’s)

Die Presse war auch wieder am Start:

Aus Karlsruhe, der Partnerstadt der heutigen Tourenetappe, berichtete Ka-News.de.
Auch im “Karlsruher Kind” findet sich ein Artikel.
Der “Happy-Birthday e.V. organisierte die Partnerstadtaktion. Hier noch eine tolle FotoDokumentation von “Mann mit Kamera” über die Partneraktion von Happy-Birthday e.V. in Karlsruhe. (Bianca sendet Euch ein großes Extra-Danke für den tollen Einsatz!) Und entlang der Route werden die Mädels schon erwartet, wie WolfenbüttelHeute.de berichtete.

Kein Weg zu weit: Erste Etappe: Elze

 

Morgen früh geht es fleissig weiter: nach Hildesheim! “… aber bitte mit Rückenwind!!!”


03.04. – 21.35 Uhr – Etappe 2 ist geschafft: Hildesheim

Als erstes wie immer die Impressionen des Tages:

 

 

 

 

Und hier der Bericht von Bianca und den Mädels:

Bianca hat sich auf die Hoteltoilette zurückgezogen, denn alle Kinder schlafen schon und so ist es der einzige verfügbare Ort. Sie schreibt:

Wir fühlen uns wieder einmal wahnsinnig müde, aber…
Der Tag war nur KLASSE, weil wir eine entspannte Fahrt hatten, keine Pannen wie die Tage zuvor, die Kinder waren fast durchweg zufrieden, und der Empfang in Hildesheim war der Knaller (mit Ausnahme des Hotel-Teams)! Zig Eltern mit ihren Kindern und zahlreiche Hebammen warteten gut gelaunt und unfassbar dankbar auf uns. Wir wurden unter Beifall begrüßt, ein Fernsehteam von RTL war ebenfalls vor Ort. Wir hatten mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass uns in Hildesheim so viel ansteckend gute Stimmung entgegen schlagen würde. Unsere Müdigkeit wich, die Beine fühlten sich weniger schwer an und wir wussten am Ende des Treffens dort: Wir sind auf dem richtigen Weg!
Ein Highlight war der Besuch von Barbara Hirt (Herausgeberin von „Kidsgo“ und Initiatorin der „Nabelschnuraktion“ auf den Demos), die wieder einmal eine „Nabelschnur“ aufhing, an die kaum ein Passant vorbei gehen konnte, ohne einen Blick darauf zu werfen. Barbara ist unsere persönliche Heldin, nachdem sie uns Kuchen gebacken, Wasser, Tee und Kaffee mitgebracht hatte, Spielzeug und Decken für die Kinder auslegte und uns unheimlich liebevoll umsorgte. Wir fühlten uns rundum wohl in Hildesheim.
In Elze war das Gefühl sehr ähnlich, denn auch dort empfing man uns mit motivierenden Worten und großer Gastfreundschaft. Ein Beispiel dafür: Renate (Hebamme aus Gegend von Elze) hatte Jana gestern erst zu einer Fahrradwerkstatt gefahren, worüber wir sehr, sehr erfreut waren. Heute hatte sie ihre Schwester nach Hildesheim geschickt, um bei Jana nachzufragen, ob das Fahrrad denn nun wieder fahre und es Jana gut gehe. Uns fehlten die Worte für diese Art der Aufmerksamkeit und Fürsorge.
Im Augenblick fühlt sich das Reisen in etwa so an: Immer wenn wir mit den Kräften am Ende sind, kommt von irgendwo eine motivierende Begegnung her. Sei es ein klatschender LKW-Fahrer, Menschen, die Danke sagen, oder einfach nur dieser Blick mancher Hebammen, denen wir begegnen. Es tut gut, so viel positive Rückmeldung zu erhalten.
Morgen haben wir eine 55km lange Strecke vor uns. Heute waren wir 4 Stunden (inkl. Pausen) für 20 km unterwegs und wir wissen aktuell einfach überhaupt nicht, wie wir die Distanz morgen schaffen sollen. Wir wollen, wir müssen, aber hier brauchen wir ein optimales Zusammenspiel von Kindern, unseren Rädern, unseren Muskeln und am besten Rückenwind. Ach Quatsch…den haben wir ja längst erhalten! Und dafür sagen wir DANKE !!!!!!!!!!!!! Wenn wir um 6 Uhr beim Frühstück sitzen, werden wir voller Zuversicht auf die lange Fahrt blicken, denn wir wissen doch: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Nicht wahr, Herr Gröhe?

Kein Weg zu weit: Etappe Zwei

 

Morgen geht es dann nach Wolfenbüttel. Ich drück euch alle Daumen, dass Kinder, Räder und Muskeln optimal mitspielen!


04.04. – 19.00 Uhr – Etappenziel 3 wurde (mit Hindernissen) erreicht: Wolfenbüttel

Die Impressionen des Tages zeigen die Panne und das Glück danach. Erstaunlich, wie die Damen dabei in die Kamera lächeln! Weitere Fotos folgen, sobald sie verfügbar sind…

 

 

 

 

Und hier der Bericht von Bianca und den Mädels:

Heute habe ich mit Bianca schon auf der Strecke telefoniert, denn kurzfristig stand wieder einmal alles auf der Kippe:

Die Mädels mussten sich heute richtig abstrampeln, denn es waren 55 Kilometer zu bewältigen! Scheitern war keine Option, da die nächste Übernachtungsmöglichkeit tatsächlich auch erst in Wolfenbüttel existierte.

Es kam, wie es kommen musste: Wenn man die Panne am wenigsten gebrauchen kann, genau dann passiert sie. Mitten in der deutschen Pampa…
Bei einem der Fahrräder war das Schutzblech so eingestellt, dass sich darunter der ganze Matsch sammelte. Mit der Folge, dass sich das Rad selbst durch Schieben nicht mehr bewegen lies. Bianca musste zwei quengelnde Kinder hüten, während Jana das Fahrrad – nach einer Stunde (!) schrauben – wieder fahrtüchtig bekam. Und das Ganze nach einer für alle Beteiligten extrem unruhigen Nacht. Murphy’s Law lässt also grüßen, aber „Hey!“ FRAUENPOWER!

Und weil eine Panne ja nicht reicht, fing auch noch der Begleit-Bulli damit an, seltsame, schleifende Geräusche zu machen. Zu schwer beladen oder ein echtes Problem? Er war grad erst beim TÜV. Also musste dringend eine Autowerkstatt her, die das mal (eben) checkt. Super! 🙁
Bianca setzte noch einen verzweifelten Hilferuf ins Netz ab und schon sprang die großartige Unterstützerinnen-Maschinerie aus dem Hintergrund an: Nach kurzem, aber intensiven googeln und herumtelefonieren wurden eine Werkstatt für’s Fahrrad und eine für’s Auto gefunden. Gleich im nächsten Ort. Bis dahin musste es irgendwie gehen. FRAUENPOWER!

Endlich konnten alle weiter fahren und mit dem neuen Fahrtwind nahm auch die Motivation wieder zu. Als dann noch vorbeifahrende Autos hupend und mit „Daumen hoch“ Anerkennung schenkten, war die Laune wieder gut.

Der Ausgang dieser „Tour-de-Force“ scheint derzeit so ungewiss, wie die Ergebnis-Orientiertheit der politischen Prozesse in Berlin. Zumindest haben aber die vier Mädels ihr Ziel fest im Visier: Berlin, das ist klar! Aber vor allem: Erhalt der umfassenden und flächendeckenden Hebammenbetreuung!

Welche Ziele aber die Politik und die Versicherungswirtschaft verfolgen, das wissen wir inzwischen leider gar nicht mehr. Typisch Politik eben… (u.a.w.g.)

Um Punkt 16.00 Uhr erreichten die vier Frauen Wolfenbüttel. Der Marktplatz war zwar dezentral gelegen, aber nichts desto trotz war dort ordentlich was los. Beim Einfahren der Mädels wurde geklatscht, die Resonanz war super-positiv.

Auch die Presse war wieder am Start:
So gab es für die sichtbar abgekämpften Frauen gleich mal ein Video-Interview von WolfenbüttelHeute.de.

Nach diesem anstrengenden Tag wollten sich die Frauen endlich erholen und den Abend noch ein wenig den Kindern widmen, die großartig durchgehalten haben. Doch zum krönenden Abschluß des Tages stellte sich das Gästehaus Linden als das (O-Ton:) “Kinderunfreundlichste Hotel Deutschlands” herraus. In jedem zweiten Satz wurde auf den Störfaktor Kind hingewiesen und als eine der Frauen eine zusätzliche Decke erbat, lautete die Antwort: Dann müssen sie aber für ein Doppelzimmer bezahlen”.
Aber es sind auch tolle Sachen passiert. Der Fahrradladen, der jetzt über Nacht das kaputte Fahrrad wieder fit macht, hatte von der Tour schon gehört und war super zuvorkommend.
Und der Bully wurde von “Tommy’s Autowerkstatt” großartigerweise umsonst(!) repariert. 1000 Dank Tommy!

Ich hoffe, dass ab jetzt alles wieder rund läuft und dass die Mädels sich heute Abend noch etwas erholen können.
Vielleicht haben sie ja, wenn die Kinder im Bett sind, Zeit sich diesen Bericht über sie auf  RTL anzusehen.

Und hier noch ein Gute-Nacht-Gruß von Bianca:

Heute hatten wir einen sehr beeindruckenden Empfang in Wolfenbüttel, der uns alle sehr berührt und bewegt hat. Unter Beifall und Jubel fuhren wir just in time und mit letzter Kraft auf den Platz vor dem Lessingtheater, wo uns wieder einmal warme und unterstützende Worte von den Gastgebern empfingen. Eltern, Hebammen, Kinder…
Doch erst einmal musste ich meine Mädels umarmen, die heute so Gas gegeben haben und ihre Talente zeigten. Jana reparierte mal eben so in einer Stunde das Rad von Laura! Sie hat ein technisches Verständnis und ein Verständnis fürs Navigieren, dass Laura und ich immer nur staunen können. Dass wir trotz Panne, trotz ein paar kleiner Umwege und der Kinder pünktlich ankamen, ist nur dem Teamgeist zu verdanken. Bei jedem Berg rufen wir: “Kein Weg zu weit!” und denken an die wahnsinnig schönen Lobhudeleien der Unterstützerinnen und Unterstützer. Ein junger Mann erzählte mir, er sei nur über unsere Fahrradtour auf das Thema aufmerksam geworden bzw. weil wir nach Wolfenbüttel kamen. Damit hat sich die Etappe heute schon gelohnt. Ein Mensch mehr, der für das Thema Geburt gewonnen wurde und sich einmischen möchte. Heute hat mich auch noch beeindruckt, wie stark der Zusammenhalt unter den Eltern und Hebammen in Wolfenbüttel ist. Es lag unheimlich viel Miteinander in der Luft
Eine Hebamme sagte, die Radtour sei so beeindruckend, weil hier endlich mal nicht nur gemeckert, sondern gehandelt werde. Schön, wenn das rüber kommt!
Gute Nacht, Bianca

 

News von den Partnerstadt-Aktionen

Während die Mädels an allen Fronten kämpfen, sind auch anderswo im Land Eltern aktiv: In Schwäbisch Hall gab es per Youtube einen Video-Aufruf zum Flaschmop für morgen, Samstag, den 5. April 10 Uhr. Treffpunkt ist der Marktplatz.

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Aus den beiden Partnerstädten, Frankfurt und Fulda habe ich bisher noch nichts gehört. Soweit ich weiß, war aber in Frankfurt geplant die Nabelschnuraktion fortzusetzen. Ich bin gespannt, ob die Schnur so lang wird, dass wir in Berlin damit das Bundesgesundheitsministerium “einwickeln” können…

Kein Weg zu weit: Etappe Drei

Morgen geht es weiter nach Schöningen. Wir hoffen der Name ist Programm und wünschen eine pannenfreie Fahrt!


05.04. – 21.30 Uhr – Etappenziel 4 wurde erreicht – Schöningen

Impressionen des Tages:

 

 

 

 

Und hier kommt der Tagesbericht von Bianca und den Mädels:

Heute habe ich wieder mit Bianca telefoniert und ich muss sagen, sie hörte sich sehr erschöpft an. Sie erzählte mir auch als erstes, dass sie beim Lotta ins Bett bringen im Hotel auf dem Fußboden eingeschlafen ist. Ich bin froh, dass sie heute Abend noch mal wach geworden ist, sonst könnte ich jetzt gar nichts berichten. Aber so:

Heute morgen ging es um 11.30 Uhr los, nachdem das Fahrrad aus der Werkstatt abgeholt worden war. Es waren 44 km zu bewältigen, etwas weniger als gestern, aber heute war es extrem hügelig. Gefühlt ging es den ganzen Tag nur bergauf. Besonders Bianca, die kein Tourenfahrrad mit 21 Gängen, sondern nur ein einfaches Rad mit 7-Gangschaltung besitzt, hatte extrem zu kämpfen. Sie fuhr quasi die Hälfte der Zeit im Stehen. Natürlich mit Lotta im Hänger hinten dran.
O-Ton:

Mit nur 7 Gängen fährt Bianca auch dann rückwärts, wenn sie auf den Pedalen steht. Für einen Berg übernimmt die immer hilfsbereite Jana Biancas Rad und Bianca „entspannt“ auf Janas tollem Vehikel. Alle stellen insgeheim fest, dass man mehr Gänge für so eine Tour benötigt. Aber es wird tapfer geschwiegen bzw. wir verdrängen Gedanken dieser Art. Und EINEN Berg kann man schließlich auch schieben.Die anschließenden Stunden wird kaum noch gesprochen. Denn plötzlich jage ein Hügel den nächsten. Die gestrige Tour in den Knochen, der wenige bzw. unruhige Schlaf im Hotel … wären wir zu Fuß unterwegs gewesen, wären wir gekrochen!

Nach 5 1/2 Stunden reiner Fahrtzeit und einer Stunde Rast, erreichten die Frauen um 18 Uhr Schöningen. Dort war heute keine Aktion geplant, so dass sie gleich Quartier beziehen konnten.

O-Ton:

44 Kilometer später…
… parken wir unsere Räder an unserem Hotel. Starren nur noch vor uns hin. Es wird wenig gesprochen. Nur das Nötigste. Zimmerverteilung, Gepäckgeschleppe, Kinder versorgen, duschen! Bianca schläft beim erfolgreichen Versuch, ihre Tochter in den Schlaf zu kuscheln, gleich mit ein. Auf dem Boden.

Im Hotel befindet sich ein Theatersaal, in dem heute eine Veranstaltung stattfinden sollte. Daher war das Restaurant sehr voll. Lotta, die wohl noch etwas Bewegungsdrang hatte, flitzte die Treppen des Hotels hoch und runter, Bianca hinterher. Irgendwann kam ihnen ein Mann mit einem Notenständer entgegen. Bianca fragte ihn, ob er bei der heutigen Vorstellung mitwirken würde. Er bejahte und ging weiter Richtung Festsaal. Später entdeckte Bianca auf einem Plakat, das die Veranstaltung ankündigte den Man wieder: Horst Evers – Biancas Zimmernachbar! Vielleicht macht er ja demnächst in seinem Programm mal was zum Thema Elternprotest? 😉

Ich wollte von Bianca wissen, wie das mit den Kindern so läuft, wenn sie unterwegs sind. Sie sagte, erstaunlicherweise machten alle Kinder super mit. Da alle Nachts nicht so gut schlafen, ruhen die Kinder im Hänger immer noch mal nach. Wenn doch mal eines der Kids weint, ist die Reaktionszeit bisher immer extrem kurz. Entweder bleiben alle sofort stehen, oder, wenn eines der Kinder gerade so schön beim schuckeligen Fahren schläft, fährt diejenige einfach weiter und die Anderen schließen später wieder auf, sobald das weinende Kind getröstet, gestillt oder beruhigt wurde und wieder zufrieden ist. Es gibt immer eine sehr ausführliche Rast an einem schönen Ort in der Natur: Irgendwo auf der Strecke, wo sich die Kinder austoben, alle etwas essen und die Frauen sich ein wenig ausruhen können.

Und zum Wochenende noch ein paar Filmchen:

– Pack-Chaos –

 

– Lotta im Hotel: Wach –

Partnerstadtaktionen:
Aus der Partnerstadt Leipzig habe ich noch nichts gehört, aber in Erfurt waren heute über 1000 Menschen auf der Demo.
Auch in Berlin waren wir fleissig: Sandra vom Hebammenunterstützungsteam und Yvette, die auch die Berliner Demo organisiert, waren heute in der Ufa-Fabrik auf dem “Zukunft Erde Festival” am Start, um Unterschriften zu sammeln und weitere Menschen für den Elternprotest zu gewinnen. Viele hatten schon Vorwissen und gaben gerne ihre Unterschrift. Einige haben sich sogar nach der Fahrradtour erkundigt. So wurden weitere Unterschriftenlisten gefüllt und Kontakte mit potentiellen Demotrommlern geknüpft. Und zu guter Letzt wurde unsere Aktion noch von einer indischen Dame gesegnet! Kann ja nur gut sein! 😉

Die Presse war (gestern) auch wieder am Start:
Heute hab ich zwar noch keine aktuelle Berichterstattung entdeckt, aber hier ist ein schöner Bericht aus Hildesheim von RTL-NORD.

Kein Weg zu weit: Etappe 4

 

Morgen früh geht es weiter nach Wanzleben. Hoffentlich maximal entspannt!


06.04. – Etappenziel 5 wurde gut bewältigt – Wanzleben

Die Impressionen des Tages:

 

 

 

Und hier der Bericht von Bianca und den Mädels:

Am Abend haben Bianca und ich uns wieder verpasst, so dass sie ihren Tagesbericht kurzerhand selber schrieb:

Die gestrige Etappe saß uns heute noch ziemlich in den Knochen.
Damit es nicht langweilig und zu einfach wird, haben Jana und Laura die Strecke um 5 km verlängert – sie haben sich verfahren!
Bianca irrte währenddessen durch Seehausen. Auf der Suche nach etwas Essbarem wurde sie dort von Familie Jederth aufgegriffen, die ihre Hilfe anboten.
In deren Garten trafen wir uns bei einem schönen Mittagessen (Rotkohl, Kartoffeln und Rouladen) zu einer ausgedehnten Pause wieder. Viele Dank an dieser Stelle, für das liebevolle Umsorgen und die Verpflegung.
Zeitgleich saß unsere Bullifahrerin Christiane mit ihrem Sohn Michel, ohne es zu wissen, im selben Ort und picknickte am See.
Nach der Pause war es nicht mehr weit und so erreichten wir Wanzleben bereits um 15:30.
Dort begrüßten uns viele, viele Kinder, Eltern, Großeltern, Hebammen und Co.
Ein Infostand war aufgebaut, der Platz mit Luftballons geschmückt, Kinder wurden geschminkt und es entstanden schöne Gespräche. Der MDR und die örtliche Zeitung waren auch vor Ort.
Zu guter letzt fuhren wir von Applaus begleitet hoch zur Burg Wanzleben. Hier dürfen wir nun in liebevoll eingerichteten Zimmern schlafen!
Also wir finden: “Wanzleben hat gerockt!” Fotos gibt es morgen, wir sind einfach zu ko. Bis morgen in Magdeburg.

Partnerstadtaktion:

In der Partnerstadt München war ein Fahrrad-Demozug mit ungefähr 70 Menschen unterwegs. Sie machten eine kleine Kundgebung und sammelten Unterschriften für die Bundestagspetition. Am Ende der Veranstaltung wurden symbolisch Blütenblätter in die Isar geworfen. Nach dem Motto: „Werdende Mütter sind verletzlich wie ein Blütenblatt“ – wunderbar!
Hier sind der wunderschöne Text und tolle Fotos, von der Münchner Aktion auf der Seite des Fidibus-Verlages zu sehen.

Die Presse war auch wieder am Start:
Diesmal gibt es von der Presse was auf die Ohren: Freie-Radios.net berichtete über die Tour.

 

Kein Weg zu weit: Etappe5

Morgen früh geht es weiter: nach Magdeburg! Langsam hören wir hier in Berlin schon aus der Ferne die Räder surren.

Wir freuen uns auf euch!


07.04. – Etappenziel 6 geschafft – Magdeburg

Die Impressionen des Tages in Bild & Ton:

 

 Und noch 3 Fotos:

 

 

 


Und hier der Bericht von Bianca und den Mädels:

Bianca schreibt:

„Morgen fahren wir aber wirklich zeitig los, damit die Kinder mal im Hotel einen Mittagsschlaf halten können und nicht im Anhänger.“ Wir waren uns einig. Um 8 Uhr sollte Abfahrt sein.
Um kurz vor 10 Uhr stiegen wir völlig abgehetzt auf die Drahtesel. Was passiert war? Wir hatten unterschätzt, was ein Fahrerwechsel mit sich bringt. Denn heute ist Christiane mit uns geradelt, weil Laura Zeit für ihren Sohn brauchte, der leicht angeschlagen ist.
17 km lagen vor uns, aus denen aufgrund eines Hotelwechsels 20 km wurden. Der Unterschied zu den anderen Etappen war jedoch nicht nur die Kürze der Strecke, sondern vor allem der Neigungsgrad. In Wanzleben hüpften wir auf die Räder und fuhren von da an nur geradeaus oder bergab nach Magdeburg. Etwas irritiert, weil unfassbar schnell,  kamen wir in der Landeshauptstadt an. Ohne Pause. Es war noch nicht mal Mittag. Aber wie das so ist, wenn man glaubt, alles sei zu schön, um wahr zu sein… Es stellte sich heraus, dass zwei der gebuchten Zimmer sehr deutlich nach Rauch stanken. Leider wurden uns keine Alternativen dazu angeboten, sodass wir kurzerhand kostenfrei stornierten und ein anderes Hotel ausfindig machten, das uns Obhut geben würde.

In Magdeburg angekommen gab es auch wieder eine schöne Aktion. Um 15 Uhr begann das Flyerverteilen.
Eine der Frauen berichtet:

In Magdeburg haben wir uns heute mit den Hebammenschülerinnen getroffen, Flyer verteilt und nette Gespräche geführt. Obwohl die Aktion erst spät auf die Beine gestellt werden konnte haben wir uns sehr über die netten Menschen gefreut, die es geschafft haben vorbei zu kommen und uns unterstützt haben.

Währenddessen Bianca:

Ich zog mich zunächst mit meinem Kind ins Hotelzimmer zurück, weil sie überanstrengt wirkte. Um zu wissen, was genau mit Lotta los war, musste ich Zeit und Ruhe mit ihr haben. Also stiefelten die anderen ohne uns los. Mein Versuch Lotta einen Mittagsschlaf zu gönnen, missglückte, sie spielte mit allem, was ihr in die Finger kam. Später wurde deutlich, dass Backenzähne Lotta quälten. Eine freundliche Unterstützerin hatte uns für solche Fälle eine homöopathische Reiseapotheke geschickt, die nun zum Einsatz kam. Ich resignierte und stieß mit ihr zu den anderen. Zum Teil ergaben sich nette Gespräche, zum Teil erfuhren wir aber auch Ablehnung der besonderen Art. Bei dem Versuch, einen Flyer an eine schwangere Frau abzugeben, erhielt Christiane auf die Aussage: „Sie werden ja auch noch entbinden…“ (Das sollte der Einstieg ins Gespräch sein), „Nein danke!“. Vermutlich bezog sich die Antwort auf den Flyer, aber es sorgte trotzdem für ein wenig Sprachlosigkeit. Vielleicht lernen wir auf dieser Reise auch, dass wir niemals alle erreichen werden. Selbst die nicht, die es am meisten betrifft.
Ich für meinen Teil kann sagen, dass diese Fahrt mehr abverlangt, als ich an Energie geben kann. Der Akku ist leer und ich hoffe sehr, dass Lehnin, wo die nächste Aktion stattfinden wird, diesen wieder auffüllen kann.  Morgen warten 55 km, aber dafür keine bestimmte Aktion vor Ort, sodass wir uns nicht abhetzen müssen. Das tut auch den Kindern gut.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, was für eine super Crew hier mitfährt. Die Mädels, die mich begleiten, sind so tapfer und jammern kaum über die Konsequenzen dieser verrückten Idee, mit dem Rad durch Deutschland zu fahren. Ich bin ziemlich dankbar, immer wieder lustige Momente mit Laura, Christiane und Jana erleben zu dürfen. Wir lachen viel, aber die Tour wird von Tag zu Tag anstrengender. Da wir morgen früh raus müssen, werden wir jetzt unsere Betten aufsuchen.

Herr Gröhe, wir geben mehr als alles. Was geben Sie uns Eltern?

Berichterstattung im Netz gab es auch wieder: 

Der Bikelovin-Blog hat einen schönen, anfeuernden Beitrag geschrieben.

Kein Weg zu weit: Etappe 6

 

Morgen früh geht es weiter nach Rottstock.
Gute Besserung an den kleinen Mio!


08.04. – Etappenziel 7 wurde bewältigt – Rottstock

Die (wenigen) Impressionen des Tages:

 

 

 

 


Und hier der Bericht von Bianca und den Mädels:

Heute haben wir es auch mal wieder geschafft zu telefonieren, da in Rottstock keine Aktion geplant war. Rottstock besteht übrigens fast nur aus drei Straßen ;-). Der Nachteil daran ist, dass dort auch kein wirklich zuverlässiges Netz existiert. Also gibt es auch nur drei einsame Fotos, die übers Handy gesendet werden konnten. Aber nun zum Tag:

Es sollte mal wieder ganz früh los gehen. Um halb neun waren dann endlich sämtliche Gepäckstücke, Kinder und Frauen klar zur Abreise.
Die drei mutmachenden Infos am Morgen waren noch:

  • es gibt Gegenwind
  • es wird regnen
  • und es wird hügelig

Heute ist Christiane, die Bullifahrerin wieder mitgefahren, da es Lauras Mio immer noch nicht so gut ging.
Hinter den Radlerinnen zog sich der Himmel zu, es war stürmisch und grau. Nach 30 km musste ein kurzer Stop gemacht werden, da Christianes Kind nicht mehr im Hänger durchgehalten hat. Dann zogen die anderen Frauen ohne Pause weiter durch, gejagt vom Regensturm, der sie verfolgte, aber nicht ganz erreichte. Auf dem Weg hatten sie noch die Chance Truppen der Bundeswehr mit der Mission vertraut zu machen. Jede Möglichkeit wird von den Frauen genutzt.
So erreichten sie Rottstock nach 55 km auf Asphalt – schon um 14:30 Uhr.

Bianca hatte dann noch ein Interview mit dem NDR-Nord. Während dessen gingen Jana und Laura einkaufen und Laura kochte für alle. Endlich hatten sie auch mal wieder Zeit sich um sich selbst, die Wäsche und ausgiebig um die Kinder zu kümmern, die den ganzen Nachmittag nach Herzenslust spielten und zufrieden ins Bett fielen. Auch mal sehr schön!

Die Presse war auch wieder am Start:

Die Volksstimme.de berichtete über die vier radelnden Mütter.
Nordbayern.de brachte einen Artikel über die Partnerstadtaktion in Nürnberg.

Kein Weg zu weit: Etappe 7

 

Morgen früh geht es weiter: nach Lehnin!
Juchhuh – sie kommen immer näher und die Demovorbeitungen in Berlin laufen auf Hochtouren!


09.04. – Etappenziel 8 wurde erreicht – Lehnin

Die Impressionen des Tages: