Pura Vida!

Pura Vida und ein in Hausbesuch in Costa Rica

„Pura Vida“ – so lautet das Lebensmotto in Costa Rica, was so viel heißt wie: „Volles Leben“, aber auch: „Schon gut“, „Macht nichts“, „Prost“, „Ganz entspannt“ …eigentlich alles.
Das war Grund genug für mich und meine Familie, dort die Sommerferien zu verbringen und entsprechend ruhig war es dann auch hier im Blog. „Einfach mal offline sein“ – das hat sehr gut geklappt und so habe ich mit meiner Familie den August sehr genossen. Und zwar ausschließlich! Das war toll und wichtig für mich.
Ich habe mir (und euch) auch etwas mitgebracht! Ein paar Anekdoten und entspannte Sichtweisen vielleicht. Und jetzt, wo hier in Berlin die Schule wieder begonnen hat, freue ich mich wieder richtig auf’s Arbeiten und Bloggen und den ganzen Onlineclan.

Pura Vida

Mit unseren Kindern zu reisen ist klasse. Dabei finde ich es schön zu sehen, wie sich die Beiden, die ja immerhin einen Altersabstand von sechs Jahren haben, im Urlaub wieder völlig neu zusammenfinden, gemeinsam Spaß haben und von einander lernen. GeschwisterliebeAuch ich bekomme dann immer Lust etwas Neues zu lernen. Am Liebsten würde ich öfter mal in anderen Ländern eine Weile arbeiten. Nur um zu sehen, was dort vielleicht ganz anders gemacht wird als bei uns. Aber das ist natürlich nicht so einfach. Was im Urlaub aber einfach ist, und mir unheimlich Spaß macht, ist die Beobachtung der Menschen vor Ort im Umgang mit ihren eigenen Kindern.

Was ich in Costa Rica ganz großartig fand war, wie unkompliziert und frei die Kinder ganz selbstverständlich und überall einfach dabei waren. Sie wurden fast nie in irgendeiner Weise gemaßregelt, sondern machten ihre eigenen Erfahrungen und waren, so weit ich das beurteilen konnte, überwiegend selbstbestimmt. Und dennoch waren sie gut betreut! Ich konnte beispielsweise einen kleinen, vielleicht anderthalb Jahre alten Jungen beobachten, der im dollsten Platzregen (den gab es jeden Tag, denn es war Regenzeit) unter einem Vordach hervorlugte und dabei einen enormen Wasserschwall auf den Kopf bekam. Die Mutter stand direkt daneben und beobachtete einfach sein Verhalten. Er blinzelte etwas und machte das Ganze gleich nochmal. Und wieder und wieder. Bis er schließlich plitschnass war. Ihn einfach so experimentieren zu lassen, das fand ich ganz toll von der Mutter. Na gut, das Wasser war sehr warm, alle hatten ohnehin wenig an und nach 20 Minuten war man wieder trocken… Und dennoch sah man ähnlich entspannte Situationen im ganzen Land recht häufig. Pura Vida eben.

Dschungel-Hebamme

In der zweiten Woche bekam ich dann doch noch die Chance in Costa Rica zu arbeiten. Naja, zumindest einen kleinen Wochenbettbesuch habe ich in einem costaricanischen Haushalt machen dürfen:

Wir wohnten in einem ganz kleinen Ort, mitten im Dschungel. DschungelwochenbettUm uns für einen anstehenden Ausflug zu versorgen, gingen wir zum „Bäcker“ – einem Mann, der ab und zu, und nur auf Bestellung, Brot und Kekse produzierte – Homemade! Seine Frau bekam vor wenigen Tagen ein Baby. Das wussten wir vom Hörensagen – Buschfunk eben, und natürlich gratulierten wir zum lokalen Großereignis. Er dankte freundlich, aber man sah gleich darauf, wie sich sein Gesicht verfinsterte, so als machte er sich Sorgen.
Ich gab mich sogleich als Hebamme zu erkennen und auf Nachfragen bestätigte er uns, dass die Geburt im 150 km entfernten Krankenhaus gar nicht gut gelaufen sei. Seine Frau habe, nach einem langwierigen Verlauf, eine Geburt mit Christellahilfe und einem Dammschnitt gehabt und in der Nachgeburtsperiode relativ viel Blut verloren. Sie und ihr kleiner Junge seien jetzt – nach zweitägiger Rückfahrt (!) – zwar wieder zu Hause und wohlauf, aber man müsse wohl am nächsten Tag für eine Nachkontrolle der Dammnaht zum Arzt, der 40 km weiter weg wohnt. Und auch das Stillen klappe noch nicht so gut. 40 km hört sich für uns nicht so viel an, aber die meisten Straßen in Costa Rica sind schlimme Holperpisten, auf denen man nur sehr langsam (30 km/h) unterwegs sein kann: Also mit Dammverletzung einfach ein furchtbarer Höllenritt! Ich bot ihm meine Hilfe an, die sofort dankbar angenommen wurde, und so kam ich ganz unverhofft zu einem Wochenbettbesuch in Costa Rica.

Selbstvertrauen

Es stellte sich heraus, dass eigentlich alles in Ordnung war und die junge Mutter nur ein bisschen Bestätigung darin brauchte, dass sie alles wirklich gut gemacht hatte und dass die Wunde bestens heilte. Ich gab noch ein paar Ernährungstipps für die Blutbildung plus minimale Stillhilfe und versprach ihr, vor unserer Weiterreise am nächsten Tag, nochmal vorbei zu schauen.

Tags darauf war alles super und die Stimmung hervorragend, da das Paar jetzt genug Selbstvertrauen hatte, um auf die beschwerliche Fahrt für die (wirklich unnötige) Kontrolluntersuchung der Dammnaht zu verzichten. Dadurch wurde das Wochenbett deutlich entspannter und verdiente sich seinen Namen auch wirklich.

Wochenbettlohn

Ich wurde mit einem leckeren, selbstgebackenem Brot, einer Tüte Cookies und einem Paar selbstgemachter Ohrringe „entlohnt“, worauf hin meine Familie witzelte: Wir könnten doch nach Costa Rica ziehen, wo ich dann als „Fliegende Hebamme“ mit dem Motorrad im ganzen (kleinen) Land arbeite und jeden Abend Naturalien mit nach Hause bringe… Warum nicht!?

Sabbatical

Er hat Spaß gemacht, der kleine Mini-Einsatz im Urlaub, denn ich habe mal wieder gespürt, wie gerne ich meinen Beruf eigentlich ausübe. Ich hatte im letzten Jahr mehrfach das Gefühl eines beginnenden Burn-Out’s: Klinikarbeit, Hausbesuche, Bloggen, sowie berufspolitisches Engagement haben, neben der normalen Familien- und Haushalts- „Arbeit“, ihren Tribut gefordert. Ich sah meine Freunde deutlich weniger, machte weniger Sport und war häufiger krank. Deshalb habe ich beschlossen, mich aus der Klinikarbeit zurückzuziehen und ein Sabbatjahr einzulegen. Es hat mit meinem Familienurlaub in Costa Rica begonnen, was mir bereits schon einige Akkus aufgeladen hat, und geht noch bis zum Sommer 2015. Yes!!!

Dem Bloggen werde ich natürlich treu bleiben. Das ist das, was mir auch in großen Erschöpfungsphasen immer viel Spaß gemacht hat. Auch den Infoabend in der Klinik werde ich ab und an leiten und natürlich mache ich weiter Hausbesuche. Aber es wird ein Jahr ohne Schichtdienste sein und ich kann tun und lassen was ich will! :-)

Aber faul werd ich nicht sein, denn in Kürze geht endlich (und ja, jetzt wirklich) mein kleiner Onlineshop live! Ich bin bereits in den letzten Entwicklungszügen und bin schon sehr gespannt, wie ihr ihn finden werdet.

Vamos!

Auf geht’s ins zweite Halbjahr 2014. Für uns Eltern von schulpflichtigen Kindern ist das ja immer der wahre Jahresanfang.

Ich wünsche euch allen ebenfalls einen guten Start ins neue Jahr und hoffe, dass es uns hier in Deutschland gelingt, unser gutes Betreuungssystem rund um das Kinderkriegen zu erhalten und dass wir in Zukunft nicht, wie in Costa Rica, darauf angewiesen sind, in schlecht zu erreichende, zentrale Kliniken zu fahren, wann immer es Probleme in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gibt.
Und all meinen Kolleginnen wünsche ich auch weiterhin gutes Durchhaltevermögen in allen Lagen und auf allen Ebenen!

Pura Vida!



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1 Antwort
  1. mamafraumensch
    mamafraumensch sagte:

    Hallo Jana, ich finde deine Idee (und den Zeitpunkt), ein Sabbatical einzulegen, super. Vor allem wird sich bis zum nächsten Sommer hoffentlich geklärt haben, wie es bei euch Hebammen (und uns zukünftigen Müttern) demnächst mit der Geburtshilfe weiter geht… Ich wünsche dir jedenfalls viel Erholung, Erfolg mit deinem Shop und mehr Zeit mit deiner Familie und deinen Freunden!

    LG, Anja

    Antworten

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