Wochenbettdepression

Wochenbettdepression – Ein Experteninterview

Ungefähr 80% der Wöchnerinnen leiden unter dem sogenannten Babyblues, der oft am dritten Wochenbetttag beginnt. Dieser Zustand, der von einem Tag bis hin zu einer ganzen Woche dauern kann, ist völlig normal und gehört zur Umstellung nach der Geburt dazu.
In einigen wenigen Fällen (2 von 1000) normalisiert sich der Zustand der Wöchnerin aber nicht und die Situation entgleist. Dann spricht man von einer postpartalen Stimmungskrise oder der Wochenbettdepression.

Bei Wikipedia heißt es dazu:

„Postpartale Stimmungskrisen beschreiben psychische Zustände oder Störungen, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Wochenbett auftreten. Die Bandbreite reicht von einer leichten Traurigkeit über Depressionen bis hin zu schweren psychotischen Erkrankungen.“

Wochenbettdepression – Alles ist schwarz

Eine Frau, die ich in der Schwangerschaftsberatung kennenlernte, berichtete mir von ihrer vorausgegangenen Wochenbettdepression, die sie nach dem ersten Kind bekam. Sie sei damals unfähig gewesen, schöne Dinge wahrzunehmen. Sie habe „funktioniert wie ein Roboter“, ohne Emotionen, ohne Freude und stets nur unter gewaltiger Anstrengung. Das Kind habe sie zwar ordentlich versorgt, es haben sie dabei aber immer wieder überwältigende Ängste und Fragen gequält: „Mache ich das gut? Ist das richtig so? Was ist, wenn dem Kind etwas passiert?“ Schlafstörungen, trotz quälender Müdigkeit, wurden Nacht für Nacht zum Dauerproblem. Das Schlimmste aber sei gewesen, dass niemand diesen Zustand bemerkte. Alle hätten immer nur gesagt: „Was hast du denn? Die Geburt war gut. Du hast ein gesundes Kind. Stell dich doch nicht so an! Alle Mütter sind mal müde. Da wächst du schon noch rein.“
Niemand habe sie verstanden. Niemand habe ihr geholfen.

Nach dem ich diese Geschichte hörte, habe ich mich natürlich gefragt: „Ist mir das, als Hebamme, auch schon Mal passiert, dass ich bei meinen Hausbesuchen eine Wochenbettdepression einfach nicht erkannt habe?“

Um noch mehr darüber zu erfahren, habe ich dazu die Berliner Psychotherapeutin und Psychiaterin Beate Sawitzki interviewt. Sie hat sich auf diesen Bereich spezialisiert, viele Patientenerfahrungen gesammelt und ist, das will ich nicht unerwähnt lassen, meine Mutter.

Interview mit der Psychiaterin und Psychotherapeutin Beate Sawitzki

Jana: Liebe Beate, vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, mir einige Fragen zum Thema Wochenbettdepression zu beantworten! Wie erkenne ich als Hebamme oder als Partner, dass die Wöchnerin nicht „nur“ den normalen Babyblues hat, sondern eine echte Depression?
B. Sawitzki: Ich weiß ja nicht, wie man das als Partner erlebt, aber ich als Psychiaterin und Psychotherapeutin erlebe oft eine Frau vor mir, von der ich denke, „so kann sie doch nicht immer gewesen sein“, diese Frau, die hilflos ihren Mann anblickt, wenn ich ihr eine Frage stelle und sagt: „Sag‘ du doch mal…!“, die sorgenvoll schaut, aufgeregt und schreckhaft und voller Schuldgefühle ihrem Kind gegenüber ist, das sie nicht richtig zu versorgen glaubt. Das kann doch nicht die Frau sein, die im Berufsleben eine kleine Abteilung leitet oder ihren Haushalt schmeißt und die Dinge für die alten Großeltern organisiert. Also denke ich, der Partner erlebt Ähnliches: Ich kenne sie nicht wieder. Sie ist doch eigentlich selbständig, selbstsicher, tatkräftig – und nun so extrem hilflos, unsicher, nervös, stellt alles in Frage, fragt sich, ob es richtig war, ein Kind zu bekommen, hat das Gefühl, die alltäglichen Dinge nicht zu schaffen, ihre Mutterrolle nicht übernehmen zu können und sieht sich als schlechte Mutter für ihr Kind. Oft spricht aber die Frau gar nicht über ihr inneres Erleben, weil sie sich schämt, da es so gar nicht der nach außen so glücklichen Situation entspricht. Dann ist die Depression schwer zu erkennen. Es gibt da aber einen ganz kurzen kleinen Fragebogen zur Selbsteinschätzung namens Edinburgh Postnatal Depression Scale, der aus 10 Fragen besteht und einen Hinweis geben kann, ob man sich Hilfe holen sollte.

Jana: Was sind die typischen Symptome?
B. Sawitzki: Die Frauen können sich nicht von Herzen freuen über das Kind, das sie sich ja so gewünscht haben. Äußerlich ist alles gut, aber die Gefühle stimmen nicht. Sie haben Ängste, sind über vieles besorgt, erschrecken, reagieren panisch bei Kleinigkeiten, fühlen sich überfordert von allem. Sie machen sich über alles sehr viele Gedanken und können oft darüber nicht schlafen, weil sie sich so unglücklich fühlen, sie fühlen sich schlecht, traurig, weinen auch. Und gar nicht selten gibt es Zwangsgedanken, über die die Mutter aber kaum von sich aus spricht, weil sie sich schämt über Gedanken, die sich gegen ihr Kind richten. Oft hat sie auch Angst, diese Gedanken könnte sie realisieren und gerät darüber in große innere Panik. Sie hat Angst, sie könne dem Kind etwas antun und Angst, diese Gedanken seien ein Zeichen dafür, dass sie jetzt „verrückt“ wird.

Jana: Merkt die betroffene Frau selbst, dass sie krank ist?
B. Sawitzki: Sie bemerkt ja auch die Symptome, die ich genannt habe, aber sie ordnet sie oft nicht als Krankheitssymptome ein, sondern denkt, sie selbst sei schuld, sie sei als Mensch nicht in Ordnung, denn eigentlich ist ja alles gut und sie sollte sich freuen und sie habe ja gar keinen Grund, das nicht zu tun. Und wegen der Schuldgefühle fällt es ihr schwer, sich zu öffnen und sie versucht erst einmal, die Rolle der glücklichen Mutter zu spielen – was unter den Umständen einen zusätzlichen enormen Kraftaufwand bedeutet.

Jana: Gibt es Maßnahmen die man selbst ergreifen kann, oder sollte man sich so schnell wie möglich professionelle Hilfe holen?
B. Sawitzki: Nachtschlaf ermöglichen! Das ist immer wichtig, auch ohne postpartale Depression. Aber gerade wegen der Gefühle, sowieso eine schlechte Mutter zu sein, fällt es den Frauen oft schwer, das anzunehmen und das Kind für die Nacht bei jemand anderem zu lassen. Oder sie wollen den Partner, der ja oft arbeiten geht, schonen. – Ja, außer dem Nachtschlaf: den Partner, Familienmitglieder oder Freunde zur Hilfe und Unterstützung heranziehen. Nicht zu viele Besucher nach der Geburt empfangen, Verlängerung der Hebammenbetreuung einleiten lassen, besonders bei schon früher einmal aufgetretener postpartaler Depression. Haushaltshilfe, besonders wenn weitere Kinder zu betreuen sind, frühzeitig organisieren, wenn sich etwas anbahnt – das ist im Vorfeld einer Depression oft nicht ganz einfach, das gegenüber der Krankenkasse zu vertreten – aber es geht in bestimmten Fällen.

Jana: Wie würde die Behandlung aussehen?
B. Sawitzki: Ermutigen, darüber zu sprechen, die Ängste und Befürchtungen und die Selbstbeschuldigungen und die Zwangsgedanken zu äußern! Nur dann, kann man überlegen, was helfen könnte. Man muss Information darüber geben, dass das Krankheitssymptome sind und nicht etwas Selbstverschuldetes. Dann gilt es, gemeinsam festzustellen, ob tatsächlich, wie so oft befürchtet, eine Gefahr für das Kind oder sich selber besteht. Und man wird darüber informieren, dass das behandelbar ist und über die Möglichkeiten der Behandlung. Oft muss man auch entängstigen, was eine medikamentöse Behandlung betrifft und darüber informieren, dass es Medikamente gibt, mit denen man stillen kann. Manchmal ist es sinnvoll, kurzfristig eine medikamentöse Schlafhilfe zu geben, manchmal ist es notwendig, eine antidepressive Medikation einzuleiten. Und nichts soll abhängig machen und nichts soll schaden. Ja, und dann muss man gemeinsam entscheiden, welche Hilfen sinnvoll sind und eingeleitet werden sollen.

Jana: Sind die Medikamente, die gegebenenfalls genommen werden müssen, wirklich stillverträglich?
B. Sawitzki: Ja, es gibt gut stillverträgliche Medikamente, die man beim gesunden Neugeborenen der Mutter verabreichen kann. Es gibt bestimmte Regeln für den besten Einnahmezeitpunkt in Bezug auf die Stillzeiten, die man besprechen sollte. Was die Medikation in schwierigeren Fällen betrifft, wenn das Kind krank ist oder wenn es ein Frühchen ist, ist eine Absprache mit dem Kinderarzt nötig. Der sollte aber immer informiert werden. Und man muss immer schauen, ob das Verhalten des Kindes sich irgendwie verändert, denn es gibt – wie bei Allem – seltene Ausnahmen. Aber meist sind die Veränderungen beim Kind positiv; es profitiert vom besseren Zustand der Mutter, wenn diese wieder gelassener wird. In Berlin gibt es ein Institut für Embryonaltoxikologie, das eine Webseite hat, auf der Frauen sich selbst informieren können: Embryotox.de (ehemals: frauen-und-psychiatrie.de) Diese Institution bietet auch Ärzten, die Fragen im Hinblick auf die Behandlung ihrer Patientinnen während Schwangerschaft und Stillzeit haben, telefonische Beratung an. Das ist deshalb sehr hilfreich, weil auf den Produktinformationen oft pauschal steht, dass dieses Medikament nicht in der Schwangerschaft und der Stillzeit gegeben werden darf. Das genannte Institut verfügt aber über Informationen, die genauer sind und sich auf neueste Untersuchungen beziehen.

Jana: Wenn bei einem schwerwiegenden Verlauf ein Klinikaufenthalt unausweichlich ist, kann dann das Baby mit aufgenommen werden, oder ist das kontraproduktiv?
B. Sawitzki: Ja, das Baby sollte mitgenommen werden, wenn eine Einrichtung zur Verfügung steht, bei der das möglich ist. Es geht ja auch darum, dass eine gute Bindung zwischen Mutter und Kind bestehen bleibt oder hergestellt wird – unter Umständen mit therapeutischer Hilfe. Aber es geht auch um eine Entlastung und Behandlung der Mutter, die ja wieder gesund werden soll. Und manchmal ist eine Krankheit so schwer, dass vorübergehend kaum Kontakt möglich ist und dann muss der Vater oder die Oma oder jemand anderes das Kind übernehmen und den engen „Mutter-Kind“-Kontakt mit ihm pflegen und mit ihm die Besuche bei der Mutter in der Klinik machen.

Jana: Gibt es Risikofaktoren?
B. Sawitzki: Ja, die gibt es. Frauen, die schon einmal eine postpartale Depression hatten, sind stärker gefährdet – aber in diesen Fällen kann man ja von vornherein besonders gut beobachten und Maßnahmen einleiten. Frauen mit anderen psychischen Vorerkrankungen haben, allerdings oft schon während der Schwangerschaft, ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Wiedererkrankung. Dann spielt die Partnersituation eine Rolle und die gesamte sozioökonomische Situation und der Verlauf der Geburt: heftige und unerwartete Komplikationen und deren Erleben – das kann ja sehr unterschiedlich verarbeitet werden: Ich kann froh sein, dass das Kind und/oder ich durch einen Kaiserschnitt gerettet wurden oder ich kann das als ein vollkommen unerwartetes, schlimmes Ereignis für mich und mein Kind sehen.

Jana: Wenn Risikofaktoren bekannt sind, gibt es etwas, was man vorsorglich tun kann? Z.B. eine Familienhelferin anfordern?
B. Sawitzki: Erstmal: Die ganz normale Unterstützung, die jede Frau nach einer Geburt braucht, bieten und organisieren. Besonders sollte Schlaf ermöglicht werden. Und dann: Gut beobachten und sofort etwas tun, wenn Anzeichen bestehen, die auf eine Erkrankung hindeuten. Ein Risikofaktor ist ja noch keine Krankheit.

Jana: Du hast ja gesagt, dass guter Schlaf ein Faktor ist, der gegen eine Wochenbettdepression helfen kann. In den meisten Kliniken hat sich ja das „Rooming in“ durchgesetzt. Das bedeutet, dass das Baby ständig bei der Mutter im Zimmer bleibt. Natürlich befürworte ich als Hebamme immer dieses gute Bonding zwischen Mutter und Kind. Wäre, bei Depressionsgefahr, davon abzuraten, um die Mutter zu entlasten?
B. Sawitzki: Wenn eine Frau nicht schlafen kann, sollte man ihr das für die nächste Nacht ermöglichen. Schlafmangel schwächt und macht mürbe und nach einer Geburt braucht man seine Kraft für die neue Situation. Dann kann man ja mit dem „Rooming in“ weitermachen. Es geht bei der Mutter-Kind-Beziehung ja nicht um die Quantität sondern um die Qualität der Zuwendung zum Kind, darum, dass ich mich gern zuwende und nicht vollkommen erschöpft, müde und gequält. Sonst würde man dem Baby ja auf Dauer vermitteln, ich bin meiner Mutter lästig. An dieser Stelle möchte ich gern mein Beispiel aus der Flugsicherheitsanweisung zitieren. Dort heißt es doch immer: „Sollte es zu einem Druckabfall in der Kabine kommen, so fallen aus den Fächern über Ihnen Sauerstoffmasken. Ziehen Sie diese über Mund und Nase und atmen Sie ruhig weiter. Sollten sich neben Ihnen Kinder oder hilflose Personen befinden, so legen Sie zuerst selbst Ihre Sauerstoffmaske an und helfen Sie dann den Anderen!

Das scheint mir ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass man das eigene Wohlergehen nicht – auch nicht aus guter Absicht – vernachlässigen sollte. Sonst kann es schlimm kommen: Wenn die Kinder beim Flugzeugbeispiel rumalbern und die Maske wieder abnehmen und ich selbst noch keine angelegt habe, dann geraten wir unter Umständen alle in einen äußerst schlechten Zustand! Also: Man kann Andere nur gut versorgen, wenn man selbst in einem guten Zustand ist!

Jana: Kann es sein, dass tatsächlich eine akute Gefahr für das Leben von Mutter oder Kind besteht?
B. Sawitzki: Ja, das ist sehr selten der Fall, muss aber in jedem Fall abgeklärt werden. Das gibt es bei schwersten Depressionen und bei Psychosen.

Jana: Was ist der Unterschied zu einer Wochenbettpsychose?
B. Sawitzki: In diesen Krankheitszuständen ist die Mutter von der Realität entfernt, verkennt Situationen. Sie ist vielleicht der Meinung, das sei gar nicht ihr Kind, vielleicht sei es sogar ein ganz fremdes Wesen, vielleicht denkt sie auch, es sei ein für die Welt bösartiges Wesen. Das wäre eine sehr gefährliche Situation. Vielleicht hat sie das Erleben, Ehemann oder Freunde stünden ihr feindlich gegenüber. Vielleicht hört sie Stimmen, die ihr (vielleicht gefährliche?) Anweisungen geben. Bei schwersten Depressionen kommt es auch vor, dass Frauen glauben, ihre Anwesenheit sei für das Glück des Ehemannes und/oder des Kindes schlecht und es sei besser für alle, wenn sie nicht mehr auf der Welt sei und störe. Das sind dann gefährliche Situationen. In solchen Situationen muss auf die Gefahr reagiert werden und umfassende Hilfe muss eingeleitet werden.

Jana: An wen oder welche Institution wendet man sich bei dem Verdacht, dass eine Wochenbettdepression besteht.
B. Sawitzki: Je nach Schwere oder Bestätigung des Verdachtes: An die Hebamme, die Psychiaterin, die dann weitere Hilfen einleiten kann, wie Information, Familienhilfe, Krisenintervention, längere Psychotherapie, Medikation oder manchmal auch Krankenhauseinweisung und für die Zukunft: Beratung bezüglich weiterer Schwangerschaften.
Hier in Berlin haben wir ja eine Beratungsstelle: Schatten und Licht, die sehr hilfreich ist und berät. Auf jeden Fall sollte man Hilfe suchen, wenn solche Symptome länger als 2-3 Wochen anhalten – wenn es einem sehr schlecht geht, aber schon früher. Oft kann ja eine Besserung sehr schnell herbeigeführt werden und das ist dann doch schön für Mutter und Kind – und alle anderen Beteiligten, wenn sich beide wieder über den Kontakt miteinander richtig freuen können.

Liebe Beate, vielen Dank!

Weiterführende Infos:

DVD-TIP: Vom Medienprojekt Wuppertal gibt es die DVD: Trotz Baby depressiv, in dem drei Frauen portraitiert werden, „die sich teilweise erst über Umwege überhaupt in psychiatrische Behandlung begeben haben, da sowohl in der Familie als auch im Krankenhaus die Problematik nicht erkannt wurde“. Eine DVD-Vorschau gibt es auf der Projektwebseite.



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6 Kommentare
  1. Maria
    Maria sagte:

    Ich habe mich noch nicht sehr lange mit dem Thema Wochenbettdepression beschäftigt. aber habe eine Theorie diesbezüglich:
    Es ist Fakt, dass Depressionen häufig aus den erschöpften oder in der Funktion gestörten Serotoninrezeptoren bzw. Speicher resultieren (können).
    Bei der Geburt werden viele Serotonine ausgeschüttet, das lese ich immer wieder. Sicherlich ist die Erkrankung komplexer, dennoch erscheint es mir sehr sinnig, von einem „Serotonin-Low“ zu sprechen. Es folgt also: Die Speicher sind leer und müssen erst wieder gefüllt werden, um die normale Funktion des Gehirns zu gewährleisten.
    (Ähnlich dem Tief nach entsprechend eingenommen chemischen Substanzen, die Serotonine ausschütten lässt und die unter Partywütigen verbreitet ist.)
    Eine Abhilfe könnten Tryptophane schaffen – die Vorstufen des Serotonins. Tryptophan oder ein schnellere Stufe davon, 5-HTP, werden erfolgreich bei depressiven Verstimmungen angewendet, besonders hilfreich ist es bei Schlafproblemen. Leider wird es nicht häufig genug eingesetzt – im Fokus stehen immer noch leider viel zu sehr Psychopharmaka bzw. SSRI und bei der Gabe von SSRI liegt das Augenmerk nur auf die Wiederaufnahme bzw. Hemmung des Serotonins. Aber wo keines ist, kann keines bei der Wiederaufnahme gehemmt werden, um länger wirken zu können. Klingt doch logisch, oder?
    Jedenfalls kommt Tryptophan in Lebensmitteln vor. Man könnte Vorbeugend und Unterstützend versuchen, sich Tryptophanreich zu ernähren. Sojabohnen und Cashews haben den höchsten Gehalt.

    Für mich käme eine Psychopharmakbehandlung nicht mehr in Frage, es behandelt nämlich einfach nur nach Symptomen und nicht nach Ursachen. Es ist keine ganzheitliche Behandlung!Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass mir Tryptophan bestens half und mich sicherlich nach der Entbindung begleiten wird, falls es „Probleme“ geben sollte. :-)

    Liebste Grüße
    Maria (24 SSW)

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Maria, danke für den Zusatztipp. Allerdings muss man immer im Einzelfall schauen, ob diese einfachen Lösungen funktionieren. Manchmal braucht eben kurzfristig ein Psychopharmaka, um jemanden aus einem tiefen, schwarzen Loch zu holen. Zusätzlich können auch die Ursachen mitbehandelt werden.
      Wie gesagt, es kommt immer auf die Situation an.
      LG
      Jana

      Antworten
      • Maria
        Maria sagte:

        Natürlich, das ist immer die Voraussetzung. Leider habe ich das Gefühl, dass Psychopharmaka immer noch für viele die einfachere Lösung sind, als auf seine Ernährung zu achten (oder der Sache anderweitig) wirklich auf den Grund zu gehen.
        Denn das ist tatsächlich dann doch nicht so einfach….

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  2. nicole 43
    nicole 43 sagte:

    Darüber zu reden ist das beste was man machen kann! Meinem Mann hab ich auch erst nichts erzählen wollen, aber er kennt mich dann doch zu gut! Und er ist sogar einen Schritt weiter gegangen und hat es meiner Hebamme erzählt, weil ich nicht drüber reden konnte ohne direkt zu schluchzen…
    Dich zu öffnen und es immer wieder zu erzählen hilft ungemein! Mit vielen Gesprächen und pflanzlichen Kapseln Joyful ging es mir nach ner weile besser. Viele Mütter sind davon betroffen und es sind nur ganz wenige die es sich wirklich eingestehen! Man möchte ja stark sein und es allen zeigen wie gut es doch klappt…aber man muss sich erstmal in seinem neuen leben zurechtfinden! Und das klappt auf Anhieb bei den aller wenigsten!

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