Selbstbestimmte Geburt - (wie) geht das

Selbstbestimmte Geburt – (wie) geht das?

Der Deutsche Hebammenverband schrieb 2002 im „Plädoyer für die normale Geburt“:

„Die überwiegende Zahl aller Geburten in Deutschland findet in Kliniken statt (98%). Bei ca. 90% aller Geburten werden routinemäßig Interventionen durchgeführt, wie z.B. venöser Zugang, Eröffnung der Fruchtblase, zu frühes Pressen statt aktives Mitschieben, Dammschnitt und Kristellerhilfe, {…} Außerdem werden ca. 25% aller Kinder durch Kaiserschnitt oder vaginale Operationen entbunden. Der Kaiserschnitt auf Wunsch wird zunehmend als Alternative zur spontanen Geburt diskutiert und angeboten.“*

Klingt das selbstbestimmt? Mal abgesehen vom Wunschkaiserschnitt ist natürlich keine dieser Interventionen gewollt. Die Frage ist also, ob und wie sich diese Maßnahmen verhindern lassen.

Geburtsverläufe sind nicht vorprogrammiert

Ich weiß nicht wie viele Geburtsverläufe ich in meinem Leben schon gehört und gesehen habe. Aber immer wenn Menschen von meinem Beruf erfahren, beginnen sie auch schon zu erzählen. Das können junge Frauen sein, die gerade erst geboren haben, oder auch ältere Damen, bei denen es schon lange her ist. Aber das Erlebnis der Geburt – sei es positiv oder negativ – brennt sich ins Gedächtnis ein.
Schöne Geburten werden mit strahlenden Augen erzählt. Die Frauen berichten dann von einem unglaublichen Glücksgefühl, der Stärke und dem Selbstbewusstsein, welches ihnen dieses Ereignis gegeben hat. Die Anderen, bei denen es nicht so gut gelaufen ist, sagen oft: „Wenn ich eine Hausgeburt gehabt hätte, wäre es böse geendet.“ Ob das wohl stimmt? Ich sage: „In den allermeisten Fällen ist das Quatsch!“ Ich gehe sogar noch weiter und behaupte: Einige dieser Geburten wären zu Hause viel besser gelaufen! Und Frauen, bei denen dann trotzdem Komplikationen aufgetaucht wären, hätte man dann eben in die Klinik verlegt. Zur Not mit Blaulicht.
Nein, dies wird kein Artikel pro Hausgeburt. Den schreibe ich ein andermal ;-) Aber der Vergleich von Klinik- und Hausgeburt macht einfach ein paar Dinge sehr deutlich.

Aktion – Reaktion

Es ist sehr selten, dass Komplikationen einfach aus dem Nichts auftauchen. In der Regel bahnt sich ein ungünstiger Verlauf an. Und zwar egal, ob zu Hause oder in der Klinik.
Wenn mir von Geburten berichtet wird, kommt irgendwann der Punkt „of no return“, an dem nämlich vom Klinikpersonal in das Geburtsgeschehen eingegriffen wird. Das passiert dann nicht etwa mit böser Absicht oder gar mangels Einfühlungsvermögen, sondern auf Grund von Leitlinien, die in Kliniken aus rechtlichen Gründen einfach eingehalten werden müssen.

Ein Beispiel:
Bei einer Frau hat sich unter der Geburt der Muttermund bereits einige Zentimeter geöffnet. Dann stagniert das Geschehen. In der Konsequenz folgt in der Klinik sicher der Wehentropf. Die Geburt ist ja im Gange und soll weiter gehen. Es wird also in den Geburtsverlauf eingegriffen.
Zu Hause gibt es natürlich keinen Wehentropf. Die Hebamme würde feststellen, dass der Körper wohl eine Pause braucht und die Frau entsprechend dazu anhalten sich einfach noch etwas auszuruhen.
Die Frau mit dem Wehentropf ist vielleicht auch erschöpft. Aber ihrem Körper wird diese Pause nicht eingeräumt. So muss sie weiter steigende Wehen ertragen, obwohl sie vor lauter Müdigkeit eigentlich gar nicht mehr die Kraft dazu hat: Sie braucht also ein Schmerzmittel! Und durch das Legen einer PDA erfolgt somit der nächste Eingriff….
Und so geht es weiter.

Auf Nummer sicher

Viele Geburtsverläufe nehmen also meist erst durch medizinische Eingriffe eine neue Wendung. Wir in der Klinik, sowohl Ärzte als auch Hebammen, wissen das natürlich auch. Aber wir sind, durch das Wissen um die rechtlichen Folgen, in unserem Handeln einfach entsprechend eingeschränkt. Denn die Logik ist leider simpel: So weit ich weiß, wurde noch nie ein Arzt verklagt, der sich genau an die Leitlinien gehalten hat. Auch nicht, wenn der Verlauf dadurch absehbar ungünstig verlief.

„Mehr Interventionen und Technik erreichen keine besseren Geburtsergebnisse.“

(Deutscher Hebammenverband e.V.)

Lasst euch von schlimmen Geburtsberichten also bitte keine Angst machen!
Natürlich gibt es eine Schicksalskomponente, auf die man keinen Einfluss hat. Aber in der Geburtshilfe spielen die eigene Einstellung und die Qualität der Geburtsleitung oft eine entscheidende Rolle!
Man hat also Einiges selbst in der Hand: Es ist, außer in echten Notfallsituationen, immer möglich, Maßnahmen zu hinterfragen und sich Alternativen aufzeigen zu lassen. Oft gibt es welche. Den Wehentropf, aus dem Beispiel oben, hätte man durchaus ablehnen können.
Wenn eine Frau unter der Geburt klar und deutlich formuliert was sie möchte und was nicht, ist oft ganz viel möglich. Zumindest ist das in meiner Klinik so!

Weniger ist mehr

Das bedeutet keinesfalls, dass ich die Schulmedizin und ihre Technik grundsätzlich ablehne. Ich selbst arbeite gerne in einer Klinik und bin froh, dass ich heute und nicht etwa vor 100 oder gar 1000 Jahren lebe und arbeite. Aber meiner Meinung nach sind wir in unserer Gesellschaft an einem Punkt angelangt, an dem sich die Geburtshilfe eben nicht durch immer noch „mehr tun“ noch weiter verbessern lässt. Vielleicht aber genau durch das Gegenteil. Schon der deutsche Frauenarzt und Gelehrte, Professor Dr. Dr. Willibald Pschyrembel (1901 – 1987), sagte:

“Man muß in der Geburtshilfe viel wissen, um wenig zu tun.”

Viel wissen tun wir absolut, aber dieses „wenig tun“, genau das haben wir leider etwas verlernt.

Natürlich – aber schnell

Und nicht nur die Medizin, sondern auch die Frauen selbst haben es oft verlernt zu warten: Kaum ist der Entbindungstermin erreicht, wollen Sie eingeleitet werden – manchmal auch schon vorher. Und unter der Geburt fordern sie häufig Maßnahmen zur Beschleunigung. Den Willen, natürliche Prozesse abzuwarten, haben nicht mehr viele. Wenn man sie fragt „Natürlich?“ dann heißt es: „Ja sicher!“ Aber kurz und schmerzlos soll es trotzdem sein.

Die „normale“ Geburt

Aber was ist schon normal? Im „Plädoyer für eine natürliche Geburtshilfe“ vom BDH heißt es:

„Hebammen wissen, dass „normal“ im Sinne von „ungestört“ oder „natürlich“ nicht immer das vorrangige Kriterium für eine Frau ist, wenn sie sich für einen Entbindungsort, bzw. eine Entbindungsform zu entscheiden hat. Jede Frau hat selbstverständlich das Recht, für sich selbst zu wählen, welche Art von Betreuung und Geburt sie möchte. Um aber wohlüberlegt entscheiden zu können, muss sie zuvor ausreichend informiert worden sein. Eine interventionsarme Geburt sollte als Wahlmöglichkeit zur Verfügung stehen, – auch im klinischen Bereich
(P.E. Treffers 2000 ).“*

Wahrscheinlich sind die Zahlen in der Hausgeburtshilfe auch deshalb so gut, weil sich Frauen, die sich für eine Hausgeburt entschließen, lang und gründlich damit beschäftigt haben. Durch die Gespräche mit ihrer Hebamme wissen sie einfach genau, was auf sie zukommt. Auf der Seite des Quag e.V. („Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe“) heißt es dazu:

„Mehr als der Technik und ärztlichen Unterstützung vertrauen diese Frauen ihrer eigenen Kompetenz, Intuition und Kraft sowie dem fachkundigen Beistand einer Hebamme, um ihr Kind im eigenen Rhythmus ungestört zu gebären.“

Haben also 98% aller Frauen, also die, die sich für die Klinik entscheiden, schon von vorn herein schlechte Voraussetzungen für eine „normale“ Geburt? Oder müssen wir „normal“ einfach nur mal wieder neu definieren? Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) geht in ihren “Empfehlungen zur normalen Geburt”** davon aus, dass

  • jede Frau ein grundlegendes Recht auf eine umfassende Betreuung in der Schwangerschaft hat.
  • sie bei allen Aspekten dieser Betreuung im Mittelpunkt steht und an der Planung, Durchführung und Beurteilung der Vorsorgemaßnahmen teilnimmt.
  • neben der medizinischen Vorsorge soziale, emotionale und psychische Faktoren entscheidend sind für eine umfassende Betreuung in der Schwangerschaft.

Ich denke, wir können natürlich nicht immer von diesen idealen Voraussetzungen ausgehen, aber die Strukturen sind zumindest längst da.

Optimale Bedingungen

Im Herbst 2012 nahm ich am Hebammenkongress der DHZ teil. Das Motto: „Hebammenkunst – Die Rettung der normalen Geburt“. Ina May Gaskin, Hebamme und Trägerin des alternativen Nobelpreises, war eine der Referentinnen. Sie machte uns darauf aufmerksam wie gut wir es hier in Deutschland haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern. Und damit meinte sie nicht etwa Entwicklungsländer. Bei uns gibt es:

  • Die Möglichkeit einer umfassenden Hebammenbetreuung in jeder Phase der Schwangerschaft – von den Krankenkassen bezahlt!
  • Die Möglichkeit einen Geburtsvorbereitungskurs zu belegen – wird zumindest für die Frau, zunehmend aber auch für den Partner bezahlt.
  • Freie Wahl des Geburtsortes (Klinikgeburten sind in anderen Ländern teilweise Pflicht)
  • Die Möglichkeit einer Hebammenbetreuung im Wochenbett – auch bezahlt!

Von diesen Rechten träumen beispielsweise amerikanische Frauen, bei denen noch nicht mal eine Hebamme bei der Geburt anwesend sein muss! Es gibt bei uns also einige Möglichkeiten, um sich mit dem bevorstehenden Geburtsgeschehen auseinander zu setzen und entsprechende Dinge in die Wege zu leiten.

Fazit

Selbstbestimmtheit könnte das neue Normal sein! Die selbstbestimmte Geburt ist möglich, nötig und absolut empfehlenswert. Gebt euch nicht einfach an der Kreißsaaltür ab!

Kleiner Buchtip: “Die selbstbestimmte Geburt” von Ina May Gaskin – Handbuch für werdende Eltern mit Erfahrungsberichten

Immer häufiger kommen Frauen mit kleinen „Wunschlisten“ zur Anmeldung. Ich finde das gut.
Natürlich ist eine Geburt nicht im Detail planbar. Aber einige Weichen kann man schon stellen. Es ist eure Geburt! Überlegt was euch wichtig ist. Dann habt ihr die besten Chancen auf ein schönes und gutes Geburtserlebnis.

“Geburt ist wie über eine ganz schmale Brücke gehen – es können Dich Menschen zur Brücke begleiten, es können Dich welche am anderen Ende in Empfang nehmen, aber über die Brücke gehst Du alleine.”

                                                      (afrikanisches Sprichwort)


*Zitat aus dem “Plädoyer für die normale Geburt”. Verfasst von: Jule Friedrich, Dorothea Heidorn, Ursula Jahn-Zöhrens, Susanne Kluge, Elfriede Lochstampfer, Magdalene Weiß
** Entnommen aus den “Empfehlungen für die normale Geburt” der WHO von 1995

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42 Antworten
  1. Arfaern
    Arfaern sagt:

    Danke für diesen tollen Bericht!
    Ich bin schwanger in der 34 SSW mit meinem ersten Kind und werde in einem Geburtshaus entbinden. Ganz bewusst, weil ich die medizinischen Interventionen, die oft vorschnell gemacht werden, ablehne. Ich weiß auch, was ich tue; bin selbst medizinisches Personal. Und trotz meiner guten Argumente hab ich viel Gegenwind bekommen. Deshalb danke für diese Zusammenfassung. Ich wünschte, daß zumindest alle gesunden Schwangeren und ihre Angehörigen mal etwas über den Tellerrand hinaus sehen würden.
    LG

    Antworten
  2. Tina
    Tina sagt:

    Hallo Jana,

    In deinem Beispiel soll die Frau sich ausruhen, statt des Wehentropfes. Aber bei regelmäßigen starken Wehen -wie soll man sich da ausruhen?

    Viele Grüße
    Tina

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Tina, ich hatte in meinem Beispiel stagnierende Wehen im Kopf. Bei kräftigen, Muttermunds-unwirksamen-Wehen würde ich schauen in welche Richtung es geht: Erst Mal ein warmes Bad, um zu schauen, ob alles sich entspannt, die Wehen nachlassen und ein Ausruhen möglich wird. Oder warum die Wehen nicht wirksam sind? Vielleicht stimmen die Bedingungen für die Frau noch nicht, sich fallen zu lassen? Oder sie braucht wirklich einen Tropf… Es gibt immer mehrere Möglichkeiten.

      Antworten
  3. Katha
    Katha sagt:

    Hallo Jana!

    Ich habe Anfang August mein erstes Kind bekommen und bin froh, dass ich in einer Klinik war. Doch genauso froh bin ich, dass es ein hebammengeleiteter Kreißsaal war. Bei der Geburt war nur die Hebamme und mein Mann – kein Arzt. Die Geburt war trotz Einleitung mit Cytotec (ich war 10 Tage über ET) weitestgehend wie von mir gewünscht. Nur einen Kritikpunkt habe ich: Ich hätte gerne die Geburt im Nachhinein mit der Hebamme besprochen um das Erlebnis besser verarbeiten zu können. Insbesondere weil ich sehr lange mit den Geburtsverletzungen gekämpft habe und auch jetzt noch nicht schmerzfrei bin..

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Hallo Katha,
      vielleicht kannst du die Nachbesprechung noch nach holen?! Entweder, du fragst in der Klinik nach, ob es möglich ist, oder du lässt dir die Akte kopieren und besprichst alles mit deiner nachbetreuenden Hebamme. Ich hoffe die gibt es? ;-)
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
  4. Tina
    Tina sagt:

    Hallo,
    VIELEN Dank für diesen tollen Bericht. :-) Ich berichtete im Kaiserschnitt-Beitrag kurz von meinem ersten Erlebnis. Und ich bin mir heute MEHR als sicher, dass mir sowas daheim NIE passiert wäre. Mir wurde meine Intuition genommen, mein Vertrauen in meine Kraft und innere Ruhe. Gegeben wurde mir Angst und Unsicherheit; das Gefühl NIE spüren und fühlen zu können, ob es alles gut läuft.
    Solange ich daheim war (mehrere Stunden) hatte ich ein ganz starkes inneres Gefühl, was dran ist, was los ist und eine konzentrierte Ruhe und Vertrauen in meine Intuition.
    Wenn ich nur die Möglichkeit und chance bekäme mein drittes (noch Wunsch-) Kind in Ruhe normal zu entbinden, in einer gestärkten Atmosphäre OHNE Ärzte und So-Muss-Es-Sein-Protokoll…. ich würde NICHT zögern. Beneide Frauen die das konnten und trauere um meine Erlebnisse. Es ist Trauerarbeit :-) Weil etwas unwiederbringliches kaputt gemacht wurde durch ständiges Eingreifen, besserwissen und bevormunden.
    Das macht mich sauer und ich möchte alle davor warnen, die im KH entbinden: IHR dürft mitentscheiden, auch wenn es Euch nicht gesagt wird! Macht Euch vorher schlau, findet Eure Intuition, verlasst Euch auf Eure innere Stimme! Schickt Personal raus was Euch nicht respektiert (Ich hätte es tun sollen!!!! koche noch heute innerlich wegen bestimmten Ärzten/Anästhesisten/Hebammen!!!!) :-*
    Weg von der 08/15 Plangeburt…. HIN zur selbstbestimmten Geburt wo WIR Gebärenden sagen was dran ist und NUR in expliziten Notfällen eingegriffen wird :-)

    Antworten
  5. Katha
    Katha sagt:

    Hallo Jana,

    ich habe mir den Geburtsbericht der Krankenhaus-Hebamme kopieren lassen und um meine eigenen Erinnerungen, Notizen etc. ergänzt, leider klappte die Besprechung mit meiner Nachsorge-Hebamme nicht so gut. Sie ist zwar ein absoluter Schatz und fachlich top, aber ihre mangelnden Deutschkenntnisse, haben ständig zu Missverständnissen geführt..

    Falls Du Interesse hast, meinen Geburtsbericht hier zu besprechen, stelle ich ihn gerne zur Verfügung.

    LG

    Antworten
  6. Neeva
    Neeva sagt:

    Was ist so schlimm an einem venösen Zugang? Wenn man jetzt nicht gerade eine Spritzenphobie hat, wird man einmal gepiekst und hat eine Nadel im Handgelenk, bzw einen flexiblen Mini-Schlauch.
    Besteht da die Befürchtung, bei den Ärzten die Hemmschwelle zur Medikamentenverabreichung zu senken oder geht es einfach um die Assoziationskette Spritze – Krankenhaus – Schmerzen – Anspannung?
    Allerdings wurde mir auch der Sinn erklärt und nicht einfach mit der Ansage “Das muss so” der Zugang gelegt.

    Antworten
    • Kristin
      Kristin sagt:

      Bei meinem Praktikum im Kreißsaal habe ich bemerkt, dass der venöse Zugang IMMER zu einem Tropf führt. Sei es, dass frau dann Schmerzmittel oder Kochsalzlösung oder irgendwann routinemäßig spätestens in der Austreibungsphase Oxytocin verabreicht bekommt. Der psychologische Effekt dabei ist nicht zu verachten: frau ist Patientin und nicht mehr Gebärende, die Geburt scheint unnormal und frau bekommt das Gefühl, dass sie das ohne Hilfsmittel nicht alleine schafft, ihr Körper ist nicht perfekt, ihre Wahrnehmung ist nicht perfekt. Außerdem schränkt der Tropf in der Bewegungsfreiheit ein und somit in der Wehenarbeit. Selbst wenn kein Tropf angeschlossen ist, ist frau immer bedacht, Rücksicht auf den Zugang zu nehmen, dass sie mit dem nirgends hängenbleibt. Dabei sollte sie sich vollends auf die Wehenarbeit und die Entspannung konzentrieren.

      Antworten
      • Diana
        Diana sagt:

        Ich kann Deiner Ausführung hier nur zustimmen! Als ich 2012 in den Kreißsaal kam, habe ich genau aus diesen Gründen den Zugang abgelehnt. Man redete auf mich ein, dass er für Notfälle benötigt werde und ich habe ihn bewusst verneint und gesagt, dass man im Notfall noch immer in der Lage ist den Zugang zu legen. Den Notfall gab es nicht. Ich war entspannt und unsere Tochter nach 1,5 Stunden auf der Welt.

        Antworten
  7. Suse
    Suse sagt:

    Hallo Jana,

    ich bin so froh, nach einer Totgeburt meine drei Zwerginnen im Geburtshaus, bzw dann zu Hause bekommen zu haben.
    Und meine Hebamme (ein Glücksgriff) hat mir auch immer wieder klar gemacht, daß ich die Verantwortung nicht abgeben kann und darf.
    Das war gut so und hat zu guten Geburten geführt.
    Die Zweite war etwas schwieriger, da die Zwergin den Weg nicht richtig gefunden hat und letztendlich als Sternengucker zur Welt gekommen ist. Aber ICH habe es geschafft und nur das zählt.
    Übrigens war ich immer über dem ET, obwohl ich bei dem Termin sehr sicher war. Das Letzte, was ich wollte war eine Einleitung. Wozu, wenn es dem Baby gut geht?
    8, 10 und 12 Tage drüber sind doch nicht beängstigend? Nur die Anrufe von Familie und Freunden nervig.

    Ganz liebe Grüße
    Suse

    Antworten
  8. bensa
    bensa sagt:

    Vielen Dank für den tollen Artikel.
    Ich merke mal wieder, dass ich auch nach 15 Monate meine knapp 4 Tage Geburt mit schlussendlich (eiliger)Sectio nicjt verarbeitet habe. Dort ist so viel schief gelaufen, eingegriffen worden und überhaupt nicht mit mir zusmengearbeitet, dass es mir gerade wirklich Tränen in die Augen trieb das alles hier zu lesen. Ich wünsche mir eine 2. Ss, habe aber wirklich Panik vor der nächsten Geburt. vor allem da noch so viel Dinge unklar für mich sind, aber dank mangelnder Dokumentation ist dies nicht möglich. Ich weiß eigentlich nicht was noch hätte schief laufen können. Aber es hat sich zumindest gelonht.

    Lg

    Bensa

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Bensa, danke für das tolle Lob!
      Mangelnde Dokumentation? Frag noch mal nach. Gerade solche Verläufe müssen gut dokumentiert werden. In vielen Kliniken gibt es auf Nachfrage das Angebot eine Geburt nach zu besprechen. Versuch das doch noch mal. Vielleicht geht es Dir dann in Hinsicht auf ein zweites Kind besser.
      Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute!
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
  9. Janonyma
    Janonyma sagt:

    Ein schöner Artikel. Hätte ich gern so erlebt und Entscheidungsfreiheit gehabt. Dank insulinpflichtigem SS-Diabetes wurde aber alles pathologisiert, alle klebten an den Leitlinien, auch die Vorsorgehebamme war der Ansicht ich sollte mal besser von Ärzten betreut werden, und das alles trotz mopsfidelem immer auf der Normkurve liegendem Kind, auch mir ging es immer blendend, nur halt das Gespritze. Als ich pflichtschuldigst am Termin zur Einleitung im Uniklinikum erschien, ging die Interventionsspirale los. Zugang, vier Einleitungsversuche, Wehentropf, Dauerwehen, aber “PDA müssen Sie sich erst verdienen” – ca 10 h später bekam ich sie, aber erstmal ohne Wirkung, also nochmal gelegt, Muttermund stagniert, Ultraschall hoher Geradstand, Blasensprengung, grünes Fruchtwasser, Turnen, Kind kommt nicht runter, Komplikationen, Kaiserschnitt. Aktionsradius wegen fast Dauer-CTG max. 2 Meter bzw meistens musste ich auf der Pritsche liegen weil das CTG die Wehen nicht aufzeichnete, Bewegung hätte da ja gestört.
    Und das alles nur wegen dem Schwangerschaftsdiabetes.
    Da tut man alles, verhält sich ganz korrekt, isst nach Plan, damit es dem Kind gut geht, und dann ist man ab Termin nur noch eine High-Risk-Zeitbombe und hat alle Rechte am Klinikeingang abgegeben.
    :(

    Antworten
  10. Juliane
    Juliane sagt:

    Liebe Jana.

    Mit Interesse verfolge ich immer deinen Blog/deine Website. Und nun sitze ich vor dem PC und bekomme immer mehr, wie in den letzten 11 Monaten seit der Sectio meiner Tochter, das Gefühl, es hätte auch so gehen können, spontan, schön, selbstbestimmt. Ich weiß, die Psychologin sagte mir immer, mache eine schöne Geburt nicht an dem SPONTANEN fest, versteife dich für die zweite Geburt nicht darauf. Aber ich glaube, das ist leicht gesagt, wenn man es selber nicht erlebt hat, auch wenn man es gedanklich versucht.

    Schon an der Kreißsaaltür raunte man sich zu, ich hätte doch keinen Blasensprung(es war nur ein Anriss), obwohl ich es genau wusste und schaffte damit schon ein Klima, in dem ich mich nicht wohl und willkommen fühlte. Später folgte dann eine Intervention der anderen, Buscopan, Blaseneröffnung, (Liege-!!!)PDA, Wehentropf, Dauer-CTG, etc. Es macht mich so sauer. Und was ist nun das Problem? Mal davon abgesehen, dass wir ja nicht wissen, wie es mit den lieben Hebammen aus politischer Sicht weiter geht, finde ich in Berlin keine Hebamme, die mich aufgrund des KS zu Hause oder im Geburtshaus gebären lassen würde. Ich bin sehr kopflastig und habe auch noch sehr am KS zu knabbern (meine Tochter hatte auch zu kämpfen) und weiß ganz genau, wenn ich beim 2 Kind wieder ins KH muss, wird es mit sehr viel Angst und Vorbehalt geschehen. Und wie meine allerliebste Nachsorgehebamme mit mir heraus fand, bräuchte ich unter der Geburt eine permanente, anleitende Betreuung, die ja im KH meist immer nicht gegeben ist. :-(
    Also was tun? Ich hoffe es findet sich bis dahin noch jemand, wenn überhaupt die Politik bis dahin mal was Vernünftiges auf die Beine gestellt bekommt.

    Liebe Jana, danke für deine tollen und motivierenden Berichte. Und falls du noch einen KS-Geburtsbericht brauchst, sage mir Bescheid, ich stehe zue Verfügung! ;-)

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Juliane, erst mal vielen Dank für das tolle Bloglob!
      Es tut mir sehr leid, dass es bei Dir so blöd gelaufen ist. Ich rate Dir auch, für das nächste Mal auf jeden Fall eine Beleghebamme zu engagieren. Hoffen wir, dass es dann noch welche gibt! Wir arbeiten daran! ;-)
      Vielen Dank, für Dein Berichtsangebot! Allerdings stapeln sich die Geburtsberichte hier virtuell bis zur Decke… Ich schaffe nur alle zwei Wochen einen. Also würde es auf jeden Fall ein bisschen dauern, bis er veröffentlicht würde.
      Ich wünsche Dir ein ein zweites, diesmal ganz gutes Geburtserlebnis!
      Liebe Grüße!

      Antworten
  11. Irmi
    Irmi sagt:

    Liebe Jana, toller Blog! Dieser Artikel hat eine endlose Diskussion zwischen meinem Mann und mir beendet… Ich denke, jetzt wird er bei der dritten Geburt mehr helfen, dass ich so weit wie möglich in Ruhe gelassen werde. Ich glaube auch, dass Informationen unter der Geburt essentiell sind. Wir waren gestern mit ineffektiven Wehen in der Klinik, MM bei 3 cm, zwei Stunden Spaziergang haben nichts geändert. Der Arzt wollte uns dabehalten, was wohl auf Wehentropf rausgekommen wäre, aber der Gesichtsausdruck der Hebamme beim Satz ” Sie könnten einleiten” sprach Bände. Leider bin ich unter Presswehen nicht imstande, auf solche Nuancen zu achten, ich finde, das ist Aufgabe des Geburtspartners…
    Jedenfalls, alles hat sich wieder beruhigt, unsere Maus war wohl noch nicht soweit. Bald auf ein Neues…

    Antworten
  12. Vanessa El Abed
    Vanessa El Abed sagt:

    Hallo liebe Schwangeren, welche die es werden wollen, frisch Entbundenen, Hebammen und alle anderen, die mein Kommentar eventuell lesen werden…
    Ich habe es tatsächlich bis in die 40. Woche geschafft und warte nun, dass es bald losgeht.
    Vor 6 Wochen habe ich das erste Mal zu hören bekommen: wir holen das Kind jetzt! Es folgten noch drei weitere dieser Ankündigungen. Nun gebe ich zu: ich habe nicht die optimalsten Blutwerte, nicht die tollste Leistung meiner Organe, weshalb mich seit Monaten viele Schmerzen begleiten, nicht die beste psychische Verfassung— aber ich habe einen eisernen Willen, und jetzt schon ein ganz tolles Baby! Und das, nachdem mir fast zehn Jahre gesagt wurde, dass ich keine Kinder bekommen kann.

    Antworten
      • Vanessa El Abed
        Vanessa El Abed sagt:

        Hallo Jana, bin grade wieder auf dem Weg in die Klinik, Baby findet es anscheinend sehr bequem in mir ☺️
        Bis zur 37. Woche lag die kleine Madame in BEL, worauf es ja dann hieß: Kaiserschnitt. Da ich ja eh zu den Risikopatienten gehöre, wollten die Ärzte auf Nummer sicher gehen. Aber ich bin sowas von gegen Kaiserschnitte! Also hab ich mich für eine äußere Wendung entschieden, die sicher nicht angenehm war, die ich aber jedes Mal wieder als Alternative in Betracht ziehen würde!

        Antworten
        • Vanessa El Abed
          Vanessa El Abed sagt:

          Seitdem wollen die Ärzte einleiten, woraufhin die wieder auf Granit stoßen. Ich warte beharrlich und nehme die vielen Schmerzen, die mich seit Wochen begleiten, (ohne Schmerzmittel) in Kauf, weil mein Baby hoffentlich bald selbst entscheidet, dass es sich auf den Weg macht. Heute wollen wir ihr nur einen kleinen Anreiz geben

          Antworten
  13. Ruth
    Ruth sagt:

    Liebe Jana,
    vielen Dank für Deine sehr informative Webseite – ich lerne bei jedem Lesen etwas Neues! :-)
    Darf ich ma eine Frage stellen: ich habe vor 20 Jahren noch recht jung mein erstes Kind bekommen und bin jetzt wieder schwanger. Damals hab ich mir nicht wahnsinnig viel Kopf gemacht, eine Klinik (nicht in Deutschland) mit gutem Ruf (bekannt für Hebammen und niedrige Kaiserschnittzahlen) ausgesucht und bin da eher unbeschwert rein. Es hat auch geklappt und die Geburt war ein echt schönes Erlebnis.
    Jetzt lese ich von all diesen Interventionen und mir wird ganz schwummrig bei den Gedanken – die Idee, nach 20 Jahren meinen Körper mit einem Fötus zu teilen, finde ich an sich schon gewöhnungsbedürftig, aber die Idee, meinen Körper dann in ein Rennen zu schicken, wo man letztlich so ausgeliefert ist, das ist echt gruselig. Mit knapp 40 wird man ja ach eher schon kritisch beäugt, ich bin aber fit und gesund. Denkst Du, ich mach mir da zu viel Stress, oder hältst Du meine Idee, mir ein Geburtshaus zu suchen (vorausgesetzt, die Schwangerschaft verläuft weiterhin unauffälig), für sinnvoll und machbar? Ich bin echt ein bisschen ratlos.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Ruth, das ist eine richtig gute Idee, wie ich finde. Du hattest schon eine problemlose Geburt und bist fit und gesund und bist 40. So what!
      Hör auf Deinen Körper.
      Liebe Grüße und viel Erfolg!
      Jana

      Antworten
  14. Julia
    Julia sagt:

    Hallo, vielen Dank für deinen tollen Bericht. Ich habe zwei Kinder und wie viele Mütter kennt man mit jedem Rückbildungskurs mehr Berichte über Geburten. Und ich frage mich oft, ob “selbstbestimmte” Geburt wirklich ein erstrebenswertes Ziel ist. Ich bin medizinisch ein absoluter Leihe, so wird es sicher vielen Frauen gehen und habe während der Schwangerschaft Vollzeit gearbeitet. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es jemand ohne Vorwissen in den neun Monaten Schwangerschaft schafft sich so intensiv mit so einem komplexen Thema wie der Geburtshilfe auseinander zu setzten, dass man kompetent selbst bestimmen kann. In meinem Fachbereich ginge das auf jeden Fall nicht. Wir haben in Deutschland so toll ausgebildete Hebammen! Was spricht dagegen uns einfach vorbehaltlos in deren Hände zu geben? Ich hatte glücklicherweise unkomplizierte und schnelle Geburten. Aber ich glaube, dass es für mich sehr gut war, mich selbst an der Kreißsaaltür abzugeben (jedenfalls meinen Kopf). Ich habe der Hebamme von Anfang an gesagt, sie soll tun, was sie für richtig hält

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Julia, alles kann man natürlich nicht lernen, da hast du Recht. Die Hebammenausbildung dauert ja auch deutlich länger als neun Monate ;-).
      Aber wenn man sich etwas intensiver beschäftigt, dann stellt man erst einmal fest, was man will und was auf keinen Fall und wo, und mit wem… Darüber nachzudenken ist aber bei der Geburt etwas spät. Ansonsten geht es natürlich auch einfach zu kommen und sich vertrauensvoll leiten zu lassen. Dann sollte man aber, denke ich zumindest, vorher geschaut haben, ob die, die leiten, da in eine ähnliche Richtung gehen, wie man das selbst möchte. Sonst kann das sehr enttäuschend sein.
      LG
      Jana

      Antworten
  15. Anne
    Anne sagt:

    Liebe Jana,
    Ein schöner Artikel. Ich glaube aber nicht, dass heute eine selbestbestimmte Geburt im Krankenhaus möglich ist. Eine informierte Patientin, die hinterfragt, nachfragt und ablehnt ist unbequem und unkooperativ.
    Ich glaube ich bin gut informiert und hab mich auf die Geburt meines 1. Kindes gefreut und sie als Herausvorderung betrachtet. Ich habe alles bekommen, was ich nicht wollte: 18h Kreißsaal, 13h ctg, PDA bei vollständigem Muttermund, angeleitetes Power-Pressen in Steinschnittlage, Kristeller-Hilfe, ein mega Dammschnitt und eine Vakuum-Extraktion aus der Beckenmitte.
    Vor der Geburt meines 2. Kindes hab ich einfach nur Angst!
    Meine Erfahrung: selbst wenn ich weiß was ich will und was nicht, ich hatte unter Wehen keine Kraft und Konzentration auf die Ärzte zu achten und zu diskutieren. Ich hab nicht mal gemerkt, dass ein Wehentropf angeschlossen wurde! Und diskutieren muss man, wenn man nein sagt. Denn: wenn sie nicht machten was wir sagen, dann passiert was ganz, ganz schlimmes!!!!! Hab ich schon mehrfach so erlebt und nicht nur in einem Krankenhaus.
    Darum denke ich bei deinem Artikel und bei den zahlreichen “Selbstbestimmte Geburt”-Ratgebern immer, wem nützen die was? Wenn alles glatt läuft und im zeitlichen Rahmen bleibt hat die Frau eine schöne Geburt. Wenn eingegriffen wird ist die Frau entweder informiert und weiß, dass vieles auch hätte anders laufen können oder sie ist uninformiert und denkt ” super, dass mir alle so geholfen haben” und ein Dammschnitt heilt ja auch besser als wenn es gerissen wäre und Kinder kriegt man nunmal am besten auf dem Rücken durch Power-Pressen. Ist ja bei RTL2 auch so.
    Da frag ich mich, welche Frau hat ein positiveres Geburtserlebnis? Ich glaube Typ 2 würde nicht mitten in der Nacht diesen Kommentar schreiben. ;-)

    Liebe Grüße
    Anne

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Anne, puh was soll ich dazu sagen. Ich habe in der Klinik – nicht nur, aber – viele schöne Geburten erlebt. Natürlich ist es immer auch eine Frage der Besetzung und des “Hausstils”. Es ist sicher oft so, wie du es beschreibst, aber es ist auch oft anders. Ich bin auch nicht ganz überzeugt, dass es besser ist eine uninformierte Sch…geburt zu haben, oder ob man es dann lieber wissen will, dass es echt schlecht gelaufen ist. Blaue Pille, oder rote Pille? Wenn man noch sicherer gehen will, organisiert man sich vorher eine Beleghebamme. Und da gebe ich dir Recht, das wird immer schwerer. Das ist die politische Dimension des Problems.
      Tja also du meinst aufhören zu informieren? Das wäre aufgeben für mich. Dazu bin ich noch nicht bereit. Aber ich bin echt erstaunt darüber, dass die Geburtshilfe echt erst total den Bach runter gehen muss, bevor die Dinge endlich geändert werden.
      Liebe Grüße

      Antworten
      • mom
        mom sagt:

        Liebe Jana, wo Anne nach meinem Empfinden recht hat, ist die schwierige Kommunikation zwischen Gebärender und medizinischem Personal. Ich habe gerade meine Tochter geboren (sehr problemlos, nach 2,5 Stunden ernsthaften Wehen waren wir durch) und mein großes Problem war tatsächlich, dass ich erstens kaum informiert wurde was gerade läuft (sowas wie: “Wenn Sie jetzt einen starken Druck nach unten spüren, liegt das daran, dass…” wäre echt willkommen gewesen), aber andererseits auch zu weggetreten war, um ernsthaft und rational nachzufragen. Mein Partner war auch so überrumpelt von der Geschwindigkeit des Ganzen, dass er nicht nachfragte, aber er wußte auch die ganze Zeit nicht, was los ist. Ich sehe da das Personal in der Bringschuld – das sind die Profis, die müssen doch wissen, welche Fragen i. d. Regel auftreten bzw. welche Infos den Paaren wann helfen. Das Paar selbst ist echt gut mit sich beschäftigt und sollte nicht jeder Information hinterherjagen müssen!
        NB: Magst Du meinen Geburtsbericht haben? Ich lese gerne in Deinem Blog bzw. auch die Geburtsberichte, wenn ich mit meinem was beitragen kann, gerne! :-)

        Antworten
      • Anne
        Anne sagt:

        Liebe Jana,
        ich habe 2 mal die Erfahrung gemacht, dass es im Krankenhaus absolut unerwünscht ist zu diskutieren und zu hinterfragen.
        Bei der 1. Schwangerschaft hatte ich eine frühe Fehlgeburt. Natürlich an einem Feiertag, also Arztpraxis zu. Ich wollte es nur abgeklärt haben und bin ins Krankenhaus. Dort hat man so lange “aufgeklärt”, schließlich mit 2 Ärzten, bis eine Curette durchgeführt wurde. Ich wollte auf keinen Fall eine und wäre ja einfach gegangen, aber wohin? Alle Niedergelassenen hatten ja zu und mein Mann hatte echt Angst ich wäre am Ortsschild spätestens verblutet sei.
        Die Entbindung war in einem anderen Krankenhaus. Andere Situation aber gleiches Spiel. “,Wir wissen es ja eh besser als sie, lassen sie uns mal machen.” Bei der Entlassung hat mir die OA noch gesagt “Ja, sie hatten sich auch viel vorgestellt so im Vorfeld, nicht wahr?”. Im postpartalen Oxytocin-Rausch hab ich wohl noch blöd gelächelt, ich hätte ihr einfach so die Nase brechen sollen.
        Für die nächste Geburt habe ich zum Glück eine Beleghebamme und gehe so spät wie möglich und so kurz wie möglich ins Krankenhaus.
        Trotzdem bleibt die Angst. Nicht vor der Geburt, auf die freue ich mich sogar wieder, aber davor übergangen zu werden und nochmal so ausgeliefert zu sein.

        Nein, gib nicht auf Frauen aufzuklären! Ich weiß auch gerne Bescheid. Nur die Enttäuschung, dass man sich nicht durchsetzen konnte ist bitter und fühlt sich verdammt nach persönlichem Versagen an. Aber wenn immer mehr Frauen unbequem und unkooperativ werden, dann hat vielleicht die nächste Generation mehr Glück.

        Liebe Grüße

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  3. […] sind. Ich empfehle an dieser Stelle, bevor ich weitere darauf eingehe mal diesen Bericht: ‘klick‘! Mir ist es wichtig, dass ICH entbinde und nicht ENTBUNDEN WERDE – das ist ein nicht […]

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  5. […] gewünschten Interventionen fühlen, spüren wir gerade auch als Hebammen. Denn jede Frau soll selbstbestimmt und durchgehend gut begleitet durch ihre Geburt gehen. Dann ist das Ganze auch viel einfacher machbar als der interventionsreiche […]

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