Babytreffen im Park

Babytreffen im Park – Willkommen im Club!

In diesem verregneten Sommer ist es ausnahmsweise mal schön, als ich mit dem Fahrrad im Volkspark Wilmersdorf eintreffe. Schon von weitem sehe ich die vielen Kinderwagen im Schatten unter einem schönen, großen Ahornbaum stehen. Da sind sie alle, die frischgebackenen Eltern – stolz mit ihren Babys auf den Armen. Noch vor wenigen Monaten saßen sie bei mir im Geburtsvorbereitungskurs mit großer Vorfreude auf den Matten und streichelten die wöchentlich wachsenden Bäuche. Fünf mal zweieinhalb Stunden haben wir miteinander verbracht und ziemlich intime Gespräche geführt. Man lernt sich ganz gut kennen, in so einem Kurs.
Nun sind alle Babys schon ein Weilchen auf der Welt, die Wochenbettzeit ist vorbei, und alle Familien sind angekommen, in der neuen Situation. Zeit für das obligatorische Babytreffen.* Alle freuen sich sehr, sich wiederzusehen und natürlich werden erst einmal die Babys bewundert. Zwei Frauen stillen mitten im Trubel, einige Babys schlafen, die meisten kuscheln in den Armen ihrer Mamas oder Papas.

Alle sind gekommen: 16 große, 8 kleine Menschen und ich. Wir sind vollzählig und beschließen ins nahe gelegene Café zu wechseln, denn natürlich fängt es nun doch schon wieder an zu regnen. Außerdem brauchen einige Eltern dringend Kaffee.

Erfahrungen

Während die Kinder von Arm zu Arm wandern (damit einige endlich mal wieder beidhändig etwas essen können), beginnen die Eltern von ihren Geburtserlebnissen zu berichten.
Manche erzählen sprudelnd und mit vor Glück strahlenden Augen, einige etwas zögerlicher (man merkt, wenn alles erst noch etwas verarbeitet werden muss). Alle hat das Erlebte natürlich sehr beeindruckt. Glücklicherweise waren es größtenteils gute Erfahrungen, die sie da gemeinsam geteilt haben. Und die Eltern haben als Team gut zusammengearbeitet. Das ist wichtig, schweißt zusammen und es hilft auch bei den kommenden Anstrengungen des Babyalltags.

Schockierend ist, dass von acht Paaren drei nicht in der Klinik aufgenommen wurden, die sie sich ursprünglich ausgesucht hatten, da die Kreißsäle voll waren. Sie wurden weitergeschickt. Ein weiteres Paar sollte ebenfalls abgewiesen werden, aber die Geburt ging so schnell, dass das Baby dann trotzdem dort geboren wurde. Nur vier Paare konnten tatsächlich direkt am Ort ihrer Wahl bleiben, berichteten aber ebenfalls von ziemlichem Trubel und Stress.

Dennoch waren die meisten sehr zufrieden mit ihren Geburten. „Nur“ ein Paar fühlte sich zu einer Einleitung gedrängt, die dann letztendlich in einem Kaiserschnitt endete. Sie sind enttäuscht. Zumal das Kind gar nicht so schwer war, wie prophezeit, was aber der Hauptgrund für die Einleitung war.

Ich mag diese Babytreffen sehr. Es ist wirklich schön, sich nach all der Zeit noch einmal zu sehen und die Kinder zu bestaunen. Ich mag es auch sehr, zu sehen, wie aus den neugierigen, manchmal ängstlichen Paaren nun selbstbewusste Eltern geworden sind. Und natürlich interessiert es mich immer zu erfahren, was sie aus dem Kurs in die Geburt mitgenommen haben, beziehungsweise, was ihnen letztendlich geholfen hat.

Geburtspositionen & Atmung

Alle waren ja schon etwas darauf gepolt, dass einige Phasen der Geburt eventuell alleine überstanden werden müssen, wenn die Kreißsaalhebamme wenig Zeit haben sollte. Und bei fast allen war das auch so. Mehrmals wird gesagt, dass das Ausprobieren der verschiedenen Geburtspositionen im Kurs dazu geführt hat, sich an diese in entscheidenden Momenten zu erinnern – gerade wenn die Hebamme eben nicht zugegen war, um dementsprechende Vorschläge zu machen. So hatten sich die Paare sehr darum bemüht, die für sie passenden, aufrechten Positionen herauszufinden und das auch gut hinbekommen. Auch mit der Atmung und dem Tönen – was wir natürlich gemeinsam geübt haben – kamen die Frauen ganz gut zurecht.

Der Partner

Als extrem hilfreich wird die Unterstützung durch den Partner genannt. Die Männer wussten um ihre Aufgaben und konnten ihre Frauen wirklich sehr gut begleiten. Wenn es jemanden gibt, der die ganze Zeit über da ist, Ruhe ausstrahlt, mit atmet, massiert, Wassergläser anreicht und einen durch schwere Phasen hindurch-motiviert, dann ist das wirklich unglaublich hilfreich. Das betonten die Frauen auch diesmal wieder.

Ein Vater berichtete allerdings, dass er und seine Freundin wohl gerade weil sie so einen souveränen Eindruck machten, sehr viel alleine gelassen wurden. Tja, was soll ich sagen: Die beiden nahmen es sportlich und folgerten, dass bei ihnen wohl alles bestens verlaufen musste, sonst hätte die Hebamme ihnen wohl mehr Zeit gewidmet.

Alles bleibt anders – Erkenntnisse beim Babytreffen

Und natürlich tauschen sich alle über ihre Erfahrungen mit ihren Kindern aus. Ein Vater erzählt mir schmunzelnd, dass sich ja durch das Kind wirklich alles geändert hat. Er hätte es früher nicht verstanden, wie sich manche Paare als Eltern so extrem verändern, oder zumindest ihre Lebensweise so anpassen. Und er dachte immer, das wäre bei ihm natürlich ganz anders. Deshalb sei er jetzt auch bei kinderlosen Freunden extrem nachsichtig, wenn sie Verhaltensweisen hinterfragen oder sogar kritisieren. „Das kann man einfach erst verstehen, wenn man selbst ein Kind hat. Sie können es nicht wissen. Sie haben keine Ahnung.“ In die Runde fragt er: „Bei wem von euch hat sich nichts verändert?“ Alle schütteln die Köpfe. Und dann grinst er breit und wissend. „Willkommen im Club!“

 

*Aus Gründen der Anonymisierung ist dieser Text aus mehreren Babytreffen entstanden. Dass aus einem der Kurse 4 von 8 Frauen nicht in ihrer Wunschklinik aufgenommen wurden, ist aber eine Tatsache. Das Foto entstand beim letzten Babytreffen und steht (bis auf den Ort, der zufällig der selbe war) nicht in Zusammenhang mit dem Text.



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3 Kommentare
  1. Frauke
    Frauke sagt:

    Schöner Beitrag. Finde diese nachträglichen treffen super und kann man seine Erfahrungen austauschen und man bekommt den ein oder dnderen guten Tipp & manchmal entwickeln sicher richtige Freundschaften zwischen Eltern und den Kids.

    Antworten

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