Wassergeburt mit Hebamme

Wunderschöne Wassergeburt

Heute muss ich euch unbedingt mal von der superschönen Wassergeburt erzählen, die ich vor einiger Zeit betreuen durfte:

Ankunft im Kreißsaal

Ich kam um sechs Uhr zum Frühdienst. Mein erster Blick, wenn ich in den Kreißsaalbereich komme, ist der ins „Aquarium“. So nennen wir das verglaste Kontroll- und Arbeitszimmer. Dort stehen an einem Bord alle Namen, Besonderheiten und Befunde und dorthin werden auch aus allen Räumen die CTG’s (Herzton-Wehenschreiber) übertragen. So kann man sich einen schnellen Überblick über die aktuelle Situation verschaffen. An dem besagten Morgen lief nur ein einziges CTG und das sah super aus. Also Zeit für einen schnellen Tee und die Übergabe durch den Nachtdienst.

Meine Kollegin berichtete von einer Frau, die gegen drei Uhr Nacht mit kräftigen Wehen gekommen sei, ihr erstes Kind erwartete und zur Entspannung im Kreißsaal in der Gebärbadewanne sei. Der Muttermund ist schon auf acht Zentimeter geöffnet (10 müssen es werden…). Die Frau hatte vor kurzem nach einer PDA (Periduralanästhesie) gefragt, meine Kollegin hatte ihr aber Mut machen können, dass sie es auch so schaffen würde. Dazu muss man wissen, dass die Geburtsphase zwischen 8-10 cm Muttermundsöffnung meist die härteste ist. Kaum eine Frau, die nicht in dieser Zeit kurzfristig verzweifelt ist, sagt, dass sie es nicht schafft, dass sie nicht mehr kann, dass sie nach Hause will. Das ist also normal. Meist wird das mit der vollständigen Öffnung des Muttermundes und dem beginnenden Preßdrang dann wieder besser. Dann weiß man ja auch, dass ein Ende absehbar ist.

die Glückshaube

Als ich in den schönen, blauen Kreißsaal kam, war die Frau also schon in der geräumigen Gebärwanne im Vier-Füßler-Stand mit den Armen auf den Wannenrand gestützt, vor dem ihr Mann saß. Bei jeder Wehe tönte sie laute „AAAAHHHH’s“ und wirkte gar nicht mehr verzweifelt, sondern eher wie in Trance und dabei vollkommen konzentriert. Ich schaffte es grade mich in einer Wehenpause vorzustellen, dann ging sie wieder an die Arbeit. Dem Kind ging es laut CTG gut, die Wehen waren regelmäßig und kräftig. Also alles bestens. Nach einiger Zeit konnte ich sehen, dass sich die Fruchtblase wie eine riesige, wassergefüllte Kaugummiblase aus der Scheide schob. Meistens springt die Fruchtblase ja spätestens zu diesem Zeitpunkt, oder wird eröffnet. Diese hielt. Das war sehr schön, denn so konnte die weiche, aber prall gefüllte Fruchtblase den Damm schon etwas dehnen. Das warme Wasser tat dem Gewebe sicher zusätzlich gut. Kurze Zeit später, die Geburt ging wirklich beneidenswert schnell voran für’s erste Kind, begann der Pressdrang. Dass die Herztöne des Kindes (vom CTG übertragen) zum Ende der Geburt meist in der Wehe abfallen ist übrigens normal. Gesunde Kinder können das, wenn die Geburt bis dahin gut verlaufen ist und keine speziellen Risiken bestehen, gut kompensieren. So war es auch bei dieser Geburt. Die Frau begann unwillkürlich in den Wehen zu pressen; in der Wehenpause leitete ich sie zu einer tiefen Bauchatmung an.
Und so schob sich das kindliche Köpfchen immer weiter, bis es sich – und das war das wirklich besondere an dieser Geburt – noch in der Fruchtblase (!) aus der Vulva schob. Eine Wehenpause lang sah mich das Kind durch Fruchtblase und Wasser hindurch verwundert an. Dann kam die nächste Wehe, der Körper machte eine Vierteldrehung und das ganze Kind war da.
Wenn ein Kind noch in der Fruchtblase geboren wird, nennt man das übrigens Geburt mit “Glückshaube”. Schnell löste ich die Fruchtblase vom Kind. Da die Frau immer noch auf allen Vieren kniete, schob ich ihr das Kind unter Wasser und zwischen ihren Beinen nach vorne durch, wo sie es aus dem Wasser nahm und in die Arme schloss.
Man braucht bei einer Wassergeburt übrigens keine Angst haben, dass das Kind zu früh, also noch unter Wasser Luft holt; es tut das nur nach einem Kältereiz. Wenn also das Wasser Körpertemperatur hat, atmet das Baby erst „an Land“ los.

Der Rest von der Geschichte ist schnell erzählt: Die Nachgeburt kam unproblematisch. Der Damm war glücklicherweise heil geblieben. Das Kind begann eine Viertelstunde später von ganz allein an der Brust zu trinken. Mutter und Vater waren überglücklich. Es war alles perfekt. So würd ich auch noch mal ein Kind kriegen!

Ja, das war wieder einer dieser besonderen Momente…

Habt Ihr schon mal über eine Wassergeburt nachgedacht? In den meisten Kliniken gibt es ja schöne große Gebärwannen und zu Hause geht das natürlich auch.

 



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7 Kommentare
  1. Bianca
    Bianca sagt:

    Zuerst dachte ich ja, das wäre dein Bericht von meiner wunderschönen Wassergeburt zwei Tage vor Weihnachten letztes Jahr. Aber dann waren doch ein paar Dinge anders ;-)
    Es war auch mein erstes Kind, die Geburt ging gut und relativ schnell voran, alles war toll! Ich dachte doch in keinem Moment, dass ich eine PDA brauchen würde, durfte aber leider nicht im Vierfüßlerstand bleiben, sondern musste mich nach hinten lehnen. Aber gerne hätte ich mein Kind auch so aus dem Wasser gehoben. wie oben beschrieben.. Wie wunderschön!
    Jedenfalls war es für mich auch das Beste, was ich machen konnte und ich möchte unbedingt mein nächstes Kind auch wieder im Wasser bekommen! Ich hoffe, dass das wieder klappen wird.

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  2. Jana Friedrich
    Jana Friedrich sagt:

    Liebe Bianca,*
    ich kann mich tatsächlich an deine – auch sehr schöne – Geburt erinnern.
    Grade habe ich die Eckdaten noch einmal im Geburtenbuch nachgelesen.
    Es tut mir leid, dass ich dich in eine bestimmte Position dirigiert habe.
    Irgendwie hat dein Kind (das konnte man am CTG sehen) nur eine bestimmte Position gut toleriert.
    Wie sich im Nachhinein herausstellte, lag das daran, dass dein Baby sich die Nabelschnur um den Hals gelegt hatte.
    Das machen viele Babys. In der Regel ist das nicht so schlimm. Nur in deinem Fall ging deshalb der Vier-Füßler-Stand nicht so gut.
    Es freut mich aber, dass du die Geburt trotzdem als sehr schön in Erinnerung hast und sie dir für’s nächste Mal sogar ähnlich wünschst.
    Viel Erfolg dabei, liebe Grüße
    Jana

    (*Natürlich habe ich Bianca vor dem Veröffentlichen dieser Antwort um Erlaubnis gefragt, diese Details ihrer Geburt hier öffentlich zu teilen.)

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  3. Agnes
    Agnes sagt:

    Klingt fast nach Hypnobirthing… das werde ich bei Nummer 2 im August auch versuchen, ab kommender Woche geht der Kurs dazu los. Sehr spannende Sache… :-D

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Oh, spannend! Da hab ich schon viel von gehört, aber noch keine eigenen Erfahrungen damit gemacht. Vielleicht hast du Lust davon zu berichten? Alles Gute für die Geburt! Liebe Grüße!

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  4. Barbara
    Barbara sagt:

    Hallo, dein Blog ist superinteressant.
    Ich hatte auch eine wunderschöne Wassergeburt und würde es immer wieder so haben wollen. Da es meine erste Geburt war, wünsche ich mir oft, die Geburt nochmal erleben zu können, damit ich den Moment, in dem mein kleiner Schatz zur Welt kam, bewusster erleben könnte. Ich war so überwältigt von den Gefühlen. Es war unglaublich. Unser Baby kam mir so zerbrechlich vor. LG

    Antworten
  5. Anna
    Anna sagt:

    Auch meine Wassergeburt diesen Sommer im Geburtshaus war wunderschön! :-D
    Ich habe in der Wanne gekniet (ein Bein kniend, das andere aufgestellt) und mein Kind mit meinen eigenen Händen befühlt, in Empfang genommen und aus dem Wasser gehoben, während die Hebamme vom Wannenrand aus beobachtet und mich “angefeuert” hat.

    Warum gebären nicht mehr Frauen in die eigenen Hände?

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  6. Lenina
    Lenina sagt:

    Genauso hatte ich mir die Geburt meines ersten Kindes gewünscht. ich hatte keine Angst vor den Schmerzen und den Wehen – ich wusste, sie braucht es, damit mien Kind auf die Welt kommen kann.
    In meinem mittelgroßen Krankenhaus gab es nur einen kreissaal mit Wanne – was habe ich gehofft, dorthin zu kommen.

    Und dann ging es los und ich konnte sogar wirklich dort hinein. Das Wasser entspannte mich jedoch so sehr, dass während dieser zeit kaum eine Wehe kam.

    Und leider verlief der Rest nicht so toll.
    Mir war ständig übel und ich übergab mih, die Wehen kamen zwar regelmäßig, waren aber recht kurz.
    Um 2 Uhr nachts waren wir da – nach 24 Stunden glaubte ich, dass es jetzt bald soweit sei.
    Da hatte ich schon einen Wehentropf mit Wehensturm sowie eine PDA hinter mir.
    Der Muttermund hat sich einfach nicht öffnen wollen. Erst mit dem Nachhelfen ging er auf Saum auf – und blieb dort.
    Zudem hatte sich der Kleine als Sternengucker versucht, aber nciht ganz gedreht. Er hing mit der Stirn fest.
    Nach 33 Stunden platze die Fruchtblase und die Hebamme wollte mit mir nun mit Lageveränderung noch weiter versuchen -. doch cih war durch die Übelkeit (konnte weder Essen noch Trinken noch Schlafen) so hinüber, dass ich beim aufstehen beinahe umgekippt wäre. mein Freund fing mich auf und schaffte mich wieder aufs Bett.

    Schon ein paar Stunden zuvor hatte die Hebamme vorsichtig einen eventuellen Kaiserschnitt zur Sprache gebracht. auch jetzt wurde das von der Ärztin vorsichtig und einfühlsam, aber doch eindringlich empfohlen.
    Ich hatte Zeit, drüber nachzudenken, mein Baby war völlig entspannt.
    Ich wusste: Jetzt ist DER Zeitpunkt in meinem Leben, an dem ich MUSS, aber ich KONNTE nicht mehr.

    Dann ging es zügig in den OP und dort hatte ich die einzigen shclimmen 5 Minuten, weil ich trotz der PDA noch Wehen an einer kleinen Stelle hatte (sehr konzentriert). Sie waren bemüht, so schnell es geht, die PDA aufzuspritzen.
    Während der OP wurde mit mir gesprochen und gescherzt und dann war der Kleine da und lag auf meiner Brust. Solange ich wollte. Nach 20min wurde es mir zu schwer und der Papa übernahm.

    Ich hatte mir eine Geburt ohne Eingriffe gewünscht (Geburtshaus und Hausgeburt schied für mich wegen gesundheitlicher Risiken aus). Und bekam alles: Zugang, Wehentropf, Wehenhemmer, PDA, Kaiserschnitt.

    Die Nachthebamme war toll. Und doch frage ich mich immer noch: Hätte ich nicht noch irgendwas machen können?

    Für das nächste Kind wünsche ich mir wieder so eine Wassergeburt, wie oben beschrieben.

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