Hausgeburt bei "ET+3 Regelung" – ein Geburtsbericht

Hausgeburt bei „ET+3 Regelung“ – ein Geburtsbericht

Verenas dritte Geburt begann mit Wut und Sorgen. Sie freute sich auf eine Hausgeburt und hatte alles dafür vorbereitet. Da sie mit ihrem Baby aber über den Errechneten Termin ging, galt für sie die sogenannte ET+3 Regelung. Die Überschreitung des Geburtstermins gilt als mögliches Ausschlusskriterium für eine außerklinische Geburt. Verena hatte daher große Angst um ihre Hausgeburt und einige Tage Kopfkino, bevor es dann endlich los und – ich spoiler jetzt mal ein bisschen – auch alles gut ging. Sie schrieb mir:

„Liebe Jana, so gerne lese ich deine Geburtsberichte. Meinen bekommst du frisch aus dem Wochenbett, das ich äußerst vorbildlich einhalte.

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind in unserer Gesellschaft zu Ereignissen geworden, die man möglichst gut organisieren sollte (ähnlich wie man das mit einer Hochzeit macht) damit man selbst Regisseur bleibt, und nicht plötzlich nur noch Statist oder gar zur Requisite des medizinischen Apparats mutiert.
In dieser Schwangerschaft habe ich die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man plötzlich in die Mühlen des Regelwerks fällt. Daher mein Rat an die Frauen da draußen:
Wer noch die Möglichkeit hat eine Hebamme zu finden, sollte dies möglichst früh machen. Hebammenbetreuung in der Schwangerschaft ist genial!
Bei der Wahl der Gynäkologen solltet ihr ebenso drauf achten, dass ihr jemanden findet, der eure Wüsche akzeptiert und ernst nimmt.
Ich hatte ganz naiv gedacht, das wäre keine Hexerei, und hatte dann ein Theater an der Backe, das mich nicht nur viele Nerven, sondern auch Kraft gekostet hat!

Du, Schwangere, bist IMMER nur DIR SELBST verpflichtet! Finde dich, höre auf dein Bauchgefühl – dein Bauch hat immer Recht! Niemand ist kompetenter als du, denn nur du steckst in deinem Körper.

Liebe Grüße, und viel Freude beim Lesen…“

Und die wünsche ich euch jetzt auch. Hier kommt Verenas Geburtsbericht, wie immer mit kleinen Anmerkungen von mir in lila:

Dies ist die Geburtsreise von Mattis ♥

Vorgeplänkel

Seit Weihnachten begleiteten mich immer wieder wilde Wehen… oder Senkwehen…. oder was weiß ich… Meine Gebärmutter war in dieser Zeit wahnsinnig aktiv. Da ich bei meinen ersten beiden Kindern nie „Vorzeichen“ hatte, verunsicherte mich das. Mitte Januar zwei Mal falscher Alarm.
Der Monat ging ins Land, und nichts. Ende Januar hörte der Spuk auch plötzlich auf. Die Ruhe vor dem Sturm?

ET + Regelung… und was nun?

Da ich eine Hausgeburt geplant hatte, sollte ich am Errechneten Termin den Vorsorgetermin für ET+3 ausmachen.

Die ET+3 Regelung wird von „Motherhood e.V.“ hier folgendermaßen erklärt:
„Bei ET+3 handelt es sich um ein sogenanntes relatives Ausschlusskriterium.
Liegt es vor, darf die Frau laut GKV-SV nicht ohne ein stattgefundenes Facharztkonsil im Beisein ihrer Hebamme zu Hause gebären. Kommt es zu einer Hausgeburt ohne Facharztkonsil, so begeht die Hebamme einen Vertragsverstoß und muss mit einer Vertragsstrafe sowie ggf. dem Ausschluss aus dem Vertrag mit den Krankenkassen rechnen.“
Der Deutsche Hebammenverband ergänzt:
„Die relativen Ausschlusskriterien bedeuten, dass die Risikoeinschätzung des Facharztes diese Ausschlusskriterien außer Kraft setzen kann. Wenn ein Facharzttermin stattgefunden hat und dort festgestellt wurde, dass kein Risiko vorliegt, dann ist die Geburt im häuslichen Umfeld kein Ausschluss mehr.“

Seit der 10.SSW war ich in reiner Hebammenbetreuung, denn meine Gynäkologin verweigerte mir die Untersuchung, da sie die außerklinische Geburt nicht unterstützen wolle. Die gesamte Praxis mit acht Gyns versagte mir die Vorsorge!
Wo sollte ich nun einen Gyn finden, der mich so kurzfristig annimmt?

ET+1

Noch zwei Tage bis zur Untersuchung, falls das Baby bis dahin nicht da ist. Zeit, sich darum zu kümmern.
In meiner Wut und Hilflosigkeit, postete ich meine Situation auf Facebook. Nach ein paar bangen Stunden bekam ich eine Nachricht von einer Gyn-Arzthelferin, die die Situation unerhört fand, und mit ihrer Ärztin sprechen wollte. Ich sollte die Geburt bekommen, die ich mir wünsche.

Gynäkologin gefunden – aber was genau soll sie untersuchen? Die Hebamme hatte gemeint, nur eine Vorsorge…
Die Hausgeburt ist mir wichtig. Ich will sie nicht gefährden. Ich rufe bei meiner Krankenkasse an und frage nach, welche Auflagen ganz konkret zu erfüllen seien.
Die Krankenkasse heißt „Hase“ und weiß von nichts – ich könnte platzen! Also frage ich beim GKV-Spitzenverband nach, denen ich und all die anderen Hausgeburtsfrauen diesen Mist ja überhaupt zu verdanken haben… Die Dame aus der Fachabteilung ist zickig. Ich fühle mich schikaniert. Im Übrigen kann sie mir auch nicht konkret sagen, welche Untersuchung gemacht werden soll.

Die Untersuchung entspricht einer Schwangerschaftsvorsorge. Üblich ist: Messen der Vitalwerte, Urin-Stix, ein CTG und eine Ultraschalluntersuchung zur Gewichtsschätzung des Kindes und um die Fruchtwassermenge festzustellen. Ob zusätzlich eine vaginale Untersuchung, eine Blutentnahme oder ein Doppler-Ultraschall gemacht werden, obliegt dem Ermessen und den technischen Möglichkeiten des Gynäkologen.

ET+2

Am Abend bekomme ich einen Heulkrampf. Ich habe plötzlich Angst vor der Untersuchung am nächsten Tag. Ich habe keine Ahnung was das für eine Gynäkologin sein wird. Ich will nicht in aller Herrgottsfrühe aus dem Haus. Ich will gar nicht aus dem Haus. Nicht jetzt! Ich will in meinem Nest bleiben, verdammt! Ich habe das Gefühl, mein Kind würde gerne kommen, und all der Ärger ist uns im Weg.
Ich bin auch wütend, dass es nicht losgeht und ich am nächsten Tag da hin muss. Gleichzeitig fühle ich mich schrecklich deswegen. Wie kann ich nur wegen sowas dummem ärgerlich auf mein Baby sein, dass es mich nicht „erlöst“.
Und dann, das schlimmste Gefühl von allen: Die „Nötigung“ zur Untersuchung. Sie triggert alte Wunden. Ich fühle mich schier vergewaltigt. Mir ist schlecht. Plötzlich habe ich Angst davor gegen meinen Willen eine vaginale Untersuchung zulassen zu müssen. Ich weiß nicht, ob es Konsequenzen für die Hausgeburt hat, wenn die Ärztin eine vaginale Untersuchung machen will, und ich diese ablehne. Die ganze Vorsorge ET+3 ist ja ganz „freiwillig“ – nur, wenn du sie nicht machst, kannst du halt nicht mit Hebamme zu Hause gebären. Folge: Krankenhaus oder Alleingeburt. Panik!
Ich kann mich schließlich langsam wieder beruhigen, als mein Mann mir verspricht, dass er mitkommt, und „auf mich aufpasst“.

ET+3

Die Nacht war grausam. So schlecht habe ich zuletzt vor der Matura geschlafen.
…und dann kommt alles ganz anders: Wider Erwarten ist die Untersuchung ein Spaziergang. Die Ärztin ist sehr nett. Dass ich in Hebammenbetreuung bin, findet sie super: „Jeder Frau die Geburt, die sie sich wünscht!“.
Das Drama mit der anderen Praxis kann sie in keinster Weise nachvollziehen. Wir machen nur einen Ultraschall und „fürs Protokoll“ ein CTG, weil das sonst auch üblich wäre. Dass das CTG ein paarmal Alarm auslöst, findet sie kein bisschen besorgniserregend – „bei der ganzen Aufregung…“
Wir gehen nach Hause.
Langsam fällt der Stress von mir ab. Erleichterung. Der Hausgeburt steht nun nichts mehr im Weg.

Die Geburt kündigt sich an und führt zum Endspurt beim Nestbau

Die nächsten Tage bleibt es ruhig. Wir brauchen Zeit, bis wir uns von dem Ärger erholt haben, der auch eine Menge Energie gekostet hat.

Am 12.2. dann endlich! Erste, zaghafte Wehen. Zu Mittag bin ich mir sicher, das könnte noch was werden. Nach dem Essen fällt mir der Wäschekorb auf… und „Oh, Gott! Da grinst mich schon der Lurch aus der Ecke an!“ Wir müssen vorher unbedingt noch staubsaugen!!
Der Kühlschrank ist ausgerechnet heute auch leer. Mit gemischten Gefühlen schicke ich meinen Mann einkaufen. Er soll sich beeilen – mein Zweites kam damals ohne ein Vorzeichen binnen zwei Stunden. Ich will nicht allein sein!
Inzwischen flitze ich durch die Wohnung und räume den Rest auf, falte Wäsche… warne meine Doula vor, und spreche mit der Hebamme.

Um 15:00 Uhr kommt sie vorbei. Muttermund wie immer. Und dann auch noch das: Die Wellen ziehen sich zurück. Ich bin enttäuscht. Wieder nichts.
Die Hebamme tröstet mich, es muss nichts heißen. Sie verabschiedet sich mit einem Augenzwinkern: „Vielleicht bis später!“
Ich falte die Wäsche fertig. Wir bringen die Wohnung sicherheitshalber in „Geburtsposition“ – es darf, wenn es nur will. Heute hab ich nach dem Abendessen keine Lust mehr auf Fernsehen… Falls es doch losgehen sollte, will ich fit sein. Ich bin müde, lege mich schlafen. Es ist circa 20:00 Uhr.

Es geht los – wie schön!

Langsam wache ich auf. Schon im Dämmerzustand arbeite ich an zwei (?) Wellen. Noch bevor ich weiß wer ich bin und was los ist, wuchte ich meinen Seelöwen-Körper in den Vierfüßler… irgendwas ist merkwürdig.
Ich brauche eine Weile um zu mir zu kommen. Gehe aufs Klo. Dann lasse ich mal Wasser in die Badewanne… hole Kerzen… da wird mir auch schon klar, den Badewannentest brauche ich nicht. Es hat begonnen! Ich bin entzückt.
Ich wecke meinen Mann. Er soll unser Geburtsteam zusammentrommeln. Es ist irgendwas um 23:00 Uhr oder so. Telefonieren kann ich nicht – mein Gehirn folgt mir nicht mehr. Formulieren ist fast unmöglich. Ich lache in mich hinein… mein Neokortex hat sich verabschiedet: Hurraaa! Ich bin da wo ich sein will!
Zwischen den Wehen richten wir gemeinsam das Wohnzimmer her. Füllen den Pool*, sorgen für gedimmtes Licht und Kerzen, Musik… kuscheln, küssen, freuen uns, dass es soweit ist. Das Meiste macht mein Mann… wie gesagt, mein Gehirn hat schon andere Sphären erreicht…
Langsam trudelt auch das Team ein. Die Hebamme, meine Doula, und meine Freundin. Ich bin schon sehr am Wehen-Veratmen, aber dazwischen begrüße ich freudig meine Wegbegleiterinnen und übernehme die große Dose aus den Händen meiner Doula voll Freude: ihre berühmten und absolut unübertreffbaren Energiekugeln!

Wehendunst

Ab hier beginnen meine Erinnerungen zu schwinden, oder liegen im Oxytocin-Nebel verborgen. Mal sehen woran ich mich erinnern kann…

Ich veratme die Wehen, halte mich dabei am Stuhl fest, stehe oder hocke, sie sind schon sehr heftig. In den Pausen unterhalten wir uns, lachen… Die Doula holt ein Geburtsöl aus der Tasche. Ich kreise mein Becken auf dem Ball sitzend. Ihre warmen Hände und der Duft vom Öl sind wundervoll in der Wehenpause. Während den Wehen darf mich niemand anfassen. Ich kann nur stehen oder hocken.

Irgendwann fragt mich die Hebamme, ob ich schon in der Wanne war. Ich lache und sage, dass ich die wohl umsonst eingelassen habe. Noch hätte ich auch keine Lust auf Wasser. Es folgt ein kurzes „Fach-Intermezzo“ über den richtigen Zeitpunkt ins Wasser zu gehen. Meine Hebamme vertraut ganz auf meinen Instinkt.

(M)eine kleine Doula

Dann ist meine Jüngste wach geworden. Schüchtern und verschlafen linst sie zur Tür herein. Nach einer Weile traut sie sich näher. Staunt, was die Mama da macht? Ein paar Wehen später denke ich, jetzt könnte ich mal den Pool ausprobieren. Wow! Sooo angenehm! Ich komme prima mit den Wehen klar. Sie sind im Wasser irgendwie anders, aber nicht schwächer – im Gegenteil. Sie nehmen an Intensität zu und die Intervalle werden kürzer (sagt jedenfalls die Hebamme). Auch die Kleine will ins Wasser. Sie macht sich prima als Doula. Schöpft der Mama Wasser auf den Rücken oder massiert. Ich töne… bekomme nicht mehr mit, wann sie wieder aus dem Pool geklettert ist.

Voller Liebe(s-Hormon)

Ich werde von allen verwöhnt. Während mir alle abwechselnd Wasser auf den Rücken schöpfen, werde ich mit Energiekugeln gefüttert, massiert, bekomme kühle Tücher für Kopf und Nacken… ich weiß gar nicht genau wer was macht. Bin zu weit weg. Immer wieder ist auch mein Mann bei mir, ich halte mich an ihm fest, wir küssen, oder ich vergrabe meinen Kopf an seiner Schulter oder Brust.

Bei einem äußerst liebevollen Kuss, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Es ist das Liebes- oder auch Bindungshormon, denn es hemmt Schmerzen, steigert das Wohlbefinden, entspannt und ruft Glücksgefühle hervor. Wie das genau funktioniert habe ich hier schon mal ausführlich beschrieben.

Dass ich im Oxytocin-Rausch bin, merke ich deutlich, als ich beinahe die Hebamme küssen will… irgendwas in mir zieht den „Not-Stop“… verdutzt bin ich kurz bei Sinnen, stelle fest, dass das gar nicht mein Mann ist, sondern meine liebe Hebamme! Wir lachen alle und ich muss schon sehr schmunzeln… dann versinke ich wieder irgendwo im Geburtsnirwana.

Wünsche

Jetzt ist auch der Große wach. Er ist sehr aufgeregt. Knabbert an einem Apfel und beobachtet mich genau. Irgendwann denke ich, jetzt hab ich lange genug geweht… langsam könnten wir zum nächsten Akt kommen… Ich glaube es ist 2:30 Uhr oder so.

Ich hatte mir zwar eine etwas langsamere Geburt als bei der Jüngsten gewünscht, den Wunsch aber offensichtlich etwas unklar formuliert. Ich nehme mir vor: spätestens zu Mittag, soll das Baby da sein!

Ich töne weiter. Ab und zu hab ich schon ein bisschen das Gefühl (oder doch nur Einbildung?), dass ich auch etwas drücken will. Daher taste ich mal nach dem Muttermund, aber leider komme ich gar nicht richtig dran. Die Hebamme fragt mich, ob ich mal aus dem Wasser kommen mag? Ich erinnere mich, dass man nach einer gewissen Zeit „an Land“ kommen soll. Ich würde gerne auch mal wieder meine Beine ein bisschen ausstrecken – das geht im Pool schon, aber nur wirklich gut, wenn ich am Rücken „liege“ bzw. sitze – und unter den Wehen kann ich das gar nicht aushalten.

Ich habe „als Regel“ gelernt, dass die Gebärende nach drei bis vier Stunden eine Wannenpause einlegen soll. Meistens mag aber eh niemand so lange baden.

Trotz der Unterstützung des Wassers empfinde ich den Positionswechsel von sitzen zu knien beim Anrollen der Wehen als sehr mühsam und schmerzhaft. Es bringt mich zu sehr aus dem Rhythmus. Also bleibe ich lieber aufrecht, hänge zwischen den Wehen am Poolrand herum – auf Dauer ist es aber doch unangenehm für die Beine.
Also raus aus dem Wasser und ein bisschen stehen. In den Pausen sitze ich am Geburtshocker. Hier drauf würde ich nicht gebären wollen, stelle ich für mich fest.

Talsohle

Ich bin aufgekratzt, und weil ich mir sicher bin, dass ich jetzt schon sicher bei etwa 8 cm sein müsste, bitte ich die Hebamme doch mal „nachzusehen“. Sie warnt mich, dass ich nicht enttäuscht sein sollte, falls es nicht das ist, was ich mir erwarte. „Ja, ja… ich weiß… mach schon“, ich will es unbedingt wissen. Und wie könnte es anders sein? Ungeduld wird zwangsläufig bestraft. Es folgt der Tiefpunkt. Der Muttermund ist sehr weit hinten und vielleicht bei 4 oder 6 cm, da sie aber nicht gut hinkommt und mir nicht unnötig noch mehr wehtun will, lässt sie es lieber. Ich bin enttäuscht. Demoralisiert.

Langsam bin ich müde, habe keine Lust mehr. Schlafen wäre jetzt schön! Ich krabble auf die Matratze neben dem Pool, kuschle mich in die Arme meines Mannes, und versuche ein bisschen zu schlafen. Die Wehen ebben ab – wie schön! Ein bisschen Pause!

Manchmal holt sich der Körper durch eine Pause – mitten unter der Geburt – noch ein bisschen mehr Kraft für den Endspurt. Besonders dann, wenn eine Geburt stagniert, kann ein Powernap also richtig gut sein.

Irgendwann kehren sie wieder. Ich hätte gerne noch etwas länger geruht. Meine Hebamme lädt mich zu einem Einlauf ein. „Hurraaa! Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen!“ *Ironie off* aber wenn es etwas nützt, dann wollen wir es versuchen. Es folgt also der Einlauf: Spaß ist etwas anderes ;-) Danach fühle ich mich aber wundersam erleichtert. Auch wieder etwas frischer und „wacher“, wenn man so will.

Ein Einlauf ist vor allem sinnvoll, wenn die Gebärende an dem Tag noch keinen Stuhlgang hatte. Bei vielen Frauen beginnt die Geburt ja sowieso mit einer Darmentleerung.
Der Einlauf kann dazu beitragen, dass die Wehentätigkeit stärker wird. Da Darm und Uterus aneinander liegen, animieren die Kontraktionen des Darmes die Gebärmutter ebenfalls zu mehr Bewegung. Und es schafft ein bisschen Platz im kleinen Becken.

Ich klettere wieder in den Pool.
Die Wehen sind noch nicht wieder zu ihrer eigentlichen Intensität zurückgekehrt, das finde ich gerade sehr schön. Da kommt meine Hebamme mit einem Fläschchen und lässt mich daran riechen. „Riecht gut“, meine ich. Zum Wehen anregen ein paar Tropfen Eisenkraut ins Poolwasser. Ich protestiere ein bisschen – ich mag keine Wehen mehr, mir ist mehr nach relaxt im Wasser „floaten“… aber ja, ich kann jetzt nicht weglaufen, und früher oder später… will das Baby ja geboren werden. Mist! Und bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht habe, kommen sie schon angerollt. Groß, mächtig… und dann: Stille.
Ach wie schön, jetzt darf ich doch nochmal ein bisschen „floaten“… ich schlafe ein. Es kommt mir vor, wie ein richtig langer, guter, tiefer Schlaf.

Das ist mit ein Grund, warum Frauen unter Wehen nicht alleine in der Wanne sein sollten. Hin und wieder rauscht der Kreislauf ab oder es schläft sich in der Wehenpause einfach nur so schön. Da ist es gut, wenn liebe Menschen ein bisschen auf einen aufpassen.
In der Klinik dürfen Entspannungsbäder überhaupt nur dann stattfinden, wenn eine Begleitperson sicher dabei bleibt. Denn die Hebamme kann ja im Kreißsaal keine durchgehende Anwesenheit garantieren.

Die Geburt – ein Rausch

Mein Körper weckt mich. Weiter geht’s! Ich bin neugierig, was sich getan hat, taste nach meinem Muttermund. Es ist fantastisch! Ich spüre die Öffnung. Vorne eine Lippe… egal. Ich spüre die seidig glatte Oberfläche der Fruchtblase und gleich dahinter den harten Kopf. Es berauscht mich und gleichzeitig muss ich drücken. Ich spüre den Druck auf den Muttermund und lege meine Finger an die Lippe, versuche sie vorsichtig wegzuschieben.
Mit jeder Druckwelle spüre ich das Köpfchen sich meinen Fingern nähern… so schön! Und dann! JA! Endlich. Das Köpfchen tritt ins Becken ein!
Es ist ein mächtiges Gefühl und doch so schön. Die Wellen kommen so schnell hintereinander und mit solcher Wucht, dass ich alle Kontrolle über meine Gliedmaßen verliere – nur meine beiden Finger bleiben am Köpfchen und begleiten es den ganzen Weg durch das Becken.
Es drückt unglaublich! Ich glaube ich muss mindestens platzen, so sehr füllt mich dieses kleine Wesen aus. Es geht so schnell und mit solcher Macht kommen die Wellen… ich bin hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, dass es etwas langsamer gehen möge, damit ich mehr fühlen kann und gleichzeitig dem Wunsch, dass das Wesen schnell schlüpfen möge, weil ich nicht weiß, wie lange ich diesem mächtigen Druck noch standhalten kann.
Ehe ich den Gedanken nur erahnen kann, ist schon die nächste mächtige Welle da und die nächste kommt schon im Schlepptau. Ich versuche mit meinen Fingern ein bisschen zu bremsen, habe kurz Angst vor dem „Ring of Fire“ – aber die Natur ist mächtig. Keiner kann das Leben aufhalten, zwei Wellen, wie eine, und schon schwimmt uns unser Baby in die Arme.

Willkommen!

Es ist 5:22 Uhr. Ich hebe es aus dem Wasser. Bin so froh, dass es nun da ist! Jaaa! Geschafft! Erleichterung…
Denkste! Die Wucht der nächsten Wehe trifft mich unvorbereitet. Ähm?! Wie, noch nicht vorbei?! Ach ja, da war noch was… die Plazenta will auch noch geboren werden. Uff, wie gemein! Meine Gebärmutter kann noch nicht ausruhen… Ich veratme tapfer, mit meinem Baby auf der Brust und dann fällt mir ein:
„Hey, ich weiß ja noch gar nicht, ob du nun wirklich ein ER bist oder vielleicht doch eine SIE?“ Ich schaue schnell nach, bevor mich die nächste Welle packt. WOW! Bei allen drei Kindern war mein Instinkt unschlagbar! Es ist ein Junge! Willkommen auf dieser Welt, kleiner Mattis!!
Und dann ist auch die Plazenta geboren. Riesig und schwer scheint sie. Wir müssen die Schüssel festhalten, sie will nicht schwimmen. Mit der Geburt der Plazenta beruhigt sich auch meine Gebärmutter. Die Nachwehen haben zwar auch Schmackes, aber im Verhältnis ist das erst mal richtig entspannend.

Happy Birthday!

Inzwischen hat meine Doula die Kinder geweckt. Irgendwann im Verlauf der letzten Stunden hatte sie sich mit ihnen zurückgezogen und bald waren sie eingeschlafen. Alle stehen sie um uns herum, meine Freundin macht Fotos, alle bestaunen wir das Wunder Leben auf meiner Brust.
Der Große stimmt „Happy Birthday“ an. Welch wunderbare Idee. Wir singen „Happy Birthday“ und „Viel Glück und viel Segen“, und heißen den neuen Weltenbürger willkommen.

Es ist ein Tag vor St. Valentin und Mattis begrüßt uns mit einer herzförmigen Plazenta <3

ET+3 Regelung: Plazenta nach einer Hausgeburt

Dann beginnt mein Wochenbett mit einem Nutella-Erdnussbutterbrot und einem wohlverdienten Gläschen Sekt… oder zwei… ;)

Liebe Verena, vielen Dank für Deinen schönen Bericht.
Verena ist übrigens selbst Doula. Auf ihrer Seite Birth Doula Nürnberg, könnt ihr beispielsweise erfahren, wie ihr von einer Doulabegleitung profitiert.

Kleiner Nachtrag zur ET+3 Regelung

Inzwischen gibt es die ET+3 Regelung ja schon eine Weile. Und leider muss ich sagen, dass Verena nicht die Einzige ist, der sie Kopfschmerzen bereitet hat. Ähnliche Geschichten bekomme ich recht häufig zu hören. Und auch wenn jede ein bisschen anders ist, gleichen sie sich in einem Punkt: Die Frauen fürchten sich davor, dass ihnen die außerklinische Geburt kurzfristig verboten wird. Für eine entspannte Grundhaltung im Vorfeld der Geburt ist das natürlich kontraproduktiv.

Zur kleinen Beruhigung oder Unterstützung kann ich aber beitragen, dass es in Paragraph 9 des Kriterienkatalogs der Qualitätsvereinbarungen der GKV heißt:

„Die Wünsche der Versicherten sind bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen sowie die Patientenrechte zu wahren.“

Ihr habt also durchaus immer noch ein Mitspracherecht.

Gibt es unter euch Frauen, die schon ähnliche oder vielleicht ganz andere Erfahrungen mit dieser Regelung gemacht haben? Stand es bei euch schon auf Messers Schneide? Wie hat es sich gelöst? Oder gab es gar ein Verbot?
Ich würde mich freuen, wenn ihr in den Kommentaren davon berichten mögt.

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23 Kommentare
  1. Simone
    Simone sagte:

    Liebe Jana. Ich würde ja gerne noch ergänzen wollen, dass bei fehlendem
    ärztlichem Konsil bei ET+3 niemals zur Diskussion steht, dass wir Hebammen die Geburt nicht durchführen dürfen. Die Geburt darf selbstverständlich mit der Hebamme zu Hause stattfinden sie darf von der Hebamme „lediglich“ nicht mit der Kasse abgerechnet werden.
    Die Familie müsste die Geburt dann leider als IGeL Leistung Selbst zahlen und kann die Rehnung dann bei der Kasse einreichen. Einige Frauen haben so die Geburt trotz Ausschlusskriterium dann schon bezahlt bekommen. Kurios….

    Natürlich sind die Ausschlusskriterien nach wie vor absolut indiskutabel und ich bin froh, dass der Hebammenverband sich für die Klage dagegen entschieden hat aber es ist nicht richtig, dass die Geburt bei Ausschlusskriterien von uns Hebammen nicht durchgeführt werden darf. Immerhin….

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Liebe Simone, vielen Dank für diese wichtige Ergänzung!
      Ich glaube hier gibt es insgesamt noch einiges an Aufklärungspotential. Wie ist das denn nun mit den Konsequenzen?: Gibt es ein Strafgeld?/Einen Ausschluss aus dem Vertrag mit den Kassen…
      Die Informationen sind – finde ich – sehr unklar.
      Trotzdem Danke <3
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
    • Sophie (Kinder haben ...und glücklich leben!)
      Sophie (Kinder haben ...und glücklich leben!) sagte:

      Das ist leider so nicht ganz richtig. Auf Nachfrage der Journalistin Michaela Skott gab der GKV-SV folgende Auskunft:

      „Erfolgt die Entbindung mit Hilfe der freiberuflichen Hebamme im häuslichen Umfeld trotz eines pathologischen Facharztbefundes oder dem Fehlen des notwendigen Konzils bei Überschreitung, ist dies ein Vertragsverstoß der freiberuflichen Hebamme nach § 15 des Vertrages zur Hebammenhilfe.
      Ist dieser Verstoß nachweisbar, kann der GKV-Spitzenverband nach § 15 des Vertrages wegen des Vertragsverstoßes gegen die Hebamme vorgehen. Daneben haben auch die einzelnen Krankenkassen ein Prüfrecht. Ergibt sich zusätzlich ein Schadensfall, wird dann geprüft, ob beispielsweise grobe Fahrlässigkeit vorliegt und ob die Krankenkassen sich die Kosten vom Verursacher erstatten lassen können.“

      Aktuell gibt es keine Erfahrungswerte, was tatsächlich passiert, wenn eine Hebamme trotz negativem Facharztkonsil eine Hausgeburt durchführt. Um Geld scheint es dem GKV-SV dabei aber nicht zu gehen. Es scheint bisher auch keinen Fall zu geben, in dem sich die Krankenkassen geweigert hätten, die HG zu bezahlen. Kritisch wird es vermutlich eh nur im Schadensfall. Welche Krankenkasse stellt schon Fragen, wenn alles gut gegangen ist? Es ist aber in jedem Fall zu einfach gedacht, sich nur um die Kostenübernahme Sorgen zu machen, das zeigt die Antwort des GKV-SV deutlich.

      Antworten
  2. Myriam
    Myriam sagte:

    Ich habe schon nach der ersten Vorsorge die Gynäkologin gewechselt, da sich diese strikt gegen eine Vorsorge im Wechsel mit meiner Hebamme geweigert hat. Die neue hat dagegen den Ruf, sehr Hebammen-freundlich zu sein (die Praxis ist in Berlin Nähe Pasedagplatz, falls du sie auch kennst). Daher mache ich mir wenig Sorgen, dass ich von Seiten der Frauenärztin eine Einmischung in meine Geburtswünsche erfahre.
    Meine Hebamme hat mir aber erzählt, dass sie in ihrer Praxisgemeinschaft mittlerweile alle Frauen, die außerklinisch entbinden wollen, also Haus- und Praxisgeburten, an ET+3 zum Gynäkologen schicken. Es passiert wohl auch sehr häufig, dass diese schon bei wenig aussagekräftigen Anzeichen wie ein geschätztes Gewicht von über 4000g keiner Hausgeburt mehr zustimmen. Es wird dann eine Überweisung ans Krankenhaus geschrieben, wo die Frauen nochmal untersucht werden und üblicherweise doch wieder das „go“ für die außerklinische Geburt bekommen. Also, wie ich es verstanden habe, mehr Stress die Frau, aber nicht unbedingt das Aus für die Traumgeburt.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Das stimmt, nur ist es ein bisschen verrückt. Die ganze Schwangerschaft kann ja theoretisch allein von einer Hebamme betreut werden. Und mit einem bestimmten Datum endet plötzlich diese Kompetenz? Wird dann aber durch die „Absegnung“ fortgesetzt? Was denn nun? Das ist die reinste Willkür!

      Antworten
  3. Sophie (Kinder haben ...und glücklich leben!)
    Sophie (Kinder haben ...und glücklich leben!) sagte:

    Toller Bericht! Und danke für die vielen Hintergrundinfos zu ET+3. Es ist einfach eine Unverschämtheit, wie respektlos mit werdenden Müttern umgegangen wird – seitens der Krankenkassen und auch seitens mancher Ärzte.

    Sollte ich mal ein zweites Kind kriegen, werde ich wohl wieder zu meinem alten Arzt in meiner Heimatstadt fahren, da weiß ich, dass er sehr tolerant ist und die Wünsche seiner Patientinnen achtet. Oft ist es aber gar nicht leicht, so jemanden zu finden. An meinem Wohnort (Großstadt) haben alle guten Gyns Aufnahmestopp. Da muss man dann schon hartnäckig sein, um da noch reinzukommen.

    Absurd auch, dass der zickige GKV-SV immer noch keine klaren Auskünfte zur ET+3-Untersuchung geben kann. Wer die Regeln macht, sollte sie doch auch erklären können, oder nicht?

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Danke! <3

      Ich drücke dir und allen anderen Frauen, die zukünftig Hausgeburten anstreben die Daumen, dass es dann noch die Strukturen gibt, die es braucht: Ärzte, die Hausgeburten positiv gegenüber stehen, Hebammen, die freiberuflich arbeiten und Kliniken, die genug Personal vorhalten um auch abgebrochene Hausgeburten umsichtig und einfühlsam aufzufangen und zu betreuen.

      Zu dem dritten Punkt sag ich jetzt mal nix. Da hab ich ja auch schon eigene, unglaubliche Erfahrungen gemacht...

      Antworten
  4. kiddelfee
    kiddelfee sagte:

    Ich habe zwar weder vom Hebammenberuf noch von Hausgeburten eine Ahnung, frage mich aber wieder einmal, wie das früher wohl funktioniert hat, als alle Frauen noch zuhause entbunden haben. Der ET ist doch eh nur ein Schätzwert, von der Messgenauigkeit eines Arztes und der Qualität des US-Bildes abhängig. Da kann jeder was anderes sagen. Und die Hebamme hat manchmal mehr Wissen als ein Gynäkologe, weil der Beruf einfach älter ist. Warum sollte das sich nach einem Datum richten? Funktioniert eine Geburt ab ET+3 anders?

    Ich finde es auch dreist, dass manche Gyns wohl sagen „Sie wollen eine Hausgeburt? Dann suchen Sie sich einen anderen Arzt!“ Hallo!? Das geht in meinen Augen ja gar nicht! Dürfen die das überhaupt?

    Antworten
  5. Anja
    Anja sagte:

    Es gibt ganz tolle Frauenärzte, die auch sehr gut mit Hebammen zusammenarbeiten. Hier sollte die Zusammenarbeit intensiviert werden, damit niemand kurz vor knapp in Bedrängnis kommt wegen dieser ET+3-Regelung. Ich hab diesmal ET+12 entbunden und mein Frauenarzt hat bei ET+9 noch mal schnell den ET um 6 Tage nach hinten gelegt, damit ich da entspannt sein kann. Also, sucht euch frühzeitig einen Gyn, der hebammenfreundlich ist!!

    Antworten
  6. Wiebke
    Wiebke sagte:

    Ich hatte ähnlichen Stress vor meiner Geburtshaus-Geburt. Wobei ich mir garnicht sicher bin, ob die 3-Tage-Regel da auch gilt… Mein Gyn hat den letzten Termin am ET gemacht und auf meine Frage, was passiert wenn ich drei Tage drüber bin kam: wir betreuen nur bis ET, danach wenden Sie sich bitte ans Krankenhaus. Das hat mich dann doch ziemlich irritiert..da ist man dann davon abhängig, ob der diensthabende Arzt grad hebammenfreundlich ist oder nicht?
    Ich hatte mich bei meinem Arzt eigentlich gut aufgehoben gefühlt, Vorsorge abwechseld mit der Hebamme, kein Reingerede bei meiner Entscheidung fürs Geburtshaus. Ich bin nur früher nie auf die Idee gekommen zu fragen, weil Kind 1 sehr weit vor ET gekommen war…auf jeden Fall hat es mich ziemlich verunsichert. Letzten Endes kam das Kind an ET+2 und dadurch blieb mir zusätzlicher Stress erspart :)

    Antworten
  7. Lara
    Lara sagte:

    Vorab erstmal: Schöner Geburtsbericht das klingt alles sooo entspannt :-)

    Dann zur Et+3 Regelung: Ich hab immer mehr das Gefühl das hebammen die Hilfe so schwer gemacht wird.. sei es jetzt von seiten der Ärzte oder den Krankenkassen. Meine Gynäkologin ist strikt gegen Geburtshäuser und Hausgeburten und meinte indirekt wenn ich ausserhalb der Klinik entbinden möchte würde sie mich als Risikoschwangere eintragen lassen sodass mir die Wahl gar nicht möglich wäre. :( Ausserdem ist sie dagegen das ich die Hebammenvorsorge im Wechsel mit ihr mache also zu den Ultraschalluntersuchungen in die Praxis und die restlichen von der Hebamme. Ich bin sowieso schon so eingeschränkt weil es in unserer Stadt keine Hebamme mehr gibt die Hausgeburten begleitet (aufgrund der Versicherungssumme hier nochmal vielen Dank an die Krankenkassen) und das Geburtshaus in der Nachbarstadt schon aufgesucht wird sobald man einen Eisprung hatte. Hatte mich dort angemeldet als ich in der 10. Woche war was ich extremst früh finde und keinen Platz bekommen.

    Bei deiner Anmerkung mit dem Entspannungsbad musste ich kurz stutzen. Bei meinem Erstgeborenen bin ich in der 35. Woche ins Krankenhaus eingewiesen worden aufgrund einer Gestose. Wurde bis zur 37. Woche gestreckt dann eingeleitet. Nachts ist dann die Fruchtblase geplatzt und hatte auch Wehen. Hab dann ein Entspannungsbad eingelassen bekommen und war 2 stunden komplett alleine und sofern ich das noch richtig in Erinnerung habe (ist bald 5 jahre her) war nur eine weitere Schwangere im Kreissaal. Bei dem Krankenhaus lief aber vieles schief weswegen ich dort nie wieder entbinden würde.
    Leider werden einem ja Steine in den Weg gelegt wenn man von der „Norm“ abweichend gebähren möchte.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagte:

      Du hast Recht. Aber es wird nicht nur den Hebammen schwer gemacht. Vor allem wird es den Frauen schwer gemacht. Wie kann es sein, dass eine Frau auf Grund ihres Wunsches der außerklinischen Geburt nicht behandelt oder anders eingestuft wird. Wo bleiben da die Rechte der Frau? Wo ihre Selbstbestimmung? Das ist doch erpresserisch! Ich wunder mich eigentlich, warum so was hingenommen wird.

      Ich kenne allerdings auch viele Gyns, die immer zum Wohle der Frau und auch gerne und gut mit Hebammen zusammen arbeiten. Das möchte ich hier betonen.

      Das mit dem Entspannungsbad – nun ja. Wir haben das schon in der Hebammenschule vor 20Jahren so gelernt, dass man niemals eine Gebärende in der Wanne alleine lässt. Wenn man selbst die Anwesenheit nicht garantieren kann, muss man dafür sorgen, dass sich ein Angehöriger daneben setzt. Ich denke das steht auch in den Richtlinien einer jeden Klinik. Es kann einfach sein, dass einem schwindelig wird und jede Hochschwangere weiß, dass es schon ohne Schwindelgefühl und Wehen eine Herausforderung sein kann aus einer Badewanne zu steigen.

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  8. Anna
    Anna sagte:

    Schön zu lesen, dass es nicht nur mir enorm schlecht ging mit der ET+3 Regelung!

    Ich hab schon gleich zu Anfang gewusst, dass ich beim ET schummeln muss. Es weiß ja niemand wann meine letzte Periode war, also kann ich den Termin sehr wohl beinflussen. Meine Gyn (zu der ich freiwillig 2 Mal während der Schwangerschaft ging) hatte Verständnis für meine Situation und hat trotz ET Berechnung mittels Ultraschall die Festlegung des ET im Mutterpass mir und meiner Hebamme überlassen. Also hab ich den Termin 5 Tage nach hinten verlegt, weil ich irgendwie wusste, dass mein Sohn länger braucht!
    Im Nachhinein war’s leider nicht lange genug. Der Termin musste allerdings so gewählt werden, weil meine Gyn in der Woche nur zeitweilig in der Praxis war und ich bei einem ET+3 Termin am Wochenende in eine Klinik zur Untersuchung gemusst hätte (denn ET+3 ist verbindlich, keine Ausnahme weil Wochenende), was ich unbedingt vermeiden wollte!

    Im Zweifelsfall würde ich bei der nächsten Schwangerschaft gar nicht zur Gynäkologin gehen (sollte kein Vertrauensverhältnis bestehen), sondern mich einfach nur durch eine Hebamme betreuen lassen. Damit obliegt mir die Angabe zum ET komplett selbst. Der einzige Nachteil ist dabei, dass ein Kind welches früher (errechnet „zu früh“) kommt dann ggf. rechtlich nicht als Hausgeburt entbunden werden darf.

    Ich musste also trotz allem zur Gynäkologin am ET+3 und dort hatte niemand Ahnung was eigentlich untersucht werden soll. Also wurde 20 Minuten CTG geschrieben (völlig unnötig lang und irritierend für mich, meinen Partner und das Baby) und mit Ultraschall geschaut ob genügend Fruchtwasser da ist.
    Außerdem hatte meine Hebamme gesagt dass ich bei ET+7 mich in der Klinik (die ich für den Fall der Fälle ausgewählt hatte) vorstellen solle, weil die das dort so wünschen und sie als selbstständige Hebamme ein gutes Verhältnis zu den Hebammen dort aufrecht erhalten wolle. Das hat mich unsäglich gestresst! Die Vorstellung dass die mich dort bei der „Vorstellung“ nochmal alle Checks durchlaufen lassen hat mich unsäglich gestresst und mir den Schlaf geraubt.
    Ich hab mich einfach noch nicht so weit gefühlt. Das Baby musste noch nicht unbeding sofort aus mir raus, alles war gut. Aber in der Nacht vom ET+3 auf ET+4 fingen dann die Wehen an. Und nach 40 Stunden Wehen daheim wurde ich dann letzendlich doch leider in die Klinik verlegt. Ich hätte daheim weitergemacht aber meine Hebamme wollte lieber in die Klinik. Da hatte ich dann auch keine Option mehr. Hab ihr vertraut.
    War alles nicht so schön. Hätte meine Hebamme besser aussuchen müssen. Wusste schon dass es nicht hundert pro passt, aber dachte das ginge schon… hab’s voll unterschätzt. In der Klinik hatte ich dann eine super Hebamme, mit der gings dann gut vorwärts und ich konnte spontan entbinden. Allerdings auch mit verpfutschter PDA (kaum gewirkt) und Wehentropf. Am Ende hatte mein Kind dann noch eine Neugeboreneninfektion und musste auf die Intensiv verlegt werden. Albtraum!
    Zur Nachsorge hab ich mir dann eine neue Hebamme gesucht, die mich sehr lieb und achtsam betreut hat.
    Ich hoffe diese dämliche völlig willkürliche ET+3 Regelung, die unsere Selbstbestimmung enorm beschneidet, wird bald abgeschafft. Solange sie da ist, werd ich sie mit Tricks weiter versuchen zu boykottieren!
    Ich wünsche allen Frauen da draußen, die sich eine Hausgeburt wünschen Kraft, Nerven und genügend Selbstvertrauen!

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    • Dag
      Dag sagte:

      Richtig! Schummeln geht immer, habe ich auch (vorbeugend) so gemacht (und dann die Zahlen so geschrieben, dass ich sie im Notfall auch wieder „korrigieren“ kann. Ich bzw. mein Baby entscheidet den Tag der Geburt. So einfach ist das

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  9. Ute
    Ute sagte:

    Hallo zusammen, die Regelung bereitet mir auch etwas Kopfzerbrechen… Habe das Gefühl, dass unser Kleines später kommen wird, auch die Erste kam ET+6. Wir planen eine Hausgeburt. Noch dazu wäre bei uns ET+3 ein Sonntag, d.h. ich müsste in die Klinik, und nicht zu meiner Frauenärztin, die immerhin nicht offensichtlich gegen die außerklinische Geburtshilfe eingestellt ist.
    Nun meine zwei Fragen: Betrifft die Regelung auch privatversicherte Frauen (bin Lehrerin)? Oder geht es um die KV des Kindes, welche in unserem Fall eine GKV wird?
    Wisst Ihr hierzu etwas?

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  1. […] sich das Kind, dann ist eine Hausgeburt ein nicht tragbares Risiko für die Hebamme, dank der „ET+3-Regelung“, nach der ein gynäkologischer Facharzt die Unbedenklichkeit der Hausgeburt bescheinigen muss. […]

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