Hebammen-Indonesien-Abenteuer: Wie alles begann

Mein Hebammen-Indonesien-Abenteuer: Wie alles begann (1)

Ich wollte schon immer mal als Hebamme in einem anderen, fernen Land arbeiten. Bereits in der Ausbildung war das ein großer Wunsch von mir: sehen was fremde Kulturen geburtshilflich anders machen, in den Austausch kommen und voneinander lernen; das hörte sich für mich wirklich immer sehr verlockend an. Aber bis auf einen zufälligen Wochenbettbesuch im Dschungel von Costa Rica hatte ich noch nie das Glück, in einem anderen Land arbeiten zu können.

Dies ist der erste Teil einer Artikelserie über mein ganz persönliches Hebammen-Indonesien-Abenteuer im Sommer 2019.

Aus Wunsch wird Wirklichkeit

Was soll ich sagen? Es hat ein paar Jahre gedauert: Erst kamen die Kinder und irgendwie hatte ich nie das Gefühl, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Irgendwas war immer. Ich hatte den Plan sogar schon fast vergessen.
Aber dann begann ich ja im letzten Jahr das Studium für meinen Bachelor in Hebammenkunde. In der kurzen, vorlesungsfreien Zeit Anfang des Jahres reiste eine Kommilitonin nach Bali und besuchte dort das bekannte Birth Center von Robin Lim (die Bumi Sehat Foundation – dazu später mehr). Ich fand das wahnsinnig spannend. Das war der ausschlaggebende Funke zu einem Plan. Dann fand ich heraus, dass die vorlesungsfreie Zeit im Sommer ziemlich lang werden würde, und dass ich in dieser Zeit aber noch einige Arbeitsstunden leisten müsste. Denn es ist ja ein duales Studium, für das ein entsprechender Stundennachweis nötig ist.
Und plötzlich wusste ich, das ist meine Chance! Ich würde die Semesterferienzeit nutzen, um das einfach alles miteinander zu verbinden: Urlaub mit meiner Familie, den gewünschten Auslandseinsatz verwirklichen und obendrein das Einsammeln der Arbeitsstunden. Perfekt!

Es gestaltete sich dann zunächst nicht ganz so einfach wie gedacht. Denn genau so, wie es auch fast unmöglich ist, als nicht deutsche Hebamme hier in Deutschland in einem Krankenhaus mit zu arbeiten, so ist das eben auch in anderen Ländern an Bedingungen und Auflagen gebunden. Man benötigt ein Visum, eine Arbeitserlaubnis und vor allem erst einmal einen Anlaufpunkt.

Ich fand ziemlich schnell heraus, dass man in der Bumi Sehat Foundation auf Bali zwar als Doula, nicht aber als Hebamme hospitieren darf. Also suchte ich im Netz nach anderen Möglichkeiten und fand einige Organisationen, die Internships vermitteln. Eine von ihnen hatte Java in Indonesien im Angebot, so dass ich mich dort bewarb. Und nach Abgabe der nötigen Unterlagen, wie Lebenslauf, Empfehlungsschreiben einer meiner Professorinnen, Empfehlungsschreiben meiner Kreißsaalleitung und einem „Letter of motivation“, wurde ich genommen.

Indonesien ich komme – doch nicht!?

Ich war total happy und begann alles zu verschlingen, was mit Indonesien zu tun hat: die verschiedenen Religionen auf den Inseln, kulturelle Besonderheiten und die landesspezifische Geburtshilfe – hier fand ich vor allem Statistiken über eine enorm hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit.

Kurze Zeit später bekam ich eine Mail, dass die Partnerklinik auf Java die Bestimmungen verändert habe und sie könnten mich nun doch nicht vermitteln. Die Enttäuschung war riesig. Meine Familie und ich hatten ja schon Pläne gemacht erst gemeinsam nach Bali zu reisen, von wo aus ich dann weiter nach Java zu meinem Einsatzort fahren würde. Es wäre perfekt gewesen. Was nun?

Es gibt keine Zufälle

Ich schrieb Ani (eigentlich Suriani), einer Hebamme, die ich zufällig auf dem Hebammenkongress in Bremen kennen gelernt hatte. Ani kommt aus Indonesien und hat dort Midwifery studiert. Auf dem Kongress unterhielten wir uns auf Grund meiner Pläne lange und sie erzählte mir viel über ihr Heimatland. Wir tauschten unsere Kontaktdaten aus und sie bot mir an, dass ich sie jederzeit anrufen könnte, wenn ich noch weitere Fragen hätte.

Also schrieb ich ihr, dass mein Vorhaben nun doch nicht klappen würde und fragte, ob sie eine gute Idee hätte, was ich noch versuchen könnte. Sie versprach sich umzuhören. Und das tat sie. ♥ Mehr als das! Sie stellte für mich den Kontakt zu ihrem ehemaligen Unicampus in Medan auf Sumatra her, wo man sehr interessiert an einem Hebammen-Besuch aus Deutschland war.

Einladung nach Sumatra

Ich bekam also eine offizielle Einladung für einen „Kulturaustausch“, mit dem ich ein Visum beantragen konnte. Und ab da lief dann alles wie am Schnürchen: Wir buchten unseren Urlaub auf Bali und meinen Weiterflug nach Sumatra, ließen einige Impfungen über uns ergehen und suchten uns unsere erste Unterkunft. Die Uni schickte mir einen Plan, was sie sich von mir wünschten: ich sollte einige Unterrichtsstunden über Hebammenarbeit in Deutschland abhalten und würde darüber hinaus sowohl in einem Birthcenter, als auch in einem der größten Krankenhäuser Sumatras hospitieren. Das alles hörte sich machbar und spannend an.

Für einen der Vorträge sammelte ich noch Fotos von Hausgeburts- und Nachsorgetaschen, was mir Ani empfohlen hatte, da sich das wohl extrem unterscheiden würde. Wie recht sie doch behalten sollte…

Für meine Berliner Uni reichte ich noch schnell die letzten Hausarbeiten ein und dann wartete ich ungeduldig auf den 1. Juli 2019 – unseren Abflugtermin.

To be continued

Weiter geht’s mit Teil 2 der Artikelserie: Robin Lim in Bumi Sehat.
Wer Lust auf die Fotostrecke aus Indonesien hat, findet sie hier auf Instagram.

Wenn ihr Fragen habt, oder von eigenen Erfahrungen mit Auslandseinsätzen berichten möchtet, lasst mir gerne einen Kommentar da.



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4 Kommentare
  1. Shantika Dwi Yuningtyas
    Shantika Dwi Yuningtyas sagte:

    Hallo ich bin Shantika. Ich komme aus Indonesien (Yogyakarta) wohne seit 5 Jahre aber hier in Deutschland. Bin gerade auf der Suche über Wochenbett Betreuung und auf deinen Artikel gestoßen! Ich mache gerade Anerkennungspraktikum als Hebamme in Stuttgart. Ich lese weiter dein Artikel und find es sehr toll dass du es gemacht hast♡
    LG,
    Shantika

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