Brustwickel bei Husten

Winterzeit ist Erkältungszeit. Besonders Familien, die ein oder mehrere Kinder im Kindergartenalter haben, sind davon betroffen. Denn Kinder pflegen ja bekannter Weise recht engen Hand-Mund-Kontakt miteinander, so dass eine einmal eingeschleppte Erkältung jeden irgendwann streift. Ich kann mich jedenfalls kaum erinnern, dass meine Kinder in diesem Alter jemals keine laufenden Nasen gehabt hätten. Und ist das „große“ Kind betroffen, ist auch ein Säugling schnell angesteckt, von den Eltern ganz zu schweigen. Gut, wenn man sich dann mit Hausmitteln rund um die Erkältungserkrankungen auskennt.

Nase, Hals und Bronchien

Wehret den Anfängen, habe ich in den Kleinkinder-Tagen meiner Kinder gelernt, denn mein Onkel, seines Zeichens Hals-Nasen-Ohrenarzt, sagte immer: “Erst läuft die Nase, dann schmerzt der Hals und dann kommt der Husten.” Was in der Erkältungszeit – wenn dein Baby „die Nase voll“ hat – zu tun ist, habe ich hier im Blog schon einmal beschrieben. Aber was, wenn der Husten bereits eingetroffen ist? Wie man den am besten behandelt, das erklärt uns Juliane Kux im heutigen Gastartikel.

Juliane Kux – Krankenschwester & Lebensretterin

Juliane ist examinierte Krankenschwester, Ausbilderin für Erste Hilfe und lebensrettende Sofortmaßnahmen und vor allem Mutter einer zweijährigen Tochter. In ihren „Lütt & Safe“ – Kursen unterrichtet Juliane werdende Eltern, Mütter und Väter, Großeltern, Erzieher, Hebammen und Tagesmütter in Hamburg. Dabei greift sie auf eine elfjährige Berufserfahrung zurück. Es gibt bei ihr aber nicht nur reines Notfallmanagement zu lernen, sie berichtet auch von eigenen Erfahrungen als Mutter und gibt dabei Tips über Hausmittelchen weiter.

Juliane Kux – Krankenschwester & Lebensretterin

Juliane Kux – Krankenschwester & Lebensretterin

Hier kommen ihre Brustwickel-Rezepte gegen den Husten und einige hilfreiche Ideen zur Ergänzung.

Brustwickel bei Husten – Ein Gastartikel von Juliane Kux

*Brustwickel sind eine tolle und hilfreiche Möglichkeit festsitzenden Husten zu lösen und den Kindern etwas Erleichterung zu bringen. Viele Kinder genießen die Anwendung richtig. Besonders, wenn Mama oder Papa dabei noch Zeit für ein spannendes Kinderbuch hat.
Es gibt zahlreiche Zutaten, die bei festsitzendem Husten helfen. Sie haben unterschiedliche Wirkungsweisen und können je nach Erkältungserscheinungen gewählt werden. Mit den folgenden Wickeln habe ich besonders gute Erfahrungen gemacht:

  • Thymian
  • Zitrone
  • Quark
  • Zwiebel

Thymianwickel

Thymian hat die Fähigkeit, den Organismus zu wärmen und die Abwehrkräfte zu stärken. Die darin enthaltenen ätherischen Öle wirken hemmend auf das Bakterienwachstum.
So geht’s: Übergieße für solch einen Wickel zwei Teelöffel Thymiankraut mit 1⁄2 Liter kochendem Wasser. Lass den Tee zugedeckt wenige Minuten ziehen. Dann gieße das Ganze über eine Stoffwindel oder ein Küchentuch und versuche das heiße Tuch ein wenig auszuwringen. Dann vorsichtig und wenn möglich sehr warm (ACHTUNG: NICHT ZU HEISS – VERBRÜHUNGSGEFAHR!) auf die Kinderbrust legen. Darüber eine weitere Stoffschicht, z.B. ein altes Geschirrhandtuch legen und das Kind gut zudecken. Am Besten mit einer Wolldecke. Der Wickel kann so lange bleiben, wie er noch angenehm warm ist und das Kind ihn toleriert.

Zitronenwickel

Der Zitronenwickel kommt eher bei festsitzendem Husten zum Einsatz. Er ist aber auch bei Halsschmerzen als Halswickel genial. Ich würde ihn aber erst frühestens im Kleinkindalter anwenden. Bei Säuglingen kann die Zitronensäure die zarte Haut sonst sehr reizen.
So geht’s: Dafür wird eine Zitrone gewaschen und dann in dünne Scheiben geschnitten. Diese Scheiben werden in die Mitte eines Baumwolltuches (z.B. eine Stoffwindel oder eine fertige Halswickel) gelegt. Die leeren Endstücke des Tuches werden darüber geschlagen und anschließend wird etwas auf die Zitronenscheiben geklopft (z.B. mit einem Fleischklopfer), damit ein wenig Zitronensaft austreten kann. Dann kommt der Wickel auf die Brust und darüber noch ein Wolltuch. Falls das Kind ein Jucken der Haut verspüren sollte, was durch den Einsatz der Zitronen entstehen kann, muss der Wickel abgenommen werden. Ansonsten kann dieser solange dort bleiben, wie die Betroffenen dies möchten.
Abwandlung: Dasselbe kann man auch mit ausgepresstem Zitronensaft machen. Diesen in einem Topf erhitzen und eine Stoffwindel damit tränken. Das Tuch dann ein wenig auswringen und auf die Brust des Kindes legen. Auch hier wieder an die VERBRÜHUNGSGEFAHR denken, also schön warm aber nicht zu heiß verwenden!

Quarkwickel

Der Quarkwickel kommt vor allem bei Husten zum Einsatz, der gar nicht aufhören möchte. Zum Beispiel bei Kindern, die in der Nacht aufwachen und von einem unstillbaren Husten gequält werden.
So geht’s: Der Speisequark wird in die Mitte eines Geschirrtuches aufgetragen, und zwar in der Größe des zu behandelnden Bereiches. Die beiden leeren Enden werden dann darüber geschlagen. Der Wickel wird anschließend auf Zimmertemperatur erwärmt – zum Beispiel mit einer Wärmflasche oder auch kurz im Ofen – und auf die Brust gelegt. Darüber kommt ein Wollschal und das Kind wird gut zugedeckt. Der Wickel kann solange am Körper bleiben, bis das Kind dies nicht mehr möchte, also auch über Nacht.

Quark – auch als Halswickel

Quarkwickel kann man auch prima als Halswickel bei Halsweh benutzen.
So geht’s: Den Quark nicht kalt sondern raumtemperiert auf ein Baumwolltuch streichen und um den Hals des Kindes legen. Darum noch ein kleines Handtuch oder einen dünnen Schal legen. Und zum guten Schluß noch einen Wollschal um den Wickel schlingen. Das Ganze dann mind. 20 Min um lassen oder aber so lange, bis der Wickel warm und der Quark getrocknet ist.
Achtung: Das Kind bitte wegen der Strangulationsgefahr nicht mit dem Schal alleine lassen. (Lieber die Zeit zum Vorlesen nutzen.)

Quark als Halswickel

Balsam statt Wickel

Kleine Kinder mögen einen Wickel manchmal noch nicht auf der Brust haben oder halten einfach nicht ausreichend still. Dann kann man auch einfach etwas Balsam zum Einreiben von Brust und Rücken nehmen. Aufpassen sollte man jedoch bei der Wahl des Mittels. Es sollten keine starken ätherischen Öle, wie Pfefferminz oder Eukalyptus, enthalten sein. Mein absoluter Favorit ist Thymian-Myrthe-Balsam. Es ist gut verträglich und kann auch schon bei den Kleinsten angewendet werden.

Zwiebelsack inklusive Raumluftbefeuchter

Die Zwiebel wirkt antibakteriell, blutbildend, entzündungshemmend, harntreibend, krampf- und schleimlösend. Sie hilft, dank der ätherischen Öle und ihrer höheren Feuchtigkeit dabei, festsitzenden Husten oder auch Schnupfen zu verflüssigen.
So geht’s: Die Zwiebel in kleine Stücke hacken, das Geschirrtuch o. ä. etwas anfeuchten, die zerhackte Zwiebel in die Mitte des Tuches legen und ein Bündel falten. Dann an das Ende des Tuches ein Stück Band befestigen. Den gebastelten Beutel nun im Kinderzimmer aufhängen. Vorsicht: Nicht zu nahe ans Kind. Am besten über Nacht hängen lassen. Am nächsten Tag wird das Kind sich schon besser und befreiter fühlen. Kleiner Nachteil: Der Zwiebelgeruch ist nicht jedermanns Sache.

Zwiebelsack

Hausmittel versus Arztbesuch

Husten kann gänzlich harmlos sein. Hält dieses Symptom jedoch längere Zeit an oder quält das Kind sehr stark, sollte dringend ein Arzt zu Rate gezogen werden. Das gilt natürlich besonders für die ganz Kleinen.

Liebe Juliane, vielen Dank für die tollen Tips und Rezepte. Der Zwiebelsack war auch mir neu. Den werde ich bestimmt bei Gelegenheit mal ausprobieren.

Julianes Buch-Tips

Juliane hat einige Rezepte aus Büchern entnommen und verrät uns netterweise auch gleich aus welchen:

Ich möchte der Liste gerne noch Die Hebammensprechstunde von Ingeborg Stadelmann hinzufügen, denn auch dort finden sich zahlreiche Hausmittel, gerade für die ganz kleinen Kinder.

*= Dieser Artikel enthält Affiliating-Links - Wenn du sie klickst und dann etwas kaufst, erhalte ich dafür vom Händler eine klitzekleine Vergütung - Danke dafür!

Klein & sicher

Juliane bietet unter www.luettundsafe.de zu folgenden Themen Kurse in Hamburg an:

  • Kindernotfälle im Alltag
  • Erste Hilfe mit der Wiederbelebung bei Babies und Kindern
  • Präventive Tips für die Sicherheit zu Hause

Darüber hinaus gibt sie auf ihrer Facebookseite Ratschläge für die allgemeine Kindergesundheit. Wenn euch der Artikel gefallen hat, geht mal hin und gebt ihr ein Like! ;-)

Kinder-Erste-Hilfe-Kurse gibt es aber sicher auch in eurer Nähe. Zu finden sind sie über die Nachbarschaftszentren, das Rote Kreuz oder z.B. über die Kurssuche von Kidsgo.de

Und euer Elternwissen?

Einen sehr lesenswerten Artikel über stillfreundliche Hausmittel hat übrigens Susanne Mierau vor kurzem geschrieben.
Was sind eure Geheimtips bei Husten? Vielleicht kennt ihr ja noch ein altes Familienrezept, das hier komplett fehlt und ihr gerne teilen wollt…!?



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4 Kommentare
  1. Melanie
    Melanie sagt:

    Hallo Jana,

    erstmal möchte ich dir ein riesiges Lob für deinen Blog aussprechen, deine Artikel haben mich schon oft weiter gebracht oder mir diverse Ängste genommen!

    Wenn mein Sohn (20 Monate) Husten hat mache ich ihm meistens einen Kartoffelwickel, also eine warme Pellkartoffel zerdrückt in ein Baumwolltuch und dann auf die Brust legen.
    Als Hustensaft eignet sich auch super eine klein geschnittene Zwiebel die mit Honig übergossen wird. Nach 2-3 Stunden Ziehzeit kann der Saft dann gelöffelt werden. Als mein Sohn noch kein Jahr alt war habe ich das gleiche mit braunem Kandis und Zwiebel gemacht, da braucht das ganze ein bisschen länger bis der Kandis flüssig wird.
    Aktuell kuriere ich mich mit diesen Hausmittelchen selbst (35.Ssw und dick erkältet) und es hilft echt super!
    Das Thymianbalsam sowie aufgeschnittene Zwiebeln neben dem Bett finden hier auch regelmäßig Anwendung :)

    Liebe Grüße
    Melanie

    Antworten
  2. Anna
    Anna sagt:

    Mit Homig habe ich auch gute Erfahrungen gemacht. Ich versuche immer erst natürliche Hilfsmittel, bevor ich zur Medikamenten greife.

    Antworten
  3. Sina
    Sina sagt:

    Ich muss mich Melanie anschließen. Die Website ist nicht nur schön anzuschauen, sie ist auch sehr hilfreich. Ich bin keine junge Mutter, sondern mittlerweile schon Oma. Die Seite habe ich entdeckt, als meine Tochter noch schwanger war. Auch jetzt schaue ich häufig rein und freue mich über die zahlreichen Tipps und Infos rund ums Baby. Dieser Artikel hat nun auch meine Tochter überzeugt, dass man nicht gleich zu Medikamenten greifen muss und dass nicht alles verkehrt war, was wir früher gemacht haben. :-)

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