Kunsttherapie - Ein Interview mit Hannah Elsche

Schwangerschaft und Geburt mit Kunsttherapie verarbeiten

Warum Kunsttherapie? Manchmal betreue ich Schwangere, die unglaubliche Ängste vor der Geburt haben – also weit über den normalen „Bammel“ vor diesem stets unvorhersehbaren Ereignis hinaus gehend. Wir reden dann darüber. Vielleicht machen sie auch einen Geburtsvorbereitungskurs bei mir. Viele Ängste kann ich nehmen, aber manches liegt so tief, in einer unbewussten Schicht verborgen, dass eine normale Hebammenbetreuung es nicht herausarbeiten oder gar auflösen kann.
Manchmal schließe ich bei einer Familie die Wochenbettbetreuung mit dem Gedanken ab: „Ich habe alles getan, was mir möglich war, aber ich wünschte ich könnte dieser Frau noch etwas an die Hand geben, das ihr hilft, sich noch mehr mit dem Erlebten auseinander zu setzten, als das im Rahmen meiner Betreuung möglich ist.“
Natürlich gibt es Krisenintervention für ganz akute Ereignisse, oder manchmal sogar medikamentöse Behandlungen, wenn jemand wirklich total aus der Bahn gerät.

Aber um diese Art von Extremfällen geht es mir heute nicht. Ich möchte vielmehr über die sprechen, bei denen soweit alles läuft, ich in der Betreuung aber denke: „Da ist noch nicht alles verarbeitet und vielleicht ist das alleine auch zu schwer.“ Für diese Personengruppe möchte ich euch eine Behandlungsmöglichkeit vorstellen, die ich persönlich ganz toll und hilfreich finde: die Kunsttherapie.
Um euch diese Therapieform vorzustellen, habe ich mir eine Expertin organisiert: Hannah Elsche. Sie ist Kunsttherapeutin M.A. & Heilpraktikerin für Psychotherapie. „Kunsttherapie ist eine kreative Möglichkeit mit emotionalen Herausforderungen rund um Geburt und Schwangerschaft umzugehen.“ – sagt Hannah über ihr eigenes Schaffen.

Hannah habe ich über die sozialen Medien kennengelernt. Sie fiel mir auf, weil sie unglaublich engagiert ist und sich ihr Angebot vor allem an Schwangere und Menschen, die geboren haben, richtet. Hannah hat mir meine Fragen beantwortet und uns ein kleines Fallbeispiel mitgebracht.

Interview mit Hannah Elsche

Jana: Was ist eigentlich Kunsttherapie?

Hannah: Ganz grundsätzlich handelt es sich bei Kunsttherapie um die therapeutische Anwendung von Kunst. Dem künstlerischen Schaffen wird in der tiefenpsychologischen Kunsttherapie eine heilende Kraft zugesprochen, indem Klient*innen dazu befähigt werden, Einblicke in innere Vorgänge zu erhalten und sich bewussten und unbewussten Konflikten zu nähern, sie zu untersuchen und künstlerisch nach Außen zu tragen.[1]

Das künstlerische Tun steht im Mittelpunkt der Therapie. Es ist Medium, Ausdrucksmöglichkeit, dient der Sichtbarmachung, dem Perspektivwechsel, der Stärkung des Ichs, wirkt stabilisierend und kann positiven Einfluss auf die persönliche Befindlichkeit nehmen. Das kann dabei helfen, Gefühlen auf den Grund zu gehen oder mit Komplikationen umzugehen. Die Wirkung kann belebend, Halt gebend, entspannend, stärkend, Raum gebend, klärend und einfach auch lustvoll und wohltuend sein.
Das sind alles Aspekte, die vor, während und nach der Geburt eines Kindes eine Rolle spielen und dabei helfen können, die vielen neuen Herausforderungen gut zu bewältigen. So können beispielsweise bei Schwangeren die Kontaktaufnahme zu ihrem ungeborenen Kind unterstützt werden, Ängste greifbarer und dadurch kleiner werden oder bei jungen Eltern die Geschehnisse nach einer Geburt verarbeitet werden.

Jana: Wie kam es zu deinem Arbeitsschwerpunkt?

Hannah: Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, machte ich gerade meinen Abschluss in Kunsttherapie an der Kunsthochschule Weißensee. Meine damalige Hebamme erfuhr davon und fragte, ob ich schon einmal darüber nachgedacht hätte, mich auf die Themen Schwangerschaft und Geburt zu spezialisieren, weil sie die Erfahrung gemacht habe, dass Frauen in dieser Zeit von so einer Form der Therapie profitieren könnten und häufig psychoemotionale Unterstützung bräuchten.
Da ich meine eigene erste Schwangerschaft und Geburt als nicht sehr schön erlebt habe, vieles selbst zu verarbeiten hatte, die Zeit mich aber auch ungeheuer geprägt hat, begann ich mich langsam mit der Idee auseinanderzusetzen. Über meine eigene kleine Familie und meine persönlichen Erlebnisse hinaus begann ich mir Wissen anzueignen und mich auf diesen Fokus zu spezialisieren. Zugleich wurde ich sensibler dafür, wie es den Frauen um mich herum ging, was sie fühlten, was sie beschäftigte und welche Themen sie umtrieben. Ich machte die Erfahrung, dass sich sehr viele Frauen mit ihren Problemen, Sorgen oder negativen Gefühlen allein gelassen fühlten.
Mit der Schwangerschaft meines zweiten Kindes verfestigte sich die Idee, wurde ausgefeilter, klarer und der Weg schien mir vorbestimmt, so dass es nur konsequent war, mich nach der Elternzeit selbstständig zu machen.
Ich nutzte auch bewusst die Kunst in meiner zweiten Schwangerschaft selbst sehr intensiv, um meinen eigenen Ängsten besser begegnen zu können. So führte ich zu Beginn der Schwangerschaft, einer Zeit, die von einigen als sehr belastend empfunden wird, ein Maltagebuch, in dem ich mir jeden Tag ein paar Minuten Zeit nahm und ganz kurz in mich hineinhorchte, wie es mir heute ging und dazu ein kleines Resonanzbild, also einen Ausdruck für den Tag, gestaltete. Ganz nebenbei hatte das u.a. den positiven Effekt, dass ich die Schwangerschaft und das Kind auf diesem Weg für mich erfassbar und real machte. Diese Bilder gucke ich mir heute noch gerne an, obwohl ich das Tagebuch ab etwa dem 6. Monat gar nicht mehr brauchte und ich freue mich darauf, sie irgendwann einmal meinem Kind weitergeben zu können.

Jana: Wie läuft so eine Kunsttherapiesitzung ab?

Hannah: Das Setting einer Kunsttherapiesitzung sieht sowohl im Einzel- als auch im Gruppenkontext sehr ähnlich aus und auch die Abläufe sind ähnlich.
Ich sorge immer dafür, dass meine Klient*innen ein angenehmes Klima vorfinden, dass alle Materialien frei zugänglich und ansprechend bereitstehen. Ich stelle eine große Auswahl guter Materialien zur Verfügung, wie Gouache-, Aquarellfarben, Ton, Bleistift, Kohle, Öl- und Pastellkreiden, Faserstifte, Buntstifte, verschiedene Papiere etc. aus denen frei gewählt werden darf.
Zugleich gehöre ich mit meiner Expertise und meiner durchgehend wertschätzenden Haltung ebenfalls zum Setting und bin voll konzentriert bei der Sache. In einem Einzelkontakt ist das natürlich viel intensiver und hat mehr Einfluss als es meiner Rolle in einem Gruppenangebot entspricht. Dort gibt es andere Dynamiken und Interaktionen, viel mehr Austausch untereinander, auch (künstlerische) Beeinflussung, und eben auch überraschend unterstützende, anrührende Momente, die nur in diesem Setting möglich wären.
In meinen Angeboten darf alles geschehen und alles sein. Ich lege Wert darauf, dass der Ort geschützt ist. Es darf im Stehen, im Sitzen, auf dem Boden gearbeitet werden, ganz so wie es den Bedürfnissen entspricht.

In der Regel fange ich mit einem kurzen Gespräch an, erkundige mich, wie meine Klient*innen heute bei mir sind, manchmal baue ich auch eine kleine Achtsamkeitsübung ein. Das dient dazu, erst einmal anzukommen und sich auf die Therapiesitzung einzulassen. Danach beginnt die künstlerische Arbeit, die den größten Raum einnimmt. Wenn die Frauen schon bei mir waren, ist es meist so, dass sie bereits Ideen mitbringen. Beim ersten Mal dient ansonsten häufig das Material selbst als Türöffner.

Ich betone immer wieder, dass es keinen Zwang dazu gibt, dass etwas entstehen muss und dass die Arbeiten auch keinem Ideal entsprechen müssen. Es gibt weder Bewertung noch „Verschwendung“ (von Materialien z.B.) und es kann einfach ausprobiert werden. Das funktioniert in der Regel. Ansonsten habe ich noch visuelle Anreize, wie Postkarten, alte Zeitschriften für Collagen oder Kunstbände, die ebenfalls dabei helfen, sich inspirieren zu lassen und wenn das alles nicht fruchtet, gibt es auch ein paar kleine Übungen, wie z.B. Dialogmalen, die in einen kreativen Prozess helfen.

Jana: Wie können deine Klient*innen sich öffnen?

Hannah: Die Frauen*, die zu mir kommen, kommen ja aus einem bestimmten Grund. Das heißt meistens ist ein gewisser Leidensdruck da oder sie haben eine Empfehlung bekommen. Die meisten haben sich auch eine ganze Weile schon mit ihren Sorgen auseinandergesetzt und erzählen mir bereits im Vorgespräch, warum sie zu mir kommen wollen.
Natürlich braucht es immer erst einmal die Möglichkeit, eine Beziehung und vor allem Vertrauen aufzubauen. Ich betone immer wieder und nehme das wirklich ernst, dass alles, was in der Kunsttherapie passiert, hier auch bleiben darf, dass ich Schweigepflicht habe, dass die Bilder geschützt sind und dass niemand Zugang zu ihnen hat.
Zudem bleiben wir immer am Bild, was den Vorteil hat, dass meine Klient*innen dadurch, dass sie für die Entstehung verantwortlich sind, natürlich Expert*innen für das Bild sind und immer das Gefühl haben, die Kontrolle zu behalten und selbst entscheiden können, was sie besprechen möchten und was nicht. Ich frage auch immer, ob es in Ordnung ist, wenn ich etwas zu der entstandenen Arbeit sage oder ob z.B. andere Gruppenteilnehmer*innen etwas sagen dürfen. Es ist wirklich vollkommen in Ordnung, wenn das nicht gewünscht wird. Die Frauen* sind immer selbstbestimmt beteiligt, werden nie zu etwas gedrängt und können den Raum wirklich für sich nutzen. Sie allein entscheiden, was sie teilen wollen. Das allein führt schon zu einer Öffnung. Abgesehen davon kann eine Therapie natürlich, je länger sie dauert, immer weiter in die Tiefe gehen.

Jana: Wie fängst du Krisen auf?

Hannah: Natürlich gibt es immer wieder Krisen. Das ist in einem Therapieverlauf ziemlich normal. Diese aufzufangen ist meine Aufgabe.

Zunächst einmal ist mir wichtig, dass ein Therapieverlauf relativ rund ist, also mindestens fünf Sitzungen lang dauert. Meist gibt es nämlich nach dem Beginn der gemeinsamen Zusammenarbeit einen kleinen Einbruch, ein Erkennen der Problematik und ich möchte gerne die Möglichkeit haben, dieses in der Kunsttherapie klären und auffangen zu können und die Klient*innen nicht damit zu entlassen und allein zu lassen. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Die Themen rund um Schwangerschaft und Geburt sind häufig sehr gut zu bearbeiten.

Was es in der Kunsttherapie zusätzlich erleichtert, ist, dass das Medium der Kunst greifbar ist, sich die Krise im besten Fall „materialisiert“. Das heißt, ich kann direkt an dem künstlerischen Objekt handeln. Ich kann fragen, was Angst macht, was verändert werden müsste, damit dieses Element verschwindet und das kann gegebenenfalls auch direkt umgesetzt werden. Ich kann anbieten, der Container für die Arbeit zu sein, es sicher zu verwahren, es zu verpacken etc. Wenn eine Krise während des Schaffensprozesses oder durch die Arbeit selbst mit dem künstlerischen Material ausgelöst wird, kann ich mit meinem Wissen vom Materialgebrauch dazu beisteuern, die Krise zu bewältigen und bei der Arbeit begleiten.

Eine weitere Hilfe ist, dass ich sehr darauf achte, am Bild zu bleiben und z.B. das Gespräch immer wieder auf das Dritte in der therapeutischen Beziehung, die künstlerische Arbeit, zurückzuführen.
Der Gedanke, dass der Prozess in jedem Fall zu einer Verbesserung der Ausgangssituation führen wird und dass ich dabei helfen kann, erleichtert es zudem die Sorgen und Krisen meines Gegenübers nicht zu meinen eigenen zu machen. Diese Grundeinstellung hilft ungemein, (aus)halten zu können. Und natürlich auch Supervision.

Wenn mir persönlich – unabhängig von der normalen Empathie meinen Klient*innen gegenüber – ein Fall zu nahe gehen würde, müsste ich auch so ehrlich zu mir sein und den Fall abgeben. Besonders schwere Krisen kann und will ich nicht halten, dafür gibt es Stellen in Berlin, die in akuten Krisen reagieren können und an die ich verweisen oder mich selbst wenden kann.

Jana: Hast du vielleicht ein kleines Fallbeispiel? Das macht es greifbarer.

Hannah: Gerne stelle ich ein kleines Fallbeispiel aus meiner Arbeit vor. Es geht um eine Frau, die Zustand nach Sectio war (die also bereits einen Kaiserschnitt erlebt hatte):

Fallbeispiel aus der Kunsttherapie

Die Klientin hatte eine Kunsttherapie bei mir empfohlen bekommen und konnte sich zunächst überhaupt nicht vorstellen, das kunsttherapeutische Angebot für sich zu nutzen, obwohl sie sich in einer schon länger andauernden Krisensituation befand. Sie hatte vor etwas mehr als einem Jahr ihr zweites Kind geboren. Nachdem sie vor sechs Jahren eine relativ unkomplizierte vaginale Geburt erlebt hatte, war sie bei ihrem zweiten Kind nicht auf einen Kaiserschnitt vorbereitet gewesen, der aufgrund einer medizinischen Indikation sehr schnell geschehen musste und für sie wie aus dem Nichts kam. Eigentlich war sie lediglich zur Vorsorge zwei Wochen vor errechnetem Termin im Krankenhaus und hatte nun plötzlich ihr Baby via Kaiserschnitt geboren.

Bei dem Baby handelte es sich um ein absolutes Wunschkind, auch wenn sie es ein wenig gegen den Willen ihres Mannes durchgesetzt hatte. Erst im fünften Monat hatte sie von der Schwangerschaft erfahren. Das Baby brachte also von seiner Ankündigung bis zur Geburt bereits viele Überraschungen mit sich.

Aufgrund des Kaiserschnitts, der für sie nach wie vor traumatisierend war und über den sie, ohne in Tränen auszubrechen, nicht sprechen konnte, hatte sie Angst, keine richtige Bindung zu dem Kind aufbauen zu können und sie litt auch ein wenig darunter, dass das Kind eher an seinem Vater zu hängen schien.

Die Klientin war der Kunsttherapie gegenüber sehr skeptisch und beharrte vor unserem ersten Treffen sehr nachdrücklich darauf, dass sie nicht malen könne, daran auch keine Freude empfinde und eigentlich nicht wisse, was ihr das bringen solle. Dennoch wollte sie es einmal ausprobieren. Insgesamt trafen wir uns dann fünf Mal.

Bei unserem ersten Treffen nahm sie sich nur ein ganz kleines Papier im Postkartenformat und ließ sich darauf ein, einfach einmal die Materialien, die vor ihr auf dem Tisch aufgebaut waren, auszuprobieren.

Das Initialbild überraschte sie sehr, denn es zeigte, dass sie durchaus etwas zu Papier bringen konnte und dass das Ergebnis sehr viel Inhalt, viele Themen und auch viele sichtbare Stärken enthielt. Das Bild berührte und erschreckte sie zugleich, denn sie erkannte Grenzen, Narben, Verletzungen und Dunkelheit. Sie konnte sich aber gut auf meine Spiegelung einlassen, wie selbstbestimmt und mutig sie mit den unbekannten Materialien gearbeitet hatte und fühlte sich darin bestärkt, künstlerisch weiterzuarbeiten. Außerdem war sie verwundert darüber, was sie bereits in der ersten Sitzung in Worte fassen konnte, wofür sie bisher nur ein vages, ungutes Gefühl hatte.

Mischtechnik auf Papier

Abbildung 1: Mischtechnik auf Papier, DIN A6.

In den darauffolgenden Sitzungen griff sie die Themen wieder auf und hatte bereits feste Vorstellungen von den Materialien, mit denen sie arbeiten wollte, und sogar das, was sie abbilden wollte, hatte sie sich zuhause überlegt.
Interessanterweise wurden nun auch die Formate von Mal zu Mal größer. Sie arbeitete sehr bestimmt, konnte sich gut auf die Materialien einlassen, sie miteinander vermischen, unterschiedliche Arbeitsweisen ausprobieren und legte eine sehr feinfühlig ausgewählte Farbigkeit an den Tag.
In unseren Gesprächen ging es viel um Kontrollverlust, darum überrumpelt worden zu sein im wahrsten Sinne des Wortes um Zerrissenheit, dem Gefühl keine richtige Geburt erlebt zu haben und dem Wunsch, als Familie zusammenzuwachsen.

Kohle Pastellkreide und Ölkreide auf Papier

Abbildung 2: 2x DIN A4, Kohle, Pastellkreide und Ölkreide auf Papier.

Danach folgte ein kleines Tief, als im Bild in der 3. Sitzung etwas auftauchte, was ihr so nicht bewusst war und was ihr Angst machte. Gerade das Thema, wie die einzelnen Familienmitglieder zueinanderstanden, beschäftigte sie nämlich sehr über die Form der Geburt hinaus und das wurde nun sichtbar. So erkannte sie in den großen Kreisen links ihren Mann und rechts sich. Den unteren Kreis interpretierte sie als ihr großes Kind und den kleinen Kreis oben als ihr kleines. Wie der kleine Kreis ihrer Meinung nach zu den anderen stand, welche Farbigkeit er hatte, wie „gedrängt“ er wirkte und beinahe nicht dazugehörte, stimmte sie sehr traurig, denn sie erkannte ihre Angst, dass das kleine Kind für sie womöglich nicht richtig dazugehören könnte und sie nicht in der Lage sei, eine gute Bindung zu ihm aufzubauen.

Ölkreide auf Papier

Abbildung 3: DIN A3, Ölkreide auf Papier.

An diesen Themen arbeitete sie in den darauffolgenden beiden Stunden weiter. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, dieses Element im Bild zu ändern. Denn wir fanden auch genug sichtbare Belege dafür, dass es nicht so sein müsse und Familie kein festgesetztes Konstrukt, sondern dynamisch ist.
Bewusst setzte sie die Zahl vier ein, um die Gemeinsamkeiten und die Zusammengehörigkeit zu betonen und auch im Aufbau des Bildes (Abb. 4) ist zu erkennen, dass sie sich die Kontrolle über die Geschehnisse zurückerobern wollte. Der Kaiserschnitt spielte gar keine Rolle mehr, dennoch wollte sie auch den negativen Empfindungen und Erfahrungen, wie sie sagte, Platz einräumen und so durften die dunklen Elemente, die auch in den vorherigen Bildern auftauchten, bleiben.

Kohle und Aquarellstifte auf Papier

Abbildung 4: DIN A3, Kohle und Aquarellstifte auf Papier.

Das gipfelte dann sozusagen in der letzten gemeinsamen Stunde, als sie für sich einen sehr harmonisierenden Abschluss fand, mit dem sie die Therapie gut verlassen konnte.

Buntstifte und Ölkreide auf Papier

Abbildung 5: DIN A4, Buntstifte und Ölkreiden auf Papier.

Ihre Worte: „Während man malt, gehen mir Gedanken durch den Kopf. Meine Ängste, Gefühle und genau das bringt man durch Kunsttherapie zum Ausdruck. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es hilft einem seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Manche Sachen kann man mit Worten einfach nicht zum Ausdruck bringen.“

Liebe Hannah, vielen Dank an dich für’s erklären und deine Klientin, die die schönen Bilder zur Veranschaulichung frei gegeben hat. Ich finde ja, dass so ein Fallbeispiel die Art der Therapie erst wirklich greifbar macht. Ich finde die Kunsttherapie eine spannende Möglichkeit und hoffe, dass dieser Beitrag ein bisschen zur Bekanntmachung des Angebotes beitragen kann.

Kunsttherapie ist normalerweise keine Kassenleistung, aber es kann sich lohnen bei den gesetzlichen Kassen nachzufragen. Wenn eine ärztliche Verordnung mit einer Diagnose vorliegt, dürfen die Krankenkassen per Einzelfallentscheidung die Kosten erstatten. In der Regel werden die Leistungen aber selbst bezahlt.

Ihr findet Hannahs Angebot und weitere Einblicke in die Kunsttherapie auf ihrem Blog, auf Instagram, und Twitter.
Habt ihr Fragen an Hannah? Oder habt ihr vielleicht selbst schon Erfahrungen mit Kunsttherapie gemacht. Dann ab in die Kommentare damit. Wir sind gespannt.

 

[1] Dannecker, Karin: 2011



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