Natürliche Geburt - vom Aussterben bedroht?

Die normale Geburt – vom Aussterben bedroht?

Was ist eine normale Geburt? Ist es das, was in einer Kultur am häufigsten vorkommt? Oder das, was die Natur so vorgesehen hat? „Normale Geburt“ – darf man das überhaupt so sagen? Ist es inzwischen vielleicht gar nicht mehr politisch korrekt, von der normalen Geburt zu sprechen? Zumindest immer dann, wenn ich hier im Blog von der normalen Geburt schreibe, meldet sich garantiert eine Kaiserschnittmutter, die sich dadurch diskriminiert fühlt und sagt: „Schreib doch bitte spontane Geburt, sonst bin ich ja anormal.“ Muss die normale Geburt also in Anführungszeichen gesetzt werden? Und was würde das bringen? Mir liegt es übrigens gänzlich fern, Kaiserschnitte zu bashen…!

Definition: normale Geburt

Fakt ist aber, dass es eine Definition für die normale Geburt gibt:

„Unter normaler Geburt versteht man eine physiologische Geburt, die spontan beginnt, sich im effektiven Rhythmus zwischen Wehen und Wehenpausen von alleine entwickelt und somit ohne fremdes Eingreifen der Muttermund öffnet, das Kind durch unwillkürlichen Pressdrang geboren wird.“

Quelle: WHO 1996 Care in normal birth (a practical guide, report of a technical working group)

Das bedeutet: Eine Geburt kann auch dann noch als spontan bezeichnet werden, wenn in den Geburtsverlauf ordentlich eingegriffen wurde. Also nach einer Einleitung und einem Wehentropf und einer PDA, ja sogar nach Kristella-Hilfe. Normal ist die Geburt dann aber nicht mehr gewesen.

Die normale Geburt als Kulturgut

Die normale Geburt ist selten geworden. So selten, dass manche Fachleute sich bereits Sorgen machen, ob sie irgendwann womöglich ganz verschwindet. Und dass auch das Wissen um die Möglichkeit an sich verschwindet. Die Salutogenese, also das „Alles wird gut gehen“-Gefühl, verabschiedet sich zunehmend. Und zwar nicht nur aus den Köpfen der Frauen, sondern auch aus denen vieler Geburtshelfer!

Die Berliner Hebamme Bettina Kraus und der Chefarzt vom Berliner St.-Joseph-Krankenhaus, Prof. Dr. Michael Abou-Dakn, haben im November 2013 gemeinsam einen Antrag bei der UNESCO gestellt: Die normale Geburt sollte in die Liste der Kulturgüter aufgenommen werden. Auf einer Hebammenfortbildung der Firma Bübchen, die Herr Abou-Dakn im März 2015 in Berlin moderierte, berichtete er über das Ergebnis des Antrags.
Um es kurz zu machen: Der Antrag wurde natürlich abgelehnt. Hier die Begründung:

Normale Geburt - Unesco Ablehnungsbegründung

In der Begründung wurde die antragstellende Hebamme übrigens vollkommen ignoriert – allein das sagt schon Einiges aus. Und in die Kulturgüterliste wurde statt dessen die Schrippe aufgenommen! Nun ja…

Geburten im Zeitalter des Sicherheitsdenkens

So viel zum Thema Kulturgut. Aber woher kommt es überhaupt, dass die normale Geburt immer seltener wird und oft gar nicht mehr als normal angesehen wird?
Schwanger zu werden und Kinder zu bekommen ist ja eigentlich ein ganz natürlicher Teil des Lebens. Die äußeren Bedingungen dafür waren nie besser als jetzt. Aber gerade die Geburt wird immer mehr als unglaubliches Risiko gesehen. Normale Geburten werden seltener – Ängste und Verunsicherungen wachsen. Natürlich sollen Risiken bei einer Geburt vermieden werden. Das Sicherheitsbedürfnis aller Beteiligten ist enorm. Geburtshelfer denken oftmals nur noch in juristischen und haftungsrechtlichen Dimensionen. Aber ist die natürliche Geburt ein echtes Risiko? Vielleicht…
Aber absolute Sicherheit gibt es eben nicht. Wird es auch niemals geben. Fakt ist, dass nicht alle Sicherheitsvorkehrungen die Sache auch wirklich besser machen. Eingriffe in natürliche Prozesse führen eben nicht immer – nein nur selten – zu einer Verbesserung des Ganzen. Für Geburtshelfer gibt es aber natürlich nur dann rechtliche Konsequenzen, wenn sie sich nicht an die geburtshilflichen Standards gehalten haben. Mit der Folge, dass sie genau das tun: Ganz oft Schema F.
Die individuellen Entscheidungskorridore werden enger und enger und enden immer häufiger im OP. Dabei ist nachgewiesen, dass mehr Sectios nicht automatisch auch zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen führen. Es gibt inzwischen circa 33% Kaiserschnittgeburten in Deutschland. 10 bis 15% hält die WHO überhaupt nur für gerechtfertigt.

Was Frauen wünschen

Andererseits: Wo ist das Problem? Wenn die Frauen das wünschen?
Tun sie aber nicht! Laut einer Studie (von Helmers & Schücking 2005) wünschen sich nur 3,8% aller Frauen primär einen Kaiserschnitt. Und auch aus meiner Arbeit in der Schwangerenberatung kann ich bestätigen: Fragt man die Frauen nach ihren Wünschen zur Geburt, dann sagen die Meisten: “Ich möchte erst mal alles so natürlich wie möglich haben.” Bald darauf kommen allerdings die ersten zaghaften Einschränkungen, die aus den Ängsten entstehen:

  • Angst vor Schmerzen
  • Sorge um die Gesundheit des Kindes
  • Angst um die eigene Unversehrtheit
  • Angst etwas Unbekanntem ausgeliefert zu sein
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Versagensangst

All diese Sorgen prallen in der Klinik dann auf die oben genannten Befürchtungen der Geburtshelfer und bilden den Mix, der wiederum Tür und Tor für alle möglichen Interventionen öffnet und somit der natürlichen Geburt im Weg steht.

Ich glaube es war Dr. Wolf Lütje (Präsident der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Geburtshilfe und Gynäkologie), der sagte:

„Das größte Geburtshindernis ist der KOPF, den wir den Frauen machen. Wenn wir mehr von Chancen als von Risiken sprechen, wird der Weg wieder frei für die Geburt.(…) Ständig heißt es zu groß zu klein, zu viel zu wenig, zu früh zu spät, zu alt zu jung. Kein Wunder, dass im Becken alles ZU geht“

Trendwende

In der Entwicklung der Geburtshilfe bewegt sich immer alles in Wellen. Die Amplitude der Extreme ist relativ groß. Von der programmierten Geburt, über die Hausgeburts- & Geburtshausbewegung, die wiederum positiv auf die Kliniken abfärbte, und grüne Kacheln und Klinikbetten in bunte Wände und Badewannen verwandelte, hin zum aktuellen Sectio-Trend „Save your Love-Channel“, erwarte ich bald wieder eine neue Gegenbewegung. Die Alleingeburten zeigen es schon und erhitzen bereits die Gemüter.
Frauen wollen sich nicht kontrollieren lassen – sie wollen wieder mehr ihrem Körper vertrauen dürfen! Und auch wenn ich Alleingeburten per se nicht gutheißen kann, verstehe ich sie doch als extreme, nachvollziehbare Reaktion auf die momentan “regelverseuchte” Geburtshilfe.
Und wer weiß? Wenn das Pendel erneut in die andere Richtung schwingt, dann sehen wir vielleicht auch wieder vermehrt normale Geburten. Das wünsche ich uns sehr!

Kopf aus – Bauchgefühl an!

… möchte ich manchmal sagen und dann einfach dem evolutionären Programm seinen Lauf lassen. Denn „verkopfte Frauen“ haben es unter der Geburt schwer. Das hört man Hebammen oft sagen.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn auch die gut informierten Frauen haben natürlich sehr schöne Geburten. Das könnt ihr hier in den Geburtsberichten nachlesen.
Ich denke, es kommt dabei vor allem auf die richtige Vorbereitung an. „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin ist dafür eine von mir sehr geschätzte Quelle – natürlich neben einem guten Geburtsvorbereitungskurs bei der Hebamme eures Vertrauens…

Von Mutter zu Mutter

Und? Wie war es bei euch? Hattet ihr normale Geburten im Sinne der oben genannten Definition?
Was ist euer wertvollster Tip für die, denen die Geburt noch bevor steht?
Ich würde mich freuen, wenn hier – mit eurer Hilfe – eine schöne Sammlung zusammen kommt! Vielleicht wird da ja sogar ein neuer Artikel draus. Also, immer her mit euren Erfahrungen, Meinungen & Statements!



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99 Kommentare
  1. Buntistschön
    Buntistschön sagt:

    Liebe Jana, ich schreibe heute zum ersten Mal hier, lese aber schon eine Weile mit und wollte Dich mal loben für Deinen tollen Blog, den ich übrigens schon oft weiterempfohlen habe, an frischgebackene Mütter.
    ‘Bin selbst Hebamme und habe zwei eigene Kinder. Das erst kam vor 18 Jahren per sec. Sectio, nach vorz. Blasenprung und anschließendem Amnioninfektsyndrom, in Vollnarkose. Ich war sehr traurig darüber, es nicht normal geschafft zu haben, mein Kind zu gebären aber tatsächlich nicht so traumatisierte wie viele Frauen (auch in dem Film gestern auf 3 Sat. Falls Du ihn gesehen haben solltest). Ich wusste ja auch aus meiner Arbeit, was passiert, bei einer Sectio, und ich hatte meine Wunschhebamme dabei, ein klarer Vorteil den anderen Frauen gegenüber die in einem überlasteten Kreißsaal, von “unbekannten” Hebammen und Ärzten betreut werden. Unser zweites Kind, kam dann 16 Mon. später normal, per Hausgeburt (gegen allen Empfehlungen) zur Welt, weil ich das unbedingt wollte. Ich befürchtete im Krankenhaus wieder einen Kaiserschnitt zu bekommen und das hätte ich mit Sicherheit auch, denn der Geburtsverlauf war sehr lang (fast 24 Stunden), sehr schmerzhaft und begann auch wieder mit einem vorz. BS, ich war entsprechend nervös und nach der Geburt auch seeehr erschöpft (deutlich mehr als nach der Sectio). Dennoch möchte ich diese Erfahrung nicht missen!!! Die Tatsache es doch auf natürlichem Wege zu schaffen, habe ich für mich und für mich als Hebamme wirklich gebraucht.
    Danke, für Deine Gedanken und Erfahrungen, die Du hier regelmäßig teilst und liebe Grüße, von Annette

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  2. Katharina
    Katharina sagt:

    Hallo Jana,
    nach einem Kaiserschnitt beim ersten Kind (nach ewigen langen Versuchen, das Kind normal auf die Welt zu bekommen), hatte ich mich bei der zweiten Geburt für eine Hausgeburt entschieden.
    Ich bin, war und werde wohl immer recht verkopft sein, was auch während der Hausgeburt nicht abzustellen war. Mir hat es unheimlich geholfen, meine Gedanken zu artikulieren, zu jammern und zu fluchen. In meinem Kopf sollte eine Geburt ein heroischer Akt sein, wo ich kraftvoll und selbstbestimmt das Kind auf die Welt bringe. Die Realität zeigte beim ersten Kind, dass ich es “nicht geschafft” habe, dass es furchtbar weh tun kann, dass man währenddessen Angst hat, es nicht zu schaffen… Die Sorge, dass sich dies auch in der zweiten Geburt wiederholt, schwang die ganze Zeit mit. Aber durch die Unterstützung meiner Hebamme während der Geburt, das Trösten, Aufbauen, auch immer wieder die Rückmeldung zu bekommen, dass alles gut und richtig läuft, konnte ich mich irgendwann von den Gedanken frei machen und die Sache nahm einfach ihren Lauf. Somit durfte ich nach der wirklich schlecht gelaufenen ersten Geburt eine “ganz normale” erleben. Zum Glück!

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    • Rosalie
      Rosalie sagt:

      Katharina
      darf ich aus Interesse fragen, woher bei dir das Bild des ‘Heroischen Aktes einer Geburt’ kam? Und wann dir das bewusst wurde? Während der Schwangerschaft? Oder bist du schon mit dem Gedanken aufgewachsen, als Kulturgut, sozusagen. Und hat jemand versucht, dieses Bild zu relativieren?
      Die Antwort würde mich wirklich sehr interessieren!

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      • Katharina
        Katharina sagt:

        Rosalie, woher das kam, kann ich dir nicht sagen. Ich vermute, dass das eher in meiner eigenen Persönlichkeit liegt (“Augen zu und durch”….).

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      • Rosalie
        Rosalie sagt:

        Ja aber hast du dich nie gefragt, woher dieses Bild stammt? Ich meine, ist es nicht problematisch eher die eigene Geburt zu hinterfragen, als das Bild, das wir uns von der idealen Geburt machen? Ich könnte mir denken, dass es vielen Frauen so geht. Und meinst du, dir hätte es geholfen, wenn jemand dieses Bild relativiert hätte?

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  3. Rosalie
    Rosalie sagt:

    Also ich muss sagen, ich hab sehr gute Ärzte erlebt und recht schlechte, genauso wie super Hebammen und ganz unterirdisch miese. Junge Assistenzärzte greifen wahrscheinlich häufiger ein und zu sehr natürlich angehauchte Hebammen zu selten. Letzteres bescherte mir jedoch wesentlich schlimmere Erfahrungen, als die Übervorsicht junger Ärzte.
    Und da ich 2 ‘spontane’ Geburten hatte, einmal sogar eine ‘normale’ ohne jeglichen Eingriff ist mein Fazit für mich klar: Die normale Geburt war traumatischer, weil extrem schmerzhaft. Dabei war die Begleitung toll und die andere Geburt medizinisch sehr viel heikler. Dennoch kann ich nicht verstehen, warum immer alle von ‘so natürlich wie möglich’ schreiben. Ich würde das nicht noch einmal wollen. Lieber PDA oder KS! Das einzig gute an der normalen Geburt war, dass ich schnell wieder auf den Beinen war.
    Und ich finde auch, wenn wir heute die Möglichkeit haben, Schmerzen zu lindern, dann sollten wir das auch tun. Mich stört wahnsinnig, dass so getan wird, als könne man Schmerzen bei der normalen Geburt einfach mal so wegstecken, machen ja Frauen seit Jahrtausenden so. Schon, weil sie müssen, nicht weil sie das wollen. An Schmerzen stirbt man klar nicht, das kann man nur an Verletzungen oder Krankheiten. Deswegen sind die Schmerzen noch lange nichts, wo man halt durch muss und innere Stärke beweisen kann. Würde ich meinem Kind mit diesen Schmerzen sagen: Da musst du halt durch würde mich jeder verurteilen und ich hätte das Jugendamt vor der Tür. Ich wäre eine schlechte Mutter, würde ich bei starken Schmerzen meinem Kind nicht helfen. Aber ich selbst soll durch? Obwohl es Medikamente gibt und Möglichkeiten rechtzeitig medizinisch einzugreifen? Das ist für mich unverständlich.
    Genauso wie eine romantisierte Vorstellung von der Geburt. Bei vielen Frauen läuft’s halt nicht so wie im Buch. Darauf müssen vor allem die Hebammen die Frauen vorbereiten. Und viele Frauen merken erst unter Geburt, dass sie das unterschätzt haben. Es gibt aber nur dann einen Grund sich schuldig zu fühlen, weil man das Ideal nicht erreicht hat, wenn es überhaupt ein Ideal gibt und dieses auch von Fachleuten propagiert wird. Gerade Menschen mit viel Geburtenerfahrung sollten alle Geburtsarten gleichwertig darstellen und vernünftig aufklären. Denn eine Frau mit 1-2 individuellen Geburten kann keinen gültige Aussage über Geburten im Allgemeinen machen. Ich kann niemandem etwas raten, aber das muss ich auch nicht. Eine Hebamme hat’s da schon schwerer. Und dass heute oftmals den Ärzten nicht vertraut wird, weil die es nicht ‘natürlich’ wollen, halte ich für eine falsche Einschätzung, die sehr in die Hose gehen kann.
    Ich zumindest denke, dass sich alle 3 Teilnehmer einer Geburt (Frau, Hebamme, Arzt) weiter auseinander dividieren, statt zusammen zu arbeiten, wenn nicht mehr Wert auf gleichwertiges Nebeneinander der Geburtsmöglichkeiten gelegt wird. Das hilft dann keinem weiter.

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    • Eva
      Eva sagt:

      Ich habe auch das Glück, eine spontane hausgeburt erleben zu dürfen (geburtsbericht hier: http://mummy-mag.de/2015/03/26/gast-mummy-the-day-that-johanna-was-born/). Auch ich habe keine Schmerzmittel gebraucht (und unter Geburt auch total vergessen, danach zu fragen). Zu den Schmerzen kann ich dir nur sagen: ich hatte schon 1-2 Tage nach der Geburt komplett vergessen, wie sich eine Wehe anfühlt! Das sind mit Sicherheit zum einen die Hormone und zum anderen habe ich mich unter Geburt total “weggeatmet”… ich habe vor allem die Auszreibungsphase als besonders schmerzhaft empfunden (und dementsprechend unsere Nachbarn geweckt ;)) aber ich bin unglaublich stolz auf mich und meine Kraft! Jetzt denke ich bei jedem Kopfweh: “stell dich nicht so an, du hast schließlich ein Kind zur Welt gebracht” :)
      Im Nachhinein empfinde ich eine Nierenkolil, die ich vor ein paar Jahren hatte als durchaus unangenehmer…. Es gibt dabei halt auch kein positives Ergebnis!
      ABER: wenn eine Frau sich unsicher oder den bevorstehenden Schmerzen auch nur für kurze Zeit nicht gewachsen fühlt, sollte etwas dagegen getan werden, da stimme ich dir zu!

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Das mit den Schmerzmitteln ist nicht so einfach, wie man immer denkt. Denn durch jedes Eingreifen in den Verlauf, auch “nur” mit Schmerzmitteln, ändert man diesen – nicht immer zum Besseren…
      Eine gute Zusammenarbeit der Betreuenden ist essentiell, da hast du Recht. Und oft funktioniert das auch wirklich sehr gut.

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  4. Fräulein Sonnenschein
    Fräulein Sonnenschein sagt:

    Ich hatte das Privileg, eine wunderschöne, unkomplizierte und komplett natürliche Geburt erleben zu dürfen – sogar ohne jegliche Form von Schmerzmitteln. Das macht mich glücklich und irgendwo auch ein bisschen stolz, um ehrlich zu sein. Und ich gönne es jeder Frau, die Geburt des eigenen Kindes so erleben zu können.

    Das Wichtigste ist es – so denke ich zumindest – ruhig zu bleiben und dem eigenen Körper zu vertrauen. Die Ängste, die einem bei dem Gedanken an den Geburtsprozess so kommen, anzunehmen, anstatt sich selbst den Druck zu machen, alles gewollt locker sehen zu müssen. Mir hat vor allem eine gewisse Gelassenheit geholfen: “klar, wird bestimmt kein lauer Sommerabendsspaziergang. Aber ich habe Vertrauen. Vertrauen in meinen Körper, Vertrauen in mein Baby und Vertrauen in die Menschen, in deren Hände ich mich im Krankenhaus begebe.” Ich hatte eben keinen Geburtsplan – und das hat mir zu einer schönen Geburt verholfen.

    Antworten
  5. Rosalie
    Rosalie sagt:

    Was mich auch einmal interessieren würde: Woher kommt eigentlich der Gedanke, dass Frauen, die spontan Entbinden, nicht auch ähnliches erleben können, wie Frauen nach KS, bezüglich Trauma, Kind nicht auf die Brust bekommen wg. med. Probleme, Kontrollverlust etc. Es hört sich irgendwie so an, als gingen diese Frauen nachher glücklich und pfeifend aus dem Kreissaal heraus.

    Woher kommt der Gedanke, dass man eben nur normal entbinden müsse, und alles ist gut und man hat ein schönes Geburtserlebnis? Dass man sowas einfacher verarbeiten könne? Dass die Kinder dabei unbeschadeter herauskämen?

    Ich habe eine gute Freundin, die hatte 2 WunschKS und war immer super glücklich damit. Ich meine, warum kann man nicht einfach jeder Frau zugestehen, dass es ihr gut geht mit der Geburt oder auch nicht – unabhängig davon, wie das Kind auf die Welt kam?

    Antworten
    • Lisa
      Lisa sagt:

      Ist es nicht so, dass ein Trauma v.a. dann entsteht, wenn die Bedürfnisse der Frau unter und nach der Geburt nicht wahr genommen oder bewusst übergangen werden und die Selbstbestimmtheit verloren geht?

      Wie Jana schreibt, heißt “spontan” nur vaginal und nicht “ohne Interventionen”.
      Wenn nun die Geburt ohne Intervention abläuft, dann waren auch keine Anzeichen, dass das Baby in Gefahr war.

      Nach der selbstbestimmten physiologischen Geburt ist die Frau mit ihren Baby im Arm vereint, ohne Schnitte wo auch immer. Wann sie dann das größte Glücksgefühl überkommt (und ob sie pfeift ;) ), hängt sicher noch davon ab, wie erschöpfend die Geburt war, aber es kommt.
      Das finde ich darf sich jede Frau wünschen und viele Berichte zeigen, dass es das auch gibt. Es ist also keine Utopie so wie ein photogeshopptes Model, das uns das neue Schönheitsideal vorgibt.

      Wenn sich jemand nach reiflicher Überlegung für einen WKS entscheidet und der auch gut ab lief, wunderbar! Anders herum sollte eben für die die es sich wünschen auch alles dafür getan werden, dass die spontane Geburt selbstbestimmt und physiologisch ablaufen kann und nicht zum Trauma wird.

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  6. Lydia
    Lydia sagt:

    Ich war 23 Jahre alt als unsere Tochter geboren wurde. Ich hatte die Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin begonnen und war somit medizinisch informiert. Ich wusste was alles schief gehen könnte. Von Anfang an jedoch entschied ich mich nicht die Angst überhand nehmen zu lassen. Ich wusste wie es in der Klinik oftmals war und wollte nicht dass mir was eingeredet wird nur weil es ihrer Meinung nach besser wäre.

    Deshalb entschieden wir uns als Eltern schon frühzeitig im Geburtshaus zu entbinden (frühzeitig auch weil sie schnell voll waren). Wir haben uns bewusst in gewisser Weise eingeschränkt. Das Geburtshaus ist direkt auf dem Gelände einer Klinik die auch eine Neonatologie hat und eine Wochenbettstation also wenn es zum Notfall gekommen wäre hätten wir auch noch gute Karten gehabt. Ich war darauf vorbereitet eine lange Geburt durchzumachen aber von den ersten Wehen bis zur Geburt waren es nur 8 1/2 Stunden, und sie ist unser erstes Kind. Mein Selbstbewusstsein bezüglich der normalen Geburt wurde bei jeder Vorsorgeuntersuchung gestärkt und nicht nur weil es Hebammen “so machen müssen” sondern weil es so richtig ist.
    Die Geburt unserer Tochter war eine normale Geburt wie oben definiert. Ich bin sehr dankbar für alle Hebammen die das Normale voranbringen mit jeder Schwangeren die sie durch die Geburt lotsen. So etwas wünsche ich allen Frauen. Ich bin aber auch froh, dass es für die 10-15% die Möglichkeit gibt trotz Komplikationen das Wunder des Lebens am Ende in den Armen halten zu können.

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  7. isa
    isa sagt:

    Hallo!
    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele!
    Ich habe drei Kinder geboren, alle “spontan” aber nur die jüngeren zwei “bewusst”
    Was ich damit meine:
    beim ersten Kind war ich zu anfällig für die schlimmen Geburtsgeschichten (warum fühlen sich Frauen überhaupt bemüßigt so schlimme Sachen einer Schwangeren zu erzählen?) und die “gut gemeinten Ratschläge” … ich hatte Angst vor Schmerzen, das geb ich zu. Ich hab mir eine PDA einreden lassen, gleich nachdem ich mir eine Geburtseinleitung hab einreden lassen….das Ergebnis war ein hilfloses, unwürdiges Geburtserlebnis und ein Baby mit Verlustängsten…
    Bei den zwei Jüngeren Kids war alles ganz anders – viel besser! Ich bin mit positiver Einstellung und dem Gedanken “mein Baby und ich schaffen das zusammen” in die Geburt gegangen, hab Duftöl und Entspannungsmusik mit gehabt, hab mitbestimmt welche Position mit gut tut und welche nicht…und, siehe da: die Geburten waren ein schönes Erlebnis! Klar, es tut weh, aber es war nicht mehr unerträglich.
    Seither versuche ich Schwangere in meinem Bekanntenkreis zu motivieren ihren Instinkten zu folgen und bloß keine Angst zu haben.
    Mein Traumberuf wäre Doula, aber mit der Ausbildung warte ich noch bis meine Kinder größer sind und mich entbehren können :-)

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      • Sabine Sandner
        Sabine Sandner sagt:

        Man Mädels!!! Es ist eben so daß das Baby machen natürlich viel angenehmer und schöner und lustvoller ist!!! ABER IHR WOLLT EIN BABY!!! Meine Kinder sind jetzt 35 und 32 Jahre alt! Und beide habe Ich auf natürliche Weise zur Welt gebracht! Ohne PDA!!! Hat auch lange gedauert!!! Aber wenn man dann das kleine Süße Würmchen in den Armen hat ist JEDER SCHMERZ vergessen! Auch nach zwei Dammrissen! Sollte es aus medizinischer Sicht angebracht sein OK!!! Was seid Ihr für Weicheier!? Rennt Ihr für jeden Furz der querliegt zum Doc?S

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        • Lilly
          Lilly sagt:

          Ganz ehrlich? Falls Du mit Deinen beiden Kindern genauso empathielos umgehst, tun sie mir von Herzen leid!
          Das Schmerzempfinden ist für jeden Menschen individuell unterschiedlich, die persönlichen Ängste sind es auch, genauso wie die Geburt an sich, es gibt Geburten, die sind fast schon Spaziergänge und andere, die unfassbar schmerzhaft sind. Wenn bei Dir zweimal der erste Fall eingetreten ist, Glückwunsch, schön für Dich. Wenn es bei anderen Frauen anders ist, diese deswegen als Weicheier zu beschimpfen, finde ich unfassbar geschmacklos. Hoffentlich bist Du auch in allen anderen Bereichen Deines Lebens so absolut unfehlbar, hast nie vor etwas Angst und meisterst alles mit Links, so dass Du es Dir erlauben kannst, so arrogant von Deinem hohen Ross auf andere herabzuschauen.

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  8. Julia
    Julia sagt:

    Hallo,
    ich lese hier zum ersten mal.
    meine erste Geburt wurde eingeleitet, war demnach nicht natürlich und kann ich auch nicht zum nachahmen empfehlen.
    Aber die zweite Geburt war spontan, natürlich- und sehr schnell.
    Für mich war diese zweite Geburt, die so schnell war, dass die Hebamme im KKH gar keine Chance mehr hatte, mir einen Zugang zu legen für die Antibiotika (ich weiß es gar nicht mehr wirklich???) gegen streptokokken, die schönste Erfahrung. Nach dieser Geburt, die zwar gewaltig war aber eben auch schnell vorbei, hätte ich noch 10 kinder gebären wollen, wenn es eben nur darum gehen würde.
    Unser Geburtsverlauf: 15 h erstes Kind von Kita abgeholt, alles super, nur leichtes Ziehen im Rücken, allerdings regelmäßig, gefühlter 5 min takt.
    15.30 mit dem Taxi ins KKH, da tats schon weh, ebenfalls alle gefühlte 5 min.
    15.45 angekommen im KKH, Untersuchung MuMu ca. 3-4 cm eröffnet.
    Die Frage nach der gewünschten Geburt konnte ich da dann auch nur noch mit einem herzlichen `ist mir egal` beantworten. :-)
    16.30 war das Kind geboren.
    Während der Wehen hab ich zwar noch gedacht: bitte gib mir Schmerzmittel, weil ich an die erste Geburt erinnert wurde, die sehr lange dauerte, aber das konnte ich mir zum Glück sparen.
    liebe Grüße, Julia

    Antworten
  9. Lotti
    Lotti sagt:

    Ich hatte das große Glück, zwei wunderschöne ganz normale Geburten erleben zu dürfen. Es sind zwei Tage in einem Leben gewesen, an die ich mich voll innerer Wärme und Freude zurückerrinnere.
    An beide Geburten bin ich sehr gelassen rangegangen. Ich wusste von den ein oder anderen schlimmen Dingen, aber das schreckte mich nicht ab. Der Gedanke, dass Millionen von Frauen es täglich hinbekommen, sowie die eigene Mutter oder auch Geschwister, gaben mir alles an Kraft und Mut, was ich brauchte.
    Ich war weder abgeneigt oder verbissen was die Anwendung von Schmerzmittel oder einem KS angeht, ich freute mich, war neugierig, was auf mich zukommt. Und ich wusste, Profis stehen mir zur Seite, wenn ich nicht mehr weiter komme, dass reichte mir als “Absicherung” für unkontrollierbare Dinge.
    Als die Wehen losgingen freute ich mich, der Gedanke, dass mich jede Wehe meinem Kind näher bringt, ließ den Scherz erträglich gestalten. Ich stelte mir bildlich eine Tür vor, die immer ein Stückchen auf geht beim Schmerz, und wenn dieser nachließ ging sie wieder ein Stück zu. Je mehr ich das “anklopfen” des Kindes merkte, desto weiter wurde die Tür geöffnet,…..
    Gemeinsam mit der Familie frühsückten wir + scherzten noch rum und beschlossen dann mal, in die Klinik zu fahren. Der Muttermund hatte sich schon komplett geöffnet (ohne das ich meinen Komfortbereich verlassen hätte) und 1/1/2 h später war das Mäuschen da.
    Auch meine zweite Geburt ging ich ebenso gelassen an, da ich nur positive Errinnerungen an die erste hatte. Und auch hier ging die Öffnung des Muttermundes sehr schnell und wenig schmerzvoll, es blieb noch viel Zeit, um sich gemütlich mit der Hebamme zu unterhalten, Süßigkeiten zu essen, über den Sommerurlaub nachzudenken. Nur die letzten 10 Minuten musste ich mich durch das Pressen anderweitig konzentrieren. Und drei Stunden später, was auch mein zweites Mäuschen bei uns.
    Vor allen den Frauen, denen noch eine Geburt bevor steht erzähle ich gerne meine schönen Gefühle und Empfindungen um ihnen ebenfalls Mut zu machen, ihren Kopf frei zu bekommen und neugierig, nicht ängstlich zu sein. Meine eigenen Erfahrungen sagen es mir: Der Kopf macht die halbe Miete. Und die kann ich AKTIV beeinflussen und sollte es auch.

    Ich hoffe so sehr, dass die normale Geburt keine Seltenheit wird! Das wäre einfach zu schade!

    Antworten
    • Birgit
      Birgit sagt:

      danke für deine schöne geschichte!
      Bei mir ist das Problem, dass ich im Oberharz wohne und das nächstgelegene (aber für mich nicht in Frage kommende) krankenhaus 30min. weg ist. Das, in dem ich mich wohlfühle ist 1h weg (dort arbeitet auch meine tante).
      Hausgeburt oder Geburtshaus standen leider nicht zur Wahl, aufgrund des abgelegenen Wohnortes. Es wird meine erste Geburt sein. Nun habe ich Montag meinen vorstellungstermin und das Krankenhaus bietet einen Hebammenkreissaal an. Trotzde möchte ich erst so spät wie möglich in die klinik fahren, um halt möglichst lange in meiner vertrauten Umgebung zu sein. Alternativ, wenn es tagsüber losgeht, könnte man aber vielleicht auch schon vorher hinfahren, weil die Stadt wirklich schön ist, und spazierengehen und man wäre schon näher an der Klinik?
      Dann haben wir noch die Wahl, autobahn zu fahren, aufgrund von einer dauerbaustelle ist dies aber genauso “schnell” wie Landstraße… also mal sehen…

      Habt ihr eine Empfehlung, ab wann man spätestens losfahren sollte? Kann mein Freund z.B. nachfühlen, wie weit der Muttermund schon geöffnet ist? So als Laie?

      Meine Hebamme hat früher Hausgeburten gemacht, macht diese aber jetzt nicht mehr und auch nicht, wenn man im Oberharz wohnt bei einer Erstgebärenden (wie gesagt, das nächste Krankenhaus ist mind. 30min. weg), aber im Notfall wäre sie für mich da :)

      Herzliche Grüße
      Birgit

      P.s. und falls es medizinisch notwendig ist, verstehe ich auch den kaiserschnitt. aber ich bin ein Mensch, der sich keine sorgen macht, zwar schon ein paar Gedanken, aber eben keine Sorgen :) über ungelegte Eier.

      Antworten
      • Jana Friedrich
        Jana Friedrich sagt:

        Es ist sehr schwierig, den eigenen Muttermund zu tasten, wenn man Wehen hat… Ich finde es grundsätzlich auch gut, so spät, wie möglich in die Klinik zu gehen, weil man sich in der Regel zu hause einfach wohler fühlt und auch mehr Möglichkeiten hat sich abzulenken. Andererseits, ist es echt blöd, mit Wehen Auto zu fahren. Man ist angeschnallt und kann sich nicht gut bewegen.
        30 Min lang Wehen im Auto aushalten, ist nicht schön.
        Was soll ich Dir raten?
        Vielleicht doch früher los und in der Umgebung der Klinik noch spazieren gehen.
        Liebe Grüße und ganz viel Glück!
        Jana

        Antworten
  10. September-Juni
    September-Juni sagt:

    Hallo Jana,
    ich lese regelmäßig hier seit meiner 2. Schwangerschaft. Hätte ich die website vor 4 Jahren gekannt, hätte ich wohl auch schon vor meiner ersten Geburt sämtliche Berichte gelesen. Ich bin ein absoluter “Kopfmensch”, was wirklich nicht förderlich bei einer Geburt ist. Trotzdem konnte bzw durfte ich zwei wunderschöne, normale Geburten erleben.

    Ich wusste von Anfang an, dass ich in einem Krankenhaus mit fremden Hebammen und Ärzten verkrampfen werde und habe mich bei Kind 1.0 für ein Geburtshaus entschieden. Dort wollte ich mit meiner und einer zweiten Hebamme entbinden. Habe mich dann aber spontan, unter den Eröffnungswehen dagegen entschieden, als die Hebamme mir im heimischen Wohnzimmer mitteilte, dass der Muttermund schon 5 cm auf war. Eine Autofahrt konnte und wollte ich uns nicht mehr zumuten und so kam unser erster Sohn nach 4 Std vor der Wanne zur Welt. Meinen Kopf konnte ich schon in den eigenen 4 Wänden nicht abstellen, wusste ich doch, was vor der “richtigen Geburt” noch alles “geboren” wird ;-) aus Scham hab ich nicht mehr richtig mitgearbeitet und meine Hebamme erkannte das, schickte meinen Partner und meine Ma raus und lies mich für ein paar Minuten alleine und schwubs “flutschte” es fast von allein. Bei den letzten 3 Presswehen waren dann wieder alle anwesend und ich wurde nett ermahnt, dass ich jetzt doch endlich mal “loslassen” soll. Niemals wäre das so für mich unter Klinikbedingungen möglich.

    Dieses Geburtserlebnis hat mir ein neues Selbstbewusstsein und Körpergefühl gegeben und so ging ich an die Geburt von Sohn 2.0 sehr entspannt ran. Vielleicht etwas zu entspannt ;-) er kam innerhab 30 Minuten nach Blasensprung, die Hebammen (leider) erst 4 Minuten später.

    Ich kenne viele Mütter und viele Geburtsgeschichten und leider (ich will die Kliniken nicht verteufeln) wurden die normalen Geburten zu 90% nur im außerklinischen Bereich erlebt. Grade das macht mir eher Angst vor einer Geburt in einer Klinik und wenn in ein paar Jahren eine außerklinische Geburt mit unserer Hebamme nicht mehr möglich ist, weil aus den Steinen, die man euch Hebammen und uns Müttern in den Weg legt ein Mount Everest geworden ist, dann werden wir wohl nur zu viert bleiben.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Danke für Deine Geburtsgeschichte! Ich glaube auch dass es Frauen in der Klinik oft schwer fällt, loszulassen. Das ist aber auch kein Wunder, vor lauter fremden Menschen…
      Ja, ich hoffe sehr, dass sich die außerklinische Geburtshilfe noch retten lässt!

      Antworten
  11. Susanne
    Susanne sagt:

    Mein Sohn wollte in Becken Endlage auf die Welt kommen. Für mich stand fest, dass ich keinen Kaiserschnitt wollte. Zwei Freundinnen von mir hatten spontane Beckenendlagengeburten positiv erlebt. Der Arzt der mich entbinden sollte war 3 Wochen vor dem Termin im Urlaub. Auf meine Frage was wäre, wenn die Geburt früher losgehen würde, hieß es dass ich dann einen Kaiserschnitt bekäme. Meine Hebamme hat dann einen Termin für mich in einem weiter entfernten spezialisierten Krankenhaus gemacht. Den Termin hab ich einen Tag später gehabt und wieder einen Tag später kam mein Sohn dann in diesem Krankenhaus “normal” nur eben mit dem Popo zuerst zur Welt. Ich war zwar überrascht von den heftigen Schmerzen, aber eine PDA brauchte ich nicht. Die Geburt hat 5 Stunden gedauert. Mein Mann war sehr entspannt und hat mir vertraut.Mir hat der Rat einer befreundeten Hebamme geholfen. Sie sagte ich soll einfach machen was die Hebamme mir sagt. Das hab ich getan und so eine gewaltige und kraftvolle Erfahrung machen dürfen an die ich gerne zurück denke. Ich wünsche mir noch ein zweites Kind und hoffe, dass alle Voraussetzungen für eine Hausgeburt gegeben sein werden. Und dass es, wenn es endlich soweit ist, überhaupt noch Hausgeburten geben wird!

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  12. Kerstin
    Kerstin sagt:

    Ich hatte keine normale Geburt, im obigen Sinne, aber eine in Deutschland übliche, nämlich einen Kaiserschnitt. Einen geplanten, komplikationsfreien, der für mich und mein Kind die richtige Entscheidung war. Es gab eine medizinische Indikation für den KS, aber keine Pflicht, und die Entscheidung ob natürliche Geburt oder nicht hat mich monatelang beschäftigt. Ich habe mich viel über Risiken informiert, und als ich das Fazit ziehen konnte, dass die Risiken bei einem KS vor allem bei MIR lagen (Blutungen, Verwachsungen, die Liste der Dinge, die schief gehen können ist lang – ist sie bei einer natürlichen Geburt aber auch), war es für mich klar. Anders als viele Mütter, die ich getroffen habe, war der Kaiserschnitt für mich nicht traumatisch, und da ich mich vornherein so entschieden hatte, hatte ich auch nie das Gefühl, meinem Kind und mir ein tolles Geburtserlebnis wegzunehmen.
    Ich frage mich, wie es kommt, dass 33 Prozent aller Babys in diesem Land durch Kaiserschnitt geboren werden, aber – meiner Empfindung nach, sie mag falsch sein – fast jede Mutter, deren KS nicht geplant war, von diesem so überrascht wurde.
    Du fragst, was wir Schwangeren raten würden. Ich würde raten, mich auch vor einer natürlich geplanten Geburt über einen KS zu informieren, diesen als nicht unwahrscheinliche Option, wie das eigene Kind die Welt erblickt, anzunehmen und sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass man selbst eine von “Jede Dritte” sein könnte, die mit einer Bauchnarbe aus der Geburt geht. Eine Narbe, die mich persönlich übrigens jedes mal liebevoll an die erste Begegnung mit meinem Kind erinnert.

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Ich denke die Überraschung kommt oft aus der Enttäuschung und dem Gefühl es nicht geschafft zu haben. Außerdem glaube ich, dass die Betreuung dann, im Gegensatz zur geplanten Sectio oft nicht gut läuft.
      Über deinen Rat muss ich mal nachdenken. Einerseits hast du Recht: sich einmal mit den Eventualitäten zu beschäftigen ist sicher gut. Andererseits ist es sicher kontraproduktiv sich mit allem was schief gehen kann zu sehr zu beschäftigen, weil es auch wieder Ängste wecken kann. – schwierig!

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      • ApfelPhi
        ApfelPhi sagt:

        Auch ich denke, dass die mentale Vorbereitung – es könnte vielleicht ein KS werden – die halbe Miete ist ihn dann besser zu verarbeiten.
        Meine erste Geburts war KS medizinisch indiziert, es gab dann nach vorzeitigem Blasensprung nette Wehen, im Krankenhaus dann Wehenhemmer und mit etwas warten ging es dann ab in den OP. Das war vollkommen ok, da ich mich ja vorher damit beschäftigt hatte. Es war insbesonder im Vorfeld nicht meine erste Wahl, aber am Ende doch bewusst dafür entschieden.
        Zwei Freundinnen, die jeweils Not-KS hatten sind, abhängig von ihrer mentalen Vorbereitung, dann auch mit sehr unterschiedlichen Gefühlen nach Hause gegangen. Die, die sich vorher damit beschäftigt hatte, zur Not kann es ein KS werden – gab es im Umfeld leider genügend – konnte damit sehr gut umgehen. Die, die das nie für sich in Erwägung gezogen hat, fühlt sich mehr als 1 Jahr später immer noch als Versagerin und da hilft kein drüber reden. Der Zug ist abgefahren.
        Ich glaube einfach die Info: “Es gibt immer wieder Not-KS. Da bist Du als Frau nicht Schuld dran, das kann jedem passieren. Du hast trotzdem geboren und bist eine richtige Mutter” ist schon sehr wichtig in der Geburtsvorbereitung. Denn in beiden Kursen, die ich gemacht habe, war der Kaiserschnitt halt kurz mal erwähnt, aber noch mehr als Geburtsverletzungen doch nur am Rande. Insbesondere, dass es nach einer harten ersten Phase, der Rest dann doch recht unkompliziert geht, fehlte.
        Ja, es sollen keine Ängste geschürt werden, aber so eine idealisierte Darstellung weckt Vorstellungen, denen die meisten Geburten dann nicht standhalten. Da fühlt man sich dann umso schlechter nachher. Die natürliche Geburt ist wichtig, insbesondere dass es die Option gibt. Aber aus meiner Sicht macht ihre Überhöhung und Abgrenzung es umso schwieriger sie zu erreichen und abweichende Erlebnisse zu verarbeiten.
        Bei mir haben zum Beispiel die Geburtsverletzungen der zweiten Geburt wesentlich langreichende Konsequenzen als die “einfache” KS-Narbe, hat auch niemand im Vorfeld erwähnt. Würde es vielleicht auch einigen KS Müttern einfacher machen “ihr Schicksal” zu akzeptieren.

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  13. Lina
    Lina sagt:

    Hallo,
    ich hatte eine Eingeleitete Geburt am 10ten Tag nach ET, jeder riet mir zu einem KS das Baby wurde sehr groß gemessen der MuMu Befund unreif und hoch. Die Ärztin im KH meinte wenn wir einen KS machen hätte ich es hinter mir… Ich entschied mich für die Einleitung am nächsten Tag war mein Baby da. Nach einem Wehen sturm kam es zu einer überstürzten Geburt (20min von MuMu Befund 2 cm bis Entbindung) der kleine hatte danach Anpassungsstörungen. Da es zu diesen Komplikationen kam wurde mein Baby in ein anderes KH mit Kinderstation verlegt, ich musste im Geburtskrankenhaus bleiben. Traumatisch fand ich das mir niemand etwas erzählt hat von einer möglichen Einleitung ich konnte mich gar nicht darauf vorbereiten, und das mir das Baby das ich gerade geboren hatte Post wendet wieder weg genommen wurde. Über einem KS habe ich mich ausführlich informiert und mich mit dem Gedanken abgefunden im Falle des Falle einen zubekommen.
    Die Einleitung kam für mich aus heiterem Himmel der Arzt hat mich nie auf diese Möglichkeit hingewiesen… ich hatte 24 std mich mit diesem Thema auseinander zu setzen und mich daran zu gewöhnen… Das Gefühlschaos war perfekt, zwischen Juhu endlich geht etwas voran es beginnt endlich nach so langer Wartezeit, zu was bin ich für eine Frau ich kann nicht mal eigene Wehen produzieren.
    Ich habe lange gebraucht um das erlebte zu verarbeiten, lange Gespräche mit meiner Hebi und meinem Mann waren nötig, irgendwann konnte ich meinen Frieden damit machen. Die Erlebnisse waren für mich kaum greifbar aufgrund der Geschwindigkeit, ich habe auch viel gegrübelt ob es mit einem KS besser gelaufen wäre?? Warum sind die Wehen nicht von alleine kommen?? Hätte ich gegen die Empfehlung der Ärzte handeln und einfach warten bis es von alleine losgeht?? Wäre ich mit einer anderen Entscheidung besser gefahren??

    Ich kann auch, inzwischen drei Jahre später keine Antwort geben… Mich hat dieser Artikel sehr berührt da ich nun wieder auf eine Geburt vorbereite. Jetzt in der 31 ssw ist dieses Thema gerade wieder sehr Präsent und ich grübele wieder…
    Ich hoffe sehr das es sich dieses Mal einfach von alleine ergibt.

    Wie ich mich dieses Mal entscheide würde? Keine Ahnung??

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    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Lina, ich glaube das es emotional fast unmöglich ist, sich so einer Empfehlung zu widersetzen. Denn man will ja das vermeintlich Beste für das eigene Kind. Und puh, die Einleitung hat ja echt reingehauen…
      Was soll ich sagen? Ich hoffe einfach, dass du diesmal nicht über den Termin gehst und nicht nochmal in die selbe Situation kommst. Sollte es doch so sein, könntest du auf jeden Fall sagen, du möchtest es erst mal mit alternativen Einleitungsmethoden versuchen, da du ja offensichtlich sehr gut auf ein kleines “Anstupsen” der Geburt reagierst.
      Viel Glück!!!

      Antworten
  14. saskia
    saskia sagt:

    Ich hatte zwei schnelle und Schmerzmittelfreie Geburten. Beim großen war ich gerade mal 3 Stunden im kkh bevor er geboren wurde und als ich vor Schmerzen doch eine PDA wollte (eine Spritze in den Rücken ist eine grausame Vorstellung für mich) meinte die Hebamme Muttermund ist schon komplett geöffnet. Beim 2. waren es dann nur noch 1 1/2 Stunden im kkh an eine PDA habe ich gar nicht gedacht, weil die Wehen größere Abstände hatten und ich es so besser aushalten konnte. Beim Pressen kam dann statt des Köpfchens (warum auch immer) die wohl sehr lange Nabelschnur zu erst. Sorgte für leichte Hektik bei dann 2 Hebammen, aber ich bin sehr froh darüber dass sie mir zugetraut haben dann schnell spontan zu entbinden und mir keine Angst oder sonstiges gemacht haben. Ich wusste sofort ok es stimmt was nicht und jetzt MUSS er kommen, aber hab gesagt ich möchte nicht hören was gerade passiert ist. Es ging dann auch ganz schnell und mein Sohn hat von dem Stress Gott sei dank gar nichts mitbekommen, alle Werte waren super.
    Mir hat immer geholfen ruhig zu bleiben wenn man an die Geburt denkt und auch während den Wehen. Ändern kann man in dem Moment ja doch nichts und das Baby muss halt raus:D einen Kaiserschnitt wollte ich nie, aber auch wenn es passiert, dann ist das eben so. Hauptsache meinem Kind geht es gut. Ich bin keine bessere Mutter weil ich ohne Kaiserschnitt entbunden konnte.

    Antworten
  15. Lena
    Lena sagt:

    2 spontane Geburten, beide per Einleitung – und beide Wunderschön!
    ich wünsche das jede Mutter eine gute Erinnerung an ihre Geburt behält – egal wie!
    Ich war zwar enttäuscht, als die Hebamme mich zum Gynäkologen überwiesen hat – aber es war richtig, denn bei mir wäre eine natürliche Geburt wahrscheinlich nicht gut abgelaufen. Trotzdem hatte ich zwei schöne Geburten im Krankenhaus, ohne zu vielen unnöttigen Eingriffen und Schmerzmittel brauchte ich auch nicht. Ich lebe noch, habe zwei gesunde Töchter, einen lieben Freund, ein Dach über den Kopf, eine Arbeit – man muss nur die Zeitung aufschlagen dann weiss man dass es keinen Grund zum klagen gibt!

    Antworten
  16. Katharina
    Katharina sagt:

    Ich hatte eine normale Geburt im Geburtshaus. Und zwar genau am errechneten Termin, obwohl ich am Mittag vorher noch groß getönt habe, es fühle sich nicht an, als ginge es bald los. Wir nach langen Fernsehabend ins Bett und nachts um halb zwei platzt die Fruchtblase. Und hier mein Tipp an werdende Mütter: geht um den Termin früh schlafen, das war nämlich das, was mir während der Geburt am meisten zu schaffen machte, diese Müdigkeit.
    Um 4:20 Uhr waren wir mit der Hebamme am Geburtshaus verabredet, keine Minute zu früh, es ging dann nämlich fast direkt mit Presswehen los und um 6:40 Uhr war die kleine da.
    Auch wenn ich eine Bilderbuchgeburt hatte, vom Dammriss mal abgesehen, finde ich schade, wie viel Pathos und Kitsch mit Geburt an sich verbunden sind. Das macht es vielen Frauen unnötig schwer, eine Geburt zu verarbeiten, die nicht wie von ihr erhofft verlief.
    Und auch dieses “das ist dir in den Wehen alles egal” und “das vergisst du ganz Schnell wieder” nervt mich jetzt noch mehr als vor der Geburt. Ich hab die ganze Zeit auf den Punkt gewartet an dem mir dann endlich alles egal ist, der kam aber irgendwie nicht. Aber vielleicht war dafür auch einfach zu wenig Zeit.

    Antworten
  17. Sophie (kinderhaben.de)
    Sophie (kinderhaben.de) sagt:

    Ja! Ja, ja und ja zu diesem Text! Ich hatte nach deinen Kriterien eine völlig normale Geburt, unterstützt von zwei tollen Hebammen, die mir Vertrauen in meine eigene Fähigkeit vermittelt haben. Ich erlebe es leider in meinem Umfeld, dass Frauen immer möglichst viel “Sicherheit” wollen und diese Sicherheit eben bei medizinischem Personal suchen. Ich verstehe natürlich dieses Bedürfnis nach Sicherheit. Das Problem ist nur, dass Krankenhäuser und Ärzte eine Sicherheit versprechen, die in dem Maße nicht existiert. Hier wird viel häufiger aus Angst viel zu früh und unnötig eingegriffen. Sicherer wäre meistens das Abwarten und das Vertrauen in einen normalen Geburtsverlauf. Mit den ganzen (angeblichen) Risiken im Kopf fällt das natürlich schwer. Deswegen hoffe ich, dass mehr Frauen sich wieder informieren, was eine normale und natürliche Geburt ist und wie problemlos unser großartiger weiblicher Körper eigentlich funktionieren kann – wenn wir ihn nur lassen! Sich informieren und sich selbst und dem Baby vertrauen ist für mich der Schlüssel. Und eine gute und erfahrene Hebamme an der Seite, die echte Risiken auch erkennt und dann zurecht handelt – und nicht zu früh und unnötig.

    Antworten
  18. Sandra
    Sandra sagt:

    Liebe Jana,

    Vielen Dank für deinen großartigen Blog! :)

    Ich durfte 2010 mit 24 Jahren eine wunderschöne (normale) Hausgeburt mit Hebamme erleben! Es gab keinerlei Interventionen und keine Verletzungen, obwohl unsere Tochter mit 3, 8 kg und 56 cm nicht gerade zart war ;)
    Zu der Zeit hatte ich bereits das 4. Studienjahr meines Medizinstudiums abgeschlossen und war dementsprechend gut informiert. Aber das reichte mir nicht bzw. war es mir zu einseitig – ich durchwühlte die Statistiken und Veröffentlichungen über Hausgeburten, las Geburtsberichte etc.
    Trotzdem oder deswegen wurde ich immer ruhiger im Laufe der Schwangerschaft ^^

    Zu unserer Hebamme hatten mein Mann und ich während der Vorsorge (abwechselnd mit der Frauenärztin) großes Vertrauen gefasst. Wir bereiteten die Möglichkeit der Hausgeburt vor und waren zudem im Krankenhaus angemeldet. Als es dann los ging stellte sich die Frage gar nicht mehr und ich war so froh Zuhause bleiben zu können.

    Es war ein wunderschönes Erlebnis auf das wir alle sehr stolz sind :) Unserer Hebamme gebührt tiefster Respekt und Anerkennung, auch die Zeit danach wurde durch sie und ihre Unterstützung wunderbar und entspannt.

    Nun bin ich mit Zwillingen in der 36. Ssw und werde diesmal mit Beleghebamme (auch eine ganz wundervolle Frau! ) in einem kleinen Krankenhaus entbinden, die ebenfalls Wert auf eine normale Geburt legen. Ich bin zwar ein klein wenig traurig, dass diesmal keine Hausgeburt möglich ist, aber ich sehe dem Ganzen optimistisch entgegen und bin mir sicher meine Hebamme unterstützt meinen Wunsch nach einer selbstbestimmten Geburt :)

    Viele liebe Grüße, Sandra

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Sandra,
      ganz lieben Dank für Dein nettes Bloglob!

      Hach, eine Hausgeburt ist schon was Tolles!
      Dann drücke ich Dir mal ganz fest die Daumen, dass Kind 3&4 auch ganz schön zur Welt kommen! Die Weichen dazu sind ja schon gestellt. :-)
      Liebe Grüße & viel Glück!
      Jana

      Antworten
  19. Sandra
    Sandra sagt:

    PS:
    Es war dieses Mal bedeutend schwerer eine Beleghebamme zu finden, obwohl ich mich bereits in der 7. Ssw darum kümmerte.
    Mit Sorge sehe ich eine zunehmende Pathologisierung der Geburt und die politische Entwicklung für die Hebammen. Ein Arzt kann meiner Meinung nach keine Hebamme ersetzen! Und ohne selbstständig tätige Hebammen keine Entscheidungsfreiheit der Frau.
    Ich musste leider während meines Studiums mehrfach miterleben, dass die Würde einer Frau unter der Geburt angetastet wurde und das Komplikationen aufgrund von Intervention vom Klinikpersonal hervorgerufen wurden. Ich finde das absolut inakzeptabel!!

    Deine Sorge, ob die natürliche Geburt ausstirbt, muss ich also leider teilen.

    Antworten
  20. mom
    mom sagt:

    Meine erste Geburt war “normal” (vor 20 Jahren, ich hab’s schon mal gepostet), meine zweite wird hoffentlich “normal”. Ich fühle mich heute tatsächlich verunsicherter als vor 20 Jahren, das ist sicher auch altersbedingt, aber nicht nur. Man wird ja während der ganzen Schwangerschaft verunsichert – das fängt mit den Ernährungsempfehlungen in den einschlägigen Zeitschriften an, in denen jedes 2. Nahrungsmittel als gefährlich gilt (Salami!!!! Salat vom Salatbuffet!!!!!!). Dann geht’s weiter mit den Angeboten zur Pränatalen Diagnostik, was natürlich Stress aufbaut – oh Gott, was kann alles schiefgehen? Zu diesem Zeitpunkt hat man schon deutlich an Urvertrauen verloren.
    Aber dazu kommt noch was: ich habe jetzt fast 20 Jahre lang autonom Entscheidungen getroffen – eigenständig, alleine und unabhängig von anderen Menschen. Ich habe fast alle meiner Probleme gelöst, ohne in engen Kontakt mit Unbekannten treten zu müssen. Ich habe entschieden, was zu entscheiden war. Und daran bin ich auch gewöhnt und das finde ich auch gut so. Aber jetzt soll ich mich im Nachthemd bis splitterfasernackt vor eine Handvoll Wildfremder stellen, mir von denen einen Zugang in den Arm knallen lassen, bevor das Ganze richtig angefangen hat, und mich denen mit Leib und Seele anvertrauen? Das ist ein deutlich unentspanntere Situation als z.B. eine Wurzelbehandlung, bei der einem immerhin ein Typ in den Mund greift, den man in regelmäßigen Abständen sieht. Und da kommen auch nicht ständig fünf andere Typen vorbei, die mal kurz im vorübergehen schauen, was man so an interessanten medizinischen Vorgängen im Angebot hat…ich überzeichne etwas, aber den Kern trifft es schon: man liefert sich wildfremden Leuten aus und gibt Kontrolle und Entscheidungsfreiheit an der Krankenhaustür ab. Natürlich wird man informiert und gefragt, aber welches durchschnittliche Paar um die 40 kann denn wirklich die Notwendigkeit von medizinischem Procedere einschätzen? Also wird man i. d. REgel sich auf das Krankenhauspersonal verlassen (müssen). Und man muss Leute in seinen engsten persönlichen Bereich reinlassen, was im zivilen Leben eher Seltenheitswert hat. Wie oft kommt einem denn ein Mensch wirklich körperlich nahe? Wie oft fassen einen fremde Personen an? Distanz und körperlich Autonomie ist hier und heute, scheint mir, Standard und auch ein Wert. Das heißt es alles für eine begrenzte Zeit hinter sich lassen – kein Wunder, dass Frauen verunsichert sind, sich verkrampfen und einfach “zumachen”.
    Ich würde mir deshalb wünschen, dass in der Schwangerschaft 100.000x gesagt wird: “Es gibt dieses Risiko, aber bei 99,7% der Fälle tritt es nicht auf…seien Sie unbesorgt wegen XY…” usw. usf. Wenn man es dann 100.000x gehört hat, glaubt man’s vielleicht irgendwann. Dann wäre es schön, wenn auf Geburtenstationen das Personal möglichst wenig wechselt und sich auch mal vorstellt und versucht, Nähe und Vertrauen herzustellen, statt einen “Fall” effizient und anonym abzuarbeiten. Das wäre viel wichtiger als die allgegewärtigen gelben Wände und lustigen Fensterkleber und womit man sonst so die Stimmung im Gebärzimmer zu heben versucht. Und es muss ein politisches ZIEL sein, ein POLITISCHES Ziel, die Kaiserschnitts- und Interventionsrate gering zu halten. Nicht für so ein Gedöns-Thema, das eh keinen interessiert, weil’s eh nur ein paar hysterische Weiber betrifft. Z. B. durch die Förderung von Hebammenbetreuung und Geburtshäusern und was sich sonst so anbietet!

    Antworten
  21. mom
    mom sagt:

    Ach, was ich noch vergessen habe, viel medialer Lärm stört auch. Die letzten Geburten, die mir beim Zappen im TV untergekommen sind, waren unlaublich dramatisch, mit brüllender Frau in Closeup, irgendwelchen dramatischen Notfällen und hektischem, blass werdendem medizinischen Personal. Braucht auch kein Mensch. Das sind nämlich dann genau die Bilder im Kopf die wie abonniert haben, wenn’s bei uns soweit ist: die brüllende Frau, der Notfall, der nervöse Arzt – am Schluss ist dann natürlich alles gut, aber wer merkt sich das schon nach so drastischen Szenen. :-)

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Geburten in Filmen…OmG! Die sind meistens ganz furchtbar und vor allem total unrealistisch!
      Der Klassiker geht so: Die Frau bricht mitten im total normalen Alltag zusammen. Dann sieht mann sie noch auf einer Liege einen Krankenhaus-Flur runter geschoben werden, während sie pustet wie verrückt. Dann sieht mann sie in Rückenlage mit knallrotem Kopf und maximal gespreizten, hochgelagerten Beinen, während um sie herum mehrere Menschen (Arzt, Hebamme???): “Pressen, pressen” brüllen. Dann sieht man sie perfekt geschminkt und selig lächelnd in einem rosa Krankenhauszimmer.
      Ganz ehrlich so einen Geburtsverlauf hab ich noch nie erlebt.
      Wer denkt sich sowas aus?

      Antworten
      • mom
        mom sagt:

        Ja, und die Neugeborenen wirken auch immer recht gut genährt und unrunzelig und *überhaupt nicht neugeboren…. :-)
        Andererseits kann man’s ja auch verstehen – vom Dramaturgischen her ist eine normale Geburt ja eher öde…so wie Krieg: “long periods of boredom punctuated by short moments of excitement”.

        Antworten
  22. Bu
    Bu sagt:

    Hallo,

    ich erwarte in ca. 5 Wochen mein erstes Kind und kann gar nicht beschreiben, welches Gefühlschaos ich beim Gedanken an die Geburt erlebe.
    Mein Partner und ich hatten uns ursprünglich schon für ein KH entschieden. Der Gedanke an ein KH suggerierte zunächst mal Sicherheit. Außerdem wurde nie gefragt, für welche Möglichkeit man sich entschieden hat, sondern es wurde sofort gefragt ‘für welches Krankenhaus’. Eine andere Möglichkeit schien es gar nicht zu geben. Durch Zufall entdeckte ich einen Flyer über einen Infoabend in dem einzigen Geburtshaus der Stadt. Diesen wollte ich dann eher aus ‘Pflichtgefühl’ noch mitmachen, um das Bild abzurunden, dass ein KH die einzig sinnvolle Option ist – und was soll ich sagen, der Abend hatte kaum angefangen, da wusste ich schon, dass bei mir die Entscheidung für das Geburtshaus gefallen ist. Meinem Partner ging es genauso.
    Tief in meinem Inneren weiß ich, dass es genau die richtige Entscheidung ist und alles gut werden wird. Mir hilft der Gedanke enorm, dass die Kinderklinik nur 1,5km entfernt ist. Außerdem war ich schon in diversen Extremsituationen, in denen ich feststellen konnte, wie weit man über sich hinauswachsen kann und wird, wenn man muss – und diese Erfahrung beruhigt mich zusätzlich. Ich habe Vertrauen in diese Urkräfte – und in die Hebamme, deren ruhige, besonnene, erfahrene Art mich sicher wunderbar begleiten wird, und natürlich in meinen Partner, der mir schon immer viel von seiner Kraft und Ruhe übertragen konnte, egal wie brenzlig es wurde. Je näher der Geburtstermin kommt, desto mehr Vertrauen habe ich in die getroffene Entscheidung.
    Wenn es aus irgendwelchen Gründen doch ins KH gehen muss, dann ist es halt so, aber der Gedanke ist sehr weit weg und ich versuche auch, diesen von mir fern zu halten. Nicht nur meinem Kopf geht es besser, wenn ich nicht ständig die Risiken durchspiele und mir ausmale, was alles passieren kann. Vielleicht ist das leichtsinnig, weil mich dann evt. ein KS oder was auch immer unvorbereitet treffen kann, aber das gute Gefühl in diesen Wochen davor will ich mir einfach nicht nehmen lassen.
    Drückt mir die Daumen. :)

    Antworten
  23. mom
    mom sagt:

    Ich sehe, wie mich das Thema beschäftigt, ich habe jetzt zwei Tage lang darüber nachgedacht und möchte noch ergänzen.
    Meine Eigenverantwortung sind die Geschichten, die ich mir selbst erzähle, und die ich anderen erzähle. Ich muss mir selbst ein STOPP zu rufen, wenn ich merke, dass ich mir die Geschichte “Wer nicht ohne Kaiserschnitt gebärt, hat versagt” erzähle, oder die Geschichte “Nur ein tolles Geburtserlebnis bestätigt meinen Wert als Frau und Person”. Niemand außer mir kann für mich für diese Seelenhygiene sorgen. Eine weniger zerstörerische Geschichte könnte sein “Was wirklich zählt, ist, dass ein gesundes Kind geboren wird. Ob “natürlich” oder per Kaiserschnitt, das wird sich aus der Situation ergeben. Jeder wird sein Bestes tun und die beste Entscheidung treffen, die er/sie treffen kann.”
    Wenn mir jemand eine Geschichte erzählen will, die mir nicht gut tut, kann ich sie hinterfragen oder mein Nichteinverständnis ausdrücken. Oft gehen ja Leute von einem stillschweigenden Konsens aus, der gar nicht so gut ist. Ich kann selbst darauf achten, welche Geschichten ich anderen erzähle. Aber das Wichtigste ist: ich muss mir selbst eine Geschichte schreiben, die mir gut tut und mir in Erinnerung ruft, dass es nicht um eine bestimmte Art von “Geburtserlebnis” als Ziel geht.

    Antworten
    • Neeva
      Neeva sagt:

      Das beste Zitat zum Geburtsmodus, das mir jemals untergekommen ist:
      “You don’t have to have a birth experience. You can just have a baby. In fact, you’re going to have a baby, no matter what.” (Kate Fridkis: Growing Eden)
      Man muss kein Geburtserlebnis haben. Man kann einfach ein Kind bekommen.

      Antworten
      • mom
        mom sagt:

        Das sind mal weise Worte! Vielen Dank für das schöne Zitat!
        Ich kann gar nicht sagen, wie oft mir jemand in den letzten Wochen von seinem “Geburtserlebnis” erzählt hat, und ich könnte jedesmal ein bisschen schreien. :-)

        Antworten
        • Neeva
          Neeva sagt:

          Ich betrachte es als Karmapunkte sammeln, Frauen von ihren Geburten erzählen zu lassen. Manche Formulierungen gehen mir auch furchtbar auf den Senkel, insbesondere wenn es ins Esoterische abgleitet, aber es gibt i.d.R. Gesprächs- und Verarbeitungsbedarf und in unserer Gesellschaft keine Rituale dafür.

          Antworten
          • mom
            mom sagt:

            Das stimmt, so hab ich es noch nicht betrachtet. Es ist ganz eigen, der beste aller werdenden Väter ist jetzt wirklich nicht der megakuschelige Plaudertyp, aber seitdem er sich als werdender Vater geoutet hat, erzählt ihm jede/r vom Vorstand bis zur Sekretärin irgendwelche intimen Details aus Schwangerschaft und Geburt.
            Wie groß muss das Bedürfnis, sich mitzuteilen sein, wenn man einem eher förmlichen, distanzierten Mann plötzlich von Dammschnitten, Wehenhemmern und dem furchtbaren Moment erzählt, in dem der Arzt blass wurde und die Frau anfing, zu bluten.
            Der beste aller werdenden Väter schläft seitdem mitunter unruhig…

  24. Neeva
    Neeva sagt:

    Ein wesentlicher Teil meiner Geburtsvorbereitung war das komplette Durchlesen eines Blogs einer Klinik-Frauenärztin. (Heldin im Chaos. Große Empfehlung für alle, die sich durch möglichst viel witzig vorgetragene Information beruhigen. Wer schnell Panik schiebt, Hände weg, sie beschreibt auch Notfälle.)

    Dadurch wusste ich ziemlich genau, was jeweils mit mir passierte und wie die Vorgänge einzuordnen waren. Wusste, was eine Mikroblutuntersuchung ist, dass kindliche Herztöne gerne mal Kapriolen schlagen, was ein Wehenhemmer ist und bewirkt, was mit dem “Oxytropf” gemeint war …
    Es hilft nämlich der Selbstbestimmung der Gebärenden unheimlich weiter, wenn sie grundlegend weiß welche Interventionen es gibt und wie die sich tendenziell auswirken. Dann versteht frau nämlich auch die kurzen, hektischen Erklärungen des Klinikpersonals während der Geburt.

    In meinem Fall gab es das typische Nachlassen der Wehen im Krankenhaus, dann anschieben durch Prostaglandineinlage in der Scheide (kann glücklicherweise wieder entfernt werden, hat nämlich so durchschlagend gewirkt, dass Sohnemanns Herztöne das gar nicht witzig fanden.) Dann Wehenhemmer, Entwarnung durch die Mikroblutuntersuchung (überprüft den Sauerstoffgehalt des kindlichen Blutes). Danach habe ich dann PDA dankend abgelehnt um die Wehen nicht wieder zu schwächen und wenig später den Kleinen auf die Welt gebracht.

    Wenn ich nicht gewusst hätte, dass Herztonabfall immer mal wieder vorkommt und dass die Blutuntersuchung genauer ist als das CTG, hätte ich sicher mitten in den Wehen noch Angst um das Baby gehabt. Nicht sehr hilfreich.

    Antworten
    • mom
      mom sagt:

      Ja, das Blog hab ich mir auch gegeben – super empfehlenswert. Danach weiß man a) dass bei aller Hektik die Medis superengagiert bei der Sache sind und b) dass, egal was man macht, die schon Schlimmeres gesehen haben. :-)

      Antworten
  25. Rachel
    Rachel sagt:

    Liebe Jana,
    auch ich lese deinen tollen Blog schon seit längerer Zeit und poste heute zum ersten Mal einen Kommentar.
    Mein erstes Kind kam 2013 per Sectio zur Welt. Geplant war das so nicht, wir haben uns eine spontane Geburt gewünscht. Ich bin allerdings sehr zierlich gebaut und und der Kopf unseres Kindes war mit 36cm eher groß. Nach 14 Stunden Wehenarbeit und einem Muttermund der bei 4,5 cm Öffnung stehen geblieben ist, lautete die Diagnose Geburtsstillstand und das Kind wurde per Kaiserschnitt geboren.
    Mich hat dieses Erlebnis aber nicht traumatisiert. Im Gegenteil. Ich war so erschöpft und deswegen einfach froh das es einen Weg gab mir zu helfen. Und mein Eindruck war, dass die Hebamme und der Arzt alles versucht haben um das Baby auf natürlichem Weg zur Welt zu holen.
    Im Oktober erwarten wir unser zweites Kind und hoffen wieder auf eine spontane Geburt. Trotzdem bin ich froh, dass die Medizin heute soweit ist mir einen Kaiserschnitt zu ermöglichen wenn es anders nicht geht. Wer weiß ob mein Kind und ich die erste Geburt vor ca 100 Jahren ohne Sectio überlebt hätten? Fortschritt ist nicht immer schlecht…..
    LG
    Rachel

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Rachel!
      Danke für den “tollen Blog”!
      Es steht außer Frage, dass der Kaiserschnitt ist eine geniale, lebensrettende Erfindung ist und ich bin sehr dankbar, diese Möglichkeit zu haben.
      Ich denke Du wurdest nicht traumatisiert, weil, ein Geburtsstilltand in der Regel keine Notsectio erfordert, sondern ein sich anbahnendes Ereignis ist. Man bekommt mit, dass es nicht mehr weiter geht, man versucht Maßnahmen zu ergreifen, um noch eine spontane Geburt zu ermöglichen und merkt: das geht nicht. Meist wird die Entscheidung dann gemeinsam getroffen und alles läuft dann halbwegs ruhig ab.
      Das ist gut!
      Du sagst ja auch, Du fühltest Dich gut betreut. Meiner Erfahrung nach kommt es auch zu keiner Traumatisierung, wenn Familie und Geburtshelfer in guter Kommunikation bleiben und die Familie sich zu jeder Zeit “mitgenommen” fühlt.
      Schlimm ist es meistens, wenn etwas plötzlich über einen herein bricht. Dann fühlt man sich fremd bestimmt und missachtet.
      Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist und drücke Dir die Daumen für eine weitere gute Geburt, wie auch immer der Modus am Ende sein mag!
      Alles Liebe
      Jana

      Antworten
  26. Stefanie
    Stefanie sagt:

    Ein bißchen abseits vom Thema: Wie ist das eigentlich mit Angst VOR der Geburt und drüber reden? Ich hätte vor meiner ersten Geburt durchaus Redebedarf gehabt, aber niemanden zum Reden. In der Umgebung gabs keine Mütter (außer meiner Mama und Schwiegermama, und bei denen wars schon so lang her) und alle Männer haben unglaublich schnell den Kopf eingezogen, wenn ich damit angefangen habe, dass ich Angst vor den Wehen habe. (Kann ich ja gut verstehen, die armen Jungs, zuschauen müssen, außerdem Vagina der nicht-eigenen Frau…), meine Hebamme hatte auch nicht wirklich Zeit für das Thema. Die hatte hinterher auch nicht wirklich Zeit, über die Geburt zu reden, zu der gehe ich nicht nochmal. Wie war das bei euch, mit wem habt ihr geredet, dass ihr Angst habt, hat das was geholfen? Jana, kommen Frauen zu dir mit dem Thema?

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Stefanie, das ist sehr schade, dass du niemanden zum Reden hattest. Ich frage “meine Frauen” eigentlich immer schon sehr früh danach, um abschätzen zu können, wie viel Redebedarf es gibt. Dann sollte im Geburtsvorbereitungskurs auch Raum dafür sein.
      Ich glaube das es vor allem gut tut Positives über die Geburt zu hören. Und auch, dass es total normal ist mit etwas Angst, oder zumindest Respekt in die Geburt zu gehen. Das relativiert vielleicht alles etwas und man fühlt sich nicht alleine damit.
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
      • Manuela
        Manuela sagt:

        Hallo Jana,

        ich hatte nach der Geburt leider keine Hebamme, mit der ich reden konnte und ich glaube deshalb hab ich die Geburt auch noch so gar nicht verdaut.
        Unsere Maus hat sich einen Tag ausgesucht, an dem in dem Krankenhaus überdurchschnittlich viele Geburten waren.
        Vielleicht waren die Hebammen dadurch einfach zu überfordert, um mit mir danach noch zu reden. Außerdem fand kurze Zeit später der Schichtwechsel statt und die “neue” Hebamme war eher unfreundlich und mir gänzlich unsympathisch.

        Ich habe mich gut auf die Geburt vorbereitet und freute mich sogar darauf. Ich wusste, dass es anstrengend und schmerzhaft werden kann, wollte mich aber ganz und gar darauf einlassen und freute mich, die Geburt unseres ersten Kindes ganz bewusst zu erleben.
        Leider wurde ich bitter enttäuscht……

        Unsere Prinzessin ist jetzt 12 Wochen alt, ist mein erstes Kind und kam ziemlich überstürzt zur Welt – gerade mal gut 2 Stunden nach der ersten verspürten Wehe.
        Nach drei heftigsten Wehen – die ich so halbwegs gut veratmet habe – bekam ich eine Art “Dauerwehe”, die mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat, ich kniete nur noch vor dem Entbindungsbett und hatte ein total schlimmes Muskelzittern am ganzen Körper. Ich bekam einfach keine Wehenpause, mein Kopf schaltete auf Stand-By, mein Körper auf Autopilot und ich versuchte nur noch, dass ich irgendwie Luft bekam, da ich wegen der heftigen Schmerzen zwischendrin immer wieder den Atem anhielt. Die Hebamme rief mir dann ein lautes “Aaah” zu, damit ich wieder etwas normaler atmete…..
        Nach 2 Stunden in diesem Ausnahmezustand war unsere Tochter auf der Welt und ich total neben der Spur.

        So heftig und schmerzhaft die Geburt auch war, das ist nicht mein Problem.
        Vielmehr fühle ich mich noch heute um das Geburtserlebnis “betrogen”, ich kann mich nicht wirklich an viel erinnern, das meiste musste mir mein Mann erzählen….. wie gesagt, mein Kopf hat sich total ausgeschaltet….

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        • Mom
          Mom sagt:

          Hallo Manuela,

          ich bekam vor 4 Wochen mein Baby, und bei mir war es genau so – 2,5 Stunden Wahnsinn ohne Pause, dann war das Baby da. Die Wehen kamen quasi ohne Pause, alles, was man so liest – sich verkürzende Wehenabstände, Übergangsphase, sich steigernder Wehenschmerz etc., fand quasi nicht statt, ich konnte vor Schmerzen weder stehen noch liegen, es war grausam. Ich konnte das ganze Geschehen gar nicht einordnen, eben weil der Ablauf so anders war als 10.000x gehört und mein Partner war auch völlig überrumpelt. Wir haben uns auch gegenseitig eine Woche später gestanden, dass wir uns um das Geburtserlebnis “betrogen” fühlten.
          Das war eine 100% natürliche Geburt ohne Geburtsverletzungen, abe sowas muss ich nicht noch mal haben…es war echt brutal.

          Antworten
  27. Julie
    Julie sagt:

    Ich hab schon wieder einen Blogeintrag zu dem Thema geschrieben – diesmal allerdings tatsächlich vor Lesen dieses Beitrsgs ;)

    https://nithiel.wordpress.com/2015/05/05/zum-internationalen-hebammentag-zwillingskinder/

    Die Geburt meiner Zwillinge war laut KH “perfekt”, alle waren begeistert, wie toll wir das alles gemeistert haben. Sie kamen spontan in der 37.+7 Woche, der erste (in Kopflage) per Saugglocke, der zweite (Beckenendlage) wurde dann so schnell rausgezogen, dass er erst einen Tag später gemerkt hat, dass er geboren wurde. Von der ersten Wehe bis zur Geburt waren es 17Stunden, die PDA wurde mir nach 12 auf meine Frage hin gelegt.

    Am faszinierendsten ist für mich der massive Unterschied in der Femdwahrnehmung und der Eigenwahrnehmung der Geburt. Wie erwähnt, waren auf der Geburtstation alle total begeistert und angetan, für uns selbst war das Ganze eher… unschön.

    Gerade die eigentliche Geburt, also nach vollständiger Eröffnung des Muttermundes, war so gehetzt und schnell, dass wir kaum hinterherkamen. “Oh, das ist ja schon komplett offen” kam drei Stunden nach der PDA (zweieinhalb Std später waren die Kinder da) und ich merkte keinen Unterschied zwischen Eröffnungs- und Presswehen. Mir wurde ein Wehentropf gelegt und spontan war der Kreissaal voller Leute: zwei Hebammenschülerinnen (so toll! Sie hatten uns den Nachmittag begleitet), zwei Hebammen, eine Assistenzärztin, der Oberarzt, noch eine Oberärztin, der Anästhesist, zwei Kinderärzte. “Wissen Se wohin Se pressen müssen?” – “Äh, nach unten?” Nachher ärgerte ich mich, dass ich nicht sagte “Woher soll ich das wissen!”, aber hinterher ist man immer schlauer. Aber die Geburt ging voran, der erste kam, langsam, aber er kam. Den Ärzten nicht schnell genug, also kam die Saugglocke. Leider hatte sich der Herztonmesser, den sie meinem Erstgeborenen an den Kopf gelegt hatte, gelöst, so dass es sich beim Anlegen der Saugglocke anfühlte, als stochere man mit einer glühenden Nadel in mir rum, was zu den schlimmsten Schmerzen unter der Geburt führte. Und dazu der dazugehörige Dammschnitt, den ich im Geburtsplan ausgeschlossen hatte, weil sie den halt immer machen bei einer Saugglocke. Das war der Moment, in dem mein Mann dachte, ich sterbe ihm unter den Händen weg. Das zweite Kind wurde mit Bauchgedrücke und Hand in mir rausgezogen.

    Es war keine schlimme Geburt, es ging alles gut, Kinder und Mutter kerngesund und wir konnten am nächsten Tag nach Hause, wo ich erst wirklich beginnen konnte, zu begreifen, was passiert war. Aber auch wenn sich alle Kh-Angestellten auf die Schulter klopfen konnten, war für mich die Geburt nicht schön. Und vor allem nicht so, wie ich sie mir gewünscht hatte.

    Ich hatte bei der Geburtsortwahl eben KEINE Wahl wie es Einlingsmütter haben, und das war das, was meine größte Angst unter der Geburt war. Und auch wenn ich viel Vorbereitungszeit auf das Erlebnis “Krankenhaus” hatte, denke ich, dass diese Angst eine wichtige Rolle gespielt hat beim Geburtserlebnis. Meine Hebamme, die eigentlich dabei sein wollte (als Unterstützung und Freundin), war leider bei einer anderen Geburt im Geburtshaus, was mir echt fehlte. Aber auch so: ich bin der festen Überzeugung, dass eine normale Geburt im Krankenhaus nur unter absoluten Optimalbedingungen möglich ist, und wann gibt es bei einer Geburt nur Optimalbedingungen? Meine größte Hoffnung ist, dass ich bei einer eventuellen weiteren Schwangerschaft nur ein Kind bekomme und noch die Wahl haben werde, wo ich dieses Kind dann bekommen möchte. Denn nochmal KH möchte ich nicht erleben.

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    • Danifee
      Danifee sagt:

      Ich hatte leider etwa die gleiche Erfahrung bei der Geburt meines kleinen Jungen. Eine “medizinisch einwandfreie Geburt”, zu der mir sogar die Belegschaft in der Wochenbettabteilung gratulierte (“toll, ganz ohne PDA” ‘?!?), aber für mich ein leider sehr schreckliches Erlebnis, da nach zwei Stunden Presswehen, die ich gar nicht wirklich schlimm fand, eine Horde Ärzte (4 an der Zahl) in den Saal kam und meinte, da müsse man jetzt was tun – das fordert die Routine.

      Nachdem ich ein paar Stunden lang friedlich mit meiner Hebamme allein in einem eigentlich angenehmen “Flow” von Wehen, Pausen und selbstbestimmten Positionen war, wurde ich nach Erscheinen der Ärzte auf den Rücken gedreht, die Beine wurden festgemacht und dann kam die Saugglocke. Auch meiner Erfahrung nach der wesentlich schmerzhafteste Teil der ganzen Geburt. Das Schneiden liessen sie zum Glück sein, aber wohl nur, weil sich meine Hebamme für mich eingesetzt hat (danke!) – es blieb übrigens alles heile, was das medizinische Personal (anwesend und nachbetreuend) hauptsächlich ins Staunen versetzte (?!?).

      Da mich die Oberärztin in eine Position zwang, in der ich mir unweigerlich zwischen die Beine schauen musste, wenn ich die Augen öffnete, sah ich den saugglockenverzogenen Kopf meines Jungen, ein fürchterlicher Anblick, der dazu führte, dass ich überzeugt war, dass “so etwas” nicht lebensfähig ist und ich nur noch wollte, dass man dieses “kaputte Baby” aus mir rausholt. Was die Ärzte mit viel Gedrücke und Gezerre auch innerhalb von zwei weiteren Wehen gemacht haben und ich das Gefühl hatte, dass sie mich auch gleich noch zerrissen (ich hatte noch einen halbwegs klaren Gedanken während diesen Minuten und der war: “erst machen sie mein Baby kaputt und jetzt noch mich”). Für mich war nach dem Anblick des Kopfes eh alles gelaufen und ich wollte nichts mehr von diesem Kind sehen, weil es für mich ja “kaputt” war und sein Anblick einfach zu viel (soviel zu Eigen- und Fremdwahrnehmung). Deshalb habe ich davon, wie er effektiv zur Welt kam, eigentlich keine Erinnerungen mehr, weil ich alles, was um mich rum vorging, auszusperren versuchte – offensichtlich einigermassen erfolgreich.

      Als der Kleine da war, haben sich alle um ihn, respektive meine Plazenta gekümmert, vermutlich, weil alle mein Heulen als Ausdruck der grossen Freude interpretiert hatten. Es war jedoch pure Verzweiflung. Die Message der Hebamme, dass er wohlauf und gesund ist (er “musste” erst zur Kinderärztin, so will es ebenfalls die Routine) und ich unversehrt geblieben war, kam dann etwas später irgendwie nicht mehr an, weil in meinem Kopf während dieser “unbetreuten” Zeit schon zu viel Kino abgelaufen war.

      Die Folge davon: ich habe tagelang nur geheult und konnte mit dem Kleinen die ersten Wochen überhaupt nichts anfangen, da er mit meiner ganz persönlich erlebten Geburt nichts zu tun hatte (“mein” Baby war ja tot…). Und er hat wochenlang nur geschrien.

      Sollte ich also je noch einmal ein Kind bekommen, dann sicher nicht mehr im Krankenhaus, denn ich bin überzeugt, dass wir zwei das ohne “Hilfe” problemlos geschafft hätten – und uns der ganze Schmerz und die ja eigentlich unnötige Trauer erspart geblieben wären.

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  28. Elli
    Elli sagt:

    Ich hatte eine wundervolle Geburt. Ich sehe den Grund für den so positiven Verlauf aber an der Gesamtsituation, in der ich war, bzw. mich begeben durfte – welche vielleicht anderen Müttern eine “normale” Geburt ermöglichen könnten.
    Ich habe mit einer Beleghebamme in einem Privatspital (Österreich) geboren. Meine Hebamme, das war die ganz große Liebe, von Anfang an. Ich habe ihr blind vertraut; wir hatten zahlreiche Treffen während der Schwangerschaft und je näher der Geburtstermin rückte, desto mehr freute ich mich darauf. Als meine Gynäkologin in der 37. SSW feststellte, der Muttermund sei schon 4cm geöffnet, sagte mir meine Hebamme am Telefon auch “Ich freu mich drauf!” und ich glaube dieses Gefühl hat sie mir von Anfang an vermittelt: Eine Geburt ist etwas Schönes!
    Was mir auch half: Lesen in Ina May Gaskins Buch, das du erwähntest, außerdem habe ich viel mit meiner Schwägerin und Schwiegermutter über Geburten gesprochen. Beide hatten äußerst positive Geburtserlebnisse, angstfrei und spontan.
    Als ich also mit Blasensprung und ohne Wehen ins Spital fuhr, war ich guter Dinge. Viele Treppen später traf mich die Wucht der Wehen trotzdem völlig unvorbereitet. Meine Hebamme riet mir zu einem leichten Schmerzmittel. Diese Möglichkeit war für mich großartig. Ich konnte von da an die Wehen gut veratmen, war sehr ruhig und sehr zuversichtlich.
    Es hat dann doch vier Stunden gedauert, bis mein großes Kind zur Welt kam. Laut meiner Hebamme hatte ich wegen meines “brettelharten” Beckenbodens und der breiten Schultern meines Sohnes ein bisschen mehr zu tun als erwartet. Aber die Presswehen, die sehr lange dauerten, waren dann nicht mehr schlimm für mich – da hatte ich ja etwas zu tun.
    Meine Hebamme hielt zudem den Zustand des Kindes immer fern von mir. Das mag sich komisch anhören, wenn ich das so schreibe, aber Fakt ist, dass ich nie mitbekommen habe, wenn sie meinen Sohn per CTG überwachten, nie den Gedanken hatte, es könne ihm schlecht gehen, sondern sehr auf mich konzentriert war.
    Ich war, nachdem mein Sohn geboren war, unendlich stolz auf mich und spürte eine große, große Kraft.
    Jetzt, wo doch irgendwann ein zweites Kind im Raum steht, jedenfalls die Frage danach, ist eine Sache für mich sehr klar: Ich werde mir, selbst sollte ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr privatversichert sein, irgendwie eine Beleghebamme leisten. Für mich war die Beziehung zu ihr essentiell.
    Zum anderen ist etwas anderes unsicher geworden: Ich mache mir viel mehr Gedanken um eine zukünftige Geburt und ihren Ablauf, als bei meinem Sohn. Man weiß nun doch genauer, um was es geht, die Risiken, die Nebenwirkungen. Ich hoffe, dass mit einer zweiten Schwangerschaft auch der gesunde Optimismus zurückkehrt, den ich zuvor genießen durfte. Das ist etwas, was man nur geringfügig beeinflussen kann, aber doch ein großer Segen war.

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  29. Lisa
    Lisa sagt:

    Liebe Jana,
    ich hoffe du hast nichts dagegen, wenn ich hier Werbung für ein Crowd funding Projekt poste, aber das Thema ist einfach zu passend. Hier die Kurzbeschreibung aus der Homepage des Projekts (https://www.startnext.com/die-sichere-geburt)

    “Ein Film über Deutschlands Geburtssituation. Wie wird in Deutschland geboren?
    Was macht eine Geburt sicher – maximale medizinische Kontrolle oder den-Dingen-ihren-Lauf-lassen?
    Ist die drohende Berufsaufgabe vieler freier Hebammen ein wägbares Risiko, oder haben wir schon heute zu wenig Hebammen?
    Hebammen, ÄrztInnen und ForscherInnen diskutieren Nutzen und Schaden von Pränataldiagnostik, Geburtsarten und -eingriffen im Hinblick auf Gesundheit von Mutter und Kind.”

    Vielleicht hast auch auf anderem Weg schon davon gehört?
    Ich hoffe sehr das Projekt kommt zustande und hilft dabei die Situation der Hebamen endlich zu verbessern!
    Danke für dein tolles Blog und viele Grüße!
    Lisa

    Antworten
  30. skadi
    skadi sagt:

    Hallo Jana
    Meine erste Tochter habe ich per Not-Kaiserschnitt, unter Vollnarkose Welt gebracht.
    Bei meiner zweiten Tochter lief alles ganz anders. Nachts um drei die ersten Wehen, um fünf waren wir im Krankenhaus und um acht Uhr hinten wir unsere Tochter bereits in den Armen.
    Ich habe die Geburt ohne Schmerzmittel geschafft. Leider mit ein paar Punkten die ich mir für die künftige Geburt in ca.30 Tagen anders erhoffe.
    Ich hatte keinerlei Möglichkeit der Mitbestimmung. Ich hätte zur Entspannung gerne ein Bad genommen, was mar leiderzu jeder Zeit verwehrt wurde. Warum weißich bis heute nicht. Sollte die ggesamte Zeit im Bett verbringen, ja nicht aufstehen. Und zu guter Letzt hat sich der anwesende Arzt mit vollem Körperverletzung auf den Bauch “gestürzt” um das Kind “rauszuschleudern”, was laut meiner Hebamme zu der Zeit völlig unnötig gewesen sei.

    Trotz alledem habe ich keine großen Ängste vor der bevorstehenden Geburt. Ich kann sogar sagen, dass ich mich darauf freue und alles auf mich zukommen lassen möchte.

    Und bis es endlich soweit ist, lese ich einfach weiter mit totaler Begeisterung deinen Blog.
    Er ist toll.

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Skadi,
      das hört sich echt nicht so toll an. Hattest du die Chance das Ganze etwas nach zu besprechen? Das ist immer gut. Ich hoffe du hast für die nächste Geburt bessere Bedingungen!
      Danke für das tolle Bloglob! Das freut mich seeeehhhhr! <3
      Viel Glück und alles Gute!
      J

      Antworten
      • skadi
        skadi sagt:

        Nein und wenn ich ehrlich bin, dann habe ich die vielen fiesen Details auch verdrängt, bis in mir eine große Angst vor der bevorstehenden Geburt aufkam. Dann kamen die Sachen nach und nach wieder hoch.
        Jetzt hbe ich ein ganz wundervolles Gespräch mit einer hebamme gehabt.
        Ich freue mich nun auf die Geburt und gehe absolut angstfrei und ohne Plan hinein.

        Antworten
  31. Julia
    Julia sagt:

    Hallo,
    Nach einer schweren, interventionsreichen Spontangeburt würde ich gerne zwei Dinge, die mir vorher niemand gesagt hat, an alle Erstmamas weitergeben:
    Es gibt auch nach vorzeitigem Blasensprung einen Wehensturm (und nicht nur durch den Wehentropf) – ich wäre mit dem Wissen besser mit den übermächtigen Schmerzen ab Wehenbeginn im Auto zurecht gekommen.
    Und – mit diesem Wissen hätte ich mir bei 4-5 cm Mumuöffnung nach 3 h vielleicht keine PDA setzen lassen – die 1 cm Mumu pro Stunde sind nur Statistik, bei meinem Wehensturm hätte es vermutlich keine 6h mehr gedauert:-(

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Julia, danke für deinen Tipp. Du hast völlig Recht. Die Statistik ist eben nur eine Statistik und nicht die Regel für jede Frau. Es kann auch alles ganz anders und nicht nach Norm ablaufen.
      Das mit dem Blasensprung ist bei jeder Frau anders. Viele empfinden die Wehen danach als stärker, aber eben auch nicht alle.
      LG
      Jana

      Antworten
  32. Kathrinschen
    Kathrinschen sagt:

    Hallo,
    ich bin zur Zeit wieder schwanger und erwarte im November mein drittes Kind.
    Nachdem meine Mutter 1978 bei der Entbindung von mir eine PDA hatte und der Geburtsverlauf dadurch so massiv gestört wurde, dass ich mit Behinderungen durch Sauerstoff-Mangel zur Welt kam und die Gutachten der Uniklinik Hannover über meinen Zustand und die Prognose einen Schauer beim Lesen verursachen, nur kurz dazu, ich sollte laut Gutachten ein Dauerpflegefall sein, war mir für mich klar, so etwas möchte ich definitiv nicht erleben.
    Ich wollte eine Geburt ohne Intervention. Da ich zumEnd der Schwangerschaft eine Gestose entwickelte, kam ich drei Wochen vor Termin ins Krankenhaus. Dort wurde nach dem Kind geschaut, d es aber zum Glück gut ging. Anstatt die Geburt einzuleiten wie von meinem Gyn gefordert, bot man mir nur einen Kaiserschnitt an.
    Diesen lehnte ich dankend ab. Da es dem Kind gut ging, wurde ich entlassen.
    Mein Gyn war ziemlich fassungslos, aber in Ermangelung eines anderen Krankenhauses in der Nähe, hat er mich dann täglich untersucht und ans CTGe gehangen.
    Vier Tage vor Termin hatte ich dann nachts um drei einen BS.
    Im Nachhinein denke ich, dass er am Tag zuvor den MuMu stärker gedehnt hatte. Aber als Erstgebärende war mir das nicht so bewusst.
    Die Wehen, die dann kamen haben mich total überfordert. Von null auf hundert in wenigen Minuten, das war Wahnsinn. Gut nur, dass ich ein sehr analytischer Mensch bin und mich sehr gut selbst unter Kontrolle habe. Mein Mann half mir in den Wehenpausen mich anzuziehen, leider waren diese immer nur ein bis zwei Minuten lang, aber bald war ich angezogen. Die Treppe runter zum Auto schaffte ich in drei Einzeletappen.
    Um fünf Uhr waren wir im Krankenhaus und der Muttermund bei 8 cm.
    Durch die rasche Wehenfolge war an eine PDA nicht zu denken, leider dauerte die Austreibunsphase dann vier Stunden. Ich habe einfach nicht gewusst, wie ich wohin pressen musste. Als das Kind den Geburtsland mit dem Kopf dann passiert hatte, habe ich in der letzten Wehe dann den Dreh heraus gehabt und mein Kind wäre der Hebamme beinahe vom Bett gefallen, so viel Schwung hatte es.
    Die zweite Geburt verlief viel schöner, da ich besser vorbereitet war, und auch keine Gestose bestand. Normaler Wehenverlauf und von der ersten bis zur letzten Wehe keine vier Stunden. Ich habe in aller mein Kind ins Bett gebracht, meine Mutter war glücklicherweise gerade da, daher brauchte ich mich auch nicht noch um einen Babysitter kümmern, habe noch geduscht und mich dann mit meinem Mann auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.
    Dieses Mal hatte ich genau zwei Pressezentrum und mein Kind war da. Ebenfalls ohne Schmerzmittel.
    Es geht. Sogar gut, wenn man sich nicht zu etwas überreden lässt. Ich bin auch sehr froh, meinen Mann ständig dabei gehabt zu haben. Die Entscheidung beim ersten zu treffen, nach Hause zu gehen und den “sicheren” Kaiserschnitt auszuschlagen, trotz Gestose mit RR von 180/100 und Beinen wie die eines Elefanten, war keine einfache Entscheidung. Aber es ist zum Glück alles gut gegangen.
    Jetzt beim dritten Kind stand ich vor dem Entschluss, hier oder in Südafrika zu entbinden. Der medizinische Standard dort ist europäischen Standards gleich zu setzen, Stellenbosch ist eine der besten medizinischen Fakultäten auf der Welt. Allerdings haben die eine Kaiserschnittrate von fast 80%. Daher werde ich in Deutschland entbinden. Noch sind wir hier in der Lage, normal entbinden zu können. Die Frage ist nur, wie lange noch.

    Antworten
  33. Christine
    Christine sagt:

    Hallo,
    Vorneweg: Ich selber bin Tierärztin mit vielen Jahren Erfahrung. In der Zeit habe ich einige Geburten (meinst nur die komplizierten) betreut und auch selber KS an Kühen, Hunden und Katzen durchgeführt. In der Tierwelt läuft zum Glück meist alles wie es soll. Und vor allem ohne den Menschen ab. Die Tiere ziehen sich wenn möglich zur Geburt an einen sicheren Ort zurück oder warten bis keiner mehr da ist, der stört.
    Ich denke, die Natur macht instinktiv (fast) alles richtig. Und falls nicht, kann uns die Medizin oftmals weiterhelfen. Bei meinen 3 Geburten war dies auch so.
    Einen Geburtsvorbereitungskurs habe ich nicht gemacht, ich fühlte mich ausreichend informiert. Zur Geburt fuhren wir in Klinik. Die Hebamme und auch mein Mann haben sich auf meinen Wunsch hin zurück gehalten. Es wurde rel. wenig gesprochen und nur das nötigste untersucht. Ich war sehr konzentriert habe mich viel bewegt, verschiedene Positionen ausprobiert. Unser Sohn kam nach ca. 8 Stunden ohne grosses Zutun der Hebamme zur Welt. Sie hat mich nur am Ende etwas gebremst und damit den Damm gerettet. Ich hatte eigentlich fast immer das Gefühl Herrin der Situation zu sein.
    Die zweite SS endete leider nach 9 Wo in einer Fehlgeburt. Aber auch hier hat die Natur gut gearbeitet. Nach leichten Blutungen in der Wo 8 bin ich zum FA, der konnte beim US aber keinen Herzschlag finden. Mein FA hat mir empfohlen abzuwarten und falls sich innert 1 Wo nichts tut, eine Ausschabung machen zu lassen. 2 Tage später hatte ich zuhause „Mini-Wehen“ und so was wie eine kleine Geburt. Ich bin zur Sicherheit noch kurz in die Kontrolle zum FA. Alles ok (ausser natürlich die Gefühle). Wir haben dieses Kind später in unserem Garten beerdigt.
    Die dritte SS war wieder komplikationslos. Unser Sohn präsentierte sich allerdings als BEL. Alle sanften Methoden (Moxen, indische Brücke etc.) blieben erfolglos. Es wurde eine äussere Wendung im KH versucht (nüchtern, Bereitschaft zum NotfallKS). Leider ebenfalls ohne Erfolg und zudem keine schön Erfahrung. Ich fühlte mich nachher wie vom Bus überfahren. Ich würde es nicht mehr machen lassen. Es wurde mir zum geplanten KS geraten. Ich habe mich erkundigt, ob in dem KH auch eine normale Geburt aus BEL möglich sei. 1 Wo später kam dann das o.k. vom zuständigen Chefarzt. Es wurden allerdings viele Bedingungen gestellt: Spezielles Aufklärungsgespräch, geschätztes Gewicht nicht über 3.5 kg, spontaner Wehenbeginn und zügige Eröffnungsphase, keine PDA, Geburt in Rückenlage. Da nur gerade 1 Arzt im ganzen KH die nötige Erfahrung hatte, musste er anwesend sein. Ich musste mich auch darauf einstellen, dass es allenfalls einen Notfall-KS unter Vollnarkose geben könnte. Ich habe nur eine Bedingung gestellt: Alle Anwesenden sollen mich nicht während einer Wehe ansprechen und mich auch sonst möglichst in Ruhe lassen.
    Trotz, oder gerade wegen all dieser Bedingungen und Vorbereitungen fühlte ich mich gut und sicher aufgehoben. Kurz vor dem ET fingen die Wehen spontan an und schon nach kurzer Zeit drängte es mich in die Klinik. Zum Glück hatte der richtige Arzt gerade Dienst. Nach nur 1.5 Stunden im KS kam dann mein 2. Sohn auch schon zur Welt. Die Schmerzen waren irgendwie anders und am schlimmsten war die ungünstige Rückenlage während den Presswehen. Da es aber nur 5 Minuten dauerte, war es schon ok.
    Bei allen 3 Geburten hat mich fasziniert, wie gut die Natur funktioniert, wenn man sie lässt. Es ist mir bewusst, dass ich auch viel Glück dabei hatte. Aber ob diese Geburten nun „Normal“ waren oder nicht ist mir egal. Sie haben für mich gestimmt. DAS sollte der Normalfall sein!

    Antworten
  34. Mona
    Mona sagt:

    Hallo,
    genau an diesem Tag (23.April 2015) habe ich mein erstes Kind zur Welt gebracht. Ganz natürlich, ohne PDA oder ähnliches, im Vierfüßlerstand (Das war an diesem Tag das Highlight für die diensthabende Hebamme).
    Für mich stand immer fest, dass ich es auf natürlichem Weg versuchen möchte, wenn alle Voraussetzungen es zulassen. Ich hoffte, dass mein Baby selbst entscheiden würde, wann es bereit ist. Wie jede Erstgebärende hatte ich natürlich auch Angst vor dem Ungewissen.
    6 Tage vorm errechneten Termin war es soweit. Noch am Abend zuvor hatten wir Bauchfotos machen lassen – ein Tag zu früh :)
    Zwischen 01:00 und 02:00 Uhr verspürte ich erste Wehen (ich wusste nur noch nicht, dass es welche sind :P und ging wieder ins Bett). Gegen 04:00 Uhr platzte die Fruchtblase und etwa eine Stunde später waren wir im Krankenhaus. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt zwar schon eine Regelmäßigkeit der Wehen feststellen, aber auch noch beschwingt die Treppe zum Kreissaal rauf gehen. Um die Wehen voran zu treiben und den Weg für mein Baby frei zu machen, bin ich solange ich durfte umhergelaufen. Für mich persönlich waren die Schmerzen so wesentlich angenehmer zu ertragen als liegend wie ein Käfer auf dem Bett. Ich war ehrlich gesagt froh, wenn ich wieder vom CTG aufstehen durfte. Die Geburt schritt zügig voran. Allerdings waren an diesem Tag auch noch 3 geplante Kaiserschnitte und zwei weitere Muttis wie ich in den Wehen. Gegen Mittag begann die heiße Phase. Die Hebamme stellte fest, dass der Muttermund weit genug geöffnet war. Ihr Kommentar dazu: Du musst noch aushalten bis der letzte Kaiserschnitt fertig ist. Das hört sich jetzt schlimmer an, als es tatsächlich war. Sie sagte es mit einem Lächeln auf den Lippen und ihre Erfahrung gab mir Sicherheit. 12:34 Uhr hielt ich mein Baby in den Armen, überwältigt!
    Mit dem Beginn der ersten Wehen hatte meine ursprüngliche Angst keinen Platz mehr in meinem Kopf und auch an eine PDA habe ich keinen Gedanken mehr verschwendet. Ich habe es nicht bereut und das Lachen meines Sohnes belohnt mich jeden Tag.
    Mamas nehmt euren Mut zusammen!!

    Antworten
  35. Skadi
    Skadi sagt:

    Hallo Jana….
    Ich habe hier bereits von der Geburt meiner zweiten Tochter berichtet, zu dem Zeitpunkt war ich mit meinem dritten Wunder schwanger.

    Das Erlebnis dieser Geburt muss ich mitteilen, allein schon um anderen Frauen mit zu machen.
    Ich habe zwei nicht so schöne Geburten erlebt. Eine Not-Sectio und eine natürliche Geburt, die im Nachhinein alles andere als schön war.
    Dementsprechend hatte ich zeitweise wirklich Ängste davor, zumal mir dank Gestationsdiabetes ein recht großes Kind vorhergesagt wurde (wieder mal).
    Samstag morgen um 4 Uhr gingen die Wehen los, um 7 habe ich meinen Mann geweckt, bin duschen gegangen um 8 waren wir im Krankenhaus. Wehen im 3 Minuten abstand…
    Kaum war ich im Kreißsaal, war alles weg. Alles zog sich hin. Ich würde auf meinen Wunsch stationär aufgenommen, schickte meinen Mann abends um 21 Uhr nach Hause….
    Dann, um 0.35 platzte die Fruchtblase, ich rief meinen Mann an, er machte sich auf den Weg.
    Im Kreißsaal angekommen, ging es schon mit den Pressewesen los und nach sage und schreibe einer halben Stunde war das Mäuschen da.
    Sehr spontan, natürlich ohne Schmerzmittel, aber auch ohne Wehenpausen und ohne meinen Mann… Der kam 10 Minuten zu spät.
    Wenn ich im Nachhinein drüber nachdenke, an diese Traumgeburt denke, kommen mir jedes Mal unbeschreibliche Glücksgefühle und große Erleichterung, dass ich mich nicht von meinen Ängsten leiten lassen habe. Es ist einfach das schönste was ich in meinem Leben erlebt habe. Und das sollte jeder Frau möglich sein… Eine traumhafte, schöne und selbstbestimme Geburt die einen das ganze Leben lang als tolle Erinnerung im Gedächtnis bleibt.

    Antworten
  36. Jen
    Jen sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    voller Neugier sauge ich Eure Geschichten auf;-)
    Bin zum ersten Mal und noch ganz “frisch” schwanger.
    Bin 30 Jahre alt und erst in der 9 Woche dabei:-)
    Aber ich habe ein gutes Gefühl das es noch viele Wochen geben wird.

    Da ich unter Übelkeit und Schlappheit-wenn man das so nennen darf-leide, liege ich nach der Arbeit viel auf meinem Sofa und bin so zu Euren Erlebnissen gestoßen.

    Ab und zu kommt der Gedanke mal auf dass auch ich vielleicht bald gebären darf.
    Ehrlich gesagt rede ich aber noch nicht darüber weil Es noch so weit entfernt liegt.

    Jeden Falls muss ich sagen stelle ich mir eine Geburt Zuhause am schönsten vor:-)

    Ist es denn überhaupt ratsam die Erste Geburt Zuhause zu erleben???
    Oder stellt meine Unerfahrenheit ein Hindernis dar?
    Ich habe mitbekommen dass das KH was in unserer Nähe liegt aber auch sehr auf natürliche Geburten bedacht ist.
    Das wäre ja dann auch schonmal was!
    Wie ist das eigentlich….wenn die Hebamme mit ins KH geht und plötzlich huscht der Arzt dazu, hat dann die Hebamme nicht mehr das Zepter in der Hand?
    Irgendwie habe ich das Gefühl nach dem ich Eure Geschichten lesen durfte dass die Hebamme es meist im Griff hatte bis plötzlich das Praxispersonal alles beschleunigen wollte…..
    Würde mich freuen wenn jemand, vor allem Du Jana:-) , mir etwas dazu schreibt.

    Viele liebe Grüße
    J aus dem “Schwarzwäldle”

    Antworten
    • Jana Friedrich
      Jana Friedrich sagt:

      Liebe Jen, deine Unerfahrenheit stellt kein Hindernis dar. Wenn die Schwangerschaft regelrecht verläuft, spricht nichts gegen eine Hausgeburt.
      Zu der Beleghebammen-Frage: Meistens arbeiten Beleghebammen in Kliniken, die zu ihnen passen. Auch gibt es vom Klinikpersonal durchaus eine große Hemmschwelle, in eine Beleggeburt “einzugreifen”. Einfach, weil klar ist, dass die Beziehung zwischen Gebärender und Beleghebamme, eine besondere ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Arzt grundlos reinkommt und interveniert. Normalerweise gibt es Absprachen. Wenn eine Geburt ungewöhnlich verläuft besprechen sich Hebamme und Arzt und die Hebamme fungiert dann auch als Vermittlerin. Sie würde zuerst mit der Frau sprechen und auch ankündigen, dass sie nun den Arzt hinzuzieht. Es ist allerdings schon so, dass der Arzt gegenüber der Hebamme weisungsbefugt ist. Das heißt, im Falle einer Meinungsverschiedenheit zwischen Arzt und Hebamme, kann der Arzt anordnen, was passieren soll.
      So weit?
      Liebe Grüße
      Jana

      Antworten
  37. Jen
    Jen sagt:

    Vielen Dank liebe Jana.
    Ich stelle mir, wie gesagt, es Zuhause am schönsten vor!
    Mein Freund allerdings findet diese Idee gar nicht gut:-(
    Und nun bin ich hin und her gerissen.
    Vielen Dank aber für die Information.
    Auf bald
    Jen

    Antworten
  38. Stephanie
    Stephanie sagt:

    Hallo,
    ich bin zum ersten Mal auf diese Seite gestoßen. Ich habe einen Sohn, der jetzt fast 1,5 Jahre alt ist. Da ich Schwangerschaftsdiabetes hatte und unser Sohn geschätzt ziemlich schwer werden würde, hat man uns geraten, die Geburt am errechneten Termin direkt einzuleiten und nicht länger zu warten.
    Gesagt getan – ich war drei Tage lang im Krankenhaus, habe zwei komplette Einleitungen bekommen und nach der ersten Hälfte der dritten Einleitung mit meinem Mann beschlossen, dass wir einen Kaiserschnitt machen lassen werden. Für uns war immer egal, wie unser Kind auf die Welt kommt, es sollte gesund sein! Somit ist für mich keine Welt zusammengebrochen, als auch der dritte Versuch keine Wehen auslöste.
    Unser Arzt hat das ganz anders gesehen – er wollte unbedingt auch die letzte Einleitung beenden, es sollte eine “natürliche” Geburt werden, gerade bei Erstgebärenden sei das wichtig und wir hätten ja noch gar nicht alles versucht usw. Wir waren in unserem Entschluss aber fest und der Meinung, dass es schon einen Grund haben wird, warum unser Sohn sich nicht auf den Weg macht.
    Der Kaiserschnitt war für mich überraschend heftig, ich hatte mit diesem Druckgefühl in der Brust nicht gerechnet. Aber es war kein schlimmes Erlebnis, ich fühlte mich nicht traumatisiert. Klar, bis man wieder “normal” läuft dauert ein bisschen, aber ich habe auch schon Mütter nach einer “natürlichen” Geburt gesehen, die sich nicht setzen konnten etc. Was mich bestärkt hat, immer wieder auf mein Gefühl zu hören war die Tatsache, dass unser Arzt nach dem Kaiserschnitt sehr kleinlaut in der Kreißsaal kam und uns mitteilte, dass ich eine Art zusätzlichen “Verschluss” vor dem Muttermund hatte und unser Sohn auch mit Wehen wahrscheinlich keine Chance gehabt hätte, “normal” auf die Welt zu kommen. Dieser “Verschluss” hat dann auch erklärt, warum die Hebamme bei den wenigen Wehen, die ich hatte, die Fruchtblase nicht öffnen konnte, um die Geburt anzustoßen – sie kam einfach gar nicht an diese heran.
    Unser Sohn war bei seiner Geburt dann 55cm groß und hatte 4.500g auf den Rippen (Gott sei Dank ohne ein “dickes” Kind zu sein…) – und die Ärzte waren insgesamt doch erstaunt und froh, dass es am Ende ein Kaiserschnitt war.
    Ich erzähle diese Geschichte, weil ich allen Frauen sagen möchte, dass es immer sinnvoll ist, auf das eigene Gefühl zu hören. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, kein Besser oder Schlechter – wenn man auf seinen Körper und sein Gefühl hört! Und am Ende geht es doch wirklich nur darum, ein gesundes Kind gesund auf die Welt zu bekommen!

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    • Birgit
      Birgit sagt:

      Ich muss mich dir völlig anschließen: Das ist doch eine persönliche Entscheidung jeder werdenden Mama. Ich hatte letzten November einen geplanten Wunschkaiserschnitt unter Vollnarkose und war damit total glücklich. Mir ging es prima ohne den vorherigen Stress einer spontanen Geburt, die Schmerzen danach waren absolut erträglich, das Kind ist topfit und tiefenentspannt. Besser hätte es nicht laufen können.
      Nach 10 Tagen war ich wieder arbeiten. Für mich wäre die Quälerei einer “natürlichen” Geburt nichts !

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  39. Steffi
    Steffi sagt:

    Huhu

    Ich hoffe ganz viele Frauen lesen das hier! Ich bin auch immer wieder geschickt wieviele Frauen Angst haben während der Schwangerschaft und Geburt!

    Ich habe zwei Kinder 7 Jahre und 11 Monate beide “normal” spontan sich auf den weg gemacht. Dadurch habe ich gelernt das es noch eine “andere” Liebe gibt

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  4. […] Anderen und dem Studium verschiedener Literatur und Quellen, wusste ich recht gut, dass ich eine natürliche Geburt haben wollte. Mit Begleitern, die ich kenne. Die die Möglichkeit haben, wirklich für mich da zu […]

  5. Die Hebammenproblematik. Erneut. Immer noch. Immer wieder. | My Life in Words sagt:

    […] in Deutschland. 10 bis 15% hält die WHO überhaupt nur für gerechtfertigt.”) und klinische normale Geburten gibt es fast gar nicht. Zum Thema Hausgeburt, weil viele unter dem Eindruck sind, dies […]

  6. […] Angenommen du schreibst einen Geburtsplan. Du hast darin klar festgelegt, dass für dich nur eine normale Geburt ohne Interventionen in Frage […]

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