Geburtsvorbereitende Ernährungs-Tipps – kurz & knapp erklärt

Gibt es eine geburtsvorbereitende Diät, oder ein Lebensmittel, für eine leichtere Geburt?
„Iss dieses Lebensmittel, trink jene Tasse Tee. Verzichte einfach kurzfristig auf dies und das und schon wirst du eine leichte, schnelle Geburt erleben.“ Kennst du das?
Vielleicht hast du bereits von Freundinnen, deiner Hebamme oder über Social-Media-Kanäle Tipps, wie zum Beispiel Himbeerblättertee zu trinken, eine Diät nach dem glykämischen Index zu machen, Datteln zu essen oder gar einen Wehencocktail zu mixen, bekommen.
Und wäre es nicht großartig, wenn es wirklich ein Lebensmittel gäbe, dass eine entspannende Wirkung auf die Geburt hätte, oder sie sogar superleicht machen würde?

Was ist dran, an den geburtsvorbereitenden Rezepten und Ernährungsempfehlungen?

Damit du besser einschätzen kannst, was dir nun eigentlich wirklich helfen kann, oder im Zweifel sogar schadet, habe ich ausführlich recherchiert, welche geburtsvorbereitenden Ernährungsempfehlungen es gibt, und wie sie zu bewerten sind.
Dafür habe ich zig Studien gelesen und mich im Zuge dessen mit der Wirkung von Inhaltsstoffen beschäftigt. Ich wollte einfach klären, ob die Ernährungsempfehlungen, die im Umlauf sind, tatsächlich wirken – diese Aussagen also evidenzbasiert sind. Und ich wollte wissen, ob all das auch sicher für dich und dein Baby ist.

Kurz & knapp

Die Empfehlungen zu den verschiedenen Arten der geburtsvorbereitenden Ernährung habe ich in diesem Artikel kurz und knapp für dich zusammengefasst.
Wenn du es gerne ausführlicher wissen willst, dann gibt es zu allen Themen jeweils einen weiterführenden Blogartikel.
Natürlich solltest du immer noch zusätzlich mit deiner Hebamme darüber sprechen, welche Art der Diät für dich grundsätzlich infrage kommt.

Aber nun zu den einzelnen Empfehlungen – los geht’s!

Die Louwen Diät

Obwohl diese Art der Ernährung „Diät“ heißt, ist die Louwen Diät nicht dazu gedacht, Gewicht abzunehmen. Es geht lediglich darum, bestimmte Lebensmittel zeitweise wegzulassen, weil sie den Körper dabei stören, sich hormonell gut auf die Geburt vorzubereiten.

Die Anwendung der Louwen Diät verspricht dir eine kürzere und schmerzärmere Geburt. Dazu sollst du in den letzten 8-6 Wochen vor der Geburt auf Zucker und Weißmehl verzichten.

Warum Louwen Diät?

Der Name dieser Ernährungsform geht auf Prof. Dr. Frank Louwen zurück, der leitender Arzt am Frankfurter Universitätskrankenhaus ist, und dort unter anderem an den Auswirkungen von Zucker in der Schwangerschaft forscht. Dr. Louwen empfiehlt auf seinen Informationsabenden für werdende Eltern, in den letzten Wochen der Schwangerschaft, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten.
Um diese Aussage herum haben sich – wie bei „stiller Post“ – zahlreiche weitere Informationen und Empfehlungen gesellt. Im Netz finden sich inzwischen Gruppen und Profile, die sehr stark eine Diät nach dem glykämischen Index propagieren. Das geht inzwischen weit über die ursprüngliche, recht einfache Ernährungsumstellung hinaus.

Was ist dran, an der Louwen Diät?

Tatsächlich hat es viele Vorteile, keine, oder nur selten solche Kohlenhydrate zu essen, die den Blutzucker im Körper schnell und signifikant ansteigen lassen. Denn das kann zu schwereren Kindern, und damit einhergehend, zu häufigeren Kaiserschnitten führen.

Ob die Ernährungsumstellung der Louwen Diät darüber hinaus wirklich positive Effekte auf die Länge und Intensität der Geburt hat, ist zwar wahrscheinlich, jedoch wissenschaftlich nicht endgültig bewiesen.
Die bisher einzige, mir bekannte, Studie zur Ernährung mit niedrigem glykämischen Index in der Schwangerschaft, von Zhang et al. (2016), kommt zu dem Schluss, dass sich die Ernährungsform positiv auswirken könnte.

Alle Details zur Louwen-Diät findest du im weiterführenden Blogartikel: „Mit der Louwen Diät zu einer leichteren, schmerzarmen Geburt – was ist dran?“.

Verzehr von Datteln in der Schwangerschaft

Ein weiterer Ernährungstipp für schwangere Frauen lautet, Datteln vor der Geburt zu essen.
Schwangere ab der 34. Schwangerschaftswoche sollten täglich sechs Datteln essen, um eine sanftere Geburt zu erleben.

Warum sind Datteln gut für die Geburt?

Auch bei dieser geburtsvorbereitenden Ernährungsempfehlung ist nicht eindeutig geklärt, ob sie, wie versprochen, wirkt.
Die genaue Wirkung ist durchaus umstritten. Es konnte bisher tatsächlich kein wichtiger Nährstoff in der Frucht gefunden werden, von dem bekannt ist, dass er einen positiven Effekt auf Geburtsbeginn, Geburtsverlauf oder Wehen haben könnte.
Der positive Outcome in den bisherigen Studien könnte auch „nur“ auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen sein. Eventuell haben die Schwangeren einfach nur sehr an eine vermeintliche Wirkung geglaubt.

Datteln sind lecker und enthalten auch einige gesunde Nährstoffe, wie Antioxidantien. Daher spricht eigentlich (fast) nichts dagegen, auch in der Schwangerschaft, Datteln zu essen (Achtung bei Gestationsdiabetes!). Und wer weiß, vielleicht hat der Dattelverzehr ja doch eine positive Wirkung und bringt eine leichtere Geburt? Vielleicht zeigen zukünftige Studien noch, dass Datteln tatsächlich positiv auf die Schwangerschaft und den Geburtsverlauf wirken.

Was ist dran, am Dattelverzehr?

Datteln essen hilft vielleicht, und schadet eher nicht.
Aber: Die Louwen-Empfehlung mit dem Dattel-Tipp zu vereinen, ist eigentlich eher ungünstig, da Datteln deinen Blutzucker ziemlich schnell ansteigen lassen. Herr Louwen scheint diese Kombination übrigens eher entspannt zu sehen.

Alle Details zum Dattelverzehr findest du im weiterführenden Blogartikel: „Datteln zur Geburtsvorbereitung – Verhelfen Datteln in der Schwangerschaft zu einer schnelleren, leichten Geburt?“.

Himbeerblättertee trinken

Oft empfehlen Hebammen Himbeerblättertee für eine schmerzreduzierte Geburt. Aber kann der Genuss von ein paar Tassen Tee wirklich geburtsvorbereitend wirken?

Laut der Empfehlung sollen Schwangere ab der 34. Schwangerschaftswoche 1-3 Tassen Himbeerblättertee trinken. Die als Tee aufgebrühten Himbeerblätter sollen 5-10 Minuten ziehen gelassen, und dann getrunken werden. Durch den Tee soll der Körper, vorwiegend die Gebärmutter und der Beckenboden, auf die Geburt vorbereitet werden. Die Wirkstoffe gelten außerdem als Wehen fördernd, entkrampfend und entspannend.

Was ist dran, am Himbeerblättertee?

In großen Studien, wie der von Holst et al. (2009) oder Nordeng et al. (2011), konnte eine positive Wirkung der Himbeerblätter nicht nachgewiesen werden.

Tatsächlich rät die Europäische Behörde für Arzneimittelsicherheit (2014) Schwangeren vom regelmäßigen Trinken des Himbeerblättertees ab. Daher solltest du in den letzten Schwangerschaftswochen besser auf diese Anwendung verzichten – zumindest von größeren Mengen.
Alle Details zum Himbeerblättertee findest du im weiterführenden Blogartikel: „Über Anwendung & Wirkung von Himbeerblätter-Tee zur Geburtsvorbereitung“.

Der Wehencocktail

Ein Wehencocktail und die Geburt geht los? Vielerorts liest man, dass die Einnahme des Mixgetränks aus Rizinusöl, Alkohol und Saft, der heiße Tipp zur Geburtseinleitung schlechthin ist. Im Netz finden sich verschiedene Wehencocktail-Rezepte. Einige Rezepte sind ausgefeilter als andere, und enthalten zusätzlich zum Rizinus und Alkohol noch Mandelmus oder Eisenkraut.

Wie wirkt der Wehencocktail?

Es heißt, durch diesen sogenannten Wehencocktail kommt es zu starken Darmkontraktionen und Durchfall. Dadurch soll dann auch, die neben dem Darm befindliche, Gebärmutter dazu angeregt werden, starke Wehen zu produzieren.
Das stimmt zwar in gewisser Weise, aber tatsächlich hat das Rizinusöl nicht nur eine indirekte, sondern auch eine sehr direkte und starke Wirkung auf die Gebärmutter.

Was ist dran, am Wehencocktail?

Nach Anwendung dieser Maßnahme, kommt es deutlich häufiger zu geburtshilflichen Notfällen, die dann oft im Kaiserschnitt enden (Leitlinie Geburtseinleitung, 2020).
Die Einnahme des Wehencocktails kann also schlimme Nebenwirkungen mit sich bringen. Daher sollte dieses wehenfördernde Mittel keinesfalls auf eigene Faust eingenommen werden. Und mal ganz abgesehen von diesem eklatanten Risiko, sollten Schwangere natürlich, zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft, Alkohol zu sich nehmen (BZGA, 2021).

Alternative Einleitungsmethoden

Es gibt andere, weitaus sichere Einleitungsmethoden, um die Geburt künstlich in Gang zu bringen – wenn es denn überhaupt sein muss.

Alle Details zum Wehencocktail findest du im weiterführenden Blogartikel: „Ist der Wehencocktail zur Geburtseinleitung eine gute Methode, oder gefährlich?“.

Geburtsvorbereitung & Ernährung

Was ist denn nun die richtige geburtsvorbereitende Ernährung in den letzten Schwangerschaftswochen?
Dass bestimmte Lebensmittel dir eindeutig nachweisbar zu einer einfacheren und schnelleren Geburt verhelfen, wissen wir derzeit leider nicht. Ganz sicher ist aber, dass eine ausgewogene Ernährung, auch in den letzten Wochen der Schwangerschaft, natürlich gesund ist.

Geburtszufriedenheit

Die gute Nachricht für dich ist: du musst dich nicht mit der Einhaltung zahlreicher Ernährungsempfehlungen stressen. Denn ob die Geburt schnell oder langsam verläuft, einfach oder schwer ist, hängt von deutlich mehr relevanten Einflussfaktoren ab als nur von der Ernährung. Tatsächlich hat all das aber auch nicht wirklich viel damit zu tun, wie zufrieden du später mit deinem Geburtserleben sein wirst.
Ich habe schon Frauen erlebt, die langwierige, echt schwierige Geburten hatten, und dennoch vollkommen glücklich damit waren. Und es gab Frauen, die mit einer deutlich leichteren Geburt richtig unzufrieden waren. In meiner Wahrnehmung gibt es deutlich wichtigere Einflussfaktoren für die Geburtszufriedenheit, wie etwa eine gute Begleitung durch Partner*in und Hebamme, ein Gefühl von Selbstbestimmung und eine ruhige, stressfreie Geburtsumgebung – um nur ein paar zu nennen.

Positive Einflussfaktoren auf die Geburt

Es gibt einiges, was du ganz aktiv dafür tun kannst, um körperlich fit und mental gut vorbereitet in deine Geburt zu starten.
Was das ist, erfährst du in jedem guten Geburtsvorbereitungskurs und im Gespräch mit deiner erfahrenen Hebamme.

Feedback

Welche Ernährungstipps rund um die Geburt hast du noch bekommen? Fehlt hier einer, den ich noch unbedingt unter die Lupe nehmen sollte?
Wenn du Fragen zu den einzelnen Themen haben solltest, lies bitte erst die weiterführenden Artikel, und hinterlasse dann gerne deine Fragen dazu in den entsprechenden Kommentaren.

 

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2021, Kein Alkohol in der Schwangerschaft zum „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ über die Risiken von Alkoholkonsum werdender Mütter. BZGA Online

European Medicines Agency, 2014. Assessment report on Rubus idaeus L., folium, EMA online

Holst, L., Haavik, S., & Nordeng, H. (2009). Raspberry leaf – Should it be recommended to pregnant women? Complementary Therapies in Clinical Practice, 15(4), 204–208. doi.org/10.1016/j.ctcp.2009.05.003

Induction of labour. Guideline of the German Society of Gynecology and Obstetrics (S2k, AWMF Registry No. 015-088, December 2020). AMF Online

Nordeng, H., Bayne, K., Havnen, G. C., & Paulsen, B. S. (2011). Use of herbal drugs during pregnancy among 600 Norwegian women in relation to concurrent use of conventional drugs and pregnancy outcome. Complementary Therapies in Clinical Practice, 17(3), 147–151. doi.org/10.1016/j.ctcp.2010.09.002

Zhang, R., Han, S., Chen, G.-C., Li, Z.-N., Silva-Zolezzi, I., Parés, G. V., Wang, Y., & Qin, L.-Q. (2018). Effects of low-glycemic-index diets in pregnancy on maternal and newborn outcomes in pregnant women: A meta-analysis of randomized controlled trials. European Journal of Nutrition, 57(1), 167–177. doi.org/10.1007/s00394-016-1306-x

Transparenz, Publikation & Handout

Dieser Artikel ist eine Ableitung aus meinem Vortrag „Von Zuckerverzicht bis Plazentophagie – Ernährungsfragen in der Geburtsvorbereitung“ – gehalten auf diversen Weleda-Fachtagungen für Hebammen.
Eine Zusammenfassung wurde im Fachmagazin „Weleda Hebammenforum“ im Mai 2022 publiziert und kann über weleda.de/fachportal bezogen werden.
Darin enthalten ist das Original-Handout für Schwangere, das ab sofort auch hier im Blog als PDF-Download zur Verfügung steht. Ich danke Weleda für die freundliche Bereitstellung.
Der Text ist jedoch kein Bestandteil der Beauftragung. Darüber hinaus hat Weleda zu keinem Zeitpunkt inhaltlichen Einfluss auf die Ausarbeitungen des Vortrags oder die Erstellung dieser Artikelserie genommen. Die Inhalte basieren auf meiner aktuellen, persönlichen Recherche und spiegeln meine eigene Meinung wider.

Jede Frau hat das Recht auf eine positive, selbstbestimmte Geburtserfahrung. Seit ich Hebamme geworden bin verhelfe ich Frauen dazu.
Ich bin Jana Friedrich, Mutter von zwei Kindern, Hebamme seit 1998 (und seit September 2020 mit B. Sc. of Midwifery), Bloggerin seit 2012, Autorin zweier Bücher, Speakerin und Expertin im Themenbereich Familie. Mit meiner Expertise unterstütze ich darüber hinaus auch Kulturschaffende, Firmen und Politiker*innen.
In diesem Blog teile ich mit dir mein Wissen und meine Erfahrung rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und das erste Jahr mit Baby.
Du bekommst bei mir Informationen, Beratung und „Zutaten“ zur Meinungsbildung für eines der spannendsten Abenteuer des Lebens.

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4 Kommentare
  1. Avatar
    Iris sagte:

    Mir wurde noch geraten, täglich Leinsamen zu essen. Die sollen die Schleimhäute geschmeidiger machen und den Geburtsvorgang erleichtern. Sicher bin ich mir hier aber auch nicht, denn man muss auf jeden Fall dann nochmal mehr trinken und auf manchen Packungen steht „kann beim Zerkleinern Blausäure freisetzen“.
    Mein Gefühl ist eigentlich auch eher, dass eine gute mentale Vorbereitung und Entspannung wesentlich wichtiger sind als alle speziellen Ernährungstipps.

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    • Avatar
      jana sagte:

      Liebe Iris, da hast du absolut recht. Eine gute mentale Vorbereitung ist wichtig.
      Flo- oder Leinsamen würde ich nur essen, wenn du wirklich an Verstopfung leidest.
      Viel Trinken ist dann essenziell, denn sonst wird es sogar schlimmer.
      Liebe Grüsse
      Jana

      Antworten

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